Frommer Hansjörg: Seite 87-113
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"Die Salier und das Herzogtum Schwaben"  1992

Kapitel VI

Heinrich IV. und Rudolf von Rheinfelden
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Der Gewaltakt des Kölner Erzbischofs fand nicht nur Anhänger. Aber durch die Polarisierung aller politischen Werte bei der Zuspitzung  des Streites zwischen dem Kaiser und Papst ging auch auf der päpstlichen Seite jeder Sinn für Anstand und Glaubwürdigkeit verloren, und man fand eigenartige Entschuldigungen und Rechtfertigungen für das unerhörte Vorgehen Annos. Dazu gehört, dass Anno nicht mehr mit ansehen konnte, wie HEINRICHS Erziehung vernachlässigt wurde und das Kind zunehmend verwahrloste, so dass er zum Heil des Kindes gezwungen war, einzugreifen. Auch in dieser Darstellung finden sich wieder die unbestimmten und perfiden Vorwürfe gegen die Kaiserin Agnes. Aber HEINRICH IV. war 12 Jahre alt, als er entführt wurde, und er wurde in diesen Jahren sehr von seiner Mutter geprägt. Von ihr hat er die hohe Auffassung von seiner Stellung  und seiner Verantwortung übernommen, und wenn er von Anno von Köln etwas gelernt hat, dann die Gewalttätigkeit und Unbeherrschtheit, die bei ihm immer wieder zum Ausbruch kommen.
Im Gegensatz zur beschönigenden Selbstrechtfertigung der Drahtzieher des Staatsstreichs von 1062 hielt der Sturz der Kaiserin Agnes den Zerfall der Machtgrundlagen des Königtums nicht auf, sondern leitete ihn erst richtig ein. Anno von Köln machte sich zum ersten Berater des Königs und damit zum Chef der Reichsregierung. Er entließ die bisherigen Mitarbeiter der Kanzlei und ersetzte sie durch Leute seines Vertrauens. Die Zustimmung der Fürsten, die diesem Regiment vielleicht noch kritisch gegenüberstanden, erkaufte er sich durch großzügige Besitzübertragungen aus dem Reichsgut und dem Hausbesitz der SALIER. Dabei vergaß er sich und die Kölner Erzdiözese nicht. Anno führte den König über Augsburg und Regensburg nach Goslar, wo es an Pfingsten 1063 zu einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen den Leuten des Abtes von Fulda und denen des Bischofs von Hildesheim kam. Annos Verhalten in diesen Monaten war so sehr von Eigennutz geprägt, dass Adalbert von Bremen es für angezeigt hielt, sich dem Hof anzuschließen und darauf zu achten, dass er nicht leer ausging. Adalbert war jetzt der "Schutzherr" HEINRICHS, Anno sein "Erzieher". Im August war der Hof in Mainz, und dort wurde beschlossen, dass Adalbert mit HEINRICH militärisch in Ungarn eingreifen sollte, während Anno das Reich weiter regierte. Es gelang, Salomon, den Bräutigam von HEINRICHS Schwester Judith, in Ungarn zum König einzusetzen. Dafür anerkannte er die Oberlehensherrschaft des deutschen Königs. Dieser Erfolg stärkte die Stellung Adalberts, der in der Folge als alleiniger Regent auftrat. Aber die ganze Zeit über gingen die großzügigen Schenkungen aus Reichsbesitz an geistliche und weltliche Fürsten weiter, ebenso die einseitige Auswahl von Bischöfen. So förderte Anno nach Kräften seinen Neffen als Bischof von Halberstadt und setzte mit Gewalt seinen Bruder Werner als Erzbischof von Magdeburg durch.
Im Herbst 1063 war der Hof wieder in der bayerischen Hauptstadt Regensburg. Dieses Mal ist auch die Anwesenheit des bayerischen Herzogs Otto von Northeim und Bertholds von Zähringen bezeugt. Berthold war von der Kaiserin Agnes mit dem Herzogtum Kärnten belehnt worden, aber er hatte nie ernsthaft versucht, es in Besitz zu nehmen. Otto von Northeim war einer der Mitverschworenen von 1062. Er amtete zwar als Herzog von Bayern, aber er stammte aus Sachsen und war an dem Besitz interessiert, den HEINRICH III. dort um Goslar herum aufgebaut hatte. Rudolf von Rheinfelden, mit Schwaben und Burgund wichtigster Reichsfürst, stand der Verschwörerregierung von 1062 dagegen fern. Während Gottfried von Lothringen und Otto von Northeim im Bund mit der Kirchenreform und der Reichsregierung Annos von Köln zu großer Macht aufstiegen, war Rudolf noch von der Kaiserin Agnes in seine Ämter eingesetzt worden. Seine Familienverbindungen zu den SALIERN wie zu den Gegnern Gottfrieds in Italien machten ihn eher zum Sachwalter einer fürstlichen Opposition gegen die im Namen HEINRICHS geführte Politik. Und er war immer noch der wahrscheinlichste Nachfolger im Falle des Todes des jungen Königs. Von dieser Haltung Rudolfs wollten später weder die Parteigänger HEINRICHS IV. noch die Anhänger Gregors etwas wissen. Wahrscheinlich taucht Rudolf deshalb zwischen 1062 und 1070 in den Quellen überhaupt nicht auf. Zweimal, 1065 und 1067, zog der Hof mit König HEINRICH durch Schwaben, ohne dass Herzog Rudolf erwähnt wird. Auch bei den Feierlichkeiten zur Erklärung der Mündigkeit HEINRICHS an Ostern 1065 in Worms, bei der Gottfried von Lothringen als Schildträger die Schwertumgürtung vornahm und so seine herausgehobene Stellung als wichtigster Reichsfürst dokumentierte, war Rudolf nicht anwesend.
Seit dem Ungarnfeldzug war der Einfluß Adalberts von Bremen ständig gewachsen. Nachdem HEINRICH mündig geworden war, wurde Adalbert sein ausschließlicher Berater. Damit wurde auch eine Aussöhnung mit der Kaiserin Agnes möglich, die 1064 für mehrere Monate am Hof weilte. Adalbert war eine herausragendere Persönlichkeit als Anno, aber genauso wenig frei von Eigennutz. Er hintertrieb 1065 einen Italienzug HEINRICHS, weil er den Einfluß Annos fürchtete, der sich inzwischen zum Erzkanzler von Italien gemacht hatte. Aber vor allem versuchte er, seine Stellung in der Reichskirche und in Sachsen rücksichtslos auszubauen und schuf sich dabei viele Feinde.

Beginn der Selbstregierung Heinrichs IV.
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Im Januar 1066 kam es deshalb auf einem Reichstag in Tribur am Rhein, bei dem die drei Herzöge Otto, Berthold und Rudolf anwesend waren, zum Sturz Adalberts. Der Drahtzieher war Anno von Köln. Es ist ein Brief von ihm erhalten, in dem er dem Papst über die dortigen Vorgänge berichtet und zu erklären versucht, warum nicht er mit der Führung einer Gesandtschaft zum Papst, sondern Otto von Northeim damit betraut wurde. Seine Freunde, die Herzöge Berthold und Rudolf, hätten ihn gebeten, diese Aufgabe zu übernehmen, aber er habe zuerst abgelehnt, und als er schließlich zustimmen wollte, habe Otto den Auftrag bereits angenommen gehabt. Die Gewundenheit dieser Erklärung deutet darauf hin, dass die weltlichen Fürsten den Einfluß der Bischöfe zurückzudrängen versuchten. Anno hatte zwar Adalbert stürzen können, aber er kam deshalb nicht wieder an die Macht. Mit Tribur endete nicht nur die Herrschaft Adalberts, sondern das gesamte auf die Entführung von Kaiserswerth gegründete Bischofsregiment, und die Selbstregierung HEINRICHS IV. begann.
Im Mai 1066 erkrankte HEINRICH so schwer, dass der Hof um sein Leben fürchtete. Im Sommer erfolgte die Eheschließung mit Bertha von Turin, mit der er schon seit 1055 verlobt war und die mit seinen Schwestern zusammen am Hof erzogen worden war. Von da an begleitete Bertha den König. Durch diese Heirat wurde Rudolf von Rheinfelden erneut direkt mit dem König verbunden, manche sehen in der Eheschließung sogar seinen Einfluß. Die Heirat stand aber auch in Zusammenhang mit der Italienpolitik, denn  der Anlaß für die Verlobung war die Verbindung Gottfrieds von Lothringen mit der Markgräfin von Canossa gewesen, die ja noch immer bestand. Ganz allgemein erwartete man, dass HEINRICH jetzt nach Italien ziehen würde. Ende des Jahres sah sogar der Papst sich gezwungen, die Kaiserin-Witwe mit einem dringenden Hilfeersuchen zu ihrem Sohn zu schicken, denn der Normannen-Fürst Richard von Capua, der ihn als Oberlehensherren anerkannt und mit seinen Truppen nach Rom gebracht hatte, dehnte sich jetzt ungeniert auf römischem Gebiet aus und beanspruchte den Titel des Patricius.
HEINRICH hatte den größten Teil des Jahres in Sachsen verbracht und sah dort seine Hauptaufgabe. Trotzdem willigte er in einen Romzug für Anfang 1067 ein. Das wollte Gottfried von Lothringen auf jeden Fall verhindern. Deshalb wartete er das Aufgebot nicht ab, sondern zog mit einem eigenen deutschen Heer, das sich in Italien weiter verstärkte, gegen die Normannen. Er wollte damit Präsenz und Stärke demonstrieren, aber die Normannen auch nicht zu schwer treffen. So kam es zu keiner Entscheidung, sondern nur zu einem windigen Vertrag, der aber immerhin die römischen Besitzungen wieder freigab. Als HEINRICH hörte, dass Gottfried schon losgezogen sei, verzichtete er selbst auf einen Romzug. Er schickte Otto von Northeim als seinen Vertreter nach Italien und wandte sich selbst wieder nach Sachsen. Dort versuchte er, die schon von seinem Vater begonnene Sammlung des Königsgutes um Goslar wiederaufzunehmen. Sein Bemühen um eine Verbreiterung der eigenen Machtbasis nach der Verschleuderung des Reichsgutes vor allem durch Anno von Köln ist verständlich, aber die Partei derer, die in Italien  auf das Eingreifen der deutschen Regierung wartete und hoffte, wurde wieder schwer enttäuscht. Otto von Northeim, der in HEINRICHS Auftrag in Italien auftreten sollte, stand im Einvernehmen mit Gottfried von Lothringen.
Zu Beginn des Jahres 1069 führte HEINRICH einen erfolgreichen Feldzug über die Elbe gegen die Liutizen. Auf dem Rückweg kam es auf einem Gut Ottos von Northeim zu einem Anschlag auf einen vertrauten Begleiter HEINRICHS, dem HEINRICH keine weitere Bedeutung beimaß, weil er Otto zu dieser Zeit noch völlig vertraute. An Pfingsten verlangte HEINRICH in Worms die Auflösung seiner Ehe. Er wie die Königin bezeugten, dass die Ehe nicht vollzogen und Bertha noch jungfräulich sei. Der Affront gegenüber der jungen Frau und ihrer Familie war groß, aber die italienischen Verhältnisse lagen HEINRICH fern, und sein Schwager Rudolf hatte etwa zur gleichen Zeit seine Frau, die Schwester Berthas, unter der - falschen - Anschuldigung der Unkeuschheit verstoßen. Die Versammlung von Worms beschloß, diese Frage auf einer besonderen Synode zu regeln, und der Mainzer Erzbischof bat beim Papst dafür um die Entsendung eines Legaten. Der schickte den allseits verehrten Petrus Damiani, den geistlichen Berater der Kaiserin-Witwe Agnes, der das Ansinnen des Königs so überzeugend zurückwies, dass HEINRICH sich schließlich beugte:
"Wenn das bei Euch so unabänderlich und hartnäckig feststeht, so werde ich selbst mir das Gebot auflegen und so, wie ich kann, die Last tragen, welche ich nicht niederzulegen vermag".
Was der Hintergrund dieser menschlichen Tragödie war, ist bei dem vielen, was HEINRICH von seinen Gegnern zugeschrieben wurde, schwer auszumachen. Möglicherweise spielte eine Rolle, dass beide noch sehr jung und seit langem wie Geschwister gemeinsam aufgewachsen waren. Aber die Entscheidung bedeutete doch, dass der König in einer wesentlichen Frage von dem die christliche Sittlichkeit verkörpernden Legaten des Papstes zurechtgewiesen und an seine Pflicht erinnert wurde. Das Bewußtsein von der höheren Autorität des Papstes, das in den letzten Jahren manchmal gelitten hatte, war voll wiederhergestellt. Die Versöhnung durch den Legaten war übrigens sehr wirksam. Bertha blieb bis zu ihrem Tod 1087 treu an der Seite ihres Mannes, und sie hatten zusammen fünf Kinder, von denen das erste und das zweite aber schon bald nach der Geburt starben.
An Weihnachten 1069 starb Gottfried von Lothringen, der langjährige Gegner HEINRICHS III. und des salischen Hauses, der durch seine Ehe mit der Markgräfin Beatrix aus dem Hause CANOSSA die italienischen Verhältnisse doch nachhaltig verändert hatte. Er stiftete noch in seinen letzten Monaten von Bouillon aus ein Kloster, das er großzügig mit eigenem Besitz ausstattete, und verheiratete seinen Sohn aus 1. Ehe, Gottfried den Buckligen, mit seiner Stieftochter Mathilde, der Erbin des markgräflichen Besitzes in Italien. Der jüngere Gottfried geriet mit seiner der Kirche und der Kirchenreform sehr eng verbundenen neuen Gattin sofort in Konflikt, weil er die Schenkungen seines Vaters nicht wollte. Er wurde von König HEINRICH mit Nieder-Lothringen belehnt und blieb ihm ein treuer Gefolgsmann. Für Italien interessierte er sich nicht, und die Ehe mit Mathilde wurde bald wieder getrennt. Mathilde wurde mit ihren italienischen Besitzungen zu einer der Hauptstütze der Kirchenreform und vor allem Gregors.

