Spindler Max:
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"Geschichte Bayerns"

Ottos einziger Sohn Ludwig, später nach dem Ort seines Todes der Kelheimer genannt, war beim Tode seines Vaters erst etwa zehn Jahre alt. Es war ein Glück für ihn, dass das Gefolge seines Vaters ihm die Treue hielt und vor allem, dass er eine tüchtige Mutter besaß, Agnes, Tochter des Grafen Ludwig II. von Loon (Looz, nördlich Lüttichs), mit dem der Name Ludwig in die Familie kam, eine energische, politisch begabte und literarisch interessierte Frau, die nach dem Tod ihres Gatten mit ihrem unmündigen Sohn von Burg zu Burg reiste und unermüdlich für ihn warb. Die Vormundschaft führten neben der Mutter die Oheime. Eine Adelsverschwörung, die sich bildete, kam nicht zur Wirkung. Der schwere Schlag, den Ludwig erlitt, als er den Rückhalt an seinem Oheim Erzbischof Konrad verlor, der 1183 von Salzburg nach Mainz zurückkehrte, konnte wettgemacht und die erste Gefahr gebannt werden. Aber die Zukunft des Landes war dunkel. Die Familie der WITTELSBACHER war zwar mit dem Land verwachsen, reich und mächtig, aber eine überlegene Stellung besaß sie nicht. Die weltlichen Großen des Landes hatten sich mit der Gesamtmasse ihrer Rechte und Güter längst eingeordnet in den staatlichen Wandlungsprozess der Zeit; sie waren wie die WITTELSBACHER selbst in der Herrschaftsverdichtung und Schließung von Räumen erheblich weit gekommen und auf dem besten Weg, selbst Territorien auszubilden, wofür die politische Karte Bayerns um 1200 ein überraschendes und anschauliches Bild bietet. Das Ziel aller Dynasten, nicht bloß der OTAKARE oder der ANDECHSER, war Aufstieg in den Reichsfürstenstand und Lösung aus dem landrechtlichen Verband des Herzogtums. Ihre Mittel waren die gleichen wie die der STAUFER oder WELFEN oder WITTELSBACHER. Fast noch gefährlichere Widersacher als die Dynasten waren die Bischöfe.
Der gefährlichste Gegner war das staufische Königtum. Die Übertragung des Herzogtums an Pfalzgraf Otto war von BARBAROSSA wohl eine Dankes- und Gunstbezeugung, gleichzeitig jedoch ein Akt sehr kühler Berechnung. Ein mächtiges bayerisches Herzogtum fügte sich nicht in seine Politik. Von drei Seiten bedrängten die STAUFER den bayerischen Block. Im Osten trennten sie 1156 und 1180 die Marken ab, um sie zunächst weiter zu verleihen und später kaiserlichen Verwaltern zu unterstellen, im Norden griffen sie selbst zu. In Fortführung der Politik KONRADS III. ließ sich im Jahre 1174 BARBAROSSA vom Bischof von Bamberg die Anwartschaft auf die hochstiftischen Lehen der Grafen von Sulzbach für seine beiden Söhne übertragen, was sich beim Tod des letzten SULZBACHERS 1188 vorteilhaft auswirken sollte. Die staufischen Güter zogen sich quer durch den bayerischen Nordgau. Sie wurden der Verwaltung des Butiglers in Nürnberg unterstellt, die militärischen Befugnisse übte der Nürnberger Burggraf. Das Reichsland Eger erhielt gleichfalls eine Verwaltungsorganisation. Nürnberg und Eger wurden Eckpfeiler staufischer Herrschaft in einem Bereich, der einst zum bayerischen Herzogtum gehört hatte und ihm durch die STAUFER entfremdet wurde. Auch im Südwesten drangen sie gegen Bayern vor. Seit 1168 besaß BARBAROSSA in der Augsburger Hochstiftsvogtei eine feste Position am Lech, die er nach dem Aussterben der Herren von Schwabegg erworben hatte. Gegen 1179 vermachte ihm Welf VI. die reichen welfischen Besitzungen am Lechrain und im Gebirge . Bei Welfs erbenlosen Tod 1191 ging dessen ganze, durchgebildete, weithin geschlossene Herzogsherrschaft in Oberschwaben und an der bayerischen Westgrenze an die STAUFER über, die damit auf einer breiten territorialen Front am Lech, der bayerischen Grenze, in Bayern vorrückten, wo sie die durch den Tod Herzog Ottos gegebenen neuen Möglichkeiten nutzen konnten. Der junge Herzog war auf die Gunst und Gnade des Königtums angewiesen. Das an die Tradition des Stammesherzog anknüpfende, von dessen Rechtsinhalten sich nährende wittelsbachische Herzogtum war in Gefahr, auf die Stufe einer Herzogsherrschaft herabgedrückt zu werden, wie sie Otakar oder Welf VI. ausgebildet hatten und eben Berthold von Andechs aufzubauen im Begriff war. Mit dem frühen Tod HEINRICHS VI. 1197 schieden jedoch die STAUFER zunächst aus dem Ringen in und um Bayern aus.
Noch ein zweiter Umstand kam im weiteren Verlauf der Territorienbildung dem gefährdeten Herzogtum zugute.
Als Pfalzgraf Otto mit Bayern belehnt wurde, stand ihm der bayerische Hochadel im ganzen noch trotzig und ungebrochen gegenüber als ein hervorragender Teil jener stolzen Dynastenaristokratie, die durch mehrere Jahrhunderte die Geschicke des Reiches mitbestimmt und dem Imperium Glanz und Ansehen gegeben hatte. 100 Jahre später war er zersetzt und aufgerieben, Geschlecht um Geschlecht erlosch. Diese Tatsache ist es vornehmlich, die dem Jahrhundert in Bayern in seiner 1. Hälfte einen revolutionären Charakter verleiht, da sie mit einem Zusammenbruch der großen bayerischen Adelsherrschaften und damit alter politischer, wirtschaftlicher und sozialer Ordnungen ohnegleichen verbunden war. Sie kann nur verzeichnet, nicht restlos erklärt werden; sie ist nicht auf Bayern beschränkt, tritt hier aber wegen der großen Zahl der adligen Geschlechter besonders eindrucksvoll in Erscheinung. Als Ursachen lassen sich anführen: die großen Verluste durch Italienfahrten, Kreuzzüge und Fehden, die zahlreichen Eintritte von Familienmitgliedern in den geistlichen Stand, die geringe Ehefreudigkeit aus Sorge um Erhaltung des Besitzes und wegen der Gefahr von Erbteilungen, die wachsenden Schwierigkeiten bei der Gattenwahl, schließlich wohl auch biologische Erschöpfung. Ein Baum, der lange Frucht getragen hatte, starb ab. Reihenweise wurden kleinere staatliche Keimzellen im Land und große Herrschaften frei, und der Herzog konnte zugreifen.

