Legl Frank: Seite 31-33
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"Studien zur Geschichte der Grafen
von
Dagsburg-Egisheim."
Seitenverwandte der Eberhardiner
Die bedeutendsten Seitenverwandten der
EBERHARDINER sind die ebenfalls
von Hugo von Tours abstammenden
sogenannten LIUTFRIDE. So
können wir
gegen Mitte des neunten Jahrhunderts einen in Italien wirkenden
Liutfrid ausmachen, der ein Sohn Hugos von Tours gewesen sein
muß [153
Urkunde Lothars
II. vom 19. März 866, D Lo II 28, Seite 430f., in der der
König dem Kloster Münster-Granfelden Besitzungen
bestätigt, die dem
Kloster von Hugo geschenkt
worden waren, dem Sohn des Grafen
Liutfrid,
den der König als seinen Oheim
bezeichnet: Hugo comes quondam
illustri avunculi nostri Liulfridi
filius. Liutfrid
war folglich ein
Bruder von Lothars II. Mutter, Ermengard,
einer Tochter Hugos von Tours
(zur Abstammung Ermengards
siehe oben, Anm. 35); vgl. E.
HLAWITSCHKA, Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien
(774-962). Zum Verständnis der fränkischen
Königsherrschaft in Italien.
Freiburg i. Br. 1960, Seite 221ff. Hier sind auch die Belege für
das
Wirken Liutfrids in Italien
zusammengestellt; zu den LIUTFREDEN
vgl.
WILSDORF, Les Etichonides, Seite 1-33.].
Von diesem Liutfrid sind uns zwei Söhne bekannt, Liutfrid II., der wie
sein Vater in Italien tätig war [154
HLAWITSCHKA, Franken, Seite 223-226.], und Hugo, der die Abtei
Münster-Granfelden in seiner Hand hatte [155
BÖHMER-MÜHLBACHER, 2 Aufl., Nr. 1210, BRUCKNER, Regesta
Alsatiae,
Nr. 572, Seite 352 und Nr. 581, Seite 356; vgl. HLAWITSCHKA, Franken,
Seite 223.]. Nachdem Tod Hugos folgte
ihm Liutfrid II. in dessen
Besitzungen nördlich der Alpen nach [156 Siehe
BRUCKNER, Regesta Alsatiae, Nr. 662, Seite 398f.].
Als
Nachkommen Liutfrids II.
kennen wir drei Söhne, Hunfrid, Liutfrid und
Hugo [157
Liutfrid II., sein Bruder Hugo und Liutfrids Söhne, Hunfrid, Liutfrid
und Hugo, werden in
einer gefälschten Urkunde vom 21. Februar 902
genannt. Siehe BRUCKNER, Regesta Alsatiae, Nr 162, Seite 398f.].
Auch im Liber memorialis von Remiremont finden wir Mitglieder
des Liutfridischen Familienverbandes
eingetragen [158
Liber memoriahs von Reiniremont, fol. 6r, Eintrag Nr. 2; siehe dazu
genauer den 1. Exkurs 'Die Familieneinträge der Eberhardiner im
Liber
memorialis von Remiremont'.].
Es ist hier auch noch kurz auf Personen der Reichsgeschichte im 10.
Jahrhundert einzugehen, die mutmaßlich mit der Familie der EBERHARDE
verwandt gewesen sind, so der Straßburger
Bischof Richwin und der von
seinen Widersachern geblendete Bischof
Benno von Metz.
Richwin hatte 913 nach dem Tod
des lediglich eineinhalb Monate amtierenden Bischofs Gozwin [159 RegBfeStr.
I, Nr. 119f., Seite 242f.] den Straßburger
Bischofsstuhl usurpiert [160
RegBfeStr. 1, Nr. 121, Seite 243.] und war
schließlich nach einigem Hin und Her im Jahre 918 allgemein
anerkannt worden [161RegBfeStr.
1, Nr. 122f., Seite 243.]. Am 30. August des
Jahres 933 ist Bischof Richwin
verstorben [162 RegBfeStr.
1, Nr. 132, Seite 245.]. Richwin entstammte
höchstwahrscheinlich einer adeligen Familie aus Lothringen [163 RegBfeStr.
1, Nr. 121, Seite 243.]. Die These, Richwin sei ein naher Verwandter der EBERHARDE gewesen,
hat, soweit ich sehe, zuerst Hagen Keller formuliert [164 KELLER,
Einsiedeln, Seite 15.]. Er stützt sich dabei
auf einen Eintrag im Liber memorialis von Remiremont, den man als einen
Familieneintrag der EBERHARDE
erkennen kann, und in dem mehrmals der
Name Riqwin
wiederkehrt [165
Zu dem Eintrag im Liber memonalis von Remiremont (fol. 6v) siehe unten
den 1. Exkurs.]. Das wiederholte Vorkommen des Namens Richwin in diesem Eintrag
läßt Hagen Keller auf die Verwandtschaft von Bischof Richwin mit den Eberhardinern schließen. Die
Angabe, Richwin stamme aus
einer lothringischen Familie, widerspricht der These Kellers nicht, da
die Verwandtschaft der EBERHARDE
mit Sicherheit über den burgundischen und elsässischen Raum
hinausging und weitverzweigt war.
Der im Jahre 927 von König HEINRICH I. als Bischof
von Metz eingesetzte und im Folgejahr von seinen Gegnern geblendete Bischof Benno [166 Zur
Einsetzung Bennos siehe die
Vita Johannis abbatis
Gorziensis auctore Johanne abbate S. Arnulfi, MGH SS IV, cd. G. H.
PERTZ, Seite 348; zur Blendung Bennos
Continuatio Reginonis, Seite 158,
fälschlich zu 927.] soll laut den
Aufzeichnungen Gilg Tschudis ebenfalls ein Verwandter Eberhards des Eremiten
gewesen sein [167
Liber Heremi, hrsg. v. P. G. MOREL, in: Der
Geschichtsfreund. Mittheilungen des historischen Vereins der fünf
Orte
Lucern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, 1. Band, Einsiedeln
1843/1844,
Seite 101, ad 934: ... Eberhardus Canonicus et Decanus Argentinensts
ecclesiae, uir illustris, et Bennoni
heremitae ac patri nostro
cognatus.]. Die zeitgenössischen
Quellen sagen über seine Herkunft wenig aus. Laut der Vita
Johannis Gorziensis sei Benno genere Suevus [168 Vita
Johannis abbatis Gorziensis, MGH SS IV, Seite 348.]
gewesen. Die Continuatio Reginonis nennt ihn ex ordinariis Strazburgensibus [169
Continuatio Reginonis, ad 925, Seite 158.].
Benno, der von 908 an bis 927
als Eremit und von 929 bis zu seinem Tod im Jahr 940 in der Zelle
Meinrads gelebt hat, spielt sicher bei der Stiftung und Gründung
von Kloster Einsiedeln eine Rolle, wie Hagen Keller herausgearbeitet
hat [170
KELLER, Einsiedeln, Seite 18-21.]. Keller ist der
Auffassung, daß die Verwandtschaft
Bennos mit Eberhard dem Eremiten hierbei
maßgebend gewesen ist [171 Ebda.,
Seite 25f.]. Er meint, Benno habe nach seiner erzwungenen
Rückkehr zur Zelle Meinrads den Ausbau der Zelle zu einem Kloster
betreiben wollen, sei aber durch seine Erblindung an der
Ausführung dieses Vorhabens gehindert
worden. Den Ausbau habe schließlich der mit ihm
verwandte, aus Straßburg kommende Eberhard in die Hände
genommen [172
Ebda., Seite 26f.].