Frommer Hansjörg: Seite 53-71
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"Die Salier und das Herzogtum Schwaben"

Kapitel  IV

Die Persönlichkeit Heinrichs III.
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HEINRICH III. wurde mit 22 Jahren 1039 Alleinherrscher. Die Jahre vorher, in denen er als Thronfolger und seit seiner Wahl und Thronerhebung 1028 als König an der Seite KONRADS in die Regierungsgeschäfte hineinwuchs, haben ihm nicht geschadet. Offenbar war das Verhältnis zwischen Vater und Sohn trotz gelegentlich sachlicher Differenzen eng und gut, und HEINRICH war eine zu ernste und tiefe Persönlichkeit, um sich von außen beeinflussen zu lassen. Veranlassung dafür hätte es durchaus geben können, denn HEINRICH war als Herzog von Bayern und seit 1038 auch von Schwaben und als gewählter König ein eigenständiger Machtfaktor, den Gegner der Politik KONRADS sicher gern gegen diesen ausgespielt hätten. HEINRICH war zwar körperlich groß, aber nicht sehr kräftig und gesundheitlich anfällig, vielleicht auch, weil ihm Arbeit, Bildung und Pflichterfüllung über Vergnügen und Lebenslust gingen. Die auf das Klosterleben bezogenen Ideale der frühen Reformer, Mäßigung, Konzentration auf die Aufgabe, für die Gott einen bestimmt hat, und auch Keuschheit hatten eine große Anziehungskraft. Anderen wie auch sich selbst gegenüber war er streng und anspruchsvoll. Er hatte sich wohl stark unter Kontrolle und verlor nicht leicht die Beherrschung, und selbst bei starken Konflikten war er um Ausgleich bemüht. So bat er schon 1025 beim Vater für den Stiefbruder Ernst, und auch die Auseinandersetzung mit seiner Mutter führte nicht zu einem völligen Bruch. Selbst mit seinem Dauergegner Gottfried von Lothringen suchte er vor seinem Tod den Frieden, und dessen Bruder Friedrich förderte er auf dem Weg in die Leitung der Kirche.
HEINRICH heiratete 1036 Gunhild, die Tochter des dänischen Königs Knuts des Großen. Aus dieser Ehe entstammte eine Tochter Beatrix, die mit sieben Jahren Äbtissin von Quedlinburg wurde und 1062 mit 24 Jahren starb. Gunhild wurde wie HEINRICHS Halbbruder Hermann, Herzog von Schwaben, ein Opfer des Fiebers, das auf dem Feldzug nach Italien 1038 unter den Deutschen wütete. Diese Verluste haben ihn wohl persönlich erschüttert, denn obwohl er wußte, wie wichtig die klare Nachfolge für das Reich sein konnte, heiratete er zunächst nicht wieder. Als HEINRICH einmal schwer erkrankte und man mit seinem Tod rechnete, bestimmte er sogar den rheinischen Pfalzgrafen Heinrich als Nachfolger, um nicht alles dem Zufall zu überlassen. Aber 1043 entschloß er sich doch zu einer zweiten Ehe, und zwar mit Agnes von Poitou, der Tochter Wilhelms von Aquitanien. Da Agnes in direkter Linie von HEINRICH I. abstammte, wurde von Abt Siegfried von Gorze der gleiche Einwand der unkanonischen Ehe geltend gemacht, mit dem HEINRICH II. schon KONRAD und Gisela konfrontiert hatte. Aber HEINRICH wies diesen Einwand, der ja auch seine eigene Herkunft fragwürdig gemacht hätte, zurück. Für die zunehmende Strenge seiner persönlichen Lebensführung spricht, dass HEINRICH bei der Hochzeit in Ingelheim die Gaukler und Spaßmacher vertreiben ließ. An Weihnachten 1046 wurde HEINRICH und Agnes in Rom als Kaiser und Kaiserin gekrönt. In dieser Ehe wurden zunächst drei Töchter geboren, Mathilde, Judith und Adelheid, die 1062 nach dem Tod ihrer Halbschwester Äbtissin von Quedlinburg wurde, dann schließlich 1050 der lang erwartete Sohn HEINRICH und 1053 ein schon drei Jahre später verstorbener Konrad.

