MURBACH, Abtei


Lexikon des Mittelalters:
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Murbach (Vivarius peregrinorum), St. Leodegar, Abtei OSB b. Gebweiler (dép. Haut-Rhin).
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Um 727 gründete der erbenlose Graf Eberhard aus der Adelsfamilie der Etichonen auf seinem Eigengut in Murbach ein Mönchskloster Auf seine Veranlassung weihte der hl. Pirmin Murbach und führte das mönchische Leben im Sinne der peregrinatio ein. Während der fränkische König Murbach Immunität und freie Abtswahl verlieh, verzichtete der Bischof von Straßburg auf alle bischöflichen und eigenkirchlichen Rechte. Dank königlicher Rechtsverleihungen (Immunität, Zollbefreiung, Gerichtsrechte) und reicher Besitzschenkungen durch Königtum (Luzern), Adel und Freie stieg Murbach in der KAROLINGER-Zeit zu einem bedeutenden Reichskloster auf (Gebetsverbrüderungen mit Reichenau, Remiremont, St. Gallen, S. Giulia/Brescia). Murbacher Besitzschwerpunkte lagen im Augst-, Frick-, Sund-, Ar- und Breisgau, in Montbéliard und an der Straße zum wichtigen Juraübergang beim Hauenstein. Auswärtige Äbte und ein starkes Engagement im Reichsdienst trugen mit zum Niedergang der monastischen Disziplin im 12. Jh. bei. Das 13. Jh. war in Murbach durch den Aufbau einer Landesherrschaft und Auseinandersetzungen mit dem Bischof von Basel und mit den Vögten, den Grafen von Habsburg, geprägt. Die hohe Verschuldung zwang Murbach zum Verkauf der Besitzungen in der Schweiz (Luzern) und in Montbéliard. Die Reformbestrebungen unter Abt Konrad von Widergrün (1305-1334) hatten nur kurze Zeit Bestand; von der benediktinischen Klosterreform des 15. Jh. wurde Murbach nicht erfaßt.
Von Murbachs Blüte als geistiges und kulturelles Zentrum im 8./9. Jh. zeugen Bibliothek (Bibl.kat. des 9. Jh.) und Skriptorium. Zu seinen bedeutenden literarisch-liturgischen Zeugnissen gehören althochdeutsche Glossare und Hymnen. Die in drei Hauptzweigen überlieferten Murbacher Annalen (708-805) besitzen für die Jahre 741-785 eigenständigen Charakter.

H. Seibert