Bertha von Holland                         Königin von Frankreich
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1050/55-   1094
              Montreuil-sur-Mer

Tochter des Grafen Florenz I. von Holland und der Gertrud Billung von Sachsen, Tochter von Herzog Bernhard II.
 

Brandenburg Erich: Tafel 25 Seite 50
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

XI. 134. BERTHA
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* ca. 1055, + 1093

Gemahl:
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1071 (?)
Philipp I., König von Frankreich (siehe XII. 384.)
     + 1108 29. VII.



Bertha war die Gattin König Philipps I. von Frankreich, der sie 1092 verstieß, um sich mit Bertrada von Montfort, der Frau des Grafen Fulko IV. von Anjou, zu verheiraten. Bertha wurde nach Montreuil-sur-Mer ins Exil geschickt, wo sie 1094 starb.

Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Seite 119,123
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"Die französischen Könige des Mittelalters"

Der Graf von Flandern und der französische König waren sich bewußt, aufeinander angewiesen zu sein, und um zu zeigen, daß der soeben geschlossene Friede zugleich ein langfristiges Bündnis bedeuten sollte, heiratete Philipp die Stieftochter Roberts, Bertha von Holland.
Wir erinnern uns, daß Philipp 1072 Bertha, die Stieftochter des Grafen Robert von Flandern, geheiratet hatte. Aus dieser Verbindung, die lange unfruchtbar geblieben war, gingen schließlich der Thronfolger Ludwig, eine Tochter namens Konstanze sowie vielleicht der als Kind gestorbene Heinrich hervor. 1092 verstieß Philipp seine Frau; sie war ihm, wie der zeitgenössische Historiker Wilhelm von Malmesbury berichtet, zu dick geworden.

Treffer Gerd: Seite 84-85
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"Die französischen Königinnen"

                  BERTHA VON HOLLAND - die dicke Bertha
                    * um 1055, + 30. Juli 1094
                                        Montreuil-sur-Mer

 Erste Gemahlin Philipps I. (* 1053; König: 1060-1108)

Die älteste Tochter Florents I., des Grafen von Holland, und Gertrudes von Sachsen ist ein Unterpfand der Versöhnung zwischen Flandern und Frankreich. Mit 16 Jahren verläßt sie ihre Heimat, um fortan als Königin in Paris zu leben. Die Chronisten beschreiben sie als edel und tugendhaft. Es folgen bittere Jahre.
1066 hatte Wilhelm der Eroberer, Herzog der Normandie, die Schlacht von Hastings geschlagen und sich zum König von England krönen lassen. So wird es dringend, diesseits des Ärmelkanals einen Block gegen den mächtigen Nachbarn zu schmieden. Philipp weiß, daß er um jeden Preis sein Königreich konsolidieren, besser noch erweitern muß. Dazu trägt die Heirat mit Bertha bei.
Bittere Jahre aber auch, weil Bertha ihren Besitz zu dieser Konsolidierung - die Geburt eines Thronerben - trotz aller Gebete, Stiftungen und Gelöbnisse nicht erbringen kann. Sie zweifelt, ob sie mit dem schlimsten aller Leiden einer Königin - der Sterilität - geschlagen ist. So geht das zehn Jahre lang. In ihrer Not wendet sie sich an den Mönch Arnoul in Saint-Medard de Soissons. Auch er ist Flame und steht in dem Geruch, solche Probleme auf wundersame Weise zu lösen. Ob es nun die Gebete des heiligen Mannes sind oder nicht, Bertha wird endlich schwanger und bringt 1081sogar einen Sohn zur Welt, den künftigen Ludwig VI. Andere Kinder folgen, Heinrich und Karl, die aber jung sterben und Konstanze, die erst Hugues von der Champagne und Graf von Troyes und später Botremond I. d'Hauteville, den Prinzen von Antiochien, heiraten wird.
Wenn Bertha nicht in Paris residiert, folgt sie ihrem Mann, der ständig gegen die Engländer zu Felde zieht. 1087 verbündet er sich mit Robert Kurzhose, der gegen seinen Vater Wilhelm den Eroberer revoltiert hat. Philipp wird geschlagen, aber der englische König, vor Mantes verletzt, wird in Rouen sterben. Philipp ist alles andere als ein umgänglicher, freundlicher Mann. Als Kind hat man ihm jeden Wunsch von den Augen abgelesen. Er hat sich an den Allmachtsgefühl gewöhnt, so daß er stets nach seinen Wünschen handelt, die Ratschläge anderer, gar die Meinung seiner Zeitgenosen, verachtet. Sein Reich behandelt er wie persönliches Besitztum und übt ein Brigantentum auf hohem Niveau. Auch seine Frau dürfte unter seiner Arroganz gelitten haben.1092 zerbricht die königliche Ehe. Nach 20 Jahren loyaler ehelicher Verbindung wird Bertha verstoßen. Philipp hat sich in Bertrada von Montfort verliebt, eine zweifellos anziehendere Frau als sein legitimes Eheweib, dem er seinen übermäßigen Leibesumfang vorwirft. Philipp entführt und heiratet Bertrada zur Mißbilligung des Papstes. Das ganze ist ein einziger Skandal. Um seine Frau nicht mehr sehen zu müssen, verbannt sie Philipp in das Schloß Montreuil-sur-Mer, die Festung, die Bertha ihm als Mitgift mitgebracht hat. Dort stirbt die Königin von Frankreich, gleichsam als Gefangene, am 30. Juli 1094. Sie erfährt die Genugtuung nicht mehr, daß Papst Urban II. im darauffolgenden Jahr den ehebrecherischen König in großer Feierlichkeit beim Konzil von Clermont exkommunizieren wird.



