Wulfhild von Norwegen                 Herzogin von Sachsen
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1019/20-24.5. vor 1070
 

Tochter des Königs Olaf II. von Norwegen und der Astrid von Schweden, Tochter von König Olaf Schoßkönig
 

Althoff Gerd: Seite 378
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"Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung"

                                                               H 14

Lü:  24.5.  Wulfhild ductris   + vor 1070 Gemahlin Herzog Ordulfs

Wulfhild, die Tochter Olafs II. von Norwegen (vgl. Stammtafeln II, 75), heiratete 1042 den BILLUNGER Ordulf.
Auch ihr Halbbruder Magnus (K 39) erscheint im Lüneburger Necrolog; über dessen Zusammenwirken mit Ordulf bei der Bekämpfung der Wenden, vgl. Bork, Billunger, Seite 148 f.
Das Todesjahr Wulfhilds ist unbekannt, sie starb jedoch vor 1070, da Ordulf ein zweites Mal heiratete und aus dieser Ehe noch einen Sohn Bernhard (H 23) hatte; vgl. Bork, S. 161.



Annalista Saxo:
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"Reichschronik"

Das Jahr 1059.

Bernhard der Jüngere, Herzog von Luniburg, starb und sein Herzogthum erhielt sein Sohn Ordulf. Zum Vater hatte er den ältern Bernhard oder Benno, zum Großvater Herimann. Dieser jüngere Bernhard hatte von Eilica, welche eine Tochter des Markgrafen Heinrich von Suinvorde war, zwei Söhne, den Herzog Ordulf und den Grafen Herimann, der ohne rechtmäßige Kinder starb. Herzog Ordulf nahm eine Frau Namens Wifhild, die Tochter des Königs der Nortmannen und Märtyrers Olaph, und er zeugte mit ihr einen Sohn, den er Magnus nannte, weil der Herzogin Bruder, der König der Dänen und Nortmannen, Magnus hieß. Den hatte der selige König und Märtyrer Olaph mit einem  Kebsweibe gezeugt.

Adam von Bremen:
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"Hamburgische Kirchengeschichte"

Zweites Buch

Kapitel 75.

Magnus, nunmehr Sieger, hatte Dännemark und Norwegen in Besitz. Zu ihm begab sich unser Erzbischof nach Sliaswig, begleitet vom Herzoge Bernhard und Thiadmar, dem Bischofe von Hildesheim, und Rodulf, dem Bischofe eben jener Stadt. [Dieser Thiadmar, der aus Dännemark gebürtig war und in der fremden Sprache Tymme hieß, kam mit der Königin Gunhild, durch deren Fürsprache er das Bisthum von  Hildesheim erlangte.] Während dieser Zusammenkunft wurde eine
Schwester des Königs Magnus mit Ordulf, dem Sohne des Herzogs, vermählt. Dieser hatte kaum die Hochzeit gefeiert, als er zu Gunsten seines Schwagers den Harold, einen Dänenfürsten, der von der Stadt der Apostel heimkehrte, jenseits der Elbe erschlug, obwohl derselbe ganz unschuldig war. Die
Ursache des Mordes war, daß Harold, dem Stamme der dänischen Könige entsprossen, dem Scepter näher zu stehen schien, als Magnus. Diese That brachte den Beginn des Unheils über die Familie des Herzogs.

Bork Ruth: Seite 148,161
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"Die Billunger. Mit Beiträgen zur Geschichte des deutsch-wendischen Grenzraumes im 10. und 11. Jahrhundert."