Absetzung Ottos von Northeim
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Zwischen 1070 und 1073 verschlechterte sich das Verhältnis des Königs zu den Herzögen grundsätzlich und tiefgreifend. Die Ursachen dafür sind auf beiden Seiten zu suchen. HEINRICH, immer noch erst 20 Jahre alt, war leichtsinnig, sprunghaft in seinen Entscheidungen und Einflüssen und Einflüsterungen aus seiner engeren Umgebung zugänglich. So sagt eine bayerische Chronik von ihm:
"Während langer Zeit schon begann der König alle Mächtigen zu verachten, dagegen die Geringeren durch Reichtümer und Hilfsmittel emporzuheben, und nach der letzteren Rat verwaltete er, was zu verrichten war; von den Vornehmen aber ließ er selten einen zu seinen geheimen Dingen zu. Und weil vieles in ungeordneter Weise geschah, entzogen sich die Bischöfe, die Herzöge und andere Große des Reiches den Angelegenheiten des Königs".
Auf mangelnde Überlegung weist auch die Art und Weise hin in der HEINRICH die notwendigen Ernennungen von Kirchenfürsten handhabte. Das konnte ihm sehr wohl den Vorwurf der Simonie einbringen und zu Berufungen an den Papst führen, so etwa im Falle des Konstanzer Bistums, wo er Anfang 1070 ohne jede Rücksicht auf die örtlichen Wünsche und Vorschläge einen Bischof aus seinem Umfeld bestimmte und dann seine Einsetzung zu erzwingen versuchte. Sicher nahm er damit ein Königsrecht nur so wahr, wie es auch sein Vater getan hatte, aber die Empfindlichkeit für Eingriffe des Staates in die Kirche war seither gewachsen, und die Maßstäbe und Auswahlkriterien HEINRICHS III. waren strenger und unangreifbarer gewesen als die seines Sohnes jetzt. Auch wenn man die Aggressivität der gegen HEINRICH gerichteten Propaganda abzieht, hat man den Eindruck, dass er in diesen Jahren zu vorschnellen und nicht durchüberlegten Entscheidungen neigte, und schon damals sah man die Schuld gerne bei den bösen Ratgebern niederen Ranges. In dieser Umgebung befanden sich im übrigen auffallend viele Schwaben.
Auf der anderen Seite steht die schillernde Gestalt Ottos von Northeim, der seit seiner Ernennung zum Herzog von Bayern durch die Kaiserin-Witwe Agnes 1061 bei jeder politischen Entscheidung führend beteiligt war, und immer bei der Partei, von der er sich den größten Nutzen versprach. 1062 war er an dem gegen seine Gönnerin Agnes gerichteten Staatsstreich von Kaiserswerth beteiligt, 1066 führte er mit Rudolf die Fürstenopposition gegen Adalbert von Bremen, und 1069 ereignete sich in seinem Haus der Anschlag auf einen Diener HEINRICHS. Dazu meldete sich nun 1070 ein Zeuge, der behauptete, er sei damals von Otto dazu gedungen worden, den König zu erstechen, wenn er sich in den Kampf einmischen würde. Otto stritt die Anschuldigungen ab, der nicht sehr vertrauenswürdige Egino hielt sie aufrecht, und HEINRICH ordnete einen Zweikampf als Gottesgericht an. Das entsprach zwar damaligen Rechtsempfinden, war aber bei dem großem Rangunterschied zwischen Egino und Otto ungewöhnlich. Zu dem befohlenen Hoftag in Goslar erschien Otto mit einem starken Herr und machte deutlich, dass er nicht zum Zweikampf antreten werde. Den direkten Aufstand wagte er aber auch noch nicht, sondern er ging auf seine Güter zurück. Damit hatte er gegen seine Treuepflicht verstoßen, und die anwesenden Fürsten erklärten ihn für schuldig und friedlos und entzogen ihm das Herzogtum Bayern ebenso wie seinen Familienbesitz in Sachsen.
Rudolf von Rheinfelden war mit diesem Vorgehen durchaus einverstanden. Er hatte Ottos Seitenwechsel von 1062 nicht mitgemacht, sein Auftreten in Italien 1068 als Vertreter HEINRICHS, aber in Absprache mit Gottfried, hatte ihn mißtrauisch machen müssen, und gegen seine Verwaltung des Herzogtums Bayern war manches einzuwenden. Immerhin waren Rudolf wie HEINRICH mit ihren Ehefrauen wieder versöhnt, und Rudolf vermittelte seinem Schwager auch einen geeigneten Kandidaten für das bayerische Herzogtum. Einer der Gegner HEINRICHS III.bei der Fürstenverschwörung von 1054 war Welf III. gewesen, Inhaber des welfischen Familienbesitzes zwischen Bayern und Schwaben und Herzog von Kärnten. Mit seinem Tod 1055 erlosch die ältere Linie des WELFEN-Hauses. Seiner Witwe gelang es, den Familienbesitz für ihren Enkel, den Sohn ihrer Tochter mit dem Markgrafen von Este, zu erhalten. Dieser Welf IV. hatte den Ehrgeiz, Herzog von Bayern zu werden, und heiratete deshalb die Tochter Ottos von Northeim, aber als Otto in Ungnade fiel und abgesetzt wurde, trennte er sich von dieser Frau und entschied sich für Judith, die Tochter Balduins von Flandern und Witwe eines englischen Earls, die ein ansehnliches Vermögen in die Ehe einbrachte. Auf Betreiben RUDOLFS wurde Welf mit Bayern belehnt, und da Otto sich dort viele Feinde gemacht hatte, wurde der neue Herzog ohne Probleme akzeptiert.
Zu dieser Zeit war das Verhältnis zwischen HEINRICH und Rudolf noch in Ordnung. HEINRICH war Anfang 1071 in Augsburg zur Einsetzung Welfs und zog anschließend gemeinsam mit Rudolf durch Schwaben. Allerdings war der von HEINRICH ernannte Bischof Karl von Konstanz immer noch nicht geweiht. Erst auf einer Synode in Mainz im August trat Karl überraschend aus eigenem Antrieb zurück, und ein neuer von HEINRICH benannter Geistlicher aus Goslar, Otto, wurde von der Synode geweiht und belehnt. In der Zwischenzeit hatte sich allerdings HEINRICH mit Adalbert von Bremen ausgesöhnt, und der vermittelte einen Frieden mit Otto von Northeim, weil er auf diesem Wege hoffte, für seine eigenen Pläne in Sachsen Verbündete zu gewinnen. An Ostern unterwarf sich Otto und erhielt dafür seine Eigengüter zurück. Adalbert rückte offiziell wieder in die Funktion eines Beraters und blieb bis zu seinem Tod im März 1072 beim Hof.

