Rall Hans und Marga: Seite 27-32
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"Die Wittelsbacher"

HERZOG LUDWIG I. DER KELHEIMER
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* 23.12.1173 (1174), + 15.9.1231 (ermordet)
Kelheim                      in Kelheim

Grabstätte: Benediktinerkloster Scheyern

  oo Ende Oktober 1204 in Kelheim

Ludmilla, Witwe des Grafen Albert III. von Bogen
* um 1170, + 5.8.1240
Olmütz       Landshut

Grabstätte: Zisterzienserinnenkloster Seligenthal bei Landshut

Eltern: Friedrich, Herzog von Böhmen aus dem Hause der PREMYSLIDEN und Elisabeth, Tochter des Königs Geisa II. von Ungarn

Den BABENBERGER Herzögen der Ostmark war 1156 die Erblichkeit der Herrschaft über ihr Territorium zugestanden worden. Als der erste WITTELSBACHER Bayern-Herzog bei seinem Tode am 11. Juli 1183 in seinem Sohn Ludwig nur einen Knaben als Erben zurückließ, kam diesem das Beispiel des Herzogtums Österreich sehr zustatten. Niemand bestritt seine Nachfolge. Die Arbeit, die der Regentschaftsrat übernahm, war freilich außerordentlich schwierig. Er bestand aus dem Pfalzgrafen Otto VII. dem Jüngeren, dem WITTELSBACHER Friedrich, der allerdings zehn Jahre vorher nach dem Tod seiner Gattin Laienmönch im Kloster Indersdorf geworden war, und Ludwigs Onkel Konrad, den der Kaiser infolge des Todes des Erzbischofs Christian von Mainz am 25. August 1183 von seinem erzbischöflichen Sitz in Salzburg weggeholt und in Mainz zum Oberhirten und Kanzler gemacht hatte. Eine Reise von Mainz nach Bayern erforderte im 12. Jahrhundert natürlich weit mehr Zeit als in unseren Tagen eine Reise von Bonn nach München. Auch von Friedrich, dem Laienmönch in Indersdorf, der zwar den Rang eines Pfalzgrafen in Bayern hatte und erst 1198 starb, ließ sich keine erhebliche Hilfe erwarten. Die Arbeit der Regierung wurde im Regentschaftsrat tatsächlich vor allem durch die starke Persönlichkeit der Herzogin-Witwe Agnes getan. Sie hielt die Regentschaft zusammen. In den Urkunden wird sie neben den anderen Vormündern als "Domina Agnes Ducissa" (Frau Herzogin Agnes) bezeichnet. Der noch unmündige Herzog machte durch die Hand seiner Mutter Schenkungen an die Kirche. Als Agnes 1191 starb, hatte Ludwig gerade die Volljährigkeit erreicht, seine Stellung im Herzogtum war aber wegen der Macht und der Rechte der Grafen keineswegs eindeutig.
Das Verhältnis Bayerns zum Reich brachte es günstiger Weise mit sich, dass Herzog Ludwig den neuen STAUFER-Herrscher HEINRICH VI. auf seiner zweiten Heerfahrt durch ganz Italien begleitete. An seiner Seite zog er 1194 in Palermo ein. 1196 reiste er zusammen mit ihm nach Würzburg und Mainz, wo HEINRICH ein erbliches Kaiserreich mit erblichen weltlichen Fürsten unter der Ausschaltung von Geistlichen als Fürsten schaffen wollte. Der Plan scheiterte an dem weltlichen Ehrgeiz der Geistlichen. Der Kaiser aber deckte den Bayern-Herzog in einer im Bereich des bisherigen Herzogtums wichtigen Frage, in der es um das Lehensrecht und Hausgut ging. Die letzten Stefflinger Landgrafen, deren Mutter eine Schwester des Bayern-Herzogs Otto war, starben aus. Der Kaiser übertrug die Landgrafschaft offenbar an Herzog Ludwig, dieser aber verlieh sie als Lehensherr an die Leuchtenberger weiter und zog nur das Hausgut der Stefflinger ein. Er vermied dadurch, sich Neider unter den Großen seines Landes zu schaffen. Bald war er auch im Besitz von Burg und Herrschaft Regenstauf.
