Lüpke Siegfried:
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"Die Markgrafen der Sächsischen Ostmarken in der Zeit von Gero bis zum Beginn des Investiturstreites (940-1075)"

Mit Ekkehard I. von Meißen (985-1002) tritt eine der glänzendsten Gestalten aus der Geschichte der deutschen Ostmarken in den Kreis der Betrachtung. Er wurde der Nachfolger Rikdags. Die Kaiserin Theophano verließ die Erbfolge und setzte ein neues Geschlecht ein. Weshalb Rikdags Sohn Karl übergangen wurde, läßt sich aus der Schilderung Thietmars unschwer erkennen. Wenn er schon den Verlust seines Eigengutes gleichmütig ertrug, wie konnte er dann fähig sein, Schützer der aufs äußerste gefährdeten Ostgrenze in schwerer Zeit werden. Dagegen hatte sich Ekkehard ebenso als tapferer Krieger wie als treuer Anhänger des Königshauses beim Regierungsantritt OTTOS III.bewiesen. Außerdem konnte er - allerdings mit gewisser Einschränkung - ältere Rechte geltend machen. Sein Vater Gunther hatte bereits einige Jahre die Markgrafschaft dieser Gegenden und für kurze Zeit wahrscheinlich sogar Meißen verwaltet. Zwar hatte Gunther dann gemeinsam mit seinem Sohne Ekkehard an der Verschwörung Heinrichs von Bayern gegen OTTO II. teilgenommen und dadurch seine Mark verloren. Doch bezeugt Thietmar ausdrücklich, dass er die Gunst des Kaisers durch treue Dienste wiedererlangt hatte und damit höchstwahrscheinlich auch seine Markgrafschaft. So mag die Belehnung Ekkehards nicht jedes erbrechtlichen Grundes entbehrt haben.
Ekkehard stammte aus einem der edelsten Geschlechter des östlichen Thüringen und war mit Swanehild, der Witwe Markgraf Thietmars I. und Schwester Herzog Bernhards von Sachsen, verheiratet. Er mußte also schon nach Herkunft und Verwandtschaft zu den bedeutendsten Männern des deutschen Ostens gerechnet werden. Außerdem scheint ein Teil seines Eigengutes in der Mark Meißen oder deren unmittelbarem Hinterland gelegen zu haben. Wir erfahren, dass er nach der Auflösung des Bistums Merseburg unter OTTO III. den Forst Sömmeringen erwarb, den er dann gegen einen anderen Forst eintauschte. Dieser lag nach Bischof Thietmars Angabe zwischen Saale und Mulde und den Gauen Siusili und Plisini. Natürlich muß er auch in Thüringen begütert gewesen sein, worüber uns freilich, von einigen Urkunden abgesehen, nähere Angaben fehlen. Seinen Stammsitz hatte der Markgraf in Großjena bei Naumburg. So mochte gerade er als geeigneter Hüter der Meißener Mark erscheinen. Auf jeden Fall bewies die Kaiserin, worauf schon von Giesebrecht hingewiesen hat, ebenso ihren Mut, wenn sie in gefahrvoller Zeit wagte, die Erbfolge zu unterbrechen, wie ihre staatsmännische Einsicht, indem sie mit der Person Ekkehards den rechten Mann auf einen wichtigen Posten setzte. Denn er war wieder im eigentlichen Sinne des Wortes Markgraf. Fast sein ganzes Leben hat er auf Kriegszügen verbracht. Zu seiner Zeit war er der tatsächliche Hüter des Landes und Führer des Grenzschutzes im deutschen Osten. Die beiden anderen Markgrafen, Liuthar von Walbeck und Ekkehards Stiefsohn Gero II., treten gegen ihn stark in den Hintergrund. Das ist bei der Jugend Geros kaum verwunderlich. Um so mehr aber muß es bei Liuthar auffallen, weil noch sein Vorgänger Dietrich als Markgraf den Herzogstitel geführt und eine gewisse Oberhoheit über alle Ostmarken zum mindesten in Zeiten der Gefahr ausgeübt zu haben scheint. Liuthar führt diesen Titel nicht mehr, wohl aber tritt er bald darauf bei Ekkehard wieder in Erscheinung, wenn auch in anderem Zusammenhang. Doch das wird weiter unten näher auszuführen sein. Als Ekkehard das Erbe Rikdags antrat, befand sich das Reich und besonders der Osten im Zustande schwerer Erschütterung. Der weitaus größte Teil der unter OTTO I. im Slawenlande gemachten Eroberungen war 983 wieder verloren