HOHENZOLLERN

STAMMTAFEL im Anhang Band IX des Lexikons des Mittelalters

EUROPÄISCHE STAMMTAFELN NEUE FOLGE BAND I.1 Tafeln 116 B-141
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Seite 83
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Hohenzollern
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nach der Zollern-Burg (Schwäbische Alb, Gemeinde Zimmern) benannte Dynastie
Angehörige des Geschlechts werden erstmals 1061 genannt.
Nichtfürstliche Abkunft begünstigte die Bildung von Herkunftssagen. Der den Staufern verbundene Graf Friedrich III. (I.) wurde 1191/92 nach dem Aussterben der Grafen von Raabs von König HEINRICH VI. mit der Burggrafschaft Nürnberg belehnt. Seine Söhne teilten 1204 den Besitz:
Konrad I., der die um 1200 erloschenen Grafen von Abenberg beerbt hatte, erhielt die Grafschaft Nürnberg und begründete die fränkischen Linien bzw. die brandenburgisch-preußischen, Friedrich IV. (II.) erhielt die schwäbischen Stammbesitzungen. Der durch oft nachdrückliche Unterstützung der Reichsgewalt begünstigte Aufstieg der HOHENZOLLERN in Franken setzte sich fort nach dem Aussterben der Herzöge von Andechs-Meranien (1248), aus deren Erbmasse sie zunächst nur Bayreuth gewinnen konnten. Das fränkische Herrschaftsgebiet, seit Mitte des 13. Jahrhunderts meist von der Cadolzburg aus regiert, vergrößerten sie durch das Reichslehen Wunsiedel (1285), durch den Kauf von Ansbach (1331) und den Erwerb von Schwabach (1364) und Gunzenhausen (1368). 1363 erreichte Burggraf Friedrich V. bei Kaiser KARL IV. die Erhebung in den Reichsfürstenstand enstand. Die Erbbestimmungen von 1372 und 1385 teilten die stark zerstückelten fränkischen Besitzungen in zwei Gebiete:
das Land unter dem Gebirge (Residenz zunächst Cadolzburg, dann Ansbach) und das Land auf dem Gebirge (Residenz Plassenburg, 1340 mit Kulmbach aus dem Erbe der Grafen von Orlamünde gewonnen).
1373 kauften die
HOHENZOLLERN das seit dem meranischen Erbfolgestreit beanspruchte Hof von den Vögten von Weida und ergänzten in den letzten Jahrzehnten des 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts ihre Erwerbungen durch Wassertrüdingen, Feuchtwangen, Uffenheim, Crailsheim und Erlangen.
Grablege der fränkischen HOHENZOLLERN war das Kloster Heilsbronn. Der allmähliche Rückzug aus Nürnberg (1427 Verkauf der Burggrafenburg an die Reichsstadt) stand im Zusammenhang mit der politischen Umorientierung der
HOHENZOLLERN nach der Belehnung Friedrichs VI. (I.) (12. F.) mit der Mark Brandenburg (1415), die ihre Position in Franken wie im Reich stärkte und den Grund für den Aufstieg Brandenburg-Preußens legte. Die von Kürfürst Albrecht Achilles (8. A.) erlassene Dispositio Achillea (1473) beschränkte die Erbfolge auf eine brandenburgische Linie, der die Kurwürde vorbehalten blieb, und zwei fränkische Linien.
Den schwäbischen
HOHENZOLLERN, seit der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts durch zahlreiche Teilungen, Erbstreitigkeiten, Verpfändungen, schließlich Zerstörung der Stammburg durch die schwäbischen Reichsstädte (1423) geschwächt, gelang erst ab Ende des 15. Jahrhunderts die Konsolidierung und Vergrößerung der Herrschaft.
A. Wendehorst

Bibliographien:
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Frk. Bibliogr., hg. G. Pfeiffer, I, 1965, Nr. 1161-1526; Nr. 6147-6476; Nr. 7615-8363; II/1, 1969, Nr. 22035-22088; II/2, 1970, Nr. 35101-35175
W. Bernhardt-R. Seigel, Bibliogr. für H.ische Gesch., Zs. für H.ische Gesch. 10/11, 1974/75
Q.: Cod. diplomaticus Brandenburgensis, hg. A.F. Riedel, 41 Bde, 1838-69
Mon. Zollerana, 8 Bde, Registerbd., 1852-90
H.ische Forsch., 1-8, 1892-1902; Forts.: Q. und Forsch. zur Dt., insbes. Hohenzoller. Gesch. 1-8, 1903-15

