Legl Frank: Seite 250-256
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"Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim."


                                          Die Erwerbung der Grafschaft Metz

Ein wichtiges Ereignis, das das gute Verhältnis des neuen Königs zu dem DAGSBURGER Grafen in den Anfangsjahren FRIEDRICHS I. kennzeichnet, ist die Verleihung der Grafschaft Metz durch den STAUFER, die für Hugo VIII. einen außerordentlichen Machtzuwachs und beträchtlichen territorialpolitischen Gewinn bedeutete.
Die Metzer Grafschaft hatten in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts die mit den DAGSBURGERN verwandten Grafen von (Bischofs)homburg inne [563
Siehe dazu CHATELAIN, Le comte de Metz, 2. Teil, Seite 298-307, mit allerdings nicht immer richtigen Angaben, speziell bei der Darstellung des Übergangs der Metzer Grafschaft von den Grafen von (Bischofs)homburg zu den Grafen von Dagsburg (ebda., Seite 307), vgl. auch M. PARISSE, Presence et interventions de Frederic Barberousse en Lorraine, in: Friedrich Barbarossa. Handlungsspielräume und Wirkungsweisen des staufischen Kaisers, hrsg. von A. HAVERKAMP (= VuF 40), Sigmaringen 1992, Seite 204.]. Die Verwandtschaft kam über die Schwester Hugos VII. von Dagsburg, Mathilde, zustande, die mit dem Grafen von Metz, Folmar von (Bischofs)homburg, verehelicht war [564 Siehe oben, Seite 88ff.]. Folmar von (Bischofs)homburg verstarb zwischen 1140 und 1147 [565 Folmar von (Bischofs)homburg wird zuletzt sicher in einer in der zweiten Hallte des Jahres 1140 ausgestellten Urkunde Stephans von Metz genannt, abgedruckt in M. PARISSE, Actes des princes Lorraines, 2eme Serie: Princes Ecclesiastiques, I. Les eveyues de Metz, B - Etienne de Bar 1120-1162 (preedition), Nancy o. J., Nr. 53, Seite 122ff. Die späteren Nennungen Folmars in den Urkunden Stephans von Metz, so im Jahre 1146 (ebda., Nr. 66, Seite 145-151) und im Jahre 1147 (ebda., Nr. 67, Seite 152 -155), lassen nicht klar erkennen, ob Folmar in diesen Jahren noch am Leben war. Zu der Urkunde von 1146 siehe unten, Anm. 566. Die Echtheit der Urkunde von 1147 ist nicht sicher (ebda., Nr. 67, Seite 152, Vorbemerkung). Zu der Erwähnung Folmars in der zwischen 1158 und 1162 ausgestellten Urkunde des Bischofs für Beaupre siehe unten, Anm. 566; vgl. auch PARISSE, Presence, Seite 204f.], und es folgte ihm in der Metzer Grafschaft sein ältester Sohn, Hugo von (Bischofs)homburg, nach [566 Hugo von (Bischofs)homburg läßt sich zwischen 1146 und 1150 als Inhaber der Grafschaft Metz in Urkunden von Bischof Stephan von Metz nachweisen.