Die entscheidenden territorialpolitischen Erfolge Herzog Ludwigs I.
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Den Kern des werdenden Territoriums bildete die Gütermasse, die das Haus WITTELSBACH in seinen verschiedenen Zweigen besaß und in seiner Hauptlinie zwischen 1182 und 1238 vereinigte. Dazu kam, was von Heinrich dem Löwen übernommen wurde: die Herzogspfalz in Regensburg mit ihrer Besitzausstattung, die Hallgrafschaft mit Herrschaftsrechten in Reichenhall, die Vogteien über Polling und Wessobrunn, die Grafschaft im tirolischen Unterinntal, weiter Burg und Grafschaft Burghausen mit der Vogtei über die alten herzoglichen Pfalzen und späteren Reichsgutbezirke Ötting und Ranshofen samt dem Weilhartforst, ein Herrschaftskomplex, der bereits im frühen 13. Jahrhundert in zwei große herzogliche Ämter, Burghausen und Ötting, geteilt erscheint und eine der wichtigsten Positionen im Herzogtum darstellte; schließlich ein in seinem Kern nachweislich agilolfingischer, durch Rodungen erweiterter Güterbezirk zwischen der Steyr und Krems um Bad Hall (einst Herzogenhall) als Mittelpunkt, mit ähnlicher Geschichte wie das alte Herzogtum am unteren Inn und, am Anfang des 13. Jahrhunderts, gleichfalls in Ämter eingeteilt. Er konnte gegen die BABENBERGER, gegen OTAKARE und die HABSBURGER trotz aller Anstrengungen nicht gehalten werden. Mit Ötting und Burghausen fassten die WITTELSBACHER an Inn und Salzach Fuß und gewannen sie Zölle und Kontrollmöglichkeiten der Flussschifffahrt zwischen Salzburg und Passau sowie ein breites Ausfalltor nach dem Osten. Sie wurden damit die südlichen Nachbarn der ANDECHSER und ORTENBURGER, die beide die FORMBACHER am unteren Inn und im Rottal beerbt hatten. Am Unterlauf des Inn hatte mit der Salzach bis zur Abtrennung der Ostmark 1156 die "Schlagader und Achse des alten Stammesherzogtums" (DIEPOLDINGER) dargestellt.

a) Der Kampf um Regensburg und den Donauraum
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Kaum mündig geworden, wurde Herzog Ludwig vor eine schwere Bewährungsprobe gestellt, es ging sofort um den höchsten Einsatz und Zeitpunkt des bayerischen Zentralraums, um das Gebiet von Regensburg bis Passau und um Regensburg selbst, seit alters die Hauptstadt Bayerns. Den Auftakt bildete das Aussterben des alten und bedeutenden Geschlechts der PAPONEN (BABONEN) in der Zeit der Vorbereitungen zum Kreuzzug, der im April 1189 unter Beteiligung einer stattlichen Schar bayerischer Ritter und unter der Führung des Kaisers selbst von Regensburg seinen Ausgang nahm. Die PAPONEN verwalteten als Nachfolger der LUITPOLDINGER die Grafschaft im westlichen Donaugau. Der jeweilige Graf war zugleich Burggraf von Regensburg. 1143 hatten die Söhne des Burggrafen Otto das väterliche Erbe geteilt, der ältere hatte die Burggrafschaft, der jüngere, der eine Schwester Ottos zur Frau hatte, als Landgraf von Stefling die Grafenrechte um den Regen übernommen. Beide Linien starben aus, die burggräfliche mit den Brüdern Friedrich, Heinrich, Otto, die ohne männliche Nachkommen waren, zwischen 1184 und 1189, die landgräfliche 1196. Ab 1185 erscheint kein Burggraf von Regensburg mehr. Um dieselbe Zeit im Jahre 1188 erlosch das Geschlecht der nicht minder angesehenen SULZBACHER mit dem Tod des Grafen Gebhard. Ihnen gehörten die bambergischen Lehen auf dem Nordgau und im Donaugau. Gebhard war zugleich Domvogt der Regensburger Kirche, Vogt von Niedermünster in Regensburg und von Niedernburg in Passau. Mit seinem Tod und mit dem Aussterben der PAPONEN wurde eine gewaltige Gütermasse frei, die zu einer neuen Kräfteverteilung im Donauraum führte. An ihr waren neben Herzog und Bischof interessiert die Stadt Regensburg und die ersten Geschlechter des Landes, die benachbarten BOGENER als Grafen im östlichen Donaugau, die mit den SULZBACHERN nah verwandten ORTENBURGER, die ANDECHSER als ihre Nachbarn und die mit den Burggrafen  verwandten BABENBERGER, nicht zuletzt der Kaiser. Noch ehe er ins Heilige Land aufbrach, griff er ein. Als mit dem Tod des Bischofs Konrad auch der Regensburger Bischofsstuhl frei wurde, versuchte er sofort einem seiner Getreuen die Bischofswürde zuzuwenden, was ihm zwar nicht glückte, aber er erreichte, dass der neue Bischof ihn 1187 mit den stiftischen Lehen des Burggrafen Heinrich belehnte. Die bambergischen Lehen der SULZBACHER auf dem Nordgau und im Donaugau erhielten seine Söhne . Die Burggrafschaft wurde eingezogen und einem Burghauptmann als königlichen Beamten übertragen. Vermutlich erst damals, nicht schon 1180, wie Aventin überlieferte, führte BARBAROSSA auch eine Neuordnung der Stadtverfassung durch, indem er das bürgerliche Element stärkte und der Stadt Rechte gewährte, die ihre Entwicklung zur Reichsfreiheit einleiteten. Als Domvögte erschienen nach dem Aussterben der SULZBACHER die Herren von Lengenbach in Nieder-Österreich, die auch im Lungau an deren Stelle traten. Der junge WITTELSBACHER war übergangen, das Herzogsrecht in Regensburg vom Kaiser geschmälert worden.
