Heinrich IV. und Heinrich V.
------------------------------------
1098 nach dem Ausgleich mit den WELFEN,
ZÄHRINGERN und STAUFERN erreichte
HEINRICH
auf einem Fürstentag in Mainz, dass sein abtrünniger Sohn KONRAD
für abgesetzt erklärt und an seiner Stelle der jüngere Sohn
HEINRICH
zum König gewählt wurde. HEINRICH
ist nach neueren Untersuchungen erst 1086 geboren, war also bei der Wahl
zum König 12 Jahre alt. Der Vater ließ ihn, durch die Erfahrung
mit dem älteren Bruder mißtrauisch geworden, schwören:
"... dass er bei des Vaters Leben niemals ohne dessen
Einwilligung nach der Regierung oder nach einem Ehrenrecht oder nach irgend
etwas, was dem Vater zustehe oder zustehen werde, die Hand ausstrecken
wolle."
HEINRICH IV. hatte
versucht, sich mit dem neuen Papst Paschalis zu einigen. Schließlich
schlug er ihm vor, selber einen Kreuzzug nach Jerusalem zu führen,
wenn der Papst ihn vorher vom Bann lösen würde. Zur Vorbereitung
dieses Kreuzzuges diente der Reichsfriede von 1103, der für vier Jahre
gelten und die Ordnung im Reich während seiner Abwesenheit sichern
sollte.
Dieser Frieden knüpft an den Gottesfrieden von 1085
an, aber auch an eine andere Tendenz bei HEINRICH,
die schon mit dem Privileg für die Bürger von Worms beginnt und
auch bei HEINRICHS Einsatz für
die Juden in Speyer und Mainz zum Ausdruck kommt. HEINRICH
sorgt
sich vor allem um das Schicksal der kleinen Leute und der Schwachen. In
dem Bericht über den Abschluß des Gottesfriedens, in dem die
Herzöge Welf, Berthold und Friedrich als einzige namentlich genannt
sind, heißt es dann:
"Sie beschworen also den Frieden für die Kirchen,
Geistlichen, Mönche, Laienbrüder, für Kaufleute, Frauen
- dass sie nicht gewaltsam entführt werden dürfen - und Juden.
Folgendermaßen lautet der Schwur: Keiner soll in das Haus eines anderen
feindlich einfallen noch es durch Brandstiftung verwüsten, keiner
einen wegen Geldes gefangennehmen, noch verwunden, noch niederschlagen
noch töten."
Der Schutz der Schwachen bot HEINRICH
aber auch eine Möglichkeit, seine königliche Stellung
wieder auszubauen, denn als oberster Wahrer des Friedens stand er über
allen, auch über seinen Adligen, und die Strafbestimmungen des Friedens
boten ihm die Möglichkeit, gegen sie vorzugehen. Sein Einsatz für
die Schwachen brachte ihm eine große Anhängerschaft in den Städten
ein, aber sie führte ihn auch in Gegensatz zum Adel und zu den Fürsten.
Der junge König HEINRICH
spürte diesen Konflikt, er sah aber hier auch eine Möglichkeit,
ohne inhaltliche Zugeständnisse ein Abkommen mit dem Papst zu erreichen.
Sein
Vater regierte zwar schon sehr lange, aber er war erst 54 Jahre alt, und
bis zu seinem natürlichen Ende wollte der 18-jährige nicht warten.
Als HEINRICH IV. im Spätherbst
1104 zum ersten Mal wieder mit einem Heer nach Sachsen zog, verließ
der junge König in Fritzlar bei Nacht und Nebel das kaiserliche Quartier
und ging nach Bayern. Der Kaiser brach darauf den Feldzug ab und kehrte
nach Mainz zurück. König HEINRICH
nahm Verbindung mit dem Papst auf. Er bezog sich auf das päpstliche
Verbot, mit Gebannten Gemeinschaft zu halten, und verlangte deshalb die
Lösung von seinem Eid und seine Anerkennung durch den Papst. Legat
bei diesen Verhandlungen war der aus Konstanz vertriebene Gebhard von Zähringen.
