HEINRICH VI. war ein
harter, rücksichtsloser, ja grausamer, in Weltreichpläne vergrübelter
Kaiser, der "das Volk der Deutschen groß und gefürchtet gemacht
bei allen Völkern". "Dem Volk war er wenig freundlich noch wohlgesinnt",
stellte der Patriarch von Aquileja fest. Innozenz III. schrieb über
ihn: "Des Nordsturms Wut durchfährt die kalabrischen Berge mit einem
neuen Beben der Erde, und durch die Ebenen des flachen Apulien jagt er
in Wirbeln den Wanderern und Bewohnern Staub in die Augen." Wenn es von
HEINRICH
heißt,
er sei wie "der Nordsturm und Winter in den Rosengarten Sizilien" eingebrochen,
so spricht daraus auch die allgemeine Abneigung der Sizilianer und Italiener
gegen die Deutschen, die ihnen als eigenwillig und rechthaberisch galten
und plump, roh und unhöflich erscheinen, deren Sprache ihnen wie Hundegebell
und Krächzen klang. HEINRICH hat
diese Urteile und Vorwürfe durch sein Verhalten in Sizilien herausgefordert.
HEINRICHS Mutter
Beatrix
von Burgund soll von Konstanze
in schweren Träumen verfolgt worden sein. Zeichendeuter
des normannischen Hofes hatten vorausgesagt, sie werde ihr Vaterland ins
tiefste Verderben stürzen. Dass die Verbindung
Konstanzes
mit HEINRICH VI. die Vereinigung
Siziliens mit Deutschland brachte, schon das war ein unerhörtes, ein
die Welt aufschreckendes Ereignis.
Konstanze hatte jahrelang
im Kloster der Basilianischen Nonnen, nahe dem königlichen Palast
in Palermo, und in anderen Klöstern, gelebt. Ob sie freiwillig oder
von ihren Verwandten veranlaßt ins Kloster gegangen war, wissen wir
nicht, auch nicht, ob sie den Schleier genommen; jedenfalls wurde ihr zum
Vorwurf gemacht, das Kloster verlassen zu haben, um zu heiraten. Vor ihrer
Vermählung wurde Konstanze 1185
nach Rieti gebracht, mit einer Aussteuer, deren Schilderungen ans Fabelhafte
grenzen. Konstanze war groß und
blond und von heller Hautfarbe, sie wirkte trotz des byzantinischen Prunks
bescheiden. Sie war 32, HEINRICH 22
Jahre alt.
Die Trauung fand am 27. Januar 1186 in Mailand statt.
Da der Dom noch nicht vollendet war, fand die Eheschließung in der
Kirche San Ambrogio statt, die aus einem Kornspeicher in einen halbwegs
würdigen Zustand versetzt worden war. Der Patriarch von Aquileja vollzog
die Vermählung ohne Zustimmung des Papstes. HEINRICH
und
Konstanze
wurden
zugleich mit der Eisernen Krone der Lombarden gekrönt
und
Konstanze empfing von einem deutschen
Bischof die deutsche Königskrone. Nach der Trauung begab sich HEINRICH
mit
Konstanze zur Kaiserkrönung nach
Rom.
Während der Italienzuges HEINRICHS
VI.
zur Eroberung Siziliens 1191 - ein Jahr nach dem Tod FRIEDRICHS
I. BARBAROSSAS - geriet Konstanze
in die kriegerischen Auseinandersetzungen, und auf die falsche Nachricht
hin, der Kaiser sei in Neapel der Seuche erlegen, in die Hände der
Gegner HEINRICHS VI. Sie wurde in einem
Turm in Salerno festgehalten, wo sie sich mutig und tapfer verteidigte,
bis sie nach ihrer Auslieferung in Messina von ihrem illegitimen Neffen
Tankred würdig aufgenommen, aber
als Geisel betrachtet wurde; schließlich mußte sie Tankred
auf Befehl des Papstes, reich beschenkt, nach Deutschland bringen lassen.
