Hlawitschka Eduard:
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"Untersuchungen" Sigmaringen 1987

d) Ida von Elsdorf als Nachkommin "Kunos" (mit einer Erörterung des Geburtsjahres der Kaiserin Gisela)
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Auch für die bei den Schenkern des Schluchseegebietes genannte Ita de Saxonia et de Birctorf ist die Abstammung aus demselben Verwandtenkreis deutlich. Darauf deutet nicht allein der gleiche Beiname de Saxonia hin, der in der Bestätigungsurkunde über die gemeinsame Schenkung des Schluchseegebietes schon den soeben behandelten Markgrafen Ekbert II. gegeben ist.
In Alberts Annales Stadenses wird unter anderem mitgeteilt, dass jene hochadelige Frau Ida, die ehedem in Elsdorf (südöstlich Zeven zwischen Bremen und Hamburg) gelebt habe und um deren Erbe 1112 ein gewaltiger Streit ausgebrochen wäre, eine filia fratris imperatoris HEINRICI III. gewesen sei. Sie sei drei Mal verheiratet gewesen: zuerst mit einem Lippold, dem Sohn einer Glismodis, danach mit den in Dithmarschen gefallenen Grafen Dedo und Etheler. Ihre aus der 1. Ehe stammende Tochter Odahätte zuerst als Nonne in Rinthelen (= Ringelheim?) gelebt, dann sei sie gegen eine Güterentschädigung aus dem Kloster ins weltliche Leben zurückgekehrt und einem "russischen König" zur Frau gegeben worden, dem sie einen Sohn "Werteslaw" geboren habe etc. [Den russischen Fürsten, der Oda zur Gemahlin hatte, hat R. Bloch, Verwandtschaftliche Beziehungen Seite 190, ermittelt. Es handelt sich um den Großfürsten Svjatoslav II. von Kiew (+ 27.XII.1076), den Bruder des Kiewer Großfürsten Izjaslav I. (+ 3.X.1078). Da Lambert von Hersfeld, Annales ad 1075, ed. O. Holder-Egger Seite 202, mitteilt, Propst Burchard von Trier, der nach Albert von Stade ein Bruder Odas war, sei 1075 von HEINRICH IV. zum Bruder des Ruzenorum rex Demetrius (= Izjaslav) geschickt worden, mit dem dieser im Streit lag, und dabei weiter angibt, dass "der, zu dem er geschickt wurde, seine (= Burchards) Schwester zu Gattin hatte", sind diese Verhältnisse eindeutig geklärt.
Ihr (offensichtlich gleichfalls erstehelicher) Sohn Graf Ekbert sei in Wistedt bei Elsdorf vom Markgrafen Udo II. von Stade getötet worden, obgleich Udo dessen cognatus gewesen sei. Der Erben beraubt, sei Idanach Rom zu ihrem Onkel (avanculus) Papst Leo IX. aufgebrochen - sie selbst sei ja doch eine filia sororis Leonis pape qui et Bruno gewesen - und habe nach dessen heilbringenden Beratung den Totschlag vergeben und ihn sogar als Erben eingesetzt. Aber dies sei dann 1112 von einem Enkel Idas, Elimar II. von Oldenburg, angefochten worden, der ein Sohn von Idas (in 3. Ehe geborener) Tochter Richenza gewesen sei und das Erbe seiner GroßmutterIda gefordert habe.
Dass man es bei der Mitschenkerin der früher schon öfter mit "Kuno von Öhningen" in Verbindung gebrachten Schluchseebereiche Ita de Saxonia et de Birctorf mit jener Dame aus dem sächsischen Elsdorf zu tun hat, geht wohl am deutlichsten aus den für die Elsdorferin bezeugten Rußlandbeziehungen hervor, da ja ihre Tochter einen rex Ruzie heiratete; jener war offenbar der Großfürst Svjatoslav II. von Kiew. Wird doch gerade die Hochzeit mit einem rex Rugorum in den WELFEN-Quellen - wenn auch in einer die wahren Verhältnisse verkürzenden Weise - für eine Tochter "Kunos von Öhningen", das heißt nach unserer hier auf dem Prüfstand stehenden Identifizierung: für eine Nachkommin Herzog Konrads von Schwaben, angegeben.
