Begraben: S. Nicolo Pisa
Nachgeborener Sohn des Herzogs
Rudolf II. von Österreich und der Agnes
von Böhmen, Tochter von König
Ottokar II.
Lexikon des Mittelalters: Band V Seite 512
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Johann Parricida, Herzog von Österreich und Steier
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+ 13. Dezember 1313 (1312)
Pisa
Begraben: Pisa S. Niccolo
Postumer Sohn Rudolfs II. (+ 10. Mai 1290)
Johann wuchs zunächst in den habsburgischen Stammlanden (Brugg bzw. Baden im Aargau) auf, nach dem Tod seiner Mutter Agnes, der Tochter König Ottokars II. Premysl (1297), befand er sich am Hofe König Wenzels II. in Prag. Nach dessen Tod (1305) nicht als Anwärter auf den böhmischen Thron in Betracht gezogen, bemühte er sich vergeblich um das Witwengut seiner Mutter (um Lenzburg und Baden); ebenso blieb ihm der Erfolg bei seinem Bemühen um die seinem Vater 1283 anlässlich dessen Herrschaftsverzichtes in den ehemals babenbergischen Ländern in Aussicht gestellter Entschädigung versagt. Um ihn sammelten sich die unzufriedenen schweizerischen Herren, sein Onkel, König ALBRECHT I., hielt den jungen Mann, der spätestens seit 1307 - machtloser - Mitregent in den Stammlanden war, immer wieder hin. Seine aussichtslose Situation trieb Johann Parricida schließlich zum Königsmord: ALBRECHT I. wurde am 5. Mai 1308 nach dem Übergang über die Reuß ermordet. Johann und seine Mitverschworenen (Rudolf von Wart, Rudolf von Balm, Walter von Eschenbach und Konrad von Tegerfeld) flohen, erst mehr als ein Jahr später wurde über sie die Reichsacht verhängt. Johann suchte im Frühjahr 1312 in Pisa die Gnade KÖNIG HEINRICHS VII.
Literatur:
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NDB X, 504f. - B. Meyer, Studien zum habsburgischen Hausrecht,
ZSchG 25, 1945, 153-176 - A. Lhotsky, Geschichte Österreichs seit
der Mitte des 13. Jh., 1967, 155-164.
JOHANN PARICIDA
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* 1290, + wohl 1313
Vom königlichen Onkel völlig zurückgesetzt,
kann seine Erforderungen auf Böhmen und Österreich nicht durchsetzen,
ermordet ihn; taucht 1313 in Pisa beim Kaiser auf und bittet umVergebung.
VON RUDOLF II. STAMMT AB:
JOHANN (genannt PARRICIDA = Verwandtenmörder)
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* um 1290, + 13.12.1313
Prag
Pisa
Grabstätte: wahrscheinlich Kloster San Augusti in Pisa
In der Rheinfelder Hausordnung vom 1.6.1283 war sein Vater Rudolf II. von der Mitherrschaft über Österreich, Steiermark, Krain und von der Windischen Mark ausgeschlossen worden. Er sollte innerhalb von vier Jahren mit einem Königreich oder durch eine Barsumme entschädigt werden. Nach dem Tode seines Vaters forderte Johann als Erbe von seinem Onkel, König ALBRECHT I., die bis dahin nicht gezahlte Entschädigung. Johann wurde von ALBRECHT immer wieder vertröstet und hingehalten. Letztmalig forderte Johann sein Erbe am 1.5.1308. Da ALBRECHT I. der Forderung seines Neffen erneut auswich, ermordete Johann seinen Onkel am gleichen Tage bei Brugg an der Aare. Johann flüchtete und wurde zuletzt 1312 in einem Kloster bei Pisa gesehen, wo er wahrscheinlich auch gestorben ist.
Hoensch Jörg K.: Seite 29,35
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"Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie
gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437"
Wahrscheinlich bereits vor Bekanntwerden der Nachricht
von der Ermordung König ALBRECHTS I. VON
HABSBURG am 1. Mai 1308 durch seinen Neffen Johann
(Parricida) schloß HEINRICH VII.
am 11. Mai in Nivelles mit einigen benachbarten Fürsten ein Schutz-
und Trutzbündnis mit einer Klausel, den Vertragspartnern ihre Lehen
zu bestätigen, sollte einer von ihnen zum rex Romanorum gewählt
werden.
Nach schwierigen Verhandlungen, an denen auch die anwesenden
Kurfürsten teilnahmen, kam am 17. September 1309 eine Vereinbarung
mit den Herzögen von Österreich zustande, denen ihre gesamten
Reichslehen bestätigt wurden. Der Königsmörder JohannParricida
und seine Helfershelfer wurden geächtet und deren Besitz eingezogen.
Literatur:
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Franzl, Johann: Rudolf I. Der erste Habsburger
auf dem deutschen Thron, Verlag Styria 1986, Seite 221,271,286 -
Hoensch Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche
Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer
Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 29,35 - Reifenscheid,
Richard: Die Habsburger. Von Rudolf I. bis Karl I. Verlag Styria Graz Wien
Köln, 1982, Seite 24,29 - Thiele, Andreas: Erzählende
genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband
1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 87 -