Gerd Althoff
"Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung"

Das Totengedenken der Billunger
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1. Voraussetzungen und Fragestellungen

a) Die Billunger in der Forschungsdiskussion
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Über 5 Generationen vererbte im 10. und 11. Jahrhundert das Adelsgeschlecht, das allgemein BILLUNGER genannt wird, die sächsische Herzogswürde innerhalb der Familie, ehe es 1106 im Mannesstamm ausstarb. Kein anderes Herzogsgeschlecht dieser Zeit erreichte eine solche Kontinuität im Amt, und es ist daher nicht verwunderlich, dass sich die Forschung schon sehr früh mit dem Phänomen der billungischen Herrschaft in Sachsen beschäftigte. Die Berliner Dissertation Ernst Steindorffs 'De ducatu, qui Billingorum dicitur, in Saxoniae origine et progressu' erbrachte im Jahre 1863 bereits wesentliche Erkenntnisse über die Entstehung und Entwicklung der billungischen potestas und das Wesen ihres Dukats. Dieser Problemkreis wurde in der Folgezeit vor allem durch die Arbeiten von Gerd Tellenbach, Albert K. Hömberg und Karl Jordan weiter erforscht und, trotz einiger Differenzen in Detailfragen, weitgehend einer Klärung zugeführt. Zusammenfassend hat Karl Jordan die Wandlung der billungischen Herrschaftsstellung von der Vertretung des Königs gegenüber dem Stamm bis zur Repräsentation des Stammes gegenüber dem Königtum dargestellt und dabei auf die wachsende Diskrepanz zwischen den Zielen des sächsischen Adels und denen des Königtums hingewiesen.
Zu diesen Arbeiten traten in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg eine Reihe von Dissertationen, die das Geschlecht der BILLUNGER unter anderen Aspekten behandelten. Hans-Joachim Freytag beschäftigte sich mit den Problemen des billungischen Besitzes, mit den Ämtern, Gütern und Lehen der BILLUNGER, die diese neben der Herzogswürde besaßen. Ruth Bork untersuchte das Herzogsgeschlecht vor allem unter personengeschichtlichen Fragestellungen und stellte die Quellenbelege zu sämtlichen bekannten Mitgliedern der billungischen Sippe zusammen. Die Arbeit von Ingrid Pellens dagegen hat ihren Schwerpunkt in der Untersuchung der billungischen Slawenpolitik. Neben diesen sich speziell auf die BILLUNGER konzentrierenden Arbeiten sind in jüngster Zeit eine Reihe von Untersuchungen erschienen, die neue Erkenntnisse auch zur Geschichte der BILLUNGER erwarten ließen, da sie die Geschichte Sachsen während der Zeit des ottonischen und salischen Königtums behandeln. Man muß jedoch feststellen, dass die BILLUNGER in dieser Diskussion - wenn überhaupt - nur am Rande erwähnt werden. Die BILLUNGER-Forschung scheint über den Stand der 50er und frühen 60-er Jahre nicht hinausgekommen, in bestimmter Hinsicht sogar hinter ihn zurückgefallen zu sein, da die Ergebnisse der nur maschinenschriftlichen Dissertation von Ruth Bork nicht genügend zur Kenntnis genommen wurden.
Besonders intensiv und aspektreich wird bis in die letzten Jahre das Verhältnis des sächsischen Stammes zum ottonischen und salischen Königtum diskutiert. Während man seit langem das sich bis zum Ausbruch der Sachsenkriege gegen HEINRICH IV. geradezu kontinuierlich verschlechternde Verhältnis des sächsischen Adels zu den SALIERN erkannt hatte, und sich auch die oppositionelle Haltung bestimmter sächsischer Adelsgruppen gegen HEINRICH II., und namentlich gegen dessen Ostpolitik, durchaus im Blickfeld der Forschung befand, ist man erst neuerdings darauf aufmerksam geworden, in welch großer Anzahl Belege über Opposition, Obstruktion und Rebellion auch für das 10. Jahrhundert vorliegen. Bekannt waren zwar die Aufstände von Mitgliedern des ottonischen Königshauses, so die Herzog Heinrichs I. von Bayern, Liudolfs von Schwaben und Herzog Heinrichs des Zänkers, die alle unter sächsischer Beteiligung vonstatten gingen, ja geradezu in Sachsen ihr Zentrum hatten, dagegen war weniger präsent, dass man in Sachsen etwa im Jahre 972 eine Rebellion gegen OTTO DEN GROSSEN und Gleiches im Jahre 1001 gegen seinen Enkel OTTO III. plante. Trotz der einleuchtenden Hypothese, dass die geplanten Aktionen als sächsische Opposition gegen das ottonische Engagement in Italien zu interpretieren seien, ist kaum zu übersehen, dass Ursachen, Hintergründe und vor allem die hinter diesen Plänen stehenden Personengruppen weitgehend unbekannt sind.
Dem entspricht eine durchaus unterschiedliche Bewertung der billungischen Beteiligung an derartigen gegen das Königtum gerichteten Aktivitäten. Einerseits gehören Wichmann der Ältere sowie seine mutmaßlichen Söhne Wichmann der Jüngere und Egbert der Einäugige, vor allem dank der breiten und anteilnehmenden Berichte Widukinds von Corvey sozusagen zu den klassischen Rebellen der OTTONEN-Zeit. Ähnliches gilt im 11. Jahrhundert für den BILLUNGER Thietmar, der vor allem durch seine Opposition gegen HEINRICH II. und durch den auf HEINRICH III. geplanten Mordanschlag bekannt wurde. Von den im gleichen Zeitraum amtierenden billungischen Herzögen Hermann (936-973), Bernhard I. (973-1011) und Bernhard II. (1011-1059) gelten jedoch vor allem die beiden ersten als unumstritten königstreu, und dies trotz eindeutig gegenteiliger Quellenaussagen.
So wurde die Nachricht Thietmars von Merseburg, dass Hermann Billung im Jahre 972 von Erzbischof Adalbert von Magdeburg in Magdeburg  königsgleich empfangen, in der Forschung bagatellisiert, obwohl die Zeitgenossen auf diesen Empfang durchaus anders reagiert hatten: Heinrich von Stade und mit ihm eine große Schar milites nahmen den Vorgang so ernst, dass Heinrich zur Benachrichtigung OTTOS DES GROSSEN nach Italien aufbrach und der Kaiser daraufhin den Erzbischof bestrafte. Auch wird in der Forschung kaum zureichend gewürdigt, dass Bernhard I. im Jahre 1002 die Thronkandidatur Ekkehards von Meißen, seines Verwandten, unterstützte; überdies berichtet Adalbold von Utrecht in der Vita Heinrichs II., Bernhard sei einer der potentiellen Kandidaten für das Königsamt gewesen und nur seine Klugheit habe ihn dazu bewogen, auf eine Kandidatur zu verzichten. Und schließlich blieb der Aufstand, zu dem Herzog Bernhard II. im Jahre 1020 "ganz Sachsen" bewog, nach dem Urteil der Forschung Episode. Dies wohl in erster Linie deshalb, weil eine zureichende Klärung der politischen Ziele des BILLUNGERS nicht gelang. Angesichts dieser Beobachtungen kann es kaum als zufällig angesehen werden, dass zwar Hermann Billung von OTTO DEM GROSSEN mehrfach mit der procuratio Saxoniae beauftragt wurde, dass Hermanns Nachfolger einen ähnlichen Auftrag jedoch nicht mehr erhielten. OTTO III. vertraute diese Aufgabe seiner Tante Mathilde, der Äbtissin von Quedlinburg an; HEINRICH II. übertrug sie dem Erzbischof Walthard von Magdeburg und später seiner Gemahlin Kunigunde.
Wie die Forschungsdiskussion um das Verhältnis von König und Stamm in Sachsen zeigt auch die über die ottonische Ostpolitik, dass die Beurteilung der BILLUNGER in der Forschung durchaus noch Anlaß zu Fragen gibt. Angesichts ihrer herzoglichen Stellung und ihrer militärischen Kommandogewalt bei den kriegerischen Aktionen gegen die ostelbischen Slawen ist es überraschend, dass die BILLUNGER in der Diskussion um die Ostpolitik so gut wie keine Rolle spielen. Ein Anteil des Herzogsgeschlechts an der Gründung und am Ausbau des Erzbistums Magdeburg und seiner Suffraganbistümer in der Zeit OTTOS DES GROSSEN ist in der Literatur ebensowenig erkennbar, wie der an der Ostpolitik OTTOS III., die in dessen Zug nach Gnesen im Jahre 1000 einen demonstrativen Höhepunkt hatte. Die bisher herangezogenen Quellen erwähnen offensichtlich den Anteil der BILLUNGER an den sie unmittelbar berührenden politischen Vorgängen nicht. So ist es daher nicht nur für die Beurteilung des schon zitierten Empfangs von Hermann Billung in Magdeburg wichtig, wenn neuerdings nachgewiesen werden konnte, dass mit Erzbischof Adalbert ein Verwandter der BILLUNGER als erster den Magdeburger Erzstuhl bestieg.
Auch in den Polenkriegen HEINRICHS II., die nicht zuletzt durch den radikalen Bruch HEINRICHS mit der ostpolitischen Konzeption seines Vorgängers ausgelöst wurden, ist die Rolle der BILLUNGER nicht bestimmt. Die Quellen scheinen sie nicht zu berücksichtigen, obwohl die Teilnahme an den militärischen Aktionen eine selbstverständliche Aufgabe des Herzogs gewesen sein muß. BILLUNGER werden jedoch auch nicht genannt, wenn es darum geht, die sächsischen Adelskreise namhaft zu machen, die gegen die neue Ostpolitik HEINRICHS II. Obstruktion betrieben.
Eher im Blickfeld der Forschung lagen dagegen die Beziehungen der BILLUNGER zur Reichskirche. Einerseits ist bekannt, dass zwei Verwandte der BILLUNGER, Amelung und Brun, den Verdener Bischofssitz innehatten. Das Bistum in der Nähe des billungischenHerrschaftszentrums in Lüneburg lag also zumindest zeitweise im Einflußbereich der BILLUNGER. Sie übten auch die Vogteigewalt über das Bistum aus. Andererseits sind mit mehreren Bistümern heftige Auseinandersetzungen überliefert. Bei Adam von Bremen erscheinen die BILLUNGER geradezu als die schlimmsten Bedrücker der Bremer Kirche. Auch aus dem Bistum Paderborn werden für die Regierungszeit Bischof Meinwerks angeblich illegale Aktionen der BILLUNGER gegen kirchliche Einrichtungen des Bistums gemeldet. Nach dem Urteil der Forschung sind diese Auseinandersetzungen bedingt durch die Hinwendung der BILLUNGER zu ihren partikularen Interessen, die sie in Konflikt mit der Reichskirche brachten. Die Vertreter der Reichskirche aber, so die herrschende Meinung, wurden gestützt von den Herrschern, namentlich von HEINRICH II., die auf diese Weise ein Gegengewicht gegen die laikalen Gewalten aufbauten.

