BREISGAU



Lexikon des Mittelalters:
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Breisgau
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Landschaft am Oberrhein (heut. Baden-Württemberg), die nach dem an der Grenze zum Elsaß gelegenen Vorort Breisach benannt ist (Brisachgowe). Als Teil des alemannischen Siedelraumes gehörte der Breisgau Mitte 4. Jh. zum Einflußbereich des alemannischen Klein-Königs Vadomar; Anfang des 5. Jh. werden Brisigavi als alemannische Hilfstruppe des römischen Heeres erwähnt. Seit dem fränkischen Sieg über die Alemannen lag der Breisgau an der West-Grenze des unter den MEROWINGERN eingerichteten alemannischen Dukats (zugleich West-Grenze der Konstanzer Diözese). Im Zuge der Reorganisation der Königsherrschaft durch die KAROLINGER werden Mitte 8. Jh. die ersten Grafen im Breisgau erwähnt; ihr Wirkungsbereich erstreckte sich im Westen und Süden bis zum Rhein und war im Noeden durch die Bleich gegen die Ortenau, im Südosten durch die Murg gegen den Albgau begrenzt. Infolge der Teilungen des karolingischen Reiches kam dem Breisgau unter den ostfränkischen Königen Ludwig der Deutsche und KARL III. gestiegene Bedeutung für das Königtum zu: KARL nahm zeitweise die Funktion des Grafen wahr; Sasbach und Kirchen dienten als königliche Regierungsstätten.
Im 10. Jh. geriet der Breisgau unter den Einfluß des neu gebildeten schwäbischen Herzogtums (Gründung des Klosters Waldkirch, Münzprägung in Breisach). Zur gleichen Zeit treten die ins FrühMA zurückreichenden engen Beziehungen zwischen Breisgau und Elsaß in der Besitzgeschichte von Kirchen und Adel (Graf Guntram) deutlich hervor. Vom 11. Jh. an bekleideten die ZÄHRINGER (ab 1064 in der Nebenlinie der Markgrafen von Baden, später von Hachberg und von Sausenberg) das inzwischen erblich gewordene Grafenamt. Es gelang ihnen, im Breisgau bedeutende Herrschaftskomplexe zu bilden: 1120 gründeten sie die Stadt Freiburg, die bis ins SpätMA in wirtschaftl. Blüte stand (Silberbergbau am Schauinsland) und Breisach als Vorort des Breisgau ablöste. 1170/80 wirkten sie mit der Gründung Neuenburgs dem territorialpolitischen Interesse der STAUFER entgegen, die den Breisgau als Brücke zwischen dem Elsaß und Inner-Schwaben benutzen wollten (1158 Erwerb Badenweilers durch FRIEDRICH BARBAROSSA).
Von dem breisgauischen Besitz der 1218 ausgestorbenen Herzöge von Zähringen fielen die Reichslehen (darunter Breisach) an die STAUFER, die Eigengüter an die Grafen von Urach (später von Freiburg). In nachstaufischen Zeit vermochten die HABSBURGER, die hier bereits früher Streubesitz und Vogteien innehatten, umfangreiche Herrschaftsrechte im Breisgau zu erwerben. Dabei war von besonderer Bedeutung, daß sich die Stadt Freiburg 1368 von den Grafen von Freiburg loskaufte und an Österreich tradierte. Denn mit der Stadtherrschaft beanspruchten die HABSBURGER den Rechtstitel der seit dem Ende des 13. Jh. sogenannten Landgrafschaft im (niederen) Breisgau, die die Markgrafen 1318 den Grafen von Freiburg verpfändet hatten. Wegen der unklaren Rechtslage blieb der Titel allerdings zwischen HABSBURG und den Markgrafen strittig.
Fortan beschränkte sich der Name Breisgau auf den habsburgischen Besitz im nördlichen Teil des alten Gaus, während die südlich anschließenden badischen Herrschaften Badenweiler, Rötteln und Sausenberg als Markgräflerland bezeichnet wurden. Als Teil der »vorderen Lande« (später Vorder-Österreich) geriet der Breisgau im 15. Jh. in die Auseinandersetzung zwischen Österreich, der Schweiz und Burgund um die westlichen Grenzgebiete des Reiches. 1469 bis 1474 hat Siegmund, Herzog von Tirol, den Breisgau mit dem Elsaß an den burgundischen Herzog Karl den Kühnen verpfändet. Gegen das vom burgundischen Landvogt Peter von Hagenbach geführte Regiment setzten sich unter anderem auch die bereits seit 1427 politisch wirksamen breisgauischen Landstände erfolgreich zur Wehr. Auf den von den Ständen vereitelten Plan Siegmunds, Vorder-Österreich 1487 an Bayern zu verkaufen, folgte die feste Bindung der oberrheinischen Länder an HABSBURG unter MAXIMILIAN.

Th. Zotz