Thietmar von Merseburg: Seite 94,96
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"Chronik"
 

Kapitel 7

 
Graf Gero [33 979. Graf im Nordthüring- und Möckerngau. - Necrol. Mers. - Erzbischof Adalbert von Magdeburg, Markgraf Dietrich von der sächsischen Noredmark.], von Waldo beim Kaiser verklagt, ward an einem Orte Namens Sumeringe [34 Wüstung bei Glindenberg östlich Wolmirstedt.] auf Anhalten des Erzbischofs Aethelbert [von Magadaburg] und des Markgrafen Thiedrich verhaftet und meinem Vater und Oheim [35 Graf Siegfried von Walbeck (+ 991) und Liuthar (985-1003 Markgraf der sächsischen Nordmark).] zur Bewachung übergeben. Darauf wurden sämmtliche Fürsten des Reichs nach Magadaburg berufen, und jene beiden trafen vor denselben auf einer Insel zum Gottesgerichte im Zweikampfe zusammen. In demselben wurde Waldo zweimal im Nacken verwundet; er drang indeß nur um so heftiger auf seinen Feind ein und streckte ihn, indem er ihm mit einem gewaltigen Streiche das Haupt traf, zu Boden. Darauf war Gero auf die Frage, die er an ihn richtete, ob er weiter kämpfen könne, genöthigt zu bekennen, daß ihm die Kräfte fehlten. Nun verließ Waldo die Schranken, aber kaum hatte er die Waffen abgelegt und sich mit Wasser erfrischt, so stürzte er rücklings todt nieder. Darauf ward Gero nach dem Spruche der Richter und auf Befehl des Kaisers von Henkershand enthauptet, am 11. August. Dieser Zweikampf gefiel niemandem, als nur dem Erzbischof Aethelbert und dem Markgrafen Thiedrich, und Otto, Herzog von Baiern, Liudulfs Sohn, der an demselben Tage ankam, sowie Graf Bertold machten dem Kaiser bittre Vorwürfe, daß ein solcher Mann, wie Gero, um eines so unbedeutenden Grundes willen verurtheilt worden sei. Hier darf ich die Verdienste des Abtes Liudulf von Corvei nicht unerwähnt lassen, der ob seiner häufigen Uebung im Wachen und Fasten von Gott mancher Offenbarung gewürdigt wurde. Als dieser am Tage
des Kampfes in der Abenddämmerung demüthig und andächtig, wie gewöhnlich, Messe las, sah er über dem Altare das Haupt des Grafen Gero, und sang nach Beendigung dieser Messe sogleich eine zweite, eine Todtenmesse. Darauf legte er sein Priestergewand ab und verließ schweigend die Kirche, versammelte aber dann die Brüder, und zeigte ihnen Gero's Tod an, indem er sie inständig bat, mit ihm zusammen für die Seele des Verstorbenen zu beten. Die Enthauptung Gero's aber fand gerade um Sonnenuntergang statt.
Zu seinem Gedächtniß erbauten seine Schwester Tetta und seine Gemahlin Aethela ein Kloster an einem Orte, genannt Elslevo [Alsleben] [38 an der Saale. Das Kloster ist jedoch laut D. O.II. Nr. 190 vom 20.5.979 und Urkunde Benedikts VII. vom 23.5.979 noch von Gero errichtet.], wo er selbst ruht, und brachten Gott und dem heiligen Vorgänger Christi den zehnten Theil ihres Erbgutes dar, indem sie für dasselbe vom Kaiser die Bestätigung und das Vorrecht in der Weise erwirkten, daß eine daselbst gestiftete reichsfreie Abtei nur unter des Kaisers und seiner Nachfolger Hoheit und Schutz stehen sollte. Uebrigens ward des Grafen Körper noch nach drei Jahren, als der seiner Gemahlin hinzu gelegt ward, sowie die Kleidung vollständig erhalten vorgefunden.

Im  6ten Regierungsjahre Otto's II. kam König Luthar nebst seinem Sohne mit prächtigen Geschenken zu ihm, leistete Abbitte und erwarb nun des Kaisers dauernde Freundschaft.

In diesem Jahre ging der Kaiser nach Italien und sah leider unsere Gegenden niemals wieder.