EUROPÄISCHE STAMMTAFELN NEUE
FOLGE BAND XII Tafel
32
Lexikon des Mittelalters: Band III
Spalte 1053
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II. Die Grafen von Dillingen:
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Graf Hartmann (I.) nannte sich
1111 erstmals nach Dillingen. Wegen seines Erbbesitzes im Dillingener
Raum wird er zu Recht als Nachkomme der HUPALDINGER, der Familie Bischof Udalrichs von Augsburg,
angesehen. Seinen großen Besitzungen im Donauraum konnte Hartmann durch Ehe mit Adelheid von Winterthur ein
reiches Erbe in der Nord-Schweiz hinzufügen. Im Investiturstreit
erbitterter Gegner HEINRICHS IV.,
errichtete er zum Schutz seiner Besitzungen Höhenburgen (Kyburg,
Hohengerhausen). Hartmann
und seine Gemahlin stifteten das Kloster Neresheim.
Seine Söhne Hartmann (II.)
(† 1134, kinderlos) und Adalbert (I.) († 1151) wandten sich - wohl
wegen des Machtzuwachses der STAUFER
im nördlichen Schwaben - stärker ihren Herrschaften in der
Schweiz zu; ein dritter Sohn, Ulrich,
war 1111-1127 Bischof von Konstanz.
Nachdem Adalbert (I.)
nochmals die gesamte Erbschaft vereinigt hatte, teilten seine
Söhne erneut, wobei Adalbert
(II.) († 1170,
kinderlos) die schwäbischen, Hartmann (III.) († 1180) die Schweizer Gebiete
erhielt; 1170-80 vereinigte letzterer nochmals den gesamten Besitz.
Seit der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts waren die Grafen von
Dillingen - mit reichem Gewinn - enge Verbündete der STAUFER.
Die Söhne Hartmanns (III.)
teilten 1180 endgültig in den Schweizer Teil (Ulrich, †
1227; Stammvater der Grafen von Kyburg) und den
schwäbischen Teil (Adalbert
[III.], † 1214).
Adalbert und seine Kinder wandten sich trotz ihrer Anlehnung an
die STAUFER in ihrer
Heiratspolitik stärker dem bayerischen als dem schwäbischen
Raum zu. Erst nach dem Wegfall der staufischen
Macht in Schwaben traten die Grafen von Dillingen.
wieder stärker im schwäbischen Raum hervor:
Heiratsverbindungen der vier Töchter Adalberts mit den ZOLLERN, HELFENSTEIN, HELENSTEIN, Pfalzgrafen von Tübingen; Adalberts Sohn Hartmann (IV.) († 1258) begann aus seinem
Besitz eine Herrschaft zu bilden (Zollerhebung, Abhaltung von
Märkten, Münzprägung, Besetzung der Hofämter des
Schenken und Truchseß), wozu ein verstärkter Burgenbau
seiner Ministerialen trat. Er hatte auch die Vogtei über Ulm inne.
Als Klosterstifter tat er sich ebenfalls hervor. Da seine Söhne Ludwig († 1251) und Adalbert (IV.) († 1256/57) vor ihm starben -
nur Hartmann (IV.) (1248-1286 Bischof von Augsburg, †
1286) und zwei Töchter überlebten -, fielen die Lehen
der Grafen von Dillingen an das Reich und das Herzogtum zurück; der
Allodialbesitz wurde aufgeteilt, wobei offenbar einige Besitzungen an Hartmanns (IV.) Schwieger-Söhne,
den Grafen von Helfenstein und den Pfalzgrafen von Tübingen, kamen. Bischof Hartmann schenkte seinen
Erbteil, die Grafschaft Dillingen, 1258 an das Bistum Augsburg. Das
Ausscheiden der Grafen von Dillingen
aus dem bayerisch-schwäbischen Grenzraum ließ ein gewisses
Machtvakuum entstehen, das bald darauf die WITTELSBACHER und WÜRTTEMBERGER bei ihrem
Aufstieg begünstigte.
I. Eberl
Literatur: zu [I]:
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DtStb V, 2, 146-151
Der Landkreis D. a. d. Donau ehedem und heute, Red. P. Rummel,
1982, 410ff. [F. Zoepfl]
A. Layer, D. a. d. D. Von Antlitz, Kultur und Vergangenheit
einer Stadt, 19823
zu [II]:
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R. Dertsch, Die Sippe des hl. Ulrich von 10. bis zum 20. Jh., Jb.
des Vereins für Augsburger Bistumsgesch., 1970, 5ff.
Die Gf.en v. Kyburg, 1981 [Beitr. von H. Bühler und
A. Layer; weitere Lit.]
I. Eberl, Die Edelfreien v. Ruck und die Gf.en v. Tübingen,
Zs. für württ. Landesgesch. 38, 1979, 5ff.
Wie bei den Grafen von Zollern lag bei
den Grafen
von Dillingen die namengebende Stammburg zwar außerhalb,
nur nahe den Grenzen des jetzigen Königreichs Württemberg:
bei
der heutigen bayerischen Stadt Dillingen über die Donau; allein
sie
zeichneten sich doch durch bedeutenden Besitz an Rechten und
Gütern
innerhalb dieser Grenzen aus, verwalteten insbesondere wohl von alter
Zeit
her die Grafschaft im Brenzgau, sowie in dem an ihn grenzenden Albgau
und
waren namentlich in den jetzigen Oberämtern Neresheim, Heidenheim,
Ulm und Aalen angesessen. Ihre ältesten bekannten Stammeltern
sind:
Hupald
(† 909 oder 910), welcher im
Kloster Neresheim als Seliger galt und
nach späterem Glauben, wahrscheinlich jedoch infolge einer
Verwechslung
mit einem jüngeren alsbald zu nennenden Glied der Familie dieses
Namens,
in Neresheim begraben wurde, und dessen Gattin Dietbirg, vielleicht
eine Schwester Herzog Burchards I. von Schwaben.
Von ihren Kindern sind
hervorzuheben:
Graf Dietbald, welcher im Jahre 955
in der Schlacht
auf dem Lechfelde den Heldentod fand, der heilige Ulrich, der
größte
unter den Bischöfen Augsburgs (923-973), eine Schwester Liutgarde,
vermählt an den wahrscheinlich oberschwäbischen Grafen Peier
und
Mutter Reginbalds,
welcher gleichfalls in der Schlacht am Lech fiel,
Adalberos,
des Lieblings und Koadjutors des genannten heiligen Ulrich († 973),
und Mangolds, welcher zu
Sultmetingen seinen Sitz hatte und durch
eine Tochter Ur-Großvater Hermanns
des Lahmen wurde. Während
darauf die Geschichte des Hauses etwas dunkel wird und insbesondere die
zwei Gebrüder, die Bischöfe Warmann
(1026-1034) und Eberhard (1034-1046)
von Konstanz, zwar gewöhnlich, aber nicht mit
Zuverlässigkeit,
demselben beigezählt werden, erscheinen in den Jahren 1070
quellenmäßig
beurkundet der Pfalzgraf
Mangold,
sowie
Hupald
IV. († 1074) ohne Zweifel zu
Neresheim begraben, und dessen Sohn Graf Hartmann I. Letzterer erhielt
wohl durch
seine Mutter, eine Erb-Tochter der gräflich Gershausischen Familie,
die Grafschaft im alten Flinagau mit ansehnlichem Besitz in der
dortigen
Gegend und vermählte sich selbst mit Adelheid, der reichen
Erb-Tochter Adalberts von
Winterthur. Ein erbitterter Gegner
HEINRICHS
IV. in dessen Kampfe mit
RUDOLF VON
SCHWABEN, gründete er mit seiner Gemahlin und seinen
Söhnen,
darunter Ulrich, in der
Folge Bischof von Konstanz 1111-1127), im
Jahre 1095 das Kloster Neresheim und verstarb als Mönch desselben
im Jahre 1121.
Sein Ur-Enkel
Hartmann IV. wurde der Neubegründer
des Klosters Söflingen und befand sich im Besitz des
Marschallamtes
des Herzogtums Schwaben als staufisches
Lehen. Bei seinem Tode im Jahre 1258 überlebte ihn außer
mehreren
Töchtern nur ein Sohn, Graf
Hartmann V., welcher den
geistlichen
Stand erwählt hatte und 1249-1286 Bischof von Augsburg war. Es fielen
nunmehr die vom Reich oder vom schwäbischen Herzogtum zu Lehen
gehende
Rechte des Hauses zurück, so dass zum Beispiel Konradin
mit dem genannten Marschallamt, der Grafschaft im Flingau
(übrigens
ohne den früher damit verbundenen Besitz) und der dazu
gehörigen
Vogtei über Ulm den Grafen
Ulrich von Württemberg
belehnte; manches
Erbe kam an die Familien von Graf Hartmanns IV. Töchtern,
so
wohl durch Willibirg,
Gemahlin Graf Ulrichs II. von Helfenstein,
das Grafenamt im Albgau an das Helfensteinische
Haus; was sonst noch
von dem einst so reichen Besitz des Geschlechtes vorhanden war und an
ihn
kam, übergab
Hartmann V. fast
sämtlich seiner bischöflichen
Kirche.
Ein Seitenzweig des Hauses, welcher mit alt-dillingischen
Gütern im Brenztale und auf der Rauhen Alb ausgestattet war,
bekleidete
in der 2. Hälfte des 11. und bis um die Mitte des 12. Jahrhunderts
das Pfalzgrafenamt des Herzogtums Schwaben: Pfalzgraf
Mangold 1070,
1075 und wohl ein zweiter dieses Namens 1113,
vor Ende des Jahres 1125 verstorben, sowie des letzteren Sohn Pfalzgraf
Adalbert (1125-1143),
auch von
Lauterburg benannt, dessen Bruder
Walter
1133-1154
Bischof von Augsburg
war. Mit diesen Brüdern, welche ums
Jahr 1125 im Verein mit zwei weiteren Brüdern einem Vorhaben ihres
Vaters gemäß das Kloster Anhausen gründeten, scheint
dieser
Zweig der Familie erloschen zu sein, worauf sein Besitz meist an die
Hauptlinie
des Hauses, die pfalzgräfliche Würde aber an die Grafen von
Tübingen
kam.
Auf die in der heutigen Schweiz gelegenen
Besitzungen
des Hauses wurde eine eigene Linie desselben abgeteilt, welche sich,
urkundlich
nachweisbar erst nach der Mitte des 12. Jahrhunderts, Grafen von Kiburg
nannte. Sie zählt die Mutter König RUDOLFS
I. VON HABSBURG zu ihren Gliedern und erlosch im Mannesstamm
um dieselbe Zeit, wie der Hauptzweig der DILLINGER,
im Jahre 1264.