Goswin II.                                     Graf von Heinsberg
-------------                                    Graf von Valkenburg
um 1100/05- nach 1160
                  (8. April 1167/68)
 

Jüngerer Sohn des Grafen Goswin I. von Heinsberg und der Oda von Walbeck, Tochter von Graf Siegfried II. im Nordthüringengau
 

Goswin II. folgte dem Vater und Bruder Gerhard I. als Graf von Heinsberg und Valkenburg. Er war eine treue STAUFER-Stütze, zog mehrmals mit nach Italien und war dort zeitweise Statthalter von Ancona. Er stritt viel mit seinen Nachbarn, besonders den Herzögen von Limburg, die Heinsberg 1144 zerstörten. Er förderte die Prämonstratenser und stiftete das Kloster Heinsberg.

Corsten Severin:
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"Philipp von Heinsberg"

Tatsächlich erbte Goswin II. diese Herrschaft Valkenburg an der Geul, in der heutigen niederländischen Provinz Limburg, von seinem Vater, der seit spätestens 1119 Herr von Heinsberg und Valkenburg war. Als Goswin I. 1128 starb, fiel die Herrschaft Heinsberg an seinen ältesten Sohn Gerhard, während der am 13. Juni desselben Jahres zu Aachen in der Umgebung des Königs begegnende "Gozwinus de Montfalconis" der Vater Philipps ist. Nach Gerhards Tod (7. August 1129?) hat ihn sein Bruder Goswin auch in Heinsberg beerbt; denn er nannte sich ausweislich einer Urkunde König LOTHARS vom 18. März 1132 auch nach dieser Herrschaft. Daß er auch Vakenburg weiterhin besaß, geht aus anderen Belegen hervor, in denen er sich als Herr von Valkenburg zu erkennen gibt.
Es ist gewiß kein Zufall, daß die beiden HEINSBERGER verhältnismäßig häufig in der Umgebung von König LOTHAR III. (VON SÜPPLINGENBURG) erwähnt werden. Die wohl mit den verwandtschaftlichen Beziehungen der HEINSBERGER zu sächsischen Familien zu begründende Bindung an den SÜPPLINGENBURGER hatte ein feindseliges Verhältnis zu den STAUFERN zur Folge. Das hatte für Goswin II. böse Konsequenzen, als nach dem Tode LOTHARS (3./4. Dezember 1137) mit KONRAD III. die STAUFER das höchste Amt erlangten. Ob Goswin bei der Krönung KONRADS in Aachen (13. März 1138) anwesend war, ist ungewiß. Am anschließenden Kölner Hoftag muß er wenigstens anfangs teilgenommen haben; denn er war Zeuge bei einem Rechtsakt zugunsten der Abtei Burtscheid. Daß er aber nicht mehr genannt wird, als es drei Tage später um die Besitzrechte von Saint Remi in Meeressen ging, wo Goswin Vogt war, gibt zu denken. Jedenfalls kam es bald zu einem schweren Konflikt, als der König dem HEINSBERGER die Reichslehen Gangelt und Richterich entzog. Goswin weigerte sich, die Güter, die er lange Jahre besessen hatte, herauszugeben. Da zerstörte Herzog Heinrich von Limburg auf königlichen Befehl als Strafmaßnahme Heinsberg, ohne daß er ernstliche Gegenwehr erfahren hätte (1144).
Nach der Katastrophe scheint sich Goswin noch einmal zum Erscheinen bei Hofe bereitgefunden zu haben, sonst aber ist er in der Umgebung der Königin nicht mehr nachzuweisen. Umso engere Beziehungen unterhielt der HEINSBERGER mit den Erzbischöfen von Köln, wo er vor allem in der Nähe von Erzbischof Arnold I. auffallend häufig anzutreffen ist. Eine "enge Fühlung zu den Häusern HEINSBERG und BERG" sei für den Kirchenfürsten charakteristisch, meint der Biograph Arnolds. Mit Arnolds übernächsten Nachfolger, Friedrich