Die Jahre 1027-1041.
1027 wurde der König Counrad zu Ostern Kaiser; Gevehard, des Kaisers Bruder, wurde genöthigt, aus einem Laien ein Geistlicher zu werden.
1028 wurde Heinrich, des Kaisers Sohn, zu Aachen zum König geweiht, durch Piligrin, den Erzbischof von Cöln.
1029 starb Bruno, Bischof zu Augsburg, ihm folgte Eppo. Wernher, Bischof von Straßburg, starb, ihm folgte Willihelm.
1030 rückte der Kaiser Counrad mit dem Heere in Ungern ein.
1031 verlor Arnold die Abtei Herveld, ihm folgte Bardo. Aber dieser wurde nach einem halben Jahre Nachfolger des verstorbenen Erzbischofs Aribo von Mainz; die Abtei zu Herveld aber übernahm Ruodolf.
1032 starb Arnold nach Verlust der Herveldischen Abtei zu Gellingen.
1033 starb die Kaiserin Kunigunt. Der Kaiser führte das Heer nach Burgund gegen Uodo.
1034 wurde der Probst Albuwin von Herveld Abt in Niunburg.
1035 wird Ruodolf, Abt von Herveld, zum Bischof von Podelbrunnon geweiht; ihm folgte Meginher, ein ehrwürdiger Mann.
1036 starb Piligrin, Erzbischof zu Cöln; auf ihn folgte Herimann. [In demselben Jahre ist das Kloster der Scothen in Erfurt durch Herrn Walther von Glisberg erbaut worden, der ebendaselbst begraben liegt.]
1037 ist das Münster zu Herveld abgebrannt. Der Herzog Gozelo tödtete den Grafen Odo und mit ihm an 6000 Mann.
1038 starb Gotehard, Bischof von Hildenesheim; ihm folgte Diotmar.
1039 starb der Kaiser Counrad zu Utrecht, am zweiten Pfingsttage; ihm folgte Heinrich III, sein Sohn. Richard, Abt von Fulda, starb, welchem Sigewart folgte. Regenbolt, Bischof von Speier, starb, ihm folgte Sibicho.
1040 führte König Heinrich das Heer nach Böhmen, wo der Graf Werinher [7 Aus Hessen.] und der fuldische Bannerträger Reginhart mit vielen andern umkamen.
Petrus, König der Ungern, von den Seinigen verjagt, floh zu dem König Heinrich, um Hilfe bittend.
Eberhard von Babenberg starb, und Suitger folgte ihm. Die Herveldische Gruftkirche wurde geweiht und die Gebeine der heiligen Bekenner Wigbert und Lullus wurden in dieselbe übertragen.
1041 drang König Heinrich
zum
zweiten Male in Böhmen ein, zwang den Herzog des Landes, mit Namen
Prenzlao, zur Unterwerfung und machte sich sein Land zinsbar. Von da kehrte
er durch Baiern zurück, und feierte das Fest des heiligen Michael
zu Regensburg.
Das Jahr 1063.
1063feierte der König die Geburt des Herrn in Goslar. Hier erhob sich an dem Tage des Festes, während zum Abendgottesdienst die Stühle der Bischöfe zurechtgesetzt wurden, unter den Kämmerern Hezelo's, Bischofs von Hildenesheim, und den Kämmerern Widerad's, des Abtes von Fulda, ein schwerer Streit, der zuerst mit Scheltworten und dann mit den Fäusten geführt wurde; und schnell würde man auch zu den Schwertern gegriffen haben, wenn nicht das Ansehen des Herzogs Otto von Baiern, der sich der Sache des Abtes annahm, dazwischen getreten wäre. Die Veranlassung aber war diese. Es war Brauch im Reiche und früher durch viele Menschenalter hindurch beobachtet, daß immer bei den Vesammlungen der Bischöfe der Abt von Fulda dem Erzbischof von Mainz am nächsten saß. Allein der Bischof berief sich darauf, daß innerhalb seines Sprengels niemand nach dem Erzbischof ihm vorgezogen werden dürfe, hierzu ermuthigt theils durch den Ruhm des Reichthums, woran er seine Vorgänger weit übertraf, theils durch die Gunst der Umstände, weil während der Unmündigkeit des Königs ein jeder ungestraft thun konnte, was ihm sein Sinn nur eingab.
Der Papst Gerhard, auch Nikolaus genannt, war gestorben. An dessen Stelle wurde durch die Wahl des Königs und einiger Fürsten der Bischof von Parma gesetzt und durch Bucco, den Bischof von Halberstadt, nach Rom geschickt. Diesem gab er bei seiner Heimkehr zum Lohn für die gute Besorgung der Gesandtschaft das Pallium und einige andere Zierden der erzbischöflichen Würde, welches der Erzbischof von Mainz so auslegte, als sei es zur Verdunkelung der Höhe des ihm gebührenden Vorranges geschehen, und sehr übel nahm. Aber durch Dazwischenkunft des Erzbischofs von Cöln erhielt er Genugthuung und sein Unwille beruhigte sich.
Der König feierte Pfingsten zu Goslar. Als dort zum Abendgottesdienst der König und die Bischöfe versammelt waren, entsteht wieder ein Aufruhr über die Aufstellung der bischöflichen Stühle, nicht wie früher durch zufälligen Zusammenstoß, sondern durch einen lange vorbedachten Anschlag. Denn der Bischof von Hildenesheim, eingedenk der vorher ihm zugefügten Schmach, hatte den Grafen Ecbert mit streitfertigen Rittern hinter dem Altare verborgen. Als diese den Lärm der tobenden Kämmerer gehört hatten, eilten sie schnell herbei und schlagen von den Fuldischen einige mit Fäusten, andere mit Stöcken, werfen sie zu Boden und vertreiben die über die unvermuthete Gefahr bestürzten mit leichter Mühe aus dem Heiligthum der Kirche. Sogleich rufen diese zu den Waffen; die Fuldischen, soviele ihrer Waffen in Bereitschaft hatten, schaaren sich zusammen, dringen in die Kirche, und inmitten des Chors und der Psalmen singenden Brüder werden sie handgemein; man kämpft nicht mehr mit Knitteln, sondern mit Schwertern. Ein blutiges Treffen entspinnt sich und durch die ganze Kirche hört man anstatt der Loblieder und geistlichen Gesänge das Geschrei der zum Kampfe aufmunternden und das Wehklagen der sterbenden. Auf den Altären Gottes werden jammervolle Schlachtopfer gewürgt, und hier und dort rinnen durch die Kirche Ströme von Blut, nicht wie vor Zeiten durch gesetzlichen Gottesdienst, sondern durch feindliche Grausamkeit vergossen. Der Bischof von Hildenesheim nahm einen höheren Standpunkt ein und ermahnte, wie mit einer Kriegstrompete, die Seinigen, tapfer zu fechten; und damit sie sich nicht durch die Heiligkeit des Ortes vom Gebrauche der Waffen abschrecken lassen sollen, schützte er sein Ansehen und seine Erlaubniß vor. Auf beiden Seiten wurden viele verwundet, viele getödtet. Die vornehmsten darunter waren Reginboto, Fuldischer Bannerträger, und Bero, ein dem Grafen Ecbert sehr theurer Ritter. Der König ließ während dem seine Stimme erschallen und beschwor das Volk mit Berufung auf die königliche Majestät, aber es schien als wenn er tauben Ohren predigte. Endlich, von den Seinigen erinnert, für sein eignes Leben zu sorgen und den Kampfplatz zu verlassen, bahnte er sich mit Mühe einen Weg durch die immer dichter zusammengedrängte Menge und zog sich in seine Pfalz zurück. Die Hildenesheimer, welche gerüstet und mit Vorbedacht zum Gefechte gekommen waren, gewannen die Oberhand. Die von Fulda, welche der Sturm des plötzlich entstandenen Aufruhrs unbewaffnet und unvermutet zusammengerufen hatte, wurden in die Flucht geschlagen und aus der Kirche vertrieben. Sogleich werden die Thüren verrammelt. Jetzt finden sich diejenigen von den Fuldischen, welche bei dem ersten Auflaufe sich etwas weiter zerstreut hatten, um ihre Waffen zu holen, zalhreich und gerüstet sein; sie besetzen den Vorhof der Kirche und stellen sich auf, um die Gegner sogleich anzugreifen, wenn sie die Kirche verlassen. Aber die Nacht hemmte das Gefecht. Am folgenden Tage hielt man die strengste Untersuchung; der Graf Ecbert aber lehnte die Schuld mit leichter Mühe von sich ab, nicht so sehr durch den Schutz des Rechtes und der