b) Probleme und neue Fragen
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Bei der Durchsicht der Forschung, die ausschließlich auf seit langem bekannten und immer wieder herangezogenen Quellenstellen basiert, zeigt sich ein zentrales Problem: Die Erwähnungen der BILLUNGER in den Quellen sind sehr verstreut und vereinzelt. Nirgendwo fand die billungische Familie das zentrale Interesse der Autoren erzählender Quellen. Zudem vertreten diese alle, wenn auch in unterschiedlicher Hinsicht, einen parteilichen Standpunkt. Derartige Beobachtungen gelten nicht nur für die BILLUNGER. Auch andere mittelalterliche Adelsgeschlechter lassen sich mit Hilfe der urkundlichen und erzählenden Quellen allein kaum differenziert erforschen. Während die 'objektiven Substrate' der Herrschaftsbildung, Ämter, Besitzzentren, Burgen und Familienklöster in vielen Fällen bekannt sind, bleibt die 'personale Struktur' der Herrschaftsbildung weitgehend im Dunkeln. In keinem Fall ist es bisher gelungen, einen adeligen Herrschaftsverband hinsichtlich des zugehörigen Personenkreises exakt zu beschreiben. Genauso gering ist auch die Kenntnis seiner Organisationsformen und Befehlsstrukturen. Gerade diese Kenntnisse könnten jedoch das Verständnis für die Grundlagen des 'Aufstiegs' adeliger Familien entscheidend fordern. Den Fragen scheint jedoch das Schweigen der Quellen entgegenzustehen.
Eine neue Beschäftigung verspricht daher nur Erfolg, wenn es gelingt, die bestehende Quellenbasis zu verbreitern. Da kaum damit zu rechnen ist, dass noch neue Quellen zur Geschichte der BILLUNGER entdeckt werden, gilt es, bereits bekannte, aber noch nicht genutzte Überlieferungen in die Überlegungen einzubeziehen. Hierzu bieten sich die Memorialzeugnisse an, die im Einflußbereich der billungischen Familie entstanden sind.
Es wurde schon eingangs darauf hingewiesen, welch bedeutende Rolle den Familienklöstern als Integrationsfaktoren in der mittelalterlichen Adelsgesellschaft zukam. Für die billungische Sippe ist hier in erster Linie das Michaelskloster in Lüneburg zu nennen, das in besonderer Weise geeignet war, diese Funktion zu erfüllen, bildete es doch zusammen mit der Burg das unmittelbare Herrschaftszentrum der BILLUNGER. Als Familiengrablege war es zudem prädestiniert, zum Zentrum der Pflege des Gedenkens an die Verstorbenen zu werden. Wie stark die billungische Tradition im Kloster St. Michael verankert war, zeigt sich noch in dem im 13. Jahrhundert entstandenen Chronicon St. Michaelis, das das Andenken der Gründerfamilie in der Art seiner Stifterchronik festhielt, obgleich diese Familie bereits vor mehr als einem Jahrhundert im Mannesstamm ausgestorben war. Ein Necrolog aus diesem Kloster ist zwar bisher schon als Fundgrube für die Todestage von Angehörigen der billungischen Familie benutzt worden, als Quelle zur Erforschung der Einflußsphäre und des Beziehungsfeldes der BILLUNGER wurde es jedoch noch nicht herangezogen.
Dabei bietet das Necrolog, das die Todesnachrichten von rund 1.500 Personen enthält, die bis zum 1. Viertel des 13. Jahrhunderts verstarben, einen ausgezeichneten Einblick in das soziale Beziehungsfeld der BILLUNGER, wenn die Annahme richtig ist, dass seitens der Herzogsfamilie fortdauernd dafür Sorge getragen wurde, dass der Lüneburger Konvent in der Liturgie ihre Gebetsverpflichtungen erfüllte. In diesem Fall ermöglicht das Necrolog von St. Michael den Blick auf die in der Einleitung angesprochenen debitores der billungischen Sippe. Es zeigt mit anderen Worten den Personenkreis, der entweder dem Personenverband, den wir BILLUNGER nennen, angehörte oder der ihn aus bestimmten Gründen unterstützte. Eben die gleichen Personen sind es aber gewesen, die die politische Wirksamkeit der BILLUNGER garantieren: sie bildeten die personale Basis der billungischen Herrschaft.
Auch die Beurteilung eines anderen, aber mit dem skizzierten in Zusammenhang stehenden Fragekomplexes läßt der durch das Necrolog zur Verfügung gestellte Personenkreis zu: die inhaltliche Füllung des Begriffes 'BILLUNGER' und die Untersuchung der historischen Veränderungen, der die so bezeichnete Personengruppe unterworfen war. Gerade in den zu behandelnden Zeitraum des 10. und 11. Jahrhunderts fällt ja der Prozeß der Umstrukturierung der frühmittelalterlichen Adelssippen, charakterisiert durch die offene Struktur der Verwandtengruppe, zu den hochmittelalterlichen Adelsgeschlechtern mit ihrer engen Bezogenheit auf die Agnaten. Es ist zu fragen, ob sich nicht im Personenkreis der Memorialüberlieferung dieser Prozeß spiegelt und ob nicht Zusammenhalt, Organisationsformen und Selbstverständnis der Personengruppen, die wir unterschiedlos die BILLUNGER nennen, durchaus unterschiedlich waren. Es geht mit anderen Worten auch um die Frage, was eigentlich unter der mit dem Namen 'BILLUNGER' bezeichneten Verwandtengruppe zu verstehen ist.
In der Forschung spricht man wie selbstverständlich von den verschiedenen 'Zweigen' der BILLUNGER, vom Hermann- und vom Wichmann-Zweig, und betont, dass sie sich einander feindlich gegenübergestanden hätten. Man zitiert dazu vor allem die Berichte Widukinds von Corvey über die Auseinandersetzungen Hermann Billungs mit den Nachkommen seines Bruders Wichmann, oder ruft die Beteiligung Egberts des Einäugigen an den Aufständen Heinrichs des Zänkers in Erinnerung und bemerkt dazu, dass ein Verwandter, Herzog Bernhard I., zur gleichen Zeit einer der Hauptvertreter der königlichen Partei gewesen sei. Gleichzeitig ist jedoch zu konstatieren, dass Egbert und Bernhard gemeinsam aktiv wurden, wenn es sich um Belange der Sippe handelte, oder dass Bernhard II. nach der Ermordung Wichmanns III. im Jahre 1016 die Vormundschaft über dessen Nachkommen übernahm. Dies deutet darauf hin, dass das Zusammengehörigkeitsbewußtsein der Sippe durchaus nicht zerstört war.
Während durch die Beispiele auf der einen Seite deutlich wird, dass man unter den BILLUNGERN die agnatischen Nachfahren Wichmanns des Älteren und Hermann Billungs versteht - wobei nur die letzteren über einen längeren Zeitraum bekannt sind und das Herzogsgeschlecht bildeten, die ersteren dagegen schon mit Wichmann III. aus der Geschichte verschwanden -, besteht andererseits offensichtlich wenig Kenntnis über die Veränderung der inneren Struktur dieser Verwandtengruppe. Es gab in ihr zweifellos heftigste Spannungen, jedoch ist mehr als zweifelhaft, ob die Vorstellung von zwei sich feindlich gegenüberstehenden Zweigen eines agnatischen Verbandes der Wirklichkeit angemessen ist. Und unzweifelhaft ist auch, dass die agnatischen Verwandten allein nicht ausreichen, um den Personenverband der 'BILLUNGER' in seiner politischen Wirksamkeit zu erkennen. Es ist vielmehr zu fragen, in welche größeren verwandtschaftlichen Zusammenhänge er eingebettet war, und inwieweit die Stellung und Macht der 'BILLUNGER' durch ihre weiteren Verbindungen beeinflußt wurde.
Die 'BILLUNGER' traten offensichtlich erst zu einem Zeitpunkt in die Geschichte ein, als die Akkumulation ihrer Machtpositionen bereits ein erhebliches Ausmaß angenommen hatte. Von den drei Brüdern Hermann, Wichmann und Amelung, den ersten bekannten 'BILLUNGERN', wurde Hermann im Jahre 936 von OTTO DEM GROSSEN als princeps militae eingesetzt. Wichmann soll eine Schwester der Königin Mathilde geheiratet haben. Damit knüpften die BILLUNGER nach der Meinung der Forschung verwandtschaftliche Beziehungen zum Königtum und zu den 'Nachfahren Widukinds', dem höchsten sächsischen Adel also. Die Reaktion Wichmanns auf die Ernennung seines Bruders Hermann zum princeps militiae - Wichmann zog sich verärgert aus dem Heere OTTOS DES GROSSEN zurück und schloß sich einige Zeit später dem Aufstand Eberhards von Frankem an -, zeigt, dass die BILLUNGER bereits 936 Ansprüche auf hohe Führungsstellen zu haben glaubten. Überdies wurde der 3. Bruder, Amelung, im Jahre 933 zum Bischof von Verden erhoben. Damit erhielten die BILLUNGER den Bischofssitz in der unmittelbaren Nähe ihres Herrschaftszentrums besetzt, und dies nicht nur einmal: auch der Nachfolger Amelungs, Bischof Brun, war nachweislich ein Verwandter der BILLUNGER. Die Konzentration billungischer Macht im Raum Verden/Lüneburg war also schon zu Beginn der Regierungszeit OTTOS DES GROSSEN weit fortgeschritten. Dennoch ist es in der Forschung trotz vielfacher Bemühungen nicht gelungen, den Vater der drei Brüder namhaft zu machen. Erst im 13. Jahrhundert wird im Chronicon St. Michaelis der Name genannt: Er soll Billing geheißen haben . Die Nachricht ist auf Skepsis gestoßen, da der Name später in der Familie der BILLUNGER nicht mehr belegt ist und außerdem dieser Billing in zeitgenössischen Quellen nicht nachgewiesen werden kann. Wir stehen also vor der merkwürdigen Tatsache, dass trotz der hervorragenden Stellung der drei Brüder von ihren Vorfahren in der Überlieferung keine Notiz genommen wurde. Zumindest lassen sie sich als solche dort bisher nicht erkennen.
In den ersten Jahrzehnten des 10. Jahrhunderts ist also bisher der 'Beginn' der billungischen Geschichte angesetzt worden. Diese Zeit markiert den 'Anfang' des Geschlechts nicht im biologischen sondern im historischen Sinne. Mit Hilfe der Memorialüberlieferung wird daher zu prüfen sein, welche Personen aus dieser und gegebenenfalls aus früherer Zeit im Gedenken der billungischen Familie bewahrt wurden. Da der Beginn des Formierungsprozesses einer Adelsfamilie durchaus auch die Sorge um das Gedenken der Verstorbenen mit sich brachte, bietet also die Memorialüberlieferung die Möglichkeit, die Frage nach den Anfängen der BILLUNGER neu zu stellen. Es geht dabei weniger um die Suche nach dem Vater der drei genannten Brüder Wichmann, Hermann und Amelung als um die Frage, ob sich im Gedenken der bisher unbekannte Kreis der BILLUNGER-Verwandten feststellen läßt und welchem Maße die ältesten Personen in diesem Gedenken Aussagen über die Frühgeschichte der BILLUNGER zulassen.
Scheint schon die Erhellung der Frühgeschichte der BILLUNGER die Fixierung auf die Agnaten eher erkenntnishemmend zu sein, so kann auch die Untersuchung der billungischenGeschichte des späteren 10. und 11. Jahrhunderts nur profitieren, wenn das Interesse außer auf die Agnaten auch auf das sonstige soziale Umfeld des Herzogsgeschlechts gerichtet wird. So ist beispielsweise bekannt, dass die BILLUNGER sich durch Heiraten mit den Stader Grafen, den EKKEHARDINERN, sowie der Sippe des Markgrafen Gero verbanden, um nur die wichtigsten sächsischen Adelssippen zu nennen. Ebenso knüpften sie durch ihre Versippung mit den Markgrafen von Schweinfurt und den Grafen von Flandern Verbindungen, die über Sachsen hinausweisen und das Verständnis von der Vornehmheit des billungischen Geblüts deutlich werden lassen. In späterer Zeit heirateten die BILLUNGER-Herzöge sogar mehrfach ausländische Königstöchter, was das Selbstverständnis des Herzogsgeschlechts weiter charakterisiert. All diese Verbindungen gilt es in ihrer politischen Dimension zu erkennen, will man das Phänomen der billungischenHerrschaft besser verstehen. Der Niederschlag dieser Verbindungen in der Memorialüberlieferung verspricht hierzu weiteres Anschauungsmaterial.
Nun sind diese Eheschließungen als Fakten seit langem bekannt. Was jedoch fehlt, ist eine Untersuchung ihrer historischen Konsequenzen. Hierzu nur einige Beispiele: Es ist etwa aus den 70-er Jahren des 10. Jahrhunderts die Rivalität zwischen Heinrich von Stade und Hermann Billung überliefert. Zu einer unbekannten Zeit, jedoch wohl nicht allzu viel später, heiratet Bernhard, der Nachfolger Hermanns im Herzogtum, Hildegard, die Tochter Heinrichs von Stade. An diesem Beispiel wird also der 'friedens- und bündnisstiftende' Charakter der Eheschließung im Mittelalter besonders evident. Er zeigt sich in ähnlicher Weise auch darin, dass der Herzog Bernhard I. im Jahre 1002 den Markgrafen Ekkehard von Meißen bei seiner Thronkandidatur unterstützte - Ekkehard war mit Bernhards Schwester Swanhild verheiratet.
Diese kurzen Hinweise mögen genügen, um anzudeuten, dass die politische Wirksamkeit der BILLUNGER nicht allein von den Agnaten aus beurteilt werden kann. Diese standen vielmehr in einem verzweigten Beziehungsgefüge, in dem die Verwandten einen nicht unbedeutenden Platz einnahmen. Die bisherige Forschung konnte den durch die Heiraten gegebenen Spuren deshalb nicht nachgehen, weil in der benutzten Überlieferung nur wenige Hinweise auf die konkreten Auswirkungen der politischen Eheschließungen zu finden waren. Die Gedenkquellen bieten aber die Möglichkeit zu überprüfen, wie eng und wie dauerhaft die eingegangenen Verbindungen mit anderen Adelsfamilien waren. Die Zahl der Verwandten, für deren memoria man sorgte, läßt exakte Rückschlüsse auf den Bestand der geschlossenen Verbindungen zu. Aus der Summe der Beobachtungen ergibt sich ein Bild von den Personenkreisen, auf deren Unterstützung die BILLUNGER rechnen konnten.
Die Möglichkeit differenzierter Beurteilung der billungischen Kontakt- und Einflußsphäre bieten die Memorialzeugnisse jedoch nicht nur im Falle der Verwandten. Gerade für die Einschätzung der billungischen Politik im 11. Jahrhundert ist es höchst wichtig zu prüfen, ob die bisherige Einschätzung des billungischen Verhältnisses zu Königtum und Reichskirche durch die Befunde der Necrologuntersuchung bestätigt wird. Auf diesem Feld hat die Forschung die Frontstellung der BILLUNGER gegen das Königtum und die mit diesem verbundene Reichskirche pointiert herausgearbeitet. Im Hinblick auf die BILLUNGER fragt es sich, ob die schon erwähnten Auseinandersetzungen mit der Hamburg/Bremener und Paderborner Kirche, die dieses Bild entscheidend prägten, tatsächlich charakteristisch für das Verhalten der BILLUNGER zum Reichsepiskopat sind. Immerhin ist darauf zu verweisen, dass eine ganze Reihe von Reichsbischöfen der OTTONEN- und SALIER-Zeit nachweislich dem Verwandtenkreis der BILLUNGER zuzurechnen sind. Es ist zu vermuten, dass bei weiteren diese verwandtschaftliche Verbindung nicht überliefert ist. Dies muß nachdenklich stimmen, denn es konnte am Beispiel Thietmars von Merseburg erst in letzter Zeit eindrucksvoll gezeigt werden, wie bestimmend die adelige Herkunft für das Denken und Handeln eines sächsischen Bischofs in dieser Zeit gewesen ist. Ottonische und salische Reichsbischöfe waren sich der Verpflichtungen, die ihnen ihre adelige Herkunft auferlegte, zweifelsohne auch nach ihrer Erhebung bewußt. Angesichts diser Beobachtungen deutet vieles darauf hin, dass eine globale Beurteilung des Kräftedreiecks Königtum, Adel und Reichskirche der Vielschichtigkeit des Verhältnisses nicht gerecht wird. Die Analyse des Lüneburger Necrologs verspricht reiches Anschauungsmaterial zu einer neuen Beurteilung, enthält es doch die Einträge von nicht weniger als 96 Erzbischöfen und Bischöfen.
Die im folgenden vorgelegte Untersuchung besteht also im wesentlichen darin, die Personeneinträge in billungischbeeinflußte Memorialüberlieferung als das soziale Bezugsfeld der BILLUNGER zu erweisen und auf dieser personengeschichtlichen Basis einerseits die Ergebnisse der bisherigen BILLUNGER-Forschung zu überprüfen, andererseits aber zu klären, inwieweit sich aus dem neuen Material Erkenntnisse über bisher ungeklärte Zeiträume oder Bereiche der billungischen Geschichte gewinnen lassen. Hierzu gehört auch eine genauere Einschätzung der Eigenart des mittelalterlichen Personenverbandes, den wir BILLUNGER nennen, ohne bisher zu berücksichtigen, dass mit dieser Bezeichnung gravierende Veränderungen innerhalb der bezeichneten Personengruppe unberücksichtigt bleiben. Die Tragfähigkeit des Frageansatzes hängt entscheidend davon ab, inwieweit die herangezogenen Zeugnisse als 'billungische'Memorialüberlieferung gesichert werden können. Diese Basis der Untersuchung steht daher im Zentrum der folgenden Überlegungen.

