Annalista Saxo:
*************
"Reichschronik"
 

Das Jahr 1040.
 

 [Der neue König feierte die Fleischwerdung des Herrn geziemend in Regensburg und als er der heiligen Maria Reinigung in Augsburg zubrachte, hielt er mit den Fürsten von diesseits der Alpen einen Reichstag über die Befestigung  der Regierung ] und als alles nach seinem Wunsche geordnet
war, kehrte er nach Franken zurück und blieb die Fastenzeit über am Rheine in geeigneten Orten. Ostern aber feierte er prächtig in Engelenheim und dorthin kamen zu ihm die Fürsten Burgundiens demüthig mit ihren Gaben, und kehrten fröhlich wieder von dort heim, sowohl mit seiner Gnade als
auch mit Geschenken belohnt. Dorthin kam auch nach Ostern der Mailänder Metropolit, und als er wegen seines ganzen Streites, welchen er gegen den Kaiser Konrad geführt hatte, Genugthuung leistete, erwarb er sich durch Vermittelung der Fürsten die Gnade des Königs wieder und betheuerte aufs Neue mit einem Eide, daß er Frieden und Treue halten wolle; also begleitete er den König nach Köln und kehrte von hier in Frieden und mit der Gnade des Königs in seine Heimat zurück. Der König feierte die Himmelfahrt des Herrn in Niumagus, Pfingsten aber in Lüttich; darnach befahl er eine Heerfahrt ins Land Böhmen wegen der Verwüstung Polens, und dorthin eilend sammelte er in Camba  ein Heer am Himmelfahrtstage der heiligen Maria. Als das Gefolge von dort in dasselbe Land einzog und Markgraf Otto von Suinvorde mit den Baiern des Ausspähens wegen durch waldige und unwegsame Gegenden einbrach, gingen Einige, welche aus der Umgebung des Königs ausgesandt waren, unbesonnen vor, weil sie hofften, sich auszeichnen zu können, indem sie einen Verhau im Walde erobern wollten; daselbst wurden sie aber in einem vorbereiteten Hinterhalte von Bogenschützen umzingelt und es sind Graf Werinher, ein Oberster und Fahnenträger des Königs, mit einer Anzahl königlicher Trabanten, und Graf Reinhard, der Majordomus der Fuldaer Kirche, mit den Ausgesuchtesten von den Vasallen des heiligen Bonifacius, o Jammer! in blutiger Schlacht am 22. August gefallen. Am folgenden Tage wurden Einige von der schon weiter vorgerückten Schaar Otto's, welche denselben Verhau von der anderen Seite angriffen und von denselben Bogenschützen  überfallen wurden, nämlich Graf Gebehard, Wulfram und Thietmar, mit mehreren bairischen Rittern elendiglich getödtet. Auch die Sachsen mit dem Metropoliten Bardo von Mainz und dem Markgrafen Ekkihard waren am erwähnten Feste der heiligen Jungfrau in Donin zusammengekommen und drangen an einem Sonntage, am 24. August, mit sehr geringer Mannschaft, aber wie es sich zeigte, unter Begleitung des göttlichen Schutzes gewaltsam in dasselbe Land ein, und neun Tage nach Belieben umherziehend verwüsteten sie es mit Morden, Plündern und Brennen, bis sie endlich als Sieger davonzogen, als ein ehrwürdiger Mann, der Mönch Guntar, mit einer Botschaft vom Könige kam, das Geschehene mittheilte und zur Heimkehr rieth, da Frieden gewährt und angenommen war.
Nur drei Vornehme von den Unsrigen, Gerold, Radulf und Bucco, sind daselbst am 31. August gefallen. - Der König aber feierte der heiligen Maria Geburt in Babenberg; von hier zog er nach Sachsen und verbrachte das Fest des heiligen Michael in Corbeja. In demselben Jahre starb Herr Bruno, Vorsteher der Mersburger Kirche; an seinen Platz trat Hunold. Der König hielt am Feste des heiligen Andreas einen  Reichstag in Altstide, woselbst er auch Gesandte der Ruzen mit Geschenken empfing.  - In derselben Zeit traten die Gewässer weit und breit aus, wodurch an verschiedenen Orten viele elendiglich umgekommen sind.

