Annalista Saxo: Seite 107,117,120,121,123,128,129
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"Reichschronik"
 

Das Jahr 1100.
 

In diesem Jahre war der Winter sehr streng; auch entstand Hungersnoth in vielen Gegenden und es war großes Sterben. Die Kongregation der Mönche zu Ilsineburg, welche sich weigerte dem Halberstädter Eindringling, dem gebannten Friderich, sich zu unterwerfen und zu gehorchen, wurde aus diesem Grunde gezwungen ihr Kloster zu verlassen.  - Vom Tode Burchards II bis zur Wahl Reinhards
werden achtzehn Jahre gerechnet. Während dieser Zeit haben der Diakon Thietmar und der Abt Herrand, die kanonisch erwählt worden sind, vorübergehend regiert; von diesen ist der erste sogleich mit Gift bei Seite geschafft worden und erlegen, und der zweite wurde von den Ketzern vertrieben, und ein anderer Thietmar, nämlich der Oheim des Kaisers Lothar, wurde von ihnen zum Bischofe eingesetzt. Als dieser ohne Weihe verstarb, setzten sie an seine Stelle Friderich, während noch Bischof Herrand lebte, und also wurde so viele Jahre hindurch die Kirche von Ketzern und Schismatikern vielfach geplagt. - Als der Ilsineburger Abt Otto um Christi willen nach Jerusalem zog, ist er zu Andrinopolis aus der Welt gegangen und wurde im Kloster der Gottesmutter Maria begraben. Der Straßburger Bischof Otto starb; für ihn wurde Baldwin eingesetzt, der zwei Monate lebte und starb. [Die Pfalzgräfin Adhela oder Adelheit starb auf dem Wege nach Rom.] Diese und ihre Schwester Kunigunde waren Töchter der Markgräfin Adhela vom Markgrafen Otto. [Markgraf Udo und mehrere andere von den Sachsen griffen die Barbaren an, welche Liutizen heißen, und ruhmvoll über sie siegend] hat er die Stadt Brandeburg vier Monate lang belagert und eingenommen. König Willehelm von England wurde mit einem Pfeile getödtet. Als sein Bruder Heinrich an demselben Orte zum Heile seiner Seele ein Kloster erbauen wollte, wurde er daran gehindert. Denn er erschien ihm von zwei Drachen getragen und sagte, daß das ihm nichts nütze, weil in seinen Zeiten alles zerstört worden sei, was seine Vorgänger zur Ehre Gottes erbaut hatten. [Der Herzog Bracizlaus von Böhmen wurde am Abende des heiligen Thomas, als er in der Nacht von der Jagd heimkehrte, von einem Jäger, der aus einem Verstecke hervorsprang, mit dem Jagdspieße an den Weichen verwundet und ist nach zwei Nächten am 22. December gestorben und sein Bruder Borivoy folgte ihm im Herzogthume nach.] Seit dieser Zeit wurde Böhmen mehrere Jahre lang durch Bürgerkriege arg geplagt, aus dem Grunde, weil dieses nicht eben weite Land jetzt sehr vielen Herren aus der  männlichen Linie unterworfen war. Es war aber Recht der Böhmen, daß immer der Aelteste unter ihren Fürsten das Fürstenthum bekam. Nun waren zu dieser Zeit von drei Brüdern, nämlich von Wratizlaus, Konrad und Otto, mehrere Söhne. Die Söhne des Wratizlaus, die Brüder des  Bracizlaus, von dem wir gesprochen haben, waren Herzog Borivoy, Bolizlaus, Wladizlaus und Sobezlaus; Konrads Söhne waren Odalrich und Lutold, Otto's aber Suatopluk und Otto. - -