BARBAROSSAS Werk hatte nur zum Teil Bestand. Nach seinem Tod (1190) begann der zweite Abschnitt der Auseinandersetzungen, in deren Verlauf Herzog Ludwig an den Rand des Verderbens geriet. Jetzt trat der Adel in den Kampf ein, voran der ungebärdigste der damaligen Dynasten, Graf Albert III. von Bogen, der in Verbindung mit König Ottokar von Böhmen stand, dessen Nichte Ludmilla, die Tochter des 1189 verstorbenen böhmischen Herzogs Friedrich, er zur Frau hatte. Der Kampf des Adels richtete sich nicht bloß gegen die bayerische Herzogsgewalt, mehr noch gegen die erfolgreiche staufische Territorialpolitik im Donauraum, er muss auch im Rahmen des umfassenden Fürstenbundes wider HEINRICH VI. von 1192 gesehen werden, dem Ottokar beitrat, während die Herzöge von Bayern und Österreich sich fernhielten. Eine durch zahlreiche Große besuchte, eindrucksvolle, die alte Stammesversammlung widerspiegelnde Versammlung zu Laufen am 20. April 1192 brachte keine Klärung. Graf Albert eignete sich widerrechtlich die bambergischen Lehen der SULZBACHER im Donauraum an und weigerte sich, sie herauszugeben, überzog im August 1192 den Herzog mit Krieg, besiegte ihn mit Hilfe der Böhmen und drängte ihn bis Mühldorf zurück. Im Oktober wandte sich Herzog Leopold von Österreich, unterstützt von Berthold IV. von Andechs und anderen bayerischen Großen, gegen die ORTENBURGER und zwang sie nieder. Die Quellen berichten von furchtbarer Kriegsnot. Der Herzog war aufgerufen zur Wahrung von Friede und Recht. Er vermochte sich nicht durchzusetzen. Er wäre unterlegen, hätte er sich nicht dem Schutz Kaiser HEINRICHS unterworfen, der eingriff und Waffenstillstand gebot. Auf den Reichstagen zu Regensburg und Worms im Januar 1193 erging ein scharfes Urteil, Ottokar wurde seines Herzogtums entsetzt und Graf Albert, weil er das "barbarische und wilde Volk der Böhmen" nach Bayern gerufen, als Reichsfeind erklärt.
Hatte BARBAROSSA dem Vater Ludwigs das bayerische Herzogtum übertragen, so hatte sein Nachfolger es dem Sohn gerettet. Ludwig trat fortan wie sein Vater häufig an des Kaisers Seite auf, begleitete HEINRICH 1193/94 nach Apulien und Sizilien, 1196 nach Würzburg und Mainz, wo über den vielberufenen Erbreichplan verhandelt wurde, 1197 erneut nach Sizilien, wohl in der Absicht, gleich anderen bayerischen Großen die Fahrt ins Heilige Land anzutreten. Die Bindung seines Hauses an die STAUFER war durch den Schutz, den er erfahren hatte, auch bei ihm nun fest begründet. Sie schlug ihm erneut zum Vorteil aus. Als 1196, nach dem Aussterben der Landgrafen, die Gegensätze im Donauraum wieder aufbrachen und der Endabschnitt der Auseinandersetzungen um die alte bayerische Stammesmetropole begann, nahm er als Verwandter, ohne dass Widerspruch laut wurde, sichtlich durch den Kaiser gedeckt, die landgräflichen Allodien an sich. Nach 1196 erscheint er im Besitz von Burg und Herrschaft Regenstauf, er gewann auch die Landgrafschaft, die ihm der Kaiser übertragen zu haben scheint. Er verlieh sie an die Leuchtenberger weiter. Der Tod HEINRICHS 1197 war ein schwerer Verlust für ihn, er gab ihm aber gleichzeitig die Bahn frei und wurde für ihn wie für Bayern ein Ereignis von großer Tragweite. Gezwungen durch die Lage im Reich musste HEINRICHS Nachfolger, König PHILIPP, die jahrzehntelangen territorialpolitischen Bemühungen seines Hauses in Bayern aufgeben. Jetzt endlich rückte allenthalben im Land der Herzog in den Vordergrund, und beschränkte sich der Kampf um Regensburg auf die beiden Mächte, die dort von jeher konkurrierten, auf Herzog und Bischof. Jetzt hatte Herzog Ludwig die Führung. Als ihm der Bischof die hochstiftischen Lehen der Landgrafen vorenthielt, wagte er schließlich den Kampf. Mit ihm, der um mehr als um die Lehen, der um die Beherrschung der Stadt ging. Die ORTENBURGER vermochte er fernzuhalten, indem er auf der Seite des Passauer Bischofs gegen sie kämpfte und 1199 die ortenburgische Kraiburg zerstörte. Das Haus BOGEN band er an sich durch eine hochpolitische eheliche Verbindung, indem er 1204 die Witwe des 1198 verstorbenen Grafen Albert heiratete. Als im selben Jahr sein Schwager Markgraf Berthold von Cham-Vohburg ohne Hinterlassung männlicher Erben starb, gewann er die Mark Cham, mit ihr den nördlichen Anschluss an das bogensche Territorium und eine wichtige Grenzposition gegen Böhmen. Dies waren große Erfolge. Er setzte sich im Donauraum außerhalb Regensburgs durch, des Bischofs und der Stadt vermochte er jedoch nicht Herr zu werden. Bischof Konrad verband sich mit dem mächtigsten kirchlichen Herrn im Land, dem Erzbischof Eberhard von Salzburg, der vom Süden her in die herzogliche Machtsphäre einbrach. Es gelang Ludwig zwar, die regensburgische Feste Teisbach (bei Dingolfing) zu zerstören und sich durch Gründung und Ausbau von Burg und Stadt Landshut 1204 einen wichtigen Isarübergang zu sichern. Aber er blieb im Anlauf stecken und musste sich schließlich mit dem Bischof vergleichen. Der Vertrag von 1205 offenbart die neue Lage. Er war eine Abmachung zwischen Gleichberechtigten, die ihre gegenseitige Macht- und Rechtsphäre absteckten. Die stammesherzogliche Überordnung war preisgegeben. Der Herzog konnte wohl verhüten, dass Regensburg eine geistliche Stadt wurde. Durch verlockende und ungewöhnliche Versprechungen, die er für den Fall seines Todes ohne eheliche Nachkommen dem Bischof machte, erreichte er, dass ihn der Bischof mit den erledigten hochstiftischen Lehen der Landgrafen "im Gebirg" belehnte. Auch gingen die burggräflichen Befugnisse fast im gleichen Umfang, wie sie die PAPONEN geübt hatten, auf ihn über. Er ließ sie durch einen von ihm bestellten Beamten wahrnehmen. Aber er konnte weder verhindern, dass der Bischof aus dem Landesverband ausschied - der Bischof behauptete die Herrschaften Donaustauf und Wörth, unweit der Stadt stromabwärts, linksseitig gelegen, Forstgebiete, in denen er die Landeshoheit übte, - noch konnte der Herzog verhüten, dass Regensburg auf seinem Weg zur Reichsfreiheit voranschritt, die 1245 erreicht war. Im Dualismus zwischen herzoglich-burggräflicher und bischöflicher Gewalt war ein dritter Machtfaktor, das Bürgertum, erstarkt, dessen staufische Privilegien von beiden anerkannt werden mussten. Bis 1244 war der Ausbau der Ratsverfassung abgeschlossen. Ausgangspunkt war nicht die Gerichtshoheit, sondern das Recht, den Hansgrafen zu wählen, die Wehrhoheit und die 1207 erworbene Steuerhoheit. Bereits 1230 erhielt die Stadt das Privilegium de non evocando, war also fortan keinem fremden Gericht, auch nicht dem des Herzogs unterworfen. Regensburg wurde exterritorial. Durch und seit BARBAROSSA verlor die Stadt ihren Charakter als Mittelpunkt des bayerischen Herzogtums und Sitz der Herzöge, was sie unter den WELFEN und früher gewesen war. Der Gewinn, den Regensburg durch seine Erhebung zur Reichsstadt davontrug, wog, wie die Zukunft erweisen sollte, nicht so schwer wie der Verlust, den es erlitt. Es entsprach dem Wandel der Zeit, dass mit dem Stammesherzogtum auch die Geschichte Regensburgs als dessen Hauptstadt endete, nach rund 700-jähriger Dauer. Rings umschlossen vom wittelsbachischen Territorium, waren seiner Entwicklung Grenzen gesetzt.

