Rupp, Gabriele: Seite 108,135,185
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"Die Ekkehardiner, Markgrafen von Meißen, und ihre Beziehungen zum Reich und zu den Piasten"

Hermann scheint also in Merseburg von Gunzelin mit polnischer Hilfe verdrängt worden zu sein. Es wäre nur verständlich, wenn Hermann nun versucht hätte, seinerseits Beziehungen zum polnischen Herrscherhaus zu knüpfen. In diesem Zusammanhang muß seine Heirat mit Regelindis [9 Thietmar IV, 58, SS rer. Germ. N.S. 9, Seite 198: "(Boleslavi filia) ila nupsit Hirimanno comiti." Thietmar nennt Hermann auch des öfteren Schwiegersohn von Boleslaw. Thietmar VI, 33 und 34, SS rer. Germ. N.S. 9, Seite 314/16; VII, 9 SS rer. Germ. N.S. 9, Seite 408. Regelindis Namen erfahren wir nur aus den Naumburger Totenlisten. In einem Naumburger Anniversarium aus dem 14./15. Jahrhundert ist zum 1. April eine "Reglinis fundatrix" vermerkt (nach Perlbach, M: Fragment eines Naumburger Anniversariums, in: Neue Mitteilungen aus dem Gebiet historisch-antiquarischer Forschungen 17, 1889, Seite 253). In diesem Anniversarium, das nur die Monate März und Apreil enthält, sind Personen verzeichnet, die der Naumburger Domkirche Stiftungen gemacht haben. Regelindis ist die einzige aufgeführte "ursprüngliche" Stifterperson; ansonsten sind in erster Linie Personen aus dem 13. Jahrhundert enthalten. Vgl. Perlbach, Fragment eines Naumburger Anniversariums, Seite 249/50.] gesehen werden.
Nach polnischer Forschung wurde Regelindis um das Jahr 989 geboren [10 Dworzaczek, Genealogia, Tafel 1. Vgl. Stäwesand, Der Stifter der Stifter, Seite 31: "Regelindis Geburtsjahr läßt sich ungefähr errechnen, da wir 966 oder 967 als Boleslaws Geburtsjahr kennen. Bedenkt man, daß Regelindis ihres Vaters zweite Tochter aus seiner dritten Ehe war, und weiter, daß sie bei der Eheschließung mit Hermann 1002 oder 1003 eine bestimmte körperliche Reife erereicht haben mußte, so kann sie doch kaum vor 988 und gewiß nicht vor 987 dem 22- oder 21-jährigen Boleslaw geboren worden sein, und das bedeutet, daß sie mit 14 oder 15 Jahren dem gleichfalls jungen 19- und 20-jährigen Hermann in die Ehe nach Deutschland gefolgt sein wird." Brockhusen, H.J.v.: Die Königstochter im Naumburger Westchor, in: Der Herold 7, 1969, Seite 223.]. Sie war die zweite Tochter Boleslaw Chrobrys aus dessen 3. Ehe mit Emnildis, der Tochter des slawischen Fürsten Dobremir. Wann die Ehe geschlossen wurde, ist nicht ganz sicher [11 Nach Stöwesand, Der Stifter der Stifter, Seite 25, ohne Angabe von Gründen im Mai oder Juni 1003. Brockhusen, Die Königstochter im Naumburger Westchor, Seite 223/24, setzt den Termin zwischen den 30. April 1002 und 1003 an. Nach Holtzmann, Thietmar-Ausgabe, Seite 199 mit Anm. 9, und Lüpke, Die Markgrafen der Sächsischen Ostmarken, Seite 34, fand die Hochzeit im Jahr 1002 statt.]. Doch muß die Hochzeit zwischen dem Merseburger Reichstag 1002 und dem Feldzug gegen die Polen im Jahre 1003 stattgefunden haben, da im Jahr 1002 Boleslaw auf seinem Rückweg von Merseburg nach Polen Strehla, ein Eigengut Hermanns, zerstört hat, während er es 1003 schonte, weil es ein Geschenk an seine Tochter war [12 Thietmar V, 36, SS rer. Germ. N.S. 9, Seite 262: "(Boleslavus) ad Strelam civitatem, quia suae dos erat filiae, demandat (...)." Vgl. Hirsch, Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich II., Band 1, Seite 254 mit Anm. 5; Posse, Die Markgrafen von Meißen und das Haus Wettin bis zu Konrad dem Großen Seite 58; Ludat, An Elbe und Oder um das Jahr 1000, Anm. 462.].