Ein Versöhnungsversuch, den Herzog Friedrich mit
den drei rheinischen Erzbischöfen zusammen unternahm, scheiterte,
weil sich der junge HEINRICH
formell
weigerte, mit einem Gebannten in Kontakt zu treten. Kurz nach dieser erfolglosen
Mission starb Herzog Friedrich. Sein Tod ersparte es ihm, in dem Konflikt
zwischen Vater und Sohn, zwischen seinem Schwiegervater, dem er so viel
verdankte, und seinem Schwager und König, mit dem er es in der Zukunft
nicht verderben durfte, Stellung nehmen zu müssen. Wie seine Frau
Agnes,
die ältere Schwester des jungen HEINRICH,
dachte, wissen wir nicht. Sie blieb als Witwe zurück und heiratete
1106 den Markgrafen Leopold von Österreich, einen BABENBERGER. Aus
jeder Ehe hatte sie 11 Kinder. Sie starb 1143 und liegt in Klosterneuburg
begraben. Als Herzog von Schwaben folgte ihr damals 15-jähriger Sohn
Friedrich, auch er vermutlich in dem Konflikt zwischen Vater und Sohn ohne
eigenen Meinung und ausschlaggebende Stellung.
Gegen Jahresende gelang es dem jungen HEINRICH,
die meisten Fürsten auf seine Seite zubringen. Ein von ihm nach Mainz
einberufener Reichstag sollte den Streit entscheiden. Aber der König
traute weder der Standhaftigkeit seiner Freunde noch der Mainzer Bürgerschaft.
Durch Täuschung gelang es ihm, den Vater gefangenzusetzen. Vor kleinem
Gefolge, aber im Beisein der päpstlichen Legaten verlangte er von
ihm den Thronverzicht und ein öffentliches Sündenbekenntnis.
HEINRICH
verweigerte dieses Bekenntnis, sprach aber eine Art Thronverzicht aus.
Den Teilnehmern an dieser Veranstaltung, vor allem Gegnern des Kaisers,
fiel dabei die Härte und Mitleidlosigkeit des jungen HEINRICH
auf. Der Reichstag von Mainz bestätigte Anfang 1106 König
HEINRICH, und der Kaiser blieb weiter in Haft. Aber da der junge
HEINRICH
die Sache für entschieden hielt und die Bewachung lockerer wurde,
konnte der alte HEINRICH über
Köln nach Lüttich entfliehen. Die Bürger von Köln wie
die von Lüttich hielten zu ihm, aus Lothringen folgten auch Adlige
seinem Aufruf. HEINRICH V. mußte
gegen seinen Vater zu Felde ziehen und wurde an der Maas geschlagen. Aber
bevor der Krieg zwischen Vater und Sohn weitergehen konnte, starb Kaiser
HEINRICH IV. in Lüttich. Seinem Wunsch entsprechend wurde
seine Leiche später nach Speyer gebracht. Der Sarg blieb 5 Jahre ungeweiht
in einer Kapelle stehen, bevor er in der SALIER-Gruft
beigesetzt werden durfte.
Zepter gegen Ring und Stab
----------------------------------
Die Auseinandersetzung zwischen Kaiser und Papst hatte
sich theoretisch und praktisch zugespitzt auf die Frage der rechtmäßigen
Einsetzung der Bischöfe, ihre Investitur. In dem Streit darum, wer
die Bischöfe auswählen und einsetzen könne, waren die theologischen
und grundsätzlichen Standpunkte unentwirrbar mit dem konkreten Kampf
um Macht und Einfluß verwoben. Denn wenn jede Mitwirkung eines Nichtgeweihten
bei der Investitur eines Bischofs Simonie war, dann wurde über die
Bischöfe allein von kirchlicher Seite entschieden, und das hieß
bei der Tendenz der Kirchenreformer zur Papstkirche immer häufiger
direkt bei der Kurie. Da die Bischöfe aber gleichzeitig wichtige und
einflußreiche Reichsfürsten waren, hätte das bedeutet,
dass der Papst über die Auswahl der Bischöfe die Reichspolitik
ganz wesentlich beeinflussen könnte. Für den König waren
Bischöfe in erster Linie Reichsfürsten und Reichsbeamte, deshalb
konnte er ihre Auswahl und Ernennung nicht der Kirche und dem Papst überlassen.
