Buch II
Kapitel 44.
Im zweiundzwanzigsten Jahre des Erzbischofs starb Benno,
der Herzog von Sachsen, und Liudger, sein Bruder, welche
nebst dessen Gemahlin, der verehrungswürdigen Emma, der Bremer
Kirche sehr viel Gutes erwiesen haben. Zu Magadburg aber war aus den Erzbischof
Gisillar Dagan gefolgt,
worauf Walthard den Krummstab erwarb.
Kapitel 65.
Währenddeß schmückte unser Erzbishof, der durch fromme Werke beständig nach dem Himmel trachtete, seine Kirche wie ein rechter Bischof aus, und erzog die Söhne der Kirche wie ein wahrer Seelenhirt, indem er bei allen, und selbst, was schwer hält, bei den Fürsten wohlgelitten war. Zu seiner Zeit thaten Herzog Bernhard und sein Bruder Theodmar unserer Kirche viel Gutes, auf Ermahnung der sehr frommen Emma, welche die Bremer Kirche sehr liebte und beinahe ihr ganzes Vermögen Gott und seiner Mutter und dem heiligen Bekenner Willehad darbrachte. Sie trug auch aus Liebe zum Erzbischofe für alle Söhne der Kirche, als wären es ihre eigenen, Sorge.
Kapitel 76.
Und während nun im Auslande solche Begebenheiten mit abwechselndem Glücke vorfielen, begann in Bremen selbst die Lage der Dinge zu schwanken: - - das Höchste fällt alsbald, nicht ist's ihm vergönnt, daß es lange sich halte. und das neidische Geschick sah auch zu unserem Glücke scheel.
In jenen Tagen starb die sehr edle Gräfin Emma, die Wittwe des Grafen Liutger [und Schwester Meginwerks, des Bischofs von Padarburn], den sie bereits vor vierzig Jahren verloren hatte. Sie vertheilte beinahe das ganze ungeheure Vermögen, welches sie besaß, an die Armen und an die Kirchen. Ihr Leib ruht in der Kirche zu Bremen, ihre Seele möge sich himmlischer Ruhe erfreuen. Sie schenkte noch während ihrer Lebzeit der Bremer Kirche den Hof Stiplaga unweit des Rheins. Lismona aber ward wegen eines, ich weiß nicht welchen, Vergehens ihrer Tochter dem Kaiser Conrad zu Theil. Darum besuchte dazumal die Königin Gisla [Bremen, that den dortigen geistlichen Brüdern viel Gutes, ebenso der Kirche und allen Einwohnern; darauf kam sie nach] Lismona [begleitet vom Erzbischof.]
Buch III
Kapitel 45.
Unsere Kirche konnte reich sein, unser Erzbischof brauchte
den von Köln oder Mainz in keiner Beziehung um ihren Glanz und Prunk
zu beneiden. Nur der Bischof von Würzburg war der Einzige, der in
seinem Bisthum, wie man sagt, keine andere Gewalt neben sich hat, da er
selbst sämmtliche Grafenämter seiner Diöcese inne hat, und
deshalb auch das Herzogthum des Landes in seinen Händen hat. Darum
war unser Erzbischof, getrieben von dem Wunsche, es ihm gleich zu thun,
Willens, alle
Grafenämter, mit denen irgend eine Gerichtsbarkeit
in seinem Sprengel verknüpft war, in die Gewalt seiner Kirche zu bringen.
Deshalb erlangte er zuerst vom Kaiser jenes höchste Grafenamt in Friesland,
nämlich die Grafengewalt über Fivelgoe, welche vorher Herzog
Gotafrid gehabt hatte und jetzt Ekibert. Die Einkünfte von
demselben sollen tausend Mark Silbers betragen, wovon Ekibert zweihundert
zahlt und Vasall der Kirche ist. Der Erzbischof aber behauptete diese Grafenherrschaft
zehn Jahre lang bis zur Zeit seiner Vertreibung. Ein zweites Grafenamt
war das des Uto, welches sich durch den ganzen Bremer Sprengel zerstreut
verbreitet, zumeist aber um die Elbe herum. Dafür verlieh der Erzbifchof
dem Uto unter dem Namen einer Bede so viel von den Gütern der Kirche,
als auf einen jährlichen Ertrag von tausend Pfund Silbers geschätzt
wird, während jedenfalls mit einer so großen Geldsumme der Kirche
alljährlich ein größerer Nutzen geschafft werden kann,
wofern es uns nicht, um Weltruhm zu erlangen, genügt, darum arm zu
sein, um viele Reiche zu unseren Unterthanen zu haben. Die dritte Grafschaft
lag in Friesland, unserem Sprengel nahe, Namens Emisgoe. Die Ansprüche
unserer Kirche auf dieselbe vertheidigend, ward Gotescalk vom Grafen
Bernhard erschlagen.
Für sie gelobte unser Erzbischof dem Könige
tausend Pfund Silbers erlegen zu wollen. Da er aber diese Summe Geldes
nicht leicht ausbringen konnte, so ließ er (o des Schmerzes!) Kreuze,
Altäre, Kronen und andere Zierrathen der Kirche wegnehmen, und beeilte
sich durch Veräußerung dieser Gegenstände den unglückseligen
Vertrag zu vollziehen. Er rühmte sich aber, er werde die Kirche bald
aus einer silbernen zu einer goldenen machen und alles Weggenommene zehnfältig
wieder ersetzen, in
derselben Verfahrungsweise, wie er auch schon früher
bei der Niederreißung des Klosters sich gezeigt hatte. [O welch ein
Kirchenraub! Zwei Kreuze, mit Gold und Gemmen geschmückt, ein Hochaltar
und ein Kelch, beide von rothem Golde glänzend und mit edelen Steinen
besetzt, wurden zerbrochen. Sie hielten zwanzig Mark Goldes; Frau Emma
hatte sie mit mehren anderen Geschenken der Bremer Kirche dargebracht.
Der Goldschmidt, der jene Dinge eingeschmolzen hatte, erzählte, er
sei zu seinem
großen Leidwesen zu dieser kirchenschänderischen
That gezwungen worden, jene Kreuze zu zerbrechen, und versicherte gewissen
Leuten insgeheim, es sei ihm beim Schlagen des Hammers vorgekommen,
als vernähme er die Stimme eines klagenden Kindes.]
Damals also und auf solche Weise ward der Schatz der
Bremischen Kirche, der von den Altvordern und zu seiner eigenen Zeit mit
der größten Anstrengung und mit großer Hingabe von Seiten
der Gläubigen gesammelt war, in einer einzigen beklagenswerthen
Stunde für gar nichts fortgegeben. Und doch kam durch dieses Geld
kaum die Hälfte der Schuld zusammen. Die von den heiligen Kreuzen
abgenommenen Edelsteine sollen von gewissen Leuten, wie wir gehört
haben, an Buhlerinnen
verschenkt sein.
Schol. 48. Die berühmte Gräfin Emma schenkte,
während Erzbischof Libentius das Wort Gottes verkündigte, der
heiligen Bremer Kirche zwei Kreuze, eine Altartafel und einen Becher, alles
aus Gold und Edelsteinen verfertigt, zum Belaufe von zwanzig Mark Goldes;
außerdem noch Weihgewande und viele Zierstücke und goldene Stolen
und Altardecken und Bücher.