Streit und Versöhnung mit Rudolf
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Mit dieser neuen Wendung der königlichen Politik verschlechterte sich das Verhältnis des Königs gegenüber denen, die ihn bisher gegenüber Otto unterstützt hatten. Das galt besonders für die drei süddeutschen Herzöge Berthold von Zähringen, Welf und Rudolf von Rheinfelden. Für sie war die plötzliche Versöhnung mit Adalbert, an dessen Sturz 1066 Rudolf maßgeblich beteiligt war, und mit dem intriganten Otto von Northeim, dem gegenüber Welf und Rudolf alle Gründe hatten mißtrauisch zu sein, Anlaß zu Vorsicht und Zurückhaltung. Wenn HEINRICH bei so weitreichenden Entscheidungen ihren Rat nicht einholte und vermutlich sogar ihre ungefragt erhobenen Einwendungen einfach beiseite schob, dann mußten sie ihre eigene Stellung als gefährdet ansehen. Erschwerend kam dazu, dass die neuen Ratgeber HEINRICHS vorwiegend aus dem schwäbischen Raum kamen, ihnen also keine Unbekannten waren. Schon Anfang 1072 kam es zu ernsten Spannungen, weil HEINRICH die Herzöge ultimativ aufforderte, am Hof zu erscheinen, was diese unter solchen Bedingungen, fast schon als Angeklagte, ablehnten. HEINRICH erwog deshalb kurzzeitig ein militärisches Eingreifen. Rudolf schlug zur Versöhnung ein Treffen mit HEINRICH vor und als Vermittlerin die Kaiserin-Witwe Agnes.
Rudolf hatte Agnes den Aufstieg zu seiner jetzigen Würde zu verdanken, sie hatte ihn in ihre Familie aufgenommen und nach dem frühen Tod ihrer Tochter die zweite Ehe mit Adelheid von Turin vermittelt. Das erste Enkelkind der Kaiserin war vielleicht Rudolfs Sohn Berthold, und Rudolfs zweite Tochter aus seiner zweiten Ehe hieß nach ihr Agnes. Außerdem wußte Rudolf, dass am ehesten die Kaiserin-Witwe imstande war, HEINRICH umzustimmen und eine dauerhafte Versöhnung herbeizuführen. Dass Rudolf überhaupt eine Vermittlung für notwendig hielt und sie nur noch Agnes zutraute, zeigt, wie vergiftet das Verhältnis zwischen ihm und HEINRICH inzwischen war. Agnes reiste auf Einladung Rudolfs, aber auch im Auftrage des Papstes, der ihr als Begleitung den Abt Hugo von Cluny beigab, einen alten Freund, der auch der Taufpate des Königs war. Das Treffen fand Ende Juli in Worms statt. Die Erzbischöfe von Köln und Mainz übernahmen die Bürgschaft für Rudolfs Sicherheit, und Agnes nahm selbst an den Gesprächen teil, in denen sich Rudolf gegen den Vorwurf des Verrats verteidigte und seine Haltung rechtfertigte. Für den fast doppelt so alten Herzog, der sich aus den Intrigen der vergangenen Jahre herausgehalten hatte, war es sicher nicht leicht, sich vor dem 22-jährigen König gegen Vorwürfe zu wehren, die er für unberechtigt hielt, und es war vielleicht mehr die Anhänglichkeit an Agnes und an das salische Haus als politische Notwendigkeit, wenn er diese Demütigung auf sich nahm. Die Versöhnung gelang, allerdings blieb bei Rudolf der Eindruck, dass HEINRICH sein Mißtrauen nur zurückgestellt, nicht wirklich überwunden habe. Immerhin wurde am Palmsonntag 1073 in Eichstätt die Versöhnung wiederholt und auf die Herzöge Berthold und Welf ausgedehnt.
Für das Vertrauensverhältnis zwischen Rudolf von Rheinfelden und Agnes spricht auch, dass durch ihre Vermittlung zwei Mönche von St. Blasien nach Fruttuaria geschickt wurden und danach ihr Kloster im Sinne der strengen Regeln der Reform umgestalteten. Zur selben Zeit, 1071 wurde der bayerische Mönch Wilhelm Abt des zum Bistum Speyer gehörenden Klosters Hirsau. Wilhelm erreichte zunächst beim Grafen von Calw die freie Abtswahl, wie es die Cluniazenserregel verlangte. Diese führte er dann schrittweise für das ganze Klosterleben ein. Bei einem Aufenthalt in Rom 1075 wurde er auch zum überzeugten Anhänger der politischen Linie Gregors. Unter Wilhelm wurde das Kloster Hirsau zum führenden Reformkloster, dessen Einfluß weit über die Grenzen Schwabens hinausreichte.
Der Eindruck, den die Kaiserin Agnes von der Umgebung ihres Sohnes mit zurücknahm, kann nicht der beste gewesen sein, denn auf ihr Betreiben drohte der Papst bei der Fastensynode von 1073 mehreren Beratern des Königs, namentlich dem Grafen Eberhard von Nellenburg, die Exkommunikation an, wenn sie mit ihren simonistischen Praktiken fortfahren würden. HEINRICH hatte bereits bei der Mainzer Synode, die sich mit der Besetzung des Bistums Konstanz beschäftigte, manches zugeben müssen, was ohne sein Wissen im Vorfeld der Ernennungen stattgefunden hatte, und es war ihm offenbar nicht gelungen, in diese Geschichten Ordnung zu bringen. In einer Atmosphäre, in der Simonie zur Wurzel allen Übels hochstilisiert wurde, mußte es aber auf ihn zurückfallen, wenn seine Umgebung in den Verdacht geriet, bei der Besetzung höchster geistlicher und auch weltlicher Ämter die Hand aufzuhalten.

Hildebrand wird neuer Papst
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Am 21. April 1073 starb Alexander II. im 12. Jahr seines Pontifikats. Unter ihm hatte das Papsttum seine Stellung nach innen und außen festigen können, nach innen, weil die Reform sich in ihrer radikalen, auf den Papst bezogenen Form in der Kirche weitgehend durchgesetzt hatte, nach außen, weil mit Geschick immer wieder ein Eingreifen des Reiches in Italien verhindert und der Papst dort zur ersten Instanz gemacht worden war. Sogar in den Kampf der Normannen um England hatte sich Hildebrand im Namen des Papstes eingemischt und Herzog Wilhelm zur Anerkennung seiner Ansprüche eine päpstliche Fahne geschickt, aus der später ein Anrecht auf Lehensoberhoheit abgeleitet werden konnte. Während der Trauerfeierlichkeiten für Alexander wurde in tumultartiger Weise von den anwesenden Geistlichen und Laien Hildebrand zum Papst ausgerufen und inthronisiert. Trotz dieser alles andere als kanonischen Wahl sah der neue Papst sich unbedenklich als rechtmäßig an. Dem deutschen König teilte er die Wahl mit, nicht zur Bestätigung, sondern aus Höflichkeit. Die Wahl Gregors bedeutete an sich keine große Änderung, weil er ja schon unter den vorausgehenden Päpsten die eigentlich maßgebende Persönlichkeit gewesen war. Aber die Erhöhung des führenden Theoretikers der radikalen Kirchenreform zum ersten Bischof der Kirche wirkte spaltend, schon zu Beginn und bis über das Ende seines Pontifikats hinaus. Als die Anzeige von Gregors Wahl den Hof erreichte, rieten zwar manche zu Gegenmaßnahmen, aber HEINRICH wollte keinen Konflikt und akzeptierte die Wahl.

Aufstand in Sachsen
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HEINRICH plante nämlich für den Spätsommer einen großen Feldzug über die Elbe gegen die Liutizen und gegen den König von Polen. Dazu hatte er das Reichsheer nach Goslar aufgeboten. Er selbst hielt sich den Sommer über auf der Harzburg auf, einer der Burgen, die er zur Abwehr der Liutizen im sächsischen Land hatte anlegen lassen, die aber von den Sachsen immer mehr als gegen sie gerichtete Zwingburgen angesehen wurden. Die Harzburg war einer der Lieblingsplätze HEINRICHS, dort waren die Gräber seines jung verstorbenen Bruders Konrad und seines nach der Taufe verstorbenen Sohnes, und dort hielt er sich seit der Unterwerfung 1072 den Sachsenherzog Magnus gefangen, den Dauergegner Adalberts von Bremen. HEINRICH merkte offenbar nicht, wie sich die Stimmung gegen ihn in Sachsen verschlechterte, zum Teil berechtigt, denn er betrieb dort planmäßig den Ausbau des Königsguts und stand deshalb im Konflikt mit vielen adligen Familien und Kirchenfürsten, zum Teil aber auch als Propaganda. So wurde erzählt, er plane die Ausrottung des sächsischen Stammes, um das Land an seine Schwaben zu geben. Nachdem HEINRICH die Beschwerden der sächsischen Großen rüde zurückgewiesen hatte, fühlten sich diese zum offenen Aufstand berechtigt. Ihr Führer war natürlich wieder Otto von Northeim. Das sächsische Aufgebot sammelte sich wie für den Feldzug, wandte sich aber plötzlich gegen den König und begann, die Harzburg zu belagern. HEINRICH flüchtete mit den Reichsinsignien und wenigen Getreuen, darunter Herzog Berthold von Zähringen, nach Hersfeld. Dort traf er sich mit den wichtigsten Reichsfürsten, darunter auch RUDOLF, die ja bereits ihr Aufgebot für den Feldzug zusammengestellt hatten. HEINRICH stellte ihnen eindrücklich seine Zwangslage vor und hoffte, sie davon überzeugen zu können, sofort mit ihm gegen die Sachsen zu ziehen. Aber unter dem Einfluß RUDOLFS wurde beschlossen, den Aufmarsch einstweilen auf Oktober zu verschieben. Dazu mußte HEINRICH der Freilassung von Herzog Magnus zustimmen, um die arg bedrängte Besatzung der Lüneburg freizubekommen. Seither galt das Sprichwort, für einen Sachsen seien 70 Schwaben zu kaufen.
HEINRICHS Lage hatte sich sehr verschlechtert. Statt einen erfolgreichen und ruhmbringenden Feldzug über die Elbe zu führen, mußte er plötzlich das verteidigen, was für ihn die Grundlage seiner Macht war, die königliche Stellung in Sachsen. Die aufständischen Sachsen unter Otto von Northeim bestritten, dass HEINRICH noch König sei, weil er gegen die Treuepflicht verstoßen habe. Sie fühlten sich deshalb an ihren Eid nicht mehr gebunden. Und die süddeutschen Herzöge unter der Führung Rudolfs von Rheinfelden, die HEINRICH hätten unterstützen können, wollten ihr Aufgebot nicht gegen die Sachsen führen. Rudolf war damals mehrere Wochen im direkten Gefolge des Königs. Er versuchte offenbar, den König für eine neue Politik zu gewinnen, die den sächsischen Konflikt durch ein Zurückweichen HEINRICHS entschärfen sollte und insgesamt auf eine mehr indirekte und zurückhaltende Ausübung der Königsherrschaft gerichtet war. Auf seinen Einfluß hin schrieb HEINRICH zur Absicherung seiner Stellung auch einen Brief an Papst Gregor, in dem er Fehler seiner Regierung zugab, die er seiner Jugend und seiner Abhängigkeit von falschen Ratgebern zuschrieb, und um den Schutz des Papstes bat. Auch Rudolf stand mit Gregor in Verbindung, und dieser lud ihn für September nach Italien ein, um dort gemeinsam mit der Kaiserin-Witwe Agnes und der Markgräfin Adelheid von Turin, der Schwiegermutter Rudolfs und HEINRICHS, eine Versöhnung vorzubereiten.
Es gehörte zu Rudolfs politischer Linie, den Sachsen nicht mit Heeresmacht zu drohen, sondern den Frieden durch Verhandlungen und durch Zugeständnisse des Königs zu erreichen. Diese Verhandlungen wurden von den Erzbischöfen von Mainz und Köln vorbereitet und am 20. Oktober in Gerstungen zum Abschluß gebracht. HEINRICHwar nicht dabei. Die Interessen des Reiches wurden von den vier Bischöfen und drei Herzögen vertreten, Rudolf, Berthold und Gottfried von Lothringen. Die Sachsen waren zwar bereit, sich zu unterwerfen, aber nur gegen erhebliche Zugeständnisse HEINRICHS:
+ Untersuchung aller Vorwürfe
+ Anerkennung der sächsischen Rechte
+ Aufgabe der Königsburgen
Dieses Ergebnis entsprach den Vorstellungen Rudolfs und der anderen Reichsfürsten. Sie stimmten ihm deshalb zu und sahen keinen Grund mehr, gegen die Sachsen militärisch vorzugehen. Deshalb war auch HEINRICH gezwungen, zuzustimmen. Aber es war Rudolf nicht gelungen, HEINRICH wirklich von dieser Linie der Politik zu überzeugen. Der König hatte seinen Schock vom Sommer überwunden und sah in den Zugeständnissen von Gerstungen die Preisgabe seines Königtums. Sein Mißtrauen gegen Rudolf und Berthold, die Träger dieser Politik, die sich geweigert hatten, ihr Aufgebot gegen die Sachsen zu führen und so den Aufstand in seinem Sinn niederzuschlagen, wurde immer größer. Die Herzöge bekamen den Unwillen des Königs und sein Mißtrauen vor allem aus den Reaktionen seiner näheren Umgebung zu spüren und begannen, sich am Hof in ihrer Sicherheit bedroht zu fühlen. In diese gespannte Lage hinein platzte die Ankündigung eines zum Gefolge HEINRICHS gehörenden Regengar, er sei vom König gedungen worden, die beiden Herzöge zu ermorden. Es liegt nahe, dahinter eine Intrige Ottos von Northeim zu vermuten, denn die Sachsen hatten von einem Konflikt zwischen den Herzögen und HEINRICH am meisten zu gewinnen. Rudolf verweigerte eine Zweikampf und übertrug die Untersuchung dieser Affäre dem zu Weihnachten vom Erzbischof von Mainz dorthin einberufenen Fürstentag.HEINRICH wurde nun von allen Seiten aufgegeben. Mit kleinem Gefolge zog er an den Rhein. In Ladenburg blieb er mehrere Wochen so krank liegen, dass sein Tod befürchtet oder erwartet wurde. Auf der anderen Rheinseite in Worms wollte ihm der Bischof mit seinen Leuten den Eintritt in die Stadt verwehren. Aber die Wormser Bürger bewaffneten sich, vertrieben den Bischof und seinen Anhang und nahmen den so tief Gefallenen in ihre Mauern auf.
Die Parteinahme der Wormser für den König hatte eine gewisse Signalwirkung. Der Fürstentag in Mainz platzte, weil einige Fürsten sich nicht mehr sicher fühlten und vielleicht auch die Stimmung der Mainzer Bürger gegen ihren Bischof und für den König war. Bei einer Zusammenkunft mit einigen der Fürsten in Oppenheim wurde wenigstens beschlossen, den Mordanschlag durch einen Zweikampf zwischen Regengar und einem Gefolgsmann HEINRICHS zu klären. Aber Regengar fiel in Wahnsinn und beging am Tag vor dem Zweikampf Selbstmord. Damit schlug die Stimmung jedoch wieder zugunsten HEINRICHS um. Den Wormser Bürgern dankte HEINRICH durch ein großzügiges Zollprivileg, das den Weg zur Entwicklung der Städte im Mittelalter weist.
HEINRICHS Hartnäckigkeit in der sächsischen Frage erwies sich schließlich für ihn als richtig. Dass die Sachsen die Harzburg nicht nur eroberten, sondern auch plünderten und die Gräber der Königskinder schändeten, nahm die Öffentlichkeit gegen sie ein. Im Frühjahr 1074 konnte er mit den Legaten des Papstes in Nürnberg Einvernehmen erzielen. Seine Mutter Agnes, die ebenfalls dieser Delegation angehörte, vermittelte noch einmal zwischen ihm und den Herzögen Rudolf und Berthold. Mit ihnen zusammen hielt der König an Weihnachten 1074 in Straßburg Hof. Bei dem Feldzug in Sachsen im Sommer 1075 war das Aufgebot der süddeutschen Herzöge der Kern des königlichen Heeres und Rudolf der wichtigste Führer, und in der Schlacht von Homburg trugen das schwäbische und das bayerische Aufgebot die schwersten Verluste davon. Deshalb beteiligten sie sich an einem zweiten Feldzug im Herbst nicht. Trotzdem erreichte HEINRICH damit die völlige Unterwerfung der Sachsen, weil der wendige Otto von Northeim sich wieder auf seine Seite geschlagen hatte und zu aller Erstaunen zum vertrautesten Ratgeber des Königs aufstieg. Zu Weihnachten 1075 konnte HEINRICH mit einer Reichsversammlung in Goslar nicht nur den Sachsenkrieg in seinem Sinne beenden, sondern auch seinen  noch nicht zwei Jahre alten Sohn KONRAD die Nachfolge sichern. HEINRICHS Königtum, das vor zwar Jahren am Ende schien, stand jetzt gefestigt wie zu Zeiten seines Vaters.