1146: In einer Urkunde Bischof Stephans von Metz für Abt Heinrich von Villers-Bettnach, abgedruckt in PARISSE, Actes, 2cme Serie: I, B, Etienne de Bar, Nr. 66, Seite 145-151, werden sowohl Folmar von (Bischofs)homburg als Vogt der Metzer Kirche (ebda, Seite 146) als auch dessen Söhne Hugo, der hier schon als Graf bezeichnet wird, und Albert genannt (ebda, Seite 148). Letztere fungieren als Zeugen. Ob Folmar zu diesem Zeitpunkt noch am Leben war, laßt sich der Urkunde nicht entnehmen, da die Urkunde zu den einzelnen Schenkungen die jeweils beteiligten Personen und Zeugen anführt, die zum Zeitpunkt der Ausstellung der Bestätigungsurkunde durchaus schon verstorben sein können. 1149: Hugo ist Zeuge in einer Urkunde Stephans von Metz für Villers-Betmach, abgedruckt, ebda, Nr. 70, Seite 159f. -
vor 1150: Hugo ist Intervenient in einer Urkunde Stephans von Metz, in der dieser eine Schenkung eines Guidricus von Moyenvic an die Abtei La Crete bestätigt, abgedruckt, ebda., Nr. 73, Seite 164f. - Hugo wird noch in einer undatierten - wohl zwischen 1158 und 1162 ausgestellten - Urkunde Stephans von Metz, abgedruckt, ebda, Nr 115, Seite 251ff., genannt, die über die einstige Stiftung von Beaupre beachtet, die von Folmar von Metz und seiner Familie vorgenommen wurde. Auch in einer undatierten Urkunde des Herzogs Matthäus I. von Ober-Lothringen, zwischen 1147 und 1151 ausgestellt, wird Hugo von (Bischofs)homburg als Graf von Metzz bezeichnet. Urkunde, abgedruckt bei HLAWITSCHKA, Studien, Nr. VI, Seite 146ff , zur Datierung sieht ebda., Seite 146 mit Anm. 37.
]. Dieser verstarb jedoch schon früh, wahrscheinlich noch um Jahr 1152 [567 Hugo von (Bischofs)homburg wird letztmalig in einer Urkunde von Bischof Stephan von Metz, die vor 1150 ausgestellt ist, als lebend erwähnt (siehe Anm. 566). Vom Tod Hugos von (Bischofs)homburg unterrichten uns die Gesta episcoporum Mettensium, MGH SS X, Seite 544, allerdings ohne Jahresangabe. Hier wird berichtet, daß die Burg Romburg, ein bischöfliches Lehen, nach dem Tod des Grafen Hugo von Herzog Matthäus von Ober-Lothringen usurpiert wurde, jedoch mit Hilfe FRIEDRICH BARBAROSSAS wieder in die Hände des Metzer Bischofs gelangt ist: ... et castrum Hoemburc iure ab ipso feodali descendens, post decessum comitis Hugonis a duce Lothoringiae occupatum, domini Friderici imperatoris auxilio sibi et posteris suis adquisivit, libere omni aevo tenendum. Diese Nachricht wird von Ferdinand Opll aus plausiblen Gründen auf Ende 1152/Anfang 1153 datiert (BÖHMER-OPPL Nr. 154, Seite 43). Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß sich für den Todeszeitpunkt Hugos von (Bischofs)homburg als Terminus post quem 1149/1150 und als Terminus ante quem das Jahresende 1152 feststellen läßt, wobei der Todeszeitpunkt Hugos eher an 1152 heranzurücken wäre, da wohl erst 1153 über eilte Neubesetzung des Metzer Grafenamtes entschieden wurde (siehe die weiteren Ausführungen im Haupttext) und eine mehrjährige Vakanz dieses Grafenamtes eher unwahrscheinlich scheint.]