[In Palästina . . . . . . entstand eine Pest . . . . . und hat unter Anderen . . . . . . Godefrid . . . . . . zu früh fortgerafft . . . . . . Vor dem Kalvarienberge in der Vorhalle der Kirche auf Golgatha ist sein von parischem Steine erbautes Grabmal ].
Hier ist der leuchtende Stern vom Volke der Franken, der Herzog Godefrid niedergelegt, der Zionstürmenden einer, Persiens Furcht, Aegyptens Entsetzen, der Araber Scheuche. Ob zum König erwählt, nicht hat er den Namen des Königs, Nicht die Krone gewollt; nur Christus zu dienen begehrt er. Einzig war er bemüht, was Zion verloren, zu schaffen, Gläubig Gottes Gebot und fromme Satzung zu achten, Kraft zu geben dem Recht und jeglichen Zwist zu ertödten. Also hat er gekonnt die Himmelskrone erwerben, Rittern als Spiegel, als Seele des Volks, als der Geistlichen Anker.
Wikbert, einst Bischof von Ravenna, trug nicht Sorge, den Gehorsam, welchen er dem apostolischen Stuhle eidlich gelobt hatte, zu halten, sondern vielmehr gegen denselben auf alle Weise zu trotzen. Deshalb ist er aus der römischen Synode vom apostolischen Stuhle und den Bischöfen der ganzen Kirche unwiderruflich abgesetzt und verflucht worden, und zwar nicht ein Mal auf einer Synode, sondern auf allen Synoden, die in sieben Jahren gehalten worden sind. Also im Meineide alt geworden und deshalb unwiderruflich abgesetzt und verflucht, hat er den Stuhl des römischen Bischofs mit Hülfe der Gebannten eingenommen, während noch der rechtmäßige Hirte auf demselben Stuhle saß. Von den Gebannten selbst aber wagte niemand ihn zu konsekriren oder vielmehr zu exsekriren, außer denen von Mutina und Aretium, welche beide wegen ihrer Verbrechen schon seit drei Jahren von der Gemeinschaft und vom Amte ausgeschlossen waren. Aber wenn auch diese Amt und Gemeinschaft gehabt hätten und der römische Stuhl ohne Hirten gewesen wäre, hätten sie doch für diesen Stuhl keinen Bischof weihen können. In Betreff aber der Ordinationen desselben Wikbert hat der oft genannte Papst Urban dem Placentiner Concil folgendes Dekret verkündigt, in dem er unter anderem sagt: "Die Ordinationen, welche vom Ketzer-Obersten Wikbert gemacht worden sind, nachdem er von Gregor apostolischen Gedächtnisses und von der römischen Kirche verdammt worden ist, und von anderen namentlich gebannten Ketzer-Obersten und von denen, welche die Sitze katholischer und noch lebender Bischöfe eingenommen haben, - die erklären wir durchaus für ungültig. Welche aber von einst zwar katholisch geweihten, aber bei diesem Schisma von der römischen Kirche getrennten Bischöfen geweiht worden sind, die möget ihr befehlen barmherzig mit Beibehaltung ihres eigenen Ranges aufzunehmen, wenn sie Leben und Wissen empfiehlt und wenn sie bald nach dem Bekanntwerden mit diesen unsern Dekreten von ihrem Irrthume zur katholischen Kirche übergetreten sind, und wenn sie gelobt haben, uns und unsern Befehlen in allem zu gehorchen. Aber diejenigen, welche jetzt noch sich von den  erwähnten Schismatikern und Gegnern der heiligen Kirche werden weihen lassen, sollen in keiner Weise dieser Verzeihung würdig erachtet werden. Obwohl wir aber in Rücksicht auf Barmherzigkeit und unter dem Zwange großer Noth in den heiligen Würden diese Dispensation gegeben haben, so wollen wir doch den heiligen Satzungen keinen Abbruch thun, sondern sie sollen ihre Gültigkeit behalten. Denn, wenn die Noth aufhört, soll auch jenes aufhören, was um der Noth willen geschehen ist. Wo nämlich eine sehr große Anzahl in Gefahr ist, soll man etwas von der Strenge nachlassen und die Liebe mehr steigern."
 

Das Jahr 1107.
 

Der zu Halberstadt auf Befehl des Königs Heinrich, auch nach dem Rathe der Fürsten und mit Gewalt erwählte Reinhard wird, obwohl gegen seinen Willen, angenommen und am 31. März zu Mainz von dem Erzbischof Rothard geweiht.

Dekret des Papstes Paschalis, gegeben zu Troyes.