b) Der Kampf um Reichenhall
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Reichenhall, das wichtigste wirtschaftliche Produktionszentrum des Landes, der uralte, von vorgeschichtlicher Zeit her bedeutende Salzort, war ursprünglich Fiskalgut, das von den Herzögen und Königen zum größten Teil vergabt wurde und zu einem unentwirrbaren Knäuel von Herrschaftsrechten und Besitzanteilen an Salzbrunnen, Pfannen und Hofstättten entartet war. Die Rechtsverhältnisse waren ständig in Fluss, und des Streitens war kein Ende. Hatte den Hauptanteil der benachbarte Erzbischof von Salzburg, so besaß der Herzog als Nachfolger Heinrichs des Löwen die Grafschaftsrechte; mochte sie ihm auch der Erzbischof streitig machen, er hielt sie fest und kräftigte seine Beziehungen zu den Bürgern, deren Oberschicht, die Sudherren, eine selbständige Stellung neben den zahlreichen Herrschaftsträgern sich zu erringen bemühten, und wich nicht zurück, auch als 1196 Erzbischof Adalbert die Stadt brandschatzte und auf dem Guttenstein unmittelbar über den Salzbrunnen die Hallburg errichtete. Die Entscheidung fiel unter Adalberts Nachfolger Eberhard II., einem der bedeutendsten damaligen Reichsfürsten, von hervorragenden politischen und Verwaltungsfähigkeiten, dem einzigen unter den bayerischen Bischöfen, der dem Herzog die Waage zu halten imstande war, die durch die Lage Salzburgs gegebenen politischen Möglichkeiten zwischen den WITTELSBACHERN und BABENBERGERN, den PREMYSLIDEN und ARPADEN zu nützen verstand und in seiner langen Regierungszeit von 1200 bis 1246 den Grundstein zum salzburgischen weltlichen Staat legte. Der Stein kam ins Rollen, als 1218/19 die Grafen von Peilstein ausstarben, die als Hauptvögte des Erzstifts auch die salzburgische Vogtei "ze Halle" besaßen. Herzog und Erzbischof erhoben Anspruch auf das Erbe, ohne auf die mit den PEILSTEINERN verwandten PLAINER Rücksicht zu nehmen. Um seine Forderungen zu unterstreichen und den Punkt zu bezeichnen, in welchem er unnachgiebig zu bleiben gewillt war, schuf sich Ludwig eine feste Stellung in Reichenhall, indem er die salzburgische Hallburg eroberte und eine Grenzfestung zu bauen begann. Eberhard trat jedoch nicht in kriegerische Auseinandersetzungen ein, er vertraute auf die natürliche Beschaffenheit des Landes. Der Herzog konnte, wie auch sein Nachfolger, mit kriegerischen Mitteln die Begründung eines salzburgischen Territoriums im Gebirge nicht hemmen. Beide mussten ihre Kräfte darauf konzentrieren, dem Erzstift den Weg ins Inntal auf breiter Front zu verlegen und ein weites Ausgreifen ins Flachland zu verhindern, was nur mit halbem Erfolg gelang, wie die Auseinandersetzungen um das Erbe der LEBENAUER und der PLAINER, die 1229 bzw. 1249/60 ausstarben, beweisen, deren Machtzonen, soweit sie im herzoglichen Interessengebiet lagen, Salzburg westlich und nördlich vorgelagert waren. Sie zogen sich etappenweise aus dem Gebirg zurück. Herzog Ludwig machte den Anfang, indem er im Streit mit Eberhard die Konsequenzen zog und sich mit ihm 1219 verglich und 10 Jahre später, 1228, den Pinzgau preisgab. Aber den wichtigsten Teil des peilsteinischen Erbes behauptete er, voran Reichenhall. Das Erzstift musste seine territoriale Hoffnungen auf ein Gebiet begraben, in welchem seine ältesten Einkünfte lagen. Der Erfolg war um so größer, als die WITTELSBACHER, wie ihre Vorgänger, die WELFEN, in Reichenhall nur mäßig begütert waren und erst seit dem Aussterben der Grafen von Burghausen 1168, von Schala 1192 und von Peilstein dort hatten um sich greifen können. Reichenhall blieb bayerisch. Die landesfürstliche Wirtschaftspolitik konnte daran gehen, die privaten Salinenberechtigungen nach und nach einzulösen, das Salinenwesen zu verstaatlichen und sich eine Einnahmequelle zu eröffnen, die später zu den bedeutendsten des bayerischen Territorialstaates zählen sollte. Die Grenze gegen Salzburg im Chiemgau wurde erst in den 70-er Jahres des 13. Jahrhunderts gefunden. Die Auseinandersetzungen um die dortige Landeshoheit kamen jedoch nicht zur Ruhe. Den Erzbischöfen glückte es nicht, sich ihren reichen Besitz am Inn mit dem Vogtgericht Mühldorf als Mittelpunkt auch staatlich anzugliedern.