Gesetze, als durch die Gunst und Nachsicht des Königs, dessen Vetter er war. Das ganze Gewicht der Anklage fiel auf den Abt. Er, sagte man, sei das Haupt und der Anstifter alles dessen, was sich zugetragen hatte, gewesen; er sei, um die Ruhe des königlichen Hoflagers zu stören, mit vorbedachter Wuth gekommen; zum Beweise der Sache diene, daß er mit so großer Mannschaft und so großem Prunke kriegerischer Zurüstung versehen hierher gekommen sei, da er doch keinen Anlaß gehabt habe, Gefahr zu besorgen. Da bedrängte ihn nun jener Bischof voll apostolischer Frömmigkeit und mosaischer Sanftmuth, welcher durch so großes Blutvergießen seine Hände Gott geheiligt hatte, und verfolgte das Unrecht der Kirchenverletzung grausamer und erbarmungsloser, als der König das ihm selber geschehene Unrecht. Um auch die Seelen derjenigen, gegen deren Leiber er vorher mit dem Schwerte gewüthet hatte, zu verderben, blitzte er jetzt mit dem Schwerte des Geistes, indem er sowohl die Gebliebenen als diejenigen, welche von dem Blutbade noch übrig waren, von der Gemeinschaft der Kirche ausschied. Auf dem Abte lastete außer dem Herben der Sache, welche vorgefallen war, auch noch der Haß gegen den Mönchsnamen, den die Menschen dieser Welt mit eingewurzelter Bosheit stets anzuschwärzen und zu unterdrücken suchten. So von allen Seiten angefochten, bestürmt, unterdrückt, würde er nach so vielen und großen Beschimpfungen mit Verlust seiner Würde heimgekehrt sein, wenn nicht ihn, den weder Gesetz noch Unschuld schützen konnte, das Geld geschützt hätte. Denn er verkaufte und verschleuderte das Eigenthum des Fuldischen Klosters und kaufte so sich und die Seinigen zu dem theuersten Preise los. Wie viel dem Könige, wie viel seinen Vertrauten, wie viel dem Bischofe gegeben worden sei, haben wir nicht ganz gewiß erfahren. Denn es war dafür gesorgt, daß es nicht unter die Leute käme. So viel aber ist außer Zweifel, daß das Vermögen jenes Klosters, welches bis zu diesem Zeitpunkte sich im blühendsten Zustande befand und das aller gallischen Kirchen übertraf, zu dieser Zeit so erschöpft und vermindert wurde, daß man jetzt dort kaum noch Spuren des frühern Reichthums antrifft.
Der Abt kehrte hierauf, nachdem er Urlaub erhalten, gen Fulda zurück, mit erbittertem und durch so große Unfälle sehr heftig angegriffenem Gemüthe. Und sicher hier wartet seiner eine fast noch schmerzlichere und traurigere Widerwärtigkeit, und nach dem Ausspruche des Propheten geräth er, vor dem eisernen Harnisch fliehend, in den ehernen Bogen. Die Klosterbrüder von Fulda hatten gleich anfangs an seinem strengen und weniger, als sich ziemt, menschenfreundlichen Wesen Anstoß genommen. Er selbst nährte den Haß und fachte die Flamme der Mißgunst dadurch noch stärker an, daß er die Güter der Kirche widerrechtlich an Lehensleute verlieh, und die Kost der Brüder, welche durch die Freigebigkeit der vorigen Aebte bestimmt war, verringerte. Sie murrten darüber täglich und das Kloster wurde von innern Zwistigkeiten erschüttert. Doch duldete man dies mehr aus Furcht als aus Liebe, damit nämlich nicht, wenn zur Unzeit eine Klage zum Vorschein käme, die Gunst des Königs und der Fürsten ihn beschützte. Aber als die Nachricht von der in Goslar empfangenen Niederlage gen Fulda kam, da äußerten sie alle, sowohl durch den Schmerz der neuen Wunde, als durch die Erinnerung an die Vergangenheit angefeuert, laut ihren Unwillen und ermahnten einander, eine so bequeme und ihnen von Gott dargebotene Gelegenheit nicht zu versäumen; zu Ausführung ihres Vorhabens fehlte nichts als ihre eigene Bemühung und Thätigkeit; der Mann werde durch seine eigenen Ungerechtigkeiten zum Untergange gedrängt. Ein jeder möchte nun an seinem Theile männlich handeln und sich und das Kloster nicht von einem Vater, sondern von seinem ärgsten Feinde befreien, welcher den Namen von Fulda, der früher bis an den Himmel gereicht, jetzt allen zu Schmach und Spott preisgegeben habe. So ward der Aufruhr entzündet, und eine neue Unbill goß gleichsam noch Oel ins Feuer. Reginboto nämlich, welcher bei jenem Treffen in Goslar gefallen war, hatte den Brüdern von Fulda ein Roß von hohem Werthe zum Gedächtniß seiner Seele gegeben, und dieses übergab sofort der Abt, ohne sie zu befragen, einem Laien. Dieses Roß also fordern die Mönche mit erhitzten Gemüthern und dem unbändigsten Geschrei zurück: sie hätten lange, nicht seine Herrschaft, sondern vielmehr seine Tyannei mit knechtischer Unterwürfigkeit ertragen, würden sie aber nicht weiter dulden; er sollte schnell die ihnen mit Gewalt entrissenen Wohlthaten fremder Freigebigkeit wieder herausgeben; wenn er zögerte, so würden sie die Sache nicht mehr mit heimlichen und leisen Klagen treiben, sondern öffentlich zu den Richterstühlen gehen und göttliche und menschliche Hülfe wider seine Gewaltthätigkeit anrufen. Dem Abt hatte die Last der Bedrängnis anfangs die Fähgkeit zu antworten benommen. Dann wendete er sich ganz zu Bitten und Thränen, bat und beschwor sie bei Gott, doch nicht, nach einem alten Sprüchwort, das Feuer mit dem Schwerte zu schüren, damit sie nicht die noch frische und noch nicht vernarbte Wunde der Schmach von Goslar durch neue Schmerzen noch ärger machten; sie möchten bedenken, daß man das zerstoßene Rohr nicht zerbrechen, und das glimmende Docht nicht auslöschen und zu Asche machen solle, und wenn nicht ihres eigenen Rufs, doch seines Unglücks und Elends schonen, welches so groß sei, daß es sogar seinen Feinden Thränen auspressen könne; er werde ihnen, wenn der ihn verfolgende Engel des Herrn ihm ein wenig Ruhe gelassen, wenn er, so große Leiden überlebend, sich jemals wieder erholt hätte, das Genommene nicht bloß ersetzen, sondern durch verdoppelte Geschenke vergrößern. Diejenigen, welche an Jahren und Gesinnung reifer waren, hatten diese Worte schnell befriedigt; aber die Jugend ließ nach ihrer Weise keine Vergebung und keine Nachsicht gelten: lange sei ihrer Einfalt durch sanfte Worte Hohn gesprochen worden; seine Zusicherungen, die man in so langer Zeit und bei so vielen Dingen kennen gelernt habe, könnten nicht weiter täuschen; das Verhalten und die Bosheit des Menschen seien so beschaffen, daß dasjenige, was er gegenwärtig im Drange der Leiden nicht gethan hätte, wenn man nicht wieder Gewalt brauchte, stets ungeschehen bleiben werde; deswegen wollten sie von ihrem Rechte nicht abgehen, bis sie, um die Hartnäckigkeit seines Gemüths zu besiegen, jeden Beistand göttlicher und menschlicher Hülfe in Anspruch genommen hätten. Der Abt zögert lange; als er aber sieht, daß er durch Bitten nichts ausrichte und daß er auch die Mittel zum Ersatz des Geforderten nicht habe, zumal da fast alle Schätze des Klosters erschöpft waren, und zur Sättigung der alles verschlingenden Habsucht derjenigen, die bei dem Tumulte zu Goslar Schaden gelitten hatten, doch nicht hinreichten: da begiebt er sich endlich, durch Befehl des Königs herbeigerufen, an den königlichen Hof, nachdem er seinen Freunden den Auftrag gegeben, durch Drohungen und gute Worte auf jedem nur möglichen Wege die Gemüther der aufgebrachten Jugend zu besänftigen. Aber das war vergebliche. Nach seiner Entfernung treten die Anführer der jungen Leute, auf