Eine Lösung dieses Investiturstreites war nur möglich, wenn jede
Seite bereit war, den Standpunkt der anderen zumindest zu verstehen
und als berechtigt anzuerkennen. Ansätze und Kompromißbereitschaft
gab es bei HEINRICH IV. ebenso wie
bei Urban II., weil beide in der langen Auseinandersetzung Erfolge erreicht
und Niederlagen erlitten hatten, zu den Gebannten und Verdammten ebenso
gehört hatten wie zu den Verdammenden und Verurteilenden. Aus der
Umgebung Urbans II. stammt das "Büchlein gegen die Eindringlinge und
Simonisten und die übrigen Schismatiker" des Kardinalpriesters Deusdedit
von 1097, das zwar an der grundsätzlichen Stellung der Reform zur
Simonie und Investitur festhält und das Eingreifen der weltlichen
Macht in alle kirchlichen Angelegenheiten ablehnt, aber gleichzeitig auch
die Eigenständigkeit und Unantastbarkeit der königlichen Macht
und Autorität betont. Deusdedit trennte auch zwischen Simonisten und
Schismatikern. Simonisten waren Bischöfe, die durch wirklichen Kauf
oder als Gegen-Bischöfe gegen einen rechtmäßigen Bischof
ins Amt gekommen waren. Sie waren verdammt, mit ihnen war kein Kompromiß
möglich. Anders war es mit den Schismatikern, die von der anderen
Seite ernannt worden waren oder zeitweilig mit ihr zusammengearbeitet hatten.
Sie konnten wieder in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen werden und
ihre Ämter behalten. Damit war die Basis für die Wiederherstellung
der Einheit der Kirche gegeben und der Weg für einen Kompromiß
zwischen Papst und König gewiesen. Er setzte grundsätzliche gegenseitige
Anerkennung der Selbständigkeit und Unabhängigkeit der jeweiligen
Bereiche voraus. Dann konnte eine Analyse der Stellung der Bischöfe
zeigen, dass sei als Geistliche Teil der Kirche waren und als Reichsfürsten
Anteil an der königlichen Macht hatten. Aus dieser Analyse mußte
sich ergeben, dass beide Seiten ein legitimes Recht hatten, an der Investitur
der Bischöfe beteiligt zu sein.
Der Tod Urbans II. 1099 verhinderte eine schnelle Lösung,
weil sein Nachfolger Paschalis zu den Anhängern der harten Linie gehörte
und sich zum Teil sehr deutlich von Urban distanzierte, der ihm zu weltlich
und zu diplomatisch war. Paschalis war Mönch in Cluny gewesen und
den kompromißlosen Idealen dieser Gemeinschaft immer noch eng verbunden.
Er hatte kein Verständnis für den weltlichen und machtpolitischen
Aspekt der Stellung der Bischöfe, ihm ging es nur um die Reinheit
der Kirche. Deshalb war er in mancher Hinsicht dem jungen König
HEINRICH V. unterlegen, der ihn geschickt als Werkzeug benützte,
um sich gegen seinen Vater durchzusetzen.
Der Weg Heinrichs V. zum Kaisertum
-----------------------------------------------
HEINRICH V. war als
König und Kaiser durchaus erfolgreich, aber er ist von den vier SALIER-Kaisern
der undurchsichtigste. Er wirkt kühler, geschäftsmäßiger,
berechnender als die andern, er nutze die Schwächen seiner Gegner
rücksichtslos aus, und er schreckt auch vor unehrlichem Verhalten
nicht zurück, wenn er damit seinen Vorteil wahren kann.
Schon sein Geschichtsschreiber Ekkehard von Aura beurteilt
ihn so:
"Dieser hat zuerst unter dem Anschein frommer Gewissenhaftigkeit
den exkommunizierten Vater der Herrschaft beraubt; in den Ehren bestätigt,
hat er die Sitten abgeändert. Aber nachdem er dem apostolischen Stuhl
Gewalttätigkeiten zugefügt, ist er sich selbst gegenüber
immer tiefer gesunken. Über die Dinge der Gerechtigkeit im Reich hat
er nicht viel gewacht. Scharf im Geiste, tapfer und kühn ist er gewesen,
wenn auch wenig glücklich in Schlachten, übermäßig
im Verlangen nach fremden Besitztümern. Unbegrenzte Gelder hat er,
wie gesagt wird, angehäuft, von denen er nach den Worten der heiligen
Schrift, da er selbst ohne Kinder starb, ach, ach nicht wußte, für
wen er sie als Schatz niedergelegt hatte."