c) Die Verdrängung des Hauses Andechs
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Den stärksten Hemmschuh in der Ausbildung eines geschlossenen Staatsgebietes bildete das Haus ANDECHS, zumal zwei seiner Mitglieder Reichsfürsten und dem Herzog gleichgeordnet waren, Otto VII. Herzog von Andechs-Meranien, seit 1208 auch Pfalzgraf von Burgund, und Ekbert, seit 1203 Bischof von Bamberg. Eine friedliche Beilegung der Gegensätze wäre nur durch schwächlichen Verzicht auf beiden Seiten möglich gewesen. So kam es zu schweren, mit der Reichsgeschichte verketteten Wirren und Kämpfen, die sich durch 40 Jahre hinzogen und mit dem Untergang des Hauses endeten. Ihr Beginn wurde nicht durch die herrschenden Spannungen ausgelöst, sondern durch eine in blindem Jähzorn begangene Untat des Pfalzgrafen Otto, eines Vetters des bayerischen Herzogs. Am 21. Juni 1208 wurde König PHILIPP zu Bamberg bei der Feier der Hochzeit seiner Nichte Beatrix, der Erbin von Burgund, mit Herzog Otto durch den Pfalzgrafen ermordet. Der Täter fühlte sich in seiner Ehre tief verletzt, weil der König von seinem Versprechen Abstand genommen hatte, ihm eine seine Töchter zur Ehe zu geben. Nach einer Nachricht in der Slavenchronik Arnolds soll ihm PHILIPP noch eine weitere schwere Kränkung zugefügt haben. Als Pfalzgraf Otto sich an den schlesischen Hof begab, um die Hand einer Herzogs-Tochter anzuhalten, soll er dort vor ihm gewarnt worden haben. Die beiden Brüder des Neuvermählten, Bischof Ekbert und Markgraf Heinrich von Istrien, wurden einmütig der Mitwisserschaft geziehen. Die Tat war so ungeheuerlich, dass sie die schwersten Folgen nach sich ziehen musste. Der Täter und die beiden andechsischen Brüder Ekbert und Heinrich verfielen der Reichsacht. Mit sicherem Instinkt erkannte Ludwig die große Chance, die sich ihm bot. Seit dem Tod PHILIPPS war das Doppelkönigtum beseitigt und war der WELFE OTTO IV., der neu und einmütig gewählt wurde, allein deutscher König. Vornehmlich Ludwig war es zu verdanken, dass eine zweite Doppelwahl vermieden wurde. Als erster unter den deutschen Fürsten erkannte er den WELFEN an. OTTO sprach ihm hierfür auf dem Reichstag zu Frankfurt am 15. November 1208 unter gleichzeitiger Bestätigung der Erblichkeit des bayerischen Herzogtums die Reichslehen des Pfalzgrafen und des Markgrafen zu. Das Haus ANDECHS war an der Wurzel getroffen. Die beiden Brüder Ekbert und Heinrich flohen nach Ungarn an den Hof ihrer Schwester Gertrud, der ungarischen Königin, Heinrich auf dem Umweg über Rom, wo er beim Papst eine Intervention durchsetzte. Bis jedoch der Prozess durchgeführt, Bischof Ekbert im Jahre 1211 wieder in sein Amt eingesetzt und er selbst am Königshof in Gnaden aufgenommen war, hatte Ludwig längst gehandelt und seinen Vorteil wahrgenommen. Es winkten ihm Aussichten wie nie zuvor, selbst Anteil am südlichen Meer. Er brach den Widerstand seines Vetters, zusammen mit dem Nachbarn der pfalzgräflichen Güter, dem Reichsmarschall Heinrich von Kalden, der im März 1209 den Geächteten bei Regensburg, wo er sich verborgen hielt, aufgriff und tötete, und verdrängte Heinrich aus seinem Besitz in Bayern. Auf die Markgrafschaften Krain und Istrien musste er zwar noch im Jahre 1209 zugunsten des Patriarchen Wolfger von Aquileja verzichten, auch in die Stellung der ANDECHSER in Tirol konnte er infolge der Gegenwirkungen des Grafen Albert von Tirol nicht einrücken, aber sein Land- und Herrschaftsgewinn in Bayern war außerordentlich. Er schob seine Herrschaft südlich der von der mittleren Isar zum mittleren Lech laufenden Linie bis ins Gebirge vor, indem er in den andechsischen Kernlandschaften, in den Räumen der späteren Landgerichte Weilheim, Wolfratshausen, Starnberg und Landsberg sich den andechsischen Besitz sicherte, und erweiterte außerdem in den wittelsbachischen Stammlanden seine Herrschaftsgrundlagen um den Besitz seines Vetters nördlich der genannten Linie. Das westliche Bayern war jetzt in seine Hand gegeben, wenn auch seine Herrschaft dort noch nicht geschlossen und der Gewinn noch auf Jahrzehnte nicht gesichert war. Auch am unteren Inn gewann er gegen Passau zu an Boden, indem er auch hier in die andechsische Position einrückte, zunächst jedoch ohne sie halten zu können.

d) Die Gewinnung der Pfalz
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Herzog Ludwig harrte bei König OTTO aus, nahm am Krönungszug nach Rom teil und ließ sich auch nicht irre machen, als der WELFE, in die Bahnen der STAUFER einlenkend, seinen päpstlichen Gönner herausforderte, indem er Sizilien gewinnen wollte, was ihm den Bann eintrug. Als dann aber Papst Innocenz in der Zwangslage, in der er sich befand, das Steuer herumwarf und den jungen STAUFER FRIEDRICH gegen den WELFEN ausspielte, trat Ludwig im September 1211 mit anderen Fürsten für FRIEDRICHS Wahl ein. Im März 1212 bekannte er sich trotzdem nochmals zu OTTO. Wie brüchig aber die Freundschaft unterdessen geworden war, verraten die schweren Sicherungen, mit denen das damals gegebene eidliche Versprechen, niemals abfallen zu wollen, umhegt wurde und die verwandtschaftliche Verbindung, mit der man sie zu befestigen glaubte. Ludwigs einziger Sohn, wurde mit einer Nichte des Kaisers, mit Agnes, einer Tochter des älteren Bruders des WELFEN, des Pfalzgrafen Heinrich des Langen zu Pfingsten 1212 auf einem Hoftag zu Nürnberg verlobt, ein folgenschweres Geschehnis.
