Legl Frank: Seite 46-48
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"Studien zur Geschichte der Grafen
von
Dagsburg-Egisheim."
Bruno/Papst Leo IX.
Das prominenteste Mitglied des Geschlechtes der DAGSBURG-EGISHEIMER
Grafen ist zweifellos der im Jahre 1002 geborene Bruno, der
spätere Papst Leo IX.
Bedingt durch seinen kirchenpolitischen
Aufstieg bis in das Amt des Papstes, steht uns zu einem Leben und
Wirken reichhaltiges Quellenmaterial zur Verfügung, das jedoch in
seiner Fülle im Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht
berücksichtigt werden kann. Es werden daher in diesem Abschnitt
lediglich die wichtigsten Eckdaten zu einem Leben genannt, die uns eine
genealogisch exakte Einordnung vornehmen lassen.
Eine der Hauptquellen zum Leben Leos
IX. bildet die
zeitgenössische, vielleicht noch zu seinen Lebzeiten durch einen
namentlich nicht bekannten Kanoniker aus Toul, der in der älteren
Forschung als ein gewisser Wibert angegeben wurde, begonnene und nach
dem Tod Leos IX.
fertiggestellte Vita [245 Leonis
IX vita,
Seite 127-170; zur Verfasserfrage siehe H. TRITZ, Die hagiographischen
Quellen zur Geschichte Papst Leos IX. Eine Untersuchung ihrer
Überlieferungs- und Entstehungsgeschichte, in: Studi Gregoriani 4,
Roma 1952, Seite 191-364, der den Nachweis führte, daß
Wibert
als Name des Verfassers der Vita vor dem 17. Jahrhundert nicht belegt
ist, jedoch an Stelle Wiberts fälschlicherweise Humbert von Silva
Candida für den Verfasser hält, da die Vita Humbert in einer
der 22 erhaltenen Handschriften zugewiesen wird
(ebda., Seite 194f. und Seite 363). H. HOESCH, Die
kanonischen Quellen im Werk Humberts von Moyenmoutier. Ein Beitrag
zur Geschichte der vorgregorianischen Reform, Köln, Wien 1970,
Seite 243-253, möchte zwei Verfasser der Vita erkennen, zum einen
Humbert, zum anderen einen unbekannten Verfasser. Zur Kritik an der
Humbert-These siehe H.-G. KRAUSE, Über den Verfasser der Vita
Leonis IX
papae, in DA 32, 1976, Seite 49-85, der im Laufe seiner Untersuchung
die
These, daß Humbert der Verfasser der Vita sei, zurückweisen
konnte. Vgl. auch R. SCHIEFFER, Leo IX., in: NDB, 14. Band, Berlin
1985,
Seite 239 und DERS., L[eo] IX., in: LexMA V, Spalte 1880f. Aus
praktischen
Gründen möchte ich jedoch bei dem sich in der Forschung
für den Verfasser der Vita eingebürgerten Namen „Wibert"
bleiben (vgl. dazu auch KRAUSE, Verfasser, Seite77).].
Diese Quelle überliefert uns mit dem 21. Juni des Jahres 1002 das
Geburtsdatum
Brunos [246 Leonis IX
vita, lib. 1, cap. 2, Seite 129: Qui
undecimo kalendas
iulii, anno videlicet ab humanato dei Verbo millesimo secundo,
indictione quintadecima, ubr in hanc lucem usus est, - mirabile dictu -
totum eius corpusculum invenitur charassatum quasi crucicularum
stigmatibus, siehe auch Annalen Marbacenses qui dicuntur, ed. H.
BLOCH, MGH Script. rer. Germ., Hannover und Leipzig 1907, ad 1002,
Seite 27: Eodem anno Leo Papa, qui et Bruno, de castro Egensheim natus
est. An dieser Stelle sei noch erwähnt, daß im 19.
Jahrhundert unter den Lokalhistorikern ein ebenso heftig, wie polemisch
geführter Streit um den Geburtsort Leos IX. - Egisheim oder
Dagsburg - ausbrach, der letztlich für die Forschung eine geringe
Relevanz aufwies, lediglich aus lokalpatriotischen Erwägungen von
Interesse war. Der Streit trieb sogar solche Blüten, daß die
Verfechter der jeweiligen Thesen, Pseudonyme wählten, die den
beiden, für die Geburtsstätte des Papstes in Frage kommenden
Ortsnamen, entlehnt waren. So legte sich im Verlaufe des Streites L.
G. Glöckler, der Hauptvertreter der Dagsburg-These, das Pseudonym
„D'Abo" und Pierre Paul Brucker, der Hauptvertreter der
Egisheim-Hypothese, das Pseudonym „P. P. Dezen" zu (siehe L. G.