HEINRICHS älterer
Bruder KONRAD hatte wie vorher
RUDOLF
VON RHEINFELDEN im Kampf und sein Königtum vor dem Papst
auf alle Investiturrechte verzichtet und ihm sogar zeremoniell den Steigbügel
gehalten. HEINRICH erreichte seine
Anerkennung durch den Papst ohne irgendwelche Zugeständnisse in der
Investiturfrage, weil er sich auf die damals schon nicht mehr so ernst
genommene päpstliche Aussage stützte, dass er mit dem gebannten
Vater nicht mehr verkehren dürfe und sein Eid ihm gegenüber ungültig
sei. In den folgenden Jahren löste HEINRICH
die
strittigen Bischofsbesetzungen, indem er meist den päpstlichen Kandidaten
investierte. Diese Investituren waren nach Ansicht der Reformer und des
Papstes regelwidrig, aber da sie die eigenen Kandidaten betraf, konnte
man schlecht dagegen protestieren und mußte sich damit beruhigen,
dass die Ernennung durch den Papst oder seinen Legaten vorausgegangen war.
Doch HEINRICH übte formal und
inhaltlich die Investitur der Bischöfe aus, wie es seit den Zeiten
der sächsischen Könige und Kaiser gehandhabt worden war.
Im Sommer 1110 sammelte HEINRICH
das
Reichsaufgebot und zog nach Italien. In der Lombardei traf er mit der Markgräfin
Mathilde von Tuscien zusammen, die die Reformpartei gegen seinen Vater
so oft und kräftig unterstützt hatte. Ob sie in ihrem Einsatz
für die Reform müde geworden war oder erkannt hatte, wieviel
Politik und Kampf um Macht auch auf der anderen Seite mitschwang, auf jeden
Fall war sie jetzt zu einem Ausgleich bereit. Sie unterwarf sich dem deutschen
König, der dafür ihre herausragende Stellung unter den italienischen
Fürsten heraushob und bestätigte. In einer möglichen Auseinandersetzung
mit dem Papst erklärte sie sich für neutral, und sie setzte später
sogar HEINRICH als ihren Erben ein.
Mit diesem Rückhalt setzte HEINRICH
seinen Romzug fort.
Die Verhandlungen zwischen den Vertretern des Königs
und der Kurie führten im Februar 1111 zu einem überraschenden
Ergebnis. Die königlichen Unterhändler hatten eine klare Analyse
vorgelegt, in der die weltlichen und die geistlichen Funktionen der Bischöfe
sauber voneinander getrennt wurden. Dem Papst ging es vorrangig um die
Reinheit der Investitur. Er machte deshalb den Vorschlag einer völligen
Trennung von Kirche und Staat. Die Bischöfe sollten auf alle weltlichen
Rechte, die Regale oder Temporalien verzichten, der König dafür
auf die Investitur. Auf diesen Vorschlag konnte HEINRICH
leicht eingehen. Wenn er verwirklicht würde, bekam HEINRICH
die
Verfügung über die Reichsgüter voll zurück, und die
Wahl der Bischöfe war für ihn kein vorrangiges Problem mehr.
War der Vorschlag aber nicht zu verwirklichen, was viel wahrscheinlicher
war, weil die Bischöfe auf ihre weltliche Machtstellung um keinen
Preis verzichten wollten, so mußte ihr ganzer Zorn auf den Papst
zurückfallen, der in der Naivität seiner mönchischen Ideale
den Rückzug der Kirche aus der Welt für den gangbarsten Weg aus
dem Konflikt ansah. HEINRICH beschwor
deshalb leichten Herzens dieses Abkommen durch einen Sicherheitseid, und
der Papst verpflichtete sich ihn dafür zum Kaiser zu krönen.
Die Verhandlungen waren geheim geführt worden. Das
Abkommen sollte vor der Kaiserkrönung in der Peterskirche bekanntgegeben
und von beiden Parteien beschworen werden. Zuerst erklärte HEINRICH
für die königliche und kaiserliche Seite den Verzicht auf die
Investitur der Bischöfe mit Ring und Stab. Schon diese Erklärung
mußte den zur festlichen Krönung versammelten Bischöfen
und Reichsfürsten, die HEINRICHS
bisherigen zähen Kampf um das Investiturrecht kannten, befremdlich
vorkommen. Als aber nun der Papst seinerseits den Verzicht der Kirche auf
alle Regalien vorlas, kam es in der feierlichen Versammlung zu einem Aufstand.