Absetzung Gregors und Bann über Heinrich
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Am Neujahrstag 1076 erhielt HEINRICH einen Brief von Gregor VII., in dem dieser den König wegen seiner Kirchenpolitik in Mailand angriff. Dort unterstützte der Papst einen von der Pataria gestellten Erzbischof, während der König die bisherige Kirchenaristokratie förderte. Der Papst sah im Verhalten HEINRICHS den Bruch früherer Zusagen, sich in die Verhältnisse in Italien nicht einzumischen, und drohte ihm mit dem Kirchenbann. HEINRICH berief für Ende Januar eine Reichsversammlung nach Worms. Auf dieser von der Mehrzahl der deutschen Bischöfe besuchten Versammlung zeigte sich der ganze Unmut, der sich dort über die ständigen Eingriffe und Appellationen des Reformpapstes aufgestaut hatte. Mehr von der Seite der Kirchenfürsten als von HEINRICH ging der Entschluß zum völligen Bruch mit Gregor aus. Bestärkt wurde die Versammlung durch das Auftreten des Kardinals Hugo Candidus. Er war einst aus Lothringen mit Papst Leo IX. nach Rom gegangen und hatte dort immer wieder eine etwas schillernde Rolle gespielt, auch bei der Erhebung Gregors zum Papst. Dort war er inzwischen in Ungnade gefallen. Sein Bericht über die Gegner und Feinde Gregors und über dessen Lebenswandel und Verfehlungen schien die Absetzung eines Unwürdigen zu rechtfertigen und leichtzumachen.
So beschloß die Versammlung in Worms die Absetzung, und sie wurde Gregor in zwei Schreiben mitgeteilt, einem bischöflichen und einem des Königs, die beide an Hildebrand gerichtet waren. In dem Brief HEINRICHS heißt es:
"Nachdem du mir zuerst die ganze erbliche Hoheitsstellung, die mir beim römischen Stuhle zukam., mit einem Übergriff geraubt hattest, gingst du weiter und versuchtest, mir das Königreich Italien durch üble Künste zu entfremden.. Während ich über das alles mit einer Art Geduld hinwegsah, hast du, die Geduld als Feigheit deutend, gegen das Haupt selber dich zu erheben gewagt und mit vermeldet - so sind deine Worte -, entweder wollest du sterben oder mir Seele und Reich wegnehmen. Da ich gegen eine so unerhörte Widersetzlichkeit nun  nicht Worte, sondern nur die Tat wirksam erachte..., spreche ich dir jedes Recht auf das Papsttum ab und befehle dir, von dem römischen Stuhle... herabzusteigen."
Diese Briefe erreichten Rom während der Fastensynoden im Februar. Ihre Wirkung war ungeheuer. Die Römer wie die Kirche stellte sich hinter den angegriffenen Papst, und dieser sprach im Gegenzug in der Form eines Gebets den Bann über den deutschen König aus: "Durch deine Gnade ist mir die Macht von Gott gegeben, zu binden und zu lösen im Himmel und auf Erden... Durch deine Macht und Vollmacht untersage ich dem König HEINRICH, Sohne Kaiser HEINRICHS, der gegen deine Kirche in unerhörtem Hochmut aufgestanden ist, die Lenkung des ganzen Reiches der Deutschen und Italiens und löse alle Christen vom Bande des Eides, den sie ihm geleistet haben und leisten werden, und verbiete, dass ihm irgendwer wie einem König diene. Und weil er als Christ zu gehorchen verachtet, binde ich ihn an deiner Statt mit der Fessel des Kirchenbannes."
Damit erklärte er gleichzeitig alle ihm geschworenen Treueide für ungültig und aufgehoben. Die radikale Auffassung der Kirchenreformer, dass die "Reinheit" der Kirche nur bei ihrer geistlichen Führung zu finden sei und dass jeder Kontakt mit den "Unreinen" die strengsten Strafen nach sich ziehen müsse, wandte sich jetzt gegen HEINRICH, denn der Papst löste nicht nur alle Bande gegenüber dem König, sondern drohte auch jedem, der ihm immer noch die Treue halten sollte. Die Kaiserin-Witwe Agnes, die an der Synode teilnahm, faßte den Spruch zusammen:
"Der Herr Papst hat meinen Sohn, den König, wegen der von demselben an die Synode ergangenen gegen ihn gerichteten Erklärung und weil er mit Exkommunizierten verkehrt und weil er wegen seiner Verbrechen Buße zu tun verweigert, der königlichen Würde beraubt und ihn mit dem Schwerte des Bannfluchs getroffen, und er hat alle, die ihm geschworen haben, von dem Eide losgebunden".
Gregor ließ es bei dieser allgemeinen Absage nicht bewenden. In zahllosen Briefen an Kirchenfürsten und weltliche Herren forderte er zur Abwendung von HEINRICH auf und drohte denen, die weiter zu ihm halten würden. So weigerten sich vor allem die 3 süddeutschen Herzöge, an Pfingsten an einer Versammlung in Worms teilzunehmen, auf der das weitere Vorgehen gegen Gregor besprochen werden sollte. Insbesondere Rudolf von Rheinfelden hatte sich in letzter Zeit den Gedanken der strengen Reformer auch innerlich angenähert. So fragte er in einem Brief den Papst, was er mit früher erzielten "simonistischen" Einnahmen machen sollte. Sein Hauskloster St. Blasien ließ er nach den strengen Regeln von Fruttuaria reformieren. Auf der anderen Seite ist es verständlich, wenn er eine günstige Gelegenheit zur Loslösung von HEINRICH wahrnahm, der sich in Notzeiten immer wieder auf ihn gestützt hatte, aber seine grundsätzliche politische Linie eines mehr indirekten Königtums nicht zu akzeptieren bereit war.
In Sachsen brach der Aufstand gegen HEINRICH zuerst aus, und der Führer war, wie nicht anders zu erwarten, wieder Otto von Northeim. Aber ein Erfolg gegen HEINRICH war nur möglich, wenn die süddeutschen Herzöge sich beteiligten, und Rudolf von Rheinfelden war der einzige mögliche Gegen-König. Auf seine Einladung fand in Ulm, dem alten Königs- und Herzogsvorort Schwabens, eine Besprechung der oppositionellen Fürsten statt. Sie luden die Reichsfürsten für Oktober zu einer allgemeinen Versammlung nach Tribur ein. Obwohl der Abfall von HEINRICH jetzt allgemein wurde, war er nicht bereit, kampflos aufzugeben. Er besetzte mit seinen Getreuen das auf der linken Rheinseite Tribur gegenüberliegende Oppenheim. Die Lage war schwierig. Der Papst hatte jeden Umgang mit HEINRICH verboten, auch Verhandlungen. Er wollte sich die Entscheidung vorbehalten. Von den Fürsten war ein Teil willens, sofort zu einer Lösung zu kommen, einen neuen König zu wählen und gegen HEINRICH vorzugehen. Dabei kam es aber bereits zu Spannungen zwischen den Anhängern Rudolfs und den Sachsen, die nicht schon wieder einen "Schwaben" auf dem Thron sehen wollte und für Otto von Northeim waren. Jedoch die Mehrheit wollte soweit noch nicht gehen und schloß sich der Vermittlung des päpstlichen Legaten an. HEINRICH trennte sich von seinen exkommunizierten Räten, sicherte dem Papst Gehorsam und kündigte Buße an. Die Fürstenversammlung verlangte von HEINRICH, sich bis zum Februar vom Bann zu lösen und lud den Papst zu einem weiteren Fürstentag im Frühjahr 1077 ein, auf dem über die Königsfrage entschieden werden sollte.
Vermutlich hätte Rudolf gerne schon jetzt eine Entscheidung herbeigeführt, aber die Bedingungen schienen so, dass HEINRICH sich nicht aus der Schlinge ziehen konnte. Wenn er mit einem starken Heer in die Lombardei gekommen wäre, hätte er dort ausreichenden Anhang gefunden, um gegen den Papst vorzugehen, der wegen seiner einseitigen Parteinahme für die Pataria in Mailand viele Gegner hatte, aber seine Gefolgschaft in Deutschland schmolz unter dem Einfluß des Papstes und der drohenden Absetzung derart zusammen, dass er kein Heer mehr aufbieten konnte. Dazu war der Winter für das Sammeln eines Heeres und den Zug über die Alpen äußerst ungeeignet, und die süddeutschen Herzöge kontrollierten die Paßstraßen. So war die Verschiebung der Entscheidung auf das Frühjahr nur ein Aufschub.