Seine Politik im Reich
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Wenn HEINRICHS spätere Regierung auf Widerstand stieß, so war dieser nicht persönlich begründet, sondern richtete sich gegen die immer rigidere Durchsetzung der von ihm als richtig erkannten Ziele. Das galt ebenso für seine Politik den Reichsfürsten gegenüber wie für sein Eingreifen in Angelegenheiten der Kirche. Seine Gegner begründeten ihren Widerstand damit, dass der Kaiser seine frühere "iustitia, pax, pietas, divinus amor" verloren habe. Als der kleine HEINRICH 1053 zum König gewählt wurde, machten die Fürsten den Vorbehalt, "si rector iustus futurus esset" - wenn er in der Zukunft ein gerechter Herrscher sei -, und dieser Vorbehalt war in dem Augenblick eher an den Vater gerichtet als an den dreijährigen Sohn. HEINRICH arbeitete von Anfang an planvoll an einem Ausbau des Königsgutes, so in Sachsen, wo Goslar zu einer Lieblingspfalz wurde, aber auch in Ostfranken, wo er in dem ehemals babenbergischen Gebiet von Weißenburg, das sein Vater von Herzog Ernst übernommen hatte, die großzügige Gründung von Nürnberg betrieb. Er versuchte aber auch, entgegen dem Herkommen Reichsfürstentümer möglichst lange in seiner direkten Verwaltung zu halten. HEINRICH war seit 1027 Herzog von Bayern und seit 1038 Herzog von Schwaben. Als im Jahr 1039 Konrad der Jüngere, der Vetter und Konkurrent seines Vaters, kinderlos starb, wagte HEINRICH zwar nicht, das Herzogtum Kärnten auf sich selbst zu übertragen, aber er ließ es acht Jahre lang unbesetzt. Mit Burgund, Schwaben, Bayern und Kärnten hatte er die Alpenübergänge und den Zugang nach Italien fest in der Hand. Aber gegen diese Machtfülle regte sich Widerstand, und HEINRICH verlieh schließlich 1042 Bayern an den LUXEMBURGER Heinrich, einen Neffen des letzten Herzogs. Als dessen Nachfolger Konrad nach einem Überfall auf den Bischof von Regensburg 1053 sein Herzogtum verlor, setzte der Kaiser dort zunächst seinen Sohn HEINRICH, nach dessen Wahl zum König den jüngeren Sohn Konrad und nach dessen Tod seine Frau Agnes zum Herzog ein. Die Verfügung über Bayern sollte nicht wieder in fremde Hände gelangen, und Schwaben war immer fest in seiner Hand geblieben.
Dort berief er 1045 den rheinischen Pfalzgrafen Otto zum Herzog. Das hatte zwei Gründe. Zum einen sah er in dessen Familie eine Hauptstütze seiner Regierung. Ein Vetter war von HEINRICH sogar als Nachfolger designiert gewesen, und Ottos Bruder Hermann war Erzbischof von Köln. Ein anderer Vetter Konrad wurde 1049 Herzog von Bayern. Zum anderen bevorzugte HEINRICH aber als Herzöge landfremde Adlige, die im Herzogtum über keinen Eigenbesitz und keinen Anhang verfügten und sich deshalb vielleicht auch weniger um ihr Herzogtum kümmerten und so die Weiterführung der faktischen Verwaltung durch HEINRICH ermöglichten. Otto II. war allerdings nur zwei Jahre Herzog von Schwaben. Er starb 1047 auf seinen Familienbesitzungen bei Köln, und ob er sein Herzogtum Schwaben je richtig in Besitz genommen hat, ist zweifelhaft. Auf ihn folgte als Herzog Otto von Schweinfurt, auch er ein dem Kaiser ergebener Adliger, für den das Herzogtum eine Belohnung war, aber keine tatsächliche Aufgabe. Von einer Regierungstätigkeit Ottos in Schwaben zeugt keine einzige Urkunde, während HEINRICH III. regelmäßig das Land besuchte, in den alten Herzogsvororten Ulm, Zürich, Reichenau, Augsburg und Straßburg Hof hielt, amtete und urkundete. Seinen Herzog brauchte er dazu nicht. Ähnlich mag es in Bayern unter dem LUXEMBURGER Heinrich gewesen sein. HEINRICH III. versuchte also, die Verfügung über die für seine Macht so wichtigen Herzogtümmer zu behalten, auch wenn er sie formal weitergab, um dem Recht genüge zu tun.
