EUROPÄISCHE STAMMTAFELN NEUE FOLGE BAND III TEILBAND
1 Tafel 24
Lexikon des Mittelalters: Band III Seite 2091
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EPPENSTEINER
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Adelsfamilie mit Doppelstellung in Bayern (Grafen an Isar und Vils) und Kärnten (bis 1122 Herzöge), Leitname: Markwart.
Seit 970 war Markwart III. Markgraf der Karantanischen Mark an der Mur, sein Sohn Adalbero avancierte als Parteigänger Kaiser HEINRICHS II. 1012 zum Herzog von Kärnten. Wegen seiner eigenmächtigen Politik (Verträge mit Ungarn, Münzprägung etc.) wurde Adalbero 1035 von seinem Schwager, Kaiser KONRAD II., abgesetzt und verlor auch die Karantanische Mark. Erst sein Enkel Liutolt wurde als enger Vertrauter König HEINRICHS IV. 1077 erneut mit dem - um Karantanische Mark, Friaul, Krain und Istrien verkleinerten - Herzogtum Kärnten belehnt. Die EPPENSTEINER erlangten im Südosten des Reiches erneut eine dominierende Stellung (Liutolt zugleich Vogt von Aquileia, Brüder: Ulrich, 1085 ebenda Patriarch; Hermann [Gegen-]Bischof von Passau; Heinrich, Verwalter der Marken Krain und Istrien). Nach dem Tode Liutolts (1090), der eigene Ziele verfolgte und sogar das Königtum angestrebt haben soll, verlieh HEINRICH IV. Kärnten erst 1093 an den EPPENSTEINER Heinrich, mit dem das Geschlecht 1122 erlosch. Die - erst postum namengebende - Burg Eppenstein bei Judenburg (Steiermark) hat wahrscheinlich Herzog Liutolt errichtet. Das abgeschiedene Kloster St. Lambrecht (Steiermark), mit dessen Bau Graf Markwart IV. um 1070 begonnen hatte, erhielt erst 1103, als das Ende des Geschlechts feststand, von Herzog Heinrich eine reiche Ausstattung. Die riesigen Güter und zahlreichen Eigenkirchen der EPPENSTEINER in der Karantainschen Mark fielen 1122 an die verwandten OTAKARE von Steyr und trugen entscheidend zur Landwerdung der Steiermark bei, während Heinrich von Spanheim, das Patenkind des letzten EPPENSTEINERS, das Herzogtum Kärnten ohne reale Machtbasis übernahm.
Literatur:
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F. Tyroller, Genealogie des altbayr. Adels, 1964, Tafel
VI - K.E. Klaar, Die Herrschaft der E. in Kärnten, Archiv für
vaterländ. Gesch. und Topographie 61, 1966 - H. Dopsch, Hzg. Heinrich
"v. Eppenstein" und die Bestiftung von St. Lambrecht, Bll. für Heimatkunde
der Steiermark 46/4, 1972, 122-131.
Prinz Friedrich:
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"Bayerns Adel im Hochmittelalter"
In Kärnten wird 970 Markward III. aus dem Haus des Grafen von Eppenstein erstmals genannt, dem die späteren Herzöge des Landes entstammten. Von Kärnten aus, das 976 von Bayern als selbständiges Herzogtum abgetrennt wurde, entstanden Marken in Krain (937), in der späteren Steiermark, ferner die Karantanische Mark an der Mur (970), die Marken an der Sann (mit Cilli) und in Pettau (980). Im 11. Jahrhundert waren auch die Marken Friaul, Istrien und Verona Kärnten unterstellt, womit der bayerische Einfluss im Südosten eine gewaltige räumliche Ausdehnung erhielt, gleichzeitig jedoch die herrschaftliche Kontinuität zum alten bayerischen Kernland mehrfach und unwiderruflich zerschnitten wurde.
Trillmich Werner: Seite 95,105
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"
Magyarischen Angreifern verwehrten seit etwa 970 die EPPENSTEINER
den Zugang zum Hochtal der Mur schon im östlichen Alpenvorlande. Gedeckt
durch den Fluss, an dessen rechtem Ufer bis Leibnitz hinab Befestigungen
entstanden, errichteten sie um die Hengstburg bei Wildon eine "Kärntner
Mark". Links des Flusses überwachte Graz als Brückenkopf das
unbesiedelte Vorgelände. Ungarische, von bäuerlichen Milizen
bewohnte Dörfer lagen erst jenseits der Raab und Lafnitz. 1011 wurde
der erfolgreiche, vermögende Markgraf Adalbero von Eppenstein Kärntens
Herzog.
Enge Verwandtschaft verband die EBERSBERGER mit den EPPENSTEINERN,
deren Vorfahren als Graf im Ufgau an der unteren Isar um Dingolfing und
Landshut begegnen. Im 10. Jahrhundert verlagerte sich ihre Tätigkeit
in die Steiermark, wo sie an der oberen Enns, an der Mur um Judenburg und
Leoben sowie im Mürztale vier Grafschaften innehatten und ihren festen
Hauptsitz errichteten: Burg Eppenstein überwacht auf ragender
Höhe bei Judenburg die Salzstraße zwischen Aussee, Klagenfurter
Becken und Lavant. Einer der ihren erbaute als Markgraf zur Ungarnabwehr
im Grazer Becken die Hengstburg und siedelte ringsum Vasallen an. Über
Streubesitz verfügten die EPPENSTEINER
bis südwärts ins Canatal, nach Friaul und Krain. Noch bestand
der größte Teil dieser Erwerbungen aus slawischen Weilern inmitten
öder Gebirge und menschenleerer Wälder, doch machte die Erschließung
durch deutsche Ministerialen und Bauern Fortschritte. OTTO
III. schenkte dem bewährten Hause im Jahre 1000 hundert
Königshufen nach freier Wahl, wahrscheinlich um Piber, Voitsberg und
St. Lambrecht zum weiteren Ausbau. Wohl blieben die Grafen zum Besuch herzoglicher
Hoftage in Bayern verpflichtet, doch markgräfliche Sonderrechte und
die wachsende Zahl ihrer Vasallen verschafften ihnen im Bereich der späteren
Steiermark eine allen Standesgenossen weit überragende Machtstellung.
1011 erhob HEINRICH II. Adalbero
zum
Herzog von Kärnten. Die durch dessen Mutter begründete Nähe
zu den EBERSBERGERN gab ihm Rückhalt in Bayern. Er selbst vermählte
sich mit der KONRADINERIN Beatrix von Schwaben,
woraus sich Erbstreitigkeiten mit dem salischen
Schwager KONRAD ergaben. Die tiefere
Ursache für die Entzweiung beider, die wenig Aussicht für eine
ehrliche Versöhnung ließ, mag in Adalberos
Griff nach der zuvor salischen Herzogswürde
gelegen haben. Auch innerhalb Kärntens machte sich der stolze Mann
unter seinen Standesgenossen Feinde.