Liutgard von Kärnten                    Markgräfin auf dem bayerischen Nordgau
---------------------------                   Gräfin von Grögling-Hirschberg
um 1050 9.7.1119                            Mit-Gründerin von Kloster Kastl
              (18.3.1119 Schwennicke)

Einzige Tochter des Herzogs Berthold I. von Zähringen (5.11.1078) aus seiner 1. Ehe mit der Richwara von Schwaben, Tochter von Herzog Hermann IV.
Schwester von Markgraf
Hermann I. von Baden (25.4.1074), Bischof Gebhard III.  von Konstanz (12.10.1110), Herzog Berthold II. von Zähringen (12.4.1111)
Enkelin von
Graf Berthold III. im Breisgau (15.7.1024) und der (Lütgard?) von Nellenburg

Lexikon des Mittelalters:
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Kastl
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Ehemalige Abtei OSB im Bistum Eichstätt (Kreis Neumarkt), auf einem Höhenrücken an der Lauterach gelegen. Schon der Name weist auf eine frühere Burganlage hin. 1102 wurde hier von drei Mitgliedern der pfalzgräflichen Familie ein Kloster gestiftet.
Da eine Stifterin (Grabmal erhalten) die Schwester des Bischofs Gerhard von Konstanz war, des Führers der papsttreuen Opposition und ursprünglichen Mönchs von Hirsau, darf angenommen werden, daß cluniazensisches Gedankengut frühzeitig Eingang fand.

St. Schaller


Schwennecke Detlev: Tafel 32
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"Europäische Stammtafeln. Neue Folge Band XII"

ERNST I.
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12.XI.1096/97

1070 GRAF
um 1085 VOGT zu EICHSTÄTT
1096 von GRÖGLING (CHREGELINGEN)
GRAF von OTTENBURG

  I. oo RICHLIND 1068
              

Tochter von Hartwig Vogt zu Eichstätt und Aviza

  II. oo LIUTGARDE VON ZÄHRINGEN 1096-1104
               
18.III.1119

Witwe von Markgraf Diepold II. von Vohburg
Tochter von Herzog Berthold I. von Kärnten Markgraf von Verona


Fenske Lutz: Seite 158
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"Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen"

Nach der demonstrativen Trennung von seinem kaiserlichen Vater wandte sich HEINRICH V. nach Bayern, wo ihn bereits ein Kreis Hochadliger vom bayerischen Nordgau, mit dem er schon zuvor in Verbindung gestanden hatte, erwartete. Diese Fürsten, zu denen Markgraf Diepold II., Graf Berengar von Sulzbach und Otto von Habsberg-Kastl gehörten, werden nicht nur durch ihre Mittäterschaft an einem kaiserfeindlichen Aufruhr in einem politischen Zusammenhang gerückt, sondern waren auch verwandtschaftlich miteinander verbunden. Darüber hinaus aber vereinte sie ein religiös-kirchlich begründetes Gemeinschaftsbewußtsein, da Berengar, Graf Friedrich von Habsberg-Kastl, sein Sohn Otto und die Mutter Diepolds, Liutgard, gemeinsam Stifter des Klosters Kastl waren, das 1103 durch Mönche Hirsauer Observanz besiedelt wurde. Es darf also nicht übersehen werden, dass schon in der Anfangsphase des Aufstandes HEINRICHS V. gegen seinen Vater ein Wirkungszusammenhang zwischen einer oppositionellen Adelsbewegung unter Einschluß des Kaiser-Sohnes und der kirchlichen Reformpartei bestand, und dass einzelne Impulse dazu auch von diesem Kloster ihren Ausgangspunkt genommen haben werden. Auch für den jungen König sind die personellen Verbindungen im Umkreis des neu gegründeten Reformklosters von großer Bedeutung gewesen, denn Liutgard war eine Schwester Bischof Gebhards III. von Konstanz.

Heyck Dr. Eduard: Seite 107
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"Geschichte der Herzöge von Zähringen"

