BURSFELDE
 

I. Geschichte:

Die Abtei Bursfelde OSB (an der Weser, nördl. Münden, Niedersachsen), gegr. 1093 von Gf. Heinrich v. Northeim, geriet nach einer bescheidenen Blüte um 1240/50 im 14. Jh. in einen Niedergang, der erst 1433 durch die Wahl des Johannes Dederoth, Mönches v. Northeim, zum Abt. v. B. beendet wurde. Der auf Betreiben Hzg.s Otto des Einäugigen v. Braunschweig Gewählte war bereits seit 1430 Abt v. Clus bei Gandersheim. Nach 1433 leitete er beide Kl. in Personalunion, verlegte aber das Zentrum seines Wirkens nach B. Da Clus zur Erneuerung von B. personell nicht in der Lage war, erhielt Dederoth 1434 von Abt Johannes Trier, Klöster) je zwei Reformmönche für Clus und B. sowie die Consuetudines et observantiae der Reform v. St. Matthias, doch lebten die Mattheiser Statuten in der späteren B.r Lebensordnung »nur mit einem sehr bescheidenen Anteil« (P. Becker) fort. Nachfolger Dederoths († 1439) als Abt v. B. wurde der von diesem designierte Johannes Hagen (1439-69), der eigtl. Gründer der B.K. Nachdem schon 1435 die Reform in die Abtei Reinhausen bei Göttingen getragen worden war, übernahm 1444 Huysburg bei Halberstadt die B.r Lebensweise. Die dabei ausgestellte Urkunde (Volk, Urkunden Nr. 1) ist die erste Bezeugung einer Kongregationsbildung der von B. reformierten Klöster. Bestätigung der B. K. am 11. März 1446 durch den Kardinallegaten Louis Aleman im Auftrag des Baseler Konzils (Volk, a.a.O. Nr. 4), erneuert 1451 durch Nikolaus v. Kues als Legaten, 1459 durch Papst Pius II. (Bulle »Regis pacifici«) mit Verleihung der Privilegien der it. OSB-Kongregation v. S. Giustina (Volk, a.a.O. Nr. 24). Die Zahl der Konvente, die sich der Union anschlossen, wuchs ständig. Von größter Bedeutung für die Ausbreitung der Reform wurde der Beitritt
von St. Peter/Erfurt (1449/51; Erfurt, Klöster) und St. Jakob/Mainz (1450; Mainz, Klöster). Die von Abt Johannes Vorst (St. Matthias/Trier) vergeblich versuchte kölnisch-trier. confederacio (St. Pantaleon/Köln, St. Marien und St. Matthias/Trier) trat zw. 1455 und 1458 der B. K. bei und begründete damit den rhein. Zweig der Union, der nach dem Verlust der meisten norddt. Klöster durch die Reformation zum Mittelpunkt der Kongregation werden sollte. Mit dem Beitritt von Hirsau 1458 überschritt die B. K. zumersten Mal die Mainlinie, 1469 Hinübergreifen in den niederländ. Raum (Oostbroek), 1488 Vor(e) in Dänemark, 1505 im heutigen Belgien Gembloux, 1506 Luxemburg (Münsterabtei). Das Schwergewicht lag jedoch in Norddeutschland zw. Weser und Elbe (u. a. 1505 Corvey). 1517 war die Kongregation auf 94 (Männer-)Klöster angewachsen. Der im 15. Jh. unternommene Versuch, die drei OSB-Reformbewegungen von Kastl, Melk und B. zu einer »deutschen Kongregation« zu verschmelzen, scheiterte nichtzuletzt am Widerstand der Bursfelder, die ihre Sonderbräuche nicht aufgeben wollten. Durch die luther. Reformation wurde die B. K. schwer getroffen. Das Ursprungskloster B. ging endgültig 1634 dem Orden verloren, doch behielt man den Namen B. K. bei. Bis 1803 lebte sie (in veränderter Form) v. a. in den Gebieten von Köln, Belgien, Trier, Westfalen in über 30 Klöstern fort.