gegangen. Auch die Stadt Meißen war noch in Feindeshand. Nur ein verhältnismäßig kleines Gebiet stand dem Markgrafen als Stützpunkt seiner Unternehmungen zur Verfügung. Die einzigen Anhaltspunkte für Lage und Größe dieses Gebietes sind der oben erwähnte Stammsitz Großjena und der von Thietmar erwähnte Forst in den Gauen Siusili und Plisini; vor allem durch das Fehlen aller Urkunden, die erst 992 beginnen, ist eine genauere Bestimmung nicht möglich. Unverzüglich begann der Markgraf den Kampf, und zwei Jahre nach der Übernahme der Mark hatte er Meißen dem Böhmen-Herzog entrissen und den Bischof Volkold zurückgeführt. Weitere Züge gegen Boleslav von Böhmen und die endgültige Unterwerfung der Milzener sicherten die kaum wiederhergestellte Mark. In den folgenden Jahren wurde ununterbrochen Krieg geführt. 990 gerieten die Deutschen dabei in eine recht bedenkliche Lage. Auf den Hilferuf Misekos von Polen, der von Boleslav von Böhmen bedrängt wurde, entsandte die Kaiserin Theophano Erzbischof Gisiler von Magdeburg und Markgraf Ekkehard zu Misekos Unterstützung. Aber Boleslav ließ es nicht zum Kampf kommen, sondern schloß am 13. Juli im Gau Salpuli Frieden. Nun entließen die vertauensseligen Deutschen ihr Heer und begaben sich damit des einzigen wirksamen Machtmittels. Infolgedessen blieben ihre Vermittlungsversuche ohne Erfolg. Sie mußten sogar froh sein, dass sie auf dem Rückweg den Nachstellungen der Liutizen entgingen und Magdeburg erreichten, ehe die Verfolger sie einholten. Ekkehard hat aus diesem mißglückten Versuch gelernt und ist später vorsichtiger gewesen. Wenige Jahre später (993) unternahmen die Liutizen einen gefährlichen Überfall auf Brandenburg, das eben erst wieder in deutsche Hände gekommen war. Schnell sandte der König, der gerade in Magdeburg weilte, die wahrscheinlich eben dort anwesenden Fürsten - an ihrer Spitze Ekkehard - der Brandenburger Besatzung zu Hilfe, und es gelang für diesmal noch die gefährdete Stadt zu halten. Ekkehards Eingreifen in einer Gegend, die seinem Gebiet ferner lag, darf nicht ganz unbeachtet bleiben, weil es schon 993 seine Bedeutung als Kriegsmann zeigt. Außerdem mag die Gefahr der Lage und die Notwendigkeit schnellen Handelns seine Teilnahme vor Brandenburg erklären. Neben seiner hervorragenden Feldherrenbegabung scheint Ekkehard nicht unbeträchtliche Fähigkeiten in der Verhandlung entwickelt zu haben. Der Merseburger Geschichtsschreiber, der einen breiten Raum seiner Betrachtung der Tätigkeit unseres Markgrafen widmet, sagt, er habe es verstanden, die Herzöge von Böhmen und Polen durch Drohungen und Schmeicheleien im Zaume zu halten. Und dass dies nicht leere Worte sind, beweist Thietmar, wenn er berichtet, dass Ekkehard immer wieder vermochte, Bischof Thieddeg von Prag gegen den Böhmen-Herzog auf seinen Stuhl zurückzuführen. Am besten wird wohl Ekkehards machtvolle Persönlichkeit und die Festigkeit seines Werkes durch seine Teilnahme am Römerzuge OTTOS III. 997 beleuchtet. Vor wenig mehr als einem Jahrzehnt hatte er fast nichts in der Hand. Jetzt konnte er nach fast ununterbrochenen, gefahrvollen Kriegen ein gefestigtes, gesichertes Gebiet zurücklassen, als er nach Italien zog. Erst im Jahre vorher war Friede geschlossen worden im Wendenland. Dass der Meißener Markgraf es wagen konnte, jetzt sein Land auf längere Zeit zu verlassen, ist ebenso bezeichnend für die Furcht seiner Feinde wie für die Achtung des Kaisers, der ihn im Süden nicht glaubte entbehren zu können. Denn auch in Rom bei der Bestürmung der Engelsburg tritt Ekkehard als Führer der Belagerung hervor. Und nicht zuletzt seiner restlosen Tatkraft, die den Sturz auf die Festung Tag und Nacht ohne Unterbrechung durchführte, verdankte OTTO die schnelle Niederlage des eben noch so übermütigen Crescentius im April 998.