Im Jahre 1042 fand die Verlobung und anscheinend sogleich die Eheschließung zwischen Ordulf und Wulfhild [3 Ihr Name wird in den dänisch-norwegischen Quellen in der Form Ulfhilde, im Deutschen aber als Wulfhild bzw. Wlfhilde geschrieben.], einer Halbschwester des Königs Magnus, bzw. der Tochter des norwegischen Königs Olaf II. des Heiligen und seiner Frau Astrid [4 Der im Jahre 1030 gefallene Olaf Tryggvason, wie er in den Quellen meist bezeichnet wird, (über das Todesdatum Näheres bei Maurer "Die Bekehrung des norwegischen Stammes zum Christentum Seite 530f., vgl. Munch I, 2 Seite 489ff. und Seite 786ff.) heiratete im Frühjahr 1019 Astrid, die Tochter König Olafs Schoßkönig von Schweden (siehe Maurer, ebd. Seite 556 und Königsfeldt, Genealogisk-historiske tabeller Seite 151 Nr. 15), so daß Wulfhild vermutlich um die Wende 1019/20 oder auch in den unmittelbar darauffolgenden Jahren geboren sein wird. Helmold bezeichnet sie irrtümlich als Tochter des Dänen-Königs, wohl auf Grund falscher Auswertung von Adam II, 79 (75).], statt. Magnus hatte seit dem Tode Knuts des Großen und seines Bruders Sven (+ 1036) die Herrschaft über Norwegen und seit dem Tode Hardeknuts, des letzten Sohnes Knuts des Großen (+ 1042) auch über Dänemark inne [5 Adam II, 73 (71) und die folgenden Kapitel, dazu J. Schreiner, Masgnus Olavsson og Danmark, Historisk Tidsskrift; Oslo 1930-1933, 29 5. Rh. 8 Seite 37.].
Magnus fand auf deutscher Seite freundliches Entgegenkommen, wohl nicht zuletzt auf Grund eines notwendig sich ergebenden gemeinsamen Vorgehens gegen die Wenden, die unter dem mächtigen Fürsten Ratibor dem dänischen Bereich gefährlich zu werden drohten [1 Munch, "De norske Folks Historie, Band II Seite 20f. meint, daß die Wenden den Krieg mit Dänemark zu jener Zeit begonnen hätten und wenn das auch nicht durch Sven Estridssons Ränke bewirkt sein mochte, so läge es doch nahe, daß zwischen diesem und den Wenden sich alsbald eine natürliche Verbundenheit auf Grund gemeinsamer Gegnerschaft gegen Magnus ergab, wie auch aus den von Munch Seite 20, Anmerkung 1 angegebenen nordischen Quellen zur Genüge hervorgeht.]. Adam berichtet uns jedenfalls, daß zwischen dem König Magnus, dem Bremer Erzbischof Bezelin, den Bischöfen Thietmar von Hildesheim und Rudolf von Schleswig und Herzog Bernhard II. eine Unterredung zu Schleswig stattgefunden habe und daß es dabei auch zu einer Verbindung zwischen Ordulf, dem Sohn des Herzogs, und der Schwester des Königs gekommen sei [2 Adam II, 79 (75) Seite 136 vgl Steindorff, Jbb. Heinrichs III. Band I Seite 274ff.]. In der Magnus-Sage findet sich eine etwas sagenhafte Geschichte [3 Hist. Magni boni regis SS. XXIX, Seite 405.], derzufolge Ordulf anfangs für den Kaiser um die Hand Wulfhildens geworben haben soll, wobei es am Hofe des Königs Magnus in Norwegen zu allerhand Verwechslungen und Intrigen kam, bis endlich Ordulf die Königs-Tochter dann doch selber zur Gemahlin erhielt, von der er, wie es zum Schluß heißt [4 Hist. Magni boni regis SS. XXIX, Seite 405: Otto hertogi ok Ulfhildr attu thann son er Magnus het; hann var anima mikill vexti ok manna vaenstr. Mann, tok riki eptir födur sinn, ok er fra honum komin hertoga aett i Brunsvik a Saxlandi.".], einen Sohn namens Magnus gewann. Dieser sei, als er zum Manne erwuchs, besonders schön und von großer Statur gewesen und habe später seines Vaters Herrschaft übernommen; von ihm leite sich auch das braunschweigische Herzogs-Geschlecht her. Aber bis auf das, was über Magnus ausgesagt ist, handelt es sich bei dieser Erzählung wohl um Ausschmückungen, die auch von der norwegischen Forschung ihrem Inhalt nach angezweifelt werden [5 Munch II, 16 schreibt dazu "Kfter et i vore Kongesagaer meddeelt Sagn, som dog ikke i sin Heelhad er aynderlig paalideligt, skal Ordulf i egen Person have indfundet sig allerede 1 Korge, for at bejle UIfhild, ...".].
