Frommer Hansjörg: Seite 87-113
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"Die Salier und das Herzogtum Schwaben"  1992

Heinrich IV. und Heinrich V.
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1098 nach dem Ausgleich mit den WELFEN, ZÄHRINGERN und STAUFERN erreichte HEINRICH auf einem Fürstentag in Mainz, dass sein abtrünniger Sohn KONRAD für abgesetzt erklärt und an seiner Stelle der jüngere Sohn HEINRICH zum König gewählt wurde. HEINRICH ist nach neueren Untersuchungen erst 1086 geboren, war also bei der Wahl zum König 12 Jahre alt. Der Vater ließ ihn, durch die Erfahrung mit dem älteren Bruder mißtrauisch geworden, schwören:
"... dass er bei des Vaters Leben niemals ohne dessen Einwilligung nach der Regierung oder nach einem Ehrenrecht oder nach irgend etwas, was dem Vater zustehe oder zustehen werde, die Hand ausstrecken wolle."
HEINRICH IV. hatte versucht, sich mit dem neuen Papst Paschalis zu einigen. Schließlich schlug er ihm vor, selber einen Kreuzzug nach Jerusalem zu führen, wenn der Papst ihn vorher vom Bann lösen würde. Zur Vorbereitung dieses Kreuzzuges diente der Reichsfriede von 1103, der für vier Jahre gelten und die Ordnung im Reich während seiner Abwesenheit sichern sollte.
Dieser Frieden knüpft an den Gottesfrieden von 1085 an, aber auch an eine andere Tendenz bei HEINRICH, die schon mit dem Privileg für die Bürger von Worms beginnt und auch bei HEINRICHS Einsatz für die Juden in Speyer und Mainz zum Ausdruck kommt. HEINRICH sorgt sich vor allem um das Schicksal der kleinen Leute und der Schwachen. In dem Bericht über den Abschluß des Gottesfriedens, in dem die Herzöge Welf, Berthold und Friedrich als einzige namentlich genannt sind, heißt es dann:
"Sie beschworen also den Frieden für die Kirchen, Geistlichen, Mönche, Laienbrüder, für Kaufleute, Frauen - dass sie nicht gewaltsam entführt werden dürfen - und Juden. Folgendermaßen lautet der Schwur: Keiner soll in das Haus eines anderen feindlich einfallen noch es durch Brandstiftung verwüsten, keiner einen wegen Geldes gefangennehmen, noch verwunden, noch niederschlagen noch töten."
Der Schutz der Schwachen bot HEINRICH aber auch eine Möglichkeit, seine königliche Stellung wieder auszubauen, denn als oberster Wahrer des Friedens stand er über allen, auch über seinen Adligen, und die Strafbestimmungen des Friedens boten ihm die Möglichkeit, gegen sie vorzugehen. Sein Einsatz für die Schwachen brachte ihm eine große Anhängerschaft in den Städten ein, aber sie führte ihn auch in Gegensatz zum Adel und zu den Fürsten.
Der junge König HEINRICH spürte diesen Konflikt, er sah aber hier auch eine Möglichkeit, ohne inhaltliche Zugeständnisse ein Abkommen mit dem Papst zu erreichen. Sein Vater regierte zwar schon sehr lange, aber er war erst 54 Jahre alt, und bis zu seinem natürlichen Ende wollte der 18-jährige nicht warten. Als HEINRICH IV. im Spätherbst 1104 zum ersten Mal wieder mit einem Heer nach Sachsen zog, verließ der junge König in Fritzlar bei Nacht und Nebel das kaiserliche Quartier und ging nach Bayern. Der Kaiser brach darauf den Feldzug ab und kehrte nach Mainz zurück. König HEINRICH nahm Verbindung mit dem Papst auf. Er bezog sich auf das päpstliche Verbot, mit Gebannten Gemeinschaft zu halten, und verlangte deshalb die Lösung von seinem Eid und seine Anerkennung durch den Papst. Legat bei diesen Verhandlungen war der aus Konstanz vertriebene Gebhard von Zähringen.
