Annalista Saxo: Seite 36,52
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"Reichschronik"
 

Das Jahr 992.

 
Den Hochaltar [der Halberstädter Kathedrale] weihte der Herr Bischof Hildeward der heiligen Dreieinigkeit und ihrem ersten Streiter Stephan, indem er jene, wie das Haupt der Verlobten mit einem Schmucke von zwölf Steinen, durch die Salbung von zwölf Bischöfen zierte. Unter ihm verbarg er ein Stückchen vom heiligen Kreuze und von seiner Krippe und von seinem Grabe, auch den Bart des heiligen Apostels Petrus und etwas von seinem Leibe und ein Stückchen vom Kleide des heiligen Evangelisten Johannes, Reliquien Philippi und Bartholomei und aller Apostel; auch Blut des heiligen
Stephan mit zwei Gliedern seines Leibes und Reliquien der heiligen Märtyrer Laurentius, Felicissimus, Agapitus, Januarius, Marcellinus, Petrus, Pankratius, Georg, Nikasius, Urban,  Bonifacius, Anastasius, Dionysius, Eleutherius, Cyriakus, Hippolytus und Blasius, und der Bekenner Martin, Servatius und
Liuder, und der Jungfrauen Liutrud, Vincentia und Eufemia. Auf der Südseite dieses Altars weihte der Magadaburger Erzbischof Gisilar einen Altar zur Ehre der heiligen Märtyrer Mauricius und seines Heeres, welchen er auch mit dem Kleide des heiligen Mauricius und den Reliquien seiner Genossen
Exsuperius, Candidus, Innocenz und Vitalis beschenkte. Auf der Nordseite des Hochaltars weihte der Bremer Erzbischof Libutius einen Altar zur Ehre der heiligen Märtyrer Vitus, Justinus und Cyriakus; auch begrub er in demselben die Reliquien des heiligen Cyriakus und des Märtyrers Eustachius, auch des Kriegsknechts Longinus, welcher die Seite des Herrn mit dem Speer durchbohrt hat, und des heiligen Bischofs und Bekenners Willehad. An der Thür des Kreuzganges, nämlich auf der Südseite der Kirche, weihte Erpo der Fardener Bischof einen Altar zur Ehre des heiligen Papstes und Märtyrers
Clemens und der heiligen Jungfrau Cäcilia und legte in diesen die Reliquien des heiligen Clemens und der heiligen Märtyrer Georg, Marcus und Marcellianus. Aus der  Nordseite der Kirche an der Thür des bischöflichen Gemaches segnete der Paderbrunner Bischof Rethar einen Altar ein zur Ehre des heiligen Märtyrers Dionysius und seiner Genossen und des heiligen Bekenners Liborius, und weihte ihn mit den Reliquien des heiligen Dionysius, der Märtyrer Protus und Jacinctus und der heiligen Jungfrau Madalberta. Bischof Hildiward selbst weihte den Altar im Westen der Kirche in der Mitte des Chors zur Ehre der heiligen Märtyrer, des Papstes Sixtus und seiner Genossen. Im Süden dieses Altars weihte Hildibald einen Altar zur Ehre der Märtyrer Laurentius, Hippolytus, Pankratius, auch des Vincentius und Cyriakus; diesen beschenkte er mit den Reliquien der Märtyrer  Vincentius und Hippolytus und mit dem blutigen Kleide des heiligen Märtyrers Wenezlaus. Im Norden aber desselben mittleren Altars weihte Bischof Dodo von Augsburg einen Altar zur Ehre des heiligen Märtyrers Sebastian, des heiligen Mainzer Erzbischofs Bonifacius, der Bekenner Liudeger und Odelrich und der heiligen Affra; diesem überließ er die Reliquien Sebastians, Pantaleons, Julians und der Basilissa. Das
letzte Oratorium weihte der Mainzer Erzbischof Willigis zur Ehre der heiligen Engel Michael,Gabriel und Raphael und aller Himmelsbürger und zum Gedächtniß des heiligen Bischofs Martin von Tours, und des heiligen Bekenners Gallus; in demselben begrub er die Reliquien der Märtyrer Georg, Blasius und Castor. Bei dieser Weihe war der König Otto zugegen, festlich mit der Krone und dem übrigen Königsschmuck gekleidet; er brachte zur Zeit des Opfers sein goldenes Scepter in die Hand des Bischofs dar. Auch hat seine Großmutter, die Kaiserin Adelheid, mit ihrer Tochter, dem leuchtenden Juwel des Königshauses, Machtilda der Aebtissin von Quidlingeburg und ihrer Nichte Hathewiga, der durch den Ruf guter Thaten berühmten Aebtissin von Gerenrodhe, diesen heiligen Altar  sowohl mit werthem Gebet geweiht, als auch mit königlichen Geschenken geehrt. -
 