Eberhard, frommen Gedächtnisses Bischof von Babenberg, starb; zu seinem Nachfolger bestimmte König Heinrich nach einmüthiger Wahl aller Frommen seinen Kapellan Suitger, einen Diakon von gutem Rufe. Seine Mutter war Amulrad, die Schwester des Magdaburger Erzbischofs Walthard, welche Konrad von Maresleve und Horneburg heirathete und welche ihm diesen Suitger, der Kanonikus des heiligen Stephan in Halberstadt war, darnach Bischof in Babenberg, endlich Papst von Rom, - dann Konrad, welcher, wie es heißt Kanonikus des heiligen Mauricius in Magdeburg und darnach Patriarch von Aquileja gewesen ist, und Adalbert geboren hat. Dieser nahm sich eine Frau zur Ehe, welche seine Leibeigene war und welche seiner Schwester, die Dignamenta oder Margareta hieß, übergroßen Schimpf zufügte; deshalb wurde sie nach dem Plane und auf Geheiß derselben in eben dieser Burg  Horneburg erschlagen. Darum hat Adalbert selbst diese Burg mit den dazu gehörenden Gütern der Halberstädter Kirche unter der Bedingung des Besitzes auf Lebenszeit übergeben, damit nämlich nicht jene oder ihre Kinder diese Erbschaft bekämen. Dignamenta oder Margareta selbst hatte aber einen Theoderich geheirathet, dessen Bruder Hanulf von Ammenesleve hieß, und sie gebar ihm eine Tochter Namens Amulrada. Diese Amulrada nun nahm zur Frau zuerst Ekbert von Hertbike und Mesburge, und sie gebar ihm vier Töchter, die Nonnen Bertrada und Margareta, dann Ida und Bia. Ida gebar von Gevezo aus Thüringen den Kanonikus Ekbert vom heiligen Stephan in Halberstadt; als jener gestorben war, heirathete sie Meinhard von Orlagemünde und gebar ihm Meinhard und andere; als dieser ebenfalls starb, bekam sie Kizo, der Sohn Arnolds von Warmonestorp. Bia heirathete einen
Mann, dessen Name Dedi war, und als dieser gestorben war, empfing Dedi von Crozok sie zur Frau und sie gebar von ihm Guncelin und eine Tochter Namens Machtilda, welche  Werinher von Veltheim heimführte, und sie gebar den Werinher. Die erwähnte Amulrada aber bekam, als Ekbert gestorben war, Theoderich, der Schwestersohn des Königs Herimann, dessen Bruder der oben genannte Dedi gewesen ist, welcher  Amulrada's Tochter Bia zuerst heimgeführt hatte, und sie gebar von demselben Theoderich den Grafen Milo und dessen Brüder, und zwei Töchter Oda und Gisla. Graf Milo führte Liutburga heim, die Tochter des Grafen Otto und der Gräfin Adelsindis von Eilikistorp,  und er zeugte mit ihr die Grafen Herimann und Otto von Hildesleve und Bia, mit welcher Burchard von Konradesburg sich verheirathete und Burchard und Andere zeugte. Oda, Milo's Schwester, heirathete Gevehard von Quernevorde und sie gebar den Magedaburger Erzbischof Konrad und Burchard, den Burggrafen derselben Stadt; Gisla aber verband sich mit Walo von Vakenstide. Nun wollen wir zur Chronik zurückkehren.
 

Das Jahr 1137.
