EUROPÄISCHE STAMMTAFELN NEUE FOLGE BAND XII Tafel
62
Eberl Immo: Seite 30
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"Die Grafen von Berg"
in: Ulm und Oberschwaben, Zeitschrift für Geschichte
und Kunst
Die Verwandtschaft zwischen STAUFERN und BERGERN muß über die Frauenseite gelaufen sein und kann nach dem Zeitpunkt der 1. Erwähnung nur im Zeitalter der SALIER liegen. Hansmartin Decker-Hauff sieht nach mündlicher Mitteilung die Verwandtschaft der BERGER zu den STAUFERN über die Ehefrau Heinrichs I. von Berg, Adelheid von Mochental, gehend. Diese war seiner Meinung nach eine Tochter des Herzogs Friedrich I. von Schwaben (+ 1105) aus dessen 1. Ehe mit (Beatrix oder Mathilde). Demnach wäre Adelheid eine der "mindestens 5 Töchter" dieser Ehe, dazu vgl. jetzt Hansmartin Decker-Hauff, Das staufische Haus, die Zeit der Staufer, Geschichte - Kunst - Kultur, in: Die Staufer (Ausstellungskatalog), Bd. 3, Stuttgart 1977, S. 346.
Stälin Paul Friedrich: Seite 407-408
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"Geschichte Württembergs"
Die Grafen von Berg, deren
namengebende Stammburg sich über dem Dorfe Berg südöstlich
von der jetzigen Oberamtstadt Ehingen erhob, waren eines der angesehensten
Geschlechter Oberschwabens und standen insbesondere zu den STAUFERN
in verwandtschaftlicher, nicht genauer zu ermittelnder Beziehung. Ihre
sichere genealogische Reihe eröffnet sich mit Poppo, welcher
wohl der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts angehört. Sein Sohn,
Heinrich I., lebte wohl am Ende des 11. und am Anfang des 12. Jahrhunderts
und hinterließ 3 Töchter, Salome,
Richinza und
Sophia, welche sich in den fernen Slawenländern mit dortigen
Herzogen vermählten:
Boleslav III. von Polen
(+ 1138), Wladislav I. von Böhmen (+ 1125), Otto II. von
Mähren (+ 1126); namentlich aber pflanzte er durch 2 seiner Söhne,
Diepold und Rapoto, das Geschlecht fort. Beiden begegnen
wir im Gefolge der STAUFER König KONRADS
und FRIEDRICHS I.Diepold insbesondere,
welcher als Vogt des Klosters Wettenhausen in der Gegend von Burgau berechtigt
erscheint und gegen das Jahr 1166 starb, erzeugte mit
Gisela, Gräfin von Andechs, 6 Söhne,
Berchtold und Ulrich, welche an den Hoflagern Kaiser
FRIEDRICHS I. und
König HEINRICHS
VI., der 2. auch an dem König
PHILIPPS, öfters genannt werden, sodann 4 weitere, die
die bischöfliche Würde erlangten, in der Geschichte gräflicher
Häuser wohl der einzige Fall: Heinrich, Bischof von Passau 1169-1172;
Diepold, dessen Nachfolger 1172-1190, gestorben auf dem Kreuzzuge
Kaiser FRIEDRICHS I. und in Akkon beerdigt;
Otto, Bischof von Freising, 1184-1220; Mangold, mittelbarer
Nachfolger seiner Brüder in Passau, 1206-1215, ein durch Klugheit
hervorleuchtender Kirchenfürst. Ein Zeitgenosse dieser Brüder
war Graf Heinrich von Berg, in den Jahren 1192-1197 Bischof von
Würzburg.
Graf Ulrichs Sohn,
Heinrich III. (+ um 1241)
erhielt in nicht sicher zu ermittelnder Weise, vielleicht durch Verleihung
Kaiser FRIEDRICHS II., auf dessen Seite
er sich alsbald stellte, die welfisch-staufische
Burg Burgau im Mindeltal mit nicht näher bekannter Zubehör
zu einem Lehen, an das sich in der Folge eine ganze im Besitz seiner Familie
sich entwickelnde Herrschaft dieses Namens anschloß. Höchstwahrscheinlich
als Sohn Adelheids, einer der zwei Töchter des Markgrafen Heinrich
von Ronsberg und Erbinnen ihres Bruders Berchtold, des letzten Markgrafen
dieses Geschlechts (+ 1212), erbte er beträchtlichen Besitz in diesem
Teile Schwabens, so auch den markgräflichen Titel und übertrug
denselben zuerst auch auf die Familienfeste Berg, später ausschließlich
auf seinen Besitz in der Gegend von Burgau. Er erscheint häufig an
den Hoflagern Kaiser FRIEDRICHS II.
und seines Sohnes HEINRICH (VII.),
bei letzterem auch noch zur Zeit der Empörung gegen seinen Vater im
Frühjahr 1235. Unter seinen Söhnen wurden die ausgedehnten Herrschaften
geteilt. Der ältere, Markgraf Heinrich IV. (von Burgau II.),
welcher sich in vielen Kämpfen erprobte und wahrscheinlich im Jahre
1239 verstarb, erhielt, übrigens nicht ausschließlich, Burgau
mit dem umliegenden Gütern nebst dem markgräflichen Titel; die
von ihm ausgehende Linie blieb in diesem Besitz bis zu ihrem Aussterben
mit Heinrichs IV. (II.) Enkel Heinrich VI. (IV.) im Jahre 1301 (wohl
vor dem Oktober). Der jüngere Sohn Heinrichs III., Graf Ulrich,
welcher in den 40-er bis 60-er Jahren des 13. Jahrhunderts, auch im Gefolge
KONRADS IV. und Konradins,
erwähnt wird, überkam den Hausbesitz in der Nähe der Stammburg
und nannte sich Graf von
Schelklingen. Sein Sohn Ulrich
brachte durch Heirat mit einer Erbtochter Graf Gottfrieds von Calw (+ um
1260) einen Teil der Grafschaft Calw, übrigens nur auf kurze Zeit,
an seine Familie. - Von dem obengenannten Rapoto, welcher nach Wartstein
genannt wird, stammen ohne Zweifel als Seitenlinie des Geschlechts die
Grafen von Wartstein, welche in dieser Zeit nicht besonders hervortreten.
Das Grafenamt verwaltete die Familie vor allem in der
Ruadolteshuntare, sodann in der Swerzebhuntare, einige Zeit nach Beginn
des 12. Jahrhunderts auch im Rammagau. Der ursprüngliche Güterbesitz
derselben erstreckte sich im Anschluß an die erwähnten Burgsitze
des Geschlechtes besonders über Orte der Oberämter Ehingen (zum
Beispiel Kirchbierlingen, Dettingen, Mochental), Münsingen (zum Beispiel
Magolsheim), Blaubeuren (Schirmvogtei über Urspring), Riedlingen,
Biberach (zum Beispiel Volkersheim), Tübingen (Dettenhausen) und Urach
(Mittelstadt).
Die Grafen von Berg führten
einen von Rot und Gold dreimal schrägrechts geteilten Wappenschild,
in dessen Mitte die burgauische Linie noch eine goldene Lilie setzte.