2. Das Michaels-Kloster in Lüneburg und die dortige Memorialüberlieferung

a) Die Klostergründung und das Verhältnis zu den Billungern
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Das Michaelskloster wurde als adeliges Eigenkloster am Herrschaftsmittelpunkt einer Adelsfamilie gegründet. Gründungszeitpunkt und Gründer stehen nicht zweifelsfrei fest, denn offensichtlich hatten sich schon früh unterschiedliche Traditionen vom Gründungsvorgang gebildet. Die Unsicherheit resultiert vermutlich daraus, dass die Gründung kein einmaliger Akt war, sondern einen gestreckten Verlauf nahm. Als dessen Elemente sind der Bau einer Kirche und der benötigten Konventsgebäude, die Besiedlung mit Mönchen und die Bestellung eines Abtes anzusehen.
Die älteste sichere Nachricht von der Existenz eines Klosters bietet eine Urkunde OTTOS DES GROSSEN vom 13. August 956, mit der dem Michaelskloster auf Intervention Hermann Billungs der Salzzoll in Lüneburg überlassen wurde. Das hatte zur Folge, dass in der Forschung, wie schon in mittelalterlichen Quellen, Hermann Billung als Klostergründer angesehen wurde. Spätere Verdener Lokalüberlieferung weiß außerdem von einer Beteiligung des Bischofs Amelung von Verden, der bekanntlich Hermanns Bruder war, zu berichten. Als Gründungszeitraum wurde also die Zeit um 956 angenommen. Doch dem steht zweierlei entgegen: Einmal ist in anderen Quellen Hermanns Sohn Bernhard als Klostergründer genannt. Dies vielleicht deshalb, weil er es war, der dem Kloster den 1. Abt gab. Darüber hinaus zeigen mehrere späte Lokalnachrichten, wie komplex der Vorgang einer solchen Klostergründung gewesen sein muß. Die Nachrichten schreiben nämlich bereits dem Bischof Wigbert von Verden zum Jahre 906 die Errichtung einer Kapelle oder eines Klosters in Lüneburg zu und sprechen in diesem Zusammenhang sogar von einer Beteiligung Herzog Ottos des Erlauchten. Wir werden auf diese Nachrichten im Zusammenhang noch eingehender zu sprechen kommen. Es scheint auf Grund der widersprüchlichen Nachrichten so, als habe Hermann Billung bereits bestehende kirchliche Einrichtungen benutzt, als er Mönche in St. Michael ansiedelte, während Bernhard I. es gewesen sein könnte, der die Gründung durch die Bestellung des ersten Abtes vollendete. Angesichts der Befunde der Memorialüberlieferung ist jedoch nicht zu raten, die Vorstellung über die ersten 'Äbte' des Michaelsklosters allzu sehr nach der Benediktsregel auszurichten, denn sowohl der 2. Lüneburger Abt Brun (A 64) als auch der 3., Gerdag (A 43), begegnen in den anderen Gedenkzeugnissen nicht als abbas, sondern unter anderen Bezeichnungen: der eine als conversus, der andere als monachus. Damit ist wohl genügend über die zeitgenössischen Einschätzung der ersten Leiter der Lüneburger Mönchsgemeinschaft gesagt, die wohl nur über sehr wenige Mönche geboten.
Für die Beurteilung des Verhältnisses der BILLUNGER zu ihrer Klostergründung ist neben der Ansiedlung der Mönche am Herrschaftsmittelpunkt der Familie vor allem wichtig, dass die Neugründung zur Grablege der Familie Hermann Billungs wurde. Ferner scheint sicher, dass die BILLUNGER die Vogteigewalt über das Kloster innehatten, obwohl es dafür keinen konkreten Beleg gibt. Insgesamt entzieht sich die Frühgeschichte der geistlichen Gemeinschaft von St. Michael weitgehend der Erforschung. Keiner der Äbte wird durch die Quellen profiliert und insgesamt blieben nur wenige Zeugnisse erhalten.
Trotzdem zeigt eine der wenigen erhaltenen Urkunden recht plastisch, welche Aufgaben die BILLUNGER dem Konvent von St. Michael vor allem zugedacht hatten. Auf Grund ihrer exemplarischen Bedeutung sei die Urkunde im Wortlaut wiedergegeben: Notum sit omnibus in Lüneburg civitate Deo sanctoque Michaeli fammulantibus, qualiter egregius ac venerabilis dux Bernardus, ejusque dilecta domina Hildegart, pro se siuisque filiis et suorum amicorum salute quoddam predium inibi tradiderunt Mulbizi vocatum in ea denique verba:  ut ex hoc predio in anniversariis Herimanni, filii sui, matrisque ejus Hildegarde, et senioris Dedi et Thiammen et Theswide, ejus matertere filie, C et XX agapes fecient pauperibus, ita vero ut unicuique detur dimidius panis cum pleno beccario et uns carne, si carnem liceat tunc edere et si non liceat, dentur pisces vel llegumina; fratribus vero in ipsis diebus tale detur obsonium cum piscibus et pane atque medone, ut in festis diebus.
120 Arme hatte also der Konvent von St. Michael an den Todestagen der genannten Angehörigen und Verwandten der billungischen Familie zu verköstigen. Die Mönche erhielten außerdem Speise und Met wie an den Festtagen. Zu diesen Bestimmungen paßt, dass noch im 13. Jahrhundert bei der Neuanlage des Lüneburger Necrologs viele Angehörige der billungischenFamilie eine Kennzeichnung erhielten, die besagt, dass ihnen das gleiche Totengedenken zustehe wie den Äbten von St. Michael, also wohl ein sehr aufwendiges und feierliches. Mit den Aussagen der Urkunde stimmt auch zusammen, dass derselbe Herzog Bernhard I. sich im Jahre 1005 beim Gebetsbund von Dortmund verpflichten konnte, beim Tode jedes Mitglieds dieses Bundes 500 Arme speisen zu lassen - der Konvent von St. Michael besaß offensichtlich die wirtschaftlichen und organisatorischen Voraussetzungen für diese Leistungen. Die den in den Gebetsbund eingeschlossenen 15 Bischöfen, dem König und dem billungischen Herzog abverlangten Leistungen sahen im einzelnen vor: in obitu cuiusque prenominatorum singuli episcoporum infra XXX dies, nisi infirmitas impedierit, missam pro defuncto celebret, et unusquisque presbiter im monasterio similiter faciat. Presbiteri vero forenses tres missa peragant. Diaconi et ceteri inferioris ordinis psalteria X. Rex et regina infra XXX dies MD denarios pro animae redemptione erogent et totidem pauperes pascant. Episcopi singuli CCC pauperes pascant XXX denarios expendant et triginta lumina accedant. Dux autem B. D pauperes pascat et XV solidos expendet.
Es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich praktisch vorzustellen, welchen Stellenwert angesichts dieser Zeugnisse das im Auftrag der billungischen Familie geleistete Totengedenken im Leben der Brüdergemeinde von St. Michael gehabt haben muß. Nimmt man nur an, dass das Gedenken für die Mitglieder, Verwandten und engsten Vertrauten der billungischen Familie in ähnlicher Weise begangen wurde, wie es in den zitierten Nachrichten ausgewiesen ist, ergibt sich für eine erheblich hohe Anzahl von Tagen im Jahr die Verpflichtung des Konvents zur aufwendigen Armenspeisung, aber auch als angenehme Begleiterscheinung der Genuß von Sonderzuwendungen. Das Leben der Konventsmitglieder in Lüneburg wurde mit anderen Worten, wenn sie ihre zugedachten Aufgaben ernst nahmen, in entscheidender Weise durch die Memorialverpflichtung gegenüber der Stifterfamilie bestimmt. Sie beeinflußte ihre liturgischen und sozialkaritativen Aufgaben, aber auch die Regelungen hinsichtlich so elementarer Dinge wie Speise und Trank. Und wenn man berücksichtigt, dass noch im 13. Jahrhundert die BILLUNGER im Gedenken des Lüneburger Konvents den eigenen Äbten gleichgestellt wurden, wird ersichtlich, welche Tradition der Gottesdienst am Grab der Gründer hatte und wie reichhaltig die diesem Zweck vorbehaltene materielle Ausstattung des Eigenklosters gewesen sein muß.
Die zitierte Urkunde Herzog Bernhards ist für unsere Untersuchung aber auch deshalb von außerordentlicher Bedeutung, weil durch sie nachgewiesen wird, dass die BILLUNGER aktiv für das Gedenken ihrer verstorbenen Angehörigen und Freunde sorgten, indem sie dem Konvent in einem Rechtsakt deren Namen mitteilten, die karitativen Leistungen am Todestag bestimmten und nicht zuletzt die materielle Grundlage dieser Leistungen durch ihre Schenkungen sicherstellten. Die Schenkung erweist die Familie also als den Initiator und Stifter des Gedenkens, die sich des Konvents bediente, um die liturgischen und karitativen Akte am dies anniversarius vollziehen zu lassen. Es ist bezeichnend für die Überlieferungslage, dass nur ein solcher Schenkungsakt erhalten geblieben ist. Durch die Bestimmungen des Dortmunder Gebetsbundes wird er jedoch in eindeutiger Weise ergänzt, wobei zwingend naheliegt anzunehmen, dass Herzog Bernhard auch seine in Dortmund übernommenen Verpflichtungen durch den Lüneburger Konvent ableisten ließ. Beide Quellen bieten also sichere erste Anhaltspunkte für die Praxis der billungischen Totensorge. Der in den Memorialquellen des Lüneburger Michaelskloster enthaltene Personenkreis verspricht dagegen genauere Einsichten, welche Personen in eben diese Sorge eingeschlossen waren. Die rechtlichen Bestimmungen und die Konkretion in der Praxis der Memorialquellen ergänzen sich wechselseitig. Sie lassen es als aussichtsreich erscheinen, die Intensität und das Ausmaß des Gedenkens fassen zu können, das eine sächsische Adelsfamilie im 10. und 11. Jahrhundert praktizierte.

b) Die Memorialquellen
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Der überragenden Bedeutung, die die Gründerfamilie für den Konvent von St. Michael hatte, entspricht deren Berücksichtigung in der Memorialüberlieferung. Zwar ist uns originale Überlieferung aus der Zeit der Billunger nicht erhalten, doch wurde zu Beginn des 13. Jahrhunderts vom Lüneburger Konvent die relevante Memorialtradition in der Neuanlage eines Kapitelsbuches zusammengefaßt. Dabei schrieb man ein älteres Necrolog ab, dazu ein Diptychon mit den Namen der Angehörigen der billungischenFamilie und denen der Äbte von St. Michael sowie eine Liste Verdener Bischöfe. Die wichtigsten Herrschaftsträger des Lüneburger Raumes, die Eigenklosterherren und die Diözesanbischöfe, standen also für den Lüneburger Konvent neben den eigenen Äbten im Zentrum des Totengedenkens. Die reichhaltigste und umfangreichste dieser Memorialquellen stellt das Necrolog dar. Da das Kapitelsbuch mit den angesprochenen Memorialzeugnissen im zweiten Weltkrieg in Hannover verbrannt ist, sind wir in der unangenehmen Lage, uns auf zwei Editionen aus dem 18. und 19. Jahrhundert verlassen zu müssen. Während Gebhardi sich auf eine Teiledition beschränkte, die lediglich die Namen der Würdenträger bietet, legte Wedekind eine vollständige und sehr sorgfältige Edition des Necrologs als Kernstück seiner dreibändigen  'Noten zu einigen deutschen Geschichtsschreibern' vor. Die Untersuchungen in den 3 Bänden sind zu einem nicht geringen Teil als Kommentare zu den Necrologeinträgen zu verstehen.
Sorgfältig scheint die Edition einmal deshalb zu sein, weil sie das Produkt einer jahrzehntelangen Beschäftigung mit der billungischen Geschichte ist. Zum anderen zeugt die formale Gestaltung der Edition davon, dass sehr viel Akribie verwendet wurde. Wedekind hat nämlich durch einen zweifarbigen Druck die Stellen der Handschrift unterschieden, an denen der mittelalterliche Schreiber rote bzw. schwarze Tinte benutzte. Er hat überdies durch unterschiedliche Drucktypen die anlegende Hand und die Hände des 13., 14. und 15. Jahrhunderts kenntlich gemacht und außerdem Zeichen, die zu den Namen gesetzt wurden, wiedergegeben. Diese Editionsmerkmale scheinen die Verwendung der Arbeit ohne größere Vorbehalte zu gestatten, da wir bei unseren Untersuchungen durch etwaige Lesefehler nicht entscheidend beeinträchtigt werden. Dass Namen in größerem Ausmaß fehlen könnten, erscheint als ausgeschlossen, da bei den Würdenträgern der Namensbestand beider Editionen fast deckungsgleich ist und Gebhardi keinen Namen aufführt, der nicht auch bei Wedekind zu finden ist.
Trotz des Verlustes der Handschrift wissen wir durch Beschreibungen an verschiedenen Stellen recht gut über sie Bescheid. Sie enthielt neben dem Necrolog unter anderem Usuards Martyrolog, die Regel der hl. Benedikt, das schon erwähnte Diptychon der billungischenFamilie und der Äbte von St. Michael, eine Liste der Verdener Bischöfe und nicht zuletzt das Chronicon St. Michaelis. Damit gibt sie sich als Kapitelsbuch zu erkennen, das die für den Konvent von St. Michael wichtigen liturgischen Gebrauchstexte und die relevante Memorialtradition zusammenfaßte und zusätzlich historiographische Teile enthielt, deren Nähe zur 'Stiftermemoria' gerade in neuerer Zeit zunehmend schärfer gesehen wird.
Wedekind setzte die Anlage des Necrologs in die Zeit zwischen dem Ende des 12. und dem ersten Drittel des 13. Jahrhunderts. Die Zuweisung ist wohl richtig, da die jüngsten Einträge der anlegenden Hand in diese Zeit weisen und später verstorbene Personen von anderen Händen nachgetragen wurden. Die Beobachtung, dass ein Großteil der Namen bereits bei der Anlage in das Necrolog eingeschrieben wurde, deutet darauf hin, dass ein älteres Necrolog in ein neu angelegtes übertragen worden ist. Dieser Vorgang, der der Aktualisierung der Gedenktradition diente, ist auch sonst häufig zu beobachten.
Zusätzlich zu seiner Necrologedition erstellte Wedekind ein alphabetisches Personennamenregister, das hier angesprochen werden muß, da sich in ihm die Ergebnisse der Identifizierungsarbeiten Wedekinds niedergeschlagen haben. Dieses Register, das kein vollständiges Register der Namen des Necrologs sein will, sondern nur diejenigen berücksichtigt, zu denen der Herausgeber Anmerkungen zu machen hatte, ist aus mehreren Gründen nur eingeschränkt zuverlässig. Zum einen bringt Wedekind keine Quellen- und Literaturbelege für seine Identifizierungen. Das allein wäre noch erträglich, wenn die Identifizierungsarbeit nicht auf unzureichenden methodischen Prämissen beruhte. Wedekind hat sich nämlich nicht darauf beschränkt, die Personen zu identifizieren, deren Todestage auch aus anderen Quellen bekannt waren, sondern er hat systematisch die erzählenden und urkundlichen Quellen, vor allem des sächsischen Raumes, durchgearbeitet und auch dann Identifizierungshinweise gegeben, wenn nur der gleiche Name und Titel in anderen Quellen bezeugt war. Das Verfahren hat er vor allem bei Personen angewandt, die seltene Namen trugen, und sich in diesen Fällen auch nicht immer darum gekümmert, ob der Eintrag im Lüneburger Necrolog auch den Titel der von ihm vorgeschlagenen Person auswies. Mit dieser Methode füllte er vor allem die Lücken bei der Gruppe der Grafen, so dass gerade hier neben einer Reihe nicht beweisbarer Behauptungen auch in gehäufter Zahl Fehler festzustellen sind. Trotz dieser kritischen Bemerkungen muß betont werden, dass die Arbeit Wedekinds für ihre Zeit überaus kenntnisreich ist und wichtige Arbeitshilfen bietet.
Das Necrolog stellt angesichts seiner Namenfülle - allein von der anlegenden Hand wurden über 1.500 Personen verzeichnet - zweifelsohne das zentrale Zeugnis der Lüneburger Memorialüberlieferung dar. Mehr noch als die Sukzessionslisten der Verdener Bischöfe und der Lüneburger Äbte verdient in den auf die BILLUNGER gerichteten Untersuchungen ferner die sogenannte Tabula Gentis Billingorum, das Diptychon der billungischen Familie, Aufmerksamkeit, das daher zunächst vorgestellt sei.
Die ursprüngliche Zusammenstellung, die der Abschrift im Kapitelsbuch als Vorlage diente, wurde wohl zwischen 1071 und 1085 vorgenommen. Sie ist deshalb so interessant, weil der ausgewählte Personenkreis eine strikte Beschränkung auf die Herzogsfamilie erkennen läßt: Soweit man die Personen identifizieren  kann, sind nur die Herzöge der BILLUNGER, sowie deren Frauen und Kinder genannt. Die Namen waren in zwei Kolumnen aufgeschrieben, die rechts die weiblichen und links die männlichen Mitglieder der Familie auswiesen. Die Personen lassen sich wie folgt identifizieren:
 

1  Herimannus dux        Herzog Hermann              +  973    (H  6)
2  Bernhardus dux        Herzog Bernhard I.           + 1011    (H  4)
3  Bernhardus dux        Herzog Bernhard II.          + 1059    (H 20)
4  Ordulfus dux            Herzog Ordulf                  + 1072    (H  7)
5  Magnus dux             Herzog Magnus                + 1106    (H 29)
6  Liudigerus com        Sohn Herzog Hermanns    + 1011    (G 18)
7  Tiatmarus com         Sohn Bernhards I.            + 1048    (G 133)
8  Herimannus com     ? Sohn Bernhards I.
9  Herimannus com     Sohn Bernhards II.           + 1086    (G 56)
 

Sind die Männernamen also, abgesehen von einer Unsicherheit, bestimmten Personen zuzuordnen, so gelingt diese bei den Frauennamen nicht in gleicher Vollständigkeit:
 

10 Ode comitissa          Gemahlin Herzog Hermanns       (G 27)
11 Hildesuith comitissa
12 Hildegard comitissa    Gemahlin Herzog Bernhards I. + 1011
13 Godestithi abbatissa   Tochter Bernhards I.            (A 54)
14 Hidde
15 Gisle
16 Aille comitissa        Gemahlin Herzog Bernhards II.    (H 41)
17 Uulfhilt comitissa     Gemahlin Herzog Ordulfs          (H 14)
18 Hildigart
19 Iudita
20 Sophia comitissa       Gemahlin Herog Magnus      + 109 (H 18)