Nach dem Bericht Thietmars hätte die Eheschließung zwischen Hermann und Godila im Jahr 1007 stattfinden müssen. Es ist jedoch anzunehmen, daß Regelindis zu diesem Zeitpunkt noch gelebt hat. Im Naumburger Nekrolog ist zwar ihr Todestag, der 21. März, überliefert, das Todesjahr jedoch nicht. Auffällig ist aber, daß Hermann bis Ostern 1015 von Thietmar häufig als "socer" Boleslaw Chrobrys bezeichnet wird, danach nicht mehr. Einige Forscher nehmen deshalb an, daß sie erst nach 1014 gestorben ist [195 Vgl. Hirsch, Jahrbücher des Deutschen Reichs unter Heinrich II., Band 1, Seite 24 Anm. 5; Brockhusen, Die Königstochter im Naumburger Westchor, Seite 223/24; Ludat, An Elbe und Oder um das Jahr 1000, Seite 22 mit Anm. 124; in Anm. 229 spricht Ludat die Vermutung aus, Regelindis sei "1016 oder in einem der nächsten Jahre gestorben."].
Ludat versucht diesen Widerspruch wenig überzeugend aufzulösen, indem er ausfühert, daß durch die Ehe Hermanns mit Regelindis die beiden Dynastien erneut verbunden worden wären und sich Gunzelins Interessen bis zu diesem zeitpunkt ausschließlich auf seine Grafschaften im westlichen Altland bezogen hätten.
Daß man nicht von einer allgemeinen Interessenvertretung der EKKEHARDINER durch Boleslaw sprechen kann, beweist auch die Niederbrennung Strehlas, eines Eigengutes von Hermann, durch den Polen-Herzog auf dessen Rückweg von Merseburg nach Polen. Diese Brandlegung diente bisher immer als Beweis dafür, daß Hermann zu diesem Zeitpunkt noch nicht als Schwiegersohn Boleslaw Chrobrys anzusehen war und daher Strehla noch nicht - wie ein jahr später - als Morgengabe für dessen Tochter Regelindis geschont wurde. Darüber hinaus zeigt dieser Vorfall jedoch ganz klar, daß es für den PIASTEN keinen Grund gab, das Gut Hermanns zu schützen. Das Bündnis mit der ekkehardinischen Familie kann sich deshalb nicht auf alle Mitglieder dieses Hauses bezogen haben.
In diesen Zusammenhang möchte ich auch Hermanns Eheschließung mit Regelindis, der Tochter Boleslaw Chrobrys, stellen. Nachdem Hermann auf dem Hoftag von Merseburg von der Nachfolge in Meißen durch das Einwirken des Polen-Herzogs ausgeschlossen worden war, muß er es für angelgen gehalten haben, sich ebenso wie sein Onkel Gunzelin mit dem Polen-Herzog verwandtschaftlich zu verbinden, um seine Stellung wahren zu können. Und erst diese Verbindung, die im Winter 1002/03 geschlossen wurde, führte dann zu dem von Ludat bereits in das Frühjahr 1002 gelegten Zustand einer piastischen Verbindung mit allen Mitgliedernd er EKKEHARDINER-Sippe [31 Vgl. Kossmann, Deutschland uns Polen um das Jahr 1000, Seite 405.].