 

Kaiser Lothar schlug sein Lager auf auf den Feldern der Stadt Bolonia, welche er zwar wegen der  Rauheit der Winterszeit nicht zu erobern vermochte, aber eine Zeit lang belagerte. Nicht weit von hier war eine Burg, in welche viele wegen ihrer Festigkeit geflohen waren, weil der in die Höhe ragende und felsige Berg nur einen sehr engen Zugang hatte und auf allen Seiten entsetzliche Abgründe drohend zeigte. Hierher nun kamen zufällig Einige aus dem Lager, aber sie wurden zurückgetrieben, nachdem Bernhard, ein Diener des Königs, mit zwei Anderen von einem Priester, der den Zugang bewachte, getödtet worden war. Ihre Freunde kehrten ins Lager zurück, nahmen einen Theil des Heeres mit sich und eroberten die Burg und tödteten mehr als dreihundert mit dem Schwerte, im Brande und durch Herabstürzen; um den Priester aber mit einem kläglichen Tode zu bestrafen, zertraten sie ihn unter den Hufen der Pferde. Als der Kaiser endlich Bolonia eingenommen hatte, kam er friedlich nach Cassan, woselbst er auch der heiligen Maria Reinigung feierte, und hier ist ihm der Herzog von Ravenna mit geziemender Ehrerbietung entgegengekommen. Von hier schickte er den Herzog Heinrich von Baiern, um den von den Seinigen vertriebenen Markgrafen Eggelbert in seine frühere Würde wieder einzusetzen, und um diejenigen Städte, zu welchen er selbst, weil er nicht Lust hatte den Marsch aufzuhalten, nicht kommen konnte, zu unterwerfen. Der Kaiser aber kam nach Ravenna und wurde von einem prächtigen Zuge des Erzbischofs, der Kardinäle, des Klerus und der Fürsten, die ihm weit entgegenkamen, empfangen. Darnach griff er Lutizan an, und diesen Ort, welcher den früheren Kaisern recht widerspänstig und  uneinnehmbar gewesen, nahm er bei dem ersten Sturm ein. Darauf belagerte und eroberte er die Städte Vana und Sinegalla und so kam er zur Stadt Ancuna. Die ihm feindlichen  Einwohner dieser Stadt zogen ihm in großer Anzahl entgegen und belästigten durch heftige Angriffe die Vorhut, welche damals der Magdeburger Erzbischof Konrad und Markgraf Konrad bildeten, die jedoch Widerstand leisteten und sie mit starker Hand zurücktrieben. Als der Kaiser dies erfuhr, machte er auf sie einen Angriff, und nachdem mehr als zweitausend getödtet waren, schlug er die Uebrigen in die Flucht und zwang die auf der einen Seite vom Heere eingeschlossene und auf der andern Seite von der Flotte bedrängte Stadt zur Ergebung, und befahl ihr, für seinen Dienst hundert mit Mundvorrath geladene Schiffe zu stellen. Es ist aber zu umständlich zu erzählen, mit welchem Wetteifer und Bestreben die Fürsten dieser Länder, umgeben von ihren Schaaren und mit begeistertem Gehorsam, den Kaiser begleiteten, andere aber mit zahlreichen Schiffen, um Lebensmittel und andere im Kriege nöthige Dinge herbeizuführen, oder um die Seestädte zu  erobern, nachfolgten.

Der Kaiser feierte Ostern in Firma  und von hier aufbrechend nach Firint trieb er die zum Widerstande bereiten Einwohner derselben aus der Stadt. Daselbst entstand zwischen Sachsen und Baiern ein Streit, bei welchem Erzbischof Konrad mit seinen Getreuen beraubt ward, aber durch den Beistand des Markgrafen Konrad wurden die Baiern besiegt, ausgeplündert und verjagt, nachdem Nithard, ein Edler, getödtet worden war.

