Das Jahr 1107.
In der 14. Indiction, 1107, [enthebt der Papst nach Beschluß
der Synode zu Troyes den Mainzer Bischof Routhard seines Amtes, weil er
Udo von Hildenesheim, ohne Beistimmung der Kirche wieder eingesetzt und
den Reinhard gegen das kanonische Recht für die Halverstädter
Kirche geweiht hatte. Ein ähnliches Urtheil wird über Givehard
von Konstanz gefällt, weil er denen beigestimmt, welche der Mindener
Kirche den Godescalk zum Bischofe aufdrängten, und weil er den Heinrich
von Magedeburg geweiht hatte. Allen Kirchen gab der Papst hier die Freiheit
wieder, sich nach den kanonischen Vorschriften Prälaten zu wählen,
die sie für würdig hielten.]
König Heinrich
kam dem Papste nach Regensburg entgegen und feierte daselbst Weihnachten,
obwohl der Papst nicht kam. Ostern aber feierte er in Mainz und ging von
dort dem Papste entgegen an die Grenze Lotharingiens und Franciens, und
nachdem sie drei Tage lang hin und her Boten geschickt, gingen sie auseinander,
ohne die Sache abgemacht zu haben, derentwegen sie gekommen waren, und
zu Pfingsten war der König in Metz. Als er von dort nach Sachsen zog,
fand er daselbst den Herzog von Böhmen vor, welcher aus seiner Heimat
vertrieben war, und ließ ihn durch den Grafen Wikbert in sein Herzogthum
zurückführen. In diesen Tagen, als der König in Goslar war,
brach, während er schlief, ein Wetter mit Donner und Krachen
über ihn los und weckte ihn mit Schrecken in der Nacht auf, und ein
darauf folgender Blitz schmolz den Buckel des Schildes zu seinen Häupten
und ein Stück des Schwertes, das an seiner Seite lag; doch blieb
er selbst unversehrt. Darnach zog er um das Fest Aller Heiligen mit einem
Heere nach Flandern und, nachdem er einen Vertrag mit Roupert, dem
Grafen jenes Landes, geschlossen, kam er nach Aachen und feierte daselbst
Weihnachten.
Die Jahre 1112-1114.
1112 feiert der Kaiser Weihnachten in Goslar. Zwietracht
Liutgers und des Markgrafen Roudolf
mit dem Kaiser, weswegen beide nach Spruch der Fürsten verurtheilt
werden. Das Herzogthum wird an Otto von Ballenstädt überlassen,
die Mark an Elperich. Der Kaiser belagert Saltwideli; sie selbst warten
um mit dem Kaiser zu kämpfen nicht weit von dort mit ihrem Heere.
Nachdem aber endlich die Kriegslust verraucht, wenden die genannten Fürsten
sich an die Gnade des Kaisers. Adelbert, der Erwählte von Mainz, geräth
in die Gefangenschaft des Kaisers.
1113 werden Reinhard, der Bischof von Halverstadt,
und Wikbert zum zweiten Male vor dem Kaiser der Untreue bezichtigt. Während
der Bischof abwesend war, kommt der Kaiser nach Halverstadt und belagert
Horneburg. Der Bischof aber und Pfalzgraf Sifrid, Wikbert und Graf Ludwig,
welche mit dem Kaiser kämpfen wollten, bleiben in ihrem Lager, welches
nicht weit davon aufgeschlagen war; nachdem die Stadt sich aber ergeben,
und dem Bischofe selbst ein Tag bestimmt war, um sich, wenn er es vermöchte,
über die Anschuldigungen zu verantworten, hörte jener Kriegslärm
auf. Der Kaiser aber zog zum Rheine. Während dies geschah, wird
Wikbert von Freunden des Kaisers gefangen, Pfalzgraf Sifrid getödtet,
was dem Kaiser nicht geringe Freude verursachte. Ostern feiert der
Kaiser in Worms. Dorthin wird der Bischof von Mainz gebracht; Triveles
wird dem Kaiser übergeben; jener aber wird aufs neue in Haft
genommen. Nach Ostern kommt der Kaiser nach Goslar zurück; Bischof
Reinhard erlangt auf Verwendung der Fürsten die Gnade des Kaisers;
Horneburg wird verbrannt.
1114 feiert der Kaiser Weihnachten in Bavenberg. Als
sich am Tage nach Epiphanien die Fürsten des ganzen Reichs versammelt,
vollzieht er seine Vermählung mit der Tochter des englischen Königs
in ungeheurer Pracht, wie vor ihm kein König seit langer Zeit
veranstaltet. Daselbst wird Ludwig, der da glaubte gut in des Kaisers Gnade
zu stehen, auf Befehl desselben ergriffen und in Haft genommen, eine Sache,
welche viele der Fürsten gegen den König erbitterte. Bischof
Udo von Hildesheim starb.