Hermann Grote: „Stammtafeln Europäische Herrscher- und Fürstenhäuser"
Tafel 102 Seite 140
Lexikon des Mittelalters: Band III Spalte 1039
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Diez, Grafen von
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Die Grafschaft Diez (im heutigen
Hessen und Rheinland-Pfalz) entstand in der Nachfolge der seit dem beginnenden
9. Jh. erkennbaren und bis 966 von den KONRADINERN verwalteten Grafschaft
im Niederlahngau. Von ihrer Basis im Lahntal von unterhalb Weilburg bis
unterhalb Diez aus griff die Grafschaft Diez
weit nach Norden in den Westerwald aus und erfaßte nach Süden
die Landschaft des Goldenen Grundes. Ihre ursprünglich räumliche
Erstreckung deckte sich etwa mit den Trierer Dekanaten Dietkirchen und
Kirberg. Ausgespart blieb mit Limburg der natürliche Mittelpunkt der
Grafschaft, da hier durch die konradinische Stiftsgründung im Jahre
910 ein Immunitätsbezirk geschaffen wurde, der die Grundlage der Herrschaft
und der Stadt Limburg bildete. So wurde die etwas lahnabwärts gelegene
Burg Diez mit der dazugehörenden Siedlung, seit 1329 Stadt,
zum namengebenden Vorort der Grafschaft.
Die Grafen von Diez, die erstmals
1073 als solche genannt werden, stammten offensichtlich aus dem Naheraum
und wurden wohl von den SALIERN mit
der Grafschaft betraut. Es handelte sich also zunächst um eine Amtsgrafschaft,
die jedoch schon bald allodialisiert wurde.
Der Höhepunkt ihrer politischen Geltung erreichten die Grafen
von Diez während der STAUFER-Zeit.
Graf Heinrich II. (1145-1189)
war ein treuer Anhänger und Helfer FRIEDRICH
BARBAROSSA. Er war mehrfach mit dem Kaiser in Italien, hat dort
wichtige Funktionen ausgeübt und schwierige diplomatische Missionen
übernommen. In seine Zeit fällt die Ausweitung der Grafschaft
Diez in die westliche Wetterau durch den Erwerb von Besitz-
und Herrschaftsrechten im Usinger Becken aus der Hand oder mit Unterstützung
FRIEDRICH BARBAROSSAS. Damit wurde
die Grafschaft Diez in den Kranz der
Herrschaften von Grafen und freien Herren eingefügt, die das staufische
Reichsland Wetterau schützend umgaben. Auch die Söhne Heinrichs
II. waren den staufischen Herrschern
treu ergeben. So diente Heinrich
III. dem Kaiser FRIEDRICH II.
jahrelang in Italien, während Gerhard
II. in Deutschland zum Regentschaftsrat und zu den Erziehern des
unmündigen Königs HEINRICH (VII.)
gehörte.
Während also der Aufstieg der Grafen
von Diez durch ihren Reichsdienst und die Gunst der STAUFER
gefördert wurde, leiteten sie selbst die Schwächung ihrer Position
ein, indem sie sich seit dem Beginn des 13. Jh. in 2 Linien, Diez und
Weilnau, aufspalteten. Diese Spaltung, eine schlechte Verwaltung
und fortgesetzte Mißwirtschaft führten schließlich in
der 1. Hälfte des 14. Jh. zur Trennung in zwei selbständige Herrschaften.
Die Weilnauer verlegten ihren Herrschaftssitz nach Birstein in das
südliche Vogelsberggebiet, wo sie durch Heirat Rechte erworben hatten,
und gaben ihre Positionen im Westen der Wetterau weitgehend auf. Die Diezer
Linie wurde von ihren mächtigen Nachbarn, dem Erzstift Trier und
den Nassauer Grafschaften, hart bedrängt und mußte, vor allem
durch Verpfändungen, immer wieder territoriale Verluste und Beeinträchtigungen
ihrer Herrschaftzsrechte hinnehmen.
Im Jahre 1386, nach dem söhnelosen Tod des letzten
Diezer Grafen Gerhard VII., ging das, was noch von
der einstmals reichen Grafschaft Diez
geblieben war, an dessen Schwiegersohn, Graf Adolf von Nassau-Dillenburg,
über, wurde also zu einem Bestandteil der Grafschaft Nassau-Dillenburg.
Literatur:
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K. E. Demandt, Gesch. des Landes Hessen, 1980, 405-410 - R. Laut, Territorialgesch.
der Gft. D. samt den Herrschaften Limburg, Schaumburg, Holzapfel [Diss.
masch. Marburg 1943] - H. Heck, Die goldene Gft. Bilder aus der Gesch.
der Gft. und der Stadt D., 1956 - H. Gensicke, Landesgesch. des Westerwaldes,
1958 - J. Kloft, Territorialgesch. des Krs.es Usingen, 1971.
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