Als nun so die Angelegenheiten in Italien geordnet waren, betrat der Kaiser Apulien und hielt am Flusse Trunta einen Reichstag, auf welchem er die Markgrafen Thomas und Matheus mit ihrem Herrn, dem Pfalzgrafen Willehelm, einem sehr erlauchten Manne, zu Gnaden und zur Lehnspflicht annahm, und so kam er durch das Gebiet dieses Pfalzgrafen zur Stadt Castelpagan, einer Stadt, die mit ihrer Burg wegen ihrer durch Natur und Kunst sehr befestigten Höhe für  menschliche Kräfte unersteiglich war. Da alle daran zweifelten sie einnehmen zu können, haben die Städter aus Haß gegen Rozier, der sie von der erwähnten Burg aus schwer drückte, freiwillig sich ergeben. Die dadurch erschreckten Burgleute haben sich nothgedrungen auch ergeben. Ihren Befehlshaber Richard, der nicht lange darnach zu Rozier zurückkehrte, ließ derselbe blenden. Ein anderer Richard aber, welcher nach jenem diese Burg vom Kaiser empfangen hatte, versprach dem Rozier in der Hoffnung auf Geld, sie ihm zu verrathen; als dieses gezahlt war, wurde er auf Roziers Befehl neben demselben wegen seiner Treulosigkeit nicht unbilliger Weise gehängt. Der Kaiser aber sandte den Herzog Konrad mit einem Theile des Heeres aus zur Belagerung der Burg Rigian, deren Einwohner allein durch das Geschrei der Kommenden erschreckt sich ergaben. Deshalb zog der Herzog Konrad weiter und belagerte den Berg Garganus drei Tage lang, bis bei der  nkunft des Kaisers mit dem Heere und dem Angriffe auf Stadt und Burg alle sich ergaben, nachdem von ihnen Einer getödtet worden, der an Tapferkeit und Kühnheit die Uebrigen übertraf. Oberhalb dieser Burg aber und in einer am Berge verborgen gelegenen Kirche nahmen sie einen großen Vorrath an Gold, Silber, Steinen und Gewändern fort, welchen  Herzog Simon von Dalmatien dort niedergelegt hatte. Nachdem nun demüthig der heilige Erzengel Michael verehrt worden, zog der Kaiser weiter nach Troja, von hier nach Cannä und darauf nach Barlit, und als aus diesen Städten die Einwohner, um mit ihrer Tapferkeit zu prahlen, leichtsinnig gegen das Heer ausfielen, wurden viele gefangen, mehrere getödtet, viele an Nasen und andern Gliedern verstümmelt und die Uebrigen sind kaum durch die Flucht in die Städte entkommen. Mit ihrer Niederlage zufrieden, stand der Kaiser davon ab die Städte selbst zu belagern, da er anderswohin eilte; als er jedoch später zurückkam, ließen die Bürger aus Furcht dieselben im Stich und flohen nach verschiedenen Richtungen. Von hier kam er nach Trana, dessen Einwohner ihn mit Freuden  aufnahmen, und sobald er sich näherte, durch das Vertrauen auf ihn ermuthigt, Roziers Burg zerstörten; und als daselbst dreiunddreißig von Rozier zum Schutze der Seinigen geschickte Schiffe eintrafen, wurden acht von diesen versenkt, ihre Führer getödtet, und die übrigen, welche sich kaum durch die Flucht retteten, sind nicht wieder erschienen. Dort ließ der Kölner Erzbischof Bruno sich am Mittwoch vor Pfingsten zur Ader und am dritten Tage starb er eines plötzlichen Todes, und an seine Stelle tritt Hugo.