Zwischen 1195 und 1197 nahm der Kaiser den Böhmen-Herzog Ottokar und den Grafen Albert III. von Bogen, mit denen er und der WITTELSBACHER verfeindet gewesen waren, wieder in Gnaden auf. 1197 starb Kaiser HEINRICH VI., das Jahr darauf der Graf von Bogen. Der neue STAUFER-König PHILIPP gab die langjährige Territorialpolitik seiner Familie in Bayern auf. Jetzt ergriff Herzog Ludwig die Initiative im Kampf um Regensburg, als ihm der Bischof die Lehen vorenthielt, die dieser an die Stefflinger verlehnt gehabt hatte. Doch stellte sich Ludwig auf die Seite eines anderen Bischofs, nämlich des Bischofs von Passau, als dieser die Grafen von Ortenburg bekämpfte. Ludwig unterstützte von Anfang an seine politische Arbeit durch hausrechtliche Schritte. Seine Schwester Elisabeth war schon um 1190 wohl unter Mitwirkung von Ludwigs Mutter mit dem Grafen Berthold von Vohburg, Markgrafen von Cham, verheiratet worden. Den nördlichen und westlichen Grenzen seines Herzogtums trug Ludwig Rechnung, als er 1196 seine älteste Schwester Sophie mit dem Markgrafen Hermann von Thüringen, eine andere mit dem Grafen Adalbert von Dillingen verheiratete. 1204 gelangen aber Ludwig weittragende Entscheidungen: Er selbst vermählte sich mit Ludmilla, einer geborenen Herzogs-Tochter von Böhmen, der Witwe seines verstorbenen Feindes, des Grafen von Bogen. Die Phantasie des Volkes beschäftigte sich alsbald mit diesem familienpolitischen Ereignis: Der Herzog habe die Witwe verführen wolle, sie aber habe vor Zeugen ein Eheversprechen gewünscht. Deshalb habe sie in ihrem Schlafgemach drei Ritter auf einen Vorhang malen lassen, hinter dem drei wirkliche Ritter verborgen waren. Der Herzog habe angesichts der Ritterbilder der schönen Witwe sein Eheversprechen gegeben, nach der Liebesnacht seien die wirklichen Ritter als Zeugen hervorgetreten, als Ludmilla das Eheversprechen zur Sprache brachte. Ludmilla und Ludwig heirateten Ende 1204 in Kelheim. Die Gräfin-Witwe brachte zwei noch unmündige Söhne mit in die Ehe, um die sich der Stiefvater sehr annahm. Er sorgte auch rechtzeitig für ihre spätere Rechtsstellung als Grafen von Bogen. Als Gatte der PREMYSLIDIN Ludmilla gewann Ludwig den nunmehrigen König Böhmens zum Freund und damit auch ein Gegengewicht gegen die von Wien aus um sich greifenden BABENBERGER.