. Es erhielt nun aber nicht sein Bruder Folmar die Metzer Grafschaft verliehen, sondern überraschenderweise dessen Vetter, Hugo VIII. von Dagsburg [568 Siehe PARISSE, Presence, Seite 204.] wie aus den im folgenden angeführten Quellen deutlich wird. Die Verleihung der Grafschaft war eigentlich Sache des Bischofs [569 Siehe ebda.], der neue König scheint diesem jedoch die Initiative aus der Hand genommen zu haben [570 Siehe ebda. FRIEDRICH BARBAROSSA konnte nach Meinung von Michel Parisre (ebda., Seite 208) dadurch, daß er dem Metzer Bischof Stephan soeben geholfen hatte, die nach dem Tod Hugos von (Bischofs)homburg von Herzog Matthäus von Ober-Lothringen usurpierte Burg Homburg wiederzuerlangen (siehe Anm. 567), dem Bischof die Initiative bei der Besetzung der Grafschaft aus der Hand nehmen], und wahrscheinlich auf seine Intervention hin hat Hugo VIII. von Dagsburg die Grafschaft Metz mit der Vogtei über Stadt und Bistun mit weiteren Vogteien, formell wohl vom Bischof, übertragen bekommen [571 PARISSE, Albert, Comte de Dabo, Seite 163. Es ist nicht so, wie PARISSE, Presence, Seite 208, meint, daß durch die vom König vorgenommene Übertragung der Grafschaft der DAGSBURGER Graf Vasall des Königs geworden ist. Es läßt sich indes eindeutig feststellen, daß der Bischof bei Veräußerungen oder Übertragungen aus dem Grafschaftsbesitz durch den DAGSBURGER Grafen zustimmen mußte, so zum Beispiel als Albert II. an das Stift St. Theobald das Patronatsrecht der Kirche Heiligkreuz und der Kapelle St. Ferrucius zu Metz, die er als Lehen des Bischofs von Metz bezeichnete, übertrug (siehe im Anhang, Urkunde Nr. 7). Es sei noch erwähnt, daß König PHILIPP VON SCHWABEN diese Übertragung dem Stift St. Theobald am 7. April 1200 bestätigte (Druck der Urkunde bei BÖHMER, Acta, Nr. 214, Seite 195f.). Von der Einholung einer Zustimmung des Königs durch Albert II. ist jedoch nicht die Rede. König und Bischof standen wohl in Konkurrenz was die Grafschaft Metz betraf, jedoch konnte der Bischof durchaus seine Rechte als Lehensherr gegenüber dem Metzer Grafen bewahren.]. FRIEDRICH I. besuchte Anfang des Jahres 1153 das Elsaß und Ober-Lothringen [572 Zu dieser Reise FRIEDRICHS I. siehe F. OPLL, Das Itinerar Kaiser Friedrich Barbarossas (1152-1190), Wien-Köln-Graz 1978, Seite 10f. und 167; vgl. auch PARISSE, Presence, Seite 204.]. - Es ist durchaus wahrscheinlich, daß während dieses Aufenthalts des Königs in Ober-Lothringen die Nachfolge in der Metzer Grafschaft verhandelt wurde, denn am 10. Januar trafen FRIEDRICH I. und Hugo VIII. von Dagsburg in Metz zusammen. Wir erfahren dies aus einer Urkunde, die FRIEDRICH I. dort an diesem Tag zugunsten von Wibald von Stablo ausstellte, mittels dieser er Wibald den Teil der Vogtei des Klosters Stablo schenkte, den früher Graf Heinrich von Laroche innehatte [573 DF I 144, Seite 74f.]. Als letzter der Zeugenreihe wird Gral Hugo von Dagsburg genannt [574 Ebda.].