Inzwischen hat Herzog Heinrich von Baiern, von dem wir oben erzählt haben, daß er wegen des Markgrafen Eggelbert vom Kaiser aus Cassan abgeschickt worden war, als er auf die Ebene von Musella kam, den gegen diesen Markgrafen empörten Grafen Wido besiegt und nach Zerstörung dreier seiner Burgen gezwungen, sich mit seinem Herrn zu versöhnen, und so begab er sich mit diesem nach Florenz, belagerte und brachte es zur Ergebung und setzte den ungerechter Weise vertriebenen
Bischof dieser Stadt wieder in sein Bisthum ein. Von hier kam er über Pistoria nach S. Genesius und unterwarf dessen wie auch der Burg Wicik aufständische Einwohner durch Eroberung und zerstörte den Thurm Capian, eine Behausung von Räubern, welche die Vorüberziehenden frevelhaft  ausplünderten. Von hier versuchte er auf einem felsigen und rauhen Wege unter vielen Verlusten und mit großer Beschwerde nach Lucca zu gelangen, welches er auch zu belagern beabsichtigte; aber durch Vermittelung einiger Bischöfe und des Abtes von Claravallis besänftigten sie den Herzog durch  Zahlung einer großen Geldsumme, indem sie dazu auch die Furcht vor ihren Gegnern den Pisanern antrieb, von denen sie gehört hatten, daß diese, um die jetzige Gelegenheit zu benutzen, den Herzog um Hülfe bäten zur Zerstörung ihrer Stadt und des Berges der heiligen Maria, auf welchem sie einen
Zufluchtsort zu haben hofften. Als dieses so beigelegt war, zog der Herzog nach Hunsiem, welches er eroberte, nachdem die ganze Umgegend verbrannt worden war. Auch zerstörte er eine andere diesem benachbarte Burg und so richtete er seinen Marsch auf die Stadt Grosset. Als er durch dorthin gesandte Boten dem Kaiser schuldigen Dienst forderte, drohte man  höhnisch, man werde Steine schicken und auf dem Felde ihn treffen. Deshalb umschloß und belagerte er die Stadt, wobei er auch
eine sehr feste und ihm lange widerstehende Burg endlich durch Kriegsmaschinen eroberte und einnahm, und deshalb in Furcht haben sich die Einwohner der vorerwähnten Stadt ergeben. In ihr aber fand der Herzog den Papst Innocentius vor, den er ehrenvoll aufnahm, und ihn gegen seine Gegner von Stadt zu Stadt mit Macht weiterführend, kam er nach Bitervia, dessen größerer Theil für Innocentius, dessen festerer aber für Petrus, den Sohn des Leo war. Diese hatten schon früher die in der Nähe liegende Stadt des heiligen Valentin und den Markt des Kaisers zerstört; endlich aber übergaben sie sich, getrieben von den Ermahnungen des Papstes und von der Furcht vor dem Herzoge, mit dreitausend Talenten. Hier entstand großer Streit zwischen dem Papste und dem Herzoge, da jener dieses Geld vom Eigenthume seiner Stadt für sich in Anspruch nahm, dieser es aber nach Kriegsrecht behielt. Als sie von hier nach Sutheren kamen, setzten sie den Bischof, einen Anhänger des Petrus Leonis ab und an seiner Stelle den Kapellan des Fuldaer Abtes, Johann, dort ein. So also durch Romanien nach Campanien gelangend, lagerte der Herzog am Zugange zu Monte Cassino und zwang es zur Uebergabe. Als er darauf bis Capua kam und über die Belagerung der Stadt verhandelte, gab der Fürst für die Unversehrtheit der Stadt viertausend Talente und zog mit ihm in den Krieg. Nun zogen sie umher, zerstörten Städte und Burgen, welche sich zu widersetzen gesucht hatten, und rückten endlich auf Benevent. Die Bürger desselben, welche mit Feindseligkeiten drohten, besiegte der Herzog und nachdem mehrere erschlagen und unzählige gefangen worden waren, setzte er dort den Papst in seinen Besitz wieder ein und steckte zwei Kardinäle, welche nach dem Urtheile desselben wegen des Schisma des Petrus Leonis abgesetzt worden waren, in ein Mönchskloster. Von hier ging er hinüber nach dem erwähnten Troja, plünderte es aus, nachdem einige gefangen worden, und suchte mit dem Papste den Kaiser auf, welcher zu dieser Zeit, d. h. vor dem Pfingstfeste, in Barum eingezogen war und sein Lager vor der sehr befestigten, der Stadt gegenüberliegenden Burg Rokkers aufgeschlagen hatte. Obwohl diese von großer Heeresmacht lange mit Kriegsmaschinen bestürmt wurde und auf beiden Seiten viele fielen, konnte sie doch nicht eingenommen werden.  Daselbst ist auch Graf Sigefrid von einem Pfeile getroffen umgekommen. Endlich haben die mit vielen Versuchen sich abmühenden Streiter des Kaisers und die Barenser durch Untergraben die Mauern der Thürme zum Einsturze gebracht und hineindringend alle umgebracht, mit Ausnahme weniger, welche sie gefangen fortführten.