Die bis in den Chiemgau hinein mächtigen ORTENBURGER, von denen Rapoto II. damals mit einer Böhmin verheiratet war, zwang der Herzog durch seine Ehe gleichfalls auf seine Linie. Da in eben diesem Jahr 1204 Ludwigs kinderloser Schwager, der Markgraf von Cham-Vohburg, starb, erhielt Ludwig die Mark Cham und damit einer weitere Position im Osten Bayerns. Mit der bisherigen bayerischen Hauptstadt Regensburg hatte er trotz dieser Erfolge kein leichtes Spiel. Er konnte zwar die Regensburger Festung Teisbach bei Dingolfing zerstören und Burg sowie Stadt Landshut an der Isar als seinen Herrschersitz aufbauen. Aber die hochstiftischen Lehen im Bereich von Kufstein, Rattenberg und Kitzbühl erreichte er vom Bischof von Regensburg nur durch großzügige Versprechen an diesen, für den Fall, dass er bei seinem Tod keine männlichen Nachkommen hinterlassen werde. Von einer Überordnung des Herzogs über den Bischof war in beider Vertrag von 1205 nichts mehr zu lesen. Ungeschmälert behauptete Ludwig im wesentlichen nur seine Rechte als Burggraf in dem bald nicht mehr als Bayerns Hauptstadt anzusprechenden Regensburg. Denn 1230 erhielt die Stadt vom Kaiser das Recht, dass ihre Bürger von niemandem mehr - also auch nicht mehr vom Herzog von Bayern - vor dessen Gericht gezogen werden dürften.
Ein Drama mit familienpolitischen Seiten, das auch als Andechser Staatsstreich gedeutet wird, spielte sich 1208 ab. Ludwigs Vetter, Pfalzgraf Otto VII., fühlte sich in seiner Ehre gekränkt, weil der STAUFER-König PHILIPP sein Versprechen nicht verwirklichen konnte, ihm eine seiner Töchter als Gemahlin zu geben, und sogar den Herzog von Schlesien vor Ottos Werbung um eine seiner Töchter, wie die Slawenchronik Arnolds erzählt, warnte. Erbittert ermordete der wütende Pfalzgraf den König in Bamberg, wo dieser bei der Hochzeit seiner Nichte, der Erbin von Burgund, weilte. Da deren Schwäger, zwei Grafen von Andechs, einmütig beschuldigt wurden, Mitwisser der Tat zu sein, wurde über den Mörder und über sie die Reichsacht verhängt. Weil PHILIPP aus einer Doppelwahl hervorgegangen war, entstand zugleich die Frage, ob der gegen ihn gewählte welfische König OTTO IV. nun allgemein anerkannt oder ein neuer STAUFER gegen ihn gewählt werden sollte. Herzog Ludwig nützte die sich ihm bietende Chance, verließ die bis dahin in der Familie üblich gewesene staufische Gefolgschaft und erkannte als erster der deutschen Fürsten sofort den WELFEN-König an. Dieser sprach dem Bayern-Herzog darauf am 15. November 1208 auf dem Reichstag zu Frankfurt die zahlreichen Reichslehen zu, die der geächtete ANDECHSER Markgraf von Istrien und der unselige WITTELSBACHER Pfalzgraf Otto innehatten. Zugleich bestätigte König OTTO Ludwig für den Sohn die Erblichkeit seines Herzogtums und verzichtete damit auf welfische Ansprüche auf Bayern. Da die Aufgaben eines Pfalzgrafen nun dem Grafen Rapoto II. von Ortenburg übertragen wurden, vermählte der Herzog im nächsten Jahr seine Schwester Mechthild mit dem verwitweten Grafen.
