Ptolemaeus (Tolomeo) I.               Graf von Tusculum
-------------------------------
    -   1126
 

Sohn des Grafen N.N.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VIII Seite 1122
********************
Tusculum, Grafen von
----------------------------

Die TUSKULANER unterstützten wirksam die Gegen-Päpste Benedikt X. (vielleicht ein Verwandter) und Cadalus-Honorius II. Erst unter dem Pontifikat Gregors VII. schlossen sie ein Bündnis mit den Reformpapsttum, aber noch Ptolemaeus (Tolomeo) I. (+ 1126), der von Papst Paschalis II. 1108 nach Rom gesandt worden war, um das Patrimonium S. Petri in seiner Abwesenheit zu verwalten, erregte einen Aufstand der Stadt gegen den Papst. Er war einer der tapfersten Verbündeten HEINRICHS V., so dass Pandulfus Pisanus in seiner Vita Paschalis' II. eine Analogie zwischen dem Papst und dessen 'Verbündeten', den Aposteln Petrus und Paulus und dem Kaiser und seinen Verbündeten, nämlich dem Abt von Farva und Tilomeo von Tusculum. - beide mit dem Anathem belegt - herstellte.



Meyer von Knonau, Gerold: Band VI Seite 89,165/Band VII Seite 8,30,32,33,50
***********************
"Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V."