Wann geschah die Übertragung der Grafschaft Metz an Hugo VIII. von Dagsburg? Zum ersten Mal wird Hugo VIII. in einer kurz nach dem 23. Juni 1154 in Maastricht ausgestellten Urkunde FRIEDICHS I. als Graf von Metz betitelt [575
Druck: DF I 83, Seite 138f.: ... Hugone Metensi et Musacensi comite (Zitat, ebda., Seite 138).]. Wir können somit eine Eingrenzung vornehmen. Die Belehnung muß also nach dem 10. Januar 1153 und vor dem 23. Juni 1154 erfolgt sein. In der Folgezeit ist Hugo VIII., darin immer wieder in den Urkunden der einzelnen Bischöfe von Metz, nachweisbar [576
1163, vor dem 8. Juli: Zeuge in einer Urkunde von Bischof Theoderich III. von Metz für das Kloster Maursmünster, Drucke bei P. WENTZCKE, Zur Geschichte Bischof  Theoderichs III. von Metz, in: JGLGA 20, Metz 1908, Seite 454, und bei PARISSE, Actes, 2eme serie, I, C, Thierri III, Ferri, Thierri IV, Nr. 2, Seite 10f. -
1165: Nennung in der Zeugenreihe einer Urkunde von Bischof Theoderich III. von Metz für das Kloster Lubeln. Abschritt des 14 Jhdts. im Chartular des Klosters Lubeln, Paris, BN, MS latin 10030, fol. 33r° - 33v°. Abschrift des 18. Jhdts. in Metz, AD Mos., H 1028, Seite 115-117. Die Edition der Urkunde in: PARISSE, Actes, 2eme seric, I, C, Thierri III, Ferri, Thierri IV, Nr. 7, Seite 19f., ist fehlerhaft. So wurden in der Zeugenreihe die Namen der Grafen Hugo von Dagsburg und Simon von Saarbrücken vergessen, dafür hat Graf Reynald von Monsuns zwei Grafentitel bekommen. Die Zeugenreihe wird vollständig wiedergegeben bei HERMANN, Saarwerden, 1. Band, Nr. 50, Seite 75 f., jedoch mit unrichtiger Folioangabe,
die sich auch in der späteren Edition bei Parisse findet. -
1168 Hugo VIII. von Dagsburg stimmt in seiner Eigenschaft als Vogt des Metzer Bischofs einem Tausch von Gütern zwischen der Straßburger Kirche und dem Kloster Maursmünster zu, den der Straßburger Bischof Rudolf beurkundet. Drucke bei SCHÖPFLIN, Alsatia diplomatica I, Nr. 311, Seite 257f., und bei WÜRDTWEIN, 10. Band, Nr. 11, Seite 29ff., Regest der Urkunde bei RegBfeStr. I, Nr. 586, Seite 343f. Kurzregest bei PARISSE, Actes, 2eme serie, I, C, Thierri III, Ferri, Therri IV, Nr. 20, Seite 45, der allerdings als Ausstellungsdatum 1170 angibt. -
1170: Nennung in der Zeugenreihe einer Urkunde von Bischof Theoderich III. von Metz für das Kloster Lubeln. Chartular des Klosters Lubeln, Paris, BN, MS latin 10030, fol. 31v° - 32x°. Edition in: PARISSE, Actes, 2eme serie, I, C, Thierri III, Ferri, Thierri IV, Nr. 19, Seite 43f., dem die Eintragung in dem Pariser Chartular entgangen ist und der die Urkunde nach der Metzer Abschrift abdruckt.
]. Rechte und Einkünfte, die den DAGSBURGER Grafen zustanden, sind größtenteils in den entweder gegen Ende des 12. oder im ersten Viertel des 13. Jahrhunderts in altfranzösischer Sprache abgefaßten droits der Stadt Metz niedergelegt [577 Die droits de Metz sind in mehreren späteren Abschriften überliefert. Abdruck der droits nach einem Vidimus von 1486 bei FRANCOIS und TABOUILLOT, Histoire de Metz VI, Seite 306-314, neuere Edition bei H. KLIPFEL, Metz, cite episcopale et imperiale (Xe au XVIe siecle). - Un episode de I'histoire du regime municipal dans les villes romanes de I'empire germanique, in: Memoires couronnes. Autres memoires, 19. Band, Bruxelles 1867, Seite 381-387; Ch. ABEL, Recherchen historiques sur les plus anciennes chartes de Metz, in: Memoires de I'academie imperiale de Metz 41. Jg. 1859-1860 (= 2. Serie, 8. Jahrgang), Metz 1860, Seite 325-340, druckt eine weitere Fassung (14. Jhdt) ab: zur Überlieferung siehe KLIPFEL, Metz, Seite 381; zur Datierung vgl. VOIGT, Bertram von Metz, 2. Teil, Seite 4f., Anm. 4, H. V. SAUERLAND, Die Immunität von Metz von ihren Anfängen bis zum Ende des elften Jahrhunderts, Metz 1877, Seite 56, Anm. 2, und J. SCHNEIDER, Metz, Seite 93f. mit Anm. 68; zu dem Inhalt der droits siehe auch E. MÜSEBECK, Zoll und Markt in Metz in der ersten hälfte des Mittelalters, in: JGLGA 15, Metz 1903, Seite 3 und 8-13.]