Herzog Ludwig hatte von seiner Gattin nur einen einzigen Sohn, den 1206 geborenen Otto. Dieser Knabe wurde am Pfingstfest 1212 auf einem Hoftag zu Nürnberg mit Agnes, der Nichte des WELFEN-Königs, verlobt, der dadurch die abbröckelnde Beziehung zum Bayern-Herzog retten wollte. Das Familienereignis von 1212 hatte noch weit größere Folgen als das von 1204 oder von 1208. Denn der junge STAUFER FRIEDRICH erschien noch im Herbst 1212 am Oberrhein und gewann in einem förmlichen Triumphzug Oberdeutschland. Da sprang Ludwig von dem WELFEN-König ab und wählte mit anderen Fürsten im Dezember dieses Jahre nun den STAUFER FRIEDRICH zum Römischen König. Der Kampf des unglücklichen WELFEN-Königs nahm schon 1214 ein Ende, als er als Bundesgenosse der Engländer bei Bouvines den Franzosen unterlag. Der Bayern-Herzog zog  mit König FRIEDRICH II. gegen die niederrheinisch-welfische Fürstenopposition in den Kampf, wurde aber gefangengenommen. Der zeitgenössische Geschichtsschreier Abt Konrad von Scheyern erzählt dazu: "Mit ihm (Ludwig) geriet ganz Bayern in Gefangenschaft; Arm und Reich, Edle und Nicht-Edle leisteten eine Abgabe und lösten ihn aus." Noch im Oktober 1214 belehnte der STAUFER-König FRIEDRICH II. den Bayern-Herzog und dessen Sohn mit der Pfalzgrafschaft bei Rhein. Ludwig wurde Lehensvormund des erst 8-jährigen Knaben. Durch diese reichslehensrechtliche Verbindung wurden Bayern und die Pfalzgrafschaft bei Rhein bis in unser Jahrhundert verknüpft. Das Herzogtum Bayern, dem 1156 eine weitere Entwicklung im Osten abgeschnitten worden war, wurde 1214 im Reichsinteresse damals der STAUFER wie in Eröffnung fruchtbarer Perspektiven für eine Entwicklung Bayerns nach Westen gebunden. Seit 1214 führen alle WITTELSBACHER bis ins 20. Jahrhundert den Titel eines Pfalzgrafen bei Rhein wie den eines Herzogs von Bayern. Auch in der Zeit, da die Pfälzer Lande unter eigenen WITTELSBACHER Fürsten standen, bezeichneten sich alle WITTELSBACHER mit diesem doppelten Rang, sogar noch als die WITTELSBACHER Schweden-Könige wurden. Es lässt sich in Urkunden erweisen, dass einzelne Teilfürsten etwa der Linie Bayern-München auch vom Kaiser formell sowohl mit der Pfalzgrafschaft bei Rhein wie mit den Herzogtum Bayern belehnt wurden, wiewohl sie nur einen Teil des Herzogtums tatsächlich regierten.
Bei der Verbindung von Pfalz und Bayern wirkten das Reichslehensrecht sowie das Haus- und Staatsrecht zusammen. Auch das Reichsrecht und die Stellung des den König wählenden Herzogs wurden 1214 kombiniert. Der Pfalzgraf bei Rhein war nicht nur mit der Wahrnehmung kaiserlicher Gerichtsgewalt im Reich beauftragt, sondern auch der Reichsverweser, wenn der Kaiser an der Amtsausübung seiner Gewalt etwa durch Abwesenheit verhindert oder überhaupt noch nicht einmal ein Römischer König gewählt worden war. Ohne dass König FRIEDRICH einen Reichstag einberief, gab ihm Ludwig noch im Oktober 1214 sein Einverständnis für gewisse Abtretungen an den Papst. Schwieriger sollte die Vertretung auf einem Kreuzzug werden. FRIEDRICH II., seit 1220 Kaiser, ernannte den Pfalzgrafen und Herzog Ludwig, der schon auf einem Hoftag des Königs 1215 das Kreuz genommen hatte, zu seinem Stellvertreter auf dem Kreuzzug, der schließlich 1221 nach Ägypten unternommen wurde. Ludwig erwies sich als wachsam und sehr tätig, doch verlief der Kreuzzug infolge des Draufgängertums des päpstlichen Legaten trotzdem unglücklich. Damiette wurde erobert, musste aber aufgegeben werden. Ludwig war unter den Geiseln, die der Sultan für die Gewährung des freien Abzugs der Christen verlangte. Er empfing sie auf seiner Burg Mansurah aber ritterlich und ließ sie bald wieder frei.