Ein Versöhnungsversuch, den Herzog Friedrich mit den drei  rheinischen Erzbischöfen zusammen unternahm, scheiterte, weil sich der junge HEINRICH formell weigerte, mit einem Gebannten in Kontakt zu treten. Kurz nach dieser erfolglosen Mission starb Herzog Friedrich. Sein Tod ersparte es ihm, in dem Konflikt zwischen Vater und Sohn, zwischen seinem Schwiegervater, dem er so viel verdankte, und seinem Schwager und König, mit dem er es in der Zukunft nicht verderben durfte, Stellung nehmen zu müssen. Wie seine Frau Agnes, die ältere Schwester des jungen HEINRICH, dachte, wissen wir nicht. Sie blieb als Witwe zurück und heiratete 1106 den Markgrafen Leopold von Österreich, einen BABENBERGER. Aus jeder Ehe hatte sie 11 Kinder. Sie starb 1143 und liegt in Klosterneuburg begraben. Als Herzog von Schwaben folgte ihr damals 15-jähriger Sohn Friedrich, auch er vermutlich in dem Konflikt zwischen Vater und Sohn ohne eigenen Meinung und ausschlaggebende Stellung.
Gegen Jahresende gelang es dem jungen HEINRICH, die meisten Fürsten auf seine Seite zubringen. Ein von ihm nach Mainz einberufener Reichstag sollte den Streit entscheiden. Aber der König traute weder der Standhaftigkeit seiner Freunde noch der Mainzer Bürgerschaft. Durch Täuschung gelang es ihm, den Vater gefangenzusetzen. Vor kleinem Gefolge, aber im Beisein der päpstlichen Legaten verlangte er von ihm den Thronverzicht und ein öffentliches Sündenbekenntnis. HEINRICH verweigerte dieses Bekenntnis, sprach aber eine Art Thronverzicht aus. Den Teilnehmern an dieser Veranstaltung, vor allem Gegnern des Kaisers, fiel dabei die Härte und Mitleidlosigkeit des jungen HEINRICH auf. Der Reichstag von Mainz bestätigte Anfang 1106 König HEINRICH, und der Kaiser blieb weiter in Haft. Aber da der junge HEINRICH die Sache für entschieden hielt und die Bewachung lockerer wurde, konnte der alte HEINRICH über Köln nach Lüttich entfliehen. Die Bürger von Köln wie die von Lüttich hielten zu ihm, aus Lothringen folgten auch Adlige seinem Aufruf. HEINRICH V. mußte gegen seinen Vater zu Felde ziehen und wurde an der Maas geschlagen. Aber bevor der Krieg zwischen Vater und Sohn weitergehen konnte, starb Kaiser HEINRICH IV. in Lüttich. Seinem Wunsch entsprechend wurde seine Leiche später nach Speyer gebracht. Der Sarg blieb 5 Jahre ungeweiht in einer Kapelle stehen, bevor er in der SALIER-Gruft beigesetzt werden durfte.

Zepter gegen Ring und Stab
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Die Auseinandersetzung zwischen Kaiser und Papst hatte sich theoretisch und praktisch zugespitzt auf die Frage der rechtmäßigen Einsetzung der Bischöfe, ihre Investitur. In dem Streit darum, wer die Bischöfe auswählen und einsetzen könne, waren die theologischen und grundsätzlichen Standpunkte unentwirrbar mit dem konkreten Kampf um Macht und Einfluß verwoben. Denn wenn jede Mitwirkung eines Nichtgeweihten bei der Investitur eines Bischofs Simonie war, dann wurde über die Bischöfe allein von kirchlicher Seite entschieden, und das hieß bei der Tendenz der Kirchenreformer zur Papstkirche immer häufiger direkt bei der Kurie. Da die Bischöfe aber gleichzeitig wichtige und einflußreiche Reichsfürsten waren, hätte das bedeutet, dass der Papst über die Auswahl der Bischöfe die Reichspolitik ganz wesentlich beeinflussen könnte. Für den König waren Bischöfe in erster Linie Reichsfürsten und Reichsbeamte, deshalb konnte er ihre Auswahl und Ernennung nicht der Kirche und dem Papst überlassen. Eine Lösung dieses Investiturstreites war nur möglich, wenn jede Seite bereit war,  den Standpunkt der anderen zumindest zu verstehen und als berechtigt anzuerkennen. Ansätze