Literatur:
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NDB IX, 496-501
A.F. Riedel, Gesch. des Preuß. Kg.shauses, 2 Bde, 1861
L. Schmid, Die älteste Gesch. des erl. Gesammthauses der Kgl. und Fsl. H., 3 Bde, 1884-88
O. Hintze, Die H. und ihr Werk, 19168
A. Schwammberger, Die Erwerbspolitik der Burggf.en v. Nürnberg in Franken [-1361], 1932
R. Seigel, Die Entstehung der schwäb. und frk. Linie des Hauses H., Zs. für H.ische Gesch. 5, 1969, 9-44
G. Schumann, Die Mgf.en v. Brandenburg-Ansbach, Jb. des Hist. Vereins für Mittelfranken 90, 1980
R. Seyboth, Die Mgf.entümer Ansbach und Kulmbach unter der Regierung Mgf. Friedrichs d. Ä. (1486-1515), 1985
R.-M. Kiel, Die Hauschronik der Gf.en v. Zollern, Arch. für Gesch. v. Oberfranken 68, 1988, 121-148
R. Seyboth, Nürnberg, Cadolzburg und Ansbach als spätma. Residenzen der H., JbffL 49, 1989, 1-25
Brandenburg.


Auf das Geschlecht der BURCHARDINGER, welches im 10. Jahrhundert Schwaben einige Herzoge gegeben hat und in welchem die Namen Burchard und Adalbert (in der Folge Albert) besonders beliebt waren, dürften die schwäbischen Grafen-Geschlechter zurückzuführen sein, die sich nach den Burgen Zollern und Hohenberg nannten und von denen das erstere heutzutage den deutschen Kaiserthron ziert, während die Stammgraf- und Herrschaften des letzteren im Jahre 1381 durch Kauf an das habsburgisch-österreichische Kaiser-Haus kamen. Läßt sich auch jene Abstammung des genaueren nicht mehr feststellen, so weist anderseits die Tatsache, daß in den beiden Familien die Taufnamen Burchard, Adalbert und Friedrich heimisch sind und daß die Herrschaften derselben ineinandergreifen, bestimmt auf ihre Stammesverwandtschaft hin. Als der Hauptzweig wird in der Regel der Zollersche angesehen, doch steht dies keineswegs ganz fest. Zu den Ahnen des Geschlechtes zählt ohne Zweifel Adalbert, welcher 874-889 als Graf des Scherragaues erwähnt wird, in späteren Jahrhunderten des hauptsächlichsten Grafenbezirkes der Hohenberger Linie; es folgen sodann: vielleicht der aus Herzog Ernsts II. von Schwaben Geschichte bekannte schwäbische Graf Friedrich (Seite 200); Burchard und Wezel von Zollern, die im Jahre 1061 ein blutiges Ende fanden; Adalbert von Zollern im Jahre 1095 Mitstifter des Klosters Alpirsbach, auch Graf von Zollern und von Haigerloch genannt; Graf Friedrich von Zollern ( vor 1125) Zeuge bei Bestätigung der Stiftung und Schirmvogt des genannten Klosters, wohl dieselbe Person mit dem Grafen Friedrich, welcher 1113 als Graf im Scherragau und einige Male in Urkunden Kaiser HEINRICHS V. vorkommt.
Die Geschichte des Zollerischen Zweiges des Geschlechtes, dessen Stammburg außerhalb der Grenzen des Königreichs Württemberg liegt, ausführlicher zu erörtern, ist hier nicht der Ort; es mögen vielmehr nur einige wenige Angaben in dieser Hinsicht Platz greifen. Wohl der Enkel des zuletzt genannten Grafen Friedrich, Sohn eines um 1150 verstorbenen Grafen Friedrich von Zollern, ist Graf Friedrich von Zollern (
wahrscheinlich 1201). Nachweislich seit 1171 im Gefolge der STAUFER FRIEDRICHS I., HEINRICHS VI., PHILIPPS, erwarb er durch seine Vermählung mit Sophie, dem einzigen Kinde des Grafen Konrad II. von Raabs (der Burg am Zusammenfluß der deutschen und bömischen Thaya in Österreich unter der Enns) um 1192 als deren Erbe und zugleich infolge kaiserlicher Verleihung das Burggrafenamt Nürnberg nebst den bedeutenden Raabschen Gütern in Franken und Österreich, an welche sich, wahrscheinlich gegen 1250, die Abenbergischen anschlossen. Von seinen beiden Söhnen, welche, wohl im Jahre 1277, sich in den väterlichen Besitz teilten, wurde Friedrich (II. als Burggraf von Nürnberg dieses Namens um 1255) der Stifter der schwäbischen, Konrad I. (III. als Burggraf, 1261), derjenige der fränkischen Linie des Hauses ZOLLERN.