An der Kennzeichnung durch den Titel comitissa sind die Gemahlinnen der BILLUNGER-Herzöge zu erkennen. Wenn kein Fehler vorliegt, ist demnach 11 Hildesuith entweder die bisher unbekannte zweite Gemahlin Hermann Billungs oder die ebenfalls bisher unbekannte 1. Gemahlin Herzog Bernhards I. Dass wir mit derartigen Lücken unserer Kenntnis der BILLUNGER-Genealogie zu rechnen haben, zeigt die Tatsache, dass auch 10 Ode, die Gemahlin Hermanns, nur durch zwei Necrologien bezeugt ist. Die Frauennamen ohne den Titel comitissa geben aller Wahrscheinlichkeit nach Töchter der Herzöge wieder. Von diesen ist jedoch nur Godesta als Herforder Äbtissin und Tochter Herzog Bernhards I. auch anderweitig in Quellen bezeugt, die anderen sind nicht belegt. Es fällt bei der Untersuchung des Diptychon jedoch nicht nur auf, dass es 4r Töchter der billungischenHerzöge gegeben hat, die in sonstiger Überlieferung nicht begegnen, sondern auch, dass mehrere der anderweitig sicher bezeugten Frauen und Töchter der Herzöge in diesem Diptychon fehlen.
Damit stellt sich die Frage nach Entstehung und Konzeption des Diptychons. Zwar berücksichtigt die Aufstellung, soweit erkennbar, eindeutig die Chronologie, doch ist es nicht wahrscheinlich, dass die Einträge ad hoc bei der Geburt, Hochzeit oder beim Tod der genannten Personen gemacht wurden, vielmehr spricht alles dafür, dass das Diptychon erst in der Zeit um 1070 zusammengestellt wurde und man keine schriftlichen Vorlagen verwertete. Nur so kann man nämlich erklären, warum so viele wichtige Personen aus dem engeren Herzogsgeschlecht fehlen. Wenn aber schriftliche Vorlagen nicht vorhanden waren, wird ersichtlich, warum man kurz nach 1070 die BILLUNGER-Genealogie über immerhin 5 Generationen nicht mehr vollständig rekonstruieren konnte. Man benutzte Quellen, aus denen man nur eben den vorgestellten Personenkreis in Erfahrung brachte. Es fragt sich, welche Art von Quelle dies gewesen sein kann. Bei der Untersuchung des Diptychons fällt besonders ins Auge, dass die BILLUNGER-Töchter vollständig ausgelassen worden sind, die in andere Familien einheirateten. Überdies fehlt als einzige Gemahlin eines BILLUNGERS die zweite Frau Ordulfs, die ihren Gemahl um mehr als 30 Jahre überlebte. Überdies ist bemerkenswert, dass mehrere Namen erwähnt sind, hinter denen sich höchstwahrscheinlich jung verstorbene Kinder der Herzogsfamilie verbergen. Diese Angehörigen der billungischen Familie sind also deshalb in anderen Quellen nicht bezeugt, weil sie schon im Kindesalter verstarben. Damit stehen sich bei der Anlage des Diptychons detaillierte Kenntnisse der billungischenFamilie und scheinbare Unwissenheit schroff gegenüber.
Für all diese auffälligen Beobachtungen bietet sich jedoch eine einleuchtende Erklärung, wenn man unterstellt, es seien im Diptychon die Personen aufgeführt worden, die im Lüneburger Michaelskloster ihr Grab gefunden hatten, deren Gräber man mit anderen Worten vor Augen hatte. Diese Annahme erklärt auch, warum die Töchter des letzten BILLUNGER-Herzogs Magnus, Wulfhild und Eilika, nicht in das Diptychon aufgenommen wurden. Auch sie heirateten bekanntlich in andere Familien ein und wurden wohl nicht in Lüneburg begraben.
Da keine Person aufgeführt ist, die nachweislich nicht in Lüneburg bestattet ist, dagegen aber alle, von denen man weiß, dass sie dort ihr Grab fanden, spricht für die angebotene Lösung wohl einiges. Damit eröffnet sich aber ein interessanter Einblick in die Struktur der Herzogsfamilie. Neben den weiblichen Mitgliedern der Herzogsfamilie wurden seit dem 11. Jahrhundert auch die jüngeren Brüder der Herzöge in Lüneburg bestattet. Diese Personen, die häufig gemeinsam mit den Herzögen oder in deren Vertretung in den Quellen begegnen, partizipierten offensichtlich an der Herrschaft des Herzogsgeschlechts und verzichteten auf eine eigenständige Herrschaftsbildung, wie die Wahl ihres Begräbnisortes wohl mehr als wahrscheinlich macht. Die sich abzeichnende Kooperation der Brüderpaare steht damit im krassen Gegensatz zu den Zwistigkeiten, die aus dem 10. Jahrhundert zwischen Hermann Billung und den Nachkommen Wichmanns des Älteren gemeldet werden. Wie es scheint, wurden in der Zeit des Aufstiegs der Sippe unter beträchtlichen Reibungsverlusten Formen der Herrschaftsausübung gefunden, die sich später bewährten. Sie erlaubten eine Integration auch der männlichen Familienmitglieder, die nicht das Herzogsamt innehatten. So scheint es nicht zufällig, dass seit dem Beginn des 11. Jahrhunderts keine Auseinandersetzung mehr zwischen Angehörigen derbillungischen Sippe überliefert sind. Die Formierung des Geschlechts und die Regelung der Aufgabenverteilung scheint vollzogen. Während das Diptychon einen Blick auf die innere Struktur der billungischenSippe erlaubt, erfaßt das Lüneburger Necrolog einen erheblich umfassenderen Personenkreis. Seine Einträge reichen außerdem in ältere Zeiten zurück. Gelingt es, was durch erste Beobachtungen wahrscheinlich gemacht werden konnte, zu zeigen, dass die im Necrolog enthaltenen Personen vornehmlich auf Initiative der Herzogsfamilie im Gedenken bewahrt wurden, dann darf das Necrolog den Rang eines Kronzeugnisses für die billungische Totensorge beanspruchen. Um diesen Nachweis geht es im folgenden Kapitel. Hinzuweisen ist vorweg ferner darauf, dass es noch andere Klöster und Stifte gegeben hat, die unter dem Einfluß der billungischenSippe standen und deren Memorialüberlieferung daher bei der Untersuchung im Blick bleiben muß. Dies gilt vor allem für die Kanonissenstifte Borghorst und Möllenbeck. Aus beiden geistlichen Gemeinschaften sind Necrologien überliefert, in denen Angehörige der billungischen Familie und Vertreter ihres Verwandtenkreise zahlreich begegnen. Beide geistlichen Institutionen gehören zum Einflußbereich der billungischenSippe, die auch die Vogtei in ihrer Hand hatte. Die Ausgangsbasis der Untersuchung ist also dadurch bestimmt, dass necrologische Überlieferung sowohl aus dem Hauskloster am Herrschaftsmittelpunkt des Herzogsgeschlechts, eben aus St. Michael in Lüneburg, erhalten ist, als auch aus Stiftsgründen von Verwandten der BILLUNGER, die diese bewußt unter den Einfluß der Sippe stellten. Es besteht also die Möglichkeit zu prüfen, welche Initiativen der Adelssippe zum Totengedenken an zentraler Stelle und in Randpositionen zu beobachten sind.

3. Das Necrolog von St. Michael als Zeugnis des Gebetsgedenkens einer Adelsfamilie

a) Der Horizont der Necrologeinträge
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Die Analyse eines Necrologs hat bestimmte methodische Grundregeln zu beachten. Da im folgenden diese Regeln in gewisser Weise modifiziert werden, sind einige grundsätzliche Erwägungen nötig. Ein Necrolog als historische Quelle zum Sprechen zu bringen, bedeutet zunächst, die Personen des Necrologs zu identifizieren. Das ist deshalb nicht ganz leicht, weil diese in ein kalendarisches, nicht in ein chronologisches Gerüst eingebunden sind. Ihr Todesjahr ist daher im Gegensatz zu ihrem Todestag zunächst nicht bekannt. Dies verhindert in den meisten Fällen eine schnelle und sichere Ansprache der Personen. Der Prozentsatz der mittelalterlichen Personen, deren Todestag bekannt ist, ist nämlich äußerst klein, wenn man von den Gruppen der höchsten weltlichen und geistlichen Würdenträger, wie Königen und Bischöfen, einmal absieht. Die Arbeit der Personenidentifizierung geschieht daher im wesentlichen als eine Arbeit des Vergleichens. Hierbei scheint es wichtig, alle Personen des Necrologs in die Untersuchungen einzubeziehen, und sich nicht, wie dies häufig geschah, von vornherein auf die angeblich historisch allein aussagefähigen Würdenträger zu beschränken. Erst die Aufdeckung sämtlicher Horizonte der Überschneidung mit anderen Necrologien bietet die Gewähr, die Gründe für die Einschreibung bestimmter Personengruppen in ein Necrolog zuständig diskutieren, mit anderen Worten das Beziehungsnetz des Überlieferungsträgers rekonstruieren zu können.
Wenn im folgenden trotzdem der Horizont der weltlichen und geistlichen Würdenträger im Vordergrund des Interesses steht, dann ist das dadurch gerechtfertigt, dass andere Arbeitsschritte des Vergleichens, die ebenfalls unternommen wurden, nicht zum Erfolg führten. Das Lüneburger Necrolog weist nämlich engere Überschneidungen mit anderen Necrologien nicht auf. Und dies nicht ohne Grund. Das im Konvent von St. Michael praktizierte Gedenken wurde nämlich nicht bestimmt durch die monastische Verbrüderung mit anderen geistlichen Konventen, sondern durch die Verpflichtung zum Gebet für eine Adelssippe und ihr soziales Umfeld. Der Personenkreis des Necrologs kehrt daher in seinen wesentlichen Teilen nicht in anderen Necrologien wieder. Es unterscheidet sich damit nicht unerheblich von den Inhalten der Necrologien, die allein monastischen Gemeinschaften und ihren Verbrüderungen verpflichtet sind. Damit entfällt weitgehend die Möglichkeit, die Priester, Mönche und Laien des Necrologs in die Untersuchung einzubeziehen, denn sie sind zum größten Teil nur im Lüneburger Necrolog überliefert. Aussagen über ihre Herkunft und ihren Lebenszeitraum, sowie über etwaige Beziehungen zu den BILLUNGERN oder zum Lüneburger Konvent können daher nur beschränkt gelingen. Bei einer solchen Ausgangssituation kommt den Amtsträgern in Kirche und Welt eine höhere Bedeutung zu, da nur sie in der Überlieferung genügend profiliert sind, um Anhaltspunkte für die Gründe ihrer Eintragung in die Lüneburger Memorialüberlieferung zu geben. Und wenn sie zudem so zahlreich vertreten sind wie im Lüneburger Necrolog, erhöht sich naturgemäß die Chance, die Personenkonstellation mit Hilfe weiterer Quellen in den richtigen politischen und sozialen Zusammenhang zu stellen.
Insgesamt erweisen sich im Lüneburger Necrolog 248 von der anlegenden Hand eingetragene Personen als weltliche oder geistliche Würdenträger. Hiervon sind 24 Personen Angehörige von Herrscherfamilien, 30 Personen aus Herzogsfamilien, 2 Päpste, 96 Erzbischöfe und Bischöfe, 67 Äbte und Äbtissinnen und schließlich 129 Grafen und Gräfinnen. Diese Anzahl ist als beachtlich hoher Prozentsatz der Einträge anlegender Hand zu charakterisieren, denn diese verzeichnet insgesamt 1525 Personen, von denen 880 wahrscheinlich Laien und 645 Personen mit kirchlichen Weihegraden sind. Auch dieses Verhältnis von Würdenträgern, Laien und Klerikern macht noch einmal deutlich, dass sozial hochgestellte Personen und Gruppen an der Zusammenstellung dieses Personenkreises beteiligt gewesen sein müssen. In erster Linie wird man also an das Geschlecht der Klosterherren zu denken haben. Dieser generelle Eindruck wird durch viele signifikante Einzelfälle nachhaltig bestätigt, wie sich im Verlaufe der Identifizierung zeigte.
Das Ergebnis der Bemühungen um die Identifizierung der ins Lüneburger Necrolog eingetragenen Würdenträger findet sich im Kommentarteil. Gelang die Identifizierung in einer Reihe von Fällen gar nicht, konnten in anderen nur Hinweise gegeben werden, so ergab sich doch bei dem weitaus überwiegenden Prozentsatz eine sichere Ansprache der Personen. Ebenso ließen sich bei vielen Personen die Gründe erkennen, die zur Einschreibung ins Lüneburger Necrolog führten. Dieser Kommentarteil liefert also die Materialbasis der folgenden Untersuchungen. In 2 Diagrammen ist der Versuch unternommen worden, den Gesamtbefund zu struktuieren und ihn transparent zu machen. Aus den Diagrammen ergeben sich auch Anhaltspunkte dafür, wo Untersuchungen besonders erfolgversprechend sind. Aus Gründen der Übersichtlichkeit, aber auch aus inhaltlichen Gründen bot es sich an, in den Diagrammen die weltlichen und geistlichen Würdenträger zu trennen. Während bei den weltlichen Würdenträgern als Differenzierungskategorie 'Angehörige und Verwandte der billungischen Familie', ferner 'Angehörige von Königs-, Herzogs- und Grafengeschlechtern' verwandt wurden, war bei den Bischöfen die Einteilung nach Diozösen naheliegend. Die Diozösen wurden so angeordnet, dass die Lüneburg benachbarten Bistümer den Anfang bildeten und die sächsischen vor den nichtsächsischen aufgeführt wurden. Auf die Gruppe der Äbte und Äbtissinen wurde in den Diagrammen verzichtet, da, von den Lüneburger Äbten selbst abgesehen, zu wenige Personen dieser Gruppe sicher identifiziert werden konnten. Zunächst sei mit Hilfe dieser Diagramme die Frage diskutiert, auf welche Initiatoren des Gedenkens der Gesamtbefund der geistlichen und weltlichen Amtsträger weist.
Aus beiden Diagrammen lassen sich verschieden Befunde leicht ablesen: ins Auge fällt zunächst die starke Berücksichtigung von Angehörigen und Verwandten der billungischen Familie. Dies ist zweifellos als ein eindeutiger Hinweis auf die Stifter des Gedenkens zu werten. Bemerkenswert ist ferner der vorrangig sächsische Horizont des Necrologs, der sich sowohl bei der Gegenüberstellung der Gruppen sächsischer und nichtsächsischer Grafen, als auch beim Vergleich der Bischöfe aus sächsischen und außersächsischen Diözesen ergibt. Eigenständige Beziehungen des Lüneburger Konvents zu diesen Personengruppen sind in der ablesbaren Dichte ebenfalls wohl wenig wahrscheinlich.
Auch bei der Suche nach zeitlichen Strukturen ergeben sich auffällige Anhaltspunkte. Die intensive Phase der Necrologführung lag zweifelsohne in der späteren OTTONEN-Zeit - grob markiert durch die Jahre 980 bis 1030. Hierbei bieten beide Diagramme übereinstimmende Befunde. Es ist wohl kaum als zufällig anzusehen, dass mit dem angesprochen Zeitraum auch die aktivste Phase der billungischen Geschichte genannt ist.
Unterschiedliche Aussagen lassen sich den Diagrammen dagegen für die Frage nach den Anfängen des Gedenkens entnehmen. Während im Lüneburger Necrolog kein Laie festgestellt werden konnte, der in der 1. Hälfte des 9. Jahrhunderts verstarb und überhaupt nur einer aus dem ganzen 9. Jahrhundert nachweisbar ist, zeigt sich bei den Bischöfen ein anderer Befund. Mehrere Bischöfseinträge reichen bis in die 1.Hälfte dieses Jahrhunderts zurück. Auch noch zu Beginn des 10. Jahrhunderts lassen sich erstaunlicherweise mehr Bischöfe als Laien im Lüneburger Necrolog nachweisen. Es fragt sich, ob dies allein damit begründet werden kann, dass sich Laien aus dieser Zeit schwieriger identifizieren lasen. Bemerkenswert ist ferner der auf den ersten Blick feststellbare Rückgang der Eintragsdichte und auch die Verengung des Gedenkhorizonts im Verlaufe der SALIER-Zeit. Er stimmt mit dem in der Forschung konstatierten Nachlassen des billungischen Einflusses auf die sächsische Politik überein. In aller Vorsicht kann also gesagt werden, dass die Befunde der Diagramme wichtige Abschnitte der billungischen Geschichte zu spiegeln scheinen. Dies ist aber wiederum als ein Indiz für den Einfluß des Geschlechts auf die Auswahl der Necrologeinträge zu werten. Die Diagramme sind selbstverständlich nur dazu geeignet, signifikante Befunde in Erscheinung treten zu lassen. Aus ihnen allein kann noch keine Erklärung der Befunde abgelesen werden. Mit anderen Worten weisen sie den Weg zu den Themen und Problemen, bei denen sich durch die Einbeziehung des Necrologs neue Erkenntnisse zur billungischen Geschichte ergeben könnten.
So berührt sich die Frage nach den Anfängen des Gedenkens mit der nach den 'Anfängen' des billungischen Geschlechts. Die Necrologeinträge reichen ganz eindeutig in Zeiten zurück, in denen sich die sonstigen Spuren der BILLUNGER in der Überlieferung verlieren. Es ist also die Frage zu stellen, ob der im Necrolog enthaltene Personenkreis neue Aussagen über die Vorfahren der BILLUNGER und über die Anfänge ihrer Geschichte zuläßt. Der zeitliche Schwerpunkt der Necrologeinträge im endenden 10. Jahrhundert und beginnenden 11. Jahrhundert, der auf eine Intensivierung und Ausweitung der billungischenAußenbeziehungen weist, stellt ausreichendes personengeschichtliches Material zur Verfügung, um die Probleme der billungischenHerrschaft auf breiter Grundlage diskutieren zu können. Und es scheint nicht überflüssig, sich darüber Gedanken zu machen, welche Gründe für die Verengung des eingetragenen Personenkreises in der SALIER-Zeit maßgeblich sein können.