. Er hatte als Vogt den Bürgern von Metz, die seinem Gerichtshof unterstanden, überall Beistand und Schutz, zu gewähren [578 KLIPFEL, Metz Seite 387: Messire li cuens de Daubure si est voues de tour les frans homnes dou Pallais ou qu'ils soient et ces doit warder et waraniter a son povoir.], er halte einen dreimal im Jahr stattfindenden Gerichtstag abzuhalten, führte den Vorsitz des Kriminalgerichtes und übte die oberste Polizeigewalt innerhalb der Stadt Metz und ihrer Bannmeile aus [579 Siehe das Zitat in Anm. 578 und in Anm. 584. Zu dem dreimaligen Abhalten eines Placitiums innerhalb eines Jahres siehe die entsprechende Bestimmung in einem Capitulare missorum LUDWIGS DES FROMMEN aus dem Jahre 819: De placitis siquidem quos liberi homines observare debent constitutio genitoris nostri penitus observanda atque tenenda est, ut videlicet in anno tria solummodo generalia placita observent (MGH Cartularia regum Francorum I, ed. A. BORETIUS, Hannover 1883, Nr. 141, Seite 290.]. Ohne Zustimmung des Grafen konnte der Bischof keinen Angeklagten freisprechen [580 KLIPFEL, Metz, Seite 387: Messire li evesque ne aultre pour lui n'ait povoir d'acquitter la partie monsignour le comte de Daubore, se par lui n'est.]. Auch mußte er das Eichmaß überwachen [581 Ebda, Seite 387: Messire li cuens de Daubure ait son sestier en ceste ville a cui on redresse les mesure dou vin de la ville et s'en reffait on, chacan,les muyes de Mets et des villes entour, et de chacum muz c'on y reffait doit avoir messire li cuens IIII d.], bei falsch abgemessenem Wein standen dem Bischof zwei Drittel, dem Grafen ein Drittel des als Strafe vom Delinquenten abzuliefernden Weines zu [582 Ebda, Seite 387: Quiquioneque est reprins de faulce mesure s'oster et desraignier ne s'en puelt li maire et li eschevins dorent la aller, si doient sommer la tonne, s'en portet on les dou pars on cellier monsignour l'evesque ei li tiers on celier monsignour le conte de Daubore.]. Ähnliche Bestimmungen gab es bei einem Vergehen gegen das Weinverkaufsrecht [583 Ebda., Seite 384: Messire l'evesque sy a teil droit en ceste ville que cil a son vin en son celier, de son crut, en demoinne ne d'aultres vin meiner, et lui le plait vendre, il y ait III ban en l'an, chacun de xv jours: son ban ne peut-il panre a Paisque ne a Penthecoste, ne a Noel ne a nulle feste anal. Des le jour que ly bans monsignour l'evesque est cries, ne doit nulz vendre vin en ceste ville, n'a sestier, ne a deimei stier, n'a dendree, n'a maillie, mais il vant bien a meu et a demei-meu;et c'il en estoit reprins qu'il vendist a aultres mesure, s'oster et desraignier ne s'en povoit, il perderait le vin et la tonne, et cil perderoit le vin en la ch ...ant; se doient aller ly maires et eschevins sommer la tonne; se doit-on pourter les deux pars en cellier monsignour l'evesque et le tier on cellier le conte Daubore, et tuos li aultres vins et tous ces aultres biens doient avoir bonne paix.]