Bertolds einzige Tochter hieß Liutgard (Lütgard) und wurde die Mutter des Grafen Theobald, dessen Tochter Adelheid FRIEDRICH BARBAROSSA in erster Ehe zur Gemahlin hatte. So viel teilt unmittelbar der schon erwähnte zähringisch-staufische Stammbaum des 12. Jahrhunderts mit. Liutgard war also die Gemahlin des Markgrafen Diepold vom Nordgau, der 1078 auf HEINRICHS IV. Seite bei Mellrichstadt fiel. Mehr noch um dieser Parteistellung Diepolds gegen den Schwieger-Vater willen, als wegen des überlebenden Sohnes wird die Schließung dieser Ehe um etliche Zeit vor 1078 zurückzuverlegen sein, so dass nach dem über Bertolds I. beide Ehen Gesagten auch Liutgard als eine Tochter aus erster Ehe zu betrachten ist, und zwar als wahrscheinlich an Jahren ihren beiden nunmehr zu besprechenden Brüdern vorausgehend. - Möglicherweise, aber unwahrscheinlich ist sie an einem 9. August (und dann nach 1093) gestorben [Das Totenbuch von St. Peter MG Necr. I 336 nennt zu diesem Tage eine "Liutgard, Tochter Bertholds". Wenn nun aber auch "Bertolds Schwester, die Gräfin Liutgard" schon ibid. 335 vorkommt und also mit jener nicht dieselbe ist, so wird doch der Eintrag zum 9. Aug. schwerlich auf die ältere Liutgard zu beziehen sein, sondern eher auf eine sonst unbekannte, wohl jung verstorbene Tochter Bertolds III. oder IV.] .
 
Weller Tobias: Seite 401
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"Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert."

Liutgard schließlich, die offenbar einzige Tochter Bertholds I. [53 BÜHLER, Richinza von Spitzbergen passim, glaubt  in der im Mai 1092 mit ihrem damals schon erwachsenen Sohn Werner von Kirchheim auftretenden Richinza (vgl. PARLOW, Zähringer, No. 128, 90) eine weitere Tochter Bertholds I. aus seiner Ehe mit Richwara erkennen zu können; seine in erster Linie besitzgeschichtlichen Argumente und vage Hinweise auf Namenstradition sind jedoch für eine solche genealogische Zuordnung nicht tragfähig. Gleichwohl werden die Thesen BÜHLERS von den Europäischen Stammtafeln NF 1/2 (1999), Tafel 265, übernommen.], wird in der "Tabula consanguinitatis' in Wibalds Briefbuch als Großmutter der DIEPOLDINGERIN Adela, der ersten Gemahlin BARBAROSSAS, genannt [54 Vgl. Wibald von Stablo, Epist., Nr. 408, 547: Bertolfus cum Barba genuit Liutgardim, Liutgardis genuit marchionem Theobaldum. Marchio Theobaldus genuit Adelam.]. Demnach muß sie die Gemahlin des erstmals 1077 als Markgraf auf dem bayerischen Nordgau (Mark Nabburg) bezeugten Diepold II. gewesen sein [55 Vgl. D H. IV. 296 (= DOEBERL, Regensten, No. 1).], der im August 1078 bei Mellrichstadt im Heer des SALIER-Königs fiel [56 Vgl. HEYCK, Zähringen 107; TROTTER, Vohburg, No. 5, 55; TYROLLER, Genealogie, Tafel 13, No. 8, 185; PARLOW, Zähringer, No. 91,59f.]. Da Diepold II. zu den Parteigängern HEINRICHS IV. zählte, sein Schwieger-Vater Berthold I. aber ein entschiedener Anhänger des Gegen-Königs RUDOLF VON RHEINFELDEN war, darf man wohl annehmen, daß seine Hochzeit mit der ZÄHRINGERIN Liutgard um einiges vor 1077/78 anzusetzen ist [57 Vgl. HEYCK, Zähringen 107.]. Liutgard überlebte ihren Gemahl um mindestens vierzig Jahhre. Sie wird noch bis 1118 urkundlich erwähnt [58 Vgl. Chron. Reichenbach 402: Anno Domini MCXVIII. regnante Hainrico IIII. Imp. et Hertwico Ratisponensi Episcopo, Diebaldus Marchio de Vohburg petitionem matris sua Leuchardis, et uxoris sua Alhaidis caepit construere Monasterium in Reichenbach, in honore Beata Maria Dei Genitricis et omnium Sanctorum. Ferner Trad. Reichenbach, No. 1, 3f. Siehe auch DOEBERL, Regesten, No. 11a; DERS., Markgrafschaft 27; TYROLLER, Genealogie 185.]. Vermutlich ist sie mit der Lutgard filia ducis Berchtoldi identisch, deren Tod im Nekrolog des Klosters St. Peter im Schwarzwald zum 9. August verzeichnet ist [59 Necr. s. Petri Nigrae Silvvae, MGH Necr. 1, 336; vgl. HEYCK, Zähringen 107. - TYROLLER, Genealogie, Tafel  13, No. 8, 185 und Tafel 16, No. 6, 224, mutmaßt, Liutgard habe sich nach dem Tode Diepolds II. in zweiter Ehe mit dem bayerischen Grafen Ernst I. von Grögling vermählt und sei um 1096/98 erneut Witwe geworden. Die besitzgeschichtlichen Argumente, die TYROLLER zur Stütze dieser These anführt, vermögen jedoch nicht zu überzeugen. PARLOW, Zähringer, No. 1, 3, läßt die Frage einer eventuellen zweiten Eheschließung Liutgards offen.].

