Hoensch, Jörg K.: Seite 25,29,33,38,44,46,51,118,156,217
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"Premysl Otakar II. von Böhmen. Der goldene König."

Als Faustpfand konnte Wenzel die Sperrfestung Laa an der Thaya in Besitz nehmen. Längerfristig viel bedeutsamer war freilich die Vereinbarung, die Nichte des Herzogs und voraussichtliche Erbin Gertrud (* um 1226) mit dem böhmischen Thronfolger Vladislav zu verloben.
Gleichzeitig eskalierte auch die Gegnerschaft zum Kaiser und vor allem zu Herzog Friedrich dem Streitbaren, der alles in seinen Kräften stehende unternahm, um die vereinbarte Eheschließung zwischen seiner Nichte Gertrud und dem Markgrafen Vladislav von Mähren zu hintertreiben, obschon der Papst am 8. Dezember 1244 ein bestehendes Ehehindernis - in König Geza II. von Ungarn (+ 1162) besaßen die Verlobten einen gemeinsamen Ururgroßvater - durch Dispens behoben hatten. Der Herzogs zeigte sich jetzt sogar bereit, dem seit 1241 zum dritten Mal verwitweten Kaiser die Hand seiner Nichte zu überlassen. Die endgültigen Vereinbarungen Kaiser - Herzog sollten im Juni 1245 auf einem Hoftag in Verona erfolgen, dem die von Kaiser FRIEDRICH II. bereits als futura consors nostra bezeichnete Gertrud aber überraschend fernblieb. Ob die etwa Neunzehnjährige Vorbehalte gegen den immerhin 51 Jahre alten Kaiser geltend machte, ob sie sich in ihrer kirchentreuen Grundeinstellung nicht mit einem Exkommunizierten und von der Absetzung Bedrohten verehelichen wollte oder ob sie besonders herzliche Gefühle für ihren langjährigen Verlobten Vladislav hegte, ist heute nicht mehr festzustellen.
Diese Machenschaften beunruhigten Wenzel I. zunehmend, der deshalb mit Gewalt die Herausgabe der Braut erzwingen wollte. Doch ein vom Lundenburger Teilfürsten Ulrich von Spanheim Anfang 1246 nach Österreich geführtes Heer erlitt am 26. Januar bei Staatz eine bittere Niederlage.
König Wenzel I. zögerte nach dem Tode Friedrichs nicht, die bis jetzt von so vielen Opfern und Rückschläge gekennzeichneten Versuche, Österreich in Besitz zu nehmen, durch die eilends vollzogene Eheschließung Vladislavs mit Gertrud zu krönen. Stolz vermeldet der Fortsetzer der Kosmas-Chronik danach: per hoc Wladislaus habebat Austriae ducatum, der - gestützt auf das reiche Erbgut seiner Gemahlin und auf das böhmische Potential - in der Tat sogleich von einem Großteil des österreichen Adels als neuer Herzog akzeptiert wurde. Doch der Herzog verstarb nach kurzer Krankheit schon am 3. Januar 1247.
Der Konflikt König - Adel brach im Frühjahr 1248 aus, als sich große Teile der stärker staufisch eingestellten Herren weigerten, sich an einem Zug nach Österreich zugunsten der Prätendentin Gertrud zu beteiligen, den König Wenzel nach massiven Vorstellungen Innozenz' IV. angeordnet hatte.
Die junge Gertrud, die konsequent den Titel ducissa Austrie führte, verheiratete sich Mitte 1248 mit dem Markgrafen Hermann V. von Baden. Nachdem er wegen der ausufernden militärischen Verwicklungen seine Frau Gertrud mit den beiden Kindern Friedrich und Agnes dem Schutz ihrer Verwandtschaft in Meißen anvertraut hatte, starb - angeblich an Gift - am 4. Oktober 1250 völlig überraschend Hermann von Baden.
Die Weigerung der jetzt schon zum zweiten Mal verwitweten Herzogin Gertrud, sich gemäß einem am 18. Februar ausgesprochenen pästlichen Wunsch mit Florens von Holland, einem Bruder des Gegen-Königs WILHELM, zu vermählen, kostete sie die Gunst der Kurie.
Denn die übergangene Herzogin Gertrud, die wieder in ihrer Burg zu Kahlenberg vor Wien residierte und weiterhin den Titel ducissa Austrie et Stirie führte, verbündete sich jetzt, nachdem sie von der Kurie fallengelassen worden war, mit dem Ungarn-König, dessen Verwandten Roman von Halic sie im Sommer 1252 in dritter Ehe heiratete. Roman, der Schwager von Belas IV. Tochter Konstanze, schloß mit dem Ungarn-König eine Vereinbarung über militärische Hilfeleistung, wonach die österreichischen Eroberungen gegen nicht näher bekannte Zugeständnisse an Gertrud und ihren Gatten ausgeliefert werden sollten; daß Bela IV. in den Ansprüchen Gertruds nur einen willkommenen Vorwand sah, seine aktive Westpolitk fortzuführen, lag auf der Hand.