Die Bischöfe erklärten den Verzicht des Papstes für ketzerisch,
und die Krönung mußte abgebrochen werden.
Die Planung und Durchführung dieser Veranstaltung,
die als Festakt angesetzt wurde und im Eklat endete, verrät die Regie
eines Mannes mit wenig Illusionen und einem etwas makabren Sinn für
Humor. Ihr Ziel war es, dem Papst jede Glaubwürdigkeit zu nehmen.
Nachdem der Papst außerstande war, seinen Teil des Vertrages zu erfüllen,
forderte HEINRICH nun von ihm das Investiturrecht
und die Kaiserkrönung. Da Paschalis sich nicht fügen wollte,
nahm er ihn und die Kardinäle in Haft. Der Papst, der von keiner Seite
mehr Hilfe erhoffen konnte, gestand HEINRICH
die Investitur der Bischöfe mit Ring und Stab zu, allerdings
nach kanonischer Wahl, versprach ihm die Kaiserkrönung und verzichtete
darauf, jemals den Bann über ihn auszusprechen. Im April erfolgte
im Petersdom die Kaiserkrönung und HEINRICH
konnte nach Deutschland zurückkehren. Dort ließ er jetzt demonstrativ
seinen im Bann gestorbenen Vater in der Kaisergruft in Speyer beisetzen.
Vermutlich war HEINRICH klar, dass
der Konflikt damit noch nicht endgültig ausgestanden war. Aber für
den Augenblick hatte er viel erreicht. Die Reformpartei war in sich zerstritten,
ihr Zorn richtete sich gegen ihren eigenen Papst, den sie nun Schritt für
Schritt zwingen mußten, von seinen Zusagen, Versprechungen und Verträgen
zurückzutreten. Ein Jahr später erklärte eine Synode im
Lateran die Verträge zwischen Paschalis und HEINRICH
für
erzwungen und ungültig. Paschalis selbst wagte es trotzdem nicht,
den Kaiser zu bannen. Der Bann erfolgte im Sommer 1112 auf einer Synode
in S-Frankreich unter der Leitung des Erzbischofs Guido von Vienne. Aber
er hatte seinen Schrecken verloren.
Heinrichs Politik in Deutschland und Italien
-----------------------------------------------------
Schon zwischen 1106 und 1110 hatte HEINRICH
begonnen, sich um die Sammlung und den Ausbau des Reichsgutes und
des salischen Hausgutes zu bemühen.
Auch hier folgte er sehr deutlich den Spuren seines Vaters. In Süddeutschland
griff er wenig ein, denn mit den WELFEN
wollt er es nicht verderben, und Friedrich von Schwaben war sein Neffe
und nächster Verwandter. Wahrscheinlich hat er ihm sogar schon salischen
Besitz zum Ausbau seiner Territorialherrschaft überlassen. Er selbst
war öfters in Mainz, am Mittelrhein und auch in Lüttich, aber
vor allem in den von seinem Vater beanspruchten Besitzzungen in Sachsen.
Dort hatte er den Grafen Lothar von Supplinburg,
den Schwiegersohn und Erben Ottos von Northeim (Richtig: Schwiegersohn
Heinrichs des Fetten Graf von Northeim), als Nachfolger der BILLUNGER zum
Herzog eingesetzt. Er hoffte LOTHAR so
auf seine Seite zu ziehen und in einem fairen Ausgleich ihm den Norden
zum Landesausbau zu überlassen und selber das Königsgut um Goslar
wieder in Besitz nehmen zu können. Nach der Rückkehr aus Italien
bemühte HEINRICH sich verstärkt
um seine sächsischen Ansprüche. Die sächsischen Fürsten
und Bischöfe, die sich seit den Tagen von Canossa an die Einvernahmung
königlicher Rechte und Besitzungen gewöhnt hatten, wehrten sich
gegen den Eindringling, und der Führer der Opposition wurde LOTHAR.