Kramer Ferdinand/Strömer Wilhelm: Seite 121,126,476
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"
Hochmittelalterliche Adelsfamilien in Altbayern, Franken und Schwaben."

Um 1100 übergab eine Gräfin Liutgart, die Frau des "Hirschberger" Grafen Ernst [146 TYROLLER, Genealogische Tafeln (wie Anm. 7)  180 Nr.6.], eine Hufe in einem Asinheim, das Bitterauf nicht recht deuten konnnte. Wenn wir bedenken, daß diese Liutgard dabei mit der Hand ihres Sohnes Hartwic für das Seelenheil eines Guntpold tradierte, dann ist nicht daran zu zweifeln, daß  es sich um eine spätere Schicht der Kühbacher Erben handelt.
1068 übergab die edle Frau Richlint Besitz zu Alfershausen und zu Thalmässing (beide Orte Landkreis Roth) mit der Hand ihres Vogtes Ernst in Anwesenheit ihrer Mutter Aviza dem Bischof Gundekar von Eichstätt und ihrem Vater Hartwic, dem Eichstätter Hochstiftsvogt. Gleichzeitig übertrug der Edle Udalschalk auf Bitten seines Bruders Ernst Besitz zu Pettenhofen (Stadtteil von Ingolstadt) an Eichstätt. Klar ist, daß  Ernst, der Vogt der Richlint bei einer Tradition in Anwesenheit der Eltern, zu ihren nächsten Verwandten gehört haben muß. Daß Tyroller recht hat, wenn er Ernst für einen Bruder Richlints hält und nicht für ihren Ehemann, ergibt sich daraus, daß in der nächsten generation der HIRSCHBERGER dieser Name weitergegeben wird, und zwar zusammen mit den aus Freisinger Urkunden bekannten alten Leitnamen der Familie Altmann und Hartwig. Ernst und Udalschalk waren also Söhne Hartwigs von Berghofen, des Eichstätter Vogtes. Im reichen Freisinger Material kommt zwra der Name Ernst vor, aber niemals in irgendwelchen Zusammenhängen mit dem Verwandtschaftskreis um Altmann. Dies läßt den Schluß zu, daß der Name über die Mutter Aviza in das Geschlecht der HIRSCHBERGER gekommen ist. Ernst erbte von seinem Vater die Hochstiftsvogtei über Eichstätt. Er hatte die Söhne Altmann, Hartwic, Ernst und Gebhard. Ernst und Gebhard, der von 1125-1149 Bischof von Eichstätt war, gründeten das Benediktiner-Kloster Plankstetten. Offensichtlich wird bei der Gründung des Klosters Planstetten noch einmal alter Kühbacher Besitz sichtbar. Dieser Besitz kam zum Teil an die Altmann-Nachkommen und bot ihnen eine gute Basis für ihre Position im Bistum Eichstätt. Mit der Vogtei über Eichstätt erlangten die HIRSCHBERGER einen Machtschwerpunkt, der die alten Besitzungen im Freisinger Bistum an den Rand treten ließ. So ist von dieser Schwerpunktverlagerung her durchaus zu verstehen, wenn die HIRSCHBERGER das Interesse an ihrem Erbgut im Freisinger Bereich verloren und es allmählich aufgaben.
Eher könnten Beziehungen mit den Herren von Hirschberg bestehen. Als Ernst von Hirschberg mit seinen Brüdern, dem Bischof von Eichstätt Gebhard (1125-1149) und dem Bistumsvogt von Eichstätt Hartwig, ein Kloster in Plankstetten errichtete, holte er Mönche aus Kastl.

Dendorfer, Jürgen: Seite 123,127,402 Anm. 95
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"Adelige Gruppenbildung und Königsherschaft. Die Grafen von Sulzbach und ihr Beziehungsgeflecht im 12. Jahrhundert."