Als in Barum der Papst am heiligen Pfingsttage in Gegenwart des Kaisers, der Bischöfe und der Fürsten die Feier der Messe abhielt, erschien über dem Münster des heiligen Nikolaus eine goldene vom Himmel herabkommende Krone und über dieser schwebte eine Taube, unter derselben aber ein  Gefäß mit brennendem Weihrauch und vor jener schienen zwei brennende Kerzen sich zu bewegen.  Dort wurde auch der Kölner Erzbischof Bruno ehrenvoll begraben und der für ihn eingesetzte Dekan derselben Kirche Hugo empfing hier vom Papste die Weihe zum Bischofe und das Pallium. Rozier bat durch ebenfalls dorthin geschickte Boten um die Gnade des Kaisers und versprach ihm unendlich viel Geld und seinen Sohn als Geisel, wenn er das Fürstenthum Apulien einem zweiten Sohne übergeben würde. Der Kaiser aber, welcher mehr für den Frieden der Kirche als für Geld sorgte, weigerte sich durchaus dem halbheidnischen Tyrannen das Land zu  übergeben. Nach vier in der genannten Stadt zugebrachten Wochen kehrte der Kaiser nach Trana zurück und zog von hier auf Melphia; daraus kamen vierzig bewaffnete Ritter auf einen Berg um zu spähen, sie wurden aber vom Heere umzingelt
und als einige von ihnen getödtet waren, sind die Uebrigen geflohen. Als dies die Städter sahen, kamen sie heraus, um den Ihrigen zu helfen; nachdem aber mehr als dreihundert erschlagen und andere gefangen worden, kehrten sie den Rücken, und als am andern Tage der Kaiser die Vorbereitung zur  Belagerung traf, übergaben sie die Stadt.

Zu dieser Zeit starb in Germanien der Erzbischof  Adelbert von Mainz und ein großer Theil dieser Stadt brannte ab; das Erzbisthum aber empfing Adelbert der Jüngere. In diesem Jahre wurden viele Orte vom Feuer verheert, nämlich die Münster von Mainz, Speier und Straßburg und ein großer Theil von Goslar. Der Mönch Rikbert vom Kloster  Wallesrod wird getödtet.

Kaiser Lothar feierte das Fest der Apostel in Melphia und als sich der Kölner Erzbischof Hugo hier zur Ader ließ, ist er am vierten Tage darauf, das heißt am 30. Juni gestorben und wurde in der Abtei begraben. Der Kaiser aber schlug sein Lager in den Bergen von Melphia auf, wo ein großer Streit auf Anstiften einiger Leute entstand, welche den Papst und die anderen Kardinäle und den Bischof von Trier ermorden wollten, weil sie ihnen es zuschrieben, daß nach ihrem Rathe der Aufenthalt an jedem einzelnen Orte ausgedehnt und deshalb die Rückkehr in die Heimat verzögert würde. Durch diesen Aufruhr herbeigerufen, kam der Kaiser zu Pferde dazwischen und strafte die Schuldigen streng. Von den Bergen aber herabsteigend, ging er zur königlichen Abtei Fulda und wurde ehrenvoll empfangen, und nachdem er hier seine Geschenke übergeben hatte, zog er nach Potentia, woselbst er an der Stelle des Kölner Erzbischofs den Regensburger Bischof zum Kanzler ernannte. Von hier sandte er auch den Herzog Heinrich und den Markgrafen Adalbert mit anderen tüchtigen Männern zur Belagerung von Salerna voraus. Als diese dorthin zogen, aber wegen der sie heftig angreifenden Bogenschützen den engen Zugang nicht zu gewinnen vermochten, schickten sie Boten zu den Pisanern und baten um Bogenschützen, mit denen sie jene von dem Zugange vertreiben könnten. In dieser Zeit hatten die Pisaner die sehr große und mächtige Stadt Amalphia um des Kaisers willen erobert und dem Reiche unterworfen, und waren nach Neapel gegangen, um es von Rozier zu befreien, der die schon lange Zeit belagerte Stadt in große Hungersnoth und Unglück gebracht hatte. Als er aber von ihrer Ankunft und der Belagerung seiner Stadt hörte, eilte er zur Unterstützung derselben und gab das genannte Neapel auf. Also übernahmen die Pisaner es und schickten dem Herzoge fünfhundert Bogenschützen. Sie selbst aber mit ihren Schiffen und achtzig der