Ekkehard war in denkbar kürzester Zeit einer der mächtigsten Reichsfürsten und festesten Stützen der Herrschaft OTTOS III. geworden. Die Eigenschaften, die OTTO als dem Lenker eines großen Reiches fehlten, Tatkraft und Entschlossenheit, Schnelligkeit der Überlegung und Ausführung, besaß Ekkehard in hohem Maße. Kein Wunder, dass der jugendliche und stets etwas überschwenglich empfindende Kaiser sich eng an diese starke Persönlichkeit anschloß und sich auch ihres Rates ausgiebig bediente. Denn nicht nur als Feldherr, sondern auch als Ratgeber nahm der Markgraf am Hofe eine hervorragende Stellung ein. Die zahlreichen Urkunden, die ihn als Fürsprecher selbst in den westlichen und südlichen Teilen des Reiches aufführen, reden eine deutliche Sprache. So finden wir ihn nicht nur in Merseburg, Magdeburg und Grone, sondern auch im nördlichen Arneburg, weiter in Dortmund, Ingelheim, Nimwegen und Aachen am königlichen Hofe. Noch 999 ist seine Anwesenheit in Subiaco bei Rom bezeugt. Damit rückt seine ständige Anteilnahme an den Reichsgeschäften und den Beratungen der Fürsten in helles Licht. Auch Thietmar von Merseburg hebt hervor, dass Ekkehard bei OTTO III. hoch in Gunst stand und stärkeren Einfluß auf den jungen Herrscher ausübte als alle anderen Großen des Reiches. An anderer Stelle sagt er, dass OTTO auf Ekkehard besonders viel hielt. Diese ausdrücklichen Zeugnisse eines Zeitgenossen bestätigen den aus den Urkunden gewonnenen Eindruck in vollem Umfange, ja überbieten ihn noch. Als später - es muß nach dem Jahre 1000 gewesen sein - Erzbischof Gisiler höher in des Kaisers Gunst stand und in allem Ekkehard vorgezogen wurde, quälte dies den ehrgeizigen Markgrafen dermaßen, dass er aus verhältnismäßig geringfügigem Anlaß (das Gaugericht hatte einige Untertanen Ekkehards, die in Großgörschen gestohlen hatten, aufgehängt, ohne dies wie üblich dem Markgrafen anzuzeigen) an den Untertanen Giselers kleinliche Rache nahm, um seinen Zorn zu stillen: alle Männer aus Großgörschen wurden samt ihrer Habe weggeführt und nur gegen Entrichtung eines hohen Lösegeldes wieder in Freiheit gesetzt.
Dass Ekkehard erst seit Januar 992 in den Urkunden nachweisbar ist, braucht nicht Wunder zu nehmen, da er in den ersten Jahren vollauf durch die Wiederherstellung seiner Mark in Anspruch genommen war. Eher könnte man erstaunt sein über das Fehlen seines Namens in den Urkunden der beiden letzten Jahre OTTOS III. (nach April 1000). Dieser Umstand muß weiter unten erörtert werden. Aber noch andere Beweise der hohen kaiserlichen Gunst durfte Ekkehard erfahren. Der Kaiser verwandelte einen großen Teil seiner Lehen in erbliches Eigentum, so dass der verdienstvolle Markgraf seine Macht auf einen ansehnlichen Besitz an Eigengut gründen konnte, zweifellos eine nicht zu unterschätzende Stütze seiner Stellung. Sogar das Münzrecht wurde ihm verliehen, eine Auszeichnung, die in jener Zeit selten war. Ekkehard war auf dem Gipfel seines bewegten Lebens angekommen, als er das Herzogtum der Thüringer erlangte. Damit hat es seine besondere Bewandtnis, die einer etwas eingehenderen Besprechung bedarf. Nur ein einziges Zeugnis, das allerdings ganz klar und unmißverständlich redet, ist uns erhalten. Thietmar von Merseburg sagt, Ekkehard habe durch gemeinsame Wahl des gesamten