Das gleiche gilt für den Versuch, Bruno von Braunschweig
für einen Sohn Ekberts
des Einäugigen zu erklären, wobei häufig die Äußerungen
der neueren Forschung auf ältere, qellenmäßig nicht genügend
begründete Thesen zurückgehen [4 Vanderkindere (La formation
territoriale des principautes belges II, Seite 289) bezeichnet zum Beispiel
Bruno von Braunschweig und
Wichmann
III. als die Söhne Ekbert des Einäugigen und spricht
von ihnen, wie auch von ihren Nachkommen nur als den BRUNONEN, was
er offensichtlich von Eckhardt (Orig. Guelf. IV, 418 und 881) übernahm.
Auch Weltereck (H. Vjz. Band 33 1931 Seite 177) greift wieder auf die BRUNONEN-These
zurück, indem sie Ekbert den Einäugigen als den Gründer
Goslars bezeichnet und in seinem vermeintlichen Sohn Bruno den Gründer
Braunschweigs und den Stammvater der BRUNONEN sehen will, eine freilich
noch wieder etwas andere Aufstellung als die Eckhardts, der Ekbert den
Einäugigen für den Sohn eines Bruno und somit für
einen Halbbruder Wichmanns
des Jüngeren hielt (Siehe oben Seite 44, Anmerkung 3.)]. Böttger
suchte demgegenüber vor allem die Meinung zu widerlegen, daß
Ekbert der Einäugige, wie auch sein vermeintlicher Sohn Bruno
von Braunschweig, der mit Gisela,
der späteren Gemahlin KONRADS
II. verheiratet war, Schirmvögte von Corvey gewesen
seien [5 Böttger, Die Brunonen Seite 158ff., 220ff.,307ff.].
Denn gerade diese angebliche Schirmherrschaft, auf der man die übrigen
Konstruktionen gründete, wurde von ihm als Fälschung Falkes [6
Falke, Trad. Corb. Seite 660ff. Die Willkür, mit der Falke arbeitete,
geht schon daraus hervor, daß er zum Zwecke seiner möglichst
lückenlosen Aufstellungen die örtlichen und familären Zusammenhänge
von sich aus herstellte. So unternahm er es zum Beispiel, die im Derlingau
gelegene Stadt Areburg mit der Alaburg Ekberts des Einäugigen
und diesen wiederum mit Corvey zusammenzubringen (Trad. Corb. Seite 161f.).
Indem er das Ganze als Corveyer Tradition ausgab, fuhr er fort, aus den
so zusammengestellten Verhältnissen Folgerungen auf ein reiches Erbe
Ekberts im Derlingau zu ziehen, woraufhin später auch Wedekind,
Not. II, Seite 76ff. und Lüntzel, Geschichte der Diözese und
Stadt Hildesheim I, Seite 107, von einem sogenannten zweiten brunonischen
Stamm, der sich von Wichmann
dem Älteren herleitet, sprechen zu können glaubten. Dabei
mußte Falke jedoch zugeben, daß kein Zeugnis vorliegt, welches
Ekbert als den Vater Brunos nennt, aber dies ergäbe
sich, wie er meinte, ja aus seiner Corveyer Advokatur, einer seiner Konstruktionen.
Wie er sich diese Advokatur Ekberts dachte, wenn er schreibt: "Mortou
Ecberto monoculo, qui aduccatus erat ... 984" (Seite 161) bleibt
unklar. Hirsch und Waitz haben in den Jahrbüchern des deutschen Reiches
(1839) III, 1 eine kritische Prüfung des Chron. Corb. vorgelegt, in
der sie im ersten Kapitel besonders auf diejenigen Stellen eingingen, die
Wedekind von Falke übernommen hatte, der, wie auch Lüden und
Leutsch die Corveyer Chronik den Widukindschen Berichten vorziehen zu müssen
glaubte, als die vermeintliche ältere Überlieferung. Für
den Nachweis des BRUNONEN-Geschlechtes und seinem Zusammenhang mit
Ekbert dem Einäugigen brachte Falke folgende, für die
spätere Zeit verhängnisvolle Zusammenstellung von "aduocati Corbeienses":
"Liudolfus comes anno 980, Hogerun 936, Otto illustris 889 et Liudolfus
dux 840. Mortuo Ekberto monocule, qui aduocatur erat, 984 aduocati erant
Bruno, comes et Dominus Brunznici, anno 1008, Hiddi 1028,
et Bruno 1043 atque 1049. Omneshiseque fuarunt Ecberti unoculi progenitorem
et posteri". Dies nachdem er behauptet hatte, daß Ekbert der
Einäugige aus einer 2. Ehe Frederunas mit Bruno
hervorgegangen sei, wobei sich die verschiedenen Kombinationen geschickt
miteinander verbinden ließen.] nachgewiesen. Ob man nun aber von
hier aus gleich so wie Böttger folgern darf, daß Ekbert der
Einäugige auf keinen Fall der Vater Brunos von Braunschweig
gewesen sei, scheint mir hingegen eine etwas gewagte Behauptung zu sein
und ebensowenig nachweisbar wie die entgegengesetzte. Die wirklichen Anfänge
des BRUNONEN-Geschlechts bleiben für uns nach wie vor unbestimmbar,
ebenso wie die wahren Zusammenhänge der Ekbertschen Nachkommenschaft.