Lexikon des Mittelalters: Band VI Seite 1556
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Otbertiner (Obertenghi)
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Nach langobardischem Recht lebende Hochadelsfamilie, die
seit 945 Grafschaftsrechte in den Gebieten um Luni, Genua, Tortona wahrnahm,
zeitweise die Grafschaft Mailand verwaltete und zudem im 11. Jh. die Grafschaften
Gavello/Rovigo und Monselice zurückgewinnen konnte. Ihr Güterbesitz,
vielfach aus Kirchenlehen bestehend, erstreckte sich bald über fast
ganz Oberitalien und bis in die Toskana hinein, in der die 1072 erstmals
erwähnte terra Otbertenga lag. Otbertinische
Güter gab es am Ende des 12. Jh. in 28 Großbezirken Italiens
(Bresslau 430). - Den Aufstieg der Familie leitete Otbert I. (+
vor 975) ein, der zu den Unterstützern des seit 945 sein Königtum
vorbereitenden Berengar II.
gehörte
und Graf wurde, seit 951 auch den Markgrafentitel führte und ab 953
als Pfalzgraf auftrat, jedoch 960 zu den Befürwortern der Interventiuon
OTTOS
I. in Italien zählte und so seine Stellung sicherte. Seine
Söhne Adalbert (+ vor 1002) und Otbert II. (+ nach 1014)
führten offenbar den väterlichen Herrschaftskomplex in O-Ligurien
gemeinsam weiter. Nach OTTOS III. Tod
erscheinen die OTBERTINER den sogleich
zum König erhobenen Arduin von Ivrea,
ihren Verwandten (?), unterstützt zu haben; für eine Arduin
fördernde Rebellion 1014 wurden sie von HEINRICH
II. mit Exilierung und Gütereinzug gestraft, doch schon
vier Jahre später begnadigt. Die OTBERTINER
sicherten ihre Stellung unter anderem über vorteilhafte Eheverbindungen,
zum Beispiel mit dem Markgrafenhaus TURIN (Adelheid von Turin) und
den süddeutschen WELFEN (Albert
Azzo). 1124 existierten vier Hauptlinien des Geschlechts aus denen
unter anderem das Haus ESTE, die Marchesi
Malaspina, Greco, Pallavicino, Gavi, Parodi, Massa-Corsica, Massa-Cagliari,
Cavalcabo hervorgingen.