Im Westen des Reiches hatte HEINRICH keine vergleichbare Machtbasis. Über seine ganze Regierungszeit hinweg stand er in einer Auseinandersetzung mit Gottfried dem Bärtigen von Lothringen, dem er nach dem Tod von Gottfrieds Vater nur die Hälfte des Herzogtums verliehen hatte. Eine für HEINRICH gefährliche Fürstenopposition fand sich zusammen, als Gottfried 1054 die verwitwete Markgräfin Beatrix von Tuszien aus dem Hause CANOSSA heiratete und die so erworbene Machtstellung durch einen Bund mit dem abgesetzten bayerischen Herzog Konrad, dem 1047 zum Herzog von Kärnten ernannten Welf und Bischof Gebhard von Regensburg ergänzte. Dieser Gebhard war ein Stiefbruder Kaiser KONRADS, ein Sohn aus der zweiten Ehe der Adelheid von Öhringen und ein lebenslustiger und in ewige Streitereien verwickelter Kirchenfürst, der den strengen Maßstäben seines kaiserlichen Halbneffen nicht entsprach. Auf diese Konstellation mußte HEINRICH schnell reagieren. Er ging 1055 zum zweiten Mal nach Italien. Dort verlobte er seinen Sohn HEINRICH mit Bertha von Turin und verband sich so mit den Gegnern des Hauses CANOSSA. Gottfried mußte fliehen, und die Markgräfin und ihre Tochter wurden gefangengenommen. Gottfrieds Bruder Friedrich verlor sein Amt als Kanzler des Papstes und mußte sich in einem Kloster verbergen. Die Rebellion der deutschen Fürsten brach zusammen, weil der abgesetzte Bayern-Herzog und Herzog Welf von Kärnten starben. So konnte HEINRICH gegenüber den anderen Gnade walten lassen und zu einem Ausgleich mit Gottfried von Lothringen kommen. Aber diese Vorgänge von 1054/55 zeigten doch, dass HEINRICHS strenge Regierung nicht mehr unangefochten war.

Erneuerung des Papsttums durch Heinrich
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Ähnlich war es mit der Kirche. Auch hier griff HEINRICH entsprechend seinen strengen Grundsätzen mit großer Härte ein. Die Lage war allerdings auch verwirrend und deprimierend. Benedikt IX. war Papst seit 1032, der dritte aus dem Haus der Grafen von Tusculum. Über sein Alter, seine geistlichen Voraussetzungen und die Art seiner Erhebung wurde von den Reformern vieles verbreitet, was in der Form wohl nicht stimmte, aber der allgemeinen Stimmung Ausdruck verlieh. Benedikt erwies sich den politischen Wünschen HEINRICHS gegenüber als willfährig, aber er entsprach in keiner Weise der Vorstellung, die dieser von einem heiligen Vater hatte. 1044 wurde Benedikt für sieben Wochen durch einen CRESCENTIER-Papst verdrängt, aber er konnte den päpstlichen Stuhl wieder zurückerobern. Doch in der Kirche waren die Reformkräfte immer stärker geworden, und mehr oder weniger freiwillig verzichtete Benedikt deshalb gegen eine beträchtliche Abfindung auf sein Amt, die von seinem Nachfolger Gregor VI., einem PIERLEONI, aus seinem Familienvermögen bezahlt wurde. Als HEINRICH 1046 zum ersten Mal nach Italien kam, hielt er in Pavia eine Synode ab, die ein allgemeines Verbot der Simonie aussprach. Er traf auch mit Papst Gregor zusammen, aber er hielt ihn persönlich  oder wegen der Art seiner Erhebung nicht für geeignet und ließ ihn im Dezember in Sutri zusammen mit dem kurzzeitigen CRESCENTIER-Papst für abgesetzt erklären. Gregor durfte nicht mehr nach Rom zurück, sondern wurde nach Deutschland in die Verbannung geschickt. Er starb 1047 in Köln. Auf dem Weg ins Exil begleitete ihn der Diakon Hildebrand, schon damals einer der Wortführer der jüngeren Reformer.