1108
Zwar übergab Papst Paschalis II. die Leitung der Stadt und ihrer Angelegenheiten an Petrus, den Sohn des Leo, und an Leo Frangipani, den Schutz der außerhalb der Stadt liegenden Güter des heiligen Petrus an den Grafen Ptolemäus von Tusculum, den Befehl über die Truppen an seinen Neffen Walfred. Aber schon auf dem Wege mußte er vernehmen, daß alle Anordnungen umgestürzt seien und allgemeiner Abfall sich ausgebreitet habe. In Rom herrschten unzählige Zerwürfnisse; außerhalb Roms traten Angani, Palestrina, Tusculum, auch die Sabina in den Aufstand ein; als Haupt und Stütze der Abtrennung stellte sich Ptolemäus selbst an duie Spitze, und er gesellte sich dabei Petrus Colonna, Abt Berald von Farfa, die römische Mannschaft bei; Albano und die Maritima, die ihre Treue bewahren wollten, wurden durch Einbrüche der Feinde heimgesucht, und schon ließ Ptolemäus sich hören, daß dem Papste der Wiedereintritt in Rom nicht möglich sein.
1111
Wirklich hatte auf die Aufforderung hin Fürst Robert von Capua dreihundert Mann in der Richtung gegen Monte Cassino bis zu einem Hofe des Klosters Patenaria vorgeschickt, und diese rückten hernach bis Ferentino vorwärts; allein als sie nunmehr den Grafen Ptolemäus von Tusculum und alle Herrn seiner Gegend als Anhänger HEINRICHS V. fanden und erfuhren, daß dieser schon mit dem ganzen Heere den Tiber überschritten habe, so da er Rom aus großer Nähe beobachten konnte, war für sie keine Rede mehr davon, daß sie in die Stadt hineintreten konnten, und so wichen sie nach Capua zurück.
1116
Petrus Leonis ließ Paschalis II. den Bericht zugehen, daß er sich nur halten könne, wenn ihm Hilfe von außen gebracht werde. Auch außerhalb Roms waren die einen Grafen für den Papst, die anderen für den jungen Präfekten in den Waffen. So bemühte sich Paschalis II. diese Kräfte für sich in den Dienst zu ziehen, durch Anerbieten von Geld und Gut, durch Zuweisung von Besitzungen, und sogar Ptolemäus, der Graf von Tusculum, ließ sich jetzt, obschon der junge Präfekt sein Neffe war, durch die lehensweise Übergabe von Ariccia gewinnen. So wagte es der Papst, mit diesen herangezogenen Truppen nach Rom zurückzukehren und im Mai bei Trastevere Stellung zu nehmen. Es kam zu einem Zusammenstoß mit den Gegnern, wobei der junge Präfekt von den päpstlichen Kriegern, als er aus der Stadt ausgerückt war, überrascht und selbst gefangen genommen wurde. Da aber fiel Ptolemäus, als er die Nachricht vom Schicksal des Neffen erhielt, plötzlich von Paschalis II. wieder zu dessen Feinden ab. Petrus sollte nämlich nach dem noch über Anagni hinaus liegenden festen Platze Fumone gebracht werden und schon hatte der Zug, an Albano vorüber, das Gebiet des Ptolemäus erreicht, als die Begleiter des Gefangenen, sorglos, aufgelöst, nicht genügend wehrhaft, wie sie waren, von Ptolemäus, der so sein gegebenes Wort schändlich bracht, überfallen wurden, so daß der Präfect seine Freiheit wieder gewann.
1117
HEINRICH V. aber trat nun, wie er schon zuvor nach der vom Präfekten und den Consuln ihm entgegengebrachten Einladung seine Ankunft in Aussicht gestellt hatte, den Zug nach Rom an. Unterwegs erwiesen sich Abt Berald von Farfa, der auch jetzt wieder eine kaisertreue Gesinnung zeigte, Johannes Frangipane, Graf Ptolemäus von Tusculum, mit ihren Anhängern, hilfreich, und es gelang, in dem gegen die Getreuen der römischen Kirche eröffneten Kampfe einige feste Plätze einzunehmen.
Gleich beim Eintritt in Latium habe HEINRICH V. die Getreuen des heiligen Petrus mit Krieg überzogen und dabei zum Vorteil des Abtes von Farsa und des Ptolemäus, die beide im Banne liegen, gehandelt.
Bei der Abwesenheit des Papstes, infolge der Abweisung durch die römische Geistlichkeit war der Kaiser durchaus auf die weltlichen Kreise in Rom, auf den Präfekten und die Consuln, angewiesen. Es wurde behauptet daß diese, auch noch weitere Teile des römischen Volkes durch Geschenke und Versprechungen gewonnen worden sein, und ganz besonders ist daneben Graf Ptolemäus von Tusculum hervorgehoben. Nicht nur erhielt nämlich der Graf von HEINRICH V. die Bestätigung aller Besitzungen, die schon seine Vorfahren, besonders der Großvater Gregor, inne gehabt hatten, und außerdem auch sehr reiche Veergabungen; sondern das Haus der Grafen von Tusculum, das in stolzer Anmaßung seinen Ursprung von dem altrömischen Geschlecht der OCTAVIER ableitet, wurde noch dadurch geehrt, daß der dem Vater gleichnamige jüngere Graf Ptolemäus mit einer allerdings außer der Ehe geborenen kaiserlichen Tochter, Bertha, vermählt wurde. Dem Präfekten Petrus dagegen wurde die Würde durch Überreichung eines Adlers bekräftigt.
1118
Der kriegerische Gegensatz hatte hier fortwährend weiter gedauert. In den Händen der Gegner des Papstes waren das Capitol und die St. Peters-Kirche geblieben und an diesen zwei Stellen dauerte der Kampf, links vom Strome hinunter andessen Ufer, zu dem Wohnsitze des der päpstlichen Sache stets getreuen Petrus, des Sohnes des Leo, und rechts drüben zu der Engelsburg, die Ptolemäus und der Präfect Petrus für den Kaiser festhielten. Nun aber war Graf Petrus Colonna zu Paschalis II. übergetreten, und ebenso reichte Rainald Senebaldi die Hand zur Zurückführung des Papstes. So gelang, da die Wachen, die Ptolemäus und Petrus aufgestellt hatten, unaufmerksam waren, am bezeichneten Tage, über Trastevere, der Einzug des Papstes in die Engelsburg, und Ptolemäus kam mit dem Präfecten und mit seinen ürigen Anhängern in solche Mutlosigkeit, daß sie schon an Unterwerfung dachten und glaubten, sich in der Stadt verbergen zu müssen.
 
 
 
 

  oo N.N.
             -
 
 
 
 

Kinder:

  Ptolemaeus II.
        -
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Meyer von Knonau, Gerold: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V., Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1890 Band VI Seite 89,165,374/Band VII Seite 8,30,32,33,50 -