deren Anstiften dieses so große Uebel vornehmlich sich entzündet hatte, vor die ganze Sammung, zeigen an, daß sie fest entschlossen sind, aus dem Kloster auszubrechen, den König, wo er sich nur finden möchte, aufzusuchen und gegen die Grausamkeit des Abtes den Schutz seiner Macht zu erstehen; sie bitten, daß alle diejenigen, welchen ihre Gesundheit es erlaube, mitziehen, die aber dazu wegen Beschwerde des Alters oder wegen Krankheit nicht im Stande wären, durch schriftliche Beistimmung ihre That bekräftigen möchten. Diese Sache kam den Aelteren verabscheuungswürdig und, sie nur auszusprechen, entsetzlich vor. Sie warfen sich zur Erde und baten um Gottes Willen, sie möchten doch sich selbst und das wenige, was von Hoffnung für Fulda noch übrig blieb, nicht vollends vernichten; schon sei der Wohlstand von Fulda durch das Unglück zu Goslar ganz zerrüttet; wenn sie aber nun die Schwelle des Klosters in solcher Absicht überschreiten würden, so würde er nicht nur noch mehr erschüttert werden, sondern ganz zu Grunde gehen. Auf jene machten diese Reden keinen Eindruck, denn schon war ihre Hartnäckigkeit in Sinnlosigkeit und in Wuth ausgeartet, sie laufen eilig durch das Kloster hin und her, ermuntern einander gegenseitig, die That zu wagen, und als endlich die Verschwörung so zur Reife gediehen war, brachen ihrer sechzehn an der Zahl, unter Vortragung des Kreuzes und Anstimmung wechselnder Gesänge aus dem Thore des Klosters hervor. Ihnen folgten von ferne die Aelteren, alle die nur etwas vernünftigdachten, mit so großer Trauer und solchem Wehklagen nach, als wenn jene ein Leichenzug zum Begräbniß, um das letzte Lebewohl zu vernehmen, hinausbrächte. Damit nun nicht die Neuheit eines so schrecklichen Auftritts, wenn er dem Könige unverhofft gemeldet würde, ihm Staunen erregen möchte, schicken sie einen aus ihrer Mitte zu Pferde so eilig als möglich voraus, um dem König ein Schreiben mit der Anzeige dieses großen Unglücks zu überbringen und ihn zu unterrichten, durch welche Gewalt, durch welche Nothwendigkeit sie zu diesem äußersten Versuche gezwungen worden wären. Sie selbst folgen langsam in geordnetem Zuge zu Fuße. Nachdem der Bote angelangt und das Schreiben verlesen war, so ergriff alle, welche sich in der Pfalz befanden, Entsetzen über eine solche Frevelthat, und man wunderte sich, daß unter so ausgezeichneten Männern von apostolischem Wandel so große Bosheit sich habe finden können, daß sie für das Unrecht, das ihnen im Hause geschehen, mit so ärgerlichem Beispiel Rache suchten, und daß die Söhne sich nicht des Vaters erbarmten, zumal bei diesem Unglücke, bei welchem er sogar seine Feinde zum Mitleiden und zu Thränen hätte rühren können. Alle waren daher der Meinung, daß diese außerordentliche Missethat andern zum Beispiel in außerordentlicher Weise bestraft werden müsse. Hierauf befahl der König, auf den Rath des Erzbischofs von Cöln und des Herzogs Otto von Baiern, nach deren Gutdünken damals der Staat verwaltet wurde, daß der Ueberbringer dieses Schreibens selbst mit drei andern, welche Urheber der Empörung gewesen waren, zu sicherer Haft in verschiedene Klöster geschickt werden sollten; um aber die übrige Menge zu bezähmen, möchte, weil man sie weder durch den Geist derGelindigkeit, noch durch die Ruthe klösterlicher Zucht hätte heilen können, der Abt sich der gewaffneten Hand bedienen. Hierauf schickte der Abt ihnen Reisige entgegen, ließ sie ohne Gewalt und Aufsehen gen Fulda zurückführen und hieß sie außerhalb des Klosters unter Obhut von Wächtern seiner Heimkehr warten. Er selbst beurlaubte sich bei dem Könige und folgte ihnen auf dem Fuße. Die dort versammelten Brüder und die Vornehmsten der Fuldischen Lehnsleute beschäftigte lange die Berathung, ob man gegen sie durch ein Gericht der Laien oder der Mönche verfahren sollte. Es siegte aber die Meinung derer, welche dafür stimmten, daß über diejenigen, welche, das Joch der Regel abwerfend, mit Verachtung des Abtes aus Trotz das Kloster verlassen hätten und noch nicht in dasselbe wieder aufgenommen wären, nach weltlichem Gesetze geurtheilt werden müsse. Daher folgte der Abt dem Spruche des weltlichen Gerichts und gebot zwei von ihnen, deren einen die priesterliche Würde, den andern die des Diakonats zierte, öffentlich mit Ruthen zu hauen, sie zu scheeren und aus dem Kloster zu verstoßen. Die übrigen schickte er, durch viele Schläge hart gezüchtigt, einzeln in die benachbarten Klöster. Doch legte man ihnen nicht nach dem Maße ihrer Schuld, sondern nach dem Glanze oder der Dunkelheit ihrer Abkunft bald eine gelindere, bald härtere Strafe auf. Möge der Abt selbst zusehen, ob er nicht, von der Gewalt des Schmerzes angetrieben, seine Beleidigungen heftiger als es sich geziemte gerächt und vielleicht das Maß überschritten habe. So viel steht fest, daß zu damaliger Zeit dem Fuldischen Kloster ein Flecken eingebrannt wurde, welcher vielleicht durch eine lange Reihe von Jahren nicht abgewaschen noch getilgt werden kann.
Bel, der sich des Königreichs der Ungern bemächtigt hatte, starb. Joas, sein Sohn, der es für besser hielt, mäßige Macht in Frieden zu genießen, als, um übermäßige sich bewerbend, Elend und Untergang über sein Volk zu bringen, meldete dem König Heinrich, wenn ihm bei Salomo, dem Sohne des Königs Andreas, die seiner Herkunft und seinen Verdiensten gebührende Ehre erwiesen würde, so wollte er ihm unterthan und treu sein, und lieber durch Wohlthaten als mit den Waffen, lieber durch Treue als durch Kampf mit ihm wetteifern. Das nämliche sicherten alle Ungern durch beständige Botschaften zu. Daher rückte der König Heinrich mit einem Heere nach Ungern ein, setzte den Salomo wieder auf den väterlichen Thron und gab ihm seine Schwester zur Ehe, und nach Beseitigung alles dessen, was bei dem Könige Bedenklichkeit erregen oder den Bestand des Reiches wankend machen konnte, kehrte er in Frieden nach Gallien zurück.
Die Erziehung des Königs und die Anordnung aller
Staatsgeschäfte war bei den Bischöfen, und unter diesen ragte
das Ansehen der Erzbischöfe von Mainz und Cöln am meisten hervor.
Als nun von diesen zur Teilnahme an der Berathung Adalbert, Erzbischof
von Premen, gezogen worden war, sowohl wegen seines erlauchten Geschlechts,
als auch aus Rücksicht auf sein Alter und sein Erzbisthum, da hatte
dieser den König durch öftere Unterhaltung, auch durch Nachgeben
und Schmeicheln in kurzem so an sich gefesselt, daß er mit Hintansetzung
der übrigen Bischöfe sich ganz zu ihm hinneigte, und daß
Adalbert in der gemeinsamen Regierung fast die Alleinherrschaft sich anzumaßen
schien. Die zweite Rolle nach ihm spielte der Graf Wernheri, ein
Jüngling wild und feurig nicht allein durch sein Alter, sondern auch
durch seine Sinnesart. Diese beiden herrschten anstatt des Königs,
von diesen wurden Bisthümer und Abteien, von diesen alles, was es
an geistlichen und weltlichen Würden gab, gekauft, und für einen
jeden, wenn auch tüchtigen und ausgezeichneten Mann, war keine andere
Hoffnung, irgend eine Ehrenstelle zu erlangen, als daß er diese beiden
erst durch ungeheure Geldverschwendung sich erhandelte. Die Bischöfe
und Herzoge schonten sie zwar, mehr aus Furcht als aus Gewissenhaftigkeit.