"Wer fortan die bischöfliche Investitur oder irgend eine geistliche Würde von der Hand eines Laien empfangen wird, soll im Falle er geweiht ist, abgesetzt werden und ebenso der, welcher ihn geweiht hat. Dekane, welche wir Erzpriester nennen, die nicht die Würde eines Priesters erlangt haben, soll es nicht geben. Wenn es aber solche giebt, sollen sie "ihrer Pfründe und Würde beraubt werden, bis sie jene Weihe erreicht haben, und dann sollen sie wieder eingesetzt werden, falls sie würdige Leute sind. Archidiakonen, die nicht die Würde des Diakons erlangt haben, soll es nicht geben. Wenn es aber solche giebt, sollen sie nach dem über die Erzpriester gefällten Spruche beurtheilt werden. In Betreff der verheiratheten oder mit Kebsweibern lebenden Priester befehlen wir, daß sie, wie vom Altar entfernt, so auch vom Chor ausgestoßen werden, falls sie nicht ablassen. Wenn sie auch dann nicht ablassen, so schreiben wir vor und befehlen, daß sie von den Schwellen der Kirche ferngehalten werden und selbst auch nicht die Communion der Laien genießen sollen. Dasselbe setzen wir fest auch in Betreff der Diakonen."

König Heinrich kam durch Thüringen nach Sachsen und ließ Radelburg und Bemelburg, die festesten Schlösser in Thüringen, wegen der von dort aus gegen die Nachbarn verübten Räubereien verbrennen. - Der Magedaburger Erzbischof Heinrich starb; ihn hat der Halberstädter Bischof Reinhard am 24. Februar begraben und ihm folgte in demselben Jahre Adelgot. Während König Heinrich in Goslar eine Versammlung hielt und über die Gerechtsame des Reiches, wie er wollte, verfügte, entstand plötzlich ein gar großes und durch Blitze, Wetterleuchten und Donner entsetzliches Unwetter und erschreckte den König und das ganze Volk. Denn es war so heftig, daß das in das Schwert des Königs schlagende Wetter ein ziemliches Stück an der Schneide mit dem Gehenk des königlichen Schildes vernichtete, auch das Leder innerhalb des Schildes theilweise in Falten zog. - In diesem Jahre  starben die Bischöfe Gebehard von Speier und Burchard von Basel, der obwohl lange ein Gegner der Kirche, doch zuletzt in sich gegangen war.
 

Das Jahr 1113.
 

In dieser Zeit kam der König mit Gewalt in die Stadt Halberstadt hinein, und da er fürchtete, daß vom Bischofe dorthin eine Besatzung gelegt werden möchte, brach er Mauern und Häuser und verwüstete die Stadt und die dabeiliegenden Dörfer durch Raub und Brand; das ging ihm keineswegs ungestraft hin. Inzwischen werden Graf Wikbert und Pfalzgraf Sigefrid, nachdem sie die Gnade des Königs verloren hatten, von Hoger von Mannesfeld in einem Dorfe überfallen, und zwar wird Wikbert gefangen und dem Kaiser zugesandt, Sigefrid aber verwundet, und an dieser Wunde stirbt er bald darnach, der ein sehr vornehmer und zu seiner Zeit keinem in irgend einer Tüchtigkeit nachstehender Mann war. Die Barbaren, welche Liutizen heißen, haben auf Anrathen des Markgrafen Rodolf wegen des Hasses, den er gegen Milo hegte, dem Vaterlande vielen Schaden zugefügt.
 

 Das Jahr 1114.
 

Herzog Liuder von Sachsen macht eine Heerfahrt gegen den Slaven Dumar und dessen Sohn und zwang sie zur Ergebung. Auch den Fürsten der Rugianer, der um zu kämpfen zu ihm kam, hat er mit schlauer Behendigkeit umzingelt. Wie der sich umzingelt sah, bat er den Herzog um Frieden und um eine Unterredung, gab seinen leiblichen Bruder als Geisel, gelobte eine Menge Geld und bekräftigte seine Treue mit einem Eide. Markgraf Rodolf wurde aus der Mark verjagt, und dieselbe empfing Heinrich, seines Bruders, des Markgrafen Udo, Sohn.
 

 Das Jahr 1115.
 

