Bork Ruth: Seite 172-174
*********
"Die Billunger. Mit Beiträgen zur Geschichte des deutsch-wendischen Grenzraumes im 10. und 11. Jahrhundert."

Magnus vermählte sich, wie meist angenommen wird [2 Vgl. Meyer von Knonau, Jbb. Heinrichs IV. Band 2 Seite 72 und Curschmann, 2 Ahnentafeln Seite 35.], wahrscheinlich im Jahre 1071 oder auch schon im Jahre 1070, wie Annalista Saxo vermeldet [3 Annalista Saxo SS. VI, Seite 697 zu 1070.], mit Sophie, der Tochter des ungarischen Königs Bela I., aus dem Hause der ARPADEN [4 Wertner, Az Arpadok Csaladi Törtenete Seite 144ff.] und einer Tochter des Polen-Königs Misiko II. und der deutschen Richenza [5 Balzer, Genealogia Piastow Seite 90ff. vgl. Curschmann 2 Ahnentafeln Seite 35f und Seite 40f und Hofmeister, Die Ahnentafeln der Markgrafen von Brandenburg Seite 19.], von der auch sie, wie man vermutet [6], vielleicht den Namen Richenza erhielt.
Im Gegensazu zu den falschen Nachrichten späterer Quellen, die in Sophie die Schwester des Ungarn-Königs Colomann [7 Hist. Welf. (König Seite 24) c. 15], der in Wirklichkeit ihr Neffe war [8
Vgl. Curschmann, 2 Ahnentafeln Seite 35f.], bzw. eine Tochter des Königs "Wradezlei" [9 Chron. S. Mich. Lun. SS. XXIII, Seite 396 "Wradeslai" war in Wirklichkeit der Bruder der Sophie namens Ladislaus.] oder "Widrezlai" [10 Sächsische Weltchronik Deutsche Chroniken II, Seite 187.] von Ungarn sehen wollen, ergibt sich die richtige Einordnung einwandfrei aus dem zeitgenösssichen Bericht Lamperts zum Jahre 1061, in dem Sophie als eine Schwester des Ungarn-Königs Geisa I., eines Sohnes des Ungarn-Königs Bela I.
Abgesehen von der schon erwähnten Angabe beim Annalista Saxo und den unten noch zu behandelnden zeitlichen Zusammenhängen mit dem Wendenaufstand, kommt mir die Vermählung des Magnus mit Sophie vor dem 12. Juni 1071, dem Tag, an dem er sich mit Otto von Northeim zusammen in die Haft des Königs begab [2 Die zahlreichen Belegstellen hierfür in den Ann. Altah. maj. bei Adam, Lampert, Berthold, Bernold, Bernoldi Chron. Bruno hat Meyer von Knonau bereits in den Jahrbüchern Heinrichs IV. Band 2 Seite 70 Anmerkung 60 zusammengestellt.], auf jeden Fall wahrscheinlicher vor als in späterer Zeit nach seiner Entlassung, zumal es sich um eine Eheschließung mit der Anmgehörigen eines dem König feindlich gegenüberstehenden ungarischen Herrscher-Geschlechtes handelte.
Sophie war anfangs mit dem Markgrafen Wilhelm von Meißen aus dem Hause WEIMAR verlobt. Dieser hatte erst auf seiten der Feinde Belas gekämpft, das heißt er war von dem deutschen König HEINRICH IV. dem Ungarn-König Andreas im Jahre 1061 als Hilfe zugesandt worden, geriet aber nach dessen Niederlage in die Gefangenschaft Belas. Mit seiner beim Kampfe erwiesenen Tapferkeit hatte Wilhelm jedoch dei Bewunderung des jungen Geisa, Belas Sohn, erregt, der seinen Vater bat, den Gefangenen zu schonen und sich ihm verwandtschaftlich zu verbinden, indem er ihm seine Tochter, die Schwester Geisas, geben möge [3 Lampert zum Jahre 1061 Seite 78.]. Es kam auch zur Verlobung, doch Wilhelm starb bald darauf, im Jahre 1062, und Sophie heiratete einen nahen Verwandten ihres Verlobten, den Markgrafen Udalrich von Krain und Istrien [4 Annalista Saxo SS. VI, Seite 693.]. Sie gewann aus dieser Ehe zwei Söhne und zwei Töchter [1 Annalista Saxo SS. VI, Seite 693 nennt nur einen Sohn, namens Udalrich, während die Hist. Welf. c. 15 SS. XXI; Seite 463 von einem zweiten Sohn, dem Markgrafen Poppo spricht und außerdem zwei Töchter erwähnt, aus der Ehe des Magnus angeblich, die aber auch aus der ersten Ehe der Sophie stammen müssen. Diese beiden Walburga, und Richardis, die dort außer den uns bekannten Töchtern Wulfhild und Eilika aus der Ehe der Sophie mit Magnus genannt werden, eine sonst von keinem der sächsischen Geschichtsschreiber erwähnt. Sie sind alle als Stieftöchter natürlich auch bei der Aufteilung des billungischen Erbes nicht berücksichtigt worden Näheres dazu von Graf von Walderdorff in den Fachzeitschriften zur deutschen Geschichten Band 13 Seite 591. Den gleichen Standpunkt vertraten schon Raumer, Reg. Hist. Brand. I, Seite 12 und Cohn, Stammtafeln 208, vgl. Tille, Weimar Seite 53.]. Aber auch Udalrich starb verhältnismäßig früh, nach den Angaben Lamperts [2 Lampert Seite 112 zu 1070.] im Jahre 1070. Das Lüneburger Totenbuch bringt den Todesvermerk am 6. März [3 Necr. S. Mich. Lun. Wedekind Noten III, Seite 18 "II. Non. Martius...Othelricus comes..."]. Sophie ging darauf eine zweite Ehe mit dem BILLUNGER Magnus ein, dem sie zwei Töchter, Wulfhilde und Eilika gebar, auf die wir später noch zurückkommen [4 Siehe oben Anmerkung 1 und unten Seite 187.]. Sie starb am 18. Juni 1095 [5 Die Todesnachricht der Sophie bringen: Annalista Saxo SS. VI, Seite 728 zu 1095 "Sophia quoque ductrix obiit pie memorie 14. Kal. Junii" und ebenso die Ann. Magd. SS. XVI, Seite 178 "Sophia ductrix pie memerie 14. Kal. Junii obiit", dagegen heißt es in den Ann. Ros. SS. XVI, Seite 101 "Sophya ducissa, uxor Magni ducis, obiit 14. Kal. Julii". Es muß von den beiden ersteren eine gemeinsame Quelle benutzt worden sein. (Wattenbach, Einladung in die Geschichte des deutschen Volkes Band 54 (Der Sächsische Annalist) hält sie für die Nienburger Ananlen), in der anscheinend der Todestag auch schon falsch angegeben war (der Monat Juni statt Juli), denn das richtige Datum wird meines Erachtens das der Ann. Ros. sein, die den 14. Kal. Julii bringen, der auch im Necr. S. Mich. Lun., Wedekind, Noten III, 45 als Todestag der Herzogin Sophie vermerkt ist.].