Er knüpfte verräterische Verbindungen zu Adalbert, dem von HEINRICH
ausgesuchten
und eingesetzten Erzbischof von Mainz. Adalbert war ein Vertrauter HEINRICHS,
dem er auch das zusammengelegte Amt des Kanzlers für Deutschland und
Italien übertragen hatte, persönlich und offiziell einer seiner
wichtigsten Berater. Aber Adalbert war auch ehrgeizig und intrigant. Als
HEINRICH
dahinterkam, ließ er ihn durch ein Fürstengericht aburteilen
und einsperren. Die Opposition hatte ihren politischen Kopf verloren.
Für den Januar 1114 lud HEINRICHzu
einem großen Reichstag nach Mainz ein. Anlaß dazu war seine
Vermählung mit Mathilde, der 1102
geborenen Tochter des englischen Königs Heinrich,
mit der er seit langem verlobt war. Sie war schon 1110 nach Deutschland
gekommen und gehörte seither zum königlichen Hof. Dieser Reichstag
war eine prunkvolle Bestätigung der Machtstellung des Kaisers. Anwesend
waren 5 Herzöge, 5 Erzbischöfe und 30 Bischöfe. Die 5 Herzöge
waren Friedrich von Schwaben, Welf von Bayern, Heinrich von Kärnten,
Wladislaw von Böhmen und Lothar von Supplinburg.
Dieser mußte sich in bewährter Weise zunächst demütig
unterwerfen, bevor er wieder in die kaiserliche Gnade aufgenommen wurde
und seinen Besitz bestätigt erhielt. Aber als HEINRICH
später im Jahr bei einem Feldzug gegen die Friesen wenig erfolgreich
war, fiel die Stadt Köln von ihm ab und verbündete sich mit den
Sachsen. HEINRICH legte sich mit seinem
Heer vor Köln. Bei der Belagerung wurde er von Herzog Berthold III.
von Zähringen tatkräftig unterstützt. Aber er konnte die
Stadt nicht einnehmen und mußte abziehen, nach Kölner Tradition
sogar kläglich fliehen.
Da HEINRICH das Zentrum
der Opposition in Sachsen vermutete, zog er im Spätjahr mit neuen
Kräften dorthin. Nach anfänglichen Erfolgen erlitt er im Februar
1115 in der Schlacht am Welfesholz (bei Mansfeld) eine einschneidende Niederlage.
Damit war seine Stellung in Deutschland wieder gefährdet, die Fürstenopposition
hatte sich durchgesetzt, und die Bischöfe begannen erneut, den Kontakt
zum Papst zu suchen.
In dieser Lage erreichte HEINRICH
die
Nachricht, dass die Markgräfin Mathilde im Juli 1115 gestorben war.
Er beschloß, sich vorrangig um ihr Erbe zu bemühen und die deutschen
Angelegenheiten zunächst sich selbst zu überlassen. Mit seiner
Stellvertretung beauftragte er Friedrich von Schwaben und dessen BruderKONRAD,
dem er gleichzeitig verübergehend das Herzogtum Ostfranken anvertraute,
weil der eigentliche Inhaber, der Bischof von Würzburg, zur Opposition
übergegangen war. HEINRICH erschien
nur mit kleinem Gefolge in Oberitalien. Das Erbe Mathildes nahm er ohne
Probleme in Besitz.
Er versuchte auch, mit Paschalis II. zu einer neuen Übereinkunft
zu kommen, aber der Papst verlangte vorher einen eindeutigen Verzicht auf
jede Investitur. Weil die römische Opposition den Papst aus der Stadt
vertrieb, konnte HEINRICH dort einziehen.
Der portugiesische Bischof Mauritius von Braga krönte an Pfingsten
1117 die 15-jährige Königin Mathilde
zur Kaiserin.