Der "Gang nach Canossa"
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Aber HEINRICH überraschte seine Gegner durch ein unerwartetes Manöver. Weil er im Augenblick keine Möglichkeit sah, gegen den Papst vorzugehen, beschloß er, dessen Bedingungen zu erfüllen und vor ihm zu büßen, um den Bann loszuwerden. Mit kleinstem Gefolge, darunter der Kaiserin und dem Sohn KONRAD, zog er durch Burgund und über den nicht von den Gegnern kontrollierten Mont Cenis nach Oberitalien. Der Papst befand sich auf dem Weg nach Deutschland. Auf die Nachricht von der Annäherung des Königs zog er sich aus Furcht vor einem Gewaltstreich auf die Festung Canossa der Markgräfin Mathilde zurück. Durch die Vermittlung des Abtes Hugo von Cluny wie auch der Markgräfin kam es zu intensiven Verhandlungen. Der König trat zur Erfüllung der kirchlichen Vorschriften an drei Tagen im Büßergewand vor das Burgtor. Schließlich wurde eine gegenseitige Vereinbarung unterschrieben. Gregor erteilte HEINRICH die Absolution und hob den Bann auf. Der "Gang nach Canossa" wurde später von den Gegnern HEINRICHS gern als Demütigung und Niederlage dargestellt. Auch die nationale Geschichtsschreibung im 19. Jahrhundert empfand ihn so. Kurzfristig und taktisch war Canossa aber auf jeden Fall ein Erfolg HEINRICHS, der so die wichtigste Forderung von Tribur erfüllte und einen Keil zwischen den Papst und die Fürstenopposition trieb. Strategisch hatte er die Oberherrschaft des Papstes anerkannt, allerdings nur im Bereich von Exkommunikation, Kirchenbuße und Absolution und ohne eine endgültige und für ihn gefährliche Abgrenzung. Natürlich wurde allgemein sichtbar, dass nicht mehr der König Schiedsrichter über die Päpste war, sondern der Papst über den König.
Für Gregor hatte HEINRICH wesentliche Vorbedingungen erfüllt, um König bleiben zu können. Er war unentschieden und verschob seine Deutschlandreise. Die fürstlichen Gegner HEINRICHS trafen sich im Februar erneut in Ulm und luden zu einem Fürstentag nach Forchheim ein, dem alten Wahlort von 911 und 919. 2 päpstliche Legaten sollten eine Neuwahl verhindern, bevor der Papst sich endgültig festgelegt hatte. Aber sie trugen schließlich dazu bei, dass die verschiedenen Parteien sich einigten. HEINRICH wurde für abgesetzt erklärt und Rudolf am 15. März 1077 zum neuen König gewählt. Erzbischof Siegfried von Mainz, der einst HEINRICH zur Absetzung Gregors gedrängt hatte, nahm in Mainz die Salbung vor. Trotzdem war die Wahl Rudolfs vor allem eine Entscheidung der weltlichen Fürsten. Sie legten in ihrem Interesse auch ausdrücklich fest, dass die Wahl nur RUDOLF persönlich traf und nicht seine Familie. Entsprechend den Forderungen der Reform verzichtete der neue König auf das Recht der Bischofsernennung und der Investitur.
Der Großteil der deutschen Bischöfe hielt zu HEINRICH. Sie waren zumeist vom ihm ausgewählt und ernannt, und sie sahen in der Einmischung des Papstes in ihre Amtsführung eine größere Gefahr als im Einfluß des Königs. HEINRICH kehrte an Ostern aus Italien zurück und nahm den Kampf um sein Königtum auf. Dieser Kampf ging zunächst um Schwaben, wo HEINRICH wie Rudolf über einen starken Anhang verfügte. In Ulm nahm HEINRICH an Pfingsten gemeinsam mit dem Bischof von Konstanz das Abendmahl und unterzog sich einer Art zeremonieller Festkrönung. Er hielt über RUDOLF und seine anderen Gegner Gericht und erklärte sie nach alemannischen Recht für abgesetzt. Das ganze Jahr 1077 und 1078 wurde um den Einfluß in S-Deutschland gekämpft, aber schließlich gelang es HEINRICH, RUDOLF aus S-Deutschland abzudrängen.
Rudolf fand seine Machtbasis bei den notorisch aufständischen Sachsen und geriet dadurch immer mehr in Abhängigkeit von Otto von Northeim. Anfang 1080 erlitt HEINRICH bei Flarchheim gegen die Sachsen eine Niederlage. Auf diese Nachricht hin erneuerte Gregor bei der Fastensynode 1080 den Bann und kündigte dessen baldigen Tod an. Aber die deutschen wie die Mehrheit der italienischen Bischöfe verweigerten dem Papst den Gehorsam. Im Juni 1080 erklärte eine Synode in Brixen Gregor für abgesetzt und wählte Erzbischof Wibert von Ravenna zum neuen Papst. Im Oktober kam es zu einer neuen Schlacht zwischen HEINRICH und den Sachsen. Dabei wurde der Gegen-König RUDOLF tödlich verwundet. Im Kampf mit Gottfried von Bouillon, dem Neffen und Erben Gottfrieds des Bärtigen von Lothringen, wurde ihm die rechte Hand abgeschlagen, mit der er einst HEINRICH die Treue geschworen hatte. Die Verwundung und der Tod RUDOLFS hatten den symbolischen Wert eines Gottesurteils für HEINRICH.

Der gespaltene Kosmos
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An Ostern 1079 ernannte König HEINRICH für den abgesetzten RUDOLF einen neuen Herzog von Schwaben, den Grafen Friedrich von Staufen. Ähnlich wie die Grafen von Rheinfelden gehören die STAUFER zu der Gruppe von hochadligen Familien, auch wenn die Genealogie nicht immer ganz aufgehellt werden kann. Eine Berta aus dieser Familie heiratete um 990 den Grafen Berthold im Breisgau und wurde damit zur Stammutter der ZÄHRINGER. Friedrich von Büren, Graf im Riesgau, war verheiratet mit Hildegard von Mousson, aus einer vornehmen lothringischen Familie und von Mutterseite her verwandt mit den lothringischen Herzögen und dem burgundischen Königshaus. Der 1047 geborene Sohn Friedrich, der die Burg bei Göppingen baute und sich als erster von Staufen nannte, gehörte zur immer wieder genannten "schwäbischen" Gefolgschaft König HEINRICHS. Wie wichtig diese Ernennung Friedrichs zum Herzog für HEINRICH im Kampf um sein Königtum war, macht die Begründung deutlich, die er ihr (bei dem späteren staufischen Geschichtsschreiber Otto von Freising) gab:
"Tüchtigster der Männer, den ich unter allen meinen Gefolgsleuten im Frieden als den treuesten und im Krieg als tapfersten erkannt habe, siehe, wie das in Finsternis verhüllte und der Treue beraubte Römische Reich sich zu niederträchtigen Anschlägen und verabscheuungswürdigen Taten verleiten läßt. Den Eltern wird keine Ehrerbietung, den Herren nicht der schuldige Gehorsam erwiesen. Heilige Eide, die nach göttlichem wie menschlichem Recht in Schlupfwinkeln geschworen werden, gelten aufgrund teuflischer Anstiftung als unverletzlich. Weder den Gesetzen noch den göttlichen Geboten zollt man Achtung. Da nämlich alle Gewalt von Gott stammt, handelt jeder gegen Gottes Satzung, der sich der weltlichen Obrigkeit widersetzt. So erhebe du dich gegen diese schreckliche Krankheit und gürte dich mannhaft, die Feinde des Reiches niederzuwerfen."
Um den neuen Herzog auch persönlich an sich zu binden, verlobte HEINRICH ihn mit seiner 1072 geborenen Tochter Agnes, jener Agnes von Waiblingen, die diesen Namen von den SALIERN auf die STAUFER weitergegeben hat. Damit räumte der König dem STAUFER einen ähnlichen Platz ein wie 1057 seine Mutter dem Rheinfeldener. Aber die Ernennung Friedrichs zum Herzog erfolgte in Regensburg, und seinen Platz in Schwaben mußte er sich erst erkämpfen.
Dort hatten die Gegner HEINRICHS eine starke Stellung. Zwar starb um diese Zeit RUDOLFS Gemahlin Adelheid, die Schwester der Königin Bertha, unter bedrängten Verhältnissen auf dem Hohentwiel. Berthold von Zähringen war schon im Vorjahr im Bewußtsein seiner Niederlage gestorben, aber sein Sohn Berthold beanspruchte für sich die Titelnachfolge im Herzogtum Kärnten und kämpfte zusammen mit dem auch von HEINRICH abgesetzten Welf für die Sache RUDOLFS. Welf und Berthold beriefen einen schwäbischen Landtag nach Ulm und ließen dort etwa zeitgleich zur Ernennung Friedrichs Berthold von Rheinfelden zum neuen Herzog wählen. Mit dieser Wahl knüpfte dieser Langtag an sehr alte Traditionen an, denn seit HEINRICH I. waren alle Herzöge vom König ernannt worden.
Berthold von Rheinfelden war ein Sohn RUDOLFS, aber offenbar nicht aus der Ehe mit Adelheid. Über seiner Herkunft liegt eine eigenartiges Dunkel. Bei seiner Wahl war er ein Jüngling, der unter der schützenden Hand Welfs stand. Aber das ist eine sehr allgemeine Altersangabe, und die schützende Hand Welfs und Bertholds von Zähringen brauchte er während der ganzen Regierungszeit, er selbst trat kaum in Erscheinung. Würde er aus einer Ehe RUDOLFS vor 1057 stammen, dann wäre er fast im Alter König HEINRICHS und die Bezeichnung Jüngling wirklich nicht mehr angemessen. Von einer Ehe RUDOLFSzwischen 1060 und der von der Kaiserin Agnes vermittelten Heirat mit Adelheid von Turin ist nichts bekannt, und die Ehe RUDOLFS mit HEINRICHS Schwester Mathilde dauerte nur kurz. Es wäre aber durchaus möglich, dass die 15-jährige Mathilde an der Geburt dieses Sohnes starb. Dies würde auch erklären, warum sich die Quellen über die Mutter Bertholds so hartnäckig ausschweigen. Denn die Partei der weltlichen Fürsten war sich mit der päpstlich-gregorianischen theoretisch darin einig, dass der Tüchtigste zu  einem Amt gewählt werden sollte und nicht durch Erbrecht oder durch Ernennung von außen bestimmt.
Außerdem war es nicht klug, daran zu erinnern, dass RUDOLF von 1057 bis 1075 die wichtigste Stütze des Königs HEINRICH gewesen und auch familiär eng mit ihm verbunden war. Und wenn Berthold wirklich der Neffe HEINRICHS war, dann war es um so verständlicher, wenn die Fürsten bei der Wahl RUDOLFS 1077 die Nachfolge Bertholds ausdrücklich ausschlossen. Aber auch HEINRICH, der eben einen neuen Herzog von Schwaben ernannt hatte, hatte keinen Grund, frühere oder familiäre Beziehungen mit RUDOLF und seinem Sohn Berthold zuzugeben. Immerhin meldet eine Chronik, dass HEINRICH dem Sohne RUDOLFS das Herzogtum schon als Kind zugesagt habe.