Graf Otto von Ballenstide besiegte mit sechzig Deutschen am 9. Februar an einem Orte, der Kothene heißt, zweitausendachthundert Slaven, von denen daselbst tausendsiebenhundert und mehr gefallen sind. - Der Bischof von Halberstadt, Pfalzgraf Friderich und Markgraf Rodolf belagern
Quidelingeburg. Herzog Liuder aber mit den obengenannten westlichen Fürsten zerstört des Kaisers Feste in Trotmunde und nach wenigen Tagen besetzt der Kölner Erzbischof Luofereskit, das festeste Schloß des Kaisers, und ferner zwei Burgen der Freunde des Königs. Doch die Fürsten Sachsens bringen Quidelingeburg und Heimanburg zur Ergebung. Die Kölner zerstören Wischele, eine Feste Theoderichs. Die Herzogin Richeza, welche fünfzehn Jahre unfruchtbar geblieben, gebar dem Herzog Liuder am Osterfeste eine Tochter. Herzog Liuder und die ihm verbündeten Fürsten belagern die Stadt Münster. Die Münsterischen aber geloben eidlich, daß sie ihnen treu bleiben würden, wenn Bischof Burchard ihren Rathschlägen wegen des beim Kaiser auszuwirkenden Friedens nicht  nachgeben wollte. Und als so Frieden geschlossen war, ziehen sie nach Corbeja. Dorthin kommen der Schwabenherzog Welf und der Wirceburger Bischof, um im Auftrage des Kaisers über Frieden und Eintracht im Reiche zu verhandeln. Herzog Liuder zerstörte zum Schaden des Grafen Herimann Valkenstein und Walehusen wegen der von dort verübten Räubereien und Plünderungen. In Ungewißheit, ob der Kaiser Krieg oder Frieden wolle, auch in der Absicht sich vorzusehen, daß der Kaiser nicht unversehens über ihn herfalle, zieht er darauf mit dem gesammten Heere gegen Erpesford. Da kommen ihm inzwischen der Regensburger Bischof Hartwig, ein weiser und bescheidener Mann, und Theoderich von Ara, ein dem allgemeinen Besten nützlicher und bei dieser Angelegenheit  durchaus lobenswerther Ritter, entgegen und versichern dem Herzoge und den andern Fürsten, daß der Kaiser in allem, was zur Ehre des Reiches gereiche, nach dem Rathe der Fürsten handeln wolle. Nach Udo wird Bruning, vom Kaiser investirt, der Hildinesheimer Kirche als Bischof vorgesetzt.
 

 Das Jahr 1116.
 

Herzog Liuder belagert die herrliche und feste Stadt Binitheim  und verbrennt sie nach der Einnahme. Heinrich mit dem Kopfe von Meissen wird von den Söhnen der Grafen Lodowich und Wikbert, welche vom Kaiser gefangen gehalten wurden, gefangen. Um das Fest des heiligen Apostels Petrus lagern sich die oft genannten vom Kaiser abtrünnigen Fürsten in Schlachtordnung auf den Feldern von Worms. In der Stadt aber stehen der Schwabenherzog Friderich, des Kaisers Vetter, Pfalzgraf Godefrid und mehrere Große von den Freunden des Kaisers mit einer ziemlichen Schaar. Und als die Fürsten von beiden Parteien zusammengekommen waren, um das zum Frieden Gehörige zu verhandeln, da brechen ohne Wissen der Führer die Städter unbedacht hervor, um mit den Feinden zu kämpfen, als plötzlich die Gegner herbeistürzen, mehrere von ihnen in die Flucht schlagen, verwunden und tödten, und so gelangten die Städter, mit großen Verlusten besiegt, kaum in die Stadt zurück. Betrübter geworden, bitten am nächsten Tage die Freunde des Kaisers von freien Stücken um den Frieden, der ihnen am Tage zuvor angeboten und von ihnen zurückgewiesen war; man gelobt einmüthig auf das Fest des heiligen Michael eine Sprache zu Frankonevort. Und die vorgenannten Fürsten kommen zwar zur verabredeten Sprache, aber die Fürsten Baierns kommen nicht, abgehalten durch die Umtriebe des Herzogs Friderich von Schwaben, der auf jede Weise dahin wirkte, daß nicht etwas dem Kaiser Feindliches auf dieser Sprache festgesetzt werden möchte. Ja sogar besetzt er eine Abtei Lintburg und plündert die benachbarten Oerter. Als nun die genannten Fürsten zu Frankonevort  zusammengekommen waren und einige Tage dort mit Warten verbracht hatten, kehren der Magedaburger Erzbischof Adelgot, der Pfalzgraf Friderich und der Markgraf Rodolf wieder zurück. Die Bischöfe aber von Mainz, Köln, Utrecht, Halberstadt und Paderbrunn, der Abt von Corbeja, Herzog Liuder und Graf Herimann gehen über den Rhein. Zu Mainz im Kloster des heiligen Alban wird nach dem Rathe der anwesenden Bischöfe Thietmar zum Bischöfe für Verden vom Kölner Erzbischofe Friderich geweiht. Als dies geschehen war, zieht der Paderbrunner Bischof heim. Die anderen Fürsten aber belagern mit geringer Mannschaft die Freunde des Kaisers in der erwähnten Abtei Lintburg. Gegen diese kommt Herzog Friderich von Schwaben, der alles Volk des Elsasses aufgeboten hatte, mit ungeheurer Mannschaft zum Streite, und als diejenigen, welche Lintburg schon drei Wochen lang einschlossen, sahen, daß die Feinde an Zahl stärker sein würden, gehen sie mit
umgekehrten Waffen auseinander und über den Rhein; ihr einziger Ruhm war, daß sie zurückkehrten ohne daß einer der Ihrigen verwundet oder verloren worden, und dies um so mehr, da die Feinde bald im Fliehen bald im Nachsetzen so nahe waren, daß man mit einander sogar sprach. Die Mainzer nehmen dem Abte von Corbeja all sein Gut mit Gewalt; kaum ist er selbst mit den Seinigen entronnen. Eben diese Mainzer vertreiben den Erzbischof Adalbert, aber die Freude über diese That dauert nicht lange und sie büßen dafür. Denn des Erzbischofs Freunde greifen nicht lange darnach die Unberathenen an, tödten alle Angesehenen und nehmen die Uebrigen gefangen. Als dies geschehen war, ist der Erzbischof wieder Herr in der Stadt. - Herzogin Gertrudis, die Großmutter des Herzogs
Liuder, starb. Die Grafen Wikbert und Lodowich wurden freigelassen.
 

