STAMMTAFEL im Anhang Band IX des Lexikons des Mittelalters
STAMMTAFELN ZUR GESCHICHTE DER EUROPÄISCHEN STAATEN
BAND II Tafel 122-125
Lexikon des Mittelalters: Band IV Seite 27
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Este (d')
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Oberitalienische Familie
Spitzenahn der Familie war Albert Azzo II. (+
1097), der die Burg von Este im Zentrum seiner Besitzungen im
südlichen Venetien (Cerro, Calaone, Montagnana, Monselice, Polesine
di Rovigo) zu seiner Residenz erwählte. Von seinem Sohn Welf
(Guelfo) IV. stammte die Jüngere WELFEN-Linie
ab, von seinem Sohn
Fulco I. (Folco)
ging die Linie
aus, die sich nach der Stammburg Este nannte.
Albert Azzo
stammte aus dem Geschlecht der OTBERTINER, einer fränkischen
Adelsfamilie, die zur Zeit KARLS DES GROSSEN nach
Italien gekommen war und deren Nachkommen langobardisches Recht unterstanden.
Nach ihrem bedeutendsten Vertreter, Otbert (Markgraf im östlichen
Ligurien, Graf von Luni, Pfalzgraf [972]) führte der Zweig
der Familie, die sich im 11. Jh. in Este niederließ, den Markgrafentitel
(der seit 1171 belegt ist), ohne mit einer Mark Este investiert zu sein,
deren Existenz im übrigen nicht bezeugt ist.
1154 schlossen die Söhne Fulcos I. mit Heinrich
dem Löwen, dem Nachkommen Welfs IV., ein Übereinkommen
hinsichtlich der Aufteilung des Erbes ihres Großvaters Albert
Azzo II. Die Herzöge von Sachsen verzichteten auf ihre Rechte
auf die italienischen Besitzungen zugunsten der Söhne Fulcos
gegen
eine Zahlung von 4.000 Mark Silber und die Anerkennung ihrer Lehenshoheit.
In der 2. Hälfte des 12. Jh. wählte Obizzo I. (um 1110-1193)
Ferrara zu seiner Residenz, das zum Mittelpunkt seiner politischen Interessen
wurde, behielt jedoch die Besitzungen im südlichen Venetien. Er war
beim Frieden von Venedig 1177 anwesend und wurde im gleichen und darauf
folgendem Jahr Podesta von Padua. Nach dem Frieden von Konstanz
(1183) wurde er von Kaiser FRIEDRICH I.
mit den Marken Genua und Mailand und den ehemaligen Territorien
Heinrichs des Löwen belehnt. Dies waren eher Ehrentitel als Investituren
mit politischen Konsequenzen, da Genua und Mailand in jener Zeit autonome
Kommunen waren; sie zeigen jedoch das Ansehen, das er bei dem Kaiser zur
Zeit der großen Auseinandersetzung mit den italienischen Städten
genoß. In Ferrara nahm die Familie zur Zeit der Kommune aktiv Anteil
an den Kämpfen zwischen den Familien ADELARDI und SALINGUERRA.
Azzo VI. vermochte sich mittels seines Enkels Obizzo, der mit
der Erbtochter der ADELARDI, Marchesella, verlobt war, des Besitzes
der ADELARDI zu bemächtigen und ihre Stelle in den politischen Machtkämpfen
der Stadt einzunehmen. zwischen 1186 und 1240 hatten die ESTE,
abwechselnd mit den SALINGUERRA, die Macht in der Kommune inne und übten
das Podestariat in Padua, Mantua und Verona aus. Der Machtkampf in Ferrara
blieb nicht unbeeinflußt von den politischen Ereignissen im Reich.
Nach dem Tod HEINRICHS VI. (1196) erklärten
sich die ESTE als Guelfen, die SALINGUERRA
als Ghibellinen. In Wahrheit hatten derartige Erklärungen keine reale
soziale oder politische Basis: beide Familien suchten nur Unterstützung
bei ihrem Bestreben, die Macht in Ferrara an sich zu reißen. Sie
unterschieden sich jedoch insofern darin, dass die SALINGUERRA sich auf
die lokale Bevölkerung stützten und versuchten, Venedig von den
wirtschaftlichen Interessen Ferraras fernzuhalten, während Azzo
VII. Militärhilfe Venedigs in Anspruch nahm, um seinen Rivalen
zu schlagen (1240). Venedig ließ sich sein entscheidendes Eingreifen
in diesen Kampf durch enorme wirtschaftliche Privilegien vergelten, so
dass die ferraresischen Handwerker und Kaufleute die Möglichkeit verloren,
sich die wichtigen Märkte zu erschließen, die von jener Zeit
an endgültig von Venedig beherrscht wurden, Außerdem verlagerte
sich der Schwerpunkt der ferraresischen Wirtschaft vollständig auf
die Landwirtschaft. Nach dem Tod Azzos VII. (1264) wurde sein Enkel
Obizzo II., mit Unterstützung der wichtigsten ferraresischen
Familien, zum Signoren von Ferrara akklimiert - ein völliges Novum
in der Geschichte der nord- und mittelitalienischen Kommunen. Von dieser
Zeit an sanken die kommunalen Institutionen Ferraras zu bloßen Ausführungsorganen
der Signoren herab.