Gegen die Aebte aber, weil diese dem Unrecht nicht entgegentreten konnten,
verfuhren sie mit völliger Rücksichtslosigkeit, indem sie vorwendeten,
daß der König nicht weniger Recht und Gewalt über diese
habe, als über seine Hofmeier und jeden andern Verwalter königlicher
Gefälle. Und zuerst vertheilten sie die Güter der Klöster
nach Belieben an ihre Günstlinge, und was übrig blieb, sogen
sie durch häufige Beitreibung königlicher Dienste bis auf die
letzten Hefen aus. Darauf aber machten sie mit wachsender Keckheit auf
die Klöster selbst einen Angriff und teilten sie wie eroberte Länder
unter sich, da der König in alles, was ihm geheißen wurde, mit
knabenhafter Leichtfertigkeit einwilligte. So nimmt also der Erzbischof
von Premen zwei Abteien, Lauresham und Corbei, in Besitz, und versichert,
daß dieses der Lohn seiner Treue und Aufopferung für den König
sei; damit er aber dadurch nicht Mißgunst bei den übrigen Fürsten
des Reichs erwecke, giebt er, den König überredend, dem Erzbischof
von Cöln zwei, Malmendren und Endan, dem Erzbischof von Mainz eine
in Selechinstat, dem Herzog Otto von Baiern eine in Altaha, dem Suevenherzog
Ruodolf eine in Kenbeten. Um nun also das Kloster Corbei
ganz ohne Hinderniß in seine Gewalt zu bringen, erfindet der Erzbischof
von Premen ein lächerliches Märchen. Er streut nämlich am
königlichen Hofe Gerüchte aus, durch welche er die Nachricht
verbreitete, daß der Bischof einer gewissen Stadt jenseit der Alpen,
Pole mit Namen, das Zeitliche verlassen habe. An dessen Stelle ernennt
er, den König überredend, den Abt von Corbei und befiehlt ihm
auf das schnellste zu gehen, um die ihres Vorstehers beraubte Kirche zu
besuchen. Aber mittlerweile, während jener noch die nöthigen
Anstalten zur Reise traf, kommen Leute aus Italien mit der Nachricht, daß
der Bischof, den man todtgesagt hatte, noch bei vollem Wohlsein lebe, und
alle fingen nun an, den Betrug des Erzbischofs zu verspotten und zu verabscheuen.
Hierauf erlangte der Herzog Otto von Baiern zur Verhinderung eines
solchen Frevels von göttlichem Geiste beseelt, durch viele nach allen
Seiten hin entwickelte Bestrebungen kaum und mit Mühe, daß sowohl
dem Abte als dem Kloster von Corbei ihre Ehre und ihr Ansehen unverletzt
erhalten wurde. Ferner, als die Diener des Erzbischofs in das Kloster Lauresham
gekommen waren und kundmachten, daß durch königliche Schenkung
dieser Ort in das Recht und die Gewalt des Erzbischofs übergegangen
sei, als sie befahlen, daß der Abt sich ohne Säumen an einem
bestimmten Orte ihm vorzustellen habe, da ergriff alle so großer
Schmerz und Unwille, daß sie sich nicht enthalten haben würden,
Hand an die Gesandten selbst zu legen, wenn ihnen das Völkerrecht
nicht mehr als der Zorn gegolten hätte. Schmachvoll angehört,
wurden sie noch schmachvoller entlassen. Nachdem dies dem König
gemeldet worden war, schickte er andere Abgeordnete und befahl dem Abte,
unter Bedrohung seines Lebens, der Abtei zu entsagen und ungesäumt
das Kloster zu verlassen. Dieser erfuhr vor Ankunft der Gesandten
die Willensmeinung des Königs, ließ sie gütig aufnehmen
und verschob auf den andern Tag die Anhörung dessen, was sie im
Auftrage hatten. In der Nacht aber nahm er einige wenige zu sich, ging
von dort weg und zog sich an ganz sichere Orte zurück, wo mit Ausnahme
sehr weniger niemand von ihm wußte. Alle Schätze der Kirche
hatte er vorher ebenfalls heimlich weggeführt und in Sicherheit gebracht.
So hatten die Bevollmächtigten am folgenden Tage niemand, dem sie
die Befehle des Königs vorlegen konnten, und kehrten mit großer
Bewunderun der Klugheit des Mannes heim, ohne die Botschaft ausgerichtet
zu haben. Hierauf bemächtigen sich die Lehnsleute des Abtes, der deren
damals ebenso durch Macht und Reichthum, wie durch kriegerische Tüchtigkeit
höchst ausgezeichnete besaß, mit vereinten Kräften des
Berges, welcher dem Kloster zunächst liegt, erbauen darauf eine Burg
und legen Besatzung hinein, bereit den Erzbischof von Angriffen auf das
Kloster auch mit Gefahr ihres Lebens abzuhalten.
Das Jahr 1064.
1064. Die römischen Großen beschwerten sich darüber, daß der König ohne ihren Rath der römischen Kirche einen Papst bestellt habe, und wegen dieses Eingriffs in ihre Rechte hatte es den Anschein, als dächten sie auf Abfall. Daher wurde beliebt, den Erzbischof von Cöln nach Rom zu senden. Als dieser dahin kam, erklärte er, weil er kein anderes Mittel gegen diese verwirrten Zustände finden konnte, die Ernennung, welche ohne Wissen des römischen Senats geschehen wäre, für ungültig, entfernte so den Bischof von Parma und ließ durch ihre Wahl an dessen Stelle den Anshelm, Bischof von Lucca, einsetzen. Als er aber selbst nach vollbrachter Botschaft nach Gallien zurückkehrte, unternahm der Bischof von Parma mit einer nicht geringen Schaar Bewaffneter den Bischof von Lucca gewaltsam von dem apostolischen Stuhle zu vertreiben. Dagegen versammelten sie dessen Anhänger und griffen rüstig zu den Waffen; sie trafen auf einander und manche von beiden Seiten fielen an den empfangenen Wunden. Also war die Strenge der Kirchenzucht entartet; nicht, wie ehedem, mußte man Hand anlegen, um Männer, welche der Kirche Gottes vorstehen sollten, herbeizuziehen, sondern diese stritten mit bewaffneter Hand, um sich den Vorsitz zu entreißen, und auf beiden Seiten wurde Blut vergossen, nicht für die Schafe Christi, sondern um die Herrschaft über die Schafe Christi nicht fahren zu lassen. Anshelm jedoch, der auch Alexander genannt wird, behauptete den päpstlichen Stuhl durch die Tapferkeit seiner Krieger und die Gunst der Fürsten. Der andere aber, obgleich schimpflich zurückgewiesen, verzichtete doch, so lange er lebte, nicht auf sein Recht; er beschimpfte jenen fortwährend, nannte ihn einen Ehebrecher der Kirche Gottes, einen falschen Apostel, beging auch das heilige Amt besonders und hörte nicht auf, Weihen zu ertheilen und an die Kirchen seine Befehle und Sendbriefe nach Gewohnheit des apostolischen Stuhls zu richten. Aber niemand achtete darauf, und alle tadelten ihn, daß er, um persönliche Beleidigungen zu rächen, auch den apostolischen Stuhl mit Mord befleckt hätte. Heinrich, Bischof von Augsburg, starb, verhaßt dem Könige, verhaßt allen Bischöfen, weil er zur Zeit der Kaiserin mit Stolz und Anmaßung die Regierung des Reiches geleitet hatte. Ihm folgte Embricho, Propst zu Mainz, ein Mann von priesterlicher Demuth und Würde.
Der Graf Wernheri erbat sich und erlangte vom Könige einen Hof unseres Klosters, Namens Kirhberc, ohne Vorwissen des Abtes. Diesen wiederzuerlangen, kostete uns langwierigen Kampf und Schweiß; wir stritten aber gegen die Wildheit eines so mächtigen Widersachers nicht mit körperlicher Wehr, sondern mit Fasten und häufigem Gebet. Daher pflegte jener mehr beißend als witzig zu scherzen, er sei bei dem Könige großen Lohnes werth, da er seine Mönche, zuvor lässig und lau im Werke Gottes, durch Anwendung neuer Reizmittel aus ihrer Unthätigkeit erweckt und wider ihren Willen zum Fasten und Barfußgehen genöthigt hätte.
