Vom 3.6.1098 bis 17.5.1268 normannisches Kreuzfahrerfürstentum.
Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 716
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Antiocheia, Antiochia
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III. DER STAAT DER KREUZFAHRER
Das 1098-ca. 1268 bestehende Fürstentum
Antiochia (mit lateinischem Patriarchat Antiochia verbunden)
wurde von dem Italo-Normannen Bohemund
von Tarent während des 1. Kreuzzuges gegründet; es umfaßte
das Gebiet der byzantinischen Provinz Antiochia (vor der seldschukischen
Eroberung 1085). Es wurde in der Folgezeit von Aleppo bis zum zentralen
Taurus und zur kilikischen Ebene ausgedehnt. Doch ein halbes Jahrhundert
nach der Eroberung des Orients durch die Lateiner wurde Antiochia
zur bedeutendsten Zielsscheibe der muslimischen "Gegenkreuzzüge",
die sich auf das obere Mesopotamien richteten, und es verlor alle seine
Eroberungen wieder, vor allem nachdem die Grafschaft Edessa gefallen war
(1144). Die Verlagerung der Hauptfront der Feindseligkeiten nach der Einnahme
von Ägypten durch Saladin (1169)
ermöglichte dem Fürstentum jedoch fast ein ganzes Jahrhundert
lang das Überleben unter einer Dynastie von Fürsten, die sämtlich
den Namen Bohemund trugen.
Infolge seiner geopolitischen Situation hatte das Fürstentum mit
größeren außenpolitischen Problemen zu kämpfen als
das gleichzeitige lateinische Königreich Jerusalem. Das Byzantinische
Reich gab seinen Anspruch auf Rückeroberung dieses von ihm einst beherrschten
Gebietes niemals auf: 1137 wurde Antiochia
von Kaiser Johannes II. zur Anerkennung
byzantinischer Oberhoheit gezwungen. Kirchlich gelang es Byzanz, neben
oder sogar anstelle des lateinischen Oberhirten einen griechischen Patriarchen
wiedereinzusetzen. Die Gefahr einer Wiedereingliederung in Byzanz schwand
erst nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Lateiner 1204. Auf
der anderen Seite bestanden Beziehungen zu den Armeniern von Kilikien,
die, nachdem sie zunächst mit Antiochia gegen Byzanz verbündet
gewesen waren, in Kilikien ein eignes Königreich (Klein-Armenien)
gründeten und Anfang des 13. Jahrhunderts Antiochia
sogar als Besitz beanspruchten. Die Versöhnung, die Ludwig
der Heilige zwischen ihnen und Bohemund VI. zustande
brachte, zog den Fürsten von Antiochia
in das armenische Kielwasser und brachte ihn an die Seite der Mongolen,
die zu dieser Zeit den ganzen Nahen Osten eroberten. Das erklärt die
außergewöhnlich heftige Rache, die die ägyptischen Mamluken
an Antiochia übten, als es ihnen gelungen war, die Invasoren aufzuhalten.
Das Fürstentum fiel 1268; allerdings bestanden noch 20 Jahre lang
Bruchstücke unter Fürsten, die Ende des 12. Jahrhunderts auch
Erben der Grafschaft Tripolis geworden waren.
Die Geschichte des Fürstentums zeigte einen durchaus eigenständigen
Charakter. Obwohl seine Struktur in vieler Hinsicht derjenigen anderer
Staaten des lateinischen Orients ähnlich war, und der Staat im 12.
Jahrhundert zeitweise den Königen von Jerusalem unterstellt war, trug
es doch auch ganz eigene Züge. Im Gegensatz zum Königreich Jerusalem
waren in der einheimischen Bevölkerung die armenischen und byzantinischen
Elemente wesentlich tragender als die muslimischen. Andererseits hatte
der italo-normannische Adel sein eigenes Recht eingeführt, dessen
Hauptzeugnis, die "Assisen von Antiochia", eigentümlicherweise in
einer armenischen Übersetzung, die im 13. Jahrhundert in Kilikien
benutzt wurde, überliefert ist. Im Levantehandel spielte das Fürstentum
eine geringere Rolle als Akkon im Königreich Jerusalem und Ayas im
13. Jahrhundert in Kilikien. Hingegen war die Kommune von Antiochia, entstanden
im Widerstand gegen die Armenier, die einzige des lateinischen Orients,
die lange Zeit eine echte Existenz bewahrte.
Die militärischen Erfordernisse veranlaßten die Herrscher
des Fürstentums, wie die der anderen Lateinerstaaten, Burgen zu bauen
oder auszubauen. Die beiden wichtigsten sind Sahyun und Margat. Die militärischen
und finanziellen Schwierigkeiten ihres Unterhalts veranlaßten die
weltlichen Herren des 12. Jahrhunderts, ihre Burgen Ritterorden zu überlassen,
den Templern (Bagras) und den Johannitern (Margat), die in der Geschichte
Antiochias im 13. Jahrhundert große Bedeutung erlangten.
| Bohemund I. | 1098-1111 |
| Tankred | 1111-1112 |
| Bohemund II. | 1112-1130 |
| Konstanze | 1130-1163 |
| Raimund I. | 1135-1149 |
| Rainald von Chatillon | 1152-1160 |
| Bohemund III. | 1163-1201 |
| Bohemund IV. | 1201-1233 |
| Bohemund V. | 1233-1252 |
| Bohemund VI. | 1252-1268 |