Moritz Joseph: Seite 51-58
************
"Kurze Geschichte der Grafen von Formbach, Lambach und Pütten"

Meginhard Graf von Windberg, Ulrich Graf von Ratelnberg, Friedrich von Formbach, Hermann Probst und Bischof zu Bamberg, Bruder der obigen Heinrich und Thiemo
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
4) FRIEDRICH VON FORMBACH

Diesen enthält die formbachische Genealogie am deutlichsten und umständlichsten. Sie sagt, Friedrich, der Sohn des Thiemo I. habe die Enkelin des Königs namens Gertrud entführt oder heimlich zur Ehe genommen und sei also vom Hofe, wo er sich zuvor aufhielt, entflohen. Friedrich habe zwar danach wieder des Königs Gnade und freien Zutritt erlangt, aber auf dem Rückweg sei er von den Hofherren des Königs, die sich für beschimpft hielten und ihm nacheilten, ermordet worden. Mit dieser Gertrud hatte Friedrich Hadwig erzeugt, welche ihrem ersten Gemahl, dem Grafen Gebhard von Supplinburg, den nachherigen Kaiser LOTHAR III. im Jahre 1075 und ihrem zweiten Gemahl, Dietrich, Herzog von Lothringen, die Gräfin Itha, die Gemahlin des Grafen Sighard I. von Burghausen geboren. Die Abstammung dieses Friedrich vom Geschlecht von Formbach ist selbst aus den formbachischen Urkunden erwiesen, weil die Itha, seine Enkelin, am Wasserzoll bei Schärding mit anderen formbachischen Sprossen teil nimmt und besonders weil Kaiser LOTHAR III. die Stifter von Formbach seine Vettern und Voreltern, parentes, nennt. Die Namen der Gemahlin Gertrud, Tochter Hadwig und Enkelin Itha, ihr Zeitalter und ihre Schicksale sind bei den sächsischen Geschichtsschreibern so außer Zweifel gesetzt, dass durch diesen einzigen Friedrich die ganze formbachische Genealogie das größte Gewicht erhält; denn es ist auffallend, dass die Ehelichung der Gertrud mit dem Friedrich um das Jahr 1049 eintreffen müsse, damit sie ihm ums Jahr 1050 die Hedwig gebären könnte, welche dem Grafen Gebhard von Supplinburg, der sie ums Jahr 1073 zur Ehe nahm, gerade im Jahre 1075 einen Sohn, den nachherigen Kaiser LOTHAR, gebar. - Dass die Heirat des Grafen Gebhard mit der Hedwig unter dem Bischof Burchard von Halberstadt, welcher vom Jahre 1060 bis 1088 selbe Kirche regierte und welcher die Ehe wegen zu naher Verwandtschaft hindern wollte, sich zugetragen habe, ist ohnehin schon ausgemacht; andererseits aber ist auch bekannt, dass die Gertrud vom König HEINRICH IV. viele Gelderpressungen zu erleiden hatte und dies mag eine neue Probe ihrer nahen Blutsfreundschaft mit Kaiser HEINRICH III. und HEINRICH IV. sein. Also ist ganz gewiss, dass wir den Tod des Friedrich um das Jahr 1050 ansetzen können, da sein Vater, der alte Thiemo I., noch lebte. Er war daher niemals Graf, auch nicht Advokat von Formbach.

Nach dem Tode ihres kinderlosen Onkels Wilhelm (+ 10.9.1056) war Gertrud Alleinerbin des gesamten HALDENSLEBENER Besitzes. Sie wurde von ihrem ersten Mann entführt, der dafür von sächsischen Standesgenossen aus Rache erschlagen wurde.