Sigefrid, Erzbischof von Mainz, die Bischöfe Gunther
von Babenberg, Otto von Regensburg und Willehelm von Utrecht, auch mehrere
andere Säulen und Häupter Galliens, pilgern in der Herbstzeit
nach Jerusalem.
Das Jahr 1065.
1065 feierte der König Weihnachten zu Goslar, Ostern zu Worms. Hier reinigte der Erzbischof von Premen während der feierlichen Begehung der heiligen Messe, als er die einer so großen Festlichkeit gebührende Predigt hielt, einen Menschen von der Anfechtung des bösen Geistes, nachdem für ihn sowohl er selbst als das ganze anwesende Volk sich in Gebete ergossen hatten. Diese Sache war allen ein großes Wunder, da sie darüber erstaunten, wie ein Mann von so üblem Rufe bei dem Volke, der das Leben der Tugenden nicht hätte, Wunder der Tugenden verrichten könnte. Aber seine Neider legten dies gehässig aus, indem sie behaupteten, daß nicht seinen Verdiensten, sondern der Fürbitte der gegenwärtigen Volksmenge die Bewirkung eines so großen Ereignisses zuzuschreiben sei.
Hier umgürtete sich durch Bewilligung des nämlichen Erzbischofs der König zuerst mit Kriegswaffen, und er würde sogleich die erste Probe mit dieser neu angelegten Rüstung gegen den Erzbischof von Cöln abgelegt und sich mit vollem Ungestüm auf ihn geworfen haben, um ihn mit Feuer und Schwert zu verfolgen, wenn nicht die Kaiserin den drohenden Sturm durch sehr zeitgemäßen Rath wieder beruhigt hätte. Unter anderm machte den Anno vornehmlich der Umstand verhaßt, daß er vor einigen Jahren, als er der Kaiserin das Recht der Regierung und das Ruder des Staats entreißen wollte, den König selbst fast in die äußerste Gefahr gestürzt hatte.
Dem kurz zuvor verstorbenen Bischofe von Strasburg, Hecelo, wurde zum Nachfolger gegeben Wernheri, ein Verwandter des Grafen Wernheri.
Unterdessen setzten die vorgenannten Bischöfe ihre
Wallfahrt weiter gen Jerusalem fort, und während sie die Größe
ihrer Schätze den Völkern, durch die sie ihren Weg nahmen, unbedachtsam
zur Schau stellten, hatten sie sich die äußerste Gefahr zugezogen;
nur die göttliche Barmherzigkeit brachte Rettung, wo menschliche Unbesonnenheit
bereits alles verdorben hatte. Denn die Barbaren, welche aus den Städten
und vom Lande schaarenweis herbeiströmten, um so erlauchte Männer
zu sehen, waren anfangs voll Erstaunen über das große Wunder
fremder Trachten und prächtiger Geräthe; dann, wie es zu geschehen
pflegt, regte sich in ihnen nicht geringer das Verlangen und die Sehnsucht
nach Beute. Als sie daher den Weg durch Lycien zurückgelegt, das Gebiet
der Sarracenen betreten hatten und jetzt von der Stadt Ramulo noch eine
Tagesreise oder etwas weiter entfernt waren, erlitten sie am nächsten
Rüsttage vor Ostern, um die dritte Tagesstunde, einen Ueberfall von
den Arabiten, welche, nachdem sie die Ankunft so vornehmer Männer
erfahren hatten, von allen Orten, um Beute zu gewinnen, zahlreich und bewaffnet
zusammengeströmt waren. Die meisten unter den Christen hielten es
für Unrecht, sich mit bewehrter Hand Hülfe zu schaffen und ihr
Leben, welches sie in die Fremde pilgernd Gott gelobt hatten, mit körperlichen
Waffen zu schützen, und sie wurden sogleich bei dem ersten Angriffe
niedergestreckt, von vielen Wunden durchbohrt und aller ihrer Habe, vom
Faden bis zum Schuhriemen, beraubt. Unter diesen blieb auch der Bischof
Willihelm von Utrecht, dessen Arm von Schlägen fast gelähmt war,
nackt und halb todt liegen. Die übrigen Christen wehrten sich mit
Steinwürfen, zu denen jeder Ort selbst Vorrath in Menge darbot, nicht
sowohl gegen die Gefahr damit sich schützend, als vielmehr nur versuchend,
den augenscheinlich drohenden Tod zu verschieben. Auch zogen sie sich allmählich
zurück und wendeten sich hin zu einem Dorfe, welches vom Wege nur
eine mäßige Strecke entfernt war. Daß es Capharnaum gewesen
sei, muthmaßten sie aus der Aehnlichkeit des Namens. Als sie in demselben
anlangten, besetzten die Bischöfe insgesammt einen Hof, den eine Mauer
umgab, welche aber nur niedrig und so baufällig war, daß sie
auch ohne Anwendung von Gewalt durch ihr bloßes Alter leicht einstürzen
konnte. Inmitten des Hofes lag aber ein Haus, welches ein ziemlich hohes
und zum Widerstande wie mit Absicht eingerichtetes Stockwerk hatte. Dessen
oberen Theil nahmen die Bischöfe von Mainz und Babenberg mit ihren
Geistlichen, den untern die übrigen Bischöfe für sich in
Anspruch. Alle Laien liefen, um den Andrang der Feinde fernzuhalten und
die Mauer zu vertheidigen, rüstig hierhin und dorthin und hielten
den ersten Sturm des Kampfes, wie vorher gesagt worden ist, mit Steinwürfen
ab. Als nun die Barbaren eine große Wolke von Wurfgeschossen in das
Lager geschleudert und die Christen selbst, bei den Angriffen, welche sie
auf jene machten, häufig Schilder und Schwerter den Händen derselben
mit Gewalt entwunden hatten, so genügten sie jetzt nicht allein zur
Vertheidigung der Mauer, sondern sie wagten sogar zuweilen aus den Thoren
hervorzubrechen und den Feind zum Kampfe in der Nähe herauszufordern.
Als nun die Araber den Andrang derselben schon an keinem Orte und mit keinem
Gliede ihres Treffens zu bestehen vermochten, so beschlossen sie zuletzt,
sich von dem ungeordneten
Anstürmen zur Belagerung zu wenden, und versuchten
durch Hunger und Ermattung diejenigen aufzureiben, welche sie mit dem Schwerte
nicht überwältigen konnten. Daher theilten sie die Menge, woran
sie großen Ueberfluß besaßen, denn es hatten sich ihrer
an zwölf Tausende versammelt, so daß sie, einander abwechselnd
zur Arbeit der Belagerung ablösend, jenen keine Möglichkeit gewährten
sich auch nur ein wenig zu erholen, da sie vermutheten, daß die Belagerung
wegen Mangels an allen Dingen, womit das menschliche Leben erhalten zu
werden pflegt, die Mühseligkeit des Kampfes nicht lange ertragen würden.
