Gregor I.                                         Graf von Tusculum
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um 935- vor 2.6.1013
 

Jüngerer Sohn des Patricius Alberich II. und der Alda von Italien, Tochter von König Hugo
Nach Klaus-Jürgen Hermann, Tuskulanerpäpste, war Gregor I. der Sohn des Vestarar Theophylakt und der Marozia II., einer Tochter von Theodora II.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VIII Seite 1122
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Tusculum, Grafen von
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Erster bekannter Träger 'de Tusculana' war Gregorius, Flottenpräfekt (999), vielleicht ein Bruder Papst Johannes' XII. (956-964) und Sohn Alberichs II. Erster Träger des Grafentitels (comes palatinus Lateranensis und Graf von Tusculum) war hingegen dessen Sohn Alberich (+ um 1037), anscheinend der früheste Beleg für den Gebrauch des Grafentitels in Latium.



Thiele, Andreas: Tafel 394
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

GREGOR I. "DE TUSCOLANO"
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Filiation nicht ganz sicher; eventuell doch Halbbruder Johanns XII.

Graf von Tusculum

Gregor I. stritt mit den CRESCENTIERN um die Vormacht in Rom und verjagte 1002 Kaiser OTTO III. und Papst Silvester aus Rom.



Althoff Gerd: Seite 174,177
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"Otto III."

Als Grund für die Rebellion wird einmal der Unwillen der Römer über die Begnadigung Tivolis angegeben, als Rädelsführer von anderer Seite der Graf Gregor von Tusculum namhaft gemacht. Jener hatte zuvor eine Vertrauensstellung bei OTTO III. inne und war sein praefectus navalis gewesen, also Befehlshaber jener berühmten kaiserlichen Flotte, von der nie ein Schiff in See stach.
Diese Sicht der Dinge wird durch die Schilderung Thietmars von Merseburg in gewisser Weise bestätigt:
"Danach versuchte Gregor, den der Caesar sehr schätzte, ihn mit List in seine Gewalt zu bringen, und legte ihm einen geheimen Hinterhalt. Unversehens rotteten sich die Verschwörer zusammen und begannen den Aufstand gegen ihn; da konnte der Kaiser gerade noch mit wenigen Begleitern durch ein Tor entkommen; die Mehrzahl seines Gefolges wurde eingeschlossen. Auch das niemals mit seinen Herren zufriedene Volk vergalt ihm sein unsägliches Wohlwollen übel. Nun richtete der Caesar durch Botschaft an alle seine Freunde die dringende Aufforderung, sich dort zu sammeln, und ersuchte jeden einzelnen, wenn ihnen je an seiner Ehre und seinem Heile gelegen sei, sollten sie schnell mit Waffenmacht kommen, um ihn zu rächen und weiterhin zu sichern. Doch die Römer bereuten nun die Schuld ihres offenbar gewordenen Vergehens und machten einander die heftigsten Vorwürfe, ließen alle Eingeschlossenen ziehen und erflehten vom Kaiser demütigst Gnade und Frieden."

Görich Knut: Seite 252
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"Otto III. Romanus Saxonicus et Italicus"

Die Grafen von Tusculum waren es, die nach allgemeiner Ansicht den größten Vorteil aus der blutigen Hinrichtung des Crescentius Nomentanus zogen: Graf Gregor I. von Tusculum, der Vater der späteren TUSCULANER-Päpste, und sein Sohn Alberich III. Percy Ernst Schramm wies darauf hin, daß der praefectus navalis seit der Mitte des 12. Jahrhunderts stets als päpstlicher Würdenträger auftrat und die Seepräfektur deshalb auch schon zur Zeit OTTOS III. ein päpstliches Amt gewesen sein kann. Der Zeitpunkt, zu dem Gregor von Tusculum dieses Amt übernahm, muß daher nicht mit seiner ersten und einzigen Erwähnung in D O III 339 vom 2. Dezember 999 zusammenfallen. Diese Möglichkeit wird um so unwahrscheinlicher, wenn man die Verbindung Gregors zu seinem Onkel, Papst Benedikt VII. (974-983) berücksichtigt. Dieser hatte ihn zwischen 974 und 980 zum Rektor des römischen Klosters Renati gemacht; weitere Protektion des 961 erstmals als consul et dux, im Juni 986 wohl auch als senator Romanorum belegten TUSCULANER-Grafen während des Pontifikats seines Onkels ist wahrscheinlich, allerdings nicht belegt. Im Juni 1000 ist Gregor als Bote Silvesters II. an OTTO III. nachweisbar, also auch hier eher der päpstlichen als der kaiserlichen Verwaltung zuzuordnen. Denkbar ist deshalb, daß der schon lange vor dem zweiten Romzug OTTOS III. zum Kreis der einflußreichsten Familie zählende und mit den CRESCENTIERN verwandte TUSCULANER die Funktion eines prafectus navalis in der päpstlichen Verwaltung ausübte und sie nach der Hinrichtung des Crescentius auch nicht verlor. Auch Gregor I. von Tusculum ist 1002 noch als nach wie vor einflußreich belegt. Gregor von Tusculum, vielleicht sogar als senator Romanorum belegt, führte ebenso wie Girardus den Titel consul et dux, durch den beide als Angehörige der relativ begrenzten obersten römischen Führungsschicht erkennbar sind.