HEINRICH zog weiter nach Rom. Dort wurde auf einer neuen Synode auch Papst Benedikt wegen seiner früheren unkanonischen Abdankung für abgesetzt erklärt und ein neuer Papst bestimmt. HEINRICH und die vor allem unter seinen deutschen Begleitern zahlreiche Anhänger der Reform wollten das Papsttum aus seiner stadtrömischen Verstrickung lösen. Deshalb wurde der Bischof Suitger von Bamberg ausgewählt. Mit ihm begann die Reihe von deutschen Päpsten, die alle dem Gedanken der Reform eng verbunden waren und diesen auch in der römischen Hierarchie zum Durchbruch verhalfen. Der neue Papst Klemens II. krönte HEINRICH und Agnes an Weihnachten 1046 zum Kaiser und zur Kaiserin. Von den Römern erhielt HEINRICH das Amt des Patricius und damit den Vorrang bei der Papstwahl. Als Klemens schon im Oktober 1047 starb, erbaten die Reformer bei Kaiser HEINRICH die Ernennung des Bischofs Poppo von Brixen zu seinem Nachfolger. In der Zwischenzeit versuchte Benedikt IX. noch einmal, mit Hilfe seiner Partei den päpstlichen Stuhl zurückzuerobern. Poppo wurde im Juli 1048 in Rom eingesetzt, starb aber schon nach drei Wochen. Zu seinem Nachfolger bestimmte der Kaiser den Bischof Bruno von Toul aus dem Geschlecht der elsässischen Grafen von Egisheim, der mit ihm verwandt war. Er ließ sich in Rom vom Volk und von Klerus als Papst bestätigen und nahm den Namen Leo an. Mit Leo IX. kamen Friedrich von Lothringen, Humbert, Hugo Candidus und Hildebrand in die Kurie, die wichtigsten und energischsten Verfechter der Kirchenreform, der sie in den folgenden Jahren eine ganz neue Richtung geben sollten. Leo gestaltete zunächst die kirchliche Verwaltung nach dem Muster der königlichen Kanzlei um. Er war stark geprägt von der lothringischen Kirchenreform und fühlte sich weniger als Bischof von Rom denn als Oberhaupt der gesamten Kirche. Er reiste viel und kämpfte auf den von ihm abgehaltenen Synoden für die Reinheit der Kirche. Politisch war er ein Gegner der sich in Süditalien festsetzenden Normannen, die ihn nach einer Niederlage mehrere Monate in Benevent festhielten. Leo kehrte krank nach Rom zurück, wo er im April 1054 starb. Eine römische Gesandtschaft unter Hildebrand schlug HEINRICH die Ernennung seines Kanzlers, des Bischofs Gebhard von Eichstätt zum neuen Papst vor. Dieser war, mehr noch als sein Vorgänger, ein enger Vertrauter des Kaisers, der sich der christlichen Gemeinschaft, den Zielen der Kirchenreform und dem deutsch-italienischen Kaiserreich verbunden fühlte und nicht der Stadt Rom. Er wurde im April 1055 als Viktor II. inthronisiert. Im September 1056 war er auf dringende Einladung HEINRICHS wieder in Deutschland. Als er eintraf lag der 39-jährige Kaiser schon im Sterben. Viktor wachte als eine Art Testamentsvollstrecker darüber, dass HEINRICH III. seinem Wunsch gemäß beigesetzt und HEINRICH IV. als Nachfolger eingesetzt und anerkannt wurde. Er wäre auch der richtige Berater der Kaiserin-Witwe Agnes für die Führung der Regierung gewesen, aber sein Amt rief ihn nach Italien zurück.
HEINRICH III. hat also wesentlich dazu beigetragen, dass die Kirchenreform sich nicht nur in Deutschland, sondern auch in Italien und vor allem in Rom selbst durchsetzen konnte. Die Reformer wußten, dass sie ganz auf seine Unterstützung angewiesen waren, und akzeptierten deshalb seine herausragende Stellung und seine Eingriffe in innere Angelegenheiten der Kirche. Aber schon bald gab es Stimmen gegen diese Praxis. So tadelte Bischof Wazo von Lüttich 1050 die Absetzung des Erzbischofs von Ravenna durch den Kaiser. Er stellte die "oboedientia", den Gehorsam gegenüber der Kirche, vor die "fides", die Treue zum Herrscher. Damit war die Linie des kommenden Konflikts angedeutet. Hildebrand, der Vordenker der Reformer, begleitet den abgesetzten Papst Gregor in die Verbannung, und es ist sicher kein Zufall, dass er später als Papst diesen Namen wählte. Derselbe Hildebrand führte die Delegation nach Deutschland, die 1055 vom Kaiser die Ernennung eines Reformers zum Papst erbat. Leo IX., der vom Kaiser ausgesucht und ernannt worden war, bestand auf einer nachträglichen kanonischen Wahl in Rom. So zeigten sich überall im Reich HEINRICHS, im weltlichen wie im geistlichen Bereich, feine Risse, die zukünftige Erschütterungen ahnen ließen. Der Kaiser mit seiner großen persönlichen Autorität vor allem der Kirche gegenüber wäre wohl damit fertiggeworden, obwohl er sich in den letzten Jahren seiner Regierung größeren Schwierigkeiten gegenüber sah als zu Beginn. Sein früher Tod und die Schwäche der Regentschaftsregierung trieb die Kirchenreformer zur schnellen ideologischen und tatsächlichen Emanzipation vor der weltlichen Macht und lockte die Reichsfürsten zur Wiedergewinnung einer Eigenständigkeit, die sie unter der kräftigen Regierung KONRADS und HEINRICHS weitgehend verloren hatten.