Nach dem Weggang HEINRICHS
kehrte Paschalis mit normannischer Waffenhilfe nach Rom zurück. Dort
starb er Anfang 1118. Auch der neue Papst Gelasius II. war nicht zu einem
Kompromiß bereit und in Rom umstritten. Deshalb förderte HEINRICH
die Wahl eines Gegen-Papstes, eben des Bischofs von Braga, der als Gregor
VIII. nur wenig Bedeutung erlangte. Bei seinen Gegnern hieß er Burdinus,
der spanische Esel. Gelasius floh vor dem Widerstand der Römer nach
S-Frankreich. Nach seinem Tod Anfang 1119 wurde der Erzbischof Guido von
Vienne als Calixt II. zum neuen Papst gewählt. Im September war ein
Abkommen zwischen König und Papst unterschriftsreif, mit dem HEINRICH
auf
die Investitur verzichtet hätte, wenn ihm die reichsrechtlichen Leistungen
der Kirche erhalten geblieben wären. Aber die Kurie verlangte plötzlich
den Verzicht des Kaisers auch auf die "Temporalien". Offenbar gab es immer
noch einen starken Flügel, der gegen jeden Kompromiß war, und
der Papst konnte sich nicht durchsetzen.
Das Wormser Konkordat
-------------------------------
Der Führer der deutschen Opposition gegen HEINRICH
wurde
immer mehr sein früherer Kanzler, Erzbischof Adalbert von Mainz. Ihn
machte der Papst zu seinem Legaten in Deutschland. Es schien als sollte
es im Sommer 1121 zu einer neuen Konfrontation kommen. Aber durch Vermittlung
der süddeutschen Herzöge wurde der Streit beigelegt und eine
Fürstenversammlung nach Würzburg einberufen. Sie beschloß,
dass der Streit mit der Kirche ohne Schaden für das Reich beigelegt
werden sollte. Die Fürsten boten dazu ihren Rat und ihre Hilfe an.
Endlich hatten die Fürsten begriffen, dass HEINRICH
nicht nur für seine persönliche Machtstellung kämpfte, sondern
für das Reich, und dass ihr Taktieren mit dem Papst dieses Reich auf
die Dauer in seiner Substanz gefährden mußte. HEINRICH
sagte dafür zu, kanonisch Gewählte auch in ihr Bistum einzusetzen
und bei neuen Streitigkeiten mit den Fürsten mit ihnen gemeinsam eine
Lösung zu suchen. Der versöhnliche Grundton der Würzburger
Beschlüsse ist wohl vor allem auf den Einfluß der Herzöge
von Bayern und Schwaben zurückzuführen. Herzog von Bayern war
inzwischen der jüngere Bruder Welfs V., Heinrich der Schwarze. Eng
mit ihm verbunden war Herzog Friedrich von Schwaben, seit kurzem mit Heinrichs
um 1100 geborener Tochter Judith verheiratet und gleichzeitig der nächste
Verwandte Kaiser HEINRICHS. Und Friedrich
bemühte sich auch um die Umsetzung der Würzburger Beschlüsse.
Als im folgenden Jahr der Bischof von Würzburg starb und HEINRICH
ohne Rücksprache einen noch nicht Geweihten zum neuen Bischof machen
wollte, stellte sich Friedrich zum ersten und einzigen Mal gegen seinen
Onkel.
Im September 1122 begannen in Worms die Verhandlungen
zwischen dem Kaiser, den Fürsten, den Bischöfen und den päpstlichen
Legaten. Zu den weltlichen Fürsten gehörten die Herzöge
Heinrich, Friedrich und Berthold. Nach langem zähen Ringen verzichtete
HEINRICH
auf die Belehnung der Bischöfe mit Ring und Stab. Der Papst löste
ihn dafür vom Bann, ohne dass HEINRICH
Buße leisten mußte. Ring und Stab galten als Ausdruck der geistlichen
Gewalt und waren der Kirche vorbehalten. Die weltliche Gewalt wurde den
Bischöfen vom König mit dem Zepter übertragen. Die Bischöfe
sollten kanonisch gewählt werden.
Aber in Deutschland hatte der König das Recht, bei
der Wahl anwesend zu sein. Bei strittigen Wahlen gab er den Ausschlag.
Der Gewählte wurde zuerst vom König mit dem Zepter belehnt und
dann erst mit Ring und Stab ausgestattet. In Burgund und Italien war der
Einfluß des Königs geringer. Dort wurde der Gewählte mit
Ring und Stab investiert und sollte erst nachträglich mit dem Zepter
für die weltliche Gewalt belehnt werden. Insgesamt war das Wormser
Konkordat ein respektabler Kompromiß, mit dem keine Seite ganz einverstanden
war. Er regelte das Vorgehen bei der Investitur der Bischöfe und entschärfte
so den Dauerstreit um diese Frage. Aber er beendete und entschied natürlich
nicht die grundsätzliche Auseinandersetzung zwischen Kaiser und Papst
um den 1. Platz in der christlichen Weltordnung. Hier blieb den kommenden
Generationen noch ein weites Feld.