Auswirkungen der Spaltung
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Berthold von Rheinfelden war keine aktive Persönlichkeit, er überließ den Kampf um das Herzogtum Welf und vor allem Berthold von Zähringen. Dieser heiratete um Ostern 1079 die Halbschwester Bertholds, eine Tochter RUDOLFS mit Adelheid von Turin, die ebenso wie die Braut des STAUFERS nach der Kaiserin-Witwe den Namen Agnes trug. Bertholds Einsatz im Kampf um das Herzogtum und um die Sache der Gegner HEINRICHS war so groß, dass sein Schwager Berthold von Rheinfelden in der Erinnerung verblaßte und oft mit dem ZÄHRINGER verwechselt und verschmolzen wurde. Berthold betrieb auch die Einsetzung eines eigenen Bischofs für Augsburg und vor allem für Konstanz, wo 1084 sein Bruder, der Hirsauer Mönch Gebhard, vom päpstlichen Legaten Otto von Ostia geweiht wurde und den "königlichen" Bischof Otto zu verdrängen begann. Das Kloster St. Gallen stand treu zu König HEINRICH, die Reichenau zum Gegenkönig, und für jedes Kloster gab es einen Gegenabt. Von der Spaltung der Welt war Schwaben besonders betroffen, wie der Augsburger Chronist sagt:
"Alles ist doppelt hier, Papst und Gegen-Papst, Bischof und Gegen-Bischof, König und Gegen-König, Herzog und Gegen-Herzog".
Diese Spaltung belastete und beunruhigte die Menschen der Zeit in vieler Hinsicht. Zunächst war es ein Krieg der Mächtigen, der lange Jahre hin und her ging und das Land verwüstete. Auf die Bauern und Bürger nahmen die Kriegsleute wenig Rücksicht, sie wurden ausgenommen und ausgeplündert, egal auf welcher Seite sie standen. Das Fehlen einer festen Ordnung, die allgemeine Zunahme der Friedlosigkeit und Gewalttätigkeit, belastete das Land, die Sehnsucht nach Frieden wurde allgemein. Aber es war auch ein Glaubenskrieg, denn jede Partei sah das göttliche Recht auf ihrer und den Teufel auf der anderen Seite. Der Papst verbot jeden Umgang mit Gebannten und bedrohte jeden Gläubigen mit Exkommunikation, der bei einem unrechtmäßigen Geistlichen die Messe hörte oder von ihm ein Sakrament nahm. Der König erklärte den Papst für abgesetzt und seine Ernennung war hinfällig. Aber wer war jetzt noch rechtmäßig, und wer konnte darüber urteilen? Für die Menschen war die Spaltung nicht nur eine Machtfrage, sondern das Zerbrechen der göttlichen Ordnung, die vorher durch das Zusammengehen von Kaiser und Papst gesichert gewesen war. Die Spaltung bedeutete Verunsicherung, Autoritätsverlust, Werteveränderung. Der Riß ging durch die einzelnen Familien, stellte Brüder gegen Brüder und Väter gegen Söhne. So ist es nicht verwunderlich, dass die Menschen ihre Zeit als Krise und Verfall erlebten und Krankheiten und Seuchen, die etwa von 1093 in Bayern und Schwaben viele Menschenleben forderten, als Strafe Gottes empfunden wurden.
Dass diese Stimmung in der Bevölkerung letztlich eher der päpstlichen Seite zugute kam, ist vor allem dem Kloster Hirsau und seinem Abt Wilhelm zu verdanken. Er hatte sich ganz auf die Seite des Papstes gestellt und in seinem Kloster die strengen Regeln von Cluny auch äußerlich voll übernommen, die eine völlige Einförmigkeit sogar der äußeren Verrichtungen wie Essen, Trinken, An- und Ausziehen, eine ständige Kontrolle der Mönche und ihre harte Bestrafung auch bei kleinsten Vergehen vorsah. Die Strenge der Klosterzucht und die Härte der Gesinnung hatte in dieser Zeit eine große Anziehungskraft, die Zahl der Mönche verzehnfachte sich, sie wurden an andere Klöster ausgeliehen und trugen so zur weiteren Verbreitung der Gedanken bei. Auch wenn es zu einer förmlichen Ordensgründung nicht gekommen ist, wurde Hirsau doch vor allem für Schwaben das Zentrum eines Netzes von reformierten oder neugegründeten Klöstern. Die Hirsauer Mönche beschränkten sich aber nicht auf die Klöster. Sie zogen im Land umher und predigten für die Reinheit des priesterlichen Lebenswandels, für Ehelosigkeit, Genügsamkeit und strenge Zucht, für die Sache der Kirchenreform und des richtigen Papstes. Sie wetterten gegen die falschen und unreinen Priester, deren Gast sie oft waren, gegen die nicht vom Papst eingesetzten Bischöfe und gegen die Parteigänger des Königs. Sie erklärten alle, die nicht zur richtigen Kirche hielten, für verloren, und sie wirkten glaubhaft, weil sie das, was sie predigten, auch kompromißlos vorlebten.

Kaiserkrönung Heinrichs und Ende Gregors
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Der Kampf um das Herzogtum Schwaben ist ein Teil der großen Auseinandersetzung zwischen König und Papst. Die Ausgangslage war dabei zunächst für HEINRICH nicht ungünstig, denn Gregor hatte viel Anhang verloren, und der Tod RUDOLFS wirkte in Deutschland zu seinen Gunsten. Die Gegenseite konnte sich auf einen neuen König lange nicht einigen, weil die süddeutschen Fürsten den unberechenbaren Otto von Northeim ablehnten. Erst im August 1081 wählte eine Versammlung in Würzburg offenbar ohne Beteiligung der Sachsen den LUXEMBURGER HERMANN VON SALM, den Kandidaten Welfs. Otto von Northeim starb 1083. Die Sachsen hielten weiterhin zum Gegen-König, aber als seine Hauptanhänger und Kampfgefährten galten wieder "Schwaben". HERMANNS Königtum gewann nie größere Bedeutung, und als er 1088 fiel, fand er keinen Nachfolger mehr.
HEINRICH zog 1081 zum ersten Mal nach Italien, aber er konnte Gregor nicht aus Rom vertreiben. 1083 gelang es ihm, Teile von Rom zu besetzen. Er bot den Römern ein allgemeines Konzil an, auf dem über den richtigen Papst entschieden werden sollte. Gregor lehnte ab, und weil sich die Römer und sogar die Kardinäle immer mehr von ihm abwandten, zog er sich in die sichere Engelsburg zurück und rief die Normannen zu Hilfe. HEINRICH konnte jetzt in Rom einziehen, Wibert von Ravenna wurde formgerecht auch von den Kardinälen zum Papst gewählt. An Ostern 1084 krönte er als Klemens III. HEINRICH zum Kaiser. Vor den anrückendem Normannen zog sich der neue Kaiser aus Rom zurück. Die Normannen befreiten zwar Gregor aus der Engelsburg, aber sie plünderten die Stadt so gründlich, dass Gregor dort nicht mehr bleiben konnte und mit ihnen nach Apulien gehen mußte. Er starb 1085 im Exil in Salerno. Gregor war fast 40 Jahre lang der Vordenker und Theoretiker der Kirchenreform und des Reformpapsttums gewesen, und seine Zuspitzung der Reform in die Richtung einer Oberlehensherrschaft des Papstes, wie sie auch im Dictatus Papae zum Ausdruck kommt, hatte den Konflikt mit dem Königtum erst ausgelöst. Gregors Position war sicher glücklicher, solange er der Theoretiker neben und hinter einem Papst war und nicht beides in seiner Person verbinden mußte. Die politische Führung überforderte ihn, und aus falschen politischen Einschätzungen resultierten seine größten Fehler.
HEINRICH schien damit auf dem Gipfel seiner Macht. Die Reformpartei befand sich in Auflösung, ihr Papst isoliert im Exil. Die Mehrheit der deutschen Bischöfe stand zu HEINRICH. Im Mai 1085 berief er eine Reichsversammlung nach Mainz, auf der alle strittigen Fragen geregelt und die Ordnung wiederhergestellt werden sollte. Der Kern dieser Versammlung war eine Synode der deutschen Bischöfe. Alle waren geladen, aber die gregorianischen waren nicht erschienen. Anwesend waren die drei Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier, und Liemar von Bremen hatte sein Einverständnis mit der Synode erklärt, außerdem 16 Bischöfe und 3 päpstliche Legaten, darunter Hugo Candidus. Die Absetzung Gregors und das Pontifikat Klemens wurden bestätigt. Die nichtanwesenden "gregorianischen" Bischöfe erklärte die Synode für abgesetzt, weil sie der Einladung nicht gefolgt waren. Die Synode anerkannte offenbar im Grundsatz, dass ohne die Investitur durch den König niemand als rechtmäßiger Bischof angesehen werden könne. Die Investitur wurde also nicht mehr als Simonie verstanden. Die Reichsversammlung beschloß auch einen Gottesfrieden für das Reich, eine Friedensordnung, die Fehde und Gewalt in ihren Auswirkungen wenigstens einschränken sollte.
Zu den weltlichen Fürsten bei der Mainzer Versammlung gehörte auch Herzog Friedrich von Schwaben, zu den geistlichen Bischof Otto von Konstanz, der allerdings aus seinem Amtssitz vertrieben war. Sein Gegenbischof Gerhard von Zähringen war natürlich nicht eingeladen. Als entschuldigt galten die Bischöfe Burchard von Basel und Otto von Straßburg, weil sie daheim bleiben mußten, um ihr Amt und ihren Besitz zu verteidigen. Otto war ein jüngerer Bruder Friedrichs von Staufen und 1083 zum Bischof ernannt worden. Das zeigt, dass die Stellung HEINRICHS in Schwaben sehr viel unsicherer als in anderen Teilen des Reiches war. Den Eindruck bestätigte die Konstanzer Synode vom April 1086, die von Gebhard von Zähringen einberufen und von vielen süddeutschen Gegnern HEINRICHS besucht wurde. Für die dort gefaßten Beschlüsse spricht, dass anscheinend Berthold von Zähringen mit seinen Kriegsleuten das heinrich-treue St. Gallen überfiel und ausplünderte.
Im Juli 1087 konnte HEINRICH in Mainz seinen 13-jährigen Sohn KONRAD zum König wählen und weihen lassen. Gegen Ende des Jahres starb die Kaiserin Bertha, von der er sich einst hatte scheiden lassen wollen und die danach für ihn doch zur treuen Begleiterin auf allen Wegen, auch nach Canossa, geworden war. 1088 gelang HEINRICH der Ausgleich mit den Sachsen. Die abgesetzten "gregorianischen" Bischöfe unterwarfen sich und wurden dafür vom Kaiser in ihren Ämtern bestätigt. Die von HEINRICH 1085 ernannten neuen Bischöfe mußte er allerdings fallen lassen.
In Italien war die Reformpartei durch die Vertreibung Gregors und den Abfall der Kardinäle sehr geschwächt. Aber auch Klemens hatte in Rom Schwierigkeiten und zog sich in sein sicheres Ravenna zurück. Ein Jahr nach dem Tod Gregors und unter dem Einfluß der Normannenfürsten wählten die in Rom zurückgebliebenen Geistlichen und Kardinäle als neuen Papst Viktor III. den Abt Desiderius von Monte Cassino. Aber die Römer nahmen ihm seine Verbindung zu den Normannen übel, und die Anhänger des Kaisers vertrieben ihn aus der Stadt. Erst ein Jahr später, im Mai 1087, konnte Viktor mit normannischer Hilfe in Rom inthronisiert werden, aber schon nach einer Woche ging er schwer erkrankt nach Monte Cassino zurück. Dort starb er im September. Vor allem auf Betreiben der Markgräfin Mathilde, die treu zur Reformpartei stand, wurde im März 1088 eine Versammlung der "rechtmäßigen" Kirche nach Terracina einberufen. Die Versammlung war dünn besucht, aber die Anwesenden fühlten sich als Vertreter einer größeren Kirche. Der Kardinalbischof Otto von Ostia, der letzte Legat Gregors in Deutschland, der Gebhard von Zähringen zum Bischof von Konstanz geweiht hatte, wurde als Urban II. zum Papst gewählt. Urban teilte seinen Anhängern in Frankreich und Deutschland seine Wahl mit und ernannte Bischof Gebhard zu seinem Legaten für Deutschland. Er nahm sofort politische Beziehungen auf, zu den Normannenfürsten, zu Alfons von Kastilien und vor allem zur Gräfin Mathilde. Weil Klemens sich immer noch in Ravenna aufhielt, ging Urban im Oktober nach Rom, auch wenn er sich dort nur in einem kleinen Teil der Stadt und unter ärmlichen Bedingungen halten konnte. Die Reformpartei hatte sich wieder gefestigt.
Der neue Papst vermittelte sehr bald ein für HEINRICH höchst gefährliches Bündnis, eine Ehe zwischen der 43-jährigen Gräfin Mathilde von Tuscien und dem 17-jährigen Welf, dem Sohn des abgesetzte Bayern-Herzogs. Damit war mit einem Schlag die alte Verbindung von süddeutscher Fürstenopposition, Reformpapsttum und dem Haus CANOSSA wieder da, die Gregor so mächtig hatte werden lassen. Der "kaiserliche" Papst Klemens hielt in Rom in der St. Peterskirche eine Synode ab, in der er zwar die Forderungen nach "Reinheit" der Kirche bekräftigte, aber alle Vorwürfe, Exkommunikationen und Absetzungen der anderen Seite aufgehoben und für ungültig erklärt wurden. Während der Synode kam es zwischen den Heerhaufen der beiden Päpste zu Kämpfen, der kaiserliche Präfekt brach zusammen, die Stimmung in Rom schlug um, Klemens zog sich nach Ravenna zurück und die Stadt befand sich in der Hand Urbans.
HEINRICH, der im Jahr 1089 die wesentlich jüngere Eupraxia, Tochter eines russischen Großfürsten und Witwe eines sächsischen Markgrafen, geheiratet hatte, sah sich jetzt erneut gezwungen, in Italien einzugreifen. Im März 1090 ging er über die Alpen. Zunächst war er durchaus erfolgreich. Er führte Klemens nach Rom zurück, und Urban mußte wieder zu den Normannen fliehen. Als HEINRICHS Schwiegermutter Adelheid von Turin starb, übertrug er ihren Besitz auf seinen Sohn KONRAD als den nächsten Erben. Damit konnte er seine Ausgangsstellung gegen Mathilde und die WELFEN wesentlich verbessern. Dennoch gelang HEINRICH über das ganze Jahr 1092 kein durchschlagender Erfolg gegen Mathilde. Vor ihrer Burg Canossa erlitt er sogar eine Niederlage. Dafür gelang es ihr, in Geheimverhandlungen den 20-jährigen KONRAD auf ihre Seite zu ziehen. Anfang 1093 erklärte KONRAD sich für die andere Seite. Die Gegner HEINRICHS krönten ihn zum König von Italien und die ganze Lombardei ging zu ihm über. HEINRICH war plötzlich wieder militärisch und politisch isoliert. Auch seine zweite Frau wechselte die Seite und erklärte öffentlich, dass HEINRICH sie zum Ehebruch angehalten habe. Urban konnte so nach Rom zurückkehren. KONRAD legte ihm gegenüber einen Sicherheitseid ab und leistete symbolischen Hofdienst als Marschall. HEINRICH schien wieder einmal am Ende.
Auch in Schwaben verschlechterte sich die Situation der Anhänger HEINRICHS immer mehr. 1090 nach dem Tod Bertholds von Rheinfelden wurde Berthold von Zähringen zum neuen Herzog gewählt. Er hatte die Unterstützung seines Bruders Gebhard und des Klosters Hirsau, das überall Anhänger gewonnen hatte. 1093 berief Herzog Berthold einen großen Landtag nach Ulm ein, der die beiden Brüder, Berthold als Herzog und Gebhard als Bischof von Konstanz und päpstlichen Legaten, voll bestätigte. Außerdem wurde ein Gottesfriede beschlossen und beschworen, der das ganze Land umfassen sollte und von dem nur der Gegenbischof und seine Anhänger ausgenommen waren. Der Landtag zeigt, wie stark die Stellung des ZÄHRINGERS war und wie gering die Aussichten des STAUFERS, das Herzogtum wirklich in Besitz nehmen zu können. Während Friedrich mit HEINRICH in Italien kämpfte, richtete Berthold als Herzog im Schutz der rechtmäßigen Kirche den Gottesfrieden auf. Friedrich und seine Leute gehörten zu denen, die von ihm ausgenommen waren. Gegen den Gegen-König RUDOLF hatte HEINRICH Schwaben wenigstens zum Teil halten können, jetzt hatte er es ganz verloren.