Genuesen und dreihundert der Amalphitaner schlossen mit einer zahllosen Menge Salerna von der Seeseite ein; der Herzog aber schlug mit den Seinigen ein Lager auf dem Felde der Stadt gegenüber auf. Deshalb war die Menge der Feinde bestrebt, ihn bei einem Ausfalle durch häufige Angriffe zu verdrängen. Gegen diese machte er einen Angriff und nöthigte sie in die Stadt zu flüchten, nachdem mehrere erschlagen und nicht wenigere gefangen waren. Die Stadt selbst schloß man vereint mit den Pisanern ein durch tapferen Kampf hier zu Lande und dort zur See, bis bei der Ankunft des Kaisers vor Salerna, welcher von Potentia über Avellan gegangen war und die Burg S. Severin erobert hatte, die Pisaner mit großen Kosten und wunderbarer Kunst eine Maschine verfertigten, welche sie auf abschüssiger Bahn vorwärts bewegten und mit der sie die Stadtmauern sammt den Thürmen niederrissen und umstürzten und so die Stadt  einnahmen.

Nachdem hier die Himmelfahrt der heiligen Maria gefeiert worden war und der Kaiser nach Sanct Severin zurückkehrte, entstand eine Zeit lang mit dem Papste eine Entzweiung darüber, wem von ihnen die Herrschaft über das erworbene Apulien zufallen sollte; zuletzt aber haben sie, nachdem darüber berathen war, sie gemeinsam dem Herzoge Reinhald übertragen. Von hier nach Benevent ziehend und daselbst mit dem Herzoge über verschiedene Verhältnisse in Apulien, welche geordnet werden mußten, verhandelnd, ermahnen sie ihn, von den deutschen Rittern, da diese in Gesinnungstüchtigkeit und Ritterlichkeit, in Tapferkeit und Klugheit die lateinischen überträfen, so viele als möglich für sich gegen Rozier zu gewinnen. Bald waren von diesen achthundert um ihn versammelt und kehrten, angeführt von Richard, dem Sohne dieses Reinhald, und von Alexander, nach Melphia zurück. Von hier kamen sie nach Gerentia, welches Alexander durch List, indem er nämlich die Ankunft des Kaisers erdichtete, von Willehelm bekam. Dieser zog aus Furcht ab, worauf die Ritter die Burg einnahmen, und den fliehenden Willehelm verfolgend, fingen sie ihn und hingen ihn auf mit seiner Gemahlin und dreihundert anderen Rittern Roziers und noch zweihundert, welche sie in der Stadt gefangen genommen. Nachdem dies vollbracht war, befreiten sie mit Hülfe der Einwohner von Barum und den benachbarten Städten das von Rozier belagerte Manopolis, und mit demselben Heere Brundisium belagernd nahmen sie nach Uebergabe der Stadt ebenfalls auch die Burg mit Sturm ein, wobei deren Insassen ertränkt und fünfundzwanzig Schiffe erobert wurden. Der Kaiser aber kam von Benevent nach Capua, und Campanien durchziehend nach Monte Cassino; nachdem er hier dessen tadelswürdigen Abt abgesetzt und einen anderen an seiner Statt ernannt hatte, gab er der Kirche sehr viele verlorene Güter und Burgen wieder, die er theils mit Gewalt, theils nach Urtheil zurückforderte. Daselbst ist auch der Bischof von Concordia gestorben und begraben worden. Von hier kam der Kaiser nach Präneste, wo seine Ritter einen unterhalb desselben gelegenen Ort, der ein Aufenthalt von Räubern war, welche die zu den Gräbern der Apostel ziehenden Pilger plünderten, sammt der Burg durch die große Menge der Bogenschützen eroberten, und wer da kam, trug nach Austreibung der Bürger die von den Räubern zusammengeschleppte große Beute fort. In Präneste starb auch und wurde begraben Graf Giso von Hessen. Von hier kam man über Tiburtina nach Farva, dessen Abte
der Kaiser viele von Petrus Leonis und Anderen mit Gewalt entrissene Burgen und Güter wiedergab; aber eine große und reiche Stadt, deren Einwohner mit Schimpfen die Unterwerfung verweigerten, überlieferte das Heer nach der Einnahme sammt der Burg den Flammen, wobei eine nicht geringe Menge Menschen durch Herabstürzen oder anderes Unglück umkam.

