Lexikon des Mittelalters: Band IX Spalte 517
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Zeitz
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Stadt an der Weißen Elster (Sachsen-Anhalt)
I. Mark:
Die Marken Z., Meißen und Merseburg gingen 965
aus der ehem. Mgft. Geros hervor und bildeten mit ihren Burgwardorten
(u. a. Altenburg, Camburg, Gera, Rochlitz, Weißenfels) das Rückgrat
der otton. Grenzorganisation im Sorbenland (Sorben). Einziger Inhaber der
ganz überwiegend von Slaven besiedelten Mark war Wigger, nach
dessen Tod (981) sie durch Ks. Otto II.
mit den übrigen Gebieten zw. Saale und Elbe zur Mark Meißen
zusammengefaßt wurde. Die Mgf.enwürde erlangten die Ekkehardinger,
die 983 verhindern konnten, daß der Aufstand der Lutizen das Sorbenland
erfaßte. Die Kg.sburg in Z. ging 976 an das Bm. über. Von dort
aus betrieb schon vor der Bm.sgründung Boso, der Mönch
und spätere Bf. v. Merseburg, die Slavenmission.
II. Bistum:
Gegr. 968 von Ks. Otto I. in
Z. an der Weißen Elster. Das Bm., dessen Grenzen sich im wesentl.
an der Mark Z. orientierten und nach SO (Vogtland und Vorland des Erzgebirges)
noch offen waren (Naumburg), erhielt Kirchen und Grundbesitz im Pleißenland
(um Altenburg), an Elster (um Z. und Weida) und Rippach und bei Naumburg.
Erster Bf. war Hugo I. (968-979). Über seine Nachfolger
in Z. ist wenig bekannt. Die Verlegung des Bf.ssitzes nach Naumburg a.
d. Saale wurde 1028 von Papst Johannes XIX. genehmigt, wohl noch
1030 unter Bf. Hildeward eingeleitet, zog sich aber einige Jahre
hin. Die gefährdete Lage im dt.-slav. Grenzgebiet (u. a. 976
Plünderung des Ortes Z. durch Gf. Dedi, 1028 Feldzug Hzg.
Mieszkos II. v. Polen) ist kaum der maßgebl. Grund für
die Verlegung gewesen, da z. B. der Bf.ssitz Meißen noch viel
weiter im O lag. Wichtiger scheint das erfolgreiche Bestreben
Ks. Konrads II. gewesen zu sein, die Ekkehardinger, auf
deren Allodialgut Naumburg lag, durch die Bm.sverlegung für das Reich
und damit für die Grenzsicherung gegen Polen zu gewinnen. Langfristig
führte dies aber nach dem Aussterben der Ekkehardinger 1046
dazu, daß die Mgf.en v. Meißen überragenden Einfluß
im Bm. erlangten. Streitigkeiten zw. dem Stiftskapitel zu Z. und dem Domkapitel
zu Naumburg um den Rang als Mutterkirche des Bm.s wurden erst 1228/30 durch
Papst Gregor IX. zugunsten der Naumburger Domkirche beigelegt. Mit
der Propstei des Stiftes Z. blieb jedoch der größte Archidiakonatsbezirk
der Diöz. verbunden. Die Bf.e residierten seit 1285 wieder ständig
in Z., während das Domkapitel in Naumburg verblieb. Im SpätMA
befanden sich die geistl. und weltl. Zentralbehörden der Diöz.
in Z., in dessen Umgebung auch beträchtlicher Hochstiftsbesitz lag.
Nur gelegentl. nannten sich die Bf.e im MA nach Z., zumeist aber nach Naumburg.
Die in der Lit. erscheinenden Diözesanbezeichnungen Naumburg-Z. bzw.
Z.-Naumburg sind unhist.
III. Stadt:
Z. (967 Cici) muß schon im 10. Jh. »ein vergleichsweise
bedeutender Ort« (Schlesinger) gewesen sein, da dort sonst kein Bm.
gegründet worden wäre. Die Grundlagen (Kirche in Bosenrode, die
spätere Pfarrkirche St. Michael?) hatte bereits der Missionar
Boso geschaffen. Ks. Otto III.
hielt sich auf
dem Weg nach Gnesen 1000 in der urbs Z. auf. Die an Fernhandelsstraßen
gelegene Stadt (1147 erstmals »civitas«) entstand in Anlehnung
an die »Domfreiheit«, die engere Immunität mit Domkirche
(seit 1028 Kollegiatstift St. Peter und Paul) und bfl. Burg (Moritzburg).
Um Brühl und Nikolaikirche entwickelte sich im Schutze der Bf.sburg
die sog. »Unterstadt« mit dem ursprgl. Markt der Fernhändler,
der im 15. Jh. bedeutungslos wurde. Die »Oberstadt« wurde planmäßig
um den rechteckigen Marktplatz (Marktrecht 1154) mit der Kirche St. Michael
errichtet und im N um den Neumarkt (1223) erweitert, wo ein weiterer Stadtteil
(nova civitas 1250) entstand. Die in Z. ansässigen Fernhändler
scheinen dem Bf. 1028/30 nicht nach Naumburg gefolgt zu sein. Von der wirtschaftl.
Bedeutung zeugen neben der Cicensis moneta (Ende des 13. Jh. erwähnt)
Nachrichten über Tuchhandel. Die Herrschaft über die Stadt, die
nach Magdeburger Recht lebte (1278 erwähnt), übten die Bf.e v.
Naumburg aus, die einen Bgf.en einsetzten, an dessen Stelle im späten
MA offenbar bfl. Richter traten. Außerdem standen dem Stiftspropst
das Niedergericht in der Domimmunität und gewisse Rechte in der Stadt
zu. Von dem Landgericht zum Roten Graben zw. Z. und Bosau, das für
das Umland zuständig war und sich bis 1286 als Lehen in den Händen
der Mgf.en v. Meißen befand, war die Stadt schon 1210 eximiert. Die
Bürgerschaft konnte nur begrenzte Autonomie erlangen: Das Stadtsiegel,
wohl noch im 13. Jh. entstanden, zeigt zunächst die Stiftspatrone
St. Peter und Paul, seit dem 14. Jh. aber St. Michael. Am Rat,
der erst 1322 gen. wird, waren seit 1450 auch die Handwerker beteiligt.
Ein Aufstand gegen die bfl. Stadtherrschaft 1329 scheiterte. An geistl.
Institutionen gab es außer dem Kollegiatstift das Benediktinerinnenkl.
St. Stephan (1147 vor der Stadt gegr., um 1445-50 an die Michaelskirche
verlegt) und ein Franziskanerkl. (seit 1266). Die Stadt verfügte im
späten MA außerdem über drei Hospitäler. Das religiöse
Bruderschaftswesen war wenig ausgeprägt. 1429 wurde Z. durch die Hussiten
schwer zerstört. Die kleine Judengemeinde (1329 erwähnt), die
in der Judengasse (Oberstadt) wohnte und über eine Synagoge verfügte,
wurde nach 1494 auf Veranlassung der Stadtgemeinde durch Bf. Johannes
III. v. Schönberg vertrieben. Für Schätzungen der Einwohnerzahl
gegen Ende des MA fehlen Vorarbeiten.
E. Bünz