b) Der Einfluß der Billunger auf die Auswahl der eingetragenen Personen
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Schon der Gesamteindruck der beiden Diagramme spricht stark dafür, dass im Lüneburger Necrolog nicht der Beziehungshorizont des Konvents von St. Michael sondern der des Herzogsgeschlechts aufscheint. Es scheint undenkbar, dass der Lüneburger Konvent unabhängig von der Herzogsfamilie Beziehungen zu der angeführten Vielzahl von weltlichen und geistlichen Großen unterhalten haben soll. Da diese Annahme die Basis des Untersuchungsansatzes darstellt, sei sie durch eine Detailanalyse gesichert. Neben den Befunden der Diagramme ist schon die Gedächtnisstiftung Herzog Bernhards I. für seine verstorbenen Verwandten und auch die Verpflichtung, die der gleiche Herzog im Dortmunder Gebetsbund einging, als Hinweis darauf gewertet worden, dass der Konvent in Lüneburg im Auftrag und in Stellvertretung der billungischen Familie das Gedenken im Gebet leistete. Die zitierten Quellen zeigten auch, dass die Auswahl der Verstorbenen, derer gedacht werden sollte, von den BILLUNGERN selbst vorgenommen wurde. Unter dem Gesichtspunkt der Auswahl muß daher der Personenkreis des Lüneburger Necrologs diskutiert werden.
Die wichtigsten Personen im Gedenken einer Adelsfamilie sind sicherlich die eigenen Familienangehörigen. Das Diagramm der weltlichen Würdenträger zeigt, wie kontinuierlich die bekannten Angehörigen der billungischenFamilie im Lüneburger Necrolog vertreten sind. In der Tat sind, mit einer Ausnahme, alle aus anderen Quellen als Mitglieder des Geschlechts bezeugte Personen im Necrolog verzeichnet. Ihnen stand, wie schon betont wurde, die gleiche liturgische und karitative Leistung an ihrem Todestag zu wie den Äbten von St. Michael. Unter diesen Einträgen begegnen auch die bekannten Mitglieder des sogenannten Wichmann-Zweiges der billungischenSippe, Wichmann der Ältere, Wichmann der Jüngere und Egbert der Einäugige. Ihre Auseinandersetzungen mit Hermann Billung haben offensichtlich nicht bewirkt, dass ihnen das Totengedenken der Sippe verwehrt wurde. Ohne hieraus voreilige Schlüsse ziehen zu wollen, sei doch angemerkt, dass durch diese Beobachtung die Vorstellung von zwei feindlichen 'Zweigen' der BILLUNGER zumindest in Zweifel zu ziehen ist.
Der einzige Angehörige derbillungischenSippe, der im Lüneburger Necrolog fehlt, ist der am 5. Mai 962 verstorbene Bischof Amelung von Verden, der ein Bruder Hermann Billungs und Wichmanns des Älteren war. Wenn auch diese singuläre Auslassung durch verschiedene Gründe bedingt sein kann, sei zumindest darauf hingewiesen, dass zum 5. Mai in der Edition Wedekinds lediglich ein Name der anlegenden Hand ausgewiesen ist. Nach ihm folgt die längste Memorienstiftung des Necrologs, die dem 14. Jahrhundert zuzuordnen ist. Es scheint nicht ausgeschlossen, dass zugunsten dieser Zeilen der Name der Anlage ausradiert werden mußte, denn sie benötigte aller Wahrscheinlichkeit nach mehr Platz, als in der Handschrift für Einträge zum 5. Mai vorgesehen war. Die abgesehen von dieser Ausnahme gelungene Aufzeichnung aller der Personen, die in der Forschung den BILLUNGERN zugerechnet werden, ist als weiterer eindeutiger Hinweis auf die Beteiligung der BILLUNGER bei der Ausrichtung des Gedenkens festzuhalten.
Genauso eindeutig wie bei den Mitgliedern derbillungischen Familie ist der Befund, wenn man die ins Necrolog aufgenommenen Verwandten zusammenstellt. Man kann allgemein sagen: Ging ein Mitglied der billungischen Familie eine Ehe ein so wurden die Angehörigen des Ehepartners im Gebetsgedenken des Lüneburger Konvents bewahrt. Zum Teil überdauerte diese Verbrüderung mehr als ein Jahrhundert, zum Teil gingen die Kontakte schneller verloren, etwa nach dem Tod der Ehepartner.
Ein gutes Beispiel für den Zusammenhang verwandtschaftlicher Beziehungen und dem Gebetsgedenken ist die Familie der Grafen von Stade. Die bekannte Rivalität zwischen Hermann Billung und Heinrich dem Kahlen von Stade, von Thietmar von Merseburg ausführlich berichtet, wurde zu einem uns unbekannten Zeitpunkt durch die Heirat Bernhards I. mit Hildegard, der Tochter Heinrichs des Kahlen, überwunden. Von da an finden wir beide Familien mehrfach bei gemeinsamen Aktionen gegen die Seeräuber, Dänen und auch gegen die Hamburger Domkirche. Korrespondierend mit diesem gemeinsamen Vorgehen auf politischem Feld, finden sich auch viele Mitglieder der Stader Grafenfamilie im Lüneburger Necrolog, so etwa der zitierte Heinrich der Kahle, seine Mutter Swanhild und seine Gemahlin Judith, seine Söhne Heinrich II. und Luder-Udo, ferner des letzteren Sohn Siegfried sowie die beiden Markgrafen Udo I. und Udo II. Auch einer der wenigen nichtsächsischen Grafen im Lüneburger Necrolog, der im Jahre 982 bei Cotrone gefallene Udo von Rheinfranken, gehört als Bruder der Judith in die Verwandtschaft der Stader Grafen und ist daher hier zu nennen.
Ein ähnlicher Befund zeigt sich bei der Familie der EKKEHARDINER. Offensichtlich bestanden zu den Markgrafen von Meißen schon zu Zeiten Gunthers gute Beziehungen, denn das Lüneburger Necrolog nennt zwei Gefallene der Schlacht von Cotrone namentlich, einer davon ist Gunther. Dessen Sohn Ekkehard von Meißen heiratet Swanhild, die Tochter Hermann Billungs. Beide Ehepartner erscheinen im Lüneburger Necrolog, ebenso ihre Kinder Ekkehard II., Gunther, der Salzburger Erzbischof, Eilward, der Bischof von Meißen sowie Liudgard mit ihrem Gemahl Werner, dem Markgrafen der sächsischen Nordmark. Dass die enge Verbindung beider Familien, die das Totengedenken deutlich macht, auch ihren Niederschlag im politischen Bereich fand, lehren im Falle der EKKEHARDINER die Ereignisse nach dem Tode OTTOS III. Sie zeigen Herzog Bernhard I. als Parteigänger Ekkehards bei dessen Versuch, die Nachfolge OTTOS III. im Königtum anzutreten. Zum Verständnis der billungischenHerrschaft in Sachsen sind gerade die Heiratsverbindungen mit den Stader und Meißner Grafen in der Spätphase des 10. Jahrhunderts interessant. Sie müssen unter dem Aspekt der Konsolidierung der billungischenStellung in Sachsen gesehen werden. Durch die Heiraten wurden potentielle Rivalen dauerhaft, wie die Kontinuität der Necrologbefunde zeigt, zu Bundesgenossen gewonnen. Das politische Gewicht der BILLUNGER kann also nur zuständig bewertet werden, wenn man den Verbund der genannten Adelsfamilien in Rechnung stellt.
Aufschlußreich für unsere Fragestellung sind neben diesen sächsischen Adelsfamilien jedoch auch die Verwandtschaften der BILLUNGER, die nicht dem sächsischen Stamm angehörten. Im Jahre 961 heiratete Mathilde, die Tochter Hermann Billungs, Balduin von Flandern. Auch diese Ehe, obschon bereits 962 durch den Tod des Grafen beendet, zog die Aufnahme von Mitgliedern der flandrischen Grafenfamilie ins Lüneburger Necrolog nach sich. Neben Arnulf I. finden sich Susanna, Schwiegertochter Mathildes, sowie Balduin IV. und seine Gemahlin Otgia. Auch ein Sohn Mathildes aus ihrer 2. Ehe mit dem Grafen Gottfried von Verdun, Herzog Gozelo von Nieder- und Ober-Lothringen, erscheint im Lüneburger Necrolog.
Zwei weitere Beispiele: Die Gemahlin Magnus Billung, Sophia von Ungarn, war in 1. Ehe mit dem Grafen Ulrich von Istrien verheiratet gewesen. Dieser 1070 verstorbene Graf steht ebenso im Lüneburger Necrolog wie sein Sohn aus dieser Ehe, der im Jahre 1112 verstorbene Graf Ulrich. Einer der wenigen außerdeutschen Könige aus der Zeit der BILLUNGER, der sich im Lüneburger Necrolog nachweisen läßt, ist König Magnus von Norwegen. Auch bei ihm bietet sich als Grund für die Eintragung die 1042 geschlossene Ehe des BILLUNGERSOrdulf mit dessen Schwester Wulfhild zwingend an.
Die Durchsicht der billungischenHeiraten erbringt also in allen Fällen ähnliche Ergebnisse: Eine Verschwägerung mit den BILLUNGERN zog für die neuen Verwandten auch das Totengedenken des Lüneburger Konvents nach sich. Diese Verpflichtung aber kam dem Konvent wohl nur durch die billungische Familie selbst übertragen worden sein, denn sie war es ja, die zum Gebet für die Verwandten verpflichtet war.
Fast nebenher ergeben sich bei dieser Durchsicht auch Einblicke in das Selbstverständnis und die planvolle Heiratspolitik der billungischenFamilie. In der zweiten Generation der BILLUNGER überwogen die Heiratsverbindungen mit mächtigen Adelsgeschlechtern, vor allem Sachsens. Nach der Konsolidierung der billungischen Herrschaft  weist auch die Heiratspolitik ein gesteigertes Selbstverständnis aus: Die BILLUNGER-Söhne, die die Herzogswürde bekleiden sollten, heirateten nun ausländische Königstöchter.
Beziehungen des Lüneburger Konvents zu den angesprochenen Adelsfamilien sind ohne die Vermittlung der BILLUNGER nicht vorstellbar, zumindest nicht in dieser Dichte. Die hervorragende Berücksichtigung der BILLUNGER-Verwandten läßt also die BILLUNGER wiederum als Stifter und Initiatoren des Gedenkens in Erscheinung treten. Es wurde ferner schon auf das starke laikale Element im Lüneburger Necrolog hingewiesen, das den Anteil der Kleriker und Mönche an den Necrologeinträgen weit übersteigt. Besonders auffallend sind in diesem Zusammenhang die Todesmeldungen, die von einem gewaltsamen Tod der Betroffenen sprechen. Hier erweist sich das Necrolog als Quelle für die Härte und Intensität des Kampfes an der Slawengrenze, auch wenn wir die Schlachten und Gefechte, in denen die genannten Personen fielen, zumeist aus sonstiger Überlieferung nicht kennen. Davon ist jedoch unbenommen, dass die im folgenden aufgeführten Personen wohl nur durch die Vermittlung der BILLUNGER ins Lüneburger Necrolog eingetragen worden sein können. Es handelt sich in der Mehrzahl sicher um Personen, die unter dem militärischen Oberbefehl der Billunger standen.

15.1.  Bernhardus comes et Emmuke l. et Reinheri a Sclauis occ. et
          Brun et Burcherd et Ippo occisi
 3.2.  Ernost, Boue, reinbodo, Edo, Thiadrich occisi cum sociis suis
18.2.  Frethericus et Beio occisi
13.6.  Ethelbertus et multi alii cum eo accisi
14.6.  Frithericus occisus et Heio occisus
15.6.  Christin com. et Eppo et Verlef occ.
16.6.  Thietmarus occisus,... Herrmannus, Egbertus, Marquardus a Slauis occisi
17.6.  Frithericus l. fr. nr. a Slauis occis...
26.6.  Brun comes et Oddo I. Liudierus et alii cum eo occisi
12.7.  Esico et Mero et reinherd et Gerhelm et multi alii occisi..
14.7.  Gunther et Udo et alii occisi
 6.8.  Gero occisus et Volquardus occisus
 9.8.  Esic et multi Christiani interemti
10.8.  Conradus dux et multi catholici ab Ungariis interfecti
26.8.  Ethilgerus et Tilunoldus occisi
10.9.  Willehadus marchio et Thiedricus comes et Bernhardus et multi alii interfecti a Sclavis
22.9.  Wichmannus comes et multi alii occisi et Hoico occisus
27.10. Thiedricus comes et multi cum eo a Sclavis interfecti et Godescale l. occisus