Wie aber soll die Verbindung Idas von Elsdorf zurück zu Herzog Konrad von Schwaben ausgesehen haben?
Man glaubte deshalb ein Zeitlang,Idaals Tochter Ernsts II. ansehen zu dürfen, der schon als kleiner Knabe nominell mit der Herzogswürde bedacht worden war, und als solche stünde - was hier wichtig ist - Idawiederum über Giselas Vater Herzog Hermann II. in der Nachkommenschaft auch Herzog Konrads von Schwaben. Dass diese aber nicht gut angehen kann, hat man auch bald bemerkt [Vornehmlich aus chronologischen Gründen verwarfen K.C.H. Krauss, Ida von Elsthorpe und ihre Sippe, in Forschungen zur Deutschen Geschichte 15, 1875, Seite 639, und H. Bollnow, Grafen von Werl, Seite 41, diesen Vorschlag. Freilich ist ihr Argument - der als VaterIdasvermutetet Ernst II. ist 1030 als 15- bis 18-jähriger ums Leben gekommen, "während Idaspätestens 1053 ihren schon erwachsenen Sohn Ekbert verliert" - (wegen des nicht eindeutig bezeugten und nur aus dem comes-Titel gefolgerten "Erwachsenseins Ekberts") nicht zwingend, wenngleich auch nicht unwichtig; und ihr zweites Argument - Idasei "vor 1058 durch ihre Tochter Oda schon Großmutter" gewesen, was zu einem etwa 1012/13 geborenen Herzog Ernst II. als VaterIdasschlecht passe - ist ebensowenig ausschließend, zumal es da auch noch auf einer offensichtlich falschen Bestimmung des Oda-Gemahls beruht; vgl. dazu R. Bloch, Verwandtschaftliche Beziehungen Seite 190, und zu Odas Ehedatum auch oben Anmerkung 66.], denn Ernst II. von Schwaben fand ja 1030 bei seinem Aufstand gegen seinen Stiefvater Kaiser KONRAD II. offenbar noch unvermählt und kinderlos den Tod. KONRAD II. soll nämlich die Nachricht vom Tod des Jünglings (erleichtert) mit der Bemerkung quittiert haben: "Bissige Hunde haben nur selten Junge". Zumal auch Ernsts II. jüngerer Bruder Hermann IV. (1030-1038) offensichtlich kinderlos verstarb [Allein F. Tyroller, Genealogie des altbayerischen Adels Seite 192 geht von Nachkommen Hermanns IV. aus, ohne jedoch hierfür zwingende Argumente anführen zu können. AberIda könnte auch schon deshalb keine Tochter Hermanns IV. und einer Schwester Papst Leos IX. - wie es der Stader Annalist angibt - gewesen sein, weil Hermann IV. ja mit Adelheid von Turin verheiratet war, die nachweislich keine Schwester Leos IX. gewesen ist.], ist man für die Verifizierung der von Albert von Stade gelieferten Angaben zur Abstammung Idas von Elsdorf wiederum - wie bei der Betrachtung der Vorfahren des Markgrafen Ekberts II. von Meißen - auf den Grafen Liutolf von Braunschweig als Vater Idasverweisen. Daran führt offensichtlich kein Weg vorbei. Ihre urkundliche Kennzeichnung de Saxonia weist ja auch sowieso - wie schon einmal gesagt - in diese Richtung. Man kann zudem darauf verweisen, dass Idaihrem vom cognatus Udo getöteten Sohn den Namen Ekbert gab, den wir bei Liutolfs Sohn Markgraf Ekbert I. und auch dessen Sohn Ekbert II. antreffen; war Ida aber Ekberts I. Schwester, so ist diese Namensgebung leicht erklärlich. Absichernd tritt hinzu, dass Graf Liutolf von Braunschweig über einen Ort verfügt hat, der "inmitten des (späteren) Streubesitzes derIda von Elsdorfliegt", womit sich gleichsam eine BesitznachfolgeIdasaufLiutolf abzeichnet. - Eine weitere Absicherung liefert eine erst wieder entdeckte Quelle: die bislang verloren geglaubten St. Gallener Annalen. Indem dort überliefert wird, dass der Russen-König Lippolds und IdasTochter (Oda) rege HEINRICO mediante zur Frau nahm, besagt das auch etwas in unserer Frage. Denn des jungen Königs HEINRICH IV. Vermittlung - wie später auch die Entsendung eines Schlichters zur Beilegung des um diesen Eheschluß in Rußland entstandenen inneren Schwierigkeiten - spricht doch sehr dafür, dass Oda eine Verwandte HEINRICHS gewesen sein wird; denn weder dürfte sich der junge König in die Verheiratung der Töchter ihm fernstehender Grafen eingemischt haben, noch wird ein russischer Großfürst um eine ganz gewöhnliche Grafentochter geworben haben. Oda war aber eben dann eine Verwandte HEINRICHS IV., wenn ihre Mutter Ida tatsächlich von Liutolf von Braunschweig, dem privignus KONRADS II. bzw. Stiefbruder HEINRICHS III., abstammte.