So wurden die Christen den ganzen Charfreitag und den ganzen heiligen Abend
fast bis um die dritte Stunde des Ostertages ohne Unterbrechung bekämpft,
und die Rastlosigkeit der Feinde gönnte ihnen nicht einmal einen kleinen
Augenblick, um wenigstens durch Genuß des Schlafs ihre Körper
zu erquicken. Denn Speise und Trank verlangten sie weder, da sie den Tod
vor Augen sahen, noch hatten sie, wenn sie auch heftig darnach verlangt
hätten, von allem entblößt, wie sie waren, etwas was sie
zu sich nehmen konnten. Da sie nun am dritten Tage, durch Arbeit und Hunger
erschöpft, auf das Aeußerste gekommen waren, und ihre Kraft,
durch Fasten gebrochen, bei ihren vielen muthigen Unternehmungen den Dienst
versagte, da rief einer aus der Zahl der Priester aus, sie handelten unrecht,
daß sie auf ihre Waffen mehr als auf Gott Hoffnung und starkes Vertrauen
setzten, und das Unglück, in das sie mit seiner Zulassung gerathen
wären, durch eigene Kräfte abzuwehren versuchten; deswegen rathe
er, sich zu ergeben, zumal da eine schon dreitägige Nahrungslosigkeit
sie für kriegerische Thaten völlig untauglich gemacht hätte;
es sei Gott nicht schwer, ihnen auch nach ihrer Uebergabe und Unterjochung
durch den Feind Barmherzigkeit zu erzeigen, ihm der so oft die Seinigen
selbst aus der größten Bedrängniß wunderbar befreit
hätte; und, um auch dieses noch hinzuzufügen; die Barbaren setzten
ihnen mit so großem Kraftaufwand keineswegs deshalb zu, um sie zu
tödten, sondern um ihre Schätze zu rauben; hätten sie sich
deren bemächtigt, so würde man sie selbst alsdann frei und unverletzt,
ohne Gewaltthätigkeit, ohne Beschwerde ziehen lassen. Dieser Vorschlag
gefiel allen, sie wendeten sich sogleich von den Waffen zur Bitte, und
ersuchten den Feind
durch einen Dolmetscher, daß er ihre Ergebung
annehmen möge. Auf diese Nachricht spornt der Anführer der Araber
sein Roß und sprengt zu den vordersten Reihen; er heißt die
andern weiter zurückgehen, um zu verhüten, daß nicht durch
die unvorsichtig zugelassene Menge die Beute ohne Ordnung zersplittert
werde. Er selbst nahm siebenzehn der Angesehensten seines Volkes zu sich,
zog in das nun offene Lager ein, und ließ an den Thoren zum Schutze
seinen Sohn zurück, damit nicht etwa irgend ein Beutegieriger hinter
ihm unberufen eindränge. Als er dann auf angelegter Leiter in das
obere Stockwerk, wo die Bischöfe von Mainz und Babenberg sich geborgen
hatten, mit einigen wenigen gestiegen war, so ersuchte ihn der Bischof
von Babenberg, welchem, ob er gleich an Jahren jünger war, doch wegen
des Vorzugs seiner Tugenden und seiner wunderbar würdevoll äußeren
Erscheinung von allen vorzügliche Ehre erwiesen wurde, daß er
alles, was sie hätten, bis auf den letzten Heller nehmen und sie nackt
und bloß ziehen lassen möchte. Jener, übermüthig durch
seinen Sieg und außer der angeborenen Wildheit der Sitten noch durch
den in so vielen Gefechten erlittenen Verlust in hohem Grade aufgebracht,
erwiderte daß er gegen sie schon drei Tage lang nicht ohne großen
Verlust seines Heeres Krieg geführt habe, um den Besiegten seine Bedingungen
aufzulegen, nicht aber um sich solche von ihnen vorschreiben zu lassen;
damit sie nun nicht sich von falscher Hoffnung täuschen ließen,
möchten sie wissen, daß er gedenke, ihnen zuvörderst alles,
was sie besäßen, abzunehmen, sodann aber ihr Fleisch zu essen
und ihr Blut zu trinken. Und unverzüglich entfaltete er das leinene
Tuch, womit er den Kopf nach der Sitte seines Volkes umwunden hatte, machte
daraus eine Schlinge und warf sie dem Bischof um den Hals. Dieser, als
ein Mann von edler Sittsamkeit und voll gediegener Würde, duldete
die Schmach nicht, sondern schlug jenen mit der Faust so heftig ins Gesicht,
daß er ihn mit einem einzigen Schlage besinnungslos niederwarf und
jählings zu Boden streckte, laut rufend, daß er zuvor für
seine Gottlosigkeit Strafe leiden solle, weil er als ein Ungeweihter und
Götzendiener sich unterstanden hätte, seine unreinen Hände
an den Priester des Herrn zu legen. Sogleich stürzten die anderen
Geistlichen und Laien herbei und binden sowohl diesem als den übrigen,
welche in das obere Stockwerk gestiegen waren, die Hände so fest zusammengeschnürt
auf den Rücken, daß den meisten das Blut aus der zerrissenen
Haut durch die Nägel hervorrann. Als die Nachricht von dieser kühnen
That zu denjenigen gelangt, welche in dem Erdgeschosse standen, so machen
auch sie es ebenso mit den arabischen Fürsten, welche bei ihnen waren.
Hierauf erheben alle Laien ein lautes Geschrei zum Himmel, rufen Gott,
den Schöpfer aller Dinge, um Hülfe an, ergreifen wieder die Waffen,
besetzen die Mauer, werfen sich auf die Wachen, welche die Thore besetzt
hatten, schlagen sie in die Flucht und zeigen sich überall so muthvoll,
so neugekräftigt durch den unerwarteten Erfolg, daß man
glauben sollte, es habe sie keine Abspannung und kein Nachtheil durch das
dreitägige Fasten und Mühsal betroffen. Ueber so große
Rüstigkeit, welche so plötzlich aus dieser mißlichen Lage
und äußersten Verzweiflung hervorgetreten war, staunen die Araber
sehr und vermuthen keinen andern Grund dieser neuen Erscheinung, als daß
an ihren Fürsten die Todesstrafe vollzogen worden sei; sie stürzen
daher voll der feindseligsten Wuth in den Kampf und schicken sich an, in
gedrängter Schaar mitten durch Waffen und Männer in das Lager
einzubrechen. Und es wäre um die Christen geschehen gewesen, wenn
ihnen nicht noch zu rechter Zeit ein rettender Gedanke gekommen wäre.
Sie stellten nämlich die gefesselten Fürsten an den Platz, wo
die Feinde mit dem heftigsten Andrang und dem dichtesten Pfeilregen angriffen,
und zu ihren Häupten einen Scharfrichter, welcher ein gezücktes
Schwert in den Händen hielt und durch einen Dolmetscher laut verkündigte,
wenn sie von dem Angriffe nicht abließen, so würde man gegen
sie nicht mit den Waffen, sondern mit den Köpfen ihrer Anführer
streiten. Da beschworen die Fürsten selbst, welche außer der
Härte ihrer Fesseln auch das ihren Nacken bedrohende Schwert sehr
ängstigte, mit großem Jammern die Ihrigen, sie sollten gemäßigter
zu Werke gehen, damit sie nicht durch allzu eifrige Fortsetzung des Kampfes
die Feinde, wenn ihnen alle Hoffnung auf Gnade abgeschnitten wäre,
dazu trieben, ihnen, den Fürsten, das Leben zu nehmen. Die Gefahr
des Vaters erschreckte den Sohn des Heerführers der Araber, welcher,
wie ich oben erwähnte, von dem Vater zur Wache am Thore des Hofes
zurückgelassen war; er eilte mit schnellem Schritte in die dichtesten
Haufen der Seinigen, hielt den Ungestüm des wuthentbrannten Heeres,
mit Mund und Hand abmahnend, zurück und wehrte ihnen Geschosse auf
den Feind zu werfen, welche nicht, wie sie wähnten, die Feinde, sondern
die Brust ihrer eigenen Fürsten treffen würden. Als durch diesen
Anlaß ein wenig Ruhe von den Waffen und dem Angriffe gegeben war,
kam ein Bote in das Lager zu den Christen, gesandt von denen, welche am
Charfreitag alles verloren hatten und nackt und wund bis nach Ramulo gelangt
waren. Dieser brachte den von bitteren Leiden und Furcht niedergeschlagenen
Gemüthern große Labung, indem er meldete, daß der Fürst
jener Stadt, obwohl ein Heide, jedoch, wie man glaubte, von göttlicher
Eingebung beseelt, mit einem großen Heerhaufen zu ihrer Befreiung
heranziehe. Auch den Arabiten konnte die Kunde von der Ankunft der Feinde
nicht verborgen bleiben, und sogleich richten sie alle ihre Gedanken von
der Bekämpfung anderer auf ihre eigene Rettung und verlieren sich
in schleuniger Flucht, wohin einen jeden die Hoffnung zu entkommen leitet.
Bei dieser Verwirrung, während einer dies, der andere jenes zu besorgen
hin und her lief, entrann einer der Gefangenen mit Hülfe eines Sarracenen,
der den Christen als Wegweiser diente, zu so großem Schmerze, zu
so großem Leidwesen aller, daß sie sich kaum enthalten konnten,
Hand an den zu legen, durch dessen Nachgiebigkeit er entlassen worden war.