In Kastl nun sind die Umstände der Gründung aufs engste mit Bischof Gebhard III. von Konstanz verknüpft. Der ZÄHRINGER war der Bruder der Mit-Gründerin Luitgard [604 Vgl. Parlow, Zähringer Nr. 1, Seite 2f.], der Mutter des 1104 tatkräftig auf der Seite König HEINRICHS V. (1105-1125) hervortretenden Markgrafen Diepold III. ( 1146).
Als zweite bedeutende Familie standen in Person der Markgräfin Luitgard hinter den Anfängen von Kastl die diepoldingischen Markgrafen auf dem Nordgau. Merkwürdig ist dabei, daß  als Stifterin in der Kastler Überlieferung nur Luitgard erwähnt wird, während jeder Hinweis auf den späteren Parteigänger HEINRICHS V., Markgraf Diepold III. (
1146) fehlt. Möglicherweise kamen hier die verwandtschaftlichen Beziehungen der ZÄHRINGERIN Luitgard zu führenden Vertretern der gregorainischen Reform zum Tragen. Ihre Beteiligung an der Grünndung des Klosters ist ein deutliches Zeichen für die schon erkannten diepoldingisch-sulzbachischen Bezüge um diese Zeit [628 Vgl. oben Seite 81-86 die Ausführungen zur Ehe Graf Berengars von Sulzbach mit Adelheid von Frontenhausen, mit der er die Witwe des RAPOTONEN-DIEPOLDINGERS Ulrich heiratete und in dessen Herrschaftspositionen im Passauer Raum einrückte.]. Die RAPOTONEN-DIEPOLDINGER standen in den Auseinandersetzungen zwischen Kaiser und Papst bis zu diesem Zeitpunkt sicher erkennbar auf seiten HEINRICHS IV. Die Gründung Kastls ist deshalb als ein gewichtiger Anhaltspunkt für einen Positionswechsel der Verwandtengruppe anzusehen.
Neben Friedrich von Kast-Habsberg und Luitgard war Graf Berengar I. von Sulzbach (
1125) an der Gründung des Klosters von Anfang an beteiligt.
Ohne daß die frühe Genealogie dieses Grafen-Geschlechts letztendlich gültig erklärt wäre, ist dennoch offensichtlich, daß beide Familien denselben Leitnamen "Diepold" hatten und daß die bayerischen DIEPOLDINGER am Beginn des 12. Jahrhunderts noch Beziehungen zum Hauskloster der Grafen von Berg, Zwiefalten, unterhielten [96 Vgl. folgenden Eintrag in das Zwiefaltener Nekrolog: Liutgart I. (Necr. Zwiefalten zum 19.3., Seite 247), die sicher mit der um 1119 gestorbenen Liutgard, der Mutter Graf Diepolds III. und Mit-Gründerin von Kastl identisch ist, da zum selben Tag in St. Ulrich und Afra in Augsburg eine Luitgart marchionissa memoriert wurde (Vgl. Necr. St. Ulrich und Afra zum 18.3., Seite 122). Die frühen DIEPOLDINGER standen in engen Beziehungen zu St. Ulrich und Afra, wo sie auch begraben lagen. Vgl. Liebhart, Reichabtei St. Uklrich und Afra 36-40.].



 
 
 

  1. oo Diepold II. Markgraf auf dem bayrischen Nordgaus
                7.8.1078

  2. oo Ernst I. Graf von Grögling-Hirschberg
                 um 1098 (12.11.1096/97 Isenburg)
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Diepold III. Markgraf von Vohburg
  um 1075/78 8.4.1146

  Konrad
         

  Berthold I. Markgraf von Giengen
       7.4.
 
 
 


Literatur:
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Bühler Heinz: Adel, Klöster und Burgherren im alten Herzogtum Schwaben. Anton H. Konrad Verlag 1997 Seite 33,38,41,45,46,47,53, 194,205,207,210,384/85,390/91,432/433,483,516,520,523,526,527,592/593,1075,1136 - Dendorfer, Jürgen: Adelige Gruppenbildung und Königsherschaft. Die Grafen von Sulzbach und ihr Beziehungsgeflecht im 12. Jahrhundert. Seite 123,127,146,295,391,402 Anm. 95 - Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen, Vandenjhoeck & Ruprecht Göttingen Seite 158 - Heyck Dr. Eduard: Geschichte der Herzöge von Zähringen. Freiburg im Breisgau 1891 Seite 107 - Kramer Ferdinand/Strömer Wilhelm: Hochmittelalterliche Adelsfamilien in Altbayern, Franken und Schwaben. Seite 121,476 - Parlow Ulrich: Die Zähringer. Kommentierte Quellendokumentation zu einem süddeutschen Herzogsgeschlecht des hohen Mittelalters. Seite 1, 13,91,95,338 - Schwennicke, Detlef: Europäische Stammtafeln. Stammtafeln zur Geschichte der Europäischen Staaten. Neue Folge Band XII, Schwaben Tafel 33 - Weller Tobias: Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2004 Seite 401 - www.wikipedia.de -