Als Ergebnis des langen Exkurses zur Lebens- und Geburtszeit der Kaiserin Gisela wird man also feststellen können, dass das in der Speyerer Bleitafel mitgeteilte Geburtsjahr Giselas eine Fehlangabe darstellt und dass auch die Ehe Giselas mit Graf Brun von Braunschweig als ihre 1. anzusehen ist. Zuviele Argumente sprechen gegen das Jahr 999 als Giselas wahres Geburtsjahr. Von der Speyerer Bleitafelinschrift her lassen sich somit keine chronologischen Bedenken mehr dagegen vorbringen bzw. begründen,Ida von Elsdorfdoch als Enkelin der Kaiserin Gisela anzusehen. Ida wird etwa 1023, ihr Vater Liutolf etwa 1005 und Gisela selbst wohl 989 geboren sein. Idas Sohn Ekbert könnte demnach etwa 1040 (oder auch schon etwas früher) das Licht der Welt erblickt haben, so dass er 1053, als er von seinem cognatus Udo erschlagen wurde, jedenfalls die Schwelle der Mündigkeit und Wehrhaftigkeit erreicht hatte [Ähnliche Zeiten erwägt auch A. Wolf, Kuno Seite 40, der die Exaktheit der Speyerer Bleitafelaussage ebenfalls verwirft: "Ludolf kann um 1002/04, Ida um 1020/25 und Ekbert um 1040 geboren sein". - Eine GeburtszeitIdasum 1023 und ihre Verehelichung um 1038/39 sind auch gut damit in Einklang zu bringen, dass Ida sich - nachdem sowohl ihr Gemahl Lippold als auch ihr zum Jüngling herangewachsener Sohn Ekbert 1052/53 verstorben bzw. umgekommen waren - noch zweimal verheiratet und auch noch Nachkommenschaft aus der dritten. Ehe haben konnte.].
Aber damit noch nicht genug der schwierigen Probleme, die Ida von Elsdorf der Forschung aufgibt. Albert von Stade schrieb der Elsdorferin auch noch zusätzlich - was wohl ihr Ansehen und ihre hohe Abkunft weiterhin unterstreichen sollte - als Mutter eine Schwester Papst Leos IX. aus dem Hause EGISHEIM im Elsaß zu. Diese Frage ist kaum weniger umstritten als die nach der väterlichen Herkunft Idas.
Bei dieser Sachlage ist immerhin folgendes zu beachten: Da der Name Ekbert, den Idas Sohn wie auch ihr Bruder Markgraf Ekbert I. von Meißen und dessen Sohn Markgraf Ekbert II. führten, bei den Braunschweiger BRUNONEN, das heißt in der Familie von Idas Vater Liutolf, bislang offenbar nicht vorkam, dürfte er aus Idas mütterlicher Vorfahrenlinie stammen. Insofern dürfte dann auch die Heranziehung der Ehescheidungsnachricht vom Jahre 1019, die uns einen Grafen Ekbert als Vater einer Gertrud überliefert, und die Identifizierung der dort genannten Gertrud mit der gleichnamigen Liutolf-Gemahlin (da Liutolf ja etwa 1020 geheiratet haben kann) sowie danach auch konsequenterweise die Annahme Gertruds als Mutter Idaskaum abwegig sein. (Für die Postulierung einer StieftochterIda, die Gertrud dann am ehesten aus ihrer Ehe mit Godescalus gehabt hätte, besteht nach der Ausschaltung der chronologischen Schwierigkeiten auf seiten Liutolfs ja kein Grund mehr. War Liutolfs Gemahlin und Idas Mutter Gertrud, die sonach selbst die Tochter eines Ekbert gewesen zu sein scheint, aber auch die Tochter von Leos IX. Mutter Heilwig? War Gertrud (Graf Hugo von Egisheim und Graf Ekbert) ja nicht identisch waren - also eine Halbschwester Leos IX.? Angesichts des oben schon betonten Schweigens der Quellen, vor allem der Vita Leos IX., bleibt - wie schon einmal betont - nur die Skepsis übrig; und diese wird noch dadurch vermehrt, dass der Name Gertrud in der Herkunftsfamilie Heilwigs - sie war die Tochter Graf Ludwigs von Dagsburgs [Zudem war Heilwig eine geborene Latina, wie die Vita Leos IX. c. 1, Seite 129, bezeugt, und dann offenbar durch ihren Gemahl Hugo von Egisheim, einen natione Teutonicus, erst eine aeque utriusque linguae perita. Einer zunächst romanisch Sprechenden dürfte aber der damals wenig gebräuchliche germanische Name Gertrud bei der Namenswahl für ihr Kind kaum nahegelegen haben.] - nicht nachweisbar ist.