und Kompromißbereitschaft gab es bei HEINRICH IV. ebenso wie bei Urban II., weil beide in der langen Auseinandersetzung Erfolge erreicht und Niederlagen erlitten hatten, zu den Gebannten und Verdammten ebenso gehört hatten wie zu den Verdammenden und Verurteilenden. Aus der Umgebung Urbans II. stammt das "Büchlein gegen die Eindringlinge und Simonisten und die übrigen Schismatiker" des Kardinalpriesters Deusdedit von 1097, das zwar an der grundsätzlichen Stellung der Reform zur Simonie und Investitur festhält und das Eingreifen der weltlichen Macht in alle kirchlichen Angelegenheiten ablehnt, aber gleichzeitig auch die Eigenständigkeit und Unantastbarkeit der königlichen Macht und Autorität betont. Deusdedit trennte auch zwischen Simonisten und Schismatikern. Simonisten waren Bischöfe, die durch wirklichen Kauf oder als Gegen-Bischöfe gegen einen rechtmäßigen Bischof ins Amt gekommen waren. Sie waren verdammt, mit ihnen war kein Kompromiß möglich. Anders war es mit den Schismatikern, die von der anderen Seite ernannt worden waren oder zeitweilig mit ihr zusammengearbeitet hatten.  Sie konnten wieder in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen werden und ihre Ämter behalten. Damit war die Basis für die Wiederherstellung der Einheit der Kirche gegeben und der Weg für einen Kompromiß zwischen Papst und König gewiesen. Er setzte grundsätzliche gegenseitige Anerkennung der Selbständigkeit und Unabhängigkeit der jeweiligen Bereiche voraus. Dann konnte eine Analyse der Stellung der Bischöfe zeigen, dass sei als Geistliche Teil der Kirche waren und als Reichsfürsten Anteil an der königlichen Macht hatten. Aus dieser Analyse mußte sich ergeben, dass beide Seiten ein legitimes Recht hatten, an der Investitur der Bischöfe beteiligt zu sein.
Der Tod Urbans II. 1099 verhinderte eine schnelle Lösung, weil sein Nachfolger Paschalis zu den Anhängern der harten Linie gehörte und sich zum Teil sehr deutlich von Urban distanzierte, der ihm zu weltlich und zu diplomatisch war. Paschalis war Mönch in Cluny gewesen und den kompromißlosen Idealen dieser Gemeinschaft immer noch eng verbunden. Er hatte kein Verständnis für den weltlichen und machtpolitischen Aspekt der Stellung der Bischöfe, ihm ging es nur um die Reinheit der Kirche. Deshalb war er in mancher Hinsicht dem jungen König HEINRICH V. unterlegen, der ihn geschickt als Werkzeug benützte, um sich gegen seinen Vater durchzusetzen.

Der Weg Heinrichs V. zum Kaisertum
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HEINRICH V. war als König und Kaiser durchaus erfolgreich, aber er ist von den vier SALIER-Kaisern der undurchsichtigste. Er wirkt kühler, geschäftsmäßiger, berechnender als die andern, er nutze die Schwächen seiner Gegner rücksichtslos aus, und er schreckt auch vor unehrlichem Verhalten nicht zurück, wenn er damit seinen Vorteil wahren kann.
Schon sein Geschichtsschreiber Ekkehard von Aura beurteilt ihn so:
"Dieser hat zuerst unter dem Anschein frommer Gewissenhaftigkeit den exkommunizierten Vater der Herrschaft beraubt; in den Ehren bestätigt, hat er die Sitten abgeändert. Aber nachdem er dem apostolischen Stuhl Gewalttätigkeiten zugefügt, ist er sich selbst gegenüber immer tiefer gesunken. Über die Dinge der Gerechtigkeit im Reich hat er nicht viel gewacht. Scharf im Geiste, tapfer und kühn ist er gewesen, wenn auch wenig glücklich in Schlachten, übermäßig im Verlangen nach fremden Besitztümern. Unbegrenzte Gelder hat er, wie gesagt wird, angehäuft, von denen er nach den Worten der heiligen Schrift, da er selbst ohne Kinder starb, ach, ach nicht wußte, für wen er sie als Schatz niedergelegt hatte."