Wedekind wies bereits an Hand verschiedener Todesdaten nach, daß jene Zusammenkunft, wie auch die Hochzeit Ordulfs dem Jahre 1042 angehören [1 Wedekind, Noten II, 56 setzt sich dabei zugleich mit Gebhardi, Geschichte der Königreiche Dänemark und Norwegen Band I, Seite 125 und Seite 438 auseinander, der die Heirat in das Jahr 1043 verlegen wollte.]. Er ging dabei vor allem von dem in das Jahr 1043 fallenden Todesdatum Erzbischof Bezelins aus, das allerdings eine Zeit lang von anderen Forschern zu Unrecht angezweifelt wurde [2 Gegen Steindorffs Ansetzung auf 1045 (Jbb. Heinrichs III. Band I, Seite 281 Anmerkung 1) wandte sich vor allem Dehio in seinen "Kritischen Ausführungen" unter Hinweis auf Lampert von Hersfeld (Holder-Eghger Seite 60) und Ser. arch. Brem. SS. XIII, Seite 345. Ihm folgt auch May in den Regesten der Bremer Erzbischöfe, Seite 51 unter weiteren Hinweisen auf die Ann. Brem. SS. XVII, Seite 855.]. Auch die Nachrichten der nordischen Quellen [3 Vgl. Steindorff, Jbb. Heinrichs III. Band I, Seite 276 Anmerkung 2, und Wigger, Meckl. Annalen Seite 74, siehe auch S. Olafssage (Vita Olavi sancti SS. XXIX, Seite 350), Snorri, Heimskringla, ebd. Seite 430, Hist. Magni Boni, ebd. Seite 396, wie auch die meisten anderen nordischen Quellen (Sagas und Skaldenstrophen).] von der großen Wendenschlacht bei Schleswig können zu einer genaueren Festlegung der Hochzeit Ordulfs dienlich sein. Die Schlacht fand gemäß der bei den Sagaschriftstellern waltenden Chronologie zur Zeit des Michaelisfestes, ein Jahr nach der Thronbesteigung König Magnus in Dänemark (Sommer 1042) statt, also im Jahre 1043, während die Hochzeit Ordulfs ebenso wie die Besprechung zu Schleswig dem Wendenkrieg voraufgegangen sein muß. Denn wenn die Kämpfe mit den Wenden um Michaelis, Ende September, ihren Höhepunkt erreichten, die weiter oben schon erwähnte Mordtat an dem Dänen-Fürsten Harold aber nach Adams Angabe [4 Adam II, 79 (75) Seite 136, vgl. oben Seite 126.] unmittelbar nach der Hochzeit und zwar, wie sich aus einem Vermerk im Necr. S. Mich. Lun. [5 Necr. S. Mich. Lun., Wedekind, Noten III, 86 "Idus Nov.... Haroldus dux et occisus".] ergibt, im November (13.11.) geschah, so können diese Ereignisse unmöglich in demselben Jahre 1043, sondern müssen schon in dem voraufgegangenen Jahr 1042 vor sich gegangen sein.
Auch aus den nordischen Quellen ersehen wir, daß die Hochzeit bereits vollzogen war, als Ordulf bei Schleswig-Haithaby dem König Magnus mit seinen Truppen zu Hilfe kam [1 Bei Snorre c. 27 SS. XXIX, Seite 341 heißt es "Kom til hans Otta hertogi af Saxlandi or Brunsvik. Hanna atti Ulfhildi dottur Olafs Konungs ens helga födur Magnus Konungs. Hertoginn hafdi mikla syeit manna ... ef mönnum theotti nokkur föng a, at hann maetti sigraz en flestir Köttu ok sögdu allir eitt til, at Vindr häfdu oflyjanda har. En Otta hertogi fysti heldr at berjaz".].
In welchem Jahr Wulfhild, Ordulfs erste Gemahlin, starb, läßt sich nicht feststellen. Aus dem Necr. S. Mich. Lun. erfahren wir nur den Tag ihres Todes, den 24. Mai [4 Necr. S- Mich. Lun. Wedekind Not. III, 38 "Wulfhild ductrix"]. Sie kann aber die 50-Jahresgrenze nicht erreicht haben, da Ordulf, der im Jahre 1072 starb, noch eine zweite Ehe einging mit Gertrud, einer Tochter des Grafen Konrad von Haldensleben.
 
 
 
 
 
 
 

1042
  oo Ordulf (Otto) Herzog von Sachsen
       1022-28.3.1072
 
 
 
 

Kinder:

  Magnus
  1043/47-23.8.1106
 
 
 
 

Literatur:
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Adam von Bremen: Hamburgische Kirchengeschichte - Althoff Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen. Wilhelm Fink Verlag München 1984, Seite 49,378 H 14 - Annalista Saxo: Reichschronik a. 1059 - Bork Ruth: Die Billunger. Mit Beiträgen zur Geschichte des deutsch-wendischen Grenzraumes im 10. und 11. Jahrhundert. Dissertation Greifswald 1951 Seite 148,161 - Meyer von Knonau, Gerold: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V., Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1890 Band VI, Seite 15 Anmerkung 18 -