Angelpunkt und Hauptperson war jetzt die oft erwähnte
Nichte des Herzogs, Gertrud.
Es ging zunächst um die Realisierung der schon 1238 festgelegten Ehe
zwischen dem Markgrafen Wladislaw von
Mähren, Sohn König Wenzels
I. von Böhmen, und Gertrud.
Ein bestehendes Ehehindernis, ein gemeinsamer Ur-Ur-Großvater, wurde
vom Papst durch Dispens behoben. Gerichtet war diese Genehmigung freilich
gegen die Absichten Kaiser FRIEDRICHS,
sich selbst mit Gertrud ehelich zu
verbinden, um sich so die Nachfolge in den österreichischen Ländern
zu sichern. Der Kaiser drängte im Frühjahr 1245 auf eine persönliche
Abmachung bezüglich der Eheschließung mit Gertrud.
Er berief den Herzog und seine Nichte (futura consors nostra) zu
sich, um den Plan zu besprechen. In der letzten Aprilwoche 1245 wurde in
Wien bei einem großen Hoffest dem Herzog von dem Abgesandten des
Kaisers ein Ring überreicht als symbolisches Zeichen für die
zu empfangende und schon zugesicherte Königswürde. Mit
diesem Ring erschien der Herzog bereits am 29. Juni in Verona zur festgesetzten
Festlichkeit, der Erhebung Österreichs zum Königreich und zur
Vermählung des Kaisers mit Gertrud,
der Nichte des Herzogs. Der Herzog war in Verona erschienen, nicht aber
kam Gertrud, die Braut und zukünftige
Kaiserin. Vermutlich hatte sie, da FRIEDRICH
kurz vorher in Lyon gebannt worden war, aus religiösen Gründen
zurückgezogen.
Wieder war es zuerst der böhmische König, der
unmittelbar nach dem Tode Herzog Friedrichs seinen Sohn
Wladislaw mit Gertrud vermählte
- den man auch in Österreich als zukünftigen Herzog ansah. Aber
schon nach einigen Monaten, am 3. Januar 1247, starb
Wladislaw.
Sichtlich stand der Papst mehr auf der Seite Gertruds
und suchte Margarete
mit
dem Grafen Hermann von Henneberg zu verheiraten. Es ist interessant zu
verfolgen, wie in den Jahren 1246-1252 die beiden Frauen, Tante und Nichte,
teils verbündet, teils in offenem Gegensatz und in Konkurrenz, den
Gewinn der österreichischen Länder anstrebten, wobei der Papst
abwechselnd die eine oder die andere Seite förderte. Während
Margarete
ausgesprochen kaiserlich-staufisch
gesinnt
war, war Gertrud hingegen päpstlich
wie ihr Schwiegervater. Mitte des Jahres 1248 war er so weit, dass Gertrud
neuerlich heiratete, und zwar Markgraf Hermann VI. von Baden, einen
angeheirateten Neffen Herzog Ottos von Bayern, der aber einer eher päpstlich
eingestellten Familie entstammte. Diese Verbindung war nicht durch den
Papst, sondern von Herzog Otto von Bayern vermittelt worden. Papst Innocenz
IV. bestätigte am 14. September 1248 dem Markgrafen Hermann
die Schenkung des Herzogtums Österreich durch seine Frau, die ducissa
Austrie, an die es "nach Erbfolge gemäß alter und gebilligter
Gewohnheit des Landes, bekräftigt durch Päpste, römische
Kaiser und Könige gesetzlich gekommen ist. Aber einige Monate später,
am 31. Januar 1249, fordert der Papst den Gegen-König
WILHELM auf, Markgraf Hermann mit dem Herzogtum Österreich
zu belehnen.