HEINRICHS älterer Bruder KONRAD hatte wie vorher RUDOLF VON RHEINFELDEN im Kampf und sein Königtum vor dem Papst auf alle Investiturrechte verzichtet und ihm sogar zeremoniell den Steigbügel gehalten. HEINRICH erreichte seine Anerkennung durch den Papst ohne irgendwelche Zugeständnisse in der Investiturfrage, weil er sich auf die damals schon nicht mehr so ernst genommene päpstliche Aussage stützte, dass er mit dem gebannten Vater nicht mehr verkehren dürfe und sein Eid ihm gegenüber ungültig sei. In den folgenden Jahren löste HEINRICH die strittigen Bischofsbesetzungen, indem er meist den päpstlichen Kandidaten investierte. Diese Investituren waren nach Ansicht der Reformer und des Papstes regelwidrig, aber da sie die eigenen Kandidaten betraf, konnte man schlecht dagegen protestieren und mußte sich damit beruhigen, dass die Ernennung durch den Papst oder seinen Legaten vorausgegangen war. Doch HEINRICH übte formal und inhaltlich die Investitur der Bischöfe aus, wie es seit den Zeiten der sächsischen Könige und Kaiser gehandhabt worden war.
Im Sommer 1110 sammelte HEINRICH das Reichsaufgebot und zog nach Italien. In der Lombardei traf er mit der Markgräfin Mathilde von Tuscien zusammen, die die Reformpartei gegen seinen Vater so oft und kräftig unterstützt hatte. Ob sie in ihrem Einsatz für die Reform müde geworden war oder erkannt hatte, wieviel Politik und Kampf um Macht auch auf der anderen Seite mitschwang, auf jeden Fall war sie jetzt zu einem Ausgleich bereit. Sie unterwarf sich dem deutschen König, der dafür ihre herausragende Stellung unter den italienischen Fürsten heraushob und bestätigte. In einer möglichen Auseinandersetzung mit dem Papst erklärte sie sich für neutral, und sie setzte später sogar HEINRICH als ihren Erben ein. Mit diesem Rückhalt setzte HEINRICH seinen Romzug fort.
Die Verhandlungen zwischen den Vertretern des Königs und der Kurie führten im Februar 1111 zu einem überraschenden Ergebnis. Die königlichen Unterhändler hatten eine klare Analyse vorgelegt, in der die weltlichen und die geistlichen Funktionen der Bischöfe sauber voneinander getrennt wurden. Dem Papst ging es vorrangig um die Reinheit der Investitur. Er machte deshalb den Vorschlag einer völligen Trennung von Kirche und Staat. Die Bischöfe sollten auf alle weltlichen Rechte, die Regale oder Temporalien verzichten, der König dafür auf die Investitur. Auf diesen Vorschlag konnte HEINRICH leicht eingehen. Wenn er verwirklicht würde, bekam HEINRICH die Verfügung über die Reichsgüter voll zurück, und die Wahl der Bischöfe war für ihn kein vorrangiges Problem mehr. War der Vorschlag aber nicht zu verwirklichen, was viel wahrscheinlicher war, weil die Bischöfe auf ihre weltliche Machtstellung um keinen Preis verzichten wollten, so mußte ihr ganzer Zorn auf den Papst zurückfallen, der in der Naivität seiner mönchischen Ideale den Rückzug der Kirche aus der Welt für den gangbarsten Weg aus dem Konflikt ansah. HEINRICH beschwor deshalb leichten Herzens dieses Abkommen durch einen Sicherheitseid, und der Papst verpflichtete sich ihn dafür zum Kaiser zu krönen.