Ehlers Joachim: Seite 76,86
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"Die Kapetinger"

Der König fügte sich nach der Niederlage von Cassel (22. Februar 1071) erstaunlich schnell der neuen Lage, erkannte Robert den Friesen als Grafen an, indem er seine Lehnshuldigung entgegennahm. Im folgenden Jahr heiratete er Roberts Stieftochter Bertha von Holland. Diese Ehe war Ausdruck einer weitgehenden Vereinbarung, die den König im Besitz von Corbie ließ, ihm also eine Erweiterung der Domäne nach Norden einbrachte, und zugleich die guten Beziehungen zum Grafen von Flandern wieder herstellte, was um so wichtiger war, als Robert der Friese durch seine Feindschaft gegenüber Richilde und deren normannischer Verbindung ein potentieller Gegner Wilhelms des Eroberers geworden war.
Im Jahre 1092 verstieß Philipp I. seine Gemahlin Bertha von Holland, die er 1072 geheiratet hatte. Aus der Ehe waren zwei Kinder hervorgegangen: Der Sohn und Thronfolger Ludwig und eine Tochter Constanze, die wenig später den Grafen Hugo von Troyes aus dem Hause BLOIS heiraten sollte. Der Ort, an dem Philipp sich von der Königin trennte - es soll im Ponthieu geschehen sein, einer Landschaft nördlich von Amiens in der Picardie - und das Motiv sind nur von jeweils einem einzigen Autor überliefert. Wilhelm von Malmesbury (III. 257) meinte mit englicher Drastik, Philipp habe Bertha aus dem Bett geworfen, weil sie zu dick geworden sei (quad illa praepinguis corpulentiae esset, a lecto removit). Die Trennung des Königspaares koinzidiert aber zeitlich so eng mit der sogenannten Entführung Bertradas von Montfort durch Philipp I. wohl am Vorabend des Pfingstfestes (15. Mai) 1092, daß der zweite und ausschlaggebende Beweggrund doch wohl die Liebe des Königs zu Bertrada gesehen werden muß, denn politisch war das Unternehmen absurd und hatte verheerende Folgen.
 
 
 
 

1072
  oo 1. Philipp I. König von Frankreich
          1052-29.7.1108
 
 
 
 

Kinder:

  Ludwig VI. der Dicke König von Frankreich
  1081-1.8.1137

  Konstanze
  um 1078- um 1125

    um 1094
  1. oo Hugo I. Graf von Champagne
-  1104     - 6.1126

     1105
   2. oo Bohemund I. Fürst von Antiochia
           1058-7.3.1111

  Heinrich
        - jung

  Karl
        - jung

  Odo
        -   1096
 
 
 
 

Literatur:
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Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 25 Seite 50 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 76,86,92 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 113,119,123,125,131 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 97 - Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 344 - Leo Heinrich Dr.: Zwölf Bücher niederländischer Geschichten. Eduard Anton Verlag Halle 1832 - Mexandeau Louis: Die Kapetinger. Editions Rencontre Lausanne 1969 Seite 155 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 7 - Treffer Gerd: Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1996 Seite 84-85 -