Ein Großteil des Adels hielt sich fern von ihm,
Sympathien scheint er im Lande nicht viele errungen zu haben. Er hatte
wohl versucht, in Wien solche zu gewinnen. Wie sich Markgraf Hermann
Anhang
zu verschaffen wusste, erläutert eine Urkunde, womit Herzogin
Gertrud am 23. Mai 1249 dem Stift Klosterneuburg die Auslösung
einer durch Heinrich des Jüngeren von Mödling (+ 1236)
einst an Klosterneuburg gekommenen und von ihrem Gemahl, Herzog Hermann,
an Heinrich von Liechtenstein verpfändeten Ortschaft verspricht. Gertrud
hatte ihren Sitz in Kahlenbergerdorf auf der die Donauuferstraße
nördlich von Wien beherrschenden Burg. Sie gehörte samt der daneben
gelegenen Kirche infolge Schenkung der Herzogin-Mutter
Theodora dem Stift Klosterneuburg, aber Gertrud
räumte - gestützt auf den Papst - die Burg nicht. Der
Papst verwendete sich für sie im Januar 1248 beim Propst von Klosterneuburg
und verpflichtete ihn, auf jeden Fall die Herzogin in castro "Obalenberch",
wohin sie sich wegen dessen Festigkeit zurückgezogen hatte, wohnen
zu lassen. Gertrud war auch weiterhin
auf der Burg geblieben, bis sie 1251 an Herzogin
Margarete und ihren Gemahl gekommen zu sein scheint. Die Burg
in Kahlenbergerdorf erwies sich für Gertrud
und Hermann
als besonders wertvoll, da sie die Straße am Donauufer
gegen Einfälle aus dem Westen sperren, aber auch den Weg zum uralten
Urfahr Nußdorf-Jedlesee nach Norden überwachen konnte. Dass
Herzog-Markgraf
Hermann im Lande selbst gekämpft und Schaden gestiftet hatte,
geht aus einer Urkunde hervor, die Herzogin Gertrud
vier Monate nach dem Tode ihres Mannes dem Kloster Altenburg
am 6. Februar 1251 in Wien ausstellen ließ. Sie schenkte damit dem
Kloster Altenburg bei Horn die unter ihrem Patronatsrecht stehende Altpfarre
Röhrenbach - als Ersatz für die vielen Schädigungen, die
ihr verstorbener Gemahl dem Kloster zugefügt hatte. Am 4. Oktober
1250 war nämlich
Herzog-Markgraf Hermann von Baden plötzlich
gestorben. Aus der Ehe mit Gertrud waren
zwei Kinder hervorgegangen: Friedrich, der sich später "Herzog
von Österreich und Steier" nannte und als Markgraf von Verona in Neapel
1268 hingerichtet wurde, und Agnes, die später Herzog Ulrich
III. von Kärnten und Krain heiratete.
Hier saß in Wien oder auf der von ihr besetzten
Burg in Chalenberg, die seit Oktober 1250 zum zweiten Mal verwitwete Herzogin
Gertrud. Der Papst hatte ihr eine neue Heirat empfohlen, mit
einem Bruder des Gegen-Königs WILHELM VON
HOLLAND.
Aber das Interesse des Papstes an Gertrud
war am Erlöschen. Sie ging ihre eigenen Wege, immer bestimmt von Eifersucht
und Abneigung, ja Hass gegen ihre Tante Margarete,
die Schwester
Herzog Friedrichs II.
Bei so vielem Erfolg ihrer Tante trat Gertrud
noch
einmal zum Kampf um ihre Rechte auf die beiden Herzogtümer an. Sie
verband sich mit König Bela IV. von Ungarn,
der auch seinerseits seine Ansprüche auf babenbergisches
Gebiet
nicht aufgegeben hatte. Zugleich heiratete sie - zum dritten Mal - 1252
den mit Bela
verwandten Fürsten
Roman von Halics, dem sie eine Tochter gebar. 1253 unternahm Bela,
verbündet mit Herzog Otto von Bayern und Herzog
Boleslaw von Krakau und mit Roman, einen Angriff auf
Mähren und Österreich. Aber die Kämpfe endeten wenig erfolgreich,
und
Roman
konnte sich in Österreich nicht durchsetzen. Er verließ
Gertrud
und
ging in seine Heimat zurück. Die Ehe wurde geschieden. Im Frieden
zu Ofen (3. April 1254) erhielt Gertrud
einige Orte in der West- und oberen Steiermark zu ihrem Unterhalt, wobei
sie besonders Judenburg und Voitsberg bevorzugte. Diesen Städten hat
sie auch mehrere Freiheiten und Schenkungen verliehen. Aber noch weiter
nannte sie sich ducissa Austrie et Stirie, wie ihr Sohn Friedrich
dux Austrie et Stirie. Sie hielt also an ihren Ansprüchen auf
die babenbergischen Länder für sich und ihre Kinder fest.
Gertrud, die vielleicht
gehofft hatte, für ihre Kinder Ansprüche zu retten, musste 1268
den Tod ihres Sohnes Friedrich in Italien zusammen mit dem letzten
HOHENSTAUFEN
erleben.
Gertrud,
die Mutter
Agnes', scheint nach dem Tode ihres Schwiegersohnes,
Herzog Ulrichs von Kärnten, aus dem Lande gewiesen worden sein. Sie
begab sich zu ihrem Onkel, Markgraf Heinrich dem Erlauchten von Meißen,
wo sie nach 1288 in einem Kloster starb.