Und nicht lange hernach kam, wie gemeldet worden, jener Fürst mit
seinem Heere an und wurde friedlich von den Christen in den Hof aufgenommen;
doch schwebten noch alle zwischen Hoffnung und Furcht, es möchte vielleicht
das Unglück nicht gehoben, sondern der Feind bloß gewechselt
sein, und wegen der Neuheit der Sache wurde es ihnen schwer zu glauben,
daß der Teufel den Teufel austreiben, das ist, ein Heide einen Heiden
an der Verfolgung der Christen hindern wolle. Zuerst vor allem ließ
er sich die gebundenen vorführen. Als er diese betrachtet und das
Geschehene der Reihe nach angehört hatte, sagte er den Christen den
größten Dank für ihre glänzenden Thaten und für
die Bezwingung der ärgsten Feinde des Staats, welche das Babylonische
Reich schon viele Jahre hindurch mit ununterbrochenen Verwüstungen
heimgesucht und die großen Heere,die man gegen sie ausgerüstet
habe, häufig in offenem Kampfe vernichtet hätten. Er übergab
sie seinen Wächtern, und gebot sie dem Könige von Babylon lebendig
zu verwahren. Er selbst führte die Christen, nachdem er soviel Geld
als bedungen war, empfangen hatte, mit sich nach Ramulo. Von da ließ
er sie durch eine ihnen beigegebene Bedeckung von leichten Truppen bis
nach Jerusalem geleiten, damit sie nicht wieder durch einen räuberischen
Anfall gefährdet würden. Von nun an erduldeten sie weder auf
der Hinreise noch auf der Heimkehr irgend eine Anfechtung und erreichten
Lycien, voll Dankes gegen Gott, daß er sie nach Bestehung so vieler
Gefahren lebend und wohlbehalten wieder in Sicherheit gebracht hätte.
Seitdem ging ihnen auf dem Rückwege durch das Gebiet der Christen
alles nach Wunsche von Statten. Allein nachdem sie in Ungern angekommen
waren, wurde der Bischof Gunther von Babenberg, ach! durch einen allzu
frühen Tod überrascht, und machte der glücklichen und frohen
Heimreise ein für alle trauriges Ende. Er verschied aber am 23. Julius
in blühendem und zum Genusse der Welt besonders reifem Alter, ein
Mann, der außer dem Ruhme seines guten Wandels und den reichen Schätzen
seiner Seele auch mit körperlichen Gaben vorzüglich geschmückt
war. Entsprossen war er aus einem der vornehmsten Geschlechter der königlichen
Pfalz, und neben seinem Bisthum überaus reich an eigenem Besitz, fertig
zu Rede und Rath, sowohl göttlicher als menschlicher Wissenschaft
kundig, dazu durch hohen Wuchs, durch Schönheit der Körperbildung
und Vollkommenheit des ganzen Leibes so hervorragend vor den übrigen
Sterblichen, daß während jener Reise nach Jerusalem das Volk
von den Städten und Dörfern aus Begierde ihn anzuschauen herbeiströmte,
und daß derjenige sich glücklich schätzte, dem es gelungen
war, ihn zu sehen. Deswegen wurde er, wenn sie in der Herberge lagen und
ihnen gemeiniglich der seinetwegen unaufhaltsam andringende Haufe allzu
lästig werden wollte, einige Male von den andern Bischöfen genöthigt,
öffentlich hervorzutreten und die den Eingang belagernde Menge durch
seinen Anblick zu befriedigen, damit die Uebrigen nicht ferner durch sie
gestört würden. Diesen so großen Glanz vergänglichen
Glückes machte noch helleuchtender und vollkommener die Unschuld seines
Lebens und die Sittsamkeit seines Wandels. Denn den so herrlichen Ruhm
beider Menschennaturen, des geistigen nämlich und des irdischen Menschen,
welchen alle an ihm bewunderten, achtete bloß er selbst um Gottes
willen so gering, daß er gegen alle Menschen, auch vom niedrigsten
Stande, sich leutselig und wie gegen seines Gleichen erwies, und von seinen
Dienern oft die größten Schmähreden ungestraft hinnahm.
Daher wurde er mit feierlichem Leichengepränge in das Vaterland zurückgebracht
und mit großem Wehklagen von allen, die ihn gekannt hatten, empfangen;
dann beerdigte man ihn in der Kirche zu Babenberg, wo er von Kindesbeinen
an herangewachsen war. Ihm folgte in dem Bisthum Herimann, der Vizthum
von Mainz. Dieser hatte nämlich ebenfalls an jener Wallfahrt nach
Jerusalem theilgenommen, und als er inne ward, daß der Bischof bei
zunehmender Krankheit sich schnell dem Ende näherte, schickte er eine
Botschaft voraus an seine Angehörigen, denen er bei seiner Abreise
aus der Heimat die Verwaltung seines Vermögens übertragen hatte,
und bat sie, daß sie ihm auf jede nur mögliche Weise den Weg
zu dem Bisthum bahnen möchten. Dies thaten sie auch eifrig und verwandten
auf die Erkaufung desselben eine unschätzbare Masse Silbers und Goldes.
Eilbert, Bischof von Passau, starb; ihm folgte Altmann, ein Kaplan der Kaiserin, welcher zugleich mit den übrigen Fürsten nach Jerusalem gegangen war, und durch Vermittelung der Kaiserin in seiner Abwesenheit zum Bischof ausersehen wurde.
Arnolf, Bischof zu Worms, ein Mann von priesterlicher
Anspruchslosigkeit und Heiligkeit, ging heim zu dem Herrn; ihm folgte Adalbero,
ein Mönch aus dem Kloster des heiligen Gallus, Bruder des Herzogs
Ruodolf, an einem Fuße ganz gelähmt, eine in jeder
Rücksicht sehenswerthe Erscheinung. Denn er war von großer Stärke,
von unersättlicher Eßlust und von so gewaltiger Dicke, daß,
wer ihn ansah, darüber mehr Schauder als Verwunderung empfand; ja,
daß selbst der hundertarmige Gigant oder jedes andere Ungeheuer des
Alterthums, wenn es der Unterwelt entstiege, die Augen und die Aufmerksamkeit
des staunenden Volkes nicht in so hohem Grade auf sich ziehen würde.
Das Jahr 1066.
1066 feierte der König die Geburt des Herrn zu Goslar, wo er sich schon seit Herbstesanfang bis zu jenem Theile des Winters, wie in einem Standlager, eingezogen gehalten hatte, ganz ohne die hinreichenden Mittel zu einer Hofhaltung, die dem königlichen Ansehen entsprechend gewesen wäre. Denn außer dem wenigen, was aus den Gefällen der königlichen Kammer einkam und was die Aebte durch erzwungene Leistungen lieferten, wurde alles andere zu seinem täglichen Bedarfe nur durch tägliche Ausgaben erkauft. Und dies geschah aus Haß gegen den Erzbischof von Premen, den alle beschuldigten, daß er unter dem Vorwande der Vertraulichkeit mit dem Könige ganz allein der Regierung zu offenbarer Gewaltherrschaft sich angemaßt habe; deshalb verweigerten sie dem Könige die gewohnten Dienste und jener wollte den König nicht in andere Theile des Reichs wegführen, damit er nicht, wenn er mit andern Fürsten den ersten Platz im Rathe und Vertrauen des Königs theilen müsse, sich selbst die Höhe seiner angemaßten Einzelherrschaft etwas schmälerte. Aber die Reichsfürsten schienen nicht Willens, diese Unbill länger zu dulden. Die Erzbischöfe von Mainz und Cöln mit den übrigen, die um das Wohl des Staates Sorge trugen, hielten häufige Zusammenkünfte und ersuchten alle übrigen, gemeinsam mit ihnen zu berathen, was unter diesen Umständen zu thun nöthig sei. Als hierauf dieses Einverständniß schon zur Reife gediehen war, kündigten sie allen Reichsfürsten eine allgemeine Tagfahrt zu Tribur an, um hier den Erzbischof von Premen, den gemeinschaftlichen Feind aller, insgesammt durch gemeinschaftliche Maßregeln zu bekämpfen und dem König anzukündigen, daß er entweder von der Regierung abtreten, oder der Vertraulichkeit und Freundschaft mit dem Erzbischof von Premen sich entledigen müsse. Als die Nachricht von diesem unheilvollen Ereignisse nach Goslar gelangt war, eilte der König schnell zu dem anberaumten Fürstentage. Mit ihm kam auch der Graf Wernheri und begab sich zur Einkehr nach dem Dorfe Ingilneheim, von dem ein Theil auch zu unserem Kloster gehört. Hier begannen nun seine Reisigen bei den Einwohnern Beute zu machen; diese aber riefen zu den Waffen und suchten sich zur Wehr zu setzen, so daß sich ein blutiger Kampf entspann. Der Graf Wernheri eilte den Seinigen zu Hülfe und war eifrig zu Gange: da traf ihn einer der niedrigsten Leibeigenen unseres Klosters, oder wie andere sagen, eine Tänzerin, mit einer Keule auf das Haupt, so daß er zusammenstürzte und halb todt zu dem Könige hingetragen wurde. Die anwesenden Bischöfe ermahnten ihn, daß er doch jetzt, da er schon in den letzten Zügen läge, vor Gott Buße thun möchte, daß er erkenne, wie er durch das Gebet der Hervelder Mönche sein Leben einbüße und ihnen den Meierhof Kirhberc, den er unrechtmäßig in Besitz genommen hatte, zurückgebe; er aber fügte sich auf keine Weise, bis die Bischöfe ihm einstimmig drohten, dem Sterbenden das heilige Abendmahl nicht reichen zu wollen, wenn er nicht vorher von dem Gewicht einer so großen Sünde sich entlastet hätte. So gab er endlich nach, mehr von Schamgefühl als von Gottesfurcht bewegt, stellte jenes Gut zurück und verschied gleich darauf.