Heinrichs letzten Jahre
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Dass HEINRICH IV. sich aus dieser Lage noch einmal lösen konnte, hatte er vor allem den beiden WELFEN zu verdanken. Der ältere Welf IV., den HEINRICH einst auf Betreiben Rudolfs von Rheinfelden zum Herzog von Bayern gemacht und dann 1077 in Ulm mit Rudolf und Berthold von Zähringen für abgesetzt erklärt hatte, war seit dem Ende RUDOLFS das Zentrum der Fürstenopposition gegen HEINRICH. Die vom Papst vermittelte Heirat zwischen seinem Sohn Welf V. und der Markgräfin Mathilde galt als ein wichtiger politischer Schachzug. Aber Welf IV. war, anders als Berthold von Zähringen, kein strenger Anhänger der Kirchenreform. Ihm ging es mehr um Macht und Einfluß, vor allem um das Herzogtum Bayern. Die Ehe zwischen dem jungen Welf und Mathilde erwies sich als Fehlschlag. Mathilde war 1089 bei der Heirat 43 Jahre alt, für damalige Vorstellungen eine alte Frau. Sie war den strengen Vorstellungen der Kirchenreformer auch persönlich eng verbunden und dazu eine politische Frau, die mit ihrer Macht und ihrem Einfluß immer wieder in die großen Entscheidungen eingriff. Ohne ihre konstante Unterstützung hätte die Reformpartei wahrscheinlich überhaupt nicht überlebt. Für Mathilde war die Ehe mit Welf V. sicher keine Liebesheirat, sondern ein politisch notwendiger und deshalb persönlich akzeptierter Akt. Und der 17-jährige Jungmann, der ihr unreif und unfertig vorkommen mußte, konnte für sie kein Partner für ihre menschlichen und politischen Sorgen werden. Für den jungen und lebenslustigen Welf aber war die Ehe mit der asketischen Mathilde eine Quälerei, der er auch durch häufige Abwesenheit auswich. Von den WELFEN aus sprach gegen diese Verbindung auch, dass die Ehe kinderlos bleiben würde. Vom Hausinteressse der WELFEN hätte ein Erbe, der die welfischen Besitzungen im bayerisch-schwäbischen Grenzbereich, das Herzogtum Bayern und den Besitz des markgräflichen Hauses CANOSSA vereinigt hätte, der Heirat einen Sinn gegeben. Aber die Ehe blieb kinderlos, und Mathilde schien auch nicht bereit, Besitz und Ansprüche auf ihren Ehemann zu übertragen.
Die beiden WELFEN waren also bereit, auf HEINRICHS Seite überzugehen, wenn es dem Interesse ihres Hauses nützte. Sie nahmen deshalb schon im Herbst 1095 von Augsburg aus Verhandlungen auf, aber die Anhänger HEINRICHS trauten ihnen noch nicht über den Weg, und seine Gegner scheuten sich wegen des päpstlichen Verbotes, überhaupt Gespräche aufzunehmen. Erst im Herbst 1096 kam es durch die Vermittlung des Markgrafen von Este, des Vaters Welfs IV., zu einer endgültigen Aussöhnung. HEINRICH setzte Welf IV. wieder als Herzog von Bayern ein und sagte auch die Nachfolge seines Sohnes zu. Welf zog HEINRICH mit großem Gefolge nach Italien entgegen und besuchte einen königlichen Hoftag in Verona. HEINRICH besetzte nach dem Tod des "kaiserlichen" Amtsinhabers Siegfried das Bistum Augsburg mit einem Parteigänger der WELFEN. Erst an Ostern 1097 kehrte HEINRICH über den Brennerpaß nach Deutschland zurück, das er 1090 so siegessicher verlassen hatte. Er blieb das ganze Jahr über in S-Deutschland, zuerst in Regensburg, im Sommer in Nürnberg, dann in Speyer und zum Jahresende in Straßburg. Von Speyer aus erließ er eine Verordnung, dass die Juden, die in den Unruhen und Verfolgungen des Vorjahres zwangsweise getauft worden waren, wieder zu ihrem angestammten Glauben zurückkehren dürften. Mit dem Erzbischof von Mainz geriet HEINRICH in Konflikt, weil er die Konfiskation von Vermögen der erschlagenen Juden untersuchen ließ und dabei nicht nur feststellen mußte, dass Angehörige des Erzbischofs sich hier bereichert hatten, sondern auch, dass die Kirche selber Gelder in Verwahrung genommen und nicht mehr wieder herausgegeben hatte.
Die Zeit war für einen Kompromiß günstiger geworden. Urban II. hatte sich immer gehütet, gegen HEINRICH ganz radikal Stellung zu beziehen, und in der Frage der Simonie und Investitur drückte er sich vorsichtiger aus als die Gregorianer. Er war bereit, auch von HEINRICH ausgewählte und ernannte Bischöfe anzuerkennen, und eine Reihe von ihnen ging wohl mit Billigung HEINRICHS zu Urban über. So verlor Klemens immer weiter an Boden, aber HEINRICH konnte ihn nicht ganz fallen lassen. Urban II. starb 1099 und der Gegenpapst Klemens 1100. HEINRICH sah nun die Zeit für einen Ausgleich gekommen, aber der Nachfolger Urbans, Paschalis II., ein Mönch aus Cluny, war wieder ein radikaler Vertreter der Reform. Er sprach 1102 über den Kaiser erneut den Bann aus. Doch damit erreichte er zunächst keine große Wirkung, vor allem weil kein erkennbarer Grund für diese Maßnahme vorlag.