Da trat im Herbst des gleichen Jahres ein Ereignis ein, das alle Abmachungen über den Haufen warf und alle Eide vergessen ließ. Der junge STAUFER erschien am Oberrhein und trat seinen Triumphzug durch Oberdeutschland an, das ihm der WELFE kampflos preisgeben musste. Wie wenn die ihm geschworene Treue lediglich an seine staufische Gattin, eine Tochter PHILIPPS, gebunden gewesen wäre, verließen auf die Nachricht von ihrem Tod mit den Schwaben die Bayern sein Kriegslager in Thüringen, wohin sie mit ihm gezogen waren. Und als Herzog Ludwig seiner Eide ungeachtet im Dezember 1212 auf dem Fürstentag zu Frankfurt FRIEDRICH mitwählte, rührte sich in Bayern wie seinerseits für Heinrich den Löwen so auch jetzt für seinen Sohn OTTO keine Hand. FRIEDRICH konnte in Regensburg im Februar 1213 die bayerischen Großen, selbst jene, die sich zum Widerstand gegen ihren Herrn, falls er von OTTO abfiele, eidlich verbürgt hatten, um sich versammeln und ihre Huldigung entgegennehmen. Auch der Primas der bayerischen Kirche, Erzbischof Eberhard von Salzburg, trat auf seine Seite, um dafür großzügig belohnt zu werden, obwohl er dem WELFEN Treue selbst gegen den Papst versprochen hatte. Er erhielt von FRIEDRICH den ganzen Reichsbesitz im Lungau geschenkt und die Erlaubnis zur Errichtung des Bistums Chiemsee. Wie die Gründung des Bistums Seckau 1218 gegen die BABENBERGER gerichtet war, so bezog Salzburg mit dem Bistum Chiemsee eine feste kirchliche und territorialpolitische Position gegen das wittelsbachische Herzogtum.
Der Gewinn, den Ludwig bei diesem zweiten deutschen Thronstreit einheimste, überstieg alle Erwartungen. Dabei waren die Opfer, die er bringen musste, begrenzt, denn die Entscheidung zwischen dem STAUFER und dem WELFEN fiel nicht in einem Waffengang zwischen beiden allein, sondern in der Schlacht bei Bouvines im Juli 1214, mit der der englisch-französische Krieg ohne Beteiligung FRIEDRICHS beendet wurde und in der das englische Heer, auf dessen Seite OTTO kämpfte, unterlag. Ludwig zog lediglich mit FRIEDRICH gegen die niederrheinisch-welfische Fürstenopposition zu Feld, er geriet dabei in Gefangenschaft und wurde mehrere Monate festgehalten, bis man in der Heimat das Lösegeld für ihn aufgebracht hatte. Noch im gleichen Jahr 1214, wahrscheinlich anfangs Oktober, wurden er und sein Sohn Otto nach dem kinderlosen Tod des Pfalzgrafen Heinrich II., des Sohnes Heinrichs des Langen, mit der erledigten Pfalzgrafschaft bei Rhein belehnt, Ludwig als Lehensvormund des unmündigen Otto. Das war der Anfang der Verbindung Bayerns mit der Pfalz. Der Gewinn war für den bayerischen Herzog deshalb so bedeutend, weil die rheinischen Pfalzgrafen die angesehensten unter ihren Amtsgenossen waren und weil es ihnen gelang, ihrem Amt eine territoriale Grundlage zu geben, die auszubauen und zu erweitern sich lohnte, bestehend aus Reichs- und Kirchenlehen, Vogteien und Burgbezirken in einem wirtschaftlich und kulturell fortgeschrittensten Gebiete des Reichs, am Mittelrhein, an der Bergstraße, am Odenwald und an der Nahe, was den auch später nie behobenen Mangel räumlicher Geschlossenheit weitgehend aufwog. Ludwig setzte die Erwerbspolitik seiner Vorgänger fort. Im Jahre 1225 gewann er das bischöflich-wormsische Kirchenlehen, das Heidelberg als Mittelpunkt hatte, wo sein Sohn nach der Übernahme der Regierung häufig residierte. So bedeutsam für Bayern das Ereignis war, in den bayerischen Quellen wird es nur in einer Aufzeichnung aus dem Kloster St. Emmeran erwähnt, die um so bemerkenswerter ist; Bayern sei dem Land am Rhein gleichsam unterworfen worden, heißt es da. Man fürchtete zurückgesetzt zu werden. Durch die Gewinnung der Pfalz wurde in einem Augenblick, in dem stärkste Konzentration das Gebot der Stunde war, das politische Interesse und die politische Aufgabe der jungen Dynastie zweigeteilt.

Reichspolitik Ludwigs I. und Ausklang seiner Regierung
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a) Teilnahme am Kreuzzug
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Die Vereinigung der bayerischen Herzogswürde mit dem Pfalzgrafenamt führte Ludwig an die Spitze der deutschen weltlichen Fürsten und an die Seite des Kaisers, der auf seine unmittelbare Unterstützung rechnete. FRIEDRICHS Spannungen mit der Kurie setzten nach Innocenz' Tod im Sommer 1216 ein, als der Kaiser überraschenderweise seinen kleinen, bereits zum sizilianischen König gekrönten Sohn HEINRICH nach Deutschland bringen und zum König wählen ließ, während er selbst nach Bereinigung der welfischen Frage nach Italien zurückkehrte, dem widerstrebenden Papst die Krönung abrang und daranging, seinen sizilianischen Staat auf- und auszubauen, um von da aus Italien und Deutschland zu beherrschen. Ein Grundgedanke der kurialen Politik, die Trennung Siziliens vom Reich, war illusorisch gemacht. Zum offenen Konflikt führte die Kreuzzugsfrage.
Der Kreuzzugsgedanke hatte auch in Bayern immer noch zündende Kraft, wie das Echo zeigt, das der Kreuzzugsbeschluss des Laterankonzils vom November 1215 auslöste. Gleich dem Kaiser nahm der Herzog das Kreuz, dem Beispiel folgten zahlreiche bayerische adlige Herren. Da FRIEDRICH die Erfüllung seines Kreuzzugsversprechens immer wieder hinausschob, machte im Jahr 1217 Herzog Otto von Meranien den Zug seines Schwagers, des Königs Andreas II. von Ungarn, mit, ebenso Graf Ulrich von Velburg-Klamm und andere Adlige. Die Grafen Albert und Berthold von Bogen schlossen sich dem niederrheinischen Kreuzfahrerheer an und nahmen 1218 an der Belagerung der Stadt Damiette teil, die 1219 erobert wurde. Das Hilfskorps, das im April 1221 von Tarent aus in See stach, um das Kreuzfahrerheer in Damiette zu verstärken, wurde vom Kaiser der Leitung Herzog Ludwigs unterstellt, was für seine Stellung bezeichnend war. Der Name des bayerischen Herzogs ist mit dem enttäuschenden Ende des Gesamtunternehmens, das mit einer gewaltigen Kraftanstrengung des Abendlandes ins Werk gesetzt worden war, eng verknüpft. Wie der Kardinallegat Pelagius, dessen eiferndes Zureden gefährliche Beschlüsse auslöste, so drängte auch er, er sei nicht gekommen, um in Trägheit aufzugehen. Da er als Stellvertreter des Kaisers auftrat, hatte sein Wort Gewicht. Er war mitverantwortlich für den verhängnisvollen Vorstoß nach Kairo, wie er denn auch unter den Geiseln war, die der Sultan Al-Kamil sich ausbedang. Vom Großmeister des Templerordens wurde er wegen des unglücklichen Ausgangs des Kreuzzugs mitbelastet.