Als Grafschaft verwaltete der Zollersche Stamm die Hattenhuntare, innerhalb deren seine Stammburg lag, und welche von ihm den Namen Grafschaft Zollern bekam, sowie den von der Perihtilinbar abgelösten Teil, welcher in späterer Zeit Grafschaft Haigerloch genannt wurde. Was ferner sonstigen Besitz des Geschlechtes im Württembergischen betrifft, so ist das heutige Oberamt Balingen großenteils aus uralten Zollerischen Besitzungen gebildet, welche mit der Feste Schaltzburg (Schalksburg), auf der im Jahre 1266 Graf Friedrich urkundete, im Jahr 1403 an Württemberg verkauft wurden, ferner bildete Mühlheim, das im Jahre 1241 im Besitz der Familie genannt wird, eine eigene Zollerische Herrschaft; außerdem werden noch einzelne Zollerische Güter auch in den Oberämtern Rottweil, Oberndorf, Sulz, Rottenburg und Münsingen aufgeführt.
Die beiden am frühesten in Urkunden erwähnten Grafen, welche sich nach Hohenberg nannten, Burchard I. (1170-1193), der bald als Graf von Zollern, bald, und zwar häufiger, als Graf von Hohenberg vorkommt, und Friedrich, Graf von Hohenberg (1179-1195) waren wohl Söhne des im Jahre 1150 letztmals genannten Grafen Burchard von Zollern, ersten Burggrafen von Nürnberg aus diesem Hause. Sie erscheinen einigemale am Hoflager der Kaiser FRIEDRICHS I. und seines Sohnes HEINRICHS VI., sowie der gleichzeitigen schwäbischen Herzoge. Burchard wäre es wohl, welcher nach einem jüngeren Dichter den erstgenannten Kaiser auf dessen Kreuzzug begleitet hätte; Friedrich findet sich im Jahre 1186 als Gefährte Kaiser HEINRICHS VI. in Italien. Burchards I. Söhne, Graf Burchard II. (
vor 1225), und Graf Albert I. ( vor 1237) werden im Gefolge König PHILIPPS, der erste auch Kaiser FRIEDRICHS II., der zweite König HEINRICHS (VII.) genannt. Während diesem Albert vielleicht der heilige Albert von Haigerloch (Mönch in Oberaltaich 1131) als Sohn zuzuschreiben ist, pflanzte Burchards II. Sohn, Graf Burchard III. ( 1253) den Hohenberger Stamm fort, welcher in der Folge in seinen Kindern, vor allem in dem schon im Jahre 1262 in der Umgebung Herzog Konradins genannten Grafen Albert II. (1258-1298), den Höhepunkt seiner Blüte erreichte.
Die Hohenbergische Linie des Zollerischen Hauses erhielt bei ihrer Abscheidung von den Hauptsitzen des Geschlechtes insbesondere die namengebende Burg Hohenberg, Rottenburg am Neckar, ein Lehen des Bistums Bamberg und gleichfalls namengebend für das Geschlecht, und das später wieder Zollerischen Haigerloch. Zu den um diese Burgen sich bildenden Herrschaften kam jedoch um die Mitte des 13. Jahrhunderts namentlich, ohne Zweifel durch Vermählung Graf Burchards III. mit einer Pfalzgräfin von Tübingen, umfangreicher Besitz im Schwarzwald, insbesondere im Gebiet der Nagold, woselbst genannter Graf auch Bamberger Lehen inne hatte. Zur eigentlichen Stamm-Grafschaft des Geschlechtes, derjenigen des Scherragaues, trat wohl in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts die Grafschaft des Sülichgaues.
Der Hohenbergische Wappenschild war von Silber und Rot quer geteilt. Der von Silber und Schwarz viergeteilte Zollerschild kommt im Jahre 1248 erstmals bei der schwäbischen Linie, seit 1265 auch bei der fränkischen Linie des Geschlechtes vor; in früheren Jahrzehnten erscheint der burggräflich nürnbergische Löwe als Zollerisches Wappenbild, so daß es zweifelhaft ist, ob jener Zollerschild seinen Ursprung einer Neubildung verdankt oder eine Erneuerung des von dem Urstamme der Grafen von Zollern-Hohenberg geführten Wappens ist.