Premysl Otakar muß trotz dieser bedrohlichen Angriffsaktionen aber in der Lage gewesen sein, in der ersten Jahreshälfte 1253 mit der Einnahme von Kahlenbergerdorf seiner Konkurrenten Gertrud einen schweren Schlag beizubringen.
Die geringen Chancen, seine Erwartungen auf Österreich durchsetzen zu können, hatten Roman von Halic schon im Sommer 1253 veranlaßt, seine Frau Gertrud und ein gemeinsames Kind zu verlassen und nach Ungarn zurückzukehren. Herzogin Gertrud wurde mit mehreren Ämtern im ungarischen Teil der Steiermark abgefunden und lebte künftig zurückgezogen in Voitsberg und Judenburg. Aber weder sie noch ihr Sohn Friedrich von Baden waren bereit, ihren Rechtsanspruch auf die beiden Herzogtümer aufzugeben, was König Premysl Otakar II. nach 1262 zum Anlaß nahm, gegen sie vorzugehen und Gertrud 1267 sogar aus dem ihr im Ofener Präliminarfrieden zugesprochenen Besitz zu verweisen.
Die Schwieirigkeiten wurden heraufbeschworen, einmal durch die Weigerung des jüngeren Königs Stephan V., den Präliminarfrieden beizutreten, dann durch die Notwendigkeit, den der früheren Herzogin Gertrud von Babenberg 1254 eingeräumten Besitz in der Steiermark zu bestätigen, und schließlich durch den Wunsch Premysl Otakars II., nach der von ihm seit längerem betriebenen Scheidung von Margarete von Österreich ins ungarische Königshaus einzuheiraten.
Premysl Otakar II. zeigte anfangs wohl wenig Neigung, seiner einstigen Rivalin Gertrud die ihr im Frieden von Ofen übertragenen steierischen Ämter Voitsberg und Judenburg zu belassen, zumal ihr inzwischen zehn Jahre alter Sohn Friedrich von Baden in Schrift und Siegel den Titel eines Herzogs von Österreich und Steiermark führte und 1259 im Hoflager des letzten STAUFERS Konradin in Eger geweilt hatte. Gerade wegen Gertruds immer noch vorhandenen Anhangs im österreichischen und steierischen Adel hielten es die Berater des Königs für angebracht, ihren Herrn umzustimmen, so daß er außer ihrem Besitz auch die bisher von ihr innegehabten Rechte bestätigte und ihr sogar jährlich 400 Mark Silber aus den steierischen Landeseinkünften zugestand; dem König schien es zudem opportun, den jungen Friedrich in sein Gefolge aufzunehmen, aus dem er ihn allerdings bereits 1262 wieder entfernte.
Auch gegen seine ehemalige Schwägerin Gertrud von Babenberg, die Mutter des Prätendenten Friedrich und die zweite Frau Herzog Ulrichs von Kärnten, Agnes, ist Premysl Otakar vorgegangen. Die ihr im Frieden von Ofen 1254 übertragenen, im Frieden von Wien 1261 bestätigten steierischen Ämter Judenburg und Voitsberg dürften ihr vom König bereits bei seinem Besuch im Herzogtum im Januar 1267 entzogen und ihr dafür die Summe von 400 Mark als Leibrente und Nutzung das zum neuen Wohnsitz bestimmte Amt Windisch-Freistritz angewiesen worden sein. Der Tod ihres Sohnes Friedrich (29. Oktober 1268), der seiner Muter testamentarisch sogar das Herzogtum Steier überschrieben hatte, wird ihre politische Bedeutung eher herabgesetzt haben; Verwicklungen dagegen hatte der König von der Heirat ihrer jüngeren Tochter Maria mit Joachim von Guthkeled, dem Sohn des früheren ungarischen Landeshauptmannes in der Steiermark, des Banus Stephan von Slavonien zu befürchten, der ein enger Vertrauter des ungarischen Thronfolgers Bela (+1269) war. Im Sommer 1269 scheint Premysl Otakar dann eine Ausweisungsverfügung gegen Gertrud erlassen zu haben, die sie zwang, bei ihren Verwandten in der Markgrafschaft Meißen Zuflucht zu suchen. Von ihrem Schwiegersohn Ulrich von Kärnten ist ihr anscheinend keine wirkungsvolle Unterstützung in der Auseinandersetzung mit dem König zuteil geworden. Gertrud ist schließlich um das Jahr 1288 im Klarissenkonvent Seuslitz gestorben, den Heinrich der Erlauchte 1268 zum Andenken an seine zweite Gemahlin Agnes, der Schwester Premysl Otakars II., gestiftet hatte.