Die Verhandlungen waren geheim geführt worden. Das Abkommen sollte vor der Kaiserkrönung in der Peterskirche bekanntgegeben und von beiden Parteien beschworen werden. Zuerst erklärte HEINRICH für die königliche und kaiserliche Seite den Verzicht auf die Investitur der Bischöfe mit Ring und Stab. Schon diese Erklärung mußte den zur festlichen Krönung versammelten Bischöfen und Reichsfürsten, die HEINRICHS bisherigen zähen Kampf um das Investiturrecht kannten, befremdlich vorkommen. Als aber nun der Papst seinerseits den Verzicht der Kirche auf alle Regalien vorlas, kam es in der feierlichen Versammlung zu einem Aufstand. Die Bischöfe erklärten den Verzicht des Papstes für ketzerisch, und die Krönung mußte abgebrochen werden.
Die Planung und Durchführung dieser Veranstaltung, die als Festakt angesetzt wurde und im Eklat endete, verrät die Regie eines Mannes mit wenig Illusionen und einem etwas makabren Sinn für Humor. Ihr Ziel war es, dem Papst jede Glaubwürdigkeit zu nehmen. Nachdem der Papst außerstande war, seinen Teil des Vertrages zu erfüllen, forderte HEINRICH nun von ihm das Investiturrecht und die Kaiserkrönung. Da Paschalis sich nicht fügen wollte, nahm er ihn und die Kardinäle in Haft. Der Papst, der von keiner Seite mehr Hilfe erhoffen konnte, gestand HEINRICH die Investitur der Bischöfe mit Ring und Stab zu, allerdings nach kanonischer Wahl, versprach ihm die Kaiserkrönung und verzichtete darauf, jemals den Bann über ihn auszusprechen. Im April erfolgte im Petersdom die Kaiserkrönung und HEINRICH konnte nach Deutschland zurückkehren. Dort ließ er jetzt demonstrativ seinen im Bann gestorbenen Vater in der Kaisergruft in Speyer beisetzen. Vermutlich war HEINRICH klar, dass der Konflikt damit noch nicht endgültig ausgestanden war. Aber für den Augenblick hatte er viel erreicht. Die Reformpartei war in sich zerstritten, ihr Zorn richtete sich gegen ihren eigenen Papst, den sie nun Schritt für Schritt zwingen mußten, von seinen Zusagen, Versprechungen und Verträgen zurückzutreten. Ein Jahr später erklärte eine Synode im Lateran die Verträge zwischen Paschalis und HEINRICH für erzwungen und ungültig. Paschalis selbst wagte es trotzdem nicht, den Kaiser zu bannen. Der Bann erfolgte im Sommer 1112 auf einer Synode in S-Frankreich unter der Leitung des Erzbischofs Guido von Vienne. Aber er hatte seinen Schrecken verloren.

Heinrichs Politik in Deutschland und Italien
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Schon zwischen 1106 und 1110 hatte HEINRICH begonnen, sich um die Sammlung und den Ausbau des Reichsgutes  und des salischen Hausgutes zu bemühen. Auch hier folgte er sehr deutlich den Spuren seines Vaters. In Süddeutschland griff er wenig ein, denn mit den WELFEN wollt er es nicht verderben, und Friedrich von Schwaben war sein Neffe und nächster Verwandter. Wahrscheinlich hat er ihm sogar schon salischen Besitz zum Ausbau seiner Territorialherrschaft überlassen. Er selbst war öfters in Mainz, am Mittelrhein und auch in Lüttich, aber vor allem in den von seinem Vater beanspruchten Besitzzungen in Sachsen. Dort hatte er den Grafen Lothar von Supplinburg, den Schwiegersohn und Erben Ottos von Northeim (Richtig: Schwiegersohn Heinrichs des Fetten Graf von Northeim), als Nachfolger der BILLUNGER zum Herzog eingesetzt. Er hoffte LOTHAR so auf seine Seite zu ziehen und in einem fairen Ausgleich ihm den Norden zum Landesausbau zu überlassen und selber das Königsgut um Goslar wieder in Besitz nehmen zu können. Nach der Rückkehr aus Italien bemühte HEINRICH sich verstärkt um seine sächsischen Ansprüche. Die sächsischen Fürsten und Bischöfe, die sich seit den Tagen von Canossa an die Einvernahmung königlicher Rechte und Besitzungen gewöhnt hatten, wehrten sich gegen den Eindringling, und der Führer der Opposition wurde LOTHAR. Er knüpfte verräterische Verbindungen zu Adalbert, dem von HEINRICH ausgesuchten und eingesetzten Erzbischof von Mainz. Adalbert war ein Vertrauter HEINRICHS, dem er auch das zusammengelegte Amt des Kanzlers für Deutschland und Italien übertragen hatte, persönlich und offiziell einer seiner wichtigsten Berater. Aber Adalbert war auch ehrgeizig und intrigant. Als HEINRICH dahinterkam, ließ er ihn durch ein Fürstengericht aburteilen und einsperren. Die Opposition hatte ihren politischen Kopf verloren.