Volkes das Herzogtum über ganz Thüringen erhalten. Da alle anderen Quellen schweigen und vor allen Dingen keine Kaiserurkunden diese Tatsache belegen, dürfte man zunächst wohl geneigt sein, überhaupt daran zu zweifeln. Und doch kann ein Zweifel an der Wahrheit des Berichtes von vornherein nicht gerechtfertigt sein bei der Klarheit und Bestimmtheit des Ausdrucks, mit der der Merseburger Geschichtsschreiber das Ereignis überliefert, obgleich alle genaueren Angaben über Zeit und Ort und die näheren Umstände der Wahl vollständig fehlen. Dafür ist die Person Thietmars allein, wenigstens was Ekkehard betrifft, Bürge genug. Man beachte die Ausführlichkeit und Genauigkeit, mit der Thietmar die Persönlichkeit des Markgrafen zeichnet, und man wird einen grundsätzlichen Zweifel an der Wahrheit dieser Überlieferung kaum aufrecht erhalten können. Thietmars Anteilnahme an den Hause der EKKEHARDINER ist unverkennbar. Er verfolgt Gunther, den Vater, wie Ekkehard, den großen Sohn, bis nach Italien. Er berichtet umständlich Ekkehards Handel mit Liuthar und seine Bemühungen um die Krone. Er beklagt aufrichtig sein ruhmloses Ende. Aber - und das muß besonders betont werden - Thietmar verkennt auch die schweren Fehler nicht, die Ekkehard beging, seine Grausamkeit und Gewalttätigkeit, die zu seinem Sturze beitrugen. An mehreren Stellen hebt er sie tadelnd hervor, und es macht durchaus den Eindruck der Unparteilichkeit, wenn die Schilderung Ekkehards in den Worten gipfelt: "Er wäre ein vollendeter Mann gewesen, hätte er nur demütig bleiben wollen". Außerdem lebte Thietmar gerade in dieser Zeit und in den Gebieten, die den mächtigen Schutz des Markgrafen wohl zu schätzen wußten. Dazu nahm er besonderen Anteil an allen Ereignissen, die sich im Osten des Reiches abspielten. An Thietmars Glaubwürdigkeit darf also weder aus inneren noch äußeren Gründen gezweifelt werden. Dagegen erfahren wir über den Verlauf der Ereignisse gar nichts. Thietmar teilt uns lediglich das Ergebnis mit und schweigt über seine Vorgeschichte. Es ist doch aber sehr wahrscheinlich, dass die "Wahl" des Volkes nur den äußeren Abschluß einer inneren Entwicklung darstellt, die in der Person Ekkehards, seiner Tätigkeit für die  Mark und seinem Verhältnis zum Kaiser und den thüringischen Fürsten im besonderen begründet liegt. Wenn es gestattet ist, einer Vermutung Raum zu geben, die nur einen hohen Grad von Wahrscheinlichkeit, aber keine Belege aus den Quellen für sich hat,  so mag der Verlauf der Entwicklung etwa folgender gewesen sein. Ekkehard hatte sich durch seine Tatkraft und Umsicht die unbestritten hervorragendste Stellung unter den thüringischen Fürsten erworben. Da wurde in dem ehrgeizigen Manne der Wunsch auch nach äußerer Anerkennung seiner Verdienste durch die Erhöhung seines Titels wach. Der Widerstand der Fürsten mußte, wenn er überhaupt vorhanden war und laut geworden ist, wegen Ekkehards übermächtiger Stellung in Thüringen kaum ernst genommen werden. Das Auftreten des Volkes braucht nur als äußerer glänzender Rahmen der Handlung, als Akklimation, wie sie von den Königswahlen her bekannt ist, gedacht zu werden [R. Holtzmann in der Thietmar-Ausgabe Seite 229 Anm. 7: "Diese Worte sucht Usinger bei Hirsch, Jahrb. I, 196 Anm. 5 zu Unrecht abzuschwächen". Wilmans 36 Anm. 