An solchen Ahnen hat es Idaüber ihre Großmutter Gisela und deren Vater Herzog Hermann II., den Sohn Herzog Konrads von Schwaben, nicht gefehlt. Und indem Idabei der Schenkung der Schluchseegebiete an das Kloster St. Blasien (1071/1077) als de Saxonia et de Birctorf (= Birkendorf, südöstlich Schluchsee) bezeichnet worden ist, wird ebenfalls deutlich, dass diese Dame ihre schwäbischen Erbbesitzungen sehr betont haben wird, so dass man in Stade leicht auf das de Suevia nata kommen konnte. Möglicherweise hat sie längere Zeit in Schwaben gelebt und sich nach dem Tod ihres dritten Ehemanns sogar auf ihre schwäbischen Erbbesitzungen zurückgezogen. Noch 1085 schenkte Ita von Birkendorf dem Allerheiligenkloster in Schaffhausen Besitz in Grafenhausen (südöstlich von Schuchsee) und der Birkendorfer Kirche selbst Land in Mettingen (an der Wutach), wie das um 1596/99 angefertigte Regest einer inzwischen verlorenen Schaffhauser Klosterurkunde zeigt: Item ein latinischer brief, darin frow Ita von Birkendorf dem Kloster (Allerheiligen in Schaffhausen) Grafenhusen vergabet ein hub sampt dem zehenden, so einst zu der Pfarr Engelrameßriet (die aber abgangen) gehört hatt. Damit die Kirch zu Birkendorf sich nüt zu klagen ab diser Vergabung, gibt si iren dagegen ein gut zu Mettingen.
Die Vermutung, dass die NELLENBURGER auch etwas mit Kuno von Öhningen/Konrad von Schwaben zu schaffen haben, tut sich hier auf. Dadurch, dass in Grafenhausen, wo Idaihre Hufe besaß, auch die NELLENBURGER über Besitztümer verfügten, werden die Zusammenhänge sogar noch weiter erkennbar; und zumal Mettingen, wo Ida ihr Gut der Kirche von Birkendorf überließ, ehedem zu der an "Kuno von Öhningen" gelangten Erbmasse der Rheinauer Stifterfamilie gehört hatte - wie wir uns jetzt wieder erinnern dürfen -, rundet sich das Bild um Ida weiter ab. Doch bevor diesen Fragen intensiver nachgegangen werden kann, ist noch eine Querverbindung, die für Ida von Elsdorf zu RUDOLF von Rheinfelden überliefert ist, kurz zu betrachten und daraufhin zu überprüfen, ob sie das bisher gewonnenen Bild dieser Tradition ergänzen und bestätigen kann.
Damit sind die wesentlichsten Fragen aus dem Bereich des "heißen Eisens" Ida von Elsdorfberührt. Auch in diesem komplizierten Komplex bewährt sich also die Identifizierung Kunos von Öhningen mit Herzog Konrad von Schwaben. Ida von Elsdorf gehörte - wie das schon deutlich geworden ist - als Nachkommin Herzog Konrads von Schwaben zu den Mitschenkern des Schluchseegebietes. Die erst jüngst von G. Althoff gegen alle Bemühungen, "Idaund Kuno genealogisch einzuordnen", geäußerte Skepsis, die sogar bis zu der Behauptung gesteigert wurde, "es gab diesen Zusammenhang nämlich gar nicht", kann also gewiß beiseite geschoben werden. Bevor wir uns jedoch den letzten beiden Personen des Schluchseer Schenkerkreises zuwenden, noch eine letzte Erklärung bezüglich Idas!