. Außerdem mußte er die Weideplätze und Wege überwachen und dafür Sorge tragen, daß letztere in Ordnung gehalten wurden, und war angehalten, einer widerrechtlichen Aneignung durch Unbefugte entgegenzutreten [584 Ebda., Seite 387: Messire li conte de Daubore si doit wieir les pasteures et les chemins, et si doit pourter une verge de xxiiii piedz aval les rues de Mets; c'il treuvent qu'ilz soient entrepris, et c'on fait y nulle malte raxon, cilsor cui on truevet le forfait, li doit amender.]. Niemand durfte außerdem ohne Erlaubnis des Bischofs und des Grafen ein befestigtes Haus in der Stadt errichten [585 Ebda., Seite 387: Nulz ne doit en Mets avoir fort maison deffandaule se par monsignour l'evesque n'est, et par monsignour le conte de Daubore.]. Als Einnahme stand dem DAGSBURGER Grafen von allen in der Stadt zu zahlenden Bußen ein Drittel des jeweiligen Bußgeldes zu [586 Ebda., Seite 387: De trestous les forfaiz et de trestouttes les justices et de trestouttes les amendes c'on fait en ceste ville doient les ii part estre monsignor l'evesque, et li tiers monsignour le conte de Dauborg.]. Dazu kamen zu entrichtende Abgaben zum Beispiel bei Kampfentscheidungen [587 Ebda., Seite 385: et c'il se combatoient que ly ung en fuit chancheu et il eust dit le mot, cil qui chancheu est, pert ung membre, se messire li evesque et ly cuens Daubore veullent; et cil pour cui il c'est combatus pert la querelle, et si rait sonor parmi xxxii s. et demei et londemain se repuelt combattre et se juget on pour lui et c'il ne nommet les vii s. autor de la bataille, il ne puelt faire paix c'il ne paient ix liv. et maille a la justice: des vii s. et demei si ait messire l'evesque xl d., et messire li cuens de Daubore xx d., et ly vowey x d., et li maistre eschevin x d., et li maiours x d.: des xxxii s et demei sy ait messire 1'evesyue xx s. et messire li cuens de Daubore x s. et ly vowev x d. li maistre eschevin x d., li iii maiours x d.: des ix liv. si ait messire l'evesque vi liv, et messire li cuens Daubore lx s. et li maille vait pour la bource achetter.], zudem hatte der Graf, wenn er in der Stadt war, das Recht der Beherbergung in Neufbourg [588 Ebda, Seite 387: Ly Nuef-Bourg doit habergier monsignour le conte de Daboure, lui et sa gent, en ceste ville, et se li doient songnier la litiere avec ces chevaulx, et litz et draps comne il les ont, et pos et chauldiere avec sa coisine: ceu doit faire celle partie dou Nuef-Bourg qui est devers Sainct-Martin. Der Metzer Stadtteil Neufbourg liegt ins Südosten der Stadt nahe der Kirche St. Martin.]. Darüber hinaus standen dem DAGSBURGER Grafen mit Sicherheit noch weitere Rechte in Metz zu, von denen wir jedoch kaum Kenntnis haben. Wir erfahren lediglich aus einer wohl 1163 ausgestellten Urkunde Hugos VIII. von Rechten, die er und Bischof Stephan von Metz an einer Wollwaage hatten und die beide jedoch an das Kollegiatstift St. Theodald abtraten [589 Original der Urkunde eingeklebt in das Cartulaire de I'eglise collegiale Saint-Thiebaut, in Metz, AD Mos. 2 G 65, Nr. 3, Abschrift ebenfalls in dem Cartulaire, fol. 4 r° und v°, Druck bei FRANCOIS und TABOUILLOT, Histoire generale de Metz III, Seite 125f.; Edition der Abschrift bei M. FOURNIER, Cartulaire de I'eglise collegiale Saint-Thiebaut de Metz, masch. Manuskript, Nancy 1958, Nr. 9, Seite 26f. Zur Datierung der Urkunde, die fälschlieh 1161 als Ausstellungsdatum hat, siehe unten Anm 671, zur Übertragung der Wollwaage siehe zudem die Urkunde von Bischof Stephan von Metz (PARISSE, Actes, 2eme Serie I, B, Etienne de Bar, Nr. 107, Seite 239ff.), die Bestätigungsurkunde des Erzbischofs Hillin von Trier (FOURNIER, Nr. 8, Seite 25f.) sowie die Bestätigungsurkunde FRIEDRICH BARBAROSSAS (DF I 349, Seite 187f.). Zum Vorgang siehe MÜSEBECK, Zoll, Seite 8f.].