Am bestimmten Tage war das Antlitz aller trübe gegen den König, trüber für ihn der Ausspruch, daß er entweder der Regierung entsagen oder den Erzbischof von Premen aus seinem Rathe und von der Mitregentschaft entfernen sollte. Als er Ausflüchte suchte und schwankte, was er vorziehen sollte, gab der Erzbischof ihm den Rath, in der nächstfolgenden Nacht mit den Reichskleinodien heimlich zu entfliehen und sich nach Goslar oder an einen andern Ortzu begeben, wo er sicher vor Anfechtung wäre, bis diese Aufregung sich legen würde. Bei Anbruch der Nacht hatte der Erzbischof schon begonnen, die königlichen Schätze durch seine Diener und die Gehülfen seines Trugs herauszuschaffen, als plötzlich die Kunde dieses Vorhabens unter den Hofbeamten des Königs - ich weiß nicht, auf welche Anzeige - sich verbreitete. Diese ergriffen sogleich die Waffen, umringten den Königshof und bewachten ihn die ganze Nacht hindurch, damit kein neuer Versuch der Art gemacht würde. Als es Morgen wurde, erhoben sich alle mit so feindseligem Sinn gegen den Erzbischof, daß sie sich an ihm thätlich vergriffen haben würden, hätte nicht das königliche Ansehen ihren Zorn mit genauer Noth gezügelt. So wurde er denn schmachvoll aus dem Königshofe verjagt mit allen Helfershelfern seiner Gewaltherrschaft, und der König sandte mit ihm eine nicht geringe Schaar seiner Freunde, damit er nicht noch unterwegs den Nachstellungen seiner Feinde erliegen möchte. So gelangte die Verwaltung der öffentlichen Geschäfte wieder an die Bischöfe, in der Weise, daß ein jeder nach der Reihe vorkehren sollte, was für den König und für den Staat zu thun nöthig war.
Das Osterfest feierte der König zu Utrecht, Eberhard,
Erzbischof von Trier, hatte noch am heiligen Abend vor Ostern das Geheimniß
eines so hohen Festtages dem Volke feierlich dargestellt, dann ging er
in die Sacristei zurück, neigte sein Haupt an die Brust des Archidiakonus
und gab, umgeben von den Brüdern, seinen Geist auf. Sein Bisthum erhielt
durch Verwendung des Erzbischofs von Cöln Cuono, Probst zu Cöln.
Schwer und mit sehr großem Unwillen empfand es sowohl die Geistlichkeitals
das Volk von Trier, daß sie bei der Wahl nicht zugelassen und befragt
worden waren, und sie ermahnten einander wechselseitig, diese außerordentliche
Beschimpfung durch eine außerordentliche That
abzuwaschen. Schirmvogt der Kirche von Trier war damals
der Graf Dieterich, ein junger Mann von wilder Gemüthsart und jugendlichem
Ungestüm. Dieser rückte an dem Tage, an welchem der Einzug des
Bischofs in der Stadt erwartet wurde, demselben mit einer großen
Menge Reisiger entgegen, und in der Morgendämmerung, ehe der Bischof
aus der Herberge kam, überfiel er ihn, tödtete die wenigen, welche
Widerstand zu leisten versuchten, und trieb die übrigen, die durch
den unvermutheten Schrecken betäubt waren, mit leichter Mühe
in die Flucht, plünderte die sehr ansehnlichen Schätze, welche
der Bischof mit sich geführt hatte, nahm diesen selbst gefangen, lieferte
ihn in die Hände der Henker, und befahl ihn von einem sehr hohen Felsen
herunterzustürzen und so ums Leben zu bringen. Sein Leichnam wurde
von frommen Männern aufgehoben und in dem Kloster von Doley beigesetzt,
wo er, wie man erzählt, bis auf den heutigen Tag durch göttliche
Fügung häufig durch große Wunder verherrlicht wird. Ihm
folgte in dem Bisthum Uoto, zu dessen Wahl sowohl die Geistlichkeit als
das Volk sich vereinigte.
Um die Zeit des Osterfestes erschien ein Komet fast 14
Nächte hintereinander. Damals wurde eine blutige und jammervolle Schlacht
in den Landen des Nordens geliefert, worin der König der Angelsachsen
drei Könige mit ihrem unermeßlichen Heere bis auf den letzten
Mann vernichtete. Der König verfiel bei seiner Ankunft in Friteslare
in eine sehr schwere Krankheit, so daß er von den Aerzten aufgegeben
wurde und die Fürsten anfingen, über die Nachfolge im Reiche
zu berathen. Von diesem Krankenlager kaum noch wieder ganz zu Kräften
gekommen, feierte er Pfingsten zu Herveld. Und bald nachher hielt er zu
Tribur mit königlicher Pracht Hochzeit und verband sich ehelich mit
der
Königin Berhta,
der Tochter des Markgrafen Otto von Italien.
Reginher, Bischof von Meißen, starb; ihm folgte
Craft, Probst von Goslar. Als aber dieser nach Uebernahme des Bisthums
gen Goslar gekommen war, schloß er sich nach der Mahzeit in das
Schlafzimmer ein, wo er seine Schätze, an denen er mit zu großer
Vorliebe hing, ohne Jemandes Mitwissen vergraben hatte, als wenn er
ein wenig ausruhen wollte. Und da schon der Tag sich zum Abend neigte
und er wider seine Art und Gewohnheit allzulange sich dem Schlafe zu überlassen
schien, wunderten sich seine Kämmerer über diese ungewöhnliche
Erscheinung und klopften an die Thür. Aber weder auf ihr Klopfen noch
auf ihr Rufen erhielten sie eine Antwort. Endlich erbrachen sie die Thür,
drangen hinein und fanden ihn mit gebrochenem Genick und schrecklichem
Ansehen entseelt über seine Schätze auf jammervolle Weise
hingestreckt. Statt seiner übernahm das Bistum Benno, Canonicus der
vorgenannten Kirche zu Goslar.
Das Jahr 1073.
Ouban, welcher sich des Reichs der Ungern bemächtigt hatte, machte einen Ausfall in das Grenzgebiet der Baiern und Carentiner, und trieb viele Beute weg. Aber die Baiern verfolgten ihn mit vereinten Kräften, entrissen ihm die Beute, tödteten viele und zwangen die Uebrigen zur Flucht.
In diesem Jahre nach dem Ausbruche des sächsischen Krieges fand weiter keine Einforderung der Zehnten in Thüringen statt, und die Thüringer freuten sich, daß sie Gelegenheit gefunden, die ihnen von ihren Vätern überlieferten Gerechtsame mit bewaffneter Hand zu beschirmen; der König aber war voll Kummers, daß er, den Zehnten ohne alle Mäßigung nachtrachtend, beinahe das Reich mit sammt dem Leben eingebüßt hätte.
In diesem Jahre wurde auch jener so berüchtigte Egen,
welcher auf den Herzog Otto von Baiern die Schuld jenes todeswürdigen
Verbrechens zu bringen gesucht hatte, bei einem Straßenraube ergriffen,
von den Einwohnern geblendet, und gerieth in so große Dürftigkeit,
daß er in der Folge von Thür zu Thür gehend öffentlich
um Almosen bettelte. Auch der Graf Giso [2 Vielleicht von
Gudensberg.] und Adalbert mit seinen vier Söhnen, auf deren Anstiften
jener verworfene Mensch diese traurige Mähr erdichtet hatte, wurden
von ihren Feinden wegen persönlicher Händel in dem Schlosse des
Giso, Namens Hollenden getödtet, indem Gott die Unschuld
des Herzogs Otto rächte.