b) Reichsgubernator und Vormund König Heinrichs (VII.)
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Es bedeutete die höchste Steigerung seines Ansehens, dass ihn der Kaiser am 2. Juli 1226 für den ermordeten Erzbischof Engelbert von Köln zum Reichsgubernator und zum Vormund seines Sohnes, des damals 15-jährigen Königs HEINRICH (VII.) bestellte. Die Regentschaft Ludwigs stand von Anfang an unter einem ungünstigen Stern. Er hatte schon früher einmal vergeblich versucht, auf HEINRICHS Zukunft Einfluss zu nehmen und ihr eine Wendung zu geben, die seinen territorialen Interessen entsprach, indem er den Plan seiner böhmischen Verwandtschaft, HEINRICH mit Agnes, einer Tochter Ottokars, zu verheiraten, eifrig unterstützte. Zu Ulm im Januar 1225 war öffentlich darüber verhandelt worden. Agnes wurde von ihrem Vater im Einvernehmen mit Ludwig der Obhut Leopolds VI. von Österreich anvertraut. HEINRICH schlug jedoch die Heirat aus und vermählte sich am 18. November 1225 mit der BABENBERGERIN Margarete, Leopolds Tochter. Die Folge war tödliche Feindschaft, zwischen Ludwig und Ottokar, die sich mit Ungarn verbündeten, auf der einen und Leopold auf der anderen Seite. Sie bildete den Auftakt zu den kommenden, sich häufenden Waffengängen zwischen Bayern und Österreich, den Nachbarn gleichen Stammes. Die Heirat lag auch im Interesse Kaiser FRIEDRICHS, der wie den WITTELSBACHER, so auch den BABENBERGER bei seiner Partei halten musste. Bayern, Österreich und die Steiermark gehörten zum nördlichen Vorland Italiens wie Schwaben und Burgund, die beide durch seinen Sohn HEINRICH gesichert waren, dem er 1217 das Herzogtum Schwaben und 1218 nach dem Aussterben der ZÄHRINGER, das Rektorat in Burgund übertragen hatte. Es war für Ludwig viel schwerer als für Engelbert, in seiner neuen Stellung die Reichsinteresssen mit seinen eigenen in Einklang zu bringen. Der deutsche Norden trat im Blickfeld des Kaisers gegenüber dem Süden zurück, die dänische Gefahr wurde durch die norddeutschen Fürsten ohne seine Mitwirkung beschworen. Die wittelsbachischen Interessen jedoch kreuzten sich mit den staufischen, und in der Regentschaft Ludwigs lag von Anfang an ein Keim des Abfalls. Ludwig versuchte die staufischen Interessen nach Norden abzulenken. Als Pfalzgraf Heinrich der Lange, der letzte Sohn Heinrichs des Löwen, ohne männliche Nachkommen starb, veranlasste er den jungen König, zusammen mit ihm Ansprüche auf den Allodialbesitz der braunschweigischen WELFEN-Linie zu erheben und ihnen mit Waffengewalt Nachdruck zu verleihen. Beide, König und Herzog, belagerten im August 1227 Braunschweig. Hatte der Kriegszug auch keinen Erfolg, er bewies zum mindesten, dass Ludwig nicht ohne Einfluss auf den Thronfolger war und dass es ihm nicht an Kühnheit der Zielsetzung gebrach. Gleich Engelbert von Köln und wie dieser ohne Erfolg und im Gegensatz zum Kaiser betrieb er damals auch die Hinwendung des Reiches zu England und die Ersetzung des staufisch-kapetingischen Bündnisses durch ein staufisch-englisches. Es gelang ihm, seinen Plan soweit zu fördern, dass König Heinrich III. von England im April 1227 bereit war, eine Tochter Ottokars von Böhmen oder eine andere deutsche Fürstentochter zu heiraten. Der Kaiser jedoch hielt am kapetingischen Bündnis fest. Damals war Ludwigs Stellung als Vormund HEINRICHS bereits in Wanken geraten. HEINRICH hatte längst Verbindung aufgenommen mit den gefährlichsten Rivalen Ludwigs in Bayern, den ANDECHSERN, von denen ihm Herzog Otto VII. als Gatte der Beatrix, der Enkelin BARBAROSSAS, besonders verbunden war. Er sah durch die wittelsbachische Territorialpolitik, durch den Aufstieg der fürstlichen Territorialgewalten überhaupt, das alt-staufische System in S-Deutschland gefährdet und suchte und fand Abwehrkräfte bei der Reichsministerialität, besonders in Schwaben, und beim Bürgertum.