Hermann Klaus-Jürgen: Seite 1-5
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"Das Tuskulanerpapsttum (1012-1046)"

Als Anführer der Umsturzpartei erschienen die drei Brüder Alberich, Theophylakt und Romanus, Söhne des Gregor von Tuskulum und seiner Frau Maria. Jener Gregor I. von Tuskulum war der Sohn der Marozia II. und somit ein naher Verwandter des großen Alberich, der den Kirchenstaat fast 20 Jahre unangefochten und souverän geführt hatte. Über seine Tante Stephania II., die mit dem Grafen Benedikt I. von der Sabina verheiratet und über deren gemeinsamen Sohn Benedikt II., seinen Cousin, der auf Anraten Papst Johannes' XIII. Theodoranda, die Tochter des Crescentius vom Marmorpferd, ehelichte, unterhielt er weitgehende verwandtschaftliche Beziehungen zu den CRESCENTIERN wie auch zu den Päpsten Johannes XIII. und Benedikt VII. Über den Vater Gregors de Tusculana schweigen sich die Quellen aus. Vielleicht war es jener Vestarar Theophylakt, der mit einer "Marozia nobilis femina" verehelicht gewesen zu sein scheint. Das erste Mal urkundlich erwähnt, taucht Gregor in einer Schenkungsurkunde für das Kloster Subiaco mit der Ehrenbezeichnung "consul et dux", dem Prädikat der politischen Gewalthaber, vom August 961, also noch zu Zeiten Johannes' XIII., auf. Diese Ehrenbezeigung für den wohl noch verhältnismäßig jungen Gregor beweist, daß der Familie der großen Marozia und des Fürsten Alberich über des letzteren Tod hinaus in Rom eine führende Stellung innerhalb des Adelssenats verblieben war. Noch zur Zeit der Wirren in der Stadt Rom im Frühsommer 966 und bei den darauffolgenden Umstürzen sich ablösender Adelskonjurationen und -fraktionen, die die Abkehr von der Vorherrschaft der Sippschaft Alberichs in Rom einleiteten, bestätigten Gregor unter seinem alten Titel die Entscheidung der Schiedsrichter in einem Güterstreit des Klosters Subiaco. Dann allerdings scheint die Familie der jüngeren Theodora politisch in den Hintergrund gedrängt worden zu sein; jedensfalls besitzen wir bis zum Jahre 979 keine urkundliche Erwähnung Gregors mehr. Ein neuerlicher Umschwung zugunsten der Marozia-Familie schien sich jedoch nach 974 abzuzeichnen, noch bevor mit Bischof Benedikt von Sutri ein mit dem Princeps Alberich verwandter Römer und Onkel des TUSKULANERS die Cathedra Petri als Benedikt VII. bestieg. Wohl zwischen 974 und 980 ernannte der tatkräftige Papst seinen Neffen zum Rektor des stadtrömischen Klosters Renati; gleichzeitig war es dem "illustissimo viro, filius Maroze senatrix" gelungen, seine alte Stellung als "consul et dux" wieder zu erlangen.
Nach der vorübergehenden Entmachtung der führenden CRESCENTIER-Partei, die im Jahre 998 mit der Hinrichtung des Crescentius II. ihren vorläufigen Höhepunkt fand, scheint sich die TUSKULANER-Partei unter Führung Gregors der kaiserlichen wie päpstlichen Sache angenommen zu haben. OTTO III. ernannte den TUSKULANER-Grafen zum Seepräfekten und dessen wohl ältesten Sohn Alberich zum kaiserlichen Palastmarschall. Als Anfang Juni des Jahres 1000 in Orte ein Aufstand einer papstfeindlichen Partei ausbrach, der das Leben des anwesenden Papstes Silvester II. ernsthaft bedrohte, war es Gregor von Tuskulum, der vom Papst zum Kaiser gesandt wurde, um diesen zum Eingreifen zu bewegen. Nach dem mißlungenen Putschversuch des TUSKULANERS im Jahre 1001 ergriffen die CRESCENTIER für mehr als ein Jahrzehnt wieder die absolute weltliche Leitung Roms mit dem Anspruch souveräner Führung. Außenpolitisch war diese letzte Epoche der CRESCENTIER-Herrschaft durch vorsichtiges Taktieren gegenüber dem seit 1002 regierenden neuen deutschen König HEINRICH II. bestimmt, den man mit Versprechungen und Hinhaltemanöver von einem Romzug abzuhalten versuchte; innenpolitisch wußte der Patricius Johannes mit klugen Nepotismus die wichtigen Schaltzentralen der Macht mit Angehörigen seiner Sippe zu besetzen. Es zeigte sich jedoch, daß allein der Patricius imstande war, den von ihm geschaffenen Machtapparat virtuos zu bedienen, und daß nach seinem Tod die Macht für immer aus den Händen seiner Familie glitt.
 
 
 
 

  oo Maria
              - vor 2.6.1013
 
 
 
 

Kinder:

  Theophylakt Graf von Tusculum = Benedikt VIII. (1012-1024)
         -9.4.1024

  Romanus Graf von Tusculum = Johannes XIX. (1024-1032)
          -6.11.1032

  Alberich III. Graf von Tusculum
         - nach 1032
 
 
 

Literatur:
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Althoff, Gerd: Otto III., Primus Verlag, Darmstadt 1997 Seite 174,177 - Görich Knut: Otto III. Romanus Saxonicus et Italicus, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1995 Seite 252 - Herrmann, Klaus-Jürgen: Das Tuskulanerpapsttum (1012-1046), Anton Hiersemann Stuttgart 1973 Seite 1-5 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 394 - Thietmar von Merseburg: Chronik Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 1992 -