Recht deutlich dokumentiert das Necrolog, dass der Krieg gegen die Slawen nur in den Sommer- und Herbstmonaten geführt werden konnte, was auf versorgungstechnische und klimatische Gründe zurückzuführen sein dürfte. Die Resonanz der Kämpfe in der Gedenküberlieferung läßt sich aber auch als ein Hinweis auf die Initiatoren des Gedenkens bewerten. Gerade für viele der im Kampf gefallenen Personen dürfen wir annehmen, dass die BILLUNGER zu ihrem Gedenken verpflichtet waren: es handelte sich um Personen aus ihrem Gefolge. Was die laikalen Personen anbetrifft, können wir hiermit die Diskussion der Frage abschließen, wer der Initiator des Gedenkens war, das das Lüneburger Necrolog spiegelt. Es hat sich wohl ganz eindeutig erwiesen, dass dies nur die BILLUNGER selbst gewesen sein können. Wir haben, zumindest in den Laien, also Personen aus dem Beziehungsfeld der BILLUNGER vor uns, deren memoria im Auftrage der Familie vom Lüneburger Konvent gepflegt wurde.
In gleicher Weise ist die Frage nach der Stiftung des Gedenkens jedoch auch für die Personen geistlichen Standes zu stellen. Und es liegt da schon näher anzunehmen, dass sich in ihnen unter anderem auch die monastischen und kirchlichen Umweltbeziehungen des Lüneburger Konvents spiegeln. Dies ist vor allem bei den ins Necrolog eingetragenen Mönchen und Äbten durchaus nicht unwahrscheinlich.
Die politisch einflußreichste Gruppe der geistlichen Würdenträger sind jedoch die Bischöfe. Daher ist es für unsere Untersuchung wesentlich, ob sie zum Beziehungsfeld der BILLUNGER gerechnet werden dürfen oder lediglich mit dem Lüneburger Konvent in Gebetsbeziehungen standen. Auf Grund zahlreicher Indizien scheint es möglich, diese Frage zugunsten der BILLUNGER zu entscheiden, auch wenn nicht für jeden Einzelfall sichere Anhaltspunkte zur Verfügung stehen. Mit anderen Worten: es ist nicht auszuschließen, dass einige Bischöfe auf Grund ihrer Beziehungen zum Lüneburger Konvent ins Necrolog eingeschrieben wurden, die überwiegende Mehrheit war jedoch mit den BILLUNGERN verbrüdert. Ein Blick auf die Diagramme zeigt zunächst einmal, dass die Bischofsernennungen im Necrolog gerade zu dem Zeitpunkt zurückgehen, zu dem die BILLUNGER ausstarben. Ja, schon mehrere Jahrzehnte vorher trat ein merklicher Rückgang der Eintragung von Bischöfen ein, der genau mit dem Befund bei den laikalen Gruppen korrespondiert. Dieser kongruente Befund deutet auf die gleichen Initiatoren der Eintragungen, eben die BILLUNGER, hin. Außerdem zeigt das Necrolog zwar ein deutliches Übergewicht der sächsischen Bischöfe, es hat sozusagen vor allem sächsischen Horizont. Doch tauchen, vor allem in der Zeit zwischen 950 und 1050, immer wieder Bischöfe aus nichtsächsischen Diozösen auf, bei denen es sich zum Teil um die wichtigsten Reichsbischöfe ihrer Zeit handelt. Und gerade bei diesen sind nicht selten Kontakte zu den BILLUNGERN auch durch andere Quellen belegt, die die Gründe für das Gebetsgedenken der Familie erhellen. Ebenso zeigen sich Beziehungen nach Prag, Gnesen und Posen, und dokumentieren eine Weite des Einzugsbereichs, der eher bei der Herzogsfamilie als bei dem Konvent von St. Michael zu erwarten ist. Diese allgemeinen Beobachtungen, die auch bei der Gruppe der Bischöfe auf die BILLUNGER als Stifter des Gedenkens weisen, lassen sich durch charakteristische Einzelfälle noch zusätzlich stützen.
Während etwa die durch das Necrolog dokumentierten Gedenkbeziehungen zum Erzbistum Hamburg/Bremen vom Anfang des 10. bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts kontinuierlich waren und alle Erzbischöfe aufgeführt wurden, brachen sie in der Regierungszeit des Erzbischofs Alebrand/Bezelin (1035-1043) offensichtlich ab. Danach findet sich bis 1168 kein Hamburger Erzbischof mehr im Lüneburger Necrolog. Nun sind uns die Streitigkeiten der BILLUNGER mit den benachbarten Erzbischöfen durch die Schilderungen Adams von Bremen hinlänglich bekannt. Dieser setzte den Beginn der 'Verfolgung' der Hamburger Kirche durch das Herzogsgeschlecht sogar schon in den Anfang des 11. Jahrhunderts. Auch wenn diese Angabe wohl eine tendenziöse Vordatierung darstellt, ist unübersehbar, dass sich die Verschlechterung der Beziehungen der BILLUNGER zu den Erzbischöfen nachhaltig im Lüneburger Necrolog niederschlug. Die Aufnahme der Bischöfe ins Necrolog wurde also von den Interessen der BILLUNGER bestimmt.
Ähnliche Befunde liefert die Untersuchung der Bischöfe von Verden im Lüneburger Necrolog. Auch hier sind die Einträge weitgehend vollständig. Über Bischof Amelung, der zum 5. Mai überraschend fehlt, wurde schon gesprochen. Außer ihm ist bis zum Ende des 11. Jahrhunderts von den Verdener Bischöfen nur ein einziger nicht ins Gedenken aufgenommen worden. Es handelt sich um Bischof Brun, der im Jahre 976 verstarb. Von ihm wissen wir durch den Bericht Thietmars von Merseburg, dass er Hermann Billung gebannt hatte und sich trotz der Bitten Herzog Bernhards I. weigerte, den toten Herzog vom Bann zu lösen. Angesichts dieser Tatsache überrascht es nicht, dass Brun im Lüneburger Necrolog fehlt, obwohl er nach dem Zeugnis Thietmars ein Verwandter der BILLUNGER war.
In beiden angeführten Fällen schlugen sich also Schwierigkeiten der BILLUNGER mit den Bischöfen der Umgebung Lüneburgs im Necrolog nieder. Das kann aber wiederum nur heißen, dass auch die Eintragung der Bischöfe entscheidend von der billungischen Familie bestimmt wurde. Ist dies aber schon bei den Bistümern der Fall, die Lüneburg benachbart sind, können wir das Gleiche um so sicherer von denen annehmen, die vom St. Michaelskloster räumlich weit entfernt lagen und aus denen nur ein Bischof, oder allenfalls wenige, Aufnahme ins Lüneburger Gebetsgedenken fanden. Gerade zu solchen Bischöfen sind ja spezielle Beziehungen anzunehmen, die eher die Herzogsfamilie als der Konvent von St. Michael zu knüpfen in der Lage war.
Ein sprechendes Beispiel für einen solchen Sachverhalt stellt die Eintragung Erzbischof Gunthers von Salzburg dar, der als einziger Vertreter des bayerischen Erzbistums im Lüneburger Necrolog begegnet. Diese Tatsache findet jedoch eine einleuchtende Erklärung, wenn man berücksichtigt, dass Gunther aus der Familie der Markgrafen von Meißen stammte, die gerade zu seiner Lebenszeit mit den BILLUNGERN durch Heirat eng verbunden war - Gunther war ein Sohn der Tochter Hermann Billungs, Swanhild. Ähnliches gilt auch für den Eintrag des Bischofs Dietrich von Metz, der zum Verwandtenkreis der Nachkommen Wichmanns des Älteren gehörte und mit diesen in konkreten Beziehungen stand.
Die Eintragung beider Bischöfe erfolgte also aus Gründen ihrer verwandtschaftlichen Beziehungen zu den BILLUNGERN. Angesichts dieser Beobachtungen, die in den folgenden Untersuchungen noch um eine Reihe weiterer Fälle vermehrt werden, können wir auch bei der Gruppe der Bischöfe davon ausgehen, dass sie das Beziehungsfeld der billungischen Familie wiedergeben, und sie daher für unsere Untersuchungen ohne Einschränkungen verwerten.
Damit ist der Nachweis gelungen, dass sich in der Gedenktradition des Lüneburger Nekrologs die Beziehungsfelder zweier Personengruppen finden. Neben dem Konvent von St. Michael, der seine verstorbenen Äbte und Mönche und wohl auch die Verstorbenen anderer verbrüderter Gemeinschaften in das Necrolog eintrug, hat die billungische Familie ihre Gedenkverpflichtungen durch den Lüneburger Konvent ableisten lassen. Sie wurden mit der konventsspezifischen Tradition vereinigt. Auch wenn durch diese Vermischung in vielen Einzelfällen nicht sicher zu unterscheiden ist, auf wessen Initiative eine Person im Gebetsgedenken bewahrt wurde, und es wohl überhaupt nicht angebracht scheint, in dieser Frage strikt alternative Vorstellungen zu entwickeln, ist davon unberührt, dass der exzeptionell weite Horizont der Einträge von geistlichen und weltlichen Amtsträgern dem Beziehungsfeld der BILLUNGER zuzurechnen ist, wie Einzelfälle und Gesamtbefund hinreichend sichern. Damit ist eine tragfähige Basis gegeben, diese Personenkonstellationen mit dem bisherigen Wissen von der Geschichte der BILLUNGER zu konfrontieren.

c) Die Welfen als Erben der Billunger
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Unsere Untersuchungen des Lüneburger Necrologs beschränken sich auf die Zeit der billungischen Herrschaft. Damit soll nicht übersehen werden, dass das Necrolog auch nach dem Aussterben der BILLUNGER im Mannesstamm weitergeführt wurde. Wir beschränken uns jedoch auf einige Hinweise zu den Einträgen aus dieser späteren Zeit, die schon deshalb nicht unwichtig sind, weil sie die in den vorigen Abschnitten vorgetragenen Beobachtungen zur Frage der Stiftung des Gedenkens nachhaltig stützen.
Im Jahre 1106 starben die BILLUNGER im Mannesstamm aus. Die Töchter des letzten BILLUNGER-Herzogs Magnus, Wulfhild und Eilika, waren mit dem WELFEN Heinrich dem Schwarzen bzw. Otto von Ballenstedt verheiratet. Diese erbten die billungischen Eigengüter; der Herrschaftsmittelpunkt kam in den Besitz der WELFEN. Die aus dem Herzogsamt erwachsenen Besitztitel gingen dagegen an LOTHAR von Supplinburg über. War damit auch zunächst der Machtbereich der BILLUNGER weitgehend zerschlagen, so bildete sich in der Hand der WELFEN ein neuer, nicht minder großer, als Heinrich der Stolze durch seine Gemahlin Gertrud die Besitzungen LOTHARS von Supplinburg dem welfischen Erbe hinzufügen konnte und auch dessen Nachfolger im Herzogsamt wurde. Ohne im einzelnen auf die Schwierigkeiten einzugehen, die Heinrich der Stolze und sein Sohn, Heinrich der Löwe, zu meistern hatten, ehe sie in den uneingeschränkten Besitz des Erbes gelangten, ist für uns vor allem wichtig, dass die WELFEN nach dieser Zeit als die Haupterben der BILLUNGER anzusprechen sind und Lüneburg in ähnlicher Weise als ihr Herrschaftsmittelpunkt in Sachsen gelten kann, wie er dies vorher für die BILLUNGER gewesen war.
Diese allgemein bekannten Beziehungen der WELFEN zu Lüneburg werden durch die Befunde des Necrologs vollauf bestätigt. Hatten die WELFEN bereits in ihrem schwäbischen Hauskloster Weingarten ein Zentrum des Gedenkens an ihre verstorbenen Angehörigen eingerichtet, so tritt nach dem Aussterben der BILLUNGER daneben das Michaelskloster in Lüneburg. Hier finden sich, wie in Weingarten, alle engeren Familienangehörigen der WELFEN im Necrolog. Ebenso ist eine Reihe von Personen aufgeführt, deren Eintragung ins Lüneburger Necrolog wohl nur durch ihre Verwandtschaft mit den WELFEN begründet ist. Als Beispiele seien genannt: Herzog Konrad I. von Zähringen, der Schwiegervater Heinrichs des Löwen; König Waldemar I. von Dänemark und sein Sohn Knut VI., die durch die Ehe Knuts mit Gertrud, der Tochter Heinrichs des Löwen, zum Verwandtenkreis der WELFEN gehörten; schließlich Prebislaus, ein Fürst der Wenden, der 1178 auf einem Turnier in Lüneburg starb und dort begraben wurde.
Es wird darauf verzichtet, den Personenkreis im Lüneburger Necrolog aus der Zeit der WELFEN eingehender zu untersuchen, jedoch ist zu bemerken, dass er weder in der Größenordnung noch in der Weite des Einzugsbereichs mit dem billungischen vergleichbar ist. Zwar erscheint die Gruppe der engeren Familienangehörigen in beiden Fällen vollständig im Necrolog, der Kreis der eingetragenen Verwandten und Vertrauten der BILLUNGER ist jedoch ungleich größer als der der WELFEN. Dies kann daran liegen, dass die WELFEN nicht mit der gleichen Intensität das Gebetsgedenken stifteten und initiierten wie die BILLUNGER, es könnte aber auch andeuten, dass der Rückhalt des alemannischen Adelsgeschlechts in Sachsen nicht so ausgeprägt war wie der der BILLUNGER. Auch die vielen Auseinandersetzungen der WELFEN mit sächsischen Großen deuten nachhaltig in diese Richtung. Diese Hinweise mögen genügen, um anzudeuten, dass auch die WELFEN-Forschung durchaus Grund hat, den Personenkreis des Lüneburgwer Necrologs in ihre Überlegungen einzubeziehen.