c) Kämpfe mit Heinrich (VII.) und Otto VII. von Andechs. Tod und Würdigung
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Auch nach der Rehabilitierung der andechsischen Brüder Ekbert und Heinrich hatte Ludwig die andechsischen Grafschaften nicht herausgegeben, ebenso hielt er die andechsischen Allodien besetzt. Er verhinderte mit allen Mitteln die Bildung eines andechsischen Territoriums, ebenso wie der den gleichlaufenden Zielen Freisings entgegenarbeitete, das er zu einem herzoglichen Bistum zu machen versuchte. Den ANDECHSERN Ekbert, dem Bischof von Bamberg, hielt er in Schranken, indem er seinen Stiefsöhnen, den Grafen von Bogen, in der Verfügung über die bambergischen Lehen im Donauraum freie Hand ließ, bis schließlich der Bischof es vorzog, sich mit ihm zu versöhnen. Im Jahr 1228 übertrug er ihm, ein Zeichen des Ausgleichs, die Donaulehen mitsamt den Lehen der Edlen von Hals, nachdem der Herzog das Jahr zuvor Heinrich die Rückkehr nach Bayern erlaubt hatte. Als Heinrich jedoch noch im Jahr seiner Rückkehr starb, blieb alles beim alten, so dass nun der dritte der andechsischen Brüder, Otto VII., in den offenen Kampf um sein gefährdetes Erbe eintrat. Sein Bundesgenosse war König HEINRICH. Im selben Augenblick, als die staufisch-andechsische Freundschaft, die Ludwig durch seine Reichsstellung bisher gebunden hatte, in dem der Führung entwachsene König wirksam wurde, war das Ende der Vormundschaft des bayerischen Herzogs und seiner Reichsverweserschaft erreicht. Im April 1228 nahm der König den Abt Konrad von St. Gallen, der mit Ludwig verfeindet war, in seinen Rat auf. An Weihnachten desselben Jahres trennte er sich in Hagenau im Elsaß in schroffer Form vom Herzog, dem er vorwarf, er stehe mit der Kurie in Verbindung, die damals die Einsetzung eines Gegenkönigs gegen den gebannten Kaiser betrieb, der trotz des päpstlichen Verbotes im Juni 1228 die Kreuzfahrt angetreten hatte. Der König kam Otto zu Hilfe, brach im Sommer 1229 in Bayern ein und zwang seinen ehemaligen Vormund in einem kurzen geschickt geführten Kriegszug, dem ANDECHSER Recht widerfahren zu lassen. Otto konnte sich in seinen Stammgrafschaften festsetzen und Dießen befestigen. Die militärischen Kräfte, die Ludwig zur Belagerung von Wolfratshausen schickte, wurden geschlagen. Der Herzog musste auch aus der andechsischen Position am Inn weichen. Seine ausgreifende Territorialpolitik führte die ANDECHSER immer enger auch mit den BABENBERGERN zusammen. Der Sohn Herzog Leopolds und Schwager HEINRICHS (VII.), Friedrich (der Streitbare), heiratete 1229 Ottos Tochter Agnes. Als Mitgift erhielt die ANDECHSERIN neben Gebieten in Krain die Allodien ihres Hauses am unteren Inn mit der Feste Neuburg als Mittelpunkt. Ludwig musste die Wiedererrichtung der Burg in Schärding gestatten, die 1208 geschleift worden war. Mit dieser Heirat fassten die BABENBERGER in nächster Nachbarschaft der ORTENBURGER und WITTELSBACHER am unteren Inn Fuß und schalteten sich in das spätere heiße Ringen um den Besitz der Innübergänge ein.
Ludwig schien in seiner andechsischen Politik vollkommen gescheitert, der Kampf zwischen den beiden Häusern beendet zu sein, allein da dieser Existenzfragen berührte und die letzten Möglichkeiten noch nicht erschöpft waren, war die Entscheidung, als Ludwig 1231 aus dem Leben schied, nur vertagt. Er vermochte wohl den schwachen Bischof Gerold zu überreden, ihm die Stadt Freising als Lehen zu übertragen, aber das Freisinger Kapitel intervenierte bei Kaiser und Papst. Im Jahr 1230 wurde Gerold abgesetzt und die Belehnung für ungültig erklärt. In Gerolds tatkräftigen Nachfolger, dem Edlen Konrad von Tölz, besaß der Herzog einen erbitterten Gegner, doch glückte es ihm wenigstens, den aufrührerischen Grafen Konrad von Wasserburg, durch den die ihn bedrängenden Gefahren um eine weitere vermehrt worden waren, an seine Seite zu zwingen sowie im November 1229 mit HEINRICH (VII.) Frieden zu schließen und das Einvernehmen mit dem Kaiser seit dem im Juli 1230 mit dem Papst geschlossenen Frieden von San Germano, zu dessen Garanten auch er gewählt worden war, wenigstens äußerlich wieder herzustellen - da wurde er Mitte September 1231 auf der Donaubrücke bei Kelheim von einem Unbekannten erdolcht. Da der Mörder auf der Stelle erschlagen wurde, blieb die ungeheuerliche Tat ungeklärt. Das Volk sah im Kaiser den Schuldigen. Der Kaiser habe den "Alten vom Berg", das Oberhaupt der mohammedanischen Sekte der Assassinen am Libanon, veranlasst, den Mörder auszusenden. Maßgebend für die Beurteilung dürfte jedoch die Einstellung des Sohnes des Ermordeten, des Herzogs Otto II., zum Kaiser sein. Er muss, wenn auch nicht von Anfang an, von der Unschuld FRIEDRICHS überzeugt gewesen sein, da er 1235 eine Tochter mit des Kaisers Sohn KONRAD verlobte.
Im Gegensatz zu seinem Vater berichten die Quellen über Ludwigs Wesen kaum einen liebevollen Zug. Man muss sich ein Bild aus seinen Handlungen formen. Sie spiegeln ihn wider als kraftvolle Persönlichkeit von starkem politischem Vermögen. In den rund 40 Jahren seiner selbständigen Regierungszeit meisterte er eine verzweifelte Situation, nicht so durch die Gewalt der Waffen, in deren Führung er wenig Glück hatte, wie mit den Mitteln der Politik, indem er sich gegenüber den Großen des Landes durchsetzte, ja er bewahrte noch, wie der Besuch seiner Hoftage, seine schiedsrichterliche Tätigkeit, sein Ansehen in Bayern und im Reich beweisen, einen Nachglanz der alten stammesherzoglichen Würde. Was dem Reich zum Unglück ausschlug, der Tod HEINRICHS VI. und PHILIPPS VON SCHWABEN, auch die gegen Ende seiner Regierung schon aufkeimenden Gegensätze zwischen FRIEDRICH II. und seinem Sohn wusste er sich zum Glück zu wenden. Seine bedeutendste territorialpolitische Leistung war, dass er die Konsolidierung eines andechsischen Fürstentums in der Mitte Bayerns verhinderte. Seine folgenreichste Erwerbung war die Pfalz, sein glücklichster Entschluss seine Wahl der PREMYSLIDIN Ludmilla zur Gattin. Durch diese Heirat machte er sich Böhmen zum Freund und schuf er sich eine Gegengewicht gegen die ausgreifenden BABENBERGER, fesselte er die Söhne Ludmillas an sich, deren Territorium sein Sohn erben sollte, und hielt er auch die ORTENBURGER in Schach, von denen Rapoto II. gleichfalls eine Böhmin zur Frau hatte. Er schuf die Grundlagen des bayerischen Territorialstaates und steckte den Rahmen ab. Sicherung, Mehrung und Ausbau waren die Aufgabe seiner beiden Nachfolger.