Lampert von Hersfeld: Seite 48,138
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"Annales/Annalen"

Die Jahre 1047-1052.
 
1047 feierte der König die Geburt des Herrn zu Rom, wo er  drei Männer, welche sich gegen die Kirchenvorschriften des apostolischen Stuhles bemächtigt hatten, absetzte, und den Bischof von  Babenberg, Suitger, zum Stellvertreter der Apostel einsetzte. Von diesem wurde er an dem heiligen Feste selbst hinwiederum nebst der Königin Agnes mit kaiserlichem Namen und Ehre begabt. Von da  durchzog er Benevent und die benachbarten Gegenden, feierte das heilige Osterfest auf dem Rückwege zu Mantua und die Himmelfahrt zu Augsburg, wo er den Bischof Heinrich an Stelle des  verstorbenen Eppo einsetzte. Hierauf führte er ein Heer zu Schiffe den Rhein hinab nach Fresien gegen Gotefrid und seinen Bundesgenossen Dioderich, und eroberte daselbst die zwei sehr festen Burgen Rinesburg und Fleerdingen.
 
Der Papst Suitger, auch Clemens genannt, starb und wurde in Babenberg bestattet. Rohing, Abt von Fulda, starb, welcher in dem nämlichen Jahre zu Rom am Weihnachtsfeste vom Papste Suitger geweiht worden war. Günther der Einsiedler starb.
 
 Das Jahr 1071.

Als nun der ältere Balduwin zwei Söhne gezeugt hatte, Balduwin und Ruotbert, so setzte er den Balduwin zum Erben aller seiner Habe ein, dem Ruotbert aber, sobald nur sein Alter zum Kriegsdienste reif zu sein schien, rüstete er Schiffe aus, versah ihn reich mit Gold, Silber und den übrigen Erfordernissen zu einer weiten Fahrt, und gebot ihm zu auswärtigen Völkern zu gehen, und, wenn er ein Mann sei, durch eigene Tapferkeit sich eine Herrschaft und Reichthümer zu erwerben.  Dieser, dem Vater sich fügend, nahm eine Menge Volks, welche für das Land überlästig erschien, mit sich, bestieg sein Schiff und gedachte nach Gallicien zu gehen und dasselbe, wenn Gott seinen  Wünschen glücklichen Erfolg verliehe, sich zu unterwerfen. Als er nach wenigen Tagen an unbekannten Küsten angelangt und, ans Land gestiegen, Beute von den Einwohnern der Gegend  wegzutreiben angefangen hatte, so eilen jene von allen Seiten sogleich bewaffnet herbei, um die Gewalt abzuwehren. Es kommt zum  Kampfe, eine Weile hält jener muthig aus, dann treiben sie ihn in die Flucht, verfolgen den fliehenden bis zu den Schiffen und strecken seine Gefährten beinahe bis auf den letzten Mann zu Boden. Kaum entkam er selbst mit wenigen Begleitern durch die Flucht und kehrte zu seinem Vater als Bote eines so großen Unfalles zurück. Dieser aber wies ihn wegen des übeln Ausgangs seines Unternehmens schimpflich ab, und so unternahm er von neuem auf einem andern Wege, weil es ihm auf diesem nicht gelungen  war, sein Glück zu versuchen, bereit, alles, sogar das Aeußerste zu dulden, um denalten Flecken durch neue Thaten auszutilgen.
Nachdem er seine Schiffe ausgebessert und die Zahl seiner Krieger ergänzt hatte, vertraute er sich noch einmal den Meeresfluten an, um in ein weit entferntes Land zu segeln, wo Gott dem  Umherschweifenden einen Wohnsitz zeigen würde. Und siehe, nach wenigen Tagen erfaßte ihn ein furchtbares Unwetter, er verlor viele der Seinigen im Schiffbruch und rettete sich selber nackt und bloß mit genauer Noth an das Ufer. Nun legte er die Tracht eines gemeinen Mannes an, Willens, unter denen, die nach Jerusalem des Gebetes wegen pilgerten, gen Constantinopel zu gehen, wohin ihn  häufige Botschaften der Northmannen riefen, welche unter dem constantinopolitanischen Kaiser Kriegsdienste thaten, und ihm, wenn er dorthin käme, die Herrschaft über ganz Griechenland versprachen [1 Robert war nicht im Orient. Möglicherweise überträgt Lampert die Fahrt Haralds Hardrada von Norwegen um 1045 fälschlich auf ihn. Überhaupt ist das meiste sagenhaft.]. Aber der Kaiser zu Constantinopel, von diesem Plane unterrichtet, ließ alle Flüsse, über welche der Uebergang nach Griechenland eschehen konnte, durch Wächter beobachten, mit der Weisung, den Ruotbert, wenn man seiner habhaft würde, sogleich ums Leben zu bringen. So wurde seine Absicht und sein Beginnen vereitelt. Als er nun endlich erkannte, daß ihm so alles unglücklich von Statten ging, welchen Weg zu Erweiterung seines Ruhms er auch versuchte, da wendete er sein Augenmerk von nun an für immer ab von der Bekämpfung fremder Völker und machte einen Einfall in Fresien, welches an Flandern grenzt, worüber einst der Graf Thiederich [2 Dietrich IV., 1039-1049.] und  nach ihm sein Bruder Florentius [3 Florentius I., 1049-1061.] geherrscht hatten. In zwei Treffen wurde er hier überwunden und in die Flucht geschlagen. Endlich ergaben sich die Bewohner der Gegend, von vielen Kämpfen erschöpft, da sie sahen, daß er hartnäckig entschlossen sei zu siegen oder zu sterben, freiwillig seiner Herrschaft [4 1063. Robert heiratete Gertrud, die Witwe des Florentius.].