3 und L. Giesebrecht, Wend. Gesch. II, 5 halten an Thietmars Wortlaut fest. Knochenhauer 120-122 glaubt auch an die Wahl des Volkes und hält die Zustimmung des Kaisers für gewiß, aber ebenso die erbitterte Gegnerschaft der Fürsten. Nach ihm gründete sich Ekkehards Herzogtum nur auf das Schwert. Giesebrecht, Kaiserzeit I, 636 nimmt ohne Begründung eine Wahl durch die Fürsten an, während Posse 40 unter dem Titel "dux" die Bezeichnung als Heerführer versteht. Im übrigen nimmt er eine vermittelnden Stellung zwischen Knochenhauer und W. Giesebrecht ein, wenn er eine Ernennung durch den Kaiser ablehnt und unter dem Volk die Großen des Landes begreift. Kötzschke, Sächs. Gesch. I, 44 stellt ohne Auseinandersetzung aber bestimmt fest: "Über ganz Thüringen erlangte er durch Wahl die herzogliche Würde". Diese vorwiegend eigenmächtige Handlung Ekkehards bezeichnet Läwen 65 geradezu als Usurpation und sagt nach der Betonung der Zuverlässigkeit Thietmars: "Weder Ekkehard noch die beiden anderen Herzöge Berthold (gemeint sind Berthold I. von Schwaben (1079-1090) und Berthold II. von Schwaben 1092-1096) wurden in ihren Ämtern jemals von der königlichen Kanzlei oder dem König anerkannt. In allen Fällen handelt es sich um Usurpatoren, die, um sich überhaupt eine Legitimation zu schaffen, mangels einer königlichen Ernennung sich von ihren Anhängern zum Herzog wählen ließen. Nach den Quellen scheint bei Ekkehard und Berthold I. ein Wahlvorgang stattgefunden zu haben, während dies bei Berthold II. zweifelhaft bleibt. Das würde darauf hindeuten, dass man an der Wahl auch hier den Charakter eines legalen Bestandteils der Herzogserhebung beimaß. Die Wahl wurde rechtlich höher bewertet als die bloße Proklamation zum Herzog. Ich möchte doch annehmen, dass gerade Usurpatoren sich bemühen werden, ihre Stellung möglichst durch eine legale Bestellung zu rechtfertigen".]. Da Thietmar sich über die Zeit der Herzogswahl nicht äußert und auch aus dem Zusammenhang der Darstellung die Zeit nicht erkennbar ist, müssen wir versuchen, aus anderen Quellen Anhaltspunkte wenigstens für die ungefähre Festlegung dieses Ereignisses zu gewinnen. Dazu können folgende Beobachtungen dienen. In einer Urkunde OTTOS III. vom 23. März 1000 wird Ekkehard noch als liebwerter Graf bezeichnet. Ferner empfing Ekkehard um diese Zeit den Kaiser in Meißen, und gerade hier bemerkt Thietmar, dass der Herrscher besonders viel auf ihn hielt. Endlich zeigt eine Urkunde vom 30. April dieses Jahres Ekkehard als Fürsprecher. Das sind also alles Zeugnisse, die ein gutes Einvernehmen beider noch im Frühjahr 1000 zeigen. Dies scheint aber auch die letzte persönliche Begegnung beider gewesen zu sein. Jetzt hören die Urkunden mit Ekkehards Namen plötzlich auf. Anscheinend trat nun eine Entfremdung zwischen Kaiser und Markgraf ein. Dazu paßt sehr gut, dass später Erzbischof Gisiler in der Gunst des Kaisers höher stand als Ekkehard, ihn also offenbar an diesem bevorzugten Platze abgelöst hatte. Es liegt nahe, die in diesen Umständen sich aussprechende Entfremdung auf die Wahl zurückzuführen, da diese sich als vorwiegend eigenmächtige Handlung Ekkehard darstellt. Also kann sie frühestens in der 2. Hälfte des Jahres 1000 stattgefunden haben. Eine nähere Zeitbestimmung dürfte schwer möglich sein.
