Calmette, Joseph: Seite 327-330
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"Die großen Herzöge von Burgund."
Zuerst einmal mußten die Schweizer erledigt werden.
Der erste Feldzug gegen sie beginnt im Januar 1476. Der Herzog rückt
mit etwa 15.000 Mann vor. Er macht sich an die befestigte Stadt Gransdson.
Seine Geschütze richten schlimme Verheerungen an. Die Stadt kapituliert.
Karl
zeigt
sich sofort von seiner grausamen und unerbittlichen Seite. Das beste Mittel
ist, diese Schurken durch Terror niederzuwerfen. Von drei Henkern läßt
er 400 Verteidiger aufknüpfen, weitere Opfer kommen durch Ertränken
im See um. Durch diese Heldentaten angefeuert, fällt es dem Herzog
ein, in Richtung Neuchatel zu marschieren und den Schweizern das Val de
Travers, das heißt den Weg in die Freigrafschaft abzuschneiden. Um
dieses Ziel zu erreichen, hat er das halbverfallenen Schloß Vaumarcus
besetzen lassen. Empört über die Greueltaten in Grandson, beschließen
die Eidgenossen, sich am 1. März nach Vaumarcus in Bewegung zu setzen.
Ihr Plan ist, den Feind in diese Richtung zu locken, um ihn dann von einem
eigens abkommandierenden Detachement im Rücken anzugreifen.
Das solchermaßen vorbereitete Manöver entging
vollkommen dem Scharfblick des Herzogs. Er tappte in die Falle, die man
ihm gestellt hatte. Bei seinem Vormarsch auf Neuchatel beging er die Unvorsichtigkeit,
seine Vorhut am Morgen des 2. März durch einen Engpaß am Abhang
des Mont-Aubert marschieren zu lassen. Dort wurde sie von den Schweizern
gestellt und in wirrem Durcheinander zurückgeworfen. In diesem Augenblick
hob sich der Nebel. Um seiner Vorhut die Zeit zu lassen, sich wieder zu
formieren, stellte der Herzog seiner Artillerie auf der rechten Seite auf,
am Abhang des Plateaus von Corcelles, so daß sie den Ausgang des
Hohlwegs unter Feuer nehmen konnte. Das Fußvolk wurde hinter den
Geschützen postiert. Die von Louis de Chalon, Seigneur de Chateauguyon,
befehligte Reiterei kletterte an den Hängen des Mont-Aubert empor
mit dem Ziel, sich auf die rechte Flanke des Feindes zu stürzen. Es
kam jedoch so, daß die Artillerie, die nicht die richtigen Feuerbefehle
erhielt, überhaupt keine Wirkung hatte. Karl
schickte
seine Fußsoldaten zu früh zum Sturm auf die feindlichen Gevierthaufen,
die Louis de Chalon nicht ins Wanken bringen konnte. Unterdessen erklimmen
die nach Vaumarcus dirigierten Schweizer auf die Nachricht, daß die
Schlacht begonnen habe, eine Schlucht und eilen herbei. Überrascht
von ihrer unvorhergesehenen und lärmenden Ankunft, die mit großem
Getöse die Alphörner von Uri und Unterwalden verkünden,
deren Schall von den Bergen zurückgeworfen wird, gibt der Herzog allzu
bestürzt Befehl zum Rückzug. Er hatte die Absicht, freies Gelände
zu gewinnen und hinter dem Flüßchen Arnon, das sein Feldlager
schützte, Deckung zu suchen. Dieser Befehl wurde falsch verstanden
und führte vollends zu einer Panik. Ein unwiderstehlicher Ansturm
der Schweizer warf darauf die Burgunder teils auf den Arnon, teils in das
nahe gelegene Sumpfgebiet zurück.
Es scheint, daß die italienischen Söldner
zuerst die Flucht ergriffen. Der Herzog brüllte sie an und sparte
nicht mit Flüchen, ja er schlug sogar mit dem blanken Schwert auf
sie ein. Aber es half nichts, es gelang ihm nicht, das Desaster aufzuhalten.
Beinahe allein auf dem Kampfplatz geblieben, völlig erschöpft
von Schmerz und Zorn, wandte er sich schließich selber zur Flucht,
begleitet nur von fünfen seiner Diener, und erreichte in einem pausenlosen
Ritt das sechs Meilen entfernte Jougne im Jura.
Die Panik war dadurch entstanden, daß die Burgunder
in einer Schlucht angegriffen worden waren und sich deshalb nicht entfalten
konnten. Schlimmer noch als die Flucht war, daß sie ihren Feinden,
die über einen so vollständigen Sieg selber verwundert waren,
eine unermeßliche Beute überlassen mußten. Zwar wurden
die Kronjuwelen gerettet, aber 500 Geschütze, 400 Zelte, 600 Fahnen,
400 Pfund an Silber, Teppiche und Stickereien (die sich heute zum Teil
im Berner Museum befinden), der "Sancy", der Diamant des Herzogs, sein
Hut und sein Schwert, das Petschaft mit seinem Geheimsiegel (heute im Kantonsarchiv
von Luzern) und viele andere Trophäene waren verloren.
Kendall Paul Murray: Ludwig XI. König von
Frankreich 1423-1483 Verlag Callway München 1979 Seite 365-370
Schlacht von Grandson 2. März 1476
Calmette, Joseph: Seite 327-330
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"Die großen Herzöge von Burgund."
