Legl Frank: Seite 38-39
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"Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim."
 

                                        Die Kinder des Hugo raucus

Von Hugo raucus sind uns aus einer Dorsualnotiz einer Bulle Leos IX. für die Familienstiftung Altdorf vier Söhne bekannt: Eberhard IV., Hugo IV., Gerhard und Matfried, die zugunsten der Altdorfer Abtei eine Schenkung tätigten [197
Notitiae Altorfenses, MGH SS XV,2, Seite 994: ... sive predia essent comitis Eberhardi sive comitis Hugonis vel istortun fratrum Gerhardi et Maffridi.].
Diese Zuordnung der vier Brüder ist nicht ganz unumstritten. Heinrich Witte möchte die genannten vier Personen in die Generation Leos IX. einordnen, nämlich als Söhne Eberhards IV., des Bruders von Hugo IV. [198
WITTE, Genealogische Untersuchungen, 1. Teil, Seite 64. Eberhard IV. ist nach Wittes Zählung Eberhard V.] Ebenso will Emil Kimpen sie als dieser Generation angehörig betrachten [199 KIMPEN, Rheinische Anfänge, Seite 15.]. Eduard Hlawitschka ordnet aber Matfried und seine Brüder eine Generation früher an, sieht sie also als Söhne des Hugo raucus [200 HLAWITSCHKA, Anfänge, Seite 113 und Faltblatt nach Seite 138.].
Der ganze in der Dorsualnotiz geschilderte Vorgang weist eher ins frühe 11. Jahrhundert in die Amtszeit von Bischof Werner I. von Straßburg als in die Werners II. von Straßburg [201
So übereinstimmend bei WITTE, Genealogische Untersuchungen, 1. Teil, Seite 64; KIMPEN, Rheinische Anfänge, Seite 14; HLAWITSCHKA, Anfänge, Seite 114; siehe dazu RegBfeStr. I, Nr. 245, Seite 268.]. Wittes und auch Kimpens Ansatz krankt daran, daß beide Forscher in der Notiz zwei verschiedene Eberharde, zum einen den verstorbenen Gemahl der Berta und zum anderen den Bruder Gerhards, Matfrieds und Hugos erblicken wollen [202 WITTE, Genealogische Untersuchungen, 1. Teil, Seite 64f. und KIMPEN, Rheinische Anfänge, Tafel 1 nach Seite 44.], was aber als falsche Interpretation der entsprechenden Stelle in der Dorsualnotiz erwiesen werden konnte [203 HLAWITSCHKA, Anfänge, Seite 115 mit Anm. 140.]. Für die Einordnung der vier Brüder in die Generation der Söhne des Hugo raucus ist wichtig, daß in der Dorsualuotiz ein Mefridus patruus prefatorum dominorum erwähnt wird, der der Kirche St. Stephan in Metz Güter tradiert hatte [204 Notitiae Altorfenses, MGH SS XV,2, Seite 994. Hier ist davon die Rede, daß Altdorf den vierten Teil der Zehnten der Güter erhielt, die Matfried an St. Stephan übertragen hatte: .. cui parti appendet pars quarta decimarum ex prediis, que tradidit Mefridus, patruus prefatorum dominorum, ad altare sancti Steppani in urbe Metensi.]. Diese Beziehung Matfrieds zu Metz und sein Name geben uns einen Hinweis auf seine Identität, denn der erste Gemahl der Liutgart, die in zweiter Ehe den Vater des Hugo raucus geheiratet hatte, hieß Albert [205 Siehe oben Seite 26 mit Anm. 128.]. Dieser Albert wurde von der Forschung mit Graf Adalbert von Metz gleichgesetzt, der im Jahre 944 den Tod fand [206 Continuatio Reginonis, ad 944, Seite 163: Adalbertus comes filius Mathfridi ab Udone occiditur; vgl. H. RENN, Das erste Luxemburger Grafenhaus (963-1136), Bonn 1941, Seite 51f.; HLAWITSCHKA, Anfänge, Seite 71f. und 115.]. Graf Adalberts Vater war Graf Matfried von Metz [207 Siehe Zitat in Anm. 205, zu Matfried als Graf von Metz siehe WAMPACH, Urkunden- und Quellenbuch, 1. Band, Nr. 150, Seite 178-181; vgl. HLAWITSCHKA, Anfänge, Seite 71f. und Seite 115.]. Hier hat man die Verbindung zu dem Mefridus patruus prefatorum dominorum erblickt [208 E. HLAWITSCHKA, Anfänge, Seite 115.]. Er könnte ein Sohn aus der ersten Ehe Liutgards mit Albert (= Adalbert von Metz) gewesen sein, wäre folglich ein Halb-Bruder des Hugo raucus, und seine Bezeichnung als patruus Eberhards, Hugos, Gerhards und Matfrieds wäre gerechtfertigt, wenn man diese als Söhne des Hugo raucus betrachtete. Zugegeben, diese These ist etwas gewagt, jedoch ist die Einordnung der vier Brüder in die Generation der Söhne des Hugo raucus plausibler als die Einreihung in die Generation der Söhne Hugos IV., zumal auch die Verbindung des Mefridus patruus zu Metz schlüssiger zu begründen ist, wenn er als ein Sohn Adalberts von Metz, also als Halb-Bruder von Hugo raucus, betrachtet werden kann und nicht erst eine Generation später eingeordnet wird [209 An dieser Stelle soll jedoch darauf aufmerksam gemacht werden, daß man inzwischen zu Leos IX. Brüdern Hugo und Gerhard noch einen weiteren Bruder namens Eberhard gesellen kann, der uns durch einen Eintrag in einem Konstanzer Nekrolog, auf den Helmut Maurer aufmerksam macht, als Papst-Bruder ausgewiesen ist (siehe dazu unten, Seite 50). Es wäre hier also in der Generation, der Leo IX. angehört, lediglich noch eine Person, nämlich ein Matfried, zu ergänzen, während wir in der Generation Hugos IV., zwei Perscmcn, einen Matfried und einen Gerhard, ergänzen müssen.].
Für Gerhard I. und Mattried I. gibt es außer der Erwähnung in der Altdorfer Dorsualnotiz keine weiteren Quellenzeugnisse, so daß im folgenden lediglich ihre beiden gut bezeugten Brüder Eberhard IV. und Hugo IV. ausführlicher behandelt werden.