Patze Hans: Seite 108-109
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"Die Entstehung der Landesherrschaft Thüringen"

Günther hinterließ seine SöhneEkkehard I. und Gunzelin. Auf jenen ging die Markgrafschaft aber nicht unmittelbar über, sondern dazwischen erscheint von 979-985 Ricdag, zunächst nur Markgraf von Meißen und seit 982 auch von Merseburg und Zeitz, die damit endgültig in einer Hand vereinigt wurden [Posse, Markgrafen, S. 25ff. Ricdag entstammte der Mansfelder Gegend und war ein Verwandter der WETTINER; Thietmar VI. 50; IV, 6, hg. von R. Holtzmann, S. 336, 138.]. Er gründete mit seiner Schwester Eilsuit das Nonnenkloster Gerbstedt, dem Eilsuit vorstand und in dem Ricdag mit seinem Sohn Karl und vielen anderen der Sippe begraben liegt.
Ekkehard I. wächst dann unter OTTO III. rasch zu einem der mächtigsten Träger der Reichspolitik heran, zumal im Osten. Thietmar behauptete, dass er aus einer der vornehmsten Familien Ostthüringens stamme [Thietmar IV, 39, hg. von R. Holtzmann, S. 176. Ekkihardus ex nobilissimis Thuringiae australis natalibus huius genealogiae ortum ducens.]. Wahrscheinlich hatte er sich mit seinem Vater Günther der Partei Heinrichs des Zänkers angeschlossen, erlangte aber, nachdem er viele Härten des Krieges mit seinem abgesetzten Vater geteilt hatte, die Gunst OTTOS II. wieder und kehrte ehrenvoll in seine Heimat zurück. Er heiratete die Witwe des Markgrafen Thietmar, Schwester der Herzogs Bernhard von Lüneburg, namens Schwanhild. Durch diese Heirat war er mit dem die Reichspolitik bestimmenden hohen Adel weitläufig verschwägert. Schwanhild war eine Tochter Hermann Billungs. In erster Ehe war sie mit dem Markgrafen Thietmar, dem Bruder des Erzbischofs Gero von Köln, vermählt. Aus dieser Verbindung stammte der Markgraf Gero II. Von den 7 Kindern ihrer Ehe mit Ekkehard I. haben die Markgrafen Hermann und Ekkehard II. sowie Günther, der 1009 Kanzler wurde und 1024 zum Erzbischof von Salzburg aufstieg, in der Reichspolitik eine führende Rolle gespielt.
Ekkehard I. erscheint urkundlich zum ersten Male 992 zu Grona mit dem Pfalzgrafen Deoderich und dessen Bruder Graf Sigebert u.a. als Intervenient in einem Diplom für St. Servatius in Quedlinburg. Von da an haben die EKKEHARDINER bis zu ihrem Aussterben 1046 ununterbrochen das Amt der Markgrafen von Meißen innegehabt. Leicht erhebt sich auch bei diesem Geschlecht die Frage, ob allein die Zugehörigkeit zum hohen Adel und Geschick in der Reichspolitik ausreichten, den EKKEHARDINERN durch gefährliche Wechselfälle eine führende Stellung im gleichen Herrschaftsbereich zu sichern und ob sich zwischen den Amtsträgern und ihrem Amtsbereich nicht Fäden spannten, die der König nicht mehr ohne weiteres zerreißen konnte.
Ekkehard I. wird in der urkundlichen und in der chronikalischen Überlieferung als marchio, sein Amtsbereich in den Urkunden in der Regel als comitatus bezeichnet. In seiner Grafschaft liegen Holzhausen, Treba, Oeglitzsch im Burgward Keuschberg, Dribani und Zoloni, der Burgward (territorium) Kirchberg, in dem das Dorf Großlöbichau genannt wird, und der Burgward Nerchau.