Die Signorie der ESTE
verlief nicht immer ruhig und von allen Untertanen gern gesehen.
Im Laufe des 14. Jh. erhob sich das Volk mehrmals gegen den Steuerdruck,
den die ESTE auf die ärmeren Schichten
ausübten (1385 wurde nach einer derartigen Revolte das Kastell inmitten
der Stadt errichtet). Nach dem Tod eines jeden Signore kam es unter den
legitimen und natürlichen Söhnen, den Vettern und sonstigen Blutsverwandten
stets zu blutigen Nachfolgekämpfen, die aus der langobardischen Rechtstradition
der Erbteilung unter Brüdern herrührten. Die herausragendste
Persönlichkeit der Familie im 14. Jh. war Alberto V. (Regierungszeit
1383-1393), der einzige Markgraf d'Este, der eine Politik verfolgte,
die nicht nur persönlichem Machtstreben diente. Er war bemüht,
das Staatswesen durch das Herstellen guter Beziehungen zum Papst zu konsolidieren,
die es ihm ermöglichten, in Ferrara eine Universität zu gründen
(1392) und die Rechtsstellung der an kirchlichen Einrichtungen gebundenen
Besitzungen zu reformieren und sie auf den freien Markt zu bringen.
Im 15. und 16. Jh. führten die großen Markgrafen
Niccolo III. und Leonello und die Herzöge Borso, Ercole
I., Alfonso, die Ferrara zu einem der Zentren der humanistischen Kultur
und der Kunst gemacht hatten, zumeist eine Politik der Ausbeutung der wirtschaftlichen
Ressourcen des Staates, indem sie die öffentlichen Einnahmen für
Militärausgaben und zum Teil auch für Kunstwerke verwendeten.
Die ESTE herrschten
bis 1598 über Ferrara, Modena und Reggio, als nach dem erbenlosen
Tod Alfonsos II. der Papst sie zwang, Ferrara zu verlassen, das
an den Heiligen Stuhl fiel. Sie verlegten den Sitz nach Modena, wo sie
bis 1796 herrschten.
Die Familie erlosch Anfang des 19. Jh. im Mannesstamm.
Trillmich Werner: Seite 351
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"
Die OTBERTINER [Stammtafel 54] hielten sich an
langobardisches Recht. Wahrscheinlich stammen sie aus der Toskana, wo ihnen
in den Grafschaften Arezzo, Pisa, Lucca und Luni allodiale Grundherrschaften
gehörten. Zu politischer Bedeutung gelangten sie in der 2. Hälfte
des 10. Jahrhunderts mit Hilfe der OTTONEN,
die Otbert (+ vor 975) und seinen Sohn Adalbert (+
vor 1000) zu Pfalzgrafen ernannten. Grafenrechte erwarb die
Familie in Mailand, Genua, Tortona, Luni, Bobbio, Rovigo und Monselice.
Ihr Eigengut in Oberitalien - geschlossene Ländereien und ausgedehnter
Streubesitz - erstreckte sich nachweislich über mindestens 28 Komitate
hinweg bis ins Mündungsgebiet des Po. Es dürfte zumindest
dem der Turiner gleichgekommen sein. Zusätzlich verfügten sie
über zahlreiche Kirchenlehen. Verschwägerungen sorgten für
gutes Einvernehmen mit ebenbürtigen Standesgenossen. Die Parteinahme
der OTBERTINER für Arduin von Ivrea
seit 1002 hatte zwar zur Folge, dass HEINRICH
II. 1014 die drei geächteten Brüder Azzo, Hugo und
Adalbert zur Verbannung nach Deutschland verurteilte, doch kam es spätestens
1018 zur Aussöhnung. Auch KONRAD II.
zählte das mächtige Geschlecht während der ersten Regierungsjahre
zu seinen entschiedensten Gegnern. Hugo, der in Mailand Grafschaftsrechte
ausübte, blieb zeitlebens ein hartnäckiger Widersacher Erzbischof
Ariberts. In der nächsten Generation teilten sich vier Linien in das
gewaltige Vermögen des Hauses. Politisch traten am stärksten
die Nachfahren von Markgraf Adalbert Azzo (+ um 1014) hervor.
Sie benannten sich nach der mächtigen Burg Este am Hange der
Euganeischen Berge, zu der Grundherrschaften innerhalb der Mark Verona
gehörten.