Im Hinblick auf Bayerns Ostinteresse schlug Herzog Ludwig, durch seine Gattin Ludmilla mit der böhmischen Herrscherfamilie verwandt, 1225 vor, dass der knapp 15-jährige Sohn des Kaisers, König HEINRICH (VII.), mit Agnes, der Tochter des Böhmen-Königs Ottokar, vermählt werde. Der Vater vertraute die Tochter der Obhut des Herzogs Leopold VI. von Österreich an. Der junge STAUFER schlug aber die Heirat aus und ging im November 1225 eine Ehe mit Margarete, der Tochter Leopolds, ein. Der junge Römische König trug mit seinem unerwarteten Schritt zwar dem Interesse seines kaiserlichen Vaters Rechnung, der die WITTELSBACHER in Bayern und die BABENBERGER in Österreich auf seiner Seite haben wollte. Herzog Ludwig und der enttäuschte König Ottokar verbündeten sich aber mit den Ungarn und gingen mit Waffen gegen Herzog Leopold vor. - Als der Erzbischof Engelbert von Köln 1226 ermordet wurde, bestellte der Kaiser im Juli den Pfalzgrafen und Bayern-Herzog Ludwig zum Reichsgubernator und Vormund für seinen Sohn HEINRICH. Die Aufgabe, die Ludwig für den abwesenden Kaiser übernahm, war ebenso ehrenvoll wie reich an Schwierigkeiten. Der junge STAUFER stellte sich gegen Ludwig und beschuldigte ihn heimlicher Machenschaften mit der Kurie, die sich aus eigener Initiative dem WITTELSBACHER näherte. 1229 griff König HEINRICH im Bunde mit dem für Ludwig gefährlichen Otto von Andechs-Meranien seinen Vormund mit militärischem Erfolg an. Als der Kaiser vom Kreuzzug heimkehrte, stellte er sich auf Ludwigs Seite.
Der Bayern-Herzog hatte schon als Reichsverweser die Freundschaft Englands gesucht. Sie war ihm aber auch als Landesherrn am Rhein und im Reich überhaupt notwendig. In seiner Eigenschaft als Pfalzgraf hatte Ludwig 1225 den Bischof von Worms veranlasst, ein Lehen des Hochstifts, das Schloss und Stadt Heidelberg sowie den Landstrich am Stahlbochel an der Bergstraße umfasste, an ihn und seine Schwiegertochter als Lehen zu geben. Er knüpfte daran an, dass ein früherer Bischof von Worms dieses Gebiet bereits an den STAUFER Konrad, den Halbbruder BARBAROSSAS, als Lehen gegeben hatte, als er Pfalzgraf bei Rhein war. Ludwig stützte durch Zollmaßnahmen am Niederrhein seine Politik und gewann so sehr an Ansehen, dass 1227 der Herzog von Limburg entgegen dem Brauch des Reichslehensrecht, keine Lehen von einem weltlichen ranggleichen Fürsten zu empfangen, Pfälzer Lehen von ihm nahm.
Am 14. Mai 1227 machte Ludwig die Schwertleite seines Sohnes zu einem glänzenden Fest. Als der letzte der welfischen Pfalzgrafen bei Rhein gestorben war, ließ Ludwig seinen Sohn bereits 1228 die Regierung am Rhein selbst übernehmen. Bei dieser Gelegenheit übernahm Otto II. den staufischen Löwen, den auch die späteren welfischen Pfalzgrafen geführt hatten, in sein Wappen. Der Zackenbalken, den Ludwig I. nachweislich noch 1230 führte, verschwand mit seinem Tod 1231 aus dem WITTELSBACHER Wappen. Die 1238 erlöschende WITTELSBACHER Seitenlinie der Grafen von Valley hatte im Wappen einen nach rechts steigenden Hirschen geführt.