Ein Problem bleibt noch zu untersuchen: Weswegen wurde Folmar, der Bruder Hugos von (Bischofs)homhurg, bei der Verleihung der Metzer Grafschaft übergangen, und warum wurde diese wichtige Grafschaft an seinen Vetter, den DAGSBURGER Grafen, verliehen? Eine eindeutige Antwort auf diese Frage läßt sich nicht gehen. Michel Parisse meint, daß die Übertragung der Grafschaft Metz an Hugo VIII. von Dagsburg von FRIEDRICH I. deshalb initiiert wurde, weil er den DAGSBURGER an die STAUFER binden und gleichzeitig das oberlothringische Bistum kontrollieren wollte [590
PARISSE, Albert, Comte de Dabo, Seite 163; vgl auch DERS., Presence, Seite 208.]. Es dürfte indes klar sein, daß der STAUFER durch die Übertragung der Grafschaft Metz den Dagsburger Grafen auf seine Seite ziehen wollte. Hält man sich allerdings vor Augen, daß FRIEDRICH I. dem an sich schon mächtigen Grafen durch die Übertragung der Metzer Grafschaft eine Schlüsselstellung in Ober-Lothringen verschafft hat, so muß man eine über die Feststellung von Michel Parisse hinausgehende Antwort auf die Frage suchen, weswegen FRIEDRICH I. gegenüber dem DAGSBURGER Grafen überhaupt einen Handlungsbedarf sah und diesen politisch an seine Person binden wollte. Einen Schlüssel zur Beantwortung der Frage finden wir in dem Umstand, daß Hugo VIII. mit Luitgart von Sulzbach verehelicht war. Bekanntlich hatte Friedrich der Rothenburger, der Neffe Luitgarts und Sohn des verstorbenen Königs, im Jahre 1152 nicht das Königtum erlangt, sondern, wie oben schon dargelegt, dessen Onkel, eben jener FRIEDRICH I. Da vermutlich Friedrich der Rothenburger, wie Gerd Althoff neuerdings herausgearbeitet hat [591 ALTHOFF, Friedrich von Rothenburg, Seite 307-316.], sich nicht so widerspruchslos in sein Schicksal, nicht König geworden zu sein, gefügt hat, sondern es im Reich durchaus Sympathien für den übergangenen Königs-Sohn gab, galt es für FRIEDRICH I., mögliche oppositionelle Kräfte gegen sein junges Königtum durch geschickte Politik und eventuelle Zugeständnisse auszuschalten und in sein politisches Lager zu ziehen, so auch den mächtigen Verwandten des ROTHENBURGERS, Graf Hugo VIII. von Dagsburg. Hiermit findet die Übertragung der Grafschaft Metz an Hugo VIII. eine durchaus plausible Erklärung.
Wie schon angesprochen, hatte Hugo VIII. durch die Grafschaft und die Hochvogtei über das Bistum Metz, in Ober-Lothringen eine politische Schlüsselposition erlangt, die ihn befähigte, neben dem oberlothringischen Herzog, dem Bischof von Metz, einen entscheidenden politischen Einfluß in diesem Herzogtum auszuüben. Hugo VIII. bildete fortan im Westen des Reiches einen bedeutenden Machtfaktor, der nicht zu unterschätzen war.