Teilung des schwäbischen Herzogtums
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Aber HEINRICHS Machtgrundlage nach seiner Rückkehr aus Italien 1097 war nicht mehr die gleiche wie vorher. Nur nachdem er dem WELFEN eine eigenständige Machtposition für sein Haus eingeräumt und garantiert hatte, konnte er überhaupt zurückkommen. In den folgenden Jahren beschränkte sich sein Aktionsbereich fast ausschließlich auf den salischen Hausbesitz, immer wieder Speyer, Mainz, rheinabwärts bis nach Lothringen. Vom Ausbau des Königsgutes in Sachsen, um den er dort so gekämpft hatte, von der früheren Lieblingspfalz Goslar war nicht mehr die Rede.
Auch in Schwaben wurde durch die Vermittlung der WELFEN ein Kompromiß gefunden. Berthold von Zähringen verzichtete auf das Herzogtum Schwaben. Dafür bekam er die Herzogs- und Königsrechte in Zürich übertragen, einen der Schwerpunkte der früheren Herzogsgewalt. Sie bildeten zusammen mit dem Hausbesitz eine geographisch-politische Einheit, die den ZÄHRINGERN  als Lehensbesitz zugesagt und auch bald als eigener Staat verstanden wurde. Ein Titel wurde dafür aber nicht ausdrücklich festgelegt, aber schon kurze Zeit später wurde allgemein vom Herzog von Zähringen gesprochen. Tatsächlich verzichtete Berthold auf nicht viel mehr als den Titel eines Herzogs von Schwaben. Denn das alte Herzogtum in seiner Mischung aus Amtsherrschaft und Familienbesitz war schon durch die Verwaltung HEINRICHS III.und durch die Spaltung des Landes ausgehöhlt worden. Berthold von Zähringen nahm sich das, was er aus eigenem Besitz, Rheinfeldischem Erbe und herzoglichen Amt schon hatte, und ließ es sich als Gesamtbesitz lehnsrechtlich übertragen und für sich und sein Haus sichern. Sein Konkurrent Friedrich von Staufen hatte über die letzten Jahre an der Seite HEINRICHS in Italien gekämpft und sich um sein Herzogtum nicht kümmern können. So entsprach es den tatsächlichen Machtverhältnissen, wenn Berthold, der in den letzten Jahren der unangefochtene Herr in Schwaben gewesen war, sich den besseren Teil als eigenes Herzogtum nahm und dem anderen nur die leere Hülle des Herzogs in Schwaben ließ. Die Sicherung des eigenen Besitzstandes war Berthold so viel wert, dass er dafür sogar seinen Bruder Gebhard von Konstanz, den radikalen Reformanhänger opferte und den königlichen Bischof Arnold anerkannte.
Dass es Friedrich und seinen Nachfolgern gelang, aus dieser leeren Hülle die Basis für den Aufstieg der HOHENSTAUFEN zu machen, war 1098 nicht absehbar. Das staufische Herzogtum Schwaben hat allerdings mit dem alten Herzogtum und der Provincia Schwaben, dem alemannischen Rechtsgebiet, nicht mehr viel zu tun. Das alte Herzogtum war in zwei Vasallitäten gespalten, jeder Herzog hielt seine eigenen Landtage, die nur für seinen Bereich verbindlich waren. In seiner gründlichen Untersuchung über den "Herzog von Schwaben" schreibt Maurer:
"Die Neuordnung in Schwaben, die mit der Aussöhnung zwischen ZÄHRINGERN und STAUFERN im Jahr 1098 verbunden war, hatte die auch nach 1098 weiterexistierende Herzogsherrschaft in Schwaben der für ihr Wesen und ihre Wirkungen bislang maßgeblichen Rechtsgrundlagen beraubt. Das Lehensrecht, auf dem die Neuordnung des Jahres 1098 basierte, hatte den Sieg über das schwäbische Volksrecht davongetragen und dieses Volksrecht gewissermaßen durchbrochen."
Die Grundlage für den Aufbau war die Nähe zur salischen Königsfamilie. Der Hausbesitz der STAUFER lag um Göppingen, Staufen und Lorch, das Hauskloster der STAUFER. Dazu kamen Besitzungen an Rems und Fils, die sich an das salische Waiblingen anschlossen. Auch im Elsaß ergänzte der von Hildegard von Mousson, der Mutter Friedrichs, geerbte Besitz um Schlettstadt und Hagenau den salischen zwischen Speyer und Straßburg. Der Bereich um Ulm, der in den Jahren vorher von Berthold von Zähringen kontrolliert worden war, gehörte zum alten Bestand des Herzogtums und der Herzogsfamilie und war über Gisela an HEINRICH III. gegangen, der dort regelmäßig geamtet hatte. Auch hier half Friedrich der Erbanspruch seiner Frau Agnes. Im Katalog zur STAUFER-Ausstellung bemerkt Schreiner über "Die Staufer als Herzöge von Schwaben" dazu:
"Dem Herzog und seinen Nachfolgern blieb angesichts dieser Situation keine andere Wahl, als durch systematischen Landesausbau (Burgen und Städtegründungen, Erwerb von grundherrlichen und hoheitsrechtlichen Gerechtsamen durch Kauf oder Tausch, Erwerb von Kirchenlehen, Kloster- und Kirchenvogteien, Aufbau einer abhängigen Dienstmannschaft, Binnenkolonisation durch Rodung) seine knappe, disparate Besitz- und Machtbasis zu erweitern und zu einem möglichst geschlossenen, verteidigungsfähigen Herrschaftsgebilde auszubauen."
Der Kompromiß von 1098 ließ also den STAUFERN nur den Namen eines Herzogs von Schwaben. Oberschwaben und das Land südlich der Donau war an die WELFEN verloren, und altes Kerngebiet an die ZÄHRINGER. Die neue staufische Herzogsgewalt baute sich von den Rädern her auf, vom staufischen und salischen Erbe um Ulm über Waiblingen bis Speyer und vom Elsaß her, das zum Kernland des staufischen Herzogtums wurde.

Heinrich IV. und Heinrich V.
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1098 nach dem Ausgleich mit den WELFEN, ZÄHRINGERN und STAUFERN erreichte HEINRICH auf einem Fürstentag in Mainz, dass sein abtrünniger Sohn KONRADfür abgesetzt erklärt und an seiner Stelle der jüngere Sohn HEINRICH zum König gewählt wurde. HEINRICH ist nach neueren Untersuchungen erst 1086 geboren, war also bei der Wahl zum König 12 Jahre alt. Der Vater ließ ihn, durch die Erfahrung mit dem älteren Bruder mißtrauisch geworden, schwören:
"... dass er bei des Vaters Leben niemals ohne dessen Einwilligung nach der Regierung oder nach einem Ehrenrecht oder nach irgend etwas, was dem Vater zustehe oder zustehen werde, die Hand ausstrecken wolle."
HEINRICH IV. hatte versucht, sich mit dem neuen Papst Paschalis zu einigen. Schließlich schlug er ihm vor, selber einen Kreuzzug nach Jerusalem zu führen, wenn der Papst ihn vorher vom Bann lösen würde. Zur Vorbereitung dieses Kreuzzuges diente der Reichsfriede von 1103, der für 4 Jahre gelten und die Ordnung im Reich während seiner Abwesenheit sichern sollte.
Dieser Frieden knüpft an den Gottesfrieden von 1085 an, aber auch an eine andere Tendenz bei HEINRICH, die schon mit dem Privileg für die Bürger von Worms beginnt und auch bei HEINRICHS Einsatz für die Juden in Speyer und Mainz zum Ausdruck kommt. HEINRICH sorgt sich vor allem um das Schicksal der kleinen Leute und der Schwachen. In dem Bericht über den Abschluß des Gottesfriedens, in dem die Herzöge Welf, Berthold und Friedrich als einzige namentlich genannt sind, heißt es dann:
"Sie beschworen also den Frieden für die Kirchen, Geistlichen, Mönche, Laienbrüder, für Kaufleute, Frauen - dass sie nicht gewaltsam entführt werden dürfen - und Juden. Folgendermaßen lautet der Schwur: Keiner soll in das Haus eines anderen feindlich einfallen noch es durch Brandstiftung verwüsten, keiner einen wegen Geldes gefangennehmen, noch verwunden, noch niederschlagen noch töten."
Der Schutz der Schwachen bot HEINRICH aber auch eine Möglichkeit, seine königliche Stellung wieder auszubauen, denn als oberster Wahrer des Friedens stand er über allen, auch über seinen Adligen, und die Strafbestimmungen des Friedens boten ihm die Möglichkeit, gegen sie vorzugehen. Sein Einsatz für die Schwachen brachte ihm eine große Anhängerschaft in den Städten ein, aber sie führte ihn auch in Gegensatz zum Adel und zu den Fürsten.
Der junge König HEINRICHspürte diesen Konflikt, er sah aber hier auch eine Möglichkeit, ohne inhaltliche Zugeständnisse ein Abkommen mit dem Papst zu erreichen. Sein Vater regierte zwar schon sehr lange, aber er war erst 54 Jahre alt, und bis zu seinem natürlichen Ende wollte der 18-jährige nicht warten. Als HEINRICH IV. im Spätherbst 1104 zum 1. Mal wieder mit einem Heer nach Sachsen zog, verließ der junge König in Fritzlar bei Nacht und Nebel das kaiserliche Quartier und ging nach Bayern. Der Kaiser brach darauf den Feldzug ab und kehrte nach Mainz zurück. König HEINRICH nahm Verbindung mit dem Papst auf. Er bezog sich auf das päpstliche Verbot, mit Gebannten Gemeinschaft zu halten, und verlangte deshalb die Lösung von seinem Eid und seine Anerkennung durch den Papst. Legat bei diesen Verhandlungen war der aus Konstanz vertriebene Gebhard von Zähringen.
Ein Versöhnungsversuch, den Herzog Friedrich mit den 3 rheinischen Erzbischöfen zusammen unternahm, scheiterte, weil sich der junge HEINRICH formell weigerte, mit einem Gebannten in Kontakt zu treten. Kurz nach dieser erfolglosen Mission starb Herzog Friedrich. Sein Tod ersparte es ihm, in dem Konflikt zwischen Vater und Sohn, zwischen seinem Schwiegervater, dem er so viel verdankte, und seinem Schwager und König, mit dem er es in der Zukunft nicht verderben durfte, Stellung nehmen zu müssen. Wie seine Frau Agnes, die ältere Schwester des jungen HEINRICH, dachte, wissen wir nicht. Sie blieb als Witwe zurück und heiratete 1106 den Markgrafen Leopold von Österreich, einen BABENBERGER. Aus jeder Ehe hatte sie 11 Kinder. Sie starb 1143 und liegt in Klosterneuburg begraben. Als Herzog von Schwaben folgte ihr damals 15-jähriger Sohn Friedrich, auch er vermutlich in dem Konflikt zwischen Vater und Sohn ohne eigenen Meinung und ausschlaggebende Stellung.
Gegen Jahresende gelang es dem jungen HEINRICH, die meisten Fürsten auf seine Seite zubringen. Ein von ihm nach Mainz einberufener Reichstag sollte den Streit entscheiden. Aber der König traute weder der Standhaftigkeit seiner Freunde noch der Mainzer Bürgerschaft. Durch Täuschung gelang es ihm, den Vater gefangenzusetzen. Vor kleinem Gefolge, aber im Beisein der päpstlichen Legaten verlangte er von ihm den Thronverzicht und ein öffentliches Sündenbekenntnis. HEINRICH verweigerte dieses Bekenntnis, sprach aber eine Art Thronverzicht aus. Den Teilnehmern an dieser Veranstaltung, vor allem Gegnern des Kaisers, fiel dabei die Härte und Mitleidlosigkeit des jungen HEINRICH auf. Der Reichstag von Mainz bestätigte Anfang 1106König HEINRICH, und der Kaiser blieb weiter in Haft. Aber da der junge HEINRICHdie Sache für entschieden hielt und die Bewachung lockerer wurde, konnte der alte HEINRICH über Köln nach Lüttich entfliehen. Die Bürger von Köln wie die von Lüttich hielten zu ihm, aus Lothringen folgten auch Adlige seinem Aufruf. HEINRICH V. mußte gegen seinen Vater zu Felde ziehen und wurde an der Maas geschlagen. Aber bevor der Krieg zwischen Vater und Sohn weitergehen konnte, starb Kaiser HEINRICH IV. in Lüttich. Seinem Wunsch entsprechend wurde seine Leiche später nach Speyer gebracht. Der Sarg blieb 5 Jahre ungeweiht in einer Kapelle stehen, bevor er in der SALIER-Gruft beigesetzt werden durfte.
Für seine Kriege gegen die Sachsen hat HEINRICH in dem Werk Brunos "De bello saxonico" einen für die Sachsen engagierten und deshalb nun ihm gegenüber sehr kritischen Geschichtsschreiber gefunden. Auch in anderen Schriften ist das Bild HEINRICHS dunkel und voller Flecken. Für seine letzten Jahre ist unsere Hauptquelle eine anonyme "Vita Heinrici IV.", in der der alternde Kaiser in seiner ganzen persönlichen und menschlichen Tragik im Mittelpunkt steht. Der Verfasser dieser Lebensbeschreibung muß ihm sehr nahe gestanden haben. So bleibt auch bei den Zeitgenossen das Bild HEINRICHS IV. widersprüchlich, gegensätzlich, vom Standpunkt des Betrachters politisch verzerrt wie bei kaum einem anderen Herrscher dieser Zeit. Von seinem Vater und seiner Mutter hat er ein Königtum mit hohen Ansprüchen übernommen, und er hat über 50 Jahre versucht, es unter sehr veränderten Zeitumständen möglichst unbeschadet weiterzuführen. Heute noch ist es schwer zu beurteilen, ob er damit eher erfolgreich war oder eher gescheitert ist.