In der Pfalzgrafschaft wie im Herzogtum hatte Ludwig durch drei Notare ein gleichmäßig ausgeprägtes Verfahren organisiert, um Regierungsakte schriftlich festzulegen. In Bayern hatte er wohl spätestens 1209 eine Kanzlei zur Ausstellung der Herzogsurkunden eingerichtet. Ludwig I. war es auch, der anstelle der Einteilung des Herzogtums in Grafschaften eine solche in Ämter in den Teilen des Herzogtums begann, die unmittelbar unter seiner Gerichtsgewalt standen. Aus dieser Ämtereinteilung entwickelten sich seit der Mitte des 13. Jahrhunderts die Herzoglichen Landgerichte. Das älteste WITTELSBACHER Herzogsurbar, das uns in der Niederschrift von vor 1237 erhalten ist, lässt bereits den unmittelbaren Besitz des Herzogs und seine Einteilung in Ämter und Schergenämter erkennen.
Im Herzogtum gelang es Ludwig, Reichenhall zu behaupten und die Saline wieder fest in die Hand zu nehmen. Der Salzburger Erzbischof versuchte nämlich, ein eigenes Landesfürstentum aus dem bisherigen bayerischen Stammesherzogtum herauszuschälen und kämpfte vor allem um Reichenhall und seine Saline. Da war es für Ludwig I. wichtig, dass er erreichte, dass ihn der STAUFER-König FRIEDRICH II. 1219 formell mit dem Bergregal auf seinen Erbgütern und Lehen ausstattete. Seine Nachfolger hielten daran fest und machten daraus später ein landesherrliches Obereigentum an Bodenschätzen.
Zu Ludwigs nachwirkenden Taten gehört, dass er 1223 die Stadt Landau an der Isar gründete. Auf kirchlichem Gebiet setzte er sich 1228 durch die Einrichtung des Kollegiatsstiftes ein Denkmal.
Durch die sich wandelnden staatsrechtlichen Verhältnisse und die politische Entwicklung konnten die bisher dem Stammesherzog nachgeordneten Grafen und Bischöfe im Herzogtum mit Erfolg danach streben, selbst Landesfürstentümer aus ihren bisherigen Jurisdiktionsbereichen im Herzogtum zu machen. Das war natürlich für Ludwig als Herzog von Bayern eine Aufforderung zum politischen Existenzkampf. In dieser Krise des bisherigen Stammesherzogtums hätte Herzog Ludwig beinahe einen außerordentlichen Erfolg errungen, wenn er durchgesetzt hätte, dass seine Belehnung durch den Bischof Gerold von Freising mit der Stadt gleichen Namens unangefochten geblieben wäre. Das Freisinger Domkapitel aber widersprach heftig. Dasselbe taten der in der Territorialpolitik weit ausgreifende Erzbischof von Salzburg und andere Bischöfe, die auf Kosten des Stammesherzogtums eigene Fürstentümer aufbauten.
Papst Gregor IX. beauftragte im Juni 1230 den Salzburger und den Regensburger, "unerlaubte" Veräußerungen von Gütern - notfalls unter Verhängung kirchlicher Strafen - rückgängig zu machen. Die vom Freisinger Bischof an den Herzog zu Lehen gegebenen Stadtgebiete von Freising wurden als unerlaubt veräußert bezeichnet. Dar Kaiser kassierte darauf die Belehnung des Herzogs durch den Bischof im September 1230.
Mitten aus diesem Leben vieler Erfolge, von denen einige als Grundtatsachen eines bayerischen Landesstaates durch die Jahrhunderte nachwirkten, wurde Ludwig 1231 auf der Donaubrücke von Kelheim durch die Hand eines unbekannten Mörders herausgerissen. Die Motive der dunklen Tat sind umstritten. In Kelheim geboren und in Kelheim gestorben, erhielt Ludwig später den Beinamen "der Kelheimer".
Ein Jahr nach seinem Tod gründete seine Witwe Ludmilla den berühmt gewordenen Zisterzienserinnen-Konvent und die WITTELSBACHER Familiengrablege in Seligenthal bei der von Ludwig gegründeten Residenzstadt Landshut. In der Kirche erinnern noch heute die wohl erst zu Anfang des 14. Jahrhunderts geschaffenen farbigen Holzfiguren an das Herzogspaar.