GLÖCKLER, Geburtsort des Elsässer Papstes Sankt Leo IX.
vormals Bruno, Graf von Dagsburg, Straßburg 1892, Seite 57ff.).]
und weist ihn auch eindeutig als Sohn
Hugos IV. und Heilwigs
von Dagsburg aus [247
Leonis IX vita, lib. I, cap. 1, Seite 128: Procreatus (= Bruno) est
autem in dulcis Elisatii finibus, patre
Hugone, matre vero
Heilewide.]. Erzogen wurde er in
der Domschule von Toul [248 Ebda.,
lib. I, cap- 2, Seite 130.]
und - wenigstens zeitweise - in der Klosterschule von Hersfeld [249 Dies geht
aus einer aus dem 15. Jahrhundert stammenden
Dorsualnotizz an einem Privileg Leos IX. aus dem Jahre 1054 hervor, das
er der Abtei Hersfeld ausgestellt hatte. Die Notiz ist abgedruckt bei
H. WEIRICH, Urkundenbuch der Reichsabtei Hersfeld, 1. Band 1.
Hälfte, Maiburg 1936, Nr 101, Seite 181ff.: Nota antiquam et bonum
instrumentum de exempcione monasterii Hersfeldensis et est
transsumptum Leonis pape ...
privilegii, et custodias bene propter
deum omnipotentem. Et iste Leo
studens fuit in dicto monasterio
tempore, quo rexerat ibidem beatissimus confessor Christi Albewinus
conventualis monasterii eiusdem, ut credo et estimo (Zitat
Seite
181, Anm. 1); vgl. dazu T. STRUVE, Zur Geschichte der Hcrsfelder
Klosterschule im Mittelalter, in: DA 27, 1971, Seite 538.].
Im Jahre 1026 berief ihn sein
consanguineus
[250
Leonis IX vita, lib. I, cap. 8, Seite 135; zur Verwandtschaft Brunos mit
KONRADS II.
siehe ausführlich oben Seite 36ff.] König KONRAD II., in das Touler
Bischofsamt [251
BÖHMER-APPELT, Nr 61d, Seite 38. - Leonis IX vita, lib.
I, cap. II, Seite. 140: Tandemque
die dominicae ascensionis, tertiodecimo Kalendas Iunii, omnium
inexplebili gaudio susceptus, praesentibus cunctis Belgicae Galliae
primoribus electus
ac laudatus, a suo consobrino domino Theodorico
Mediormtricorum praesule est
pontificaliter inthronizatus]. Im Jahre
l048 schließlich sollte er dann nach dem Willen von Kaiser
HEINRICH III. die
Nachfolge des verstorbenen Papstes
Damasus II. antreten [252 Leonis
IX vita, lib. II, cap. 2, Seite 149f.; Ekkehardi
chronicon Wirziburgense, ed. G. WAITZ, MGH SS VI, Seite 31; Frutolfi
chronica, in: Frutolfs und Ekkehards Chroniken und die Anonyme
Kaiserchronik, hrsg. v. F.-J. SCHMALE und I. SCHMALE-OTT, Darmstadt
1972, ad 1048, Seite 64; Chronica Sigeberti Gemblacensis, MGH SS VI,
ed.
L. C. BETHMANN, ad 1048, Seite 359; Annalista
Saxo, ed. G. WAITZ, MGH SS VI, ad 1048, Seite 687; vgl. E. STEINDORFF,
Jahrbücher des Deutschen Reichs unter Heinrich III., 2. Band,
Darmstadt 1963 (= Ndr. d. Ausg. Leipzig 1881), Seite 54-60.],
was er nach erfolgter
Zustimmung von Klerus und Volk von Rom am 12. Februar des Jahres 1049
auch tat [253
Leonis IX vita, lib. Il, cap. 2, Seite 151: Itaque, divina favente gratia, cunctis
applaudentibus consecratur ac dominica quadragesimalis initii, pridie
idus februarii Apostolicae cathedrae inthronizatur; siehe auch
Annalen Marbacenses, ad 1049, Seite 28:
Anno Domini MXLVIIII. Bruno Leucorum,
id est Tullensis, episcopus ab imperatore electus
Romam mittitur et Leo papa
nonus vocatur.].
Leo IX. verstarb
schließlich in Rom nach einer unermtüdlichen
Reisetätigkeit in seinem nur fünf Jahre währenden
Pontifikat, kurz nach seiner Freilassung aus normannischer
Gefangenschaft [254
Zur Politik Leos IX. siehe
unten, Seite 206-213.], am 19. April 1054 im Alter von fast 52
Jahren [255 Annalen
Beneventani, ed. I. M. WATTERICH, Pontificum Romanorum ... vitae, Tom.
1, Seite 112; Libuini, Ecclesiae Romani subdiaconi, De obitu sancti
Leonis PP. IX, ed. ebda., prologus, cap. I, Seite 170; Leonis IX vita,
lib. II, cap. 14, Seite 170; vgl. auch Annalen
Marbacenses, ad 1054, Seite 28.].