Man erkennt die Bedeutung dieses Ereignisses daran, dass seine Auswirkung über den engen Rahmen der meißnischen Grenze hinausführt. Diese Verknüpfungen werden erst dadurch in die rechte Beleuchtung gerückt, wenn man sie an den Ereignissen der Vergangenheit und Zukunft mißt. Denn vor dieser Herzogswahl liegt zeitlich das festgefügte Reich OTTOS I., und ihr folgen die Wahlen HEINRICHS II., KONRADS II. und das straff verwaltete SALIER-Reich. Man braucht sicher nur die Stellung der Herzöge unter OTTO I. oder KONRAD II. klar zu machen, um die Unmöglichkeit einer ähnlichen Entwicklung unter ihrer Herrschaft einzusehen. Einmal zeigt die Herzogswahl augenfällig die bedenkliche Lockerung des ottonischen Reiches unter dem Enkel des Großen OTTO. Andererseits wird dadurch die Neubelebung des Stamesbewußtseins deutlich, das nie völlig erloschen war, und ferner die wiedererwachende Forderung des Wahlrechtes, das Ekkehard geschickt für sich ausnutzte, ebenso wie es wenige Jahre später bei dem Anspruch auf den Thron seine einzige rechtliche Stütze wurde. Sollte dies auch eine Folge der italienischen Neigungen und Weltherrschaftspläne OTTOS III. sein, die zu einer Vernachlässigung Deutschlands und damit zu einer wachsenden Selbständigkeit der deutschen Stämme führen mußten? Wen  ja, dann ist dadurch die Herzogswahl Ekkehards ins rechte Licht gerückt, weil damit die tieferen Wurzeln bloßgelegt sind. Über die Auswirkungen läßt sich naturgemäß nichts sagen, da Ekkehards Herzogtum eine kurze Episode blieb. Beiläufig sei bemerkt, dass zwei der wenigen Urkunden, die eine Gaugrafschaft Ekkehards erwähnen, Thüringen angeben.
Durch den frühzeitigen Tod OTTOS III. eröffnete sich noch eine neue, weit höhere und ganz gewiß auch für Ekkehard unerwartete Aussicht. Hatte er bisher nur an den Kaiser als Schwiegersohn gedacht und damit die Hoffnung gehegt, seine Nachkommen auf dem Thron zu sehen, so wurde den Dingen durch das plötzliche Ableben des jungen Kaisers eine ganz andere Wendung gegeben: Ekkehard selbst trat als Thronbewerber auf. Bereits als die sächsischen Großen sich in Frose zu einer ersten Beratung über die Nachfolge OTTOS III. versammelt hatten, trat Ekkehard offen mit seinen Ansprüchen hervor. Dabei kam es zu einem Auftritt zwischen ihm und dem Markgrafen Liuthar, den Thietmar recht anschaulich darstellt: "Sobald Graf Liuthar aber merkte, Ekkehard wolle sich über ihn erheben, rief er den erwähnten Erzbischof (Gisiler) und den angesehensten Teil der Vornehmen zu einer geheimen Unterredung hinaus und gab allen den Rat, mit einem Schwur zu bekräftigen, dass sie vor der festgesetzten Versammlung in Werla keinen  Herrn oder König weder gemeinsam noch einzeln wählen würden."
Dies wurde von allem sehr gelobt mit Ausnahme von Ekkehard. Dieser ertrug schwer, dass er auf dem Wege zum Thron eine wenn auch kleine Verzögerung erleiden sollte, und brach los: "Graf Liuthar, warum bist du mir entgegen?" Und jener entgegnete: "Merkst du nicht, dass dir das 4. Rad am Wagen fehlt?" [Diese Stelle ist meist so gedeutet worden, dass das 4. Rad die fehlende Verwandtschaft mit dem Königshaus bedeuten soll. Wäre es nicht naheliegender anzunehmen, dass Liuthar sich selbst damit meint? Es ist doch kaum Zufall, dass Thietmar hier außer Ekkehard nur vier Fürsten namentlich aufführt, den Erzbischof, den Herzog und die Markgrafen Liuthar und Gero. Und von den drei Fürsten außer Liuthar ist eine Gegnerschaft gegen Ekkehards Königswahl nicht feststellbar, auch nicht von seiten des Erzbischofs, obwohl dieser früher mit Ekkehard Streit gehabt hatte. Möglich ist auch, dass Liuthar einfach ein damals bekanntes Sprichwort anführt.]