Das Jahr 1123.
 

Am Tage nach Weihnachten bauten einige Leute von der Partei des Halberstädter Bischofs Heimenburg wieder auf, zum Schaden des Herzogs Liuder, der damals das nicht fern gelegene Schloß Blankenburg inne hatte. Da rafft plötzlich der Herzog eine Schaar zusammen und umschließt die erwähnte Burg. Ohne Verzug kommen  einmüthig zusammen, um mit dem Herzoge Liuder zu streiten,
der Halberstädter Bischof, Markgraf Heinrich von Stade, Markgraf Heinrich von Ilburg, von dem man sagte, er sei der untergeschobene und nicht wahre Sohn des Markgrafen Heinrich von Ilburg, Graf Lodowich von Thüringen und Graf Rotholf. Diesen zieht der Herzog furchtlos entgegen. Endlich wird mit Rath des Mainzer Erzbischofs, welcher dem Herzoge zu Hülfe gekommen war, die Burg in die Gewalt des Herzogs gebracht und verbrannt. Der Herzog kehrt als Sieger heim. - Kono, nur dem Namen nach Bischof von Straßburg, wird, weil er für die Tödtung des Herzogs Bertold gestimmt hat, vom Bisthum entsetzt und Bruno, ein Kanonikus der Babenberger Kirche, wird daselbst als Bischof
eingesetzt. Der ehrwürdige Bischof der Halberstädter Kirche, Reinhard, starb am 27. Februar; ihm folgte Oddo, ein Kanonikus der Magedaburger Kirche. Es starben Graf Lodowich von Thüringen, der Mönch geworden, und Graf Otto von Ballestad; auch kam Markgraf Heinrich von Ilburg durch Gift um. Zu Pfingsten kam der Kaiser in die Gebiete des Westens; er belagerte Skulenberch zum Schaden des Utrechter Bischofs Godebald. Aber Herzog Liuder und Bischof Theoderich von Münster ziehen mit eilig aufgebotener Mannschaft gegen den Kaiser, um die erwähnte Burg von der Belagerung zu befreien, und schlagen nicht weit von ihm ihr Lager auf. Ein dazwischenliegender Sumpf hielt sie vom Beginne des Kampfes zurück. Endlich hebt Herzog Liuder das Lager auf und fällt über Daventre her, in der Hoffnung, daß der Kaiser deshalb von der Belagerung ablassen und daß so eine Gelegenheit zum Kampfe sich bieten werde. Einige Leute aber von dem Haufen des Münsterischen Bischofs, welche die erwähnte Stadt der Beute wegen angreifen, übersteigen den Wall und zerstören einen großen Theil der Vertheidigungswerke. Die Städter aber jagen diese in tapferem Widerstande, zu welchem die Lage drängte, wieder zurück, und diese lagern sich, nachdem sie also einige Leute verloren hatten, auf dem
nächsten Felde. Als der Kaiser dies hörte, giebt er die Burg auf und zieht ab, um Daventre Hülfe zu bringen. Die Burgleute werden von der Belagerung befreit. Der Herzog aber verstärkt die Kraft der Burgleute und füllt die Burg selbst wieder mit Lebensmitteln an. Als dies geschehen war, zieht er heim, da seine Absicht gelungen war. [Erzbischof Adalbero von Bremen, welcher] nach Friderich, der am 30. Januar gestorben war, [kanonisch erwählt worden war, geht nach Rom um die Würde des Palliums zurückzufordern. Daselbst wird  er vom Herrn Papste Kalixtus ehrenvoll empfangen und von ihm zum Erzbischofe geweiht, und auf einer Synode erlangte er nach Urtheil und Recht das Pallium, welches durch die Nachlässigkeit seiner beiden Vorgänger eingebüßt und auf die Dänen übertragen war]. Denn jene alte und edle Bremer Kirche hatte nach Metropolitanrecht den Prinzipat über Dänen und Suethen und Norweger und Skridevingen. Auch fügte der Herr Papst folgendes Recht hinzu, daß der Bischof der erwähnten Kirche unbeschränkte Erlaubniß zur Predigt habe, so weit das Land in jenen Gebieten sich am Ocean hinstreckt. Als dieses also geschehen war, erwies der Herr Papst ihm noch darin eine Ehre, daß er einen Geistlichen von gutem Wandel, der mit ihm nach Rom gekommen war, zum Bischof der Suethen weihte.Darnach kehrt er in die Heimat zurück, nachdem ihm ein Kardinal, ein frommer Mann beigegeben worden war, welcher nach dem Befehle des Herrn Papstes allen Bischöfen Daciens befehlen sollte, ihm als ihrem Metropolitan zu gehorchen. Stattlich vom Kaiser aufgenommen kam er nach Bremen, wo ihn die zahlreich versammelten Konvente dieser ganzen Provinz feierlich empfingen.