Nachdem sich hierauf der Papst bei dem Kaiser und den Fürsten ehrenvoll verabschiedet hatte, ging er heim in sein Land. Der Kaiser aber kam über Narni und unterwarf es und gelangte so zu einer großen Stadt, Emilium, und indem er die Bürger, welche mit Schelten und Hohn ihm den Gehorsam verweigerten, endlich besiegte und dadurch demüthigte, daß er mehrere fing und anderen manches Leid anthat, ging er dort über den Tiber und kam, Orvet, das ist urbs vetus, durcheilend, nach Aricia. Daselbst starb Bischof Adalbert von Basel. Als der Kaiser darauf durch die Ebene von Mosella zog, begleitete ihn ein elender zusammengelaufener Haufe, der mit Steinen, Schimpfen und Raubanfällen die letzten im Heere angriff; wer von diesem gefangen und vor den Kaiser gebracht wurde, kam unrühmlich mit verstümmelter Nase und durch Strafe gepeinigt zurück. Als man so nach Bolonia gelangt war, erhielt das Heer Urlaub vom Kaiser und ging allmählich auseinander, und ein Jeglicher kehrte in seine Heimat zurück.

Endlich als der Kaiser nach Trigentina kam und daselbst das Fest des heiligen Martin in Freuden feierte, begann er zu kränkeln. Obwohl aber von Tag zu Tag die Krankheit zunahm, ließ er doch aus großer Sehnsucht die Heimat  wiederzusehen, deshalb seine Reise nicht verzögern. Da aber die tödliche Krankheit überhand nahm, wurde er aufgegeben, und nachdem die anwesenden Bischöfe sein Hinscheiden durch die Salbung mit dem heiligen Oele und durch die lebenspendenden   Sakramente gesichert hatten, ist er endlich in Breduvan, einem in den Pässen der Alpen gelegenen Dorfe, am 3. Dezember aus der Welt heimgegangen, ach! er der von vielen als Frieden der Kirche und Freund des Glaubens und der  Gerechtigkeit beklagt werden muß. Seine Zeiten sind lieblich  gewesen. Denn durch gute Witterung und mannichfaltige Fruchtbarkeit des Landes war Fülle an allen Dingen, nicht allein im Reiche, sondern in der ganzen Welt. Mit Recht wird er von uns und unsern Nachkommen Vater des Vaterlandes genannt, weil er ein trefflicher Vertheidiger und der tapferste Vorkämpfer war, der es für nichts achtete, um der Gerechtigkeit willen sein Leben gegen alles Unheil einzusetzen. Herrlicheres noch mögen wir von ihm erzählen: in seinen Tagen war das Volk des Landes ohne Furcht. Denn ein Jeglicher besaß frei und  friedlich das Seinige. [Seine ins Vaterland zurückgebrachte Leiche wurde nach königlicher Weise im väterlichen Erbgute an dem Orte Lutheron begraben. - Markgraf Adalbert, welcher eine starke Mannschaft versammelt hatte, durchzieht in der Winterszeit plündernd das Land der Slaven]. Meingot, der Merseburger Bischof, welcher von der Heerfahrt krank bis nach Schwaben gebracht worden war, starb und ihm folgte Ekkilesus. Die Quidelingeburger Aebtissin Gerburg starb.