Für den Januar 1114 lud HEINRICHzu einem großen Reichstag nach Mainz ein. Anlaß dazu war seine Vermählung mit Mathilde, der 1102 geborenen Tochter des englischen Königs Heinrich, mit der er seit langem verlobt war. Sie war schon 1110 nach Deutschland gekommen und gehörte seither zum königlichen Hof. Dieser Reichstag war eine prunkvolle Bestätigung der Machtstellung des Kaisers. Anwesend waren 5 Herzöge, 5 Erzbischöfe und 30 Bischöfe. Die 5 Herzöge waren Friedrich von Schwaben, Welf von Bayern, Heinrich von Kärnten, Wladislaw von Böhmen und Lothar von Supplinburg. Dieser mußte sich in bewährter Weise zunächst demütig unterwerfen, bevor er wieder in die kaiserliche Gnade aufgenommen wurde und seinen Besitz bestätigt erhielt. Aber als HEINRICH später im Jahr bei einem Feldzug gegen die Friesen wenig erfolgreich war, fiel die Stadt Köln von ihm ab und verbündete sich mit den Sachsen. HEINRICH legte sich mit seinem Heer vor Köln. Bei der Belagerung wurde er von Herzog Berthold III. von Zähringen tatkräftig unterstützt. Aber er konnte die Stadt nicht einnehmen und mußte abziehen, nach Kölner Tradition sogar kläglich fliehen.
Da HEINRICH das Zentrum der Opposition in Sachsen vermutete, zog er im Spätjahr mit neuen Kräften dorthin. Nach anfänglichen Erfolgen erlitt er im Februar 1115 in der Schlacht am Welfesholz (bei Mansfeld) eine einschneidende Niederlage. Damit war seine Stellung in Deutschland wieder gefährdet, die Fürstenopposition hatte sich durchgesetzt, und die Bischöfe begannen erneut, den Kontakt zum Papst zu suchen.
In dieser Lage erreichte HEINRICH die Nachricht, dass die Markgräfin Mathilde im Juli 1115 gestorben war. Er beschloß, sich vorrangig um ihr Erbe zu bemühen und die deutschen Angelegenheiten zunächst sich selbst zu überlassen. Mit seiner Stellvertretung beauftragte er Friedrich von Schwaben und dessen BruderKONRAD, dem er gleichzeitig verübergehend das Herzogtum Ostfranken anvertraute, weil der eigentliche Inhaber, der Bischof von Würzburg, zur Opposition übergegangen war. HEINRICH erschien nur mit kleinem Gefolge in Oberitalien. Das Erbe Mathildes nahm er ohne Probleme in Besitz.
Er versuchte auch, mit Paschalis II. zu einer neuen Übereinkunft zu kommen, aber der Papst verlangte vorher einen eindeutigen Verzicht auf jede Investitur. Weil die römische Opposition den Papst aus der Stadt vertrieb, konnte HEINRICH dort einziehen. Der portugiesische Bischof Mauritius von Braga krönte an Pfingsten 1117 die 15-jährige Königin Mathilde zur Kaiserin.