Zuerst einmal mußten die Schweizer erledigt werden.
Der erste Feldzug gegen sie beginnt im Januar 1476. Der Herzog rückt
mit etwa 15.000 Mann vor. Er macht sich an die befestigte Stadt Gransdson.
Seine Geschütze richten schlimme Verheerungen an. Die Stadt kapituliert.
Karl
zeigt
sich sofort von seiner grausamen und unerbittlichen Seite. Das beste Mittel
ist, diese Schurken durch Terror niederzuwerfen. Von drei Henkern läßt
er 400 Verteidiger aufknüpfen, weitere Opfer kommen durch Ertränken
im See um. Durch diese Heldentaten angefeuert, fällt es dem Herzog
ein, in Richtung Neuchatel zu marschieren und den Schweizern das Val de
Travers, das heißt den Weg in die Freigrafschaft abzuschneiden. Um
dieses Ziel zu erreichen, hat er das halbverfallenen Schloß Vaumarcus
besetzen lassen. Empört über die Greueltaten in Grandson, beschließen
die Eidgenossen, sich am 1. März nach Vaumarcus in Bewegung zu setzen.
Ihr Plan ist, den Feind in diese Richtung zu locken, um ihn dann von einem
eigens abkommandierenden Detachement im Rücken anzugreifen.
Das solchermaßen vorbereitete Manöver entging
vollkommen dem Scharfblick des Herzogs. Er tappte in die Falle, die man
ihm gestellt hatte. Bei seinem Vormarsch auf Neuchatel beging er die Unvorsichtigkeit,
seine Vorhut am Morgen des 2. März durch einen Engpaß am Abhang
des Mont-Aubert marschieren zu lassen. Dort wurde sie von den Schweizern
gestellt und in wirrem Durcheinander zurückgeworfen. In diesem Augenblick
hob sich der Nebel. Um seiner Vorhut die Zeit zu lassen, sich wieder zu
formieren, stellte der Herzog seiner Artillerie auf der rechten Seite auf,
am Abhang des Plateaus von Corcelles, so daß sie den Ausgang des
Hohlwegs unter Feuer nehmen konnte. Das Fußvolk wurde hinter den
Geschützen postiert. Die von Louis de Chalon, Seigneur de Chateauguyon,
befehligte Reiterei kletterte an den Hängen des Mont-Aubert empor
mit dem Ziel, sich auf die rechte Flanke des Feindes zu stürzen. Es
kam jedoch so, daß die Artillerie, die nicht die richtigen Feuerbefehle
erhielt, überhaupt keine Wirkung hatte. Karl
schickte
seine Fußsoldaten zu früh zum Sturm auf die feindlichen Gevierthaufen,
die Louis de Chalon nicht ins Wanken bringen konnte. Unterdessen erklimmen
die nach Vaumarcus dirigierten Schweizer auf die Nachricht, daß die
Schlacht begonnen habe, eine Schlucht und eilen herbei. Überrascht
von ihrer unvorhergesehenen und lärmenden Ankunft, die mit großem
Getöse die Alphörner von Uri und Unterwalden verkünden,
deren Schall von den Bergen zurückgeworfen wird, gibt der Herzog allzu
bestürzt Befehl zum Rückzug. Er hatte die Absicht, freies Gelände
zu gewinnen und hinter dem Flüßchen Arnon, das sein Feldlager
schützte, Deckung zu suchen. Dieser Befehl wurde falsch verstanden
und führte vollends zu einer Panik. Ein unwiderstehlicher Ansturm
der Schweizer warf darauf die Burgunder teils auf den Arnon, teils in das
nahe gelegene Sumpfgebiet zurück.
Es scheint, daß die italienischen Söldner
zuerst die Flucht ergriffen. Der Herzog brüllte sie an und sparte
nicht mit Flüchen, ja er schlug sogar mit dem blanken Schwert auf
sie ein. Aber es half nichts, es gelang ihm nicht, das Desaster aufzuhalten.
Beinahe allein auf dem Kampfplatz geblieben, völlig erschöpft
von Schmerz und Zorn, wandte er sich schließich selber zur Flucht,
begleitet nur von fünfen seiner Diener, und erreichte in einem pausenlosen
Ritt das sechs Meilen entfernte Jougne im Jura.
Die Panik war dadurch entstanden, daß die Burgunder
in einer Schlucht angegriffen worden waren und sich deshalb nicht entfalten
konnten. Schlimmer noch als die Flucht war, daß sie ihren Feinden,
die über einen so vollständigen Sieg selber verwundert waren,
eine unermeßliche Beute überlassen mußten. Zwar wurden
die Kronjuwelen gerettet, aber 500 Geschütze, 400 Zelte, 600 Fahnen,
400 Pfund an Silber, Teppiche und Stickereien (die sich heute zum Teil
im Berner Museum befinden), der "Sancy", der Diamant des Herzogs, sein
Hut und sein Schwert, das Petschaft mit seinem Geheimsiegel (heute im Kantonsarchiv
von Luzern) und viele andere Trophäene waren verloren.
Kendall Paul Murray: Ludwig XI. König von
Frankreich 1423-1483 Verlag Callway München 1979 Seite 365-370