4. Aspekte billungischer Herrschaft im Spiegel des Necrologs

a) Zur Frage nach den 'Anfängen' des Geschlechts
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Da das Eintreten der BILLUNGER in die geschichtliche Wirksamkeit sozusagen schlagartig - mit der Bestellung Hermann Billungs zum princeps militae im Jahre 936 - geschah, hat sich die Forschung intensiv bemüht, die Vorfahren der 'ersten' BILLUNGER namhaft zu machen. Bis auf die Nachricht des Chronicon St. Michaelis aus dem 13. Jahrhundert, das berichtet, Hermanns Vater habe Billing geheißen, fanden sich jedoch keine konkreten Hinweise auf etwaige Vorfahren. Daher wurde auf der Grundlage genealogisch-besitzgeschichtlicher Methoden die sächsische Überlieferung des 9. Jahrhunderts nach diesen durchsucht. In Frage kamen vor allem Personen, die die sogenannten 'Leitnamen' der späteren BILLUNGER - etwa Hermann, Wichmann, Egbert oder Bernhard - trugen und Besitz in den Gegenden hatten, in denen später auch die Herzogsfamilie begütert war. Personen, die solche Kriterien erfüllten, fanden sich in nicht geringer Anzahl, was wohl auch darin begründet ist, dass die in der billungischenFamilie begegnenden Namen zu den gebräuchlichsten sächsischen Namengut zu rechnen sind. Ohne die Wege der Forschung im einzelnen nachzugehen, seien einige der Personen genannt, bei denen eine Verwandtschaft mit den späteren BILLUNGERN im Bereich des Möglichen liegt.
Bereits im Jahre 811 wird in den Reichsannalen ein Graf Wichmann erwähnt, der zu den fränkischen Unterhändlern gehörte, die mit den Dänen über einen Friedensschluß berieten. Ein Graf diese Namens läßt sich um 825 auch in der Corveyer Tradition nachweisen. Es liegt daher nahe, beide Belege auf dieselbe Person zu beziehen. Neben weiteren Personen namens Wichmann und Hermann, die im Verlaufe des 9. Jahrhunderts in sächsischer Überlieferung nachgewiesen werden können, ist vor allem der Graf Hermann bemerkenswert, der in den um 860 verfaßten Miracula S. Willehadi in Lesum genannt wird. Lesum ist später als Haupthof der BILLUNGER bezeugt. Besondere Aufmerksamkeit darf auch der Graf Egbert beanspruchen, der 892 von König ARNULF in zwei Schenkungen 66 Königshufen in Gebieten erhielt, die später als Herrschaftsbereiche der BILLUNGER anzusprechen sind.
Hinter der Fülle von Hinweisen, die die Forschung zu den Vorfahren der BILLUNGER zusammentrug, verbergen sich, so will man gerne glauben, auch die tatsächlichen Vorfahren der sächsischen Herzöge. Trotzdem bleiben alle Hinweise hypothetisch und dies nicht ohne Grund. Es wurde schon einleuchtend darauf hingewiesen, dass es zur historischen Erforschung einer Sippe oder Familie nötig ist, dass diese sich bewußtseinsmäßig als eine solche etabliert hat. In der Regel geschieht dies durch die Bindung an ein objektives Substrat der Herrschaft, etwa ein Amt, einen Besitzschwerpunkt, eine 'Stammburg' oder ein Hauskloster. Gerade die Bindung an ein Hauskloster hatte zumeist zur Folge, dass dort Überlieferung entstand, die Einblicke in die Geschichte der Sippe oder des Geschlechts ermöglicht. Bevor dieser Prozeß der bewußtseinsmäßigen Bindung und der Pflege des Zusammmengehörigkeitsgefühls eingesetzt hat, lassen sich zwar Hinweise auf mögliche Vorfahren sammeln, sie sind jedoch historisch kaum verwertbar, da die mittelalterlichen Verwandtschaftsgruppen selbst noch kein Bewußtsein einer historischen Kontinuität entwickelt hatten.
In diesem Sinne könnte also der Beginn familienbezogener Memorialüberlieferung den 'Beginn' der billungischenGeschichte markieren. Der Moment, in dem man in der Eigenkirche oder in dem Eigenkloster das Gedenken an die verstorbenen Angehörigen zu pflegen begann und dies schriftlich fixierte, ist wohl als ein sehr früher Zeitpunkt anzusehen, an dem das Gemeinschaftsbewußtsein eines mittelalterlichen Personenverbandes für uns faßbar wird. Die Zusammengehörigkeit setzte neben dem Wissen, wer zur Familie oder Sippe gehörte, vor allem ein Bewußtsein der Verpflichtung zur Gebetshilfe voraus. Überdies müssen bestimmte Organisations- und Kommunikationsformen gegeben sein, um dem Gedenken Kontinuität zu sichern. Es ist daher zu fragen, inwieweit das im 13. Jahrhundert angelegte Lüneburger Necrolog, in das ja eine ältere Vorlage einging, noch Nachrichten aus der Phase der billungischen Geschichte überliefert, die durch andere Quellen nicht erhellt wird.
Die Identifizierung der im Lüneburger Necrolog enthaltenen Würdenträger erlaubt einen Überblick über die verschiedenen zeitlichen Schichten des Gedenkens. Die Diagramme der weltlichen und geistlichen Würdenträger zeigten, dass zwar einige wenige Bischöfe aus dem 9. Jahrhundert verzeichnet sind, ansonsten jedoch die eingetragenen Personen frühestens im 10. Jahrhundert verstarben. Sie zeigen auch, dass die Necrologführung, und damit das Gedenken, in der 1. Hälfte des 10. Jahrhunderts auf einen durchaus kleinen Personenkreis beschränkt blieb und sich erst in der Spätphase des 10. und zu Beginn des 11. Jahrhunderts ausweitete. Diese Beobachtungen scheinen genau zu dem zu passen, was über den Gründungsvorgang des Michaelsklosters überliefert ist: Der Beginn des 10. Jahrhunderts wird in späteren Quellen als Gründungszeit einer Kirche in Lüneburg bezeugt, an deren Errichtung sich Bischof Wigbert von Verden und Herzog Otto der Erlauchte beteiligt haben sollen. Später erbaute dann Herzog Hermann Billung am gleichen Ort ein Kloster, dem wiederum erst Herzog Bernhard I. den 1. Abt gab und hiermit die Klostergründung vollendete.
Wir müssen also damit rechnen, dass die Gedenktradition des Michaelsklosters in die Zeit vor der Einrichtung des Klosters zurückgeht, dass mit anderen Worten ältere Traditionen in das Gedenken des Konvents von St. Michael eingingen. Diese sind aber wohl von den Interessen der Klostergründer nicht zu trennen. Daher ist vorrangig zu klären, welchen Personenkreis das Lüneburger Necrolog aus der Zeit vor 950 überliefert und in welchem Verhältnis die eingetragenen Personen zur billungischen Familie standen, die selbst in dieser Zeit in den Quellen ja noch kaum faßbar ist.
Aus dem 9. Jahrhundert sind im Lüneburger Necrolog 4 Bischöfe, 2 Bremer und 2 Hildesheimer, enthalten und zwar, in der chronologischen Folge ihrer Todesjahre, Gunther von Hildesheim (+ um 834, B 73), Willirich von Bremen (+ 838, B 38), Liudrich von Bremen (+ 845, B 106) und Altfried von Hildesheim (+ 874, B 102). Von den Laien ließ sich nur eine Person sicher dem 9. Jahrhundert zuweisen. Der am 8. August im Necrolog genannte Bitti comes ist wohl mit dem am 7. August in ein Kalendar des Abtes Hartbert von Lobbes eingetragenen Bitti gleichzusetzen. Das Kalendar führte der Abt von Lobbes in seinem sächsischen Exil, er hielt sich unter anderem in Corvey auf. Da er den Todesnachrichten die Angabe des Wochentages, an dem die Personen verstarben, hinzufügte, läßt sich ermitteln, dass der Graf Bitti höchstwahrscheinlich 868 oder 874, in jedem Fall aber im 9. Jahrhundert verstarb. Weitere Aussagen zu seiner Person sind nicht möglich, da er sonst bisher nicht nachgewiesen werden kann.
Die Zusammenstellung der Belege aus dem 9. Jahrhundert bietet also nur wenige Anhaltspunkte für eine Auswertung. Es ist bekannt, dass geistliche Gemeinschaften bei der Erstanlage eines Necrologs die Gedenktradition einer anderen geistlichen Institution, in deren Tradition sie standen, übernahmen, doch deuten die wenigen Personen aus dem 9. Jahrhundert im Falle des Lüneburger Necrologs nicht auf eine solche Übernahme. In den Bistümern Bremen und Hildesheim, an die man auf Grund der genannten Bischöfe zunächst denken würde, regierten in dieser Zeit jeweils mehrere weitere Bischöfe, die nicht ins Lüneburger Necrolog aufgenommen wurden. Diese Beobachtung schließt wohl die Annahme aus, es sei die Memorialtradition einer dieser Bischofskirchen in Lüneburg übernommen worden.
Für das 9. Jahrhundert lassen sich also nur hypothetische Aussagen über den Charakter des Totengedenkens machen, das sich im Lüneburger Necrolog erhalten hat. Ebenso bleibt der etwaige Anteil der Vorfahren der BILLUNGER an diesem Gedenken im Dunkeln. Die aus diesem Zeitraum bezeugten Personen, vor allem Bischöfe, deuten immerhin darauf, dass in die billungische Gedenktradition hochgestellte Personen aus dem Raum eingingen, in dem die Herrschaft der BILLUNGER später ihr Zentrum hatte. Da wir nur sehr wenige Todestage von Laien aus Sachsen kennen, die im 9. Jahrhundert lebten, ist nicht auszuschließen, dass sich, unidentifiziert, die Vorfahren der BILLUNGER noch unter den Einträgen verbergen. Man muß mit der Möglichkeit rechnen, dass die Vorfahren der BILLUNGER ein eigenständiges Totengedenken bereits im 9. Jahrhundert installiert hatten, dessen Aufzeichnungen später in die Lüneburger Gedenktradition eingingen. Angesichts der wenigen Identifizierungen läßt sich die Vermutung jedoch nicht sichern.
Aus der 1. Hälfte des 10. Jahrhunderts überliefert das Necrolog folgende Bischöfe:
Adalgar von Hamburg/Bremen (+ 917, B 184), Reginwart von Hamburg/Bremen (+ 918 B 137), Waldbert von Hildesheim (+ 919, B 156), Adalward von Verden (+ 933, B 150), Unwan von Paderborn (+ 935, B 82) und Unni von Hamburg/Bremen (+ 936, B 124).
Die Bischofseinträge nehmen also an Dichte nicht unerheblich zu.
Ferner führt das Lüneburger Necrolog aus dieser Zeit folgende weltliche Würdenträger auf: König HEINRICH I. (+ 936, K 24), Wichmann den Älteren (+ 944, G 39) sowie 3 Personen, deren Todesjahr zwar nicht genau festliegt, die jedoch sicher vor dem Jahre 932 verstarben. Es handelt sich nämlich um Personen, die auch in der 931/32 angelegten Abschrift eines Gandersheimers Necrologs, die sich im Verbrüderungsbuch von St. Gallen erhalten hat, aufgeführt sind.
In der Necrologabschrift und im Lüneburger Necrolog entsprechen sich die Einträge: 10 Ekkepret = 7.2. Ekbert comes; 13 Mathilt = 14.2. Mathild regina; 15 Hiltigart = 3. 3. Hilligard regina.
Von diesen Belegen sind zunächst nur die für Hildegard eindeutig einer bekannten Person zuzuweisen. Am 3. März eines unbekannten Jahres verstarb nämlich Hildegard, die Tochter Ludwigs des Jüngeren und der LIUDOLFINGERIN Liudgard. Sie ist im Necrolog von Aschaffenburg an diesem Tage als Hildegardis abbatissa regis filia verzeichnet. Im Lüneburger Necrolog ist ihr Titel also offensichtlich verderbt wiedergegeben. Es scheint leicht möglich, dass aus regis filia durch Versehen regina wurde. Interessanterweise findet sich auch im älteren Necrolog von St. Maximin in Trier am 3. März der Eintrag: Hildigard regina. Es liegt also hier der gleiche Fehler vor. Wichtig für die Beurteilung der genannten Personen ist auch, dass im jüngeren Necrolog von St. Maximin zum 7. Februar, wie in der Gandersheimer Necrologabschrift und im Lüneburger Necrolog, ein Egbertus comes verzeichnet ist. Wir können auch diese Person in 3 Necrologzeugnissen nachweisen, ohne allerdings zunächst zu wissen, um wen es sich handelt. Bei der 3. Person, Mathilde, scheint es ebenfalls nicht ausgeschlossen, dass der Titel regina durch einen Fehler bedingt ist. Eine Königin dieses Namens, die am 24. Februar verstorben wäre, ist nämlich nicht bekannt. Da die gleiche Person im Gedenken der ottonischen Familie bewahrt ist, und daher vor 932 verstorben sein muß, liegt es nahe anzunehmen, dass wir eine früh verstorbene, sonst unbekannte Tochter König HEINRICHS I. und seiner Frau Mathilde vor uns haben. Es läge in diesem Fall der gleiche Sachverhalt vor wie bei Hildegard.
Die genannten Personen aus der 1. Hälfte des 10. Jahrhunderts weisen also auf die ottonische Familie, die nach der Meinung der Forschung durch die Heirat Wichmanns des Älteren mit einer Schwester der Königin Mathilde mit den BILLUNGERN verwandtschaftlich verbunden war. Damit wird aber gleichzeitig deutlich, dass sich für diese Zeit Personen im Lüneburger Necrolog nachweisen lassen, die als Verwandte der BILLUNGER anzusprechen sind. Es scheint also so, als habe das Gedenken an Verwandte und Angehörige bereits in der Zeit vor 932 begonnen.
Dieser Eindruck wird zur Gewißheit, wenn man die aus der gleichen Zeit im Lüneburger Necrolog bezeugten Bischöfe in die Überlieferung einbezieht. Von den oben genannten 7 Bischöfen aus dieser Zeit begegnen nämlich 3 - Reginward und Unni von Hamburg/ Bremen sowie Adalward von Verden - auch in dem Eintrag einer Verwandtengruppe aus Sachsen im Reichenauer Verbrüderungsbuch. Karl Schmid konnte zeigen, dass der spätere Hamburger Erzbischof Adaldag - auch er wurde ins Lüneburger Necrolog eingetragen - eine Gruppe seiner Verwandten in das Gebetsgedenken der Reichenauer Mönche aufnehmen ließ. Außer den Namen von 49 teils verstorbenen, teils noch lebenden Männern und Frauen wurden in der Zeit zwischen 919 und 933 auch die Mitglieder der geistlichen Gemeinschaften von Hildesheim, Verden, Gandersheim, Corvey, Bremen, Neuenheerse, Wendhausen, Herford und Essen in das Gebetsgedenken eingeschlossen. Dies augenscheinlich deshalb, weil Mitglieder der Verwandtengruppe den genannten sächsischen Domkapiteln, Klöstern und geistlichen Frauengemeinschaften angehörten. Je 2 verstorbene und 2 lebende Personen werden in dem Eintrag als Bischöfe bezeichnet: Uuicpertus eps., Reginuuartus eps., Adaluuardus eps., Unni eps.. Damit sind die Bischöfe Reginward von Hamburg (B 137), Adalward von Verdun (B 150), Unni von Hamburg (B 124) und ein Bischof Wigbert von Hildesheim oder ein gleichnamiger von Verden gemeint. Als die für uns wichtigste Entdeckung muß der Nachweis angesehen werden, dass diese Personengruppe dem Verwandtenkreis der 'Nachfahren Widukinds' zuzuordnen ist. Das Charakteristische dieser Verwandtengruppe scheint nicht zuletzt darin gegeben, dass nur ihre Mitglieder, die in den geistlichen Stand eintraten, in der Überlieferung faßbar werden, dass die Gruppe aber so einflußreich und mächtig war, dass man sie bei der Vergabe von Bischofssitzen im nördlichen Sachsen über längere Zeit kaum übergehen konnte. Weiter scheinen ausgezeichnete Beziehungen zum Corveyer Konvent, dem mehrere der genannten Bischöfe vor ihrer Erhebung angehörten, ebenso gegeben zu sein wie enge Beziehungen zu den Hausklöstern der OTTONEN, zu Gandersheim, Wendhausen, Neuenheerse und Essen.
Die identifizierten Personen des Lüneburger Necrologs aus der 1. Hälfte des 10. Jahrhunderts weisen nun so vielfältige Bezüge zu den Personen der Verwandtengruppe der 'Nachfahren Widukinds' auf, dass eine neue Spur zu den Vorfahren der BILLUNGER gefunden scheint. Diese Spur ist deshalb um so wertvoller, weil sie nicht durch die Feststellung des Namenguts allein gewonnen wurde, sondern weil die späteren BILLUNGER diese Personen in ihrem Gebetsgedächtnis bewahrten. Es ist mit anderen Worten ein Bewußtsein der Zusammengehörigkeit nachgewiesen. Bei einer eingehenden Analyse der Einträge des Lüneburger Necrologs und der Namen der Verwandtengruppe im Reichenauer Verbrüderungsbuch ergeben sich folgende signifikante Beobachtungen:
1. Von den 4 im Reichenauer Eintrag genannten Bischöfen fehlt im Lüneburger Necrolog nur der Bischof Wigbert, von dem nicht sicher gesagt werden kann, ob es sich um den Hildesheimer oder den Verdener handelt. In beiden Bistümern amtierte nämlich zur fraglichen Zeit ein Bischof namens Wigbert. Von den 3 anderen ist für Adalward von Verden ausdrücklich bezeugt, dass er der Verwandte und Lehrer Adaldags von Hamburg/Bremen war. Den Bischofssitz von Verden hatten aber nach Adalwald, wie schon betont, mehrfach Angehörige und Verwandte der billungischen Familie inne. Da die Verwandtengruppe offensichtlich bei der Besetzung von Bistümern im nördlichen Sachsen besonders berücksichtigt wurde, ist dies ein Indiz für die Zugehörigkeit der späteren BILLUNGER zu dieser Gruppe.
2. Sowohl unter den Lebenden als auch unter den Verstorbenen des Reichenauer Eintrags erscheint der Name Waldbert. Ins Lüneburger Necrolog wurde aber wiederum  der in der fraglichen Zeit verstorbene Bischof Waldbert von Hildesheim (+ 919, B 156) eingetragen. Dieser Bischof ist zwar im Reichenauer Eintrag nicht genannt - oder nicht als Bischof gekennzeichnet -, es kann aber kein Zweifel daran bestehen, dass auch er der Verwandtengruppe zuzurechnen ist.
3. Bischof Unwan von Paderborn (+ 935), ein weiterer der 7 Bischöfe aus der 1. Hälfte des 10. Jahrhunderts im Lüneburger Necrolog, trägt nicht nur einen 'immedingischen' Namen, sondern es fällt angesichts der wenigen Quellenzeugnisse, in denen er überhaupt erwähnt wird, ins Auge, dass er zweimal gemeinsam mit der Königin Mathilde in Urkunden HEINRICHS I. intervenierte. Damit rückt auch er in einen verwandtschaftlichen Zusammenhang mit den 'Nachfahren Widukinds', zu denen die IMMEDINGER seit langem gerechnet werden.