II. von Berg, zerstörte Goswin gemeinschaftlich die Burg Harpers von Randerath, wobei unklar ist, ob das etwas mit dem lothringischen Dukat der Kölner Erzbischöfe oder mit verwandtschaftlichen Bindungen zu tun hat. Auch Goswin zeigte sich zur Versöhnung bereit und erschien zur Krönung FRIEDRICHS I. in Aachen (9. März 1152). Der König zog ihn als Zeugen bei der Besitzbestätigung für die Abtei Stablo heran, befaßte sich aber auch mit der alten Streitfrage um die Rechte des Vogtes an den Gütern von Saint Remi in Meerssen. Der auch von der rechsthistorischen Forschung beachtete Urteilsspruch des Königs fiel nicht gerade zugunsten Goswins aus; dennoch scheint er die Beziehungen der HEINSBERGER zu den STAUFERN nicht auf Dauer getrübt zu haben. Es hat sich vielmehr eine Wende angebahnt, die dazu führte, daß Goswin III. von Heinsberg-Valkenburg, Sohn Goswins II. und Bruder von Erzbischof Philipp, im Reichsdiesnt zu Ansehen und Ehren gelangte.
Goswin II. war in der Umgebung des Königs am 11. April 1154 in Quedlinburg; die Ordnung der Zeugenreihe schließt einigermaßen sicher aus, daß es sich hier um den jüngeren Goswin handelt. Ob er aber auch am 1. Italienzug FRIEDRICHS teilnahm, ist unsicher. In den Urkunden, die auf italienischen Boden ausgestellt worden sind, kommt zwar mehrfach ein Goswin von Heinsberg bzw. Valkenburg vor. Er hat aber vereinzelt den Beinamen "minor", wie es auch vor Beginn des Italienzuges in Maastricht der Fall war, wo das Hofgericht tagte. Es sieht so aus, als habe der Sohn seinen Vater auf diesem Zuge vertreten. Wer von beiden dann am 20. Februar 1156 in Frankfurt am Hofe des Kaisers war, kann auch nicht eindeutig entscheiden werden.
Seit November 1165, das heißt noch zu Lebzeiten Goswins II., weilte auch Philipp als Domdechant von Köln in der Umgebung des Königs; im Oktober des folgenden Jahres folgte er Erzbischof Rainald von Dassel auf dem vierten Zug des Kaisers nach Italien.
Hier ist festzustellen, dass Goswin II. und seine Söhne eine Kehrtwende in der bisherigen Politik den STAUFERN gegenüber vollzogen haben, die erstaunlich ist. Ob der Vater wirklich mit dem Herzen dabei war, wissen wir nicht. Wann Goswin II. gestorben ist, entzieht sich der genauen Feststellung. Das Totenbuch der Heinsberger Prämonstratenserinnen hat den Todestag seines Stifters unter dem 8. April vermerkt. Anfang August 1166 war er noch in der Umgebung von Erzbischof Rainald von Dassel. Seitdem wird er in keiner Quelle mehr als lebend erwähnt. Aus der Besitzbestätigung seines Sohnes Philipp für das Heinsberger Gangolfusstift von 1170 geht eindeutig hervor, daß er da bereits verstorben war. Unter diesen Umständen wird man annehmen dürfen, dass Goswin II. am 8. April 1167 oder 1168 verstorben ist.
 
 
 
 

  oo Adelheid von Sommerschenburg, Tochter des Pfalzgrafen Friedrich I.
              - um 1178
 
 
 
 

Kinder:

  Mathilde Erbin von Sommerschenburg
         -20.1.1189

vor 1159
  oo Dedi V. Graf von Wettin-Lausitz
       vor 27.2.1142-16.8.1190

  Hermann Geistlicher
         -

  Salome
        -

  oo Otto Graf von Assel
              -31.8.1171/75

  Goswin III. Graf von Valkenburg
          -   1168/75

  Gottfried I. Graf von Heinsberg
        -   1190

  Philipp I. von Heinsberg Erzbischof von Köln (1167-1191)
  1130-13.8.1191
            bei Neapel