Wenige Tage nach der Krönung zum König von
Sizilien (Weihnachten 1194) erreichte HEINRICH
die Nachricht, dass Konstanze am zweiten
Weihnachtstag in Jesi in der Mark Ancona einen Sohn zur Welt gebracht hatte.
Als nach dem Reichstag von Bari HEINRICH
neuerdings nach Deutschland aufbrach, stellte er Konstanze
an die Spitze des Regentschaftsrates über Sizilien. Mit
Hilfe ausgiebiger Geschenke an die Fürsten ließ HEINRICH
seinen
noch ungetauften zweijährigen Sohn FRIEDRICH
zum deutschen König wählen.
In Sizilien war das Blutgericht vom Stephanstag 1194
nicht vergessen. Die sizilianische Unabhängigkeitsbewegung gegen HEINRICH
und die Deutschen überhaupt nutzte die Abwesenheit HEINRICHS,
und es wurde vermutet, Konstanze unterstütze
oder dulde sie. In Unteritalien schürte Richard von Acerra, der Schwager
König
Tankreds, den Widerstand gegen HEINRICH.
Dieser sah sich zur Rückkehr nach Italien gezwungen. Was HEINRICH
nun
an Grausamkeiten verübte, hat mit einer Bestrafung von Aufständischen
nichts mehr zu tun. Richard von Acerra ließ er von Pferden durch
die Straßen von Capua schleifen; als er nach zwei Tagen noch immer
lebte, nachdem er an den Füßen aufgehängt worden war, erlöste
ihn sein Hofnarr von den Qualen durch um den Hals gebundene Gewichte, an
denen Richard von Acerra erstickte. In Palermo ließ
HEINRICH
den Grafen Giordano, der als Haupt des Widerstandes galt, auf einen eisernen
glühenden Thron setzen und ihm eine glühende Krone mit Nägeln
an den Kopf schlagen. Diesen und anderen Folterungen mußt Konstanze
an der Spitze ihres Gatten beiwohnen. Was Wunder, dass sie vor
soviel Grausamkeit zurückschreckte und mit ihren gepeinigten Verwandten
und Landsleuten fühlte? Sie wurde, vom Kanzler Walther von Pagliara
bewacht, im königlichen Palast gefangengehalten.
Am Reichstag von Bari hatte HEINRICH
einen Kreuzzug gelobt. Als sich das Heer einzuschiffen begann,
brach in Sizilien eine neuer Aufstand los - HEINRICH
versprach
eine Generalamnestie. Wollte er die Sizilianer auf diese Weise für
sich gewinnen? War das nach dem, was geschehen war, noch möglich?
Auf der Jagd im Waldgebirge unterm Ätna erkrankte
HEINRICH.
Er wollte nach Palermo gebracht werden, kam aber nur bis zu dem in maurischem
Stil erbauten Schloß von Favara. In Fieberfantasien sprach der Kaiser
von dem Weltreich, das er zu schaffen gedachte. Dann diktierte er, wieder
bei klaren Sinnen, sein Testament - ein Dokument der Zerknirschung. Am
28.
September 1197 "fällte ihn der Neid des Todes". Er starb an der
den STAUFERN verhängnisvollen
Malaria.
Konstanze war anwesend
- es lag schon im Stil der Zeit, sie des Giftmordes an ihrem Gemahl zu
bezichtigen. Er wurde im Dom von Palermo bestattet.
Die verwitwete, schwergeprüfte Konstanze
versuchte tatkräftig, der heillosen Verwirrung in Sizilien
Herr zu werden; es gelang ihr nicht mehr. Ein Jahr nach dem Tod ihres Gemahls
erkrankte sie. Sie ließ, wohl in der Ahnung ihres nahen Endes, ihren
4-jährigen Sohn am 17. Mai 1198 zum König von Sizilien krönen
und übergab ihn und das Land der Obhut des Papstes. Am 27. November
starb sie, ein Jahr nach dem Tode HEINRICHS.
Sie wurde neben ihm im Dom zu Palermo, der Ruhestatt ihres Vaters
beigesetzt.