Bernhardi, Wilhelm: Seite 810-811
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"Jahrbücher der Deutschen Geschichte Lothar von Supplinburg"

Friedrich wurde nach dem Codex traditionum coenobii S. Mariae Fombac. (Orig. Guelf. III, praef. 14) im Jahr 1059 ermordet: MLIX Fridericus pater Hedwigis matris Lotharii regis occiditur. Seine Witwe Gertrud begab sich mit ihrer Tochter Hedwig nach ihrer Heimat Sachsen, wo sie später den Herzog Ordulf, der am 28. März 1072 starb, in zweiter Ehe heiratete.
Ihre Genalogie behandelt eingehend die Sächsische Weltchronik Cap. 237 (MG. Chron. II, Seite 199), welche nach des Herausgebers Vermutung aus dem verlorenen Chronicon S. Michael Luneburg. maius geschöpft hat. Es heißt da: En edele vorste, de was geheten Ezerd, gewan enen Diteriken; Dideric gewan Bernarde, de was vader Bennen; Benne gewan Diderke den hertogen und marcgraven, de was vader Bernhardes; de wan marcgreven Bernarde, dese gewan marcgreven Willehelme unde greven Conrade... De marcgreve Willehelm ne hadde nene kindere, he ward geslagen van den Weneden... Greve Conrad gewann ene Gertrude, de nam to wive Frideric van Baieren van Vorenbach und gewan van ere Hadewige.
Graf Konrad, Gertruds Vater, ist der Sohn des Markgrafen Bernhard von der Nordmark, dessen gleichnamiger Vater 1009 zu Pöhlde von HEINRICH II. mit der Nordmark belehnt wurde (vgl. Hirsch Heinrich II. Band II Seite 288). Wann ihm sein Sohn nachfolgte, ist nicht zu bestimmen (vgl. Hirsch a.a.O. III, 95). Noch im Jahre 1044 erscheint ein Markgraf Bernhard in Urkunden (Raumer, Reg. Nro. 519); es ist zu vermuten, daß dieser Bernhard II. ist. Von dessen Sohn Konrad ist näheres nicht bekannt, insbesondere ist undeutlich, wie seine Tochter in der Geneal. comit. Neuburg. neptis regis - offenbar HEINRICHS III. genannt wird.
Gertruds zweite Ehe mit dem Herzog Ordulf von Sachsen meldet ebenfalls die Sächsische Weltchronik Cap. 237: Gerdruth, Hadewige muder, na eres ersten mannes dode, nam hertogen Ordolve von Luneburch; bi deme gewan siu Bernharde, de vel van enem perede unde starf untillikes dodes (an einem 15. Juli, Necr. S. Mich. Luneburg. Wedekind Noten III.). Auch ergibt sich diese Ehe aus den Worten des Ann. Saxo zu 1076: Inter quos erat Gertrudis, mulier nobilissima, Magni ducis noverca. Sie starb 1116. Ann. Magdeb. (Ann. Saxo): Gertrudis duxtrix, avia Liuderi ducis obiit.
Wahrscheinlich nach ihrer zweiten Vermählung, also wohl nach 1060, lernte Graf Gebhard von Supplinburg ihre Tochter aus erster Ehe, Hedwig kennen und heiratete dieselbe. Jedoch Pfalzgraf Friedrich, der Bruder des Erzbischofs Adalbert I. von Bremen (1043-1072), erhob den Einspruch, daß ihre Ehe wegen Verwandtschaft unzulässig wäre, und so wurden sie auf einer Synode zu Halberstadt getrennt. Friedrich scheint ein Nebenbuhler Gebhards gewesen zu sein. Sächsische Weltchronik Cap. 237: (Hadewige), diu nam graven Geveharde van Suplingeburch; de gewan greven Ludere ere Lotharium; darna ward de hertoge, to jungest ward he keisere. Darna worden se wroicht an deme senede to Halverstat, dat se sibbe weren. Dat dede maregrave (richtiger palenzgreve) Frideric, de was broder bischop Albrechtes van Bremen. Aldar versworen se sie beide.
Allein Graf Gebhard vermochte den Verlust Hedwigs nicht lange zu ertragen. Als sie einst mit ihrer Mutter Gertrud ausritt, überfiel er sie, nahm sich seine Gattin mit Gewalt und behielt sie, unbekümert um den Bann, welchen Bischof Burchard II. von Halberstadt (1059-1088) über ihn verhängte. Sächsische Weltchronik Cap. 237: Darna nicht lange tid wolde siu riden mit erer muder; uppe deme wege so grep se greve Gevehard mit gewalt und wan se aver to wive und ene achtede nicht der ede noch des bannes, de ene ben de ander bischop Burchard van Halverstad. Also ward he vernensamet (exkommuniziert) und verlos darna sin lif jamerlik. He ward geslagen bi der Unstrote bi Hamburch (1075).