. Ekkehard gab seine Hoffnung selbst dann noch nicht auf, als die Fürstenversammlung von Werla Heinrich vion Bayern bereits zum König ausgerufen hatte. Nachdem er sich als ungeladener Gast an die Tafel der königlichen Schwestern Adelheid und Sophie gesetzt und sie dadurch schwer gekränkt hatte, reiste er nach W-Deutschland, um dort für sich und seine Wünsche zu werben. Er hatte wohl die Absicht, sich mit Herzog Hermann von Schwaben, dem dritten Thronbewerber zu verständigen. In Hildesheim wurde er wie ein König empfangen und hochgeehrt, sagt Thietmar. Paderborn aber öffnete seine Tore erst auf Befehl seines Bischofs, der Ekkehard als Gast aufnahm, ihm aber trotzdem sein Mißfallen an der Fahrt nicht verhehlte. Auch teilte er Ekkehard mit, dass eine geplante Unterredung in Duisburg, über die uns alle näheren Angaben fehlen, nicht stattfinden könne. Darauf kehrte der Markgraf um und kam nach Northeim, das einem Grafen Siegfried gehörte. Die Gräfin Ethelinde, Siegfrieds Gemahlin, warnte den Gast vor einem Mordanschlag ihrer Söhne und bat ihn dringend, in Northeim zu übernachten oder eine andere Reiserichtung einzuschlagen. Aber Ekkehard zog mit Dank für die Warnung unter Beobachtung aller Vorsicht weiter und übernachtete am 30. April in Pöhlde. Hier überfielen die Verschworenen die schlafende Reisegesellschaft mitten in der Nacht. Ehe die Überraschten recht zur Besinnung kamen, waren die Angreifer im Vorteil. Die Ritter Hermann, Athulf und Erminold wurden tapfer kämpfend erschlagen und schließlich durchbohrte eine Lanze Ekkehard, der sich wie ein Löwe wehrte, im Nacken, so dass er tot zu Boden sank. Zum Überfluß schnitten die Mörder dem Gefallenen das Haupt ab und plünderten den Leichnam. Unbehelligt konnten sie entkommen, während die überlebenden Begleiter den toten Markgrafen nach seinem Stammsitz Großjena an der Unstrut überführten. Dort wurde er von seiner Frau und seinen Söhnen beigesetzt. Den Grund dieser Schandtat vermag Thietmar nicht mit Sicherheit anzugeben. Er meint, Graf Heinrich, einer der Verschworenen, sei auf Ekkehards Veranlassung einst vom Kaiser mit Geiselschlägen bestraft und habe deshalb Rache geschworen. Weniger wahrscheinlich ist, dass Ekkehard für sein herausforderndes Benehmen in Werla bestraft werden sollte. Der Zorn über Ekkehards Rücksichtslosigkeit und Neigung zur Gewalttätigkeit, die Thietmar einige Male erwähnt, hat sich wohl hier in einem einmaligen maßlosen Ausbruch Luft gemacht und einen verhängnisvollen Ausbruch genommen. Wenn sich Ekkehard um den verwaisten Thron der OTTONEN bewarb, so konnte er keinerlei Erbansprüche geltend machen; er konnte sich lediglich auf das freie Wahlrecht der Fürsten stützen. Zwar mochte er als geeignete Persönlichkeit erscheinen, ein großes Reich mit starker Hand zu lenken. Eine Achtung gebietende Stellung nannte er schon im Osten des Reiches sein eigen. Gegen ihn trat selbst der Herzog von Sachsen in den Schatten. Ja, er scheint Ekkehards Bestrebungen sogar unterstützt zu haben. Aber jetzt ballte sich der ganze Widerstand der Fürsten gegen den mißliebigen Thronbewerber zusammen, bei denen er sich durch sein selbstherrliches, gewalttätiges Betragen verhaßt gemacht hatte. Liuthar von Walbeck war die Seele der Bewegung gegen Ekkehard und hat durch seine rastlose Tätigkeit viel - in Sachsen wohl nahezu alles -  für die Anerkennung Heinrichs von Bayern getan. Wenn Ekkehard sich auch nicht durchsetzen konnte, so ist doch allein die Tatsache, dass er als Markgraf Anspruch auf die Krone erhob und damit bei einem Herzog Unterstützung fand, für diese Zeit höchst beachtenswert. Sie ist eine ganz einzigartige Erscheinung und kennzeichnet seinen mächtigen Einfluß und seine Einschätzung bei den Fürsten, mochten sie sich für oder gegen ihn stellen. Für den anderen Fall, dass er wenigstens in ganz Sachsen durchgedrungen wäre, ist es immer noch sehr zweifelhaft, ob er auch die Anerkennung in den übrigen deutschen Herzogtümern erlangt hätte.
Der Anspruch auf die Nachfolge im Reich und seine teilweise Anerkennung ist ferner ein deutliches Zeichen dafür, dass infolge der Erschütterung des Reiches unter OTTO III. der Gedanke des freien Wahlrechtes in dem Bewußtsein der Zeitgenossen wieder sehr lebendig wurde. Seine endgültige Ablehnung zeigt dann aber die Stärke des Erbganges, der in diesem Falle den Ausschlag gab.