Nach dem Weggang HEINRICHS kehrte Paschalis mit normannischer Waffenhilfe nach Rom zurück. Dort starb er Anfang 1118. Auch der neue Papst Gelasius II. war nicht zu einem Kompromiß bereit und in Rom umstritten. Deshalb förderte HEINRICH die Wahl eines Gegen-Papstes, eben des Bischofs von Braga, der als Gregor VIII. nur wenig Bedeutung erlangte. Bei seinen Gegnern hieß er Burdinus, der spanische Esel. Gelasius floh vor dem Widerstand der Römer nach S-Frankreich. Nach seinem Tod Anfang 1119 wurde der Erzbischof Guido von Vienne als Calixt II. zum neuen Papst gewählt. Im September war ein Abkommen zwischen König und Papst unterschriftsreif, mit dem HEINRICH auf die Investitur verzichtet hätte, wenn ihm die reichsrechtlichen Leistungen der Kirche erhalten geblieben wären. Aber die Kurie verlangte plötzlich den Verzicht des Kaisers auch auf die "Temporalien". Offenbar gab es immer noch einen starken Flügel, der gegen jeden Kompromiß war, und der Papst konnte sich nicht durchsetzen.

Das Wormser Konkordat
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Der Führer der deutschen Opposition gegen HEINRICH wurde immer mehr sein früherer Kanzler, Erzbischof Adalbert von Mainz. Ihn machte der Papst zu seinem Legaten in Deutschland. Es schien als sollte es im Sommer 1121 zu einer neuen Konfrontation kommen. Aber durch Vermittlung der süddeutschen Herzöge wurde der Streit beigelegt und eine Fürstenversammlung nach Würzburg einberufen. Sie beschloß, dass der Streit mit der Kirche ohne Schaden für das Reich beigelegt werden sollte. Die Fürsten boten dazu ihren Rat und ihre Hilfe an. Endlich hatten die Fürsten begriffen, dass HEINRICH nicht nur für seine persönliche Machtstellung kämpfte, sondern für das Reich, und dass ihr Taktieren mit dem Papst dieses Reich auf die Dauer in seiner Substanz gefährden mußte. HEINRICH sagte dafür zu, kanonisch Gewählte auch in ihr Bistum einzusetzen und bei neuen Streitigkeiten mit den Fürsten mit ihnen gemeinsam eine Lösung zu suchen. Der versöhnliche Grundton der Würzburger Beschlüsse ist wohl vor allem auf den Einfluß der Herzöge von Bayern und Schwaben zurückzuführen. Herzog von Bayern war inzwischen der jüngere Bruder Welfs V., Heinrich der Schwarze. Eng mit ihm verbunden war Herzog Friedrich von Schwaben, seit kurzem mit Heinrichs um 1100 geborener Tochter Judith verheiratet und gleichzeitig der nächste Verwandte Kaiser HEINRICHS. Und Friedrich bemühte sich auch um die Umsetzung der Würzburger Beschlüsse. Als im folgenden Jahr der Bischof von Würzburg starb und HEINRICH ohne Rücksprache einen noch nicht Geweihten zum neuen Bischof machen wollte, stellte sich Friedrich zum ersten und einzigen Mal gegen seinen Onkel.
Im September 1122 begannen in Worms die Verhandlungen zwischen dem Kaiser, den Fürsten, den Bischöfen und den päpstlichen Legaten. Zu den weltlichen Fürsten gehörten die Herzöge Heinrich, Friedrich und Berthold. Nach langem zähen Ringen verzichtete HEINRICH auf die Belehnung der Bischöfe mit Ring und Stab. Der Papst löste ihn dafür vom Bann, ohne dass HEINRICH Buße leisten mußte. Ring und Stab galten als Ausdruck der geistlichen Gewalt und waren der Kirche vorbehalten. Die weltliche Gewalt wurde den Bischöfen vom König mit dem Zepter übertragen. Die Bischöfe sollten kanonisch gewählt werden.
Aber in Deutschland hatte der König das Recht, bei der Wahl anwesend zu sein. Bei strittigen Wahlen gab er den Ausschlag. Der Gewählte wurde zuerst vom König mit dem Zepter belehnt und dann erst mit Ring und Stab ausgestattet. In Burgund und Italien war der Einfluß des Königs geringer. Dort wurde der Gewählte mit Ring und Stab investiert und sollte erst nachträglich mit dem Zepter für die weltliche Gewalt belehnt werden. Insgesamt war das Wormser Konkordat ein respektabler Kompromiß, mit dem keine Seite ganz einverstanden war. Er regelte das Vorgehen bei der Investitur der Bischöfe und entschärfte so den Dauerstreit um diese Frage. Aber er beendete und entschied natürlich nicht die grundsätzliche Auseinandersetzung zwischen Kaiser und Papst um den 1. Platz in der christlichen Weltordnung. Hier blieb den kommenden Generationen noch ein weites Feld.