Der geprellte Erbe
----------------------
HEINRICH war beim
Abschluß des Wormser Konkordats erst 36 Jahre alt, aber er hatte
seit der Niederlage gegen die Sachsen viel von seinem früheren Schwung
verloren. Dem Wormser Konkordat war ein Ausgleich mit den Fürsten
vorangegangen. Beides waren Kompromisse, mit denen HEINRICH
auf Positionen verzichtete, für die er früher mit allen Mitteln
gekämpft hatte. Dass er auch nach 1122 mit den Sachsen nicht zu einem
Ausgleich kam, lag mehr an der Unversöhnlichkeit Lothars
von Supplinburg und Adalberts von Mainz als am Kaiser. ObHEINRICHSKompromißbereitschaft
eher aus Resignation und Altersweisheit herrührte oder von neuen großpolitischen
Möglichkeiten bestimmt war, läßt sich schwer entscheiden.
Denn HEINRICHS Schwiegervater, König
Heinrich von England, war auch Herzog der Normandie und stand
in einer heftigen Auseinandersetzung mit dem französischen König,
dessen Vasall er in der Normandie war. Sein Erbe Wilhelm,
der Zwillingsbruder der Kaiserin Mathilde,
war 1120 bei einem tragischen Schiffsunglück, das sich aus einer alkoholisierten
Party entwickelte, vor der englischen Küste ertrunken. Damit schien
sich ein deutsch-normannisch-englisches Großreich unter HEINRICH
und Mathilde und ihren Nachkommen anzubahnen.
Der französische König Ludwig VI.
rief seine Ritterschaft zum Kampf gegen diese Bedrohung auf. 1124 standen
sich Ludwig und HEINRICH
bei Metz mit ihren Heeren gegenüber. HEINRICH
fühlte sich zu schwach und zog sich ohne Schlacht zurück.
Aber zu dieser Zeit wurde offensichtlich, dass er ein
schwerkranker Mann war und nur noch kurze Zeit zu leben hatte. Eine Krebskrankheit
zerstörte seinen Körper. Auch mit einem Erben war jetzt nicht
mehr zu rechnen, in Deutschland wie in England mußte nach einer anderen
Lösung gesucht werden. HEINRICH
selbst nutzte die letzten Monate, um seine Angelegenheiten zu ordnen und
alte Streitfälle und Ungerechtigkeiten zu bereinigen. So heißt
es in einer Urkunde, die der Kaiser im Mai 1125 für das Kloster St.
Maximin in Trier ausgestellt hat:
"Weil wir augenscheinlich von so schwerer Krankheit schon
ergriffen sind, so dass wir gezwungen werden, an der Sicherheit des gegenwärtigen
Lebens manchmal zu zweifeln, deswegen haben wir beschlossen, nicht nur
der vorgenannten Kirche jetzt richterliche Entscheidung und Gerechtigkeit
zu vollführen, sondern wir versprechen auch allen Kirchen, die in
unserem königlichen und kaiserlichen Reiche von uns oder den Unsrigen
ihrer Besitzungen beraubt worden sind, von diesem Tag und fortan, wenn
uns das Leben bleibt, ihre Güter vor Gott unversehrt zurückgeben
zu wollen."
Am 23. Mai 1125 starb HEINRICH
V. in Utrecht, wie 1039 der erste SALIER
KONRAD. In seinen letzten Verfügungen setzte er Herzog
Friedrich von Schwaben zu seinem Erben ein. Die Reichskleinodien ließ
er bis zur Neuwahl eines Königs auf dem sicheren Trifels bringen.
Die Leiche wurde nach Speyer gebracht und dort beigesetzt. HEINRICHS
Gemahlin
Mathilde kehrte schon im Juni 1125
nach England zurück. Sie spielte dort in den kommenden Jahren als
"die Kaiserin" eine wichtige Rolle in der Politik, und ihre 1027 mit dem
Grafen Gottfried von Anjou geschlossene Ehe ist der Anfang des Königshauses
der PLANTAGENET.