4. Sowohl für die Bischöfe des Reichenauer Eintrags als auch für die des Lüneburger Necrologs aus der fraglichen Zeit ist charakteristisch, dass sie ihre Laufbahn als Corveyer Mönche begannen. Dies ist für Adalgar von Hamburg/Bremen, Wigbert von Hildesheim und Adalward von Verden sicher bezeugt. Die Verwandtengruppe übergab also ihre für den geistlichen Stand bestimmten Söhne zunächst dem Corveyer Konvent. Vor diesem Hintergrund ist der Eintrag Bitti comes ins Lüneburger Necrolog, dessen ja auch in Corvey gedacht wurde, von höchstem Interesse, zeigt er doch, dass Beziehungen zwischen dem Corveyer Konvent und den Vorfahren der BILLUNGER bereits im 9. Jahrhundert nicht unwahrscheinlich sind. Und höchst aufschlußreich ist auch, dass der Bischof Brun von Verden, der Verwandte der BILLUNGER, seine geistliche Laufbahn ebenfalls in der Weserabtei begann. Die Verwandtengruppe, der die BILLUNGER zuzurechnen sind, behielt demnach weiterhin den Brauch bei, ihre Söhne in den Corveyer Konvent eintreten zu lassen.
Außer durch die konkreten Nachrichten zu den einzelnen Bischöfen lassen sich auch durch eine Untersuchung der Namen des Eintrags weitere eindeutige Indizien für einen Zusammenhang der frühen BILLUNGER mit der Verwandtengruppe der 'Nachfahren Widukinds' gewinnen. So taucht der Name Egbert unter den Verstorbenen und den Lebenden des Reichenauer Eintrags auf. Ihm begegnen wir ja ebenfalls bei dem am 7. Februar verstorbenen Grafen, der auch im ottonischen Gedenken und im jüngeren Necrolog von St. Maximin in Trier genannt ist. Bisher konnten wir keine Angaben über den Grafen machen, doch muß er vor 932 verstorben sein, da die Gandersheimer Necrologabschrift, in der er genannt ist, in diesem Jahr angelegt wurde.
Angesichts dieser zeitlichen Zuordnung liegt es nahe, ihn mit dem Grafen gleichzusetzen, dem im Jahre 892 von König ARNULF in exzeptioneller Weise Güter in den Regionen Sachsens geschenkt wurden, in denen später Herrschaftsschwerpunkte der BILLUNGER lagen. In der Forschung  wird mit guten Gründen vermutet, dass dieser Graf Egbert König ARNULF bei dessen Kriegszug gegen die Mährer militärisch unterstützt hatte. Dass er in einer Urkunde marchio genannt wird, deutet jedenfalls auf militärische Befehlsgewalt im Grenzgebiet hin. Bedenkt man weiter, dass im Jahre 929 der Befehlshaber in der Schlacht bei Lenzen den BILLUNGER-Namen Bernhard trug und dass im Jahre 936 die billungische Sippe ein Anrecht auf das Amt des princeps militae zu haben glaubte, werden Zusammenhänge deutlich, die es mehr als wahrscheinlich machen, dass der Graf Egbert des Lüneburger Necrologs mit dem von König ARNULF beschenkten Grafen identisch ist. Wir können in ihm also einen Vorfahren der BILLUNGER sehen und beschreiben, wodurch diese Vorfahren der BILLUNGER historisch charakterisiert sind. Sie hatten, wie ihre Nachfahren, militärische Befehlsgewalt im Grenzgebiet, unterhielten enge Beziehungen zum Königtum, zur Reichsabtei Corvey und zu den LIUDOLFINGERN, und sie waren schließlich verwandtschaftlich mit den 'Nachfahren Widukinds' verbunden.
Durch Hinweise auf Namen, die in dem Reichenauer Eintrag der 'Nachfahren Widukinds' begegnen, und die im Lüneburger Necrolog Entsprechungen bei den Personen haben, die bisher nicht identifiziert werden konnten, seien die Beobachtungen abgerundet. Dem billungischen 'Leitnamen' Bernhard im Reichenauer Eintrag stehen im Lüneburger Necrolog bisher unidentifizierte Grafen gleichen Namens gegenüber, die am 15. Januar bzw. 12. September verstarben. Der Name Adalburg erscheint ebenfalls im Eintrag der 'Nachfahren Widukind' und ist auch sonst in diesem Zusammenhang bezeugt. Im Lüneburger Necrolog begegnet zum 4. Juni eine Gräfin dieses Namens, die bisher nicht identifiziert werden konnte. Schließlich sind ins Lüneburger Necrolog 2 bisher unbekannte Gräfinnen namens Thiadburg und ein Graf namens Theodericus zum 11. August, 20. September und 2. Juni eingetragen. Auch diese Namen sind im Reichenauer Eintrag vertreten.
Durch eine Fülle von Einzelbeobachtungen kann also nachgewiesen werden, dass die Vorfahren der BILLUNGER in engsten Kontakten zu den 'Nachfahren Widukinds' standen. Sie sind mit anderen Worten selbst als ein Teil dieser Verwandtengruppe anzusprechen. Die Summe all dieser Beobachtungen präzisiert das Wissen um diebillungische Frühgeschichte nicht unerheblich. Wir können die Existenz eines den Vorfahren gewidmeten Totengedenkens in einer Zeit nachweisen, die einige Jahrzehnte vor dem ersten Auftreten des BILLUNGERSHermann in historiographischen Quellen liegt. Damit soll jedoch nicht behauptet werden, dass es sich bei diesem Gedenken bereits um das Totengedenken der BILLUNGER gehandelt hat. Es scheint sinnvoller, von Vorstufen zu sprechen, die den Beginn der Formierung der Verwandtengruppe anzeigen.
Deutlich wird aber faßbar, dass die frühen 'BILLUNGER' in engsten Beziehungen zu dem Verwandtenkreis der Nachfahren Widukinds standen, der im endenden 9. Jahrhundert den überragenden Einfluß auf die wichtigsten Bischofssitze im nördlichen Sachsen gewonnen hatte. Die bisher unbekannten Vorfahren der BILLUNGER erlangten ferner bereits in dieser Zeit eine beachtliche Königsnähe, wie die Schenkungen ARNULFS erkennen lassen. Und schließlich standen sie in einem vertrauten Verhältnis zu den LIUDOLFINGERN, wofür das wechselseitige Totengedenken für Angehörige beider Sippen Zeugnis gibt. Man muß sich vergegenwärtigen, dass in der Nachfolge Adalwalds von Verden der Bruder Hermann Billungs, Amelung, den Verdener Bischofssitz bestieg und sein Nachfolger Brun ebenfalls ein Verwandter der BILLUNGER war, um einzusehen, in welchem Maße das Geschlecht der BILLUNGER das Erbe der Verwandtengruppe um die Hamburger, Verdener und Hildesheimer Bischöfe antrat . Angesichts der späteren Besitzschwerpunkte der BILLUNGER im nördlichen Sachsen liegt es nahe, anzunehemen, dass sich dieser Besitz ebenfalls zu einem großen Teil aus dem Erbe dieser Verwandten rekrutierte.
Damit werden aber auch die politischen Ansprüche der BILLUNGER, sei es auf das Amt des princeps militae sei es auf bestimmte Bischofssitze, erst eigentlich verständlich. Es kann keine Rede davon sein, dass Hermann Billung als 'homo novus' die politische Bühne betrat, vielmehr gehörte er einer traditionsreichen Verwandtengruppe an, deren Vornehmheit und Einfluß zumindest im nördlichen Sachsen konkurrenzlos war. Und das Totengedenken zeigt, auch wenn wir noch nicht wissen, in welchen Zusammenhängen seine älteste Schicht entstand, dass sich die späteren BILLUNGER durchaus ihrer Herkunft bewußt waren. Sonst hätten sie das Gedenken an ihre Vorfahren nicht in die Gedenktradition des Michaelsklosters aufnehmen lassen. In diesem Zusammenhang ist auch ein Problem zu diskutieren, das in der Forschung bis heute nicht gelöst erscheint. Zwar geht man einhellig davon aus, dass der BILLUNGER Wichmann der Ältere eine Schwester der Königin Mathilde geheiratet habe. Strittig und unentschieden ist jedoch, ob es sich um Friderun oder Bia handelte. Ein konkretes Quellenzeugnis gibt es für diese Heirat nicht. Doch werden Wichmann der Jüngere und Egbert der Einäugige, die man mit guten Gründen, jedoch ebenfalls ohne ein direktes Quellenzeugnis, als Söhne Wichmanns des Älteren ansieht, von Widukind von Corvey als consobrini und nepotes OTTOS DES GROSSEN bezeichnet. Außerdem ist von den beiden Brüdern in den Annales Quedlinburgenses und, daraus übernommen, bei Thietmar von Merseburg als von materterae regis filii die Rede. Scheint somit durch die angeführten Quellen das Verwandtschaftsverhältnis genügend genau angegeben, so entdeckt man bei der Durchsicht der anderen einschlägigen Quellenstellen gewichtige Gegengründe, die eine Heirat Wichmanns des Älteren mit einer der genannten Schwestern der Königin Mathilde geradezu ausschließen. Friderun kann, das hat schon Ruth Bork richtig gesehen, deshalb nicht die Frau Wichmanns gewesen sein, weil sie erst im Jahre 971 starb. Widukind bemerkt nämlich schon für die 50-er Jahre in Bezug auf Wichmann den Jüngeren, er sei, destitutus a patre et matre, von OTTO DEM GROSSEN erzogen worden. Ruth Bork entschied sich deshalb für Bia als Gemahlin des älteren Wichmann. Diese muß jedoch auf Grund ihres Todesdatums ebenfalls von der Zuordnung ausgeschlossen werden. Da Bia nämlich in der Abschrift des ottonischen Familiennecrologs im Verbrüderungsbuch von St. Gallen enthalten ist, muß sie spätestens in den Jahren 931/32 gestorben sein. Nun nennt aber Widukind von Corvey, dem in diesen Fragen zweifelsohne die Rolle eines Kronzeugen zukommt, den jüngeren Wichmann und Egbert noch zu den Jahren 953/54 iuvenus und adolescentes. Selbst wenn also einer von ihnen im letzten Lebensjahr der Bia geboren worden wäre, wäre er zum besagten Zeitraum 22 oder 23 Jahre alt gewesen, der andere Bruder in jedem Fall noch älter. Selbst dieser knappste Zeitansatz schließt daher eine Bezeichnung wie adolescentes in den Jahren 953/54 wohl aus. Außerdem wird in der Forschung angenommen, dass auch Hathwig, die 1014 verstorbene Äbtissin von Gernrode und Vreden, eine Tochter Wichmanns des Älteren gewesen sei. Über deren Lebensdaten sind wir durch Thietmar von Merseburg sehr genau unterrichtet. Sie wurde 13-jährig mit Siegfried, dem Sohn des Markgrafen Gero, verheiratet, der nach 7-jähriger Ehe um das Jahr 959 verstarb. Demzufolge muß sie 939 geboren sein. Ihre vermeintliche Mutter Bia war zu diesem Zeitpunkt schon längst verstorben. Hinzu kommt, dass Bia im Gandersheimer Necrolog als praeposita bezeichnet wird. Sie gehörte also an ihrem Lebensende einer geistlichen Gemeinschaft an, was eine Ehe mit dem 944 verstorbenen Wichmann dem Älteren ebenfalls ausschließt. Zu diesen Befunden paßt, dass weder Friderun noch Bia im Lüneburger Nec [Dies zeigt sich auch im westlichen Sachsen, wo die BILLUNGER mit Wichmann III. und seiner Vogteigewalt über Vreden, Metelen und Borghorst im 11. Jahrhundert einen Herrschaftsschwerpunkt hatten. Vreden ist als Gründung der Nachfahren Widukinds bekannt; in Borghorst zeigt das billungischbeeinflußte Totengedenken ebenfalls deutliche Spuren der Nachfahren Widukinds]. Angesichts der späteren Besitzschwerpunkte rolog erscheinen, was angesichts der sonstigen Vollständigkeit der Eintragungen von Familienangehörigen auffällt und ebenfalls gegen eine Ehe einer der genannten Frauen mit Wichmann dem Älteren spricht.
Es bleibt also nichts anderes übrig, als entweder anzunehmen, Wichmann habe eine andere, namentlich unbekannte Schwester der Königin Mathilde geheiratet, oder die Tatsache einer verwandtschaftlichen Bindung zwischen der Familie der Königin Mathilde und den BILLUNGERN zu konstatieren, ohne eine genauere genealogische Zuordnung zu wagen. An der Tatsache der Verwandtschaft selbst zu zweifeln, besteht gerade angesichts der neuen Beobachtungen zu den Anfängen des billungischenGedenkens kein Anlaß.
Offen bleiben muß dagegen zunächst noch, wo dieses Gedenken ursprünglich geführt wurde und welche Personengruppe für seine Pflege verantwortlich war. Ungeklärt ist auch, zu welchem Zeitraum es mit dem Gedenken des Konvents von St. Michael in Lüneburg vereinigt wurde. Diese Fragen sind jedoch erst zu klären, wenn auch die weitere Entwicklung dieses Gedenkens in den Blick getreten ist.
Zum Schluß dieser den Anfängen desbillungischen Gedenkens geltenden Untersuchungen sei noch eine Beobachtung mitgeteilt, die in diesem Zusammenhang nicht unwichtig zu sein scheint. Es ist schon oft vermutet worden, dass Widukind von Corvey ebenfalls zu den Nachfahren Widukinds zu rechnen sei. Damit würde er jedoch ebenfalls zu dem Verwandtenkreis gehören, der sich in der 1. Hälfte des 10. Jahrhunderts im Lüneburger Necrolog nachweisen läßt. Auch weist die plastische und anteilnehmende Schilderung, die Widukind den Rebellen Wichmann und Egbert zukommen ließ, nachdrücklich darauf hin, dass bei ihm in diesen Fällen mehr als nur historiographisches Interesse an den handelnden Personen anzunehmen ist. Schließlich waren es ja auch, wenn die Beobachtungen der Forschung richtig sind, seine Verwandten. Wir hätten in Widukind also ein weiteres Mitglied der Verwandtengruppe vor uns, das im Corveyer Konvent seine geistliche Laufbahn begann.
Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass Widukind von Corvey, dessen Todestag bisher unbekannt ist, sich unter den Todeseinträgen des Lüneburger Necrologs verbirgt. Die Suche erhält dadurch eine bestimmte Richtung, dass der Name Widukind im Merseburger  Necrolog gänzlich fehlt. Gerade im ottonischen Totengedenken, das zum Zeitpunkt seines Todes in Quedlinburg unter der Leitung der Äbtissin Mathilde gepflegt wurde, wäre der Historiograph auf Grund seiner Beziehungen zur Königsfamilie, und namentlich zur Äbtissin Mathilde, eigentlich zu erwarten. Da dem nicht so ist, wird der Blick auf die Zeit gelenkt, für die das Merseburger Necrolog keine Einträge überliefert, auf die Zeit zwischen dem 1. Januar und dem 17. März. Und in der Tat wird man im Lüneburger Necrolog in dieser Zeit fündig: Am 3. Februar begegnet dort als 1. Eintrag zum Tag Widukind presbyter monachus. Wenn diese Beobachtung auch nicht mehr als ein Hinweis sein kann, so ist doch zu bedenken, dass der Name Widukind im 9., 10. und 11. Jahrhundert selbst in Sachsen nur sehr selten belegt ist. Auch spricht die Eintragung am Anfang der Namen zum 3. Februar dafür, dass Widukind zur ältesten Schicht der Necrologeinträge gehört. Der Titel ist ferner derjenige, den man auch bei dem Corveyer Historiographen erwarten mußte. Es scheint daher angesichts der anderen Personen aus dem Kreis der Nachfahren Widukinds nicht abwegig, mit aller Vorsicht anzunehmen, dass sich hinter den zitierten Eintrag der berühmte Corveyer Mönch verbirgt.
Trotz der wenigen Personen, die wir aus den 1. Jahrzehnten des 10. Jahrhunderts im Lüneburger Necrolog nachweisen können - wobei nicht anzunehmen ist, dass die Zahl sich erheblich vergrößern würde, wenn es gelänge, im Necrolog alle Personen dieses Zeitraums zu identifizieren -, zeichnen sich die ältesten Bindungen der billungischen Sippe doch klar ab. Ungefähr zur gleichen Zeit, als Adaldag, der spätere Erzbischof von Hamburg/Bremen, seine Verwandten in das Reichenauer Gebetsgedenken aufnehmen ließ, intensivierte man auch bei den Vorfahren der BILLUNGER die memoria der Todestage von Verwandten und Freunden. Dabei wurde im wesentlichen der gleiche Personenkreis festgehalten. Die Vorfahren der BILLUNGER - zu denken ist etwa an die Generation der Eltern Hermanns - sind daher dem Kreis der Nachfahren Widukinds zuzurechnen. Zu diesen Befunden paßt die späte Nachricht aus Verden, dass bereits Bischof Wigbert von Verden, der ebenfalls dem Verwandtenkreis angehörte, im Jahre 906 in Lüneburg eine Kirche erbaut habe. Hier könnte also bereits ein auf die Sippe bezogenes Gedenken gepflegt worden sein, das später in die billungische Gedenktradition einging, denn das Gedenken an die Verstorbenen, wie es sich im Lüneburger Necrolog spiegelt, ist sicher älter als die Gründung des Michaelsklosters. Es gibt aber keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass dieses Gedenken von Anfang an in Lüneburg geführt worden sein müßte. Eine Übertragung von einem anderen Ort ist gleichermaßen denkbar.
In den ältesten Schichten des Totengedenkens läßt sich also der Formierungsprozeß der Sippe beobachten, die unscharf zunächst als Gruppe von Verwandten faßbar wird. Wir sind zunächst nicht in der Lage, ihren Kern zu erkennen, bestimmte Personen als Initiatoren des Gedenkens zu erweisen oder den Ort zu nennen, an dem dieses Gedenken praktiziert wurde. Aus dieser weitläufigen Verwandtengruppe hat sich jedoch im Laufe des 10. Jahrhunderts das Geschlecht der BILLUNGER entwickelt, das die späteren Charakteristika seiner Herrschaft, den Besitz, die Lehen und die Ämter erwarb und im Erbgang Mitgliedern des Geschlechts bewahrte. In die Zeit dieses Prozesses fallen dann auch die bekannten Auseinandersetzungen zwischen den sogenannten 'Zweigen' der BILLUNGER.
Schon die ersten Beobachtungen zu den Anfängen des 'billungischen'Totengedenkens zeigen daher, dass die aus dem Hoch- und Spätmittelalter entlehnte Vorstellung  von verschiedenen Zweigen eines Geschlechts an der frühmittelalterlichen Wirklichkeit der Verwandtengruppe, aus der später die BILLUNGER herauswuchsen, vorbeigeht. Das benutzte Bild von den 'Zweigen' erfordert einen vorhergehenden 'Stamm', mit dem die sich abzeichnende Verwandtengruppe sicher nichts gemein hat. So erweist es sich als höchst problematisch, für das frühe 10. Jahrhundert von den 'BILLUNGERN' zu reden, da so unterschiedliche Erscheinungsformen wie die Verwandtengruppe des frühen 10. Jahrhunderts und das Herzogsgeschlecht des 11. Jahrhunderts kaum zureichend mit denselben Begriffen angesprochen werden können. Den sich abzeichnenden Prozeß der Formierung des Geschlechts gilt es bei der weiteren Untersuchung im Auge zu behalten.