Der geprellte Erbe
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HEINRICH war beim Abschluß des Wormser Konkordats erst 36 Jahre alt, aber er hatte seit der Niederlage gegen die Sachsen viel von seinem früheren Schwung verloren. Dem Wormser Konkordat war ein Ausgleich mit den Fürsten vorangegangen. Beides waren Kompromisse, mit denen HEINRICH auf Positionen verzichtete, für die er früher mit allen Mitteln gekämpft hatte. Dass er auch nach 1122 mit den Sachsen nicht zu einem Ausgleich kam, lag mehr an der Unversöhnlichkeit Lothars von Supplinburg und Adalberts von Mainz als am Kaiser. ObHEINRICHSKompromißbereitschaft eher aus Resignation und Altersweisheit herrührte oder von neuen großpolitischen Möglichkeiten bestimmt war, läßt sich schwer entscheiden. Denn HEINRICHS Schwiegervater, König Heinrich von England, war auch Herzog der Normandie und stand in einer heftigen Auseinandersetzung mit dem französischen König, dessen Vasall er in der Normandie war. Sein Erbe Wilhelm, der Zwillingsbruder der Kaiserin Mathilde, war 1120 bei einem tragischen Schiffsunglück, das sich aus einer alkoholisierten Party entwickelte, vor der englischen Küste ertrunken. Damit schien sich ein deutsch-normannisch-englisches Großreich unter HEINRICH und Mathilde und ihren Nachkommen anzubahnen. Der französische König Ludwig VI. rief seine Ritterschaft zum Kampf gegen diese Bedrohung auf. 1124 standen sich Ludwig und HEINRICH bei Metz mit ihren Heeren gegenüber. HEINRICH fühlte sich zu schwach und zog sich ohne Schlacht zurück.
Aber zu dieser Zeit wurde offensichtlich, dass er ein schwerkranker Mann war und nur noch kurze Zeit zu leben hatte. Eine Krebskrankheit zerstörte seinen Körper. Auch mit einem Erben war jetzt nicht mehr zu rechnen, in Deutschland wie in England mußte nach einer anderen Lösung gesucht werden. HEINRICH selbst nutzte die letzten Monate, um seine Angelegenheiten zu ordnen und alte Streitfälle und Ungerechtigkeiten zu bereinigen. So heißt es in einer Urkunde, die der Kaiser im Mai 1125 für das Kloster St. Maximin in Trier ausgestellt hat:
"Weil wir augenscheinlich von so schwerer Krankheit schon ergriffen sind, so dass wir gezwungen werden, an der Sicherheit des gegenwärtigen Lebens manchmal zu zweifeln, deswegen haben wir beschlossen, nicht nur der vorgenannten Kirche jetzt richterliche Entscheidung und Gerechtigkeit zu vollführen, sondern wir versprechen auch allen Kirchen, die in unserem königlichen und kaiserlichen Reiche von uns oder den Unsrigen ihrer Besitzungen beraubt worden sind, von diesem Tag und fortan, wenn uns das Leben bleibt, ihre Güter vor Gott unversehrt zurückgeben zu wollen."
Am 23. Mai 1125 starb HEINRICH V. in Utrecht, wie 1039 der erste SALIER KONRAD. In seinen letzten Verfügungen setzte er Herzog Friedrich von Schwaben zu seinem Erben ein. Die Reichskleinodien ließ er bis zur Neuwahl eines Königs auf dem sicheren Trifels bringen. Die Leiche wurde nach Speyer gebracht und dort beigesetzt. HEINRICHS Gemahlin Mathilde kehrte schon im Juni 1125 nach England zurück. Sie spielte dort in den kommenden Jahren als "die Kaiserin" eine wichtige Rolle in der Politik, und ihre 1027 mit dem Grafen Gottfried von Anjou geschlossene Ehe ist der Anfang des Königshauses der PLANTAGENET.