EUROPÄISCHE STAMMTAFELN NEUE FOLGE BAND L 1 Tafel
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Lexikon des Mittelalters: Band III Seite 426
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Dachau, Grafen von
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Von den Grafen von Scheyern abstammende bayerische Adelsfamilie.
Zur Sicherung und Verwaltung der Güter, die dem
Scheyerner Grafengeschlecht an der oberen Amper angefallen waren, ließ
eine Seitenlinie dieses Geschlechts um 1100 auf der beherrschenden Amperniederung
vorstoßenden Anhöhe eine Burg erbauen, die in der Nähe
der alten Siedlung Dachau (ahd. Dahauua; heute Regierungsbezirk Ober-Bayern,
nordwestlich von München) lag und von ihr den Namen bekam. Als die
Stammburg Scheyern um 1120 dem Mönchskonvent von Petersberg-Eisenhofen
überlassen wurde, fiel die Burg Dachau mit den zugehörigen
Ministerialen und dem Grundbesitz an Graf Arnold von Scheyern, der
sich von da an wie seine Nachkommenschaft nach der Burg
Dachau nannte. Mit großer Wahrscheinlichkeit übten
sie auch Grafenrechte über ihren Besitz aus, wodurch sie zu Konkurrenten
der Grafschaftsinhaber des Freisinger Raumes, der Grafen von Ottenburg-Grögling-Hirschberg
wurden, die sich nach und nach daraus zusammen mit ihren Vettern, den Pfalzgrafen
von Wittelsbach, bis zur Mitte des 12. Jh. verdrängten. Seit etwa
1130 Sitz ein Angehöriger des Dachauer Grafengeschlechts
auf der Burg Valley (Reg.-Bez. Ober-Bayern, Kreis Miesbach), die
so zum Stammsitz einer eigenen Valleyer Linie dieses Geschlechts
wurde, die 1238 ausstarb. Höhepunkt der
DACHAUER Grafenherrlichkeit
war die Erhebung des Grafen Konrad II. von Dachau 1152/53 zum Herzog
von Meranien, Dalmatien und Kroatien. Er begegnet auf den kaiserlichen
Heerzügen FRIEDRICH BARBAROSSAS
in Italien mit einem großen ritterlichen Lehensgefolge. So schnell
der Aufstieg gekommen war, so jäh stellte sich auch der Untergang
des DACHAUER Grafengeschlechts ein:
Graf Konrad III., der Sohn des Herzogs von Meranien, starb 1182 ohne
Hinterlassung von erbberechtigten männlichen Nachkommen. Seine Witwe
verkaufte daraufhin die Burg Dachau
mit all ihren Zugehörungen an Ministerialen und Gütern dem wittelsbachischen
Herzog Otto I. bzw. seinen Sohn Ludwig. Damit wurde die Grafschaft in den
wittelsbachischen Landesstaat einverleibt;
die Burg wurde zum Sitz eines Landrichters, der die ehemalige Grafschaft
als Landgericht Dachau verwaltete, auf das der heutige Landkreis Dachau
zurückgeht.
Literatur:
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J.F. Huschberg, Älteste Geschichte des durchl. Hauses
Scheiern-Wittelsbach, 1834, 2. Buch - C. Trotter, Die Grafen von Scheyern,
Dachau und Valley usw. (Genealog. Hb. zur bair.-österr. Gesch. hg.
O. Dungern, I. Lfg.), 1931, 29ff. - P. Fried, Die Landgerichte Dachau und
Kranzberg (HAB, Altbayern, H 11712), 1958.
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