Der Kaiser übergiebt die Mark in Misne an Wikbert. Herzog Liuder beginnt in Gemeinschaft mit anderen Fürsten, welche darüber unwillig waren, Krieg und führt in diese Mark Konrad von Witin, den er dort einsetzt. Als dies geschehen, geht er mit Adelbert, dem Sohne des Otto von Ballenstide, bis Ilburg vor und mit ihrer Zustimmung übernehmen in beiden Marken die Großen die Regierung jeder Mark für sich. [In diesen Tagen haben Herzog Wladizlaus von Böhmen und Otto, welche auf Befehl des Kaisers sowohl aus Böhmen als aus Mähren ein Heer zusammengebracht hatten, den Wald
durchziehend bis über die Burg Guozdec hinaus dem Herzoge Liuder gegenüber ihr Lager aufgeschlagen. Der Bischof von Mainz aber und Graf Wikbert standen mit einer Menge Bewaffneter am Flusse Milda. Jedoch die Sachsen, welche in der Mitte sich befanden, hielten sie auseinander und ließen es nicht zu, daß ihre Gegner sich vereinigten]. Wikbert  jedoch kehrte wie ein Flüchtling zurück; der Herzog von Böhmen aber zog, nachdem er viele Leute verloren, in sein Land fort. Der Herzog Liuder aber belagert Libuze, und nachdem er den Sohn Heinrichs mit dem Kopfe, welcher die Burg befehligte, als Geisel empfangen hatte, zog er heim - siegreich, wie er immer gewohnt war. Bischof Godebald von Utrecht gewinnt des Kaisers Gnade durch die Vermittlung der Kaiserin und die Fürbitte der Fürsten. Skulenberch wird verbrannt. Hugo von Dagesburg stirbt, der in seiner Schönheit jenen
Trojaner Alexander, in Tapferkeit aber den Hektor darstellte. - Gräfin Adela starb. Die Probstei in Ballenstide wird in eine Abtei verwandelt, in der Johannes zum ersten Abte geweiht wird. - In diesem Jahre war sowohl Herbst als Frühjahr fruchtbar, außer daß an mehreren Orten Hagel den Saaten Schaden that. Der Winter war sehr streng und reich an Schnee.