Odilo [Abt von Cluny] hat das Leben der heiligen Kaiserin Adhelheidis beschrieben. - Die erhabene Kaiserin Adelheidhis gab in Veranlassung ihrer mütterlichen Liebe ihrer Tochter, der Aebtissin Machtildis einen Hof, welcher im Gebiete von Sachsen liegt und Walbike heißt, mit allem dorthin gehörigen Zubehör von Erbgut zum Geschenke, und indem sie ihr überließ,  denselben entweder zum eigenen Gebrauch anzuwenden oder zu jedem andern Zwecke nach ihrem Gutdünken zu verwenden, bestätigte sie dies durch Aufschreiben ihres Handzeichens mit einer sicheren Urkunde, welche mit dem kaiserlichen Ringe besiegelt war. So wie diese in wunderbarer Weise von der göttlichen Liebe
entzündet und zur Ausübung der Freigebigkeit und des Wohlwollens geneigt war, wünschte sie nichts, wodurch sie vor der Welt reicher erschienen wäre, für sich zu behalten, sondern mit allem Sehnen immer nach dem Himmlischen trachtend, nahm sie demüthig den an Kindes Statt zum Erben an, dessen Herrschaft und Reich ohne Grenzen ist, und ließ daselbst ein Kloster zur Ehre des heiligen Apostels Andreas bauen, in welchem eine Schaar Jungfrauen unter der Regel des heiligen Benedikt
klösterlich leben sollte. -
 
Zweimal haben die Unsern in diesem Jahre gegen die Slaven gekämpft, zuerst am 18. Juni, in welcher Schlacht der Fahnenträger Thiethard, Diakon der Fardener Kirche, mit vielen Anderen gefallen ist; dann am 22. August, in welcher der Fahnenträger Halegred, ein Bremer Priester, getödtet wurde.
 

Das Jahr 1036.

 
[Auf der Synode zu Tribur hat Otto von Suinvorde, von der Synode gezwungen, sich durch einen Schwur von seiner Verlobten Machthild getrennt]. Nach dieser nahm er eine Frau, welche Emilias oder Immula oder Irmingard hieß und deren Schwester Namens Adelas den Markgrafen Otto von Italien geheirathet hatte. Die genannte Immula oder Irmingard gebar dem Otto fünf Töchter, deren Namen diese sind: Eilika, Judhita, Beatrix, Gisla, Berta. Eilika wurde Aebtissin. Judhita heirathete den Herzog Kono von Baiern, und als er gestorben war, führte sie Bodo, ein sehr edler Mann, heim und sie gebar ihm Adelheid; von dieser hat Herzog Heinrich von Lintburg den Herzog Walrabo  gezeugt, der auch Paginus hieß, und zwei Töchter, von denen eine, Namens Agnes, den Pfalzgrafen Friderich von  Putelenthorp heirathete, die andere aber der Graf Friderich von Arnesberge heimführte. Beatrix heirathete den Markgrafen [Heinrich von Schweinfurt]  und sie gebar ihm eine Tochter, welche Godefrid von Cappenberg nahm, und er hatte von ihr zwei Söhne Godefrid und Otto. Die Berta führte einer von den Fürsten der Baiern heim, der nach seiner Feste, die Havekesberg hieß, zubenannt war, und er zeugte mit ihr eine Tochter, welche Judhita geheißen wurde, und mit dieser verband sich durch ein unglückliches Ereigniß ein Ministerial, der für ihre edle Abkunft nicht paßte, und sie gebar ihm zwei Töchter: Judhita, welche "die Tapfere" genannt wurde, und ihre Schwester, welche Folrad von Hantorp nahm. Gisla wurde mit dem Grafen Wigmann von Seburg verbunden und er zeugte mit ihr den Grafen Gero, den Vater des Magdaburger Erzbischofs Wigmann, und die Aebtissin Hathwiga von Geronrothe. Dieses Grafen Wigmann Bruder war Graf Willehelm von Lutisburg und ihr Vater war Graf Cristin, der Bruder Gebehards von Quernvorde. - - [Brantog, der Halberstädter Bischof, starb im Herrn am 27. August]. Dieser machte in Halberstadt zwei Propsteien, die eine zur Ehre des heiligen Täufers Johannes und des heiligen Evangelisten Johannes, die andere zur Ehre des heiligen Bischofs und Märtyrers  Bonifacius in Bossenleve.