Die obige Erwähnung von Beziehungen Idas zum Kloster Schaffhausen und dessen Stiftern, den Grafen von Nellenburg, läßt hier den Hinweis angebracht erscheinen, dass man bisher auch eine Identifizierung der Mitschenkerin des Schluchseegebietes Ita de Saxonia et de Birctorf zugleich mitIda von Elsdorf wie mit Ita, der Gemahlin Graf Eberhards des Seligen von Nellenburg und Mitbegründerin des Allerheiligenklosters in Schaffhausen, erwog. Dieser Vorschlag läßt sich jedoch leicht zurückweisen. Schon die in den Quellen überlieferten Angaben über die Ehemänner und die Kinder der einen wie der anderen Ida lassen sich nicht in einen widerspruchsfreien Einklang bringen. Interessanter ist dagegen die gleichfalls schon geäußerte Ansicht, die an der Schenkung des Schluchseegebietes mitbeteiligte Ita de Saxonia et de Birctorfsei Ida von Werl-Hövel gewesen. Diese könnte nämlich über ihren ersten Gemahl Heinrich von Lauffen, der ein Enkel Eberhards des Seligen und Itas von Nellenburg war, zu Besitztum im Südschwarzwald gekommen sein und hier über einstiges NELLENBURGER-Gut verfügt haben. Ihr Schenkungsanteil sei ihr wohl als dos von seiten ihres Gemahls Heinrich von Lauffen zugekommen, dessen Mutter Adelheid als Tochter Eberhards und Itas von Nellenburg die nellenburgische Anteile in ihre Ehe mit Graf Arnold von Lauffen (Heinrichs Vater) eingebracht haben könnte. Diese Meinung ist nicht völlig unmöglich, zumal Ida von Werl-Hövel nach dem Tode ihres Gemahls Heinrich von Lauffen einen nobilis de Saxonia heiratete und somit bei einer Charakterisierung de Saxonia heißen konnte. Auch ist richtig, dass Ita de Birkentorfnoch 1085 eine Schenkung vornehmen konnte und dass man bei ihrer Gleichsetzung mit Ida von Werl-Hövel nicht, wie bei Ida von Elsdorf erst eine diese Chronologie ermöglichende Erklärung in Anspruch nehmen muß. Und überdies wurde tatsächlich auch - wie wir bald zu zeigen haben werden - über die NELLENBURGER ehemaliger Kuno/ Konrad-Besitz weitervererbt. Was indessen diese Sicht weniger wahrscheinlich macht, ist die schon mehrmals genannte, nicht gänzlich zu vernachlässigende, wenn auch schon unpräzise und die Generationen verkürzt darstellende Nachricht der WELFEN-Quellen, dass eine Nachkommin "Kunos von Öhningen" einen rex Rugorum geheiratet hat. Da man nämlich am WELFEN-Hof, der über die Ehe "Itas von Öhningen" mit dem WELFEN Rudolf mit Kuno/Konrad und seinen Nachkommen doch eng verbunden war, von dieser Verbindung einer Seitenverwandten durchaus wissen konnte, ein solcher Konnex aber nur über Ida von Elsdorf verifizierbar ist, scheidet doch wohl auch die (wenngleich nicht uninteressante) Erklärungsmöglichkeit, Ita de Saxonia et de Birctorf mit Ida von Werl-Hövel gleichzusetzen, aus. Und mit diesem Umstand korrespondiert recht gut, dass - wie in dem von Ita de Birkentorf beschenkten Schaffhausen - gerade im niedersächsischen Elsdorf im 11. Jahrhundert eine Allerheiligenkirche gegründet worden ist. Die Identität der Schluchseegebietsschenkerin Ita de Saxonia et de Birctorf mit Ida